Verfälscht das Radio durch Schweigen die Wirklichkeit?


#27
@amfmdab+ Super, danke! Das hilft doch weiter. Es ist genau, wie ich vermutet habe und die tagesschau korrekt dargestellt hat.

Lies mal zu Ende, beim Wechsel von Seite 171 auf 172.

Zitat: "Die Gründe für diese Befunde sind noch nicht erforscht. Es ist einerseits denkbar, dass sich Parteien, die selbstverständlich möglichst viele Wählerstimmen gewinnen möchten, aufgrund der geringeren politischen Parzipation der Personen mit geringerem Einkommen weniger an deren Interessen ausrichten.
...
ein empirischer Beleg für die These, dass die Interessen von Bürgerinnen und Bürger, die sich nicht an Wahlen oder durch andere Formen der politischen Partizipation an der Gestaltung des Gemeinwesens beteiligen, bei politischen Entscheidungen weniger berücksichtigt werden."

Das wird dann als "Krise der Repräsentation" bezeichnet, auch die Warnung vor einem Teufelskreis durch noch geringere Partizipation von politisch Enttäuschten finde ich nachvollziehbar.

Das ist aber wie gesagt, nicht nur Welten entfernt davon, dass Wahlen nichts bewirken, sondern das exakte Gegenteil Deiner Behauptung.
 

amfmdab+

Gesperrter Benutzer
#28
Da steht drin, dass Mittel- und Unterschichtsinteressen gegenüber Reicheninteressen eklatant vernachlässigt werden. Es handelt sich dabei um die Mehrheit der Bevölkerung und nicht um den armen Teil, der weniger wählen geht.

Nochmal: Eine Minderheit diktiert das Programm.

Was gibt es da nicht zu verstehen? Ich habe Dir den Kernsatz doch zitiert.
 

amfmdab+

Gesperrter Benutzer
#33
Du hast versucht, die zentralen Aussagen des Berichtsentwurfes mittels Nebelkerzen, respektive Verweise auf Nebenaspekte, zu hintertreiben. Das ist komplett unsachlich.

Ab jetzt bitte ich Dich, falls Du wieder ein Verlangen nach "Originaltexten" verspürst, Google zu bemühen.
 
#34
Es bleibt dabei, was Dir hier schon von mehreren Leuten erklärt wurde: Deine These ist unzutreffend. Zum Glück. Denn es ist und bleibt natürlich Aufgabe von Politik und Gesellschaft, sich gerade auch um die Schwächsten zu kümmern. Und das wird bei uns in Deutschland auch sehr ausgiebig getan. Sowohl durch staatliche Stellen mit Steuergeldern, als auch aus bürgerschaftlichem Engagement heraus.

Mit Demokratieverlust hat das alles jedenfalls nichts zu tun. Im Gegenteil: Unsere Wahlrechtsgrundsätze beinhalten ja ausdrücklich, dass jeder wählen darf und dass jede Stimme gleich viel zählt. Es hat eben nicht der "Reiche" mehr Stimmen als der "Arme". Die Stimme des SGB-II-Leistungsempfängers hat exakt das gleiche politische Gewicht wie die Stimme von Susanne Klatten oder Dirk Rossmann. Manche würden vielleicht sogar ein "leider" hinzufügen...

Von daher muss ich jetzt noch mal fragen: Was ist eigentlich Dein Problem?

Matthias
 
#36
Ich persönlich habe nichts gegen Lobbyarbeit. Auch das gehört zu einer freiheitlichen pluralistischen Gesellschaft. Jedem steht es frei, sich in Organisationen zusammenzuschließen, um gemeinsam gegenüber der Politik Interessen zu vertreten. Es gibt übrigens nicht nur die Autolobby, die Industrielobby oder die Öllobby. Es gibt genau so die Kinderlobby oder die Behindertenlobby. Und alle engagieren sich für ihre jeweilige Zielgruppe. Für arme und schwache Menschen engagieren sich zum Beispiel die Sozialverbände vdk und SoVD.

Also meiner Meinung nach wird an jeden gedacht.

Matthias
 
#37
dank unserer Demokratie gibt es Organisationen wie Lobbycontrol. Dieses Kaputt-Reden unserer Demokratie von Links und Rechts geht mir langsam sowas von auf den Zeiger... Ich bitte darum, das dieser Thread in die Auszeit verschoben wird, da ich hier keinen Bezug zum Thema Radio erkennen kann - schon gar nicht in der sich anschließenden "Diskussion" nach dem Eröffnungsstatement. Das unsere Demokratie (noch) funktioniert, zeigt auch dieser Thread. Ungestraft darf man den größten Blödsinn veröffentlichen.
 
Zuletzt bearbeitet:
#38
Und ich sehe weit und breit keine Anzeichen dafür, dass unsere Demokratie nicht funktioniert.
Blind?
Das Volk entscheidet über die Zusammensetzung des Deutschen Bundestages.
Wer glaubt den sowas? Die Parteien entscheiden durch ihre Kandidatennominierung und Listenzusammenstellung darüber, wer ins Parlament kommt. Volkes Stimme ist Alibi.
Ich finde es logisch, dass eine Interessengruppe, die stärker im Parlament vertreten ist, ihre Interessen politisch eher durchsetzt.
Zum Beispiel Beamte. Ich finde das auch logisch. Aber ich halte es gleichwohl für undemokratisch und unsolidarisch. Zumal ja jeder Abgeoprdnete schwört, dass er zum Wohle des ganzen Volkes agiert, und nicht zur eigenen Wohlfahrt.
Das ist nie verschwiegen worden
Stimmt! Vor allem Sarah Wagenknecht hat das ja auf und ab gepredigt. Hat aber auch noch nie zu einer anderen Politik der Regierungsparteien geführt.
ist natürlich eine Sauerei, die aber auch geahndet und bestraft wird
Optimismus ist zum Glück noch steuerfrei erlaubt.
Ernsthaft "arm" ist in Deutschland jedenfalls niemand.
Im weltweiten Vergleich ist das zutreffend. Höchstens man zählt auch die hinzu, die arm im Geiste sind. Dann wird das Land ein Problemfall.
für allgemeine Kapitalismuskritik ist das hier nicht das passende Forum
Warum eigentlich nicht, wenn die Medien Indikatoren für Defizite des Systems sind?
 
#40
Oh weh, muss man hier auch noch Nachilfe in politischer Bildung erteilen!
Einfach mal Bundeszentrale für politische Bildung googeln und dann unter dem Stichwort Abgeordnete nachschlagen. Da steht unter anderem:

Abgeordnete (A) sind die nach den Vorschriften der Verfassung von den Bürgern gewählten Mitglieder eines Parlaments. Von den Deputierten der Ständeversammlungen unterscheiden sie sich dadurch, dass sie nicht den Interessen eines Standes oder einer Region, sondern dem Wohle des ganzen Volkes verpflichtet und keinen Weisungen unterworfen sind.
Hier mehr dazu:
http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/handwoerterbuch-politisches-system/201755/abgeordneter?p=all
 
#43
Ums Rechthaberle zu füttern: Es steht nirgendwo, dass der Abgeordnete das schwört. Wenn Du meinst, er sei damit aus dem Schneider und könne agieren, wie er wolle, insbesondere zu seinen eigenen Gunsten, dann sei Dir diese spezifische Sicht auf Wesen und Sollen eines demokratischen Abgeordneten gegönnt.
 
#44
Also erst behauptest Du, dass alle Abgeordneten etwas schwören. Dann musst Du offenbar feststellen, dass es dafür keine Rechtsquelle gibt. Das hätte ich Dir übrigens vorher sagen können. Nur Amtsträger leisten einen Eid, Mandatsträger jedoch nicht.

Und selbstverständlich kann ein Abgeordneter de jure so agieren, wie er möchte. Denn er ist an Aufträge und Weisungen nicht gebunden, sondern nur seinem Gewissen verpflichtet. De facto ist er natürlich in seine Fraktion eingebunden, weil ansonsten ein funktionierender Politikbetrieb nicht möglich wäre.

Zu seinen eigenen Gunsten wird kaum ein Abgeordneter agieren, das würde übrigens auch sofort auffallen. Wie sollte das auch praktisch aussehen?

Matthias
 
#46
Du weißt aber schon, dass zwischen Theorie und Praxis bisweilen eine Lücke klafft. Ich glaube, wenn man die russischen oder türkischen Wahlsysteme und Verfassungsparagrafen nur dem Wortlaut nach analysierte, käme man zum Ergebnis, es mit "lupenreinen Demokratien" zu tun zu haben. In der gelebten Praxis sieht das dann aber ein bisschen anders aus.
 
#47
Da hast Du selbstverständlich vollkommen Recht. Die Lücke ist bei uns aber längst nicht so groß wie anderswo. Das soll jetzt kein Grund zur Entwarnung sein, aber verstecken müssen wir uns da auch nicht.

Matthias
 
#48
OK, da sind wir uns mal einig. Wir könnten auch folgendes Experiment machen: Jeder von uns schreibt die Abgeordneten seines Wahlkreises an und fragt gezielt, nach welchen ethischen und moralischen Kriterien diese Abgeordneten ihr Amt ausüben - oder versprechen, es auszuüben. Dann veröffentlichen wir die Ergebnisse hier. Ich würde aber jetzt schon eine Wette abschließen, dass jeder etwas vom "Wohl des Volkes" und von "Einsatz für soziale Gerechtigkeit und Gleichbehandlung" faseln wird, und dass niemand zugeben wird, zugunsten bestimmter Lobby- oder Interessensgruppen zu agieren, schon gar nicht, zum eigenen Wohl.
 
#49
Klar, was sollen sie auch sonst antworten? Ich muss aber wirklich sagen, dass ich nichts dagegen habe, dass das so ist. Ich sehe da kein grundsätzliches Problem drin. Die Abgeordneten werden von allen möglichen Seiten beackert, und kommen dann irgendwann zu einem Mehrheitsergebnis.

Matthias
 
#50
OK, da sind wir uns mal einig. Wir könnten auch folgendes Experiment machen: Jeder von uns schreibt die Abgeordneten seines Wahlkreises an und fragt gezielt, nach welchen ethischen und moralischen Kriterien diese Abgeordneten ihr Amt ausüben - oder versprechen, es auszuüben.
Kann man machen. Man sollte sich aber darauf gefaßt machen, daß sie gerade in turbulenten Zeiten oft nur Standard-Blabla verschicken. Just bahnen sich neben den Europa-Wahlen auch noch andere Landes- oder Kommunalwahlen an, insofern sind viele Büros aktuell ziemlich ausgelastet.
Es gibt Vereine oder Nicht-Regierungs-Organisationen, die in den letzten Wochen genau diese Anfragen losgetreten haben, um ihren Mitgliedern/Unterstützern eine entsprechende Übersicht zu liefern, ihr wärt also nicht die einzigen ;)

Dann veröffentlichen wir die Ergebnisse hier. Ich würde aber jetzt schon eine Wette abschließen, dass jeder etwas vom "Wohl des Volkes" und von "Einsatz für soziale Gerechtigkeit und Gleichbehandlung" faseln wird, und dass niemand zugeben wird, zugunsten bestimmter Lobby- oder Interessensgruppen zu agieren, schon gar nicht, zum eigenen Wohl.
Wird niemand zugeben, weil's meistens nicht so ist, zumal die Lobby- oder Interessenvertreter gerne auch sehr unterschiedliche, wenn nicht sogar entgegengesetzte Meinungen vertreten. Daß der Eindruck breitgetreten wird, daß vor allem die Vertreter der Industrie oder der Reichen eher mit ihren Vorschlägen durchdringen, ist oft genug dem Umstand geschuldet, daß man sich beim Austausch von Argumenten gerne an belastbaren Zahlen festhält. Daß Moral oder soziales Denken auch ohne Preis einen Wert hat, fällt zu häufig durchs Raster ...

Gruß
Skywise
 
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