Verzweifelt gesucht: Die radiohörenden Jugendlichen


#76
Wenn ich die Spotify-Playlist nicht selbst zusammenstelle, wird sie von einem Algorithmus generiert. Und der lag schon manches mal daneben.
Und der Dudelfunk-Algorithmus hat eine bessere Trefferqoute? Und den kann man auch mit persönlichen Vorlieben ergänzen?
Zugegeben, ganz ohne Pflege kommt Spotify nicht aus. Das Ergebnis ist dann aber immer lohnender als der lokale oder regionale Dampfbläser aus dem Radio.
 
#77
Nun, das kommt ganz drauf an, wen man ganz gezielt einschaltet. Das kompakte Musikwissen eines Reinhard Meynen oder eines Werner Reinke hat Spotify nicht. Spotify kann seine Musik auch nicht dem geneigten Hörer mit diversen Anekdoten oder weiterem Hintergrundwissen nahe bringen. Spotify kann mich nicht "mitnehmen", wie es so schön heißt. Und damit wären wir wieder beim Punkt. Radio hat und kann Personailty, was Spotify niemals kann, weils nur ein seelenloser Datenabspieler ist. Radio kann mich ganz persönlich ansprechen. Und das ist der entscheidende Unterschied, was man in so manchen Chefetagen einer ganzen Reihe von Sendern endlich mal verstehen sollte.
Radio wird nicht sterben, denn auch die Schallplatte gibts immer noch. Und sie erfreut sich seit einigen Jahren wieder wachsender Beleibtheit. Aber Radio wird weiter an Bedeutung verlieren, wenn es sich nicht endlich auf seine wirklichen Kompetenzen besinnt.
 
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#78
@Radiokult
Kuratierte Playlists kann Spotify von heut auf morgen anlegen. Sich ein paar Spezialisten zu kaufen, kostet nicht die Welt. Dazu nen Podcast mit Mod. Das ganze montieren - Zack - bumm - bonjour und fertig ist die Marie und interessante Musik-Journale. Kompakt, mittellang oder sehr lang. Je nach Geschmack. Warum nicht 3-6 Stunden. Ideal für ne lange Tour im ICE oder Auto... Alles machbar, Herr Nachbar, muss man nur wollen... Wenn es nicht läuft, optimieren oder es besser machen. Stattdessen werden zigtausende für Tautologen ausgegeben, die ihre Uralt-Weisheiten an den Sender bringern...

Richtig: Radio könnte es, aber will es zu 90% nicht mehr. So krümmelt der Keks, leider. Vielleicht schlimmer noch, wenn Du auf dem Ozean segeln willst, brauchst du Seemannschaft. Mit Karnevals-Kapitäne und Leichtmatrosen kommst du selbst im Tretboot aufm Baggersee in Seenot.
 
#79
...dem geneigten Hörer mit diversen Anekdoten oder weiterem Hintergrundwissen nahe bringen.
Ja, auch ich bin vor Jahrzehnten fast ins Radio gekrochen, wenn Werner Reinke solche Anekdoten zum besten gab. Heute gibt es das in Huelle und Fuelle in den Social Media Kanaelen des Internet, nicht Donnerstag Abend um halb sieben, sondern dann, wann ich gerade will. Und im Gegensatz zu frueher ist das keine Einbahnstrasse, die Fans koennen zum Inhalt beitragen, durch kommentieren, teilen oder gar veraendern. Der Vergleich der Radio-Aera mit der heutigen Landschaft ist etwa die Dampflokomotive zu einem selbstfahrenden Tesla. Auch die Dampflok hat natuerlich noch Fans, wie die Schallplatte. Aber das sind nette Randerscheinungen, nichts was mehr bestimmend fuer das Medium ist.
 
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#80
Trotzdem wird es noch lange genug "Jugendsender" geben, also zumindest Programme, die vorgeben, für eine junge Zielgruppe zu senden, tatsächlich aber auf Erwachsene zielen, denen die AC-Programme zu schnarchig und zu bräsig sind. Die können sich da so richtig cool, lit und hip fühlen.
Das Durchschnittsalter der Hörer von "Jugendsendern" wie Energy oder 1Live liegt bei Mitte bis Ende 30.

Das einzige UKW-Programm in Deutschland, das mehrheitlich Hörer unter 30 erreicht und somit noch als Jugendradio durchgehen kann, ist Bremen NEXT.

Die machen im Prinzip das, was N-JOY vor einem Vierteljahrhundert geboten hat: Konsequent auf die bei der jungen Zielgruppe angesagte Musik und authentische Ansprache setzen. Klingt für so machen Ü30er dümmlich oder anstößig, kommt in der Zielgruppe aber umso besser an.
Wobei das Team von NEXT auch Social Media einigermaßen verstanden hat und bei Insta & Co im echten Dialog mit der Zielgruppe steht.
 
#81
Heute gibt es das in Huelle und Fuelle in den Social Media Kanaelen des Internet,
Ach so? Wo denn genau? Ich möchte nicht nach irgendwas suchen und mich dann belesen. Ich möchte akustisch unterhalten werden. Und genau das gibts in der Form im Netz nicht. Und davon mal abgesehen ist es ja nun nicht so, dass es von diesen Radiosendungen nicht auch Podcasts und artverwandtes gäbe, was man sich dann völlig zeitunabhängig anhören kann.

Und im Gegensatz zu frueher ist das keine Einbahnstrasse,
Das ist genauso ein Quatsch, was ausgerechnet du eigentlich besser wissen solltest. Das Einbringen der Hörer ist heute lediglich schneller als noch vor 20-30 Jahren. Davon abgesehen wüßte ich jetzt keinen Sender, der nicht eine Facebook-Seite oder wenigstens WhatsApp zur Kommunikation mit den Hörern nutzt. Manche tun ja hier gerade so, als ob der heutige Rundfunk komplett hinterm Mond leben würde...

Kuratierte Playlists kann Spotify von heut auf morgen anlegen.
Könnte es, klar. Macht es aber nicht und wird es auch nicht machen, weil richtiger Musikjournalismus Geld kostet. Und das weiß man vor allem bei Spotify sehr genau, wo man Künstler bekanntlich nur als Ware zum Umsatz betrachtet.
 
#82
Ach so? Wo denn genau? Ich möchte nicht nach irgendwas suchen und mich dann belesen. Ich möchte akustisch unterhalten werden. Und genau das gibts in der Form im Netz nicht. Und davon mal abgesehen ist es ja nun nicht so, dass es von diesen Radiosendungen nicht auch Podcasts und artverwandtes gäbe, was man sich dann völlig zeitunabhängig anhören kann.
Google, Facebook, Instagram, Youtube, nicht zuletzt Wikipedia, etc, etc. Nutzt meine Mutter alles fast täglich ohne Probleme und wartet nicht, bis der Onkel im Radio ihr was erzählt, was sie wissen will.


Das ist genauso ein Quatsch, was ausgerechnet du eigentlich besser wissen solltest. Das Einbringen der Hörer ist heute lediglich schneller als noch vor 20-30 Jahren.
Wenn Nutzer online in Echtzeit kommentieren, miteinander (!) diskutieren, gar das bestehende Werk adaptieren, dann entsteht eine gänzlich neue Qualität, die mit verlesenen Hörerbriefen oder ähnlicher Interaktion vom Radio nichts mehr zu tun hat. Wenn du das als Quatsch abtust, diskutieren wir irgendwie in verschiedenen Sphären oder auch auf unterschiedlichem Niveau und lassen es besser.

Davon abgesehen wüßte ich jetzt keinen Sender, der nicht eine Facebook-Seite oder wenigstens WhatsApp zur Kommunikation mit den Hörern nutzt. Manche tun ja hier gerade so, als ob der heutige Rundfunk komplett hinterm Mond leben würde...
Wenn der Chinese zu Recht bemängelt, dass der Originalcontent im Radio (das was aus dem Lautsprecher kommt) schon altbacken und niveaulos ist, dann kann der Content in Social Media kaum besser sein, sondern dient nur als Abklatsch zur versendeten Klangtapete: "Postet auf facebook, wo ihr ins Schwimmbad geht". Wer's denn braucht....


... wo man Künstler bekanntlich nur als Ware zum Umsatz betrachtet.
Ja in der DDR war es am Ende doch am schönsten, da bestimmte ein obskures Kulturgremium aus SED-Bonzen, wer eine Lizenz als Musikunterhalter (aka Rockband) bekam und was er verdiente. Und auch DT64 gäbe es dann wieder, heissa....
 
#83
Jetzt muss ich mich dann doch sehr wundern über die Grenzwelle...

Google, Facebook, Instagram, Youtube, nicht zuletzt Wikipedia, etc, etc. Nutzt meine Mutter alles fast täglich ohne Probleme und wartet nicht, bis der Onkel im Radio ihr was erzählt, was sie wissen will.
Offensichtlich hast du den Sinn von Unterhaltung nicht verstanden. Davon abgesehen karrikierst du dich (zu meinem Erstaunen!) gerade selbst. Nochmal: Ich will mich nicht irgendwo belesen, sondern ich möchte unterhalten werden. Das ist ein erheblicher Unterschied. Und davon abgesehen: Wenn ich nach irgendwelchen Geschichten Google oder auf Wiki suche, setzt das voraus das ich die Storys schon kenne, sonst würde ich sie dort nicht finden.

Wenn Nutzer online in Echtzeit kommentieren, miteinander (!) diskutieren, gar das bestehende Werk adaptieren, dann entsteht eine gänzlich neue Qualität, die mit verlesenen Hörerbriefen oder ähnlicher Interaktion vom Radio nichts mehr zu tun hat.
Oh, verstehen wir jetzt Aussagen bewußt falsch? Schonmal Blue Moon gehört oder artverwandte Sendungen?
Ich wußte gar nicht das Call ins nicht in Echtzeit stattfinden können.
Wenn du das als Quatsch abtust,
Habe ich an keiner Stelle.
diskutieren wir irgendwie in verschiedenen Sphären oder auch auf unterschiedlichem Niveau und lassen es besser.
Von Niveau schwadronieren und dann auf Facebook und Co verweisen... klasse Argumentation! Merkste selbst, oder?

Wenn der Chinese zu Recht bemängelt, dass der Originalcontent im Radio (das was aus dem Lautsprecher kommt) schon altbacken und niveaulos ist,
Dann ist das zuallererst eine völlig dämliche Verallgemeinerung, wie man sie vom Chinesen allseits gewohnt ist.
dann kann der Content in Social Media kaum besser sein, sondern dient nur als Abklatsch zur versendeten Klangtapete: "Postet auf facebook, wo ihr ins Schwimmbad geht". Wer's denn braucht....
Oh, was denn nun? Grade war u.a. Facebook noch dein Heilsbringer. Jetzt isses plötzlich böse und doof. Kannste dich mal bitte entscheiden?

Ja in der DDR war es am Ende doch am schönsten, da bestimmte ein obskures Kulturgremium aus SED-Bonzen, wer eine Lizenz als Musikunterhalter (aka Rockband) bekam und was er verdiente. Und auch DT64 gäbe es dann wieder, heissa....
Und wenn man keine Argumente hat, schreibt man halt schlichtweg dummes Zeug. Ich erspare dir jetzt aus reinem Anstand den Vergleich mit diversen anderen Forenmitgliedern hier.

Ernsthaft: Welche Laus ist dir denn über die Leber gerannt, hier solchen Unfug zu schreiben? Schlechten Tag gehabt?
 
#84
...karrikierst du dich (zu meinem Erstaunen!) gerade selbst. ...
... Von Niveau schwadronieren ... klasse Argumentation! Merkste selbst, oder?. ...
...völlig dämliche Verallgemeinerung, ...
.... Und wenn man keine Argumente hat, schreibt man halt schlichtweg dummes Zeug. I
...hier solchen Unfug zu schreiben? Schlechten Tag gehabt?
Du erwartest nicht ernsthaft, dass ich auf solche Tiraden noch eingehe, oder? Wie schon gesagt, das Niveau ist dann einfach zu unterschiedlich.

Etwa die Kamelle, dass Spotify mit der gestreamten Musik tatsächlich Geld verdienen will, verdient kaum eine andere Replik als die mit der DDR. Ich hätte mir das aber verkniffen, wenn nicht schon deine letzte Antwort an mich ziemlich dreist war. Aber vielleicht bin ich es nur nicht mehr gewohnt, mit Deutschen zu diskutieren.

Ganz allgemein: Was allgemein als Unterhaltung verstanden wird, ändert sich mit der Zeit und vor allem getrieben durch neue Technologie, an die in der Blütezeit des Radios nicht zu denken war. Blue Moon und Co. waren und sind sicher tolle Sendungen, für Leute, die mit dem Medium Radio sozialisiert wurden. Angesichts des überwältigenden Angebots an Alternativen ist meine Prognose, dass diese Leute jedoch immer weniger werden. An der Stelle stimme ich auch mit dem Chinesen nicht überein, dass es guter Content richten würde. Der gute Content kostet angesichts einer schwindenden Zielgruppe zu viel Geld. Ich denke, dagegen kommt man mit den besten Ideen nicht an.
 
#85
Oh Gott, du wurdest wohl schon erfolgreich vom Moderator zum Influencer umgeschult. Ist ja grässlich. Melde dich hier ab und registriere dich bei Insta, Alexa, Spotify et cetera. Und bete, dass Insta nicht weiter das Ziel verfolgt, Likes nicht mehr öffentlich machen zu wollen. Das gibt weniger Einnahmen (LG an den Chinesen).

Ansonsten viel Spaß beim aktualisieren von Wikipedia-Artikeln. Jetzt aber schnell, bevor es deine Mutter zuerst im Radio erfährt.

Schöne, geile Digital-Welt. Wer es glaubt.

Dein hergestellter Zusammenhang zur DDR und DT64 ist an Blödheit kaum zu überbieten.

PS: wer Streamingdienste nutzt, hört auch nur seine Lieblingshits. Die wiederholen sich dann zum Teil alle 10 Minuten. Dagegen ist Dudelfunk ja noch harmlos.
 
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#86
Du erwartest nicht ernsthaft, dass ich auf solche Tiraden noch eingehe, oder?
Doch schon, ich suche nämlich noch immer verzweifelt nach Argumenten bei dir. Selbst der Chinese hat da inhaltlich mehr zu bieten. Man muss mit ihm nicht einer Meinung sein, aber er kann darlegen was er möchte. Du polterst nur.
Wie schon gesagt, das Niveau ist dann einfach zu unterschiedlich.
Nun ja, was du für Niveau hältst... aber laßen wir das.
Etwa die Kamelle, dass Spotify mit der gestreamten Musik tatsächlich Geld verdienen will, verdient kaum eine andere Replik als die mit der DDR.
Wenn man falsch zitiert und aus dem Zusammenhang reißt, kann man sich dann natürlich solche "Argumente" zusammenzimmern. So wie du das darstellst, habe ich das aber weder gesagt noch gemeint. Es ist und bleibt schlichtweg Unsinn.
Spotify wird keine musikjournalistischen Sendungen produzieren, weil sie Geld kosten. Geld, dass man vermutlich nicht wieder reinholt. Davon abgesehen gibt es auch nicht wenige Künstler, welche Spotify (und auch andere Streamingdienste!) ziemlich kritisch sehen, was wiederum etwas mit der vergleichsweise schlechten Bezahlung durch selbige zu tun hat. Was das mit deinem obskuren DDR-Vergleich zu tun hat, weißt du vermutlich selbst nicht.
Was allgemein als Unterhaltung verstanden wird, ändert sich mit der Zeit und vor allem getrieben durch neue Technologie
Stimmt. Mir ist aber noch niemand begegnet, der zur Unterhaltung Wikipedia oder Google bemüht hat. Das sind Informationsquellen und nichts anderes. Das hat mit Unterhaltung, wie auch immer man die definieren möchte, nichts zu tun.
An der Stelle stimme ich auch mit dem Chinesen nicht überein, dass es guter Content richten würde. Der gute Content kostet angesichts einer schwindenden Zielgruppe zu viel Geld. Ich denke, dagegen kommt man mit den besten Ideen nicht an.
Wer sagt denn, dass Qualität nicht auch wieder mehr Hörer an die Radiogeräte holt, auch Jüngere? Es gibt mittlerweile von unzähligen Sachen Podcasts im Netz, welche rege genutzt werden. Eines der Probleme des Radios ist nämlich wie bei der TV-Erhebung: Die Zahlen der Zugriffe auf solche Podcasts etc. werden genauso wie die Zugriffe auf die Mediatheken, nicht mit in die allgemeinen Quotenzahlen eingerechnet, womit ein völlig schiefes Nutzungsbild entsteht.
 
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#87
ich möchte unterhalten werden.
Ich auch. Leider leisten Radiosender dies nur noch in seltenen Ausnahmefällen. Auf der anderen Seite habe ich aber noch nichts Besseres gefunden, schon gar nicht auf den diversen Social Media Kanälen und Online-Plattformen. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass auch im Radio eines Tages wieder Leute das Sagen haben werden, die vom Inhalt her kommen und nicht von der Verpackung. Dann ist Radio unschlagbar.
 
#88
Apropos Verpackung, wenn die "Jingles" gemeint sind, bin ich schon der Meinung, dass der persönliche Sound des Senders im Zusammenspiel mit guten Moderatoren die Voraussetzung sind, um überhaupt dran zu bleiben. Zweimal dasselbe "gut gemachte" Programm, genauso wie zweimal Dudelfunk können trotzdem eher oder weniger Einschalt- und Dranbleibimpuls sein, wenn das "Zwischendrin" (nicht) stimm....
 
#89
Im Gegensatz zu einigen Foristen hier, weiß ich - das ich nichts weiß. Allerdings, ist es schon unterhaltsam wie hier immer wieder gern lustig & vergnügt nostalgiert wird. Liebe Leute die gute alte AM/FM-Zeit ist vorbei und kommt nicht zurück. Bei aller Liebe zum Vinyl, einfach mal die Zahl der Downloads mit verkauften Vinyl vergleichen. Musik ist heute entweder digital oder live und analog. Damit ist das Musikgeschäft in etwas da ankommen, wo es vor 60-70 Jahren einmal war. In den 1950er Jahren lebten Musiker zu 80-90% von Liveauftritten. Die Schallplatte hatte finanziell gesehen Zubrot-Funktion. Erst UKW-Radio, LP, Diskotheken und Rock Music haben die Einnahmestruktur fast gedreht.

Was auch gern vergessen wird bis zum Privatfunk waren die Musik-Redakteure bei den Öffis mehr als kleine Fürsten die ihren Tribut geschickt eingefordert haben. Klar, dass die Großfürsten am Mike das nie erzählt haben. Aber, natürlich haben mich etliche Musikjournalisten geprägt, sie haben das gespielt, was ich Klasse fand, bzw. mich mit aus meinen Augen interessanten Songs + Musikern vertraut gemacht.

Diese Funktion des Pfadfinders und Verführers kann nicht ein simpler Algorithmus übernehmen, bzw. da wäre noch sehr viel Entwicklungsarbeit notwendig. Allerdings auch ist ganz klar, Medien, die sich geschmäcklerisch in kleinste Nischen hinbegeben, werden wohl wenig Erfolg haben. Ohne ein gewisses Quantum an Popularität wird nichts gehen. Genauso müssen lineare Programme zukünftig anders strukturiert werden.

Die Medien, die das als erste machen, haben Erfolg und werden überleben. Aber, alles was controller-produziertes Meetoo ist, dass wird wohl über kurz oder lang vom Markt verschwinden.

Im Print hat es die Zeit erkannt. Entgegen den Trend hat sie sogar seit einiger Zeit ein leichtes Wachstum.
 
#91
Stimmt. Mir ist aber noch niemand begegnet, der zur Unterhaltung Wikipedia oder Google bemüht hat. Das sind Informationsquellen und nichts anderes. Das hat mit Unterhaltung, wie auch immer man die definieren möchte, nichts zu tun.
Also mir begegnen diese Leute überall, die nutzen die besagten Angebote nicht primär, um sich zu informieren, sondern zum Zeitvertreib, also zur Unterhaltung. Wobei die Grenzen zwischen Unterhaltung und Information fließend sind. Apropos definieren: Unser Disput hängt sicher auch damit zusammen, dass wir den Unterhaltungsbegriff unterschiedlich definieren. Meine These ist, dass die klassische lineare versendete Unterhaltung an Relevanz verliert. Ich habe dafür auch Gründe und Indizien angeführt.

Nur mal am Rande: Ich selber nutze kaum einen der besagten Streamingdienste. Mir fehlen einfach Zeit und Musse, mich damit eingehend zu beschäftigen.

Dann fiel hier der Begriff Musikjournalismus: WIe geht es eigentlich Magazinen wie Musikexpress, Zillo oder Rolling Stone? Wofuer brauche ich klassischen Musikjournalismus wenn ich auf meinem Internetmedium der Wahl in kurzer Zeit ein Dutzend Künstler probehören und sehen kann? Ich werde mein eigener Musikjournalist. Was die Masse cool findet, wird auch längst auf anderen Kanälen als dem Radio definiert.

Ich will gar keinem das gute alte Radio schlecht reden. Mich hat es auch geprägt. Wir können auch gerne in Nostalgie schwelgen bis zum Abwinken. Aber wenn man sich mit dem Thema einigermaßen ernsthaft beschäftigt und hier einer die berechtigte Frage stellt, wie die junge Generation das Medium wahrnimmt, muss man doch konstatieren, dass sich die Welt gehörig verändert hat. Nichts anderes will ich sagen. Dem Radio brechen mehr und mehr Alleinstellungsmerkmale weg. Und wer gerne noch moderierte Sendungen hört: In wenigen Jahren werden Alexa und Siri sogar das besser können als der unterbezahlte Moderationspraktikant bei Hitradio XY.
 
#92
Könnte es, klar. Macht es aber nicht und wird es auch nicht machen, weil richtiger Musikjournalismus Geld kostet. Und das weiß man vor allem bei Spotify sehr genau, wo man Künstler bekanntlich nur als Ware zum Umsatz betrachtet.
Genau das macht Spotify doch. Inwieweit die Playlisten musikjournalistische Qualitäten haben, darüber lässt sich streiten. Aber es gibt so manche Künstler, die sich da reinkaufen, um das neue Album ordentlich zu promoten.
 
#94
Aber wenn man sich mit dem Thema einigermaßen ernsthaft beschäftigt und hier einer die berechtigte Frage stellt, wie die junge Generation das Medium wahrnimmt, muss man doch konstatieren, dass sich die Welt gehörig verändert hat.
Das steht doch völlig ausser Frage. Ich würde das halt nur nicht ganz so rabenschwarz sehen wie du. Und das hat nichts mit Schwelgen in Nostalgie zu tun. Wege aus dem Dilemma finden ist die große Aufgabe. Und daran glauben, dass das Medium eben nicht sang- und klanglos untergeht. Und Gründe daran zu glauben gibt es einige. Die bereits erwähnte Schallplatte ist immer noch da, trotz mp3 & Co.. Kino ist noch immer vorhanden, trotz TV, Netflix & Co. Warum sollte also das Medium Radio nicht überleben? Die Frage ist das Wie! Das es in der Form, wie es gefühlte 90% aller derzeit existierenden Radiosender in D betreiben, nicht auf ewig weitergeht, steht ebenfalls ausser Frage. Ich bin felsenfest überzeugt davon, dass nur mit Inhalten gepunktet werden kann. Anderswo geht es doch auch und da ist die Konkurrenzsituation genau dieselbe.

Genau das macht Spotify doch. Inwieweit die Playlisten musikjournalistische Qualitäten haben, darüber lässt sich streiten.
Musikjournalismus ist aber nicht das Abspielen irgendwelcher Playlists. Da gehört ein wenig mehr dazu. Was will der Küstler mit der Musik? Welche Intension hatte er, etc. pp. bis hin zum Gespräch mit dem Künstler incl. Live-Call in. Das kann Spotify eben nicht und wird es in absehbarer Zeit auch nicht tun. Da ist der klare Vorteil von Radio. Und um von der Musik mal wegzukommen. Radio kann auch sonstigen Journalismus, was man bei Spotify ebenso nicht findet. Es gibt genug Situationen, wo ich eben nicht online gehen kann, um nach den neuesten Ereignissen zu suchen, sondern wo Radio zunächst die Infoquelle ist. Aber dazu müßte man es halt auch tun. Das die übergroße Zahl der deutschen Sender nur Blabla statt gehaltvollen Inhalts sendet, liegt in erster Linie an den Sendern selbst. Radio hat den Vorteil das ich nur zuhören muss. Im Web muss ich selbst recherchieren, selbst lesen etc., wobei ich logischerweise nichts anderes parallell tun kann, ausser vielleicht prähistorisch eine rauchen. Beim Radiohören kann ich alles mögliche nebenbei machen.
Und noch ein Aspekt. In anderen Ländern gibt es, wie schon erwähnt, ebenso Spotify und Netflix und weiß der Teufel was. Trotzdem malt man da nicht mal ansatzweise solche teils skurill wirkenden Untergangsszenarien an die Wände wie hier. Paradebeispiel USA. Da ist sogar die prähistorische Mittelwelle noch ein Thema. Und die haben da auch alle überall Internet.
Aber es gibt so manche Künstler, die sich da reinkaufen, um das neue Album ordentlich zu promoten.
Richtig. Und da sind wir beim Dilemma des hiesigen Radios. Man traut sich viel zu selten neue Musik ins Programm aufzunehmen, testet alles erst hundert Mal durch, womit die Streamingdienste in dem Punkt natürlich schneller sind. Es bräuchte wieder Musikredakteure, die sich einfach mal auf ihr Bauchgefühl verlassen.
 
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#95
Also mal ernsthaft: Welcher Jugendliche legt denn bitte Wert auf sorgfältig recherchiertes musikjournalisches Programm? Da sprechen wir ganz klar von einer Nische. Das ist für den Abend ein netter Zusatz, die Mehrheit will die angesagten Hits und Moderatoren, die sie ernst nehmen und auf Augenhöhe agieren. Wenn wir schon von journalistischem Inhalt sprechen, dann müssen wir über Politik sprechen. Dank Fridays for Future sollte auch der letzte begriffen haben, dass viele Jugendliche bedeutend politischer sind, als viele Redaktionen wahrhaben wollen. Nicht nur Malak predigt politikfreies Programm, bei DASDING habe ich einst nichts groß anderes erlebt und bei Antenne 1 war es selbst zu ambitionierteren Zeiten ein Trauerspiel. Von meinem alten Haussender schweige ich besser ganz.
Natürlich wollen sich junge Menschen mit für sie relevanten politischen und gesellschaftlichen Themen beschäftigen. Dann aber bitte ernsthaft, bissig und durchaus unbequem und nicht in biederem Erklärbär-Stil. Journalisten und Politiker, die meinen, sie müssten ihre Politik halt nur besser erklären, können oder wollen den Schuss nicht hören. Die Leute für dumm zu verkaufen kommt in keiner Generation gut an.
Wenn man dann Talenten noch wieder erlaubt Fehler zu machen, klappt es auch wieder mit der Unterhaltung.

So wird Radio zwar trotzdem schrumpfen, aber immerhin wird es nicht völlig in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Angesichts vieler richtiger Programme ist dann meinetwegen auch noch Platz für einen übriggebliebenen Dummdudler.
 
#96
Also mal ernsthaft: Welcher Jugendliche legt denn bitte Wert auf sorgfältig recherchiertes musikjournalisches Programm?
Ich. Daher freue ich mich, dass Matuschke heute wieder auf Sendung geht. Politik und Musik müssen sich übrigens nicht gegenseitig ausschließen. Aber das Wissen des Moderators muss natürlich vorhanden sein.

"Mehr Abwechslung"- Ankündigungen hingegen kann jeder Praktikant. DAS geht einem auf die Nerven. Egal ob Jugendlich oder Opa.
 
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#97
Die Medien, die das als erste machen, haben Erfolg und werden überleben.
Ich rechne nicht mit einem "Überleben" der alten Player, sondern eher mit dem Auftauchen völlig neuer Player - die dann Radio (hoffentlich) wieder ganz neu erfinden werden.
Ich werde mein eigener Musikjournalist.
Klar, kann ja jeder!
Und wer gerne noch moderierte Sendungen hört: In wenigen Jahren werden Alexa und Siri sogar das besser können als der unterbezahlte Moderationspraktikant bei Hitradio XY.
Du sagst es. Das liegt aber daran, dass man die Kunst des Moderierens so hat verludern lassen, dass sogar Alexa und Siri es bald besser können. Das hat dann aber mit Moderation gar nichts mehr zu tun. Es ist eine Illusion zu glauben, eine (auch noch so raffiniert programmierte) Maschine könne einen Menschen in Sachen Emotionalität, Spontanität, Empathie und Individualität ersetzen.
Welcher Jugendliche legt denn bitte Wert auf sorgfältig recherchiertes musikjournalisches Programm?
Wer das nicht kennt und noch nie erlebt hat, sondern durch DudelDudel sozialisiert wurde, wird in der Tat keinen Wert darauf legen. Das heißt aber noch lange nicht, dass ein solches Angebot, stünde es überhaupt erst einmal professionell zur Verfügung, einem heutigen Jugendlichen dann nicht doch gefallen würde.
 
#98
Welcher Jugendliche legt denn bitte Wert auf sorgfältig recherchiertes musikjournalisches Programm? Da sprechen wir ganz klar von einer Nische.
Oder auch nicht. Wenn ich mir gerade im Bereich HipHop so diverse Formate bei Youtube anschaue, scheint mir das bei Betrachtung der Zugriffszahlen sehr gefragt zu sein. Der Punkt ist natürlich auch hier das Wie.

Wenn wir schon von journalistischem Inhalt sprechen, dann müssen wir über Politik sprechen. Dank Fridays for Future sollte auch der letzte begriffen haben, dass viele Jugendliche bedeutend politischer sind, als viele Redaktionen wahrhaben wollen.
Da bin ich sehr bei dir. Aber damit sind wir auch wieder bei der Feigheit der deutschen Radios, selbst bei den ÖRs. Ja nicht polarisieren, ja nicht anecken ist die allseits praktizierte Devise.

Meine These ist, dass die klassische lineare versendete Unterhaltung an Relevanz verliert.
Da bin ich voll und ganz bei dir. Das sieht man ja schon an den berühmt-berüchtigten großen Samstagabend-Shows. Die gibt es ja faktisch schon gar nicht mehr. Andererseits gibt es aber auch unzählige Live-Streams bei Youtube oder Twitch, die auch nichts anderes machen als etwas linear, sprich nach vorher festgelegten Zeitplan, versenden. Lediglich der Ausspielweg ist halt ein anderer als der klassische und nur noch web only. Paradebeispiel bleibt in der Beziehung für mich RocketBeansTV, welches wie ein normaler, linearer Sender konzipiert ist, aber eben nur per Webstream empfagbar ist und sich vor allem unter Jugendlichen großer Beliebtheit erfreut.
WIe geht es eigentlich Magazinen wie Musikexpress, Zillo oder Rolling Stone?
Die deutsche Ausgabe des RollingStone hat seit Jahren eine konstante Auflage. Da gingen (übrigens auch zu meinem Erstaunen) die Verkaufszahlen eben nicht zurück. Er konnte die Verkaufszahlen sogar steigern, übrigens ebenso wie der Musikexpress.
https://www.dwdl.de/zahlenzentrale/...h_ist_die_harte_auflage_wirklich/page_10.html
Laut Media Impact sind übrigens 19% der Musikexpress-Leser zwischen 14 und 19 Jahren alt.
Die Zillo gibts schon seit 5 Jahren nicht mehr. Die Gründe dafür sind bekannt und haben mit der Entwicklung des Internets reichlich wenig zu tun. Eine inhaltliche Neuausrichtung um 2000 rum ließ die Verkaufszahlen purzeln. Ein Großbrand in der Redaktion Anfang 2014 führte dann zum Ende des Magazins. Zillo war halt ein mehr oder weniger unabhängiges Magazin, wo kein Springer-Verlag dahinter stand. Da kann einen sowas schonmal ruinieren.

Was die Masse cool findet, wird auch längst auf anderen Kanälen als dem Radio definiert.
Ja, Mitbewerber, weiter nichts. Wo das am Ende hinführt und wer letztlich übrig bleibt wird man sehen. Es liegt ja letztlich an jedem Medium selbst, Nutzer für sich zu begeistern.
 
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#99
Mir fällt vor allem auf, dass der Hörfunk mittlerweile nicht mehr stilbildend ist. Wir hörten früher SWF3, und das sind für mich bis heute „die 80er Jahre“ in musikalischer Hinsicht. Moderation: Frank Laufenberg und Kolleg/inn/en. Das gibt es heute nicht mehr. Es endete in den 1990ern. Und das ist die Folge des Internets, des Streamings. Die Gesellschaft fällt auch insoweit auseinander.
 
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Ich glaube nicht, dass das Auseinanderfallen der Gesellschaft zwangsläufig foranschreiten muss. Natürlich haben Internet und Social Media im speziellen, zunächst für eine starke Zersplitterung der Interessen gesorgt. Auf der anderen Seite kommen so auch Menschen zusammen, die vorher nicht mal etwas von dem anderen geahnt haben.
Gerade an diesem Zusammenkommen müssen aber natürlich besonders TV und Radio wieder mehr arbeiten. In der Kulturwissenschaft spricht man von Gleichzeitigkeit. Das bedeutet frei, dass ein Ereignis großen Einfluss auf sehr viele Menschen zur selben Zeit hat. (Herausragende Beispiele: Das Wunder von Bern, der 11. September, Wetten Dass, teilweise auch The Masked Singer, um ein aktuelles Ereignis zu nennen) Das kann das Internet alleine schon technisch schwer leisten. Radio hat noch eine Reichweite, die Gleichzeitigkeit zu einem gewissen Grad ermöglicht. Bislang ist die geteilte Erfahrung leider meist kollektive Belanglosigkeit.
Das gleichzeitige Erleben macht auch Musik-Spartensendungen schwierig. Mit zwei Stunden Deutsch-Hip-Hop erreiche ich, egal wie gut die Sendung gemacht ist, immer nur eine sehr eingegrenzte Zielgruppe. Ich will gar nicht bestreiten, dass es dafür seine Liebhaber geben würde, aber es ist eben etwas für die Nische, was als gut gemachter Podcast im Internet im Prinzip besser aufgehoben ist.
Das ganz große Plus von Radio, gegenüber allen anderen Medien ist die Live-Fähigkeit. Mikro hoch und fertig. Kein Bild muss prodiziert werden, kein Artikel erst getippt und hochgeladen, kein Stream eingerichtet und bekanntgemacht werden. Wirklich live bedeutet, dass jederzeit etwas unvorhergesehenes passieren kann. So viel Authentizität kann kein YouTube Video. Weil aber im Radio keiner anständige Live-Interviews führen kann, und selbst wenn er es könnte nicht darf, wird alles aufgezeichnet und aufbereitet. Bis hin zur völligen Perversion des Voice-Trackings. Ohne Überraschung verliert Radio seinen größten Mehrwert und ist dann nur noch ein ganz schön altbackenes Medium mit weit überlegener Konkurrenz.
 
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