Warum kein Vollprogramm in Deutschland?


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92_4 Mhz

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Ich habe Websurfer, dem Ersteller dieses Themas, geantwortet. Denn genau diese Inhalte hat er dort angefragt.

(Darüber hinaus, Inselkombi, erschließt sich mir nach meinen vorangegangenen Ausführungen der Sinn bzw. der Inhalt Deiner Frage nicht. Sorry.)
 

ndrgast

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DLF, DRadio Kultur und DRadio Wissen sind nah dran an "Grundversorgung" und "Vollprogramm". - Im Feuer stehen die Programme der Landesrundfunkanstalten. Für NDR-Hörfunk erhebe ich den Vorwurf: "Verzichtbar!" Das sehen die NDR-HH-Großkopferten anders: "NDR Das Beste am Norden!" - Jeder möge mal die 'massenattraktiven' Hauptprogramme NDR2 und N-Joy anhören, einen eigenen Eindruck gewinnen. Mein subjektives Urteil für die Tagesprogramme: "Verblödung pur!" ... NDR 1 NDS wurde kastriert: Weg vom Vollprogramm: NDR1 profiliert sich als ÖR-Marktführer in der Regionalberichterstattung gegen Bürgerradios, kommerzielle Stadtradios und die 'Antennen'. Ergebnis: Der "Aktuell"-Nachrichten-Redaktion ist der 'Blick über den Tellerrand' verboten. Informelle NDR-Grundversorgung? - Da verordnet die HH-Zentralintendanz: "NDR2-Verweiger sollen gefälligst NDR Info hören!"
DRADIO bietet bundesweit eine Alternative. Leider ist der Empfang per UKW örtlich schlecht. DRadio Wissen wird gar nicht über UKW verbreitet.
 
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Ich glaube, ich weiß was Websurfer meint, und denke vielleicht sogar Ansatzweise ähnlich. o_O Auch ich habe mich schon vor etwa 25 Jahren gefragt, warum es eigentlich keine einzige vollwertige Pop, Service und Informationswelle in Deutschland gibt, die man auf UKW hören kann. Damals gab es noch kein Digitalradio, kein Internet und Satellitenradio, sondern UKW war beim Radio das maß aller Dinge.

Zur damaligen Zeit hatten viele öffentlich rechtliche Wellen gerade einmal 3 Hörfunkprogramme die über UKW verbreitet wurden, und eine 4. UKW Welle wurde oftmals in diesen Jahren gerade erst ins Leben gerufen. Ein bundesweites Radioprogramm wie den Deutschlandfunk (DLF) der bis auf wenige UKW Funzeln in den Ballungsgebieten nur über Mittelwelle (MW) und Langwelle (LW) empfangen werden konnte, und zum größten Teil wirklich nur aus reiner Information und Wortbeiträgen bestand, fand ich in meinem jugendlichen Alter hochgradig uninteressant :rolleyes:

Als jugendlicher fragte ich mich schon damals, (das war ums mal Jahresmäßig auszudrücken etwa Mitte bis Ende der 1980er Jahre, vielleicht auch noch maximal bis in die frühen 1990er Jahre hinein) warum es eigentlich keine bundesweite deutsche Pop und Servicewelle gibt, die neben den angesagten internationalen Pophits und Oldies, auch mal einen populären Deutschen Titel spielt und neben informativen Welt- und Deutschlandnachrichten vielleicht sogar auch noch über die aktuellen Wetter- und Verkehrsinfos in Deutschland berichtet. :thumbsup:

Nun gut: In der heutigen Zeit ist die Denkweise sicher in einigen Punkten überholt. Aber den jüngeren Mitlesern in diesem Forum sei an dieser Stelle vielleicht auch einmal gesagt: Es gab damals noch kein Internet, kein Smartphone und Facebook wo man sich informierte. Zur damaligen Zeit fand man die Wetternachrichten aus ganz Deutschland im Radio noch recht interessant, ob es gerade in den Bergen, am Alpenrand noch schneite oder die Nordsee ein neues Hochwasser brachte und ähnliches. Auch wenn man in Urlaub fuhr, etwa von München nach Hamburg, war man wohl froh, schon am Startort etwas über die Verkehrslage in Norddeutschland zu erfahren oder umgekehrt. Aus Norden kommend musste man für Verkehrsinformationen aus Süddeutschland oft warten, bis man im Sendegebiet des Bayrischen Rundfunks war, von Süden kommend gab es erst Infos von Norddeutschen Autobahnen, wenn man auch den Norddeutschen Rundfunk empfangen konnte :cry:

Nun gut, diese Zeiten sind im Jahr 2015 glücklicherweise vorbei. Aber ich fand es damals sehr angenehm, wenn ich z.B. Nachts mit meinen Eltern in Urlaub fuhr und man den guten alten ARD-Nachtexpress hören konnte, der damals zumeist im wöchentlichen Wechsel, täglich von einer anderen ARD Anstalt ausgestrahlt wurde. (Zum Thema ARD Nachtexpress bzw. Radiowecker gibt es eigene Themen, daher möchte ich das an dieser Stelle nicht weiter ausführen) Meist übernahm dann auch immer ein UKW Sender der jeweiligen Sendeanstalt den ARD Nachtexpress bzw, ab 4 Uhr Morgens den ARD Radiowecker, so das wirklich ein in ganz Deutschland zu hörendes Nachtprogramm zustande kam. Die Musikmischung war breit gefächert, Pop, Schlager, Instrumental alles war Kreuz und Quer dabei. :)

Ja, ein solch bundesweites Querbeet - Programm, wie es Websurfer vermutlich wünscht, fehlte damals schon, das gab es allenfalls mit dem ARD Nachtexpress / ARD Radiowecker in den Nachtstunden und es fehlt quasi auch 25 Jahre später bis heute. Schubladendenken herrscht bei den Radiowellen vor. Den Hörer wie ich, scheint es wohl nicht zu geben, der am liebsten eine Mischung aus POP / ROCK / Schlager / Instrumental / Klassik / DISCO und Informationen aus Nachrichten / Wetter und Verkehr hätte :oops: Das wäre dann wahrscheinlich ein Minderheitenprogramm o_O
 
In kleinen Ländern wie der Schweiz oder Luxemburg ist das vermutlich auch einfacher.

Aber der Wunsch des TE nach einem gemischten Vollprogramm für ganz Deutschland lässt sich nicht realisieren und wäre zudem, wie oben mehrfach erklärt, erfolglos.

Wer Schlager mag, schaltet eben sein Schlagerprogramm ein. Wer Pop mag, entsprechende Sender. Aber alle 3 Stunden einen radikalen Genrewechsel macht kaum ein Hörer mit, eben auch weil die Vielfalt und Zugriffsmöglichkeiten (Radio, Internet, Satellit, etc.) sehr groß ist. Zudem sind die deutschen Radiosender auch verpflichtet, am Verkehrsfunk teilzunehmen, da wäre ein deutschlandweiter Sender ein Verkehrsservice-Vollprogramm... :D

Wenn die ÖR-Verantwortlichen so ein Programm auf die Beine stellen wollten, wären "Bild" und Co. sofort im Empörungs- und Hetzmodus, weil wieder die Gebührengelder verbrannt werden.
 
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Websurfer

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Ich glaube, ich weiß was Websurfer meint, und denke vielleicht sogar Ansatzweise ähnlich. o_O Auch ich habe mich schon vor etwa 25 Jahren gefragt, warum es eigentlich keine einzige vollwertige Pop, Service und Informationswelle in Deutschland gibt, die man auf UKW hören kann. Schubladendenken herrscht bei den Radiowellen vor. Den Hörer wie ich, scheint es wohl nicht zu geben, der am liebsten eine Mischung aus POP / ROCK / Schlager / Instrumental / Klassik / DISCO und Informationen aus Nachrichten / Wetter und Verkehr hätte :oops: Das wäre dann wahrscheinlich ein Minderheitenprogramm o_O

Dein Beitrag trifft es so ziemlich auf den Punkt, was ich meine. Mit einer Einschränkung - ich denke, dass eine bundesweite Ausstrahlung weder realisierbar noch sinnvoll ist. Ich persönlich fände die Verkehrs- und Wetterinfos aus anderen Teilen Deutschlands zwar auch interessant und höre deshalb auch gerne SWR3 - aber der Großteil der Hörer wird wohl nur die regionalen Inhalte hören wollen, zumal ja auch die Qualität (insbesondere bei Wetter und Verkehr) darunter leidet.

Wer Schlager mag, schaltet eben sein Schlagerprogramm ein. Wer Pop mag, entsprechende Sender.
Bei der großen Anzahl der Radioprogramme wechselt man je nach Stimmungslage einfach in das entsprechende Programm. Kulturelle und informationsgeladene Informationen bekommt man beispielsweise bei DLF, DLR und SWR info. Stehe ich morgens auf wird kurz SWR3 gehört (ja eine Dudelwelle) und den Rest der Radiohörzeit höre ich je nach Stimmung DRadio Wissen, egofm, ssl, lounge.fm, die neue Welle oder Bob!

Das geht ja wieder in die Richtung "Schubladendenken" - ich möchte eben nicht nur Schlager oder nur Charts am Stück hören, sondern auch mal etwas Abwechslung und das ohne alle 10 Minuten den Sender wechseln zu müssen. Ferner kann man ja in einigen Teilen Deutschlands DLF oder DKultur nicht mal störungsfrei über UKW empfangen, DRadioWissen gar nicht. Und wenn man dann im Auto unterwegs ist, möchte man auch Verkehrsinfos bekommen, die z.B. im DLF eher spärlich ausfallen.

Das wäre mir zu viel Kontrast. Das ist auch der Grund warum ich SR2 Kulturradio, welches ich ganz gerne wegen der halbstündigen Nachrichtensendungen (Bilanz am Mittag, oder Bilanz am Abend) höre, nach diesen Sendungen gleich wieder abschalte.

Ich dachte zuerst, das wäre eine einmaliger Sache bei den Saarländern gewesen, aber es scheint doch häufiger vorzukommen: Heute haben sie Brahms und Lily Allen hintereinander gespielt ;) Würde mir persönlich gefallen, sofern der "radikale Genrewechsel" nicht unmittelbar passiert, sondern z.B. nach einem Wortbeitrag. Generell muss man ja mit der Musikauswahl nicht gleich "mit der Tür ins Haus fallen", man kann ja den Schwerpunkt auf Unterhaltungsmusik belassen und gelegentlich ein Klassik-Stück o.Ä. einfließen lassen - anstelle der x-ten Wiederholung von All About That Bass oder Dangerous. Bei "SWR3 spielt verrückt" traut man sich ja sowas auch - und es scheint - wenn man der Aussage des Senders glauben schenken darf - auch gut anzukommen. Vorausgesetzt natürlich, man übertreibt nicht.

Entschuldigt, wenn ich so entgeistert frage, aber trifft denn das, was ein tolles Vollprogramm sein könnte, nicht aktuell auf Deutschlandradio Kultur zu?

DRadio Kultur, genauso wie Bayern 2, spielt meines Wissens keinerlei aktuelle Popmusik. Das heißt jetzt nicht, dass man das ändern soll, die beiden Programme höre ich auch ab und zu, sehe ich aber doch eher als Spartenprogramm für Wort und Kultur.

Bezüglich der Vollprogramme im Ausland könnte man vielleicht noch Radio SRF 1 in der Schweiz nennen.

Gelegentlich höre ich mal in SRF3 rein - da gibt's auch gute Ansätze, z.B. die Hörspiele am Sonntag Vormittag oder die Sondersendungen am Abend.

Mehr Magazincharakter so wie es Radiocat vorschlägt, auch mehr Spezialsendungen. Ich kann mich noch erinnern (ich nehme jetzt Antenne Bayern als Beispiel) da gab es die verschiedensten Sendungen, sei es eine Sportsendung, sei es eine Oldie-Sendung, sei es ein Kinomagazin, sei es eine Spielshow Sendung wie der Vereinsbayer damals, sei es Talk-Sendungen oder die Sendung für den Fernfahrer.

Mehr Magazincharakter würde ich mir auch wünschen, Spezialsendungen aber nur am Abend, tagsüber sollte es schon als Begleitprogramm dienen ohne ins oben angesprochene "Schubladenformat" zu fallen.

Das es so was bei den Privaten nicht mehr geben wird ist klar, aber warum nicht bei den ÖR? Gerade die hätten doch das Geld und auch das Personal und Potenzial aus diese strikte Formatierung auszubrechen.

Gerade die ÖR, die sowieso schon zwei nahezu identische Popwellen (z.B. NDR, WDR) betreiben, könnten sich doch eigentlich etwas mehr trauen.
 

exhörer

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Wer Schlager mag, schaltet eben sein Schlagerprogramm ein. Wer Pop mag, entsprechende Sender.

Genau das ist ja das Dilemma, dadurch wird jeder Blick über den Tellerrand, jede Erweiterung des eigenen Horizonts verhindert und im Keim erstickt.

Ich darf gar nicht daran denken, was ich alles musikalisch verpaßt hätte, hätte es vor 30 Jahren schon dieses extreme Schubladendenken gegeben. Diejenigen, die heute vom Radio musikalisch sozialisiert werden, können einem doch nur noch leid tun.
 

ndrgast

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Das ist kein Vorwurf, das ist ein Urteil.
Doch, nach meiner Wahrnehmung hier in Hannover ist mein: "NDR-Hörfunk ist verzichtbar!" ein Vorwurf in Richtung der 'üblichen Verdächtigen', die NDR-Hörfunk verantworten. Ich sehe das als Versuch einer konstruktiven Kritik. IM PRINZIP stimmt, dass ich da ein subjektives Urteil fälle. ABER: Dem absolutistichen: "NDR Das Beste am Norden!" muss man aber kontrovers wi(e)dersprechen.
 

ricochet

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Ich denke, dass es ein Radio-Vollprogramm heute nicht mehr notwendig ist und in großen Bereichen von Deutschland auch nicht funktionieren würde. Bei der großen Anzahl der Radioprogramme wechselt man je nach Stimmungslage einfach in das entsprechende Programm.

Ich glaube dass sich hier einige der letzten verbliebenen Radiofraks geblendet von den unglaubwürdigen MA-Zahlen gehörig in die Tasche lügen. Der Durchschnittsbürger wurde wegen der Kahlschlagsmentalität und des ebenso schlechten wie einseitigen Gesamtangebots für die breite Mitte der Gesellschaft (25-65) weitgehend vom Begleitmedium Radio "entwöhnt", er nutzt es nur noch in Situationen, in denen die Ultrakurzwelle die technisch unproblematischste und naheliegendste Nutzungsvariante darstellt. Diese Situationen ergeben sich aber immer seltener, weshalb der Radiokonsum stetig zurückgeht (das sagen alle Medienanalysen mit Ausnahme des Lobbyistenpapiers "MA Radio").

Heute ist es ein Klacks geschmacks- und stimmungsorientierte Streams anzuzapfen oder "Podcasts" mit spezifischer Themensetzung anzuklicken, Musik auf den Stick oder die Karte zu laden und geballte Tageszusammenfassungen in Einschaltprogrammen wie dem Deutschlandfunk anzusteuern; unterwegs erweist sich immer öfter DAB als die attraktivere Technologie. Wer braucht da noch Dudelwellen und substanzlose "Tagesbegleitprogramme" mit frequenzübergreifendem Einheitsbrei, Schmalspurinfos, mageren Comedy-Zoten, leeren Sprüchen und lärmendem Aktionismus?

Spartenradios (Musik oder Wort) und wortorientierte Vollprogramme mit speziellen Inhalten könnten aber gezielt ein interessiertes Publikum anlocken und plattformübergreifend binden (z.B. auch im Internet, dort eventuell mit Zusatzdienstleistungen), weil sie ihr Publikum optimal bedienen und weil ihre Programmarken unverkennbar und scharf umrissen sind.
 
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92_4 Mhz

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Da hast D
DRadio Kultur, genauso wie Bayern 2, spielt meines Wissens keinerlei aktuelle Popmusik. Das heißt jetzt nicht, dass man das ändern soll, die beiden Programme höre ich auch ab und zu, sehe ich aber doch eher als Spartenprogramm für Wort und Kultur.
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Mehr Magazincharakter würde ich mir auch wünschen, Spezialsendungen aber nur am Abend, tagsüber sollte es schon als Begleitprogramm dienen ohne ins oben angesprochene "Schubladenformat" zu fallen.

DeutschlandradioKultur sendet tagsüber jedenfalls (mit Ausnahme thematischer Berichte in der Tonart) überhaupt keine klassische Musik. Klassik kommt mit Ausnahme einer Nachtsendung pro Woche nur abends zwischen 20 und 23 Uhr. DeutschlandradioKultur ist jedenfalls KEIN Klassiksender.

Die Sendungen zwischen 01.00 bis 20.00 Uhr und 23.00 bis 24.00 Uhr sind alles Magazinsendungen.
 
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