Verfälscht das Radio durch Schweigen die Wirklichkeit?


amfmdab+

Gesperrter Benutzer
#1
Normalerweise kommen die Vorwürfe ja vom rechten politischen Spektrum: Die Medien, das Radio inbegriffen, gäben nicht die vollständige Wahrheit wieder. Gestern bin ich zufälligerweise im Netz auf Ken Jebsen getroffen. In der von ihm moderierten Talkshow sassen ausschließlich "Linke", die den gleichen Vorwurf erhoben.

Sinngemäß ging es darum, dass es eine Handvoll Verleger gibt, die Ihre Meinungen durchsetzen, indem sie (meist unausgesprochen) ihre Journalisten auf Kurs bringen. Bei den öffentlich-rechtlichen Medien seien die Mechanismen komplexer, im Ergebnis aber ähnlich.

Kann an dem Vorwurf Eurer Erfahrung und Meinung nach was dran sein? Mir fällt auf Anhieb eine Geschichte ein, die diese These zu stützen scheint. Teil des letzten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung war die auf eine Auswertung sämtlicher Bundestagsabstimmungen beruhende Erkenntnis, dass dieses Organ fast ausschließlich zugunsten Reicher seine Entscheidungen getroffen hat, die Interessen der Mittel- und Unterschicht wurden nahezu komplett übergangen. Abgeglichen wurden die abgefragten Vorstellungen und Wünsche aller Bevölkerungsschichten mit dem anschließenden tatsächlichen Stimmverhalten der Abgeordneten.

Jedenfalls hat die Bundeskanzlerin bei der Abstimmung des Textes innerhalb der Regierung die entsprechende Passage einkassiert, was einige Journalisten mitbekommen und veröffentlicht haben. Allerdings wurden die Erkenntnisse anschließend vom Rest der Publizierenden, dem Radio eingeschlossen, kleingehalten, darunter war auch "ARD Aktuell", also die "Tagesschau". Darüber hinaus gab hier und da einen Bericht oder ein Interview. Innerhalb kürzester Zeit verschwand das Thema aus den Programmen.

Seitdem wird das Thema totgeschwiegen. Bis heute wird darüber in den Medien nicht berichtet oder diskutiert. In Sendungen wie "Kontrovers" (DLF), "Tagesgespräch" (WDR 5 und Bayern 2) oder "Forum" (SWR 2) wird es nicht thematisiert.

Das halte ich für erstaunlich und gravierend. Schließlich geht es um die Erkenntnis und das Eingeständnis, dass unsere Demokratie nicht funktioniert.
 
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#2
Ich halte sowohl Deine Arbeitshypothese als auch Dein Ergebnis für unzutreffend. Erstens wird nach jedem Armuts- und Reichtumsbericht erneut über dessen inhaltliche Ausrichtung, seine Methodik und die Datenbasis diskutiert. Diese Diskussionen finden sich auch in sämtlichen seriösen Medien wieder. Und ich sehe weit und breit keine Anzeichen dafür, dass unsere Demokratie nicht funktioniert.

Natürlich haben verschiedene Medienhäuser verschiedene grundsätzliche inhaltliche Ausrichtungen. In der "Taz" wirst Du eine andere Grundhaltung finden als in der "Welt". Entsprechend fallen dann auch die Leserkommentare unter den Artikeln aus. Unter dem Strich denke ich schon, dass wir in Deutschland eine ausreichend breite Meinungsvielfalt haben.

Um mal bei Deinem Thema "arm und reich" zu bleiben: Während Du kritisierst, dass die Medien sich zu wenig mit der Kritik an der Berichtsmethodik beschäftigen, kritisieren Leute aus dem eher rechten Spektrum, warum ständig Leute wie Hickel oder Butterwegge in Talkshows zum Thema eingeladen werden.

Man wird es nie allen recht machen können. Muss man auch nicht. Soll man auch gar nicht. Von daher: Ich werte das eher als Zeichen dafür, dass Meinungsvielfalt bei uns funktioniert.

Matthias
 

amfmdab+

Gesperrter Benutzer
#4
Ihr redet am Thema vorbei. Hier geht es nicht um Semantik. Der Vorwurf lautet, unsere Demokratie ist keine:

Teil des letzten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung war die auf eine Auswertung sämtlicher Bundestagsabstimmungen beruhende Erkenntnis, dass dieses Organ fast ausschließlich zugunsten Reicher seine Entscheidungen getroffen hat, die Interessen der Mittel- und Unterschicht wurden nahezu komplett übergangen. Abgeglichen wurden die abgefragten Vorstellungen und Wünsche aller Bevölkerungsschichten mit dem anschließenden tatsächlichen Stimmverhalten der Abgeordneten.

Das halte ich für erstaunlich und gravierend. Schließlich geht es um die Erkenntnis und das Eingeständnis, dass unsere Demokratie nicht funktioniert.
 
#5
Allerdings wurden die Erkenntnisse anschließend vom Rest der Publizierenden, dem Radio eingeschlossen, kleingehalten, darunter war auch "ARD Aktuell", also die "Tagesschau".
Die Tagesschau hat darüber am 23.3.2017 berichtet, als die damalige Arbeitsministerin Nahles den Streit innerhalb der Koalition über verschiedene Formulierungen des Entwurfs öffentlich gemacht hat.

https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-272069.html

Das kam dann auch in den Tagesthemen vom selben Tag als zweites Thema.

Ich hab auch Zweifel, dass der Befund, wie Du ihn zusammengefasst hast, zutreffend beschrieben ist. In der tagesschau habe ich das so verstanden, dass von Armut betroffene seltener wählen gehen, und darum ihre Interessen im Bundestag unterrepräsentiert sind. Das klingt nicht mehr so steil wie Deine These vom Demokratieversagen. Auch der Armutsforscher Butterwege drückt sich in seinem Gastbeitrag auf ZEIT ONLINE nicht so plakativ aus, wie Du das beschrieben hast.
 
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#7
Teil des letzten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung war die auf eine Auswertung sämtlicher Bundestagsabstimmungen beruhende Erkenntnis, dass dieses Organ fast ausschließlich zugunsten Reicher seine Entscheidungen getroffen hat, die Interessen der Mittel- und Unterschicht wurden nahezu komplett übergangen. Abgeglichen wurden die abgefragten Vorstellungen und Wünsche aller Bevölkerungsschichten mit dem anschließenden tatsächlichen Stimmverhalten der Abgeordneten.
Ich möchte jetzt gar nicht nachrecherchieren, ob der von Dir geschilderte Sachverhalt überhaupt zutreffend ist. Zumal man dann auch erst mal schauen müsste, welche Bewertungskriterien dort aufgestellt wurden, und wie dann welche Abstimmungen gewichtet werden. Wann wäre denn eine Abstimmung vorteilhaft für "Reiche"?

Aber davon mal abgesehen: Deine Frage stellt sich in Wirklichkeit überhaupt nicht. Das Volk entscheidet über die Zusammensetzung des Deutschen Bundestages. Die gewählten Mitglieder sind dann frei in ihren Entscheidungen und an Weisungen nicht gebunden. Von daher hat das Volk gar keinen unmittelbaren Anspruch darauf, dass ein einzelner Abgeordnete in einer bestimmten Form abstimmt. Man kann als Wähler nur sagen: "Wenn ich diesen und jenen in den Bundestag wähle, dann wird er vermutlich diese und jene Grundtendenz einbringen". Mehr ist gar nicht vorgesehen.

Wenn Dir also das Abstimmungsverhalten einzelner Abgeordneter nicht gefällt, kannst Du nur folgendes tun: Bei der nächsten Wahl Deine Stimme einer anderen Partei oder einer anderen Einzelperson geben.

Matthias
 
#8
Das ist ja der Skandal. Nämlich die ersatzlose Streichung des Befundes, dass Reiche das Parlament gekauft haben.
Ich finde nicht, dass man das so sagen kann. Ich finde es logisch, dass eine Interessengruppe, die stärker im Parlament vertreten ist, ihre Interessen politisch eher durchsetzt.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Dass Arme sich offenbar frustriert von der Politik abwenden und deshalb anscheinend gar nicht mehr wählen, ist bedenklich, und daran sollte man etwas ändern. Aber man kann deshalb nicht sagen "Reiche haben das Parlament gekauft".
 
#9
Das ist ja der Skandal. Nämlich die ersatzlose Streichung des Befundes, dass Reiche das Parlament gekauft haben.
Bisher dachte ich noch, dass wir hier seriös diskutieren. Du scheinst aber ein ganz gewöhnlicher Verschwörungstheoretiker zu sein, von daher dürfte da eine Diskussion ziemlich fruchtlos sein.

Tatsache ist doch wohl eher, dass der allergrößte Teil des vom Staat eingenommenen Steuergeldes in Sozialleistungen fließt. Es profitiert also gerade die unterste Bevölkerungsschicht überproportional vom Sozialstaat.

Unser Sozialsystem basiert auf dem Grundsatz, die Menschen dazu zu befähigen, ihr Leben wieder in die eigene Hand zu nehmen und auf eigene Beine zu kommen. Daran kann ich wirklich nichts falsch finden.

Matthias
 

amfmdab+

Gesperrter Benutzer
#11
Sicher, Leute wie Klatten und Quandt überweisen vorzugsweise vor Wahlen hunderttausende Euros, weil sie Menschen- und Demokratiefreunde sind. Wo lebst Du?

Du willst doch nicht ernsthaft behaupten, der laut Peter Hartz von der Politik (bis) heute um 150€ zu niedrig berechnete Satz ist Ausweis eines tollen Sozialstaates. Mal abgesehen davon, dass die Mittelschicht die Last trägt, nicht Reiche. Die zahlen erst gar nicht in die Sozialsysteme ein und tricksen bei der Steuer. Ich dachte, die Skandale (Schweiz, Steueroasen, Cum Ex, Cum Cum etc.) hätten sich rumgesprochen.

46 Familien besitzen soviel wie 50% der "unteren" Bevölkerung. Überwiegend durch Nichtsun "erworben" (geerbt). Tolles (Feudal-) System. Leistungsloses Einkommen.

Mit Arbeit wird die ganz überwiegende Mehrheit der Menschen nicht auch nur annähernd reich, 25% werden zudem im Niedriglohnsektor ausgebeutet. Das ist Umverteilung nach oben. Um es auf den Punkt zu bringen: Die Reichen sind so reich, weil die Armen arm sind.
 
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amfmdab+

Gesperrter Benutzer
#13
Ich habe gesagt, es wurde verschähmt gemeldet, kaum berichtet, und war dann in der Versenkung verschwunden. Keine Reportage, keine Talkshow. So wie es die Regierung mit der Streichung aus dem Bericht beabsichtigt hatte. Seltsam, oder?
 
#14
Sicher, Leute wie Klatten und Quandt überweisen vorzugsweise vor Wahlen hunderttausende Euros, weil sie Menschen- und Demokratiefreunde sind. Wo lebst Du?

Du willst doch nicht ernsthaft behaupten, der laut Peter Hartz von der Politik (bis) heute um 150€ zu niedrig berechnete Satz ist Ausweis eines tollen Sozialstaates. Mal abgesehen davon, dass die Mittelschicht die Last trägt, nicht Reiche. Die zahlen erst gar nicht in die Sozialsysteme ein und tricksen bei der Steuer. Ich dachte, die Skandale (Schweiz, Steueroasen, Cum Ex, Cum Cum etc.) hätten sich rumgesprochen.
Die "besorgten Bürger" aus dem neurechten Spektrum könnten jetzt einwerfen, dass die Leute bei uns fürs Nichtstun eh viel zu viel Geld bekommen. Die würden dann vermutlich sogar noch ergänzen: "Und deshalb kommen die alle zu uns"...

Du siehst: Man kann immer alles in die gewünschte Richtung verargumentieren.

Zum Thema Parteispenden: Es ist vom Gesetzgeber ausdrücklich erwünscht, dass die Parteien von ihrer Anhängerschaft auch finanziell getragen werden. Deshalb bekommen Parteien für jeden Euro, den sie an Spenden einwerben, einen zusätzlichen Euro aus der Staatskasse. So lange das alles transparent ist, geht das für mich in Ordnung. Natürlich werden große Arbeitgeber wie Familie Quandt/Klatten eher Parteien mit wirtschaftsfreundlicher Grundhaltung unterstützen. Daher wirbt die Linkspartei auch so wenig Großspenden ein. "Die Reichen" geben jedenfalls Millionen von Menschen Arbeit und halten damit unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft am Laufen.

Die Sache mit den illegalen Steuervermeidungs- oder Hinterziehungs- oder Betrugsmodellen ist natürlich eine Sauerei, die aber auch geahndet und bestraft wird.

46 Familien besitzen soviel wie 50% der "unteren" Bevölkerung. Überwiegend durch Nichtsun "erworben" (geerbt). Tolles (Feudal-) System. Leistungsloses Einkommen.

Mit Arbeit wird die ganz überwiegende Mehrheit der Menschen nicht auch nur annähernd reich, 25% werden zudem im Niedriglohnsektor ausgebeutet. Das ist Umverteilung nach oben. Um es auf den Punkt zu bringen: Die Reichen sind so reich, weil die Armen arm sind.
Tut mir leid, aber das ist ganz platter Linkspopulismus, den Du hier betreibst. Glaubst Du im Ernst, dass es einem schlecht ausgebildeten Niedriglöhner auch nur einen Deut besser ginge, wenn Billy Gates, Hasso Plattner oder Susanne Klatten ein paar Milliarden weniger hätten? Zumal das meist Aktienvermögen ist, welches dann zusammenbricht, wenn die Leute damit beginnen würden, größere Mengen ihrer Bestände auf den Markt zu bringen.

Kannst Du Dir eigentlich vorstellen, was das für eine Belastung ist, einen großen Familienbetrieb weiterzuführen? Solche linken Kampfbegriffe wie "leistungsloses Einkommen" sind da vollkommen fehl am Platze.

Die einzige Forderung, die man in diesem Zusammenhang erheben kann und muss: Der Staat soll dafür sorgen, dass jeder die Möglichkeit hat, eine gute Bildung zu erhalten, um dann sein Leben mit guter Arbeit und gutem Einkommen selbst zu gestalten. Wer aber morgens nicht auf dem Bett kommt, dem kann man irgendwann auch nicht mehr helfen.

Matthias
 

amfmdab+

Gesperrter Benutzer
#15
Werte werden durch Arbeit geschaffen, und nur durch Arbeit. Nicht durch die diversen Zockerbuden und deren "Finanzprodukten". Und nochmal: Kinder Reicher bleiben reich, der Rest verharrt in seinem Status Quo. Ausnahmen sind selten. Die meisten Vermögenden haben geerbt.

Im übrigen sind die Arbeitenden die Arbeitgeber, und die Chefs sind die Arbeitnehmer. Die Chefs wären nichts ohne die fleißige Bevölkerung.

Ja, die armen Aldis, Schwarzes und Ottos.
 
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#16
46 Familien besitzen soviel wie 50% der "unteren" Bevölkerung. Überwiegend durch Nichtsun "erworben" (geerbt). Tolles (Feudal-) System. Leistungsloses Einkommen.
Die Ungleichverteilung des Vermögens ist doch genau in dem von mir vorhin verlinkten Video angesprochen, sogar noch mit Grafik?! Und Andrea Nahles kommt im O-Ton zu Wort und sagt, der Reichtum basiert auf Erbschaft und Schenkungen.

Als der Armutsbericht später vorgestellt wird, darf Riexinger von der Linken auch nochmal in die Kamera den Vorwurf der Zensur und des Schönens sagen. https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-278529.html

Lasches Vorgehen gegen Cum-Ex-Geschäfte wird doch auch regelmäßig in den Medien aufbereitet, zuletzt die drohende Verjährung durch zu wenige Ermittlerstellen.

Die vielen Aspekte von Armut und Reichtum werden meiner Meinung nach oft in den Medien behandelt und nicht verschwiegen. Dass daraus selten politische Konsequenzen erfolgen (oder nicht so oft, wie sich manche wünschen), ist keine Verantwortung der Medien.
 
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#17
Ich habe gesagt, es wurde verschähmt gemeldet, kaum berichtet, und war dann in der Versenkung verschwunden. Keine Reportage, keine Talkshow. So wie es die Regierung mit der Streichung aus dem Bericht beabsichtigt hatte. Seltsam, oder?
Und nochmal: Dein Vorwurf ist nicht berechtigt. Das Thema wurde sehr wohl in allen möglichen Sendungen incl. Talkshows durchgenommen. Für meinen Geschmack sogar zu häufig.

Irgendwie erinnert mich das an die andere Fraktion: Da gibt es eine Reihe von Leuten, die der Tagesschau und den öffentlich-rechtlichen Medien insgesamt vorwerfen, dass sie zu "links" berichten. Die wären vermutlich erst dann zufrieden, wenn die Tagesschau über jeden einzelnen Flüchtling berichtet, der mal bei Rot über die Ampel gegangen ist. Wird sie aber nicht.

Werte werden durch Arbeit geschaffen, und nur durch Arbeit. Nicht durch die diversen Zockerbuden. Und nochmal: Kinder Reicher bleiben reich, der Rest verharrt in seinem Status Quo. Ausnahmen sind selten. Die meisten Vermögenden haben geerbt.
Ein bisschen Glück muss man im Leben eben haben. Du scheinst eher ein Neidproblem zu haben. Im Übrigen ist es bei uns sehr wohl möglich, eigenes Vermögen aufzubauen. Dazu muss man fleißig sein, sich bilden, die richtigen Ideen haben und auch den Mut, diese Ideen umzusetzen. Natürlich ist das immer auch mit Glück verbunden, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, und die richtigen Leute für die eigenen Ideen zu begeistern. Wer natürlich faul ist und sich nichts zutraut, der wird auch keine anderen Leute finden, die ihm was zutrauen. Da hilft es dann auch nichts, sich über die "Reichen" zu echauffieren.

Ich bleibe jedenfalls dabei: "Arm" ist reine Definitionssache. Immerhin lebt die "Armutsindustrie" da auch ziemlich gut von. Ernsthaft "arm" ist in Deutschland jedenfalls niemand.

Matthias
 

amfmdab+

Gesperrter Benutzer
#18
Falsch: Das Wünsche Reicher im Parlament abgenickt werden, die Wünsche der Normalos am Parlament regelmäßig zerschellen, bestätigt "ausgerechnet" durch eine Regierungsstudie, ist nirgendwo mehr Thema.

Zu den anderen Ausführungen: Das sind die ewigen Ausflüchte. Hauptsache nichts ändern. Niedriglohnsektor ok. Einseitige Steuerbelastung ok. Beitragsbemessungsgrenzen in den Sozialversicherungen ok. (Banken-) Rettung der Reichen auf Kosten der Allgemeinheit ok.

Sieh es ein: Das System ist kaputt. Der Kapitalismus wird sich selber vernichten. Die Frage ist nur, wie schnell, und an welcher Stelle es zuerst freckt. Hoffentlich infizieren sich DB und Commerbank nach der Fusion gegenseitig und gehen hops. Drecksläden.
 
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#20
Falsch: Das Wünsche Reicher im Parlament abgenickt werden, die Wünsche der Normalos am Parlament regelmäßig zerschellen, bestätigt "ausgerechnet" durch eine Regierungsstudie, ist nirgendwo mehr Thema.
Dass in den Armutsberichten die Bundesregierung regelmäßig Einfluss nimmt, um ihre Arbeit möglichst gut aussehen zu lassen, habe ich jetzt in vielen Veröffentlichungen gelesen.

Über den Befund an sich haben wir schon gesprochen: Dass das Parlament "gekauft" würde, ist überzogen ausgedrückt und offenbar auch durch die Ursprungsformulierung im Entwurf nicht gedeckt.

Dass allgemein gesprochen Arme keine Lobby haben, ist keine exklusive Erkenntnis. Dass Kritiker etwa der Liken der Regierung eine Umverteilungspolitik von unten nach oben vorwerfen, wird oft bei anderen Gelegenheiten/Debatten in den Medien aufgegriffen, ohne dass man dass jetzt an diesem Vorgang beim Armutsbericht festmachen müsste.
 
#21
Mal abgesehen davon, dass die Mittelschicht die Last trägt, nicht Reiche. Die zahlen erst gar nicht in die Sozialsysteme ein und tricksen bei der Steuer. Ich dachte, die Skandale (Schweiz, Steueroasen, Cum Ex, Cum Cum etc.) hätten sich rumgesprochen.
Und warum haben sich die Steuerskandale herumgesprochen? Vielleicht weil u.a. Journalisten von WDR und NDR an der Aufklärung beteiligt waren, siehe "Panama Papers".

Man kann dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk ja vieles vorwerfen, fehlenden Aufklärungswillen bei den Themen Steuern und soziale Gerechtigkeit kann ich aber nicht erkennen.
 

amfmdab+

Gesperrter Benutzer
#22
Beyme, siehst Du nicht den Unterschied zwischen "Vorwürfen" und einer EMPIRISCHEN STUDIE DER REGIERUNG? Die Studie ist der Supergau, der Beweis, wer im Land die Macht hat.

Sie beweist, dass Wahlen nichts bewirken. Die Demokratie existiert nur auf dem Papier.

bayern2, wären die Dokus zu den Skandalen zur prime time bei ARD und ZDF gelaufen, perfekt. Leider wurden sie in der Nacht versteckt und auf den sub-channels entsorgt. Die Masse wird bewusst dummgehalten.
 
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#23
Beyme, siehst Du nicht den Unterschied zwischen "Vorwürfen" und einer EMPIRISCHEN STUDIE DER REGIERUNG? Die Studie ist der Supergau, der Beweis, wer im Land die Macht hat.

Sie (die Studie) beweist, dass Wahlen nichts bewirken. Die Demokratie existiert nur auf dem Papier.
Wie lautet denn nun die genaue Formulierung, die aus dem Entwurf gestrichen wurde?

Wie der Befund in der Tagesschau rübergekommen ist, habe ich ja schon geschrieben: dass von Armut Betroffene seltener wählen gehen, und darum ihre Interessen im Bundestag unterrepräsentiert sind. Das wäre doch im Gegenteil ein Beweis für das Funktionieren eines wichtigen Mechanismus der repräsentativen Demokratie: Dass sich die Interessen von denjenigen durchsetzen, die wählen gehen.
 
#24
Ist doch klar. Wenn "von Armut Betroffene" seltener wählen gehen sind deren Repräsentanten auch seltener im Parlament vertreten. Man macht Politik für diejenigen, die einen gewählt haben. Zudem müssten diese Leute nicht nur wählen, sondern sich auch wählen lassen. Da wird es sicherlich noch düsterer aussehen.
 

amfmdab+

Gesperrter Benutzer
#25
Beyme, bitte schön: Hier der Originaltext, bevor die Kanzlerin viele Passagen hat streichen lassen. Interessant insbesondere die Seite 170ff.

Zitat: "Das Ergebnis der Studie ist, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Politikänderung wesentlich höher ist, wenn die Politikänderung von einer großen Anzahl von Befragten mit höherem Einkommen unterstützt wird..."
 

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