Was sind das für Mikrofone?


#1
Hallo in die Runde,

ich bekam heute per Mail einen Screenshot aus einem Werbevideo, das angeblich von Yamaha stammte. Leider wurde mir nur eine "Briefmarke" geschickt:

unbekannte Mikrofone.jpg

Die Frage dazu hieß: "Sind das nicht Mikrofone aus Gefell-Fertigung?"

Und ja - so ein wenig nach PM750 sehen die schon aus:
https://www.madooma.com/onTEAM/fotos/maxi/91330787136.jpg
http://microfunken.com/pictures/2015-09-09/SAM_2702.JPG

Aber bei diesen legendären Gefell-Mikrofonen sind die mit Drahtgaze hinterlegten Schlitze wohl schmaler (man sieht ca. 5 Schlitze beim seitlichen Draufsschauen, während in obigem Foto nur 3 Schlitze zu sehen sind).

Kann jemand das Rätsel auflösen? Sachdienliche Hinweise bitte an eines unserer Aufnahmestudios.

Danke!
 
#8
Herzlichen Dank! Die 860er hatte ich gar nicht (mehr?) auf dem Schirm. Nun wäre nur noch interessant, wie die in ein Yamaha-assoziiertes Video gelangt sind. Ich muss da nochmal nachhaken.

Sind das eigentlich normale MV692 am PM860? Es gibt auf der auf Deinem Foto nicht sichtbaren Seite ja die beiden kleinen Schiebeschalter für Tiefenabsenkung und Dämpfung, genau wie beim MV692. Offenbar sogar exakt an der gleichen Stelle. Oder ist das ein komplett anderer Impedanzwandler / Speiseteil?
 
#9
Elektrisch verhalten sich PM 750 zu PM 860 wie MV 690* zu MV 692. Die Innenleben sind jeweils gleich, das heißt, die PM 860 haben die beiden Schalter für Hochpass und Pegelabsenkung genau wie die MV 692. PM 750 und MV 690 haben diese Schalter nicht.

Beim Gehäuse unterscheiden sich die Impedanzwandler dadurch, dass bei den PM die Schraubverbindung für den großen Korb bereits angeflanscht ist und auch die Kapsel ist mechanisch mit dem Speiseteil verbunden. Man kann die PM-Wandler also nicht einzeln verwenden und bspw. eine andere Kapsel draufschrauben. Das geht nur bei den MV.

Ganz unten im Bild zwei werksumgerüstete MV 692 auf P48. Diese Modifikation konnte man eine Weile lang direkt in Gefell vornehmen lassen. Ob das heute noch möglich ist, weiß ich leider nicht, aber es gibt externe Anbieter, die diesen Umbau immer noch vornehmen.

DSCF2997.JPG

* Bin nicht ganz sicher, ob MV 690 oder MV 691. Beide haben jedenfalls keine Schalter.
 
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#10
Herzlichen Dank für diese Einblicke!

Zerlegte MV692 empfand ich als grausam - der graue Kunststoff des Rahmens, in dem alles drinsteckt, ist dermaßen bröselig, dass kein Schräubchen danach mehr halten will. Da kommt ja richtig "Mehl" aus dem Gewinde raus.

P48-Umbauten gab es ja einige, angefangen vom Primitivumbau mit Vorwiderstand (und der Hoffnung, die Stromaufnahme möge bitte so sein, dass es passt) bis hin zu wohl "richtiger" Spannungsaufbereitung. Soweit mir bekannt, himmelt man den KWH-Hybridschaltkreis, wenn man ihn mit Überspannung betreibt.

Den allerprimitivsten Umbau fand ich allerdings lange nach der "Wende" bei einem Sack MV692 aus dem Rundfunk der DDR (mit entsprechender Gravur): mechanischer Umbau auf XLR ohne auch nur eine elektrische Adaptierung. Zumindest sah ich keine, habe mich aber auch nicht allzu umfassend damit beschäftigt. Sollte es tatsächlich so gewesen sein, dann wäre das Höchstrisiko gewesen, denn "wenn XLR, dann P48" würde ich niemandem als Annahme übelnehmen. Warum und wann das erfolgt ist, habe ich nicht herausfinden können.

Ob Gefell noch umbaut, weiß ich nicht. Baut Siegfried Thiersch eigentlich um oder befasst er sich "nur" mit Kapseln und Membranen?

Inzwischen ist das Video mit den PM860 an mich verlinkt worden:


Yamaha Sessions - Michael Patrick.jpg

Schon interessant, in welchen Umfeldern alte Gefell-Mikrofone so auftauchen. Sehe aber gerade in der Beschreibung des Videos etwas von "Berlin Sessions Studio". Also dann doch nicht so weit weg und shcon deutlich verständlicher.
 
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#11
Zerlegte MV692 empfand ich als grausam - der graue Kunststoff des Rahmens, in dem alles drinsteckt, ist dermaßen bröselig, dass kein Schräubchen danach mehr halten will. Da kommt ja richtig "Mehl" aus dem Gewinde raus.
Genau deshalb bevorzuge ich den P48-Umbau direkt bei MG. Wenn etwas dabei kaputt geht, hat am ehesten der Hersteller Ersatzteile. Ich habe den Eindruck, man bekommt praktisch neue MV. Jedenfalls schalten die erwähnten Schiebeschalter nach dem Herstellerumbau deutlich besser als bei unmodifizierten. Und das schicke neue Gehäuserohr mit dem MG-Logo gibt‘s sowieso nur beim Hersteller.

Mittlerweile ist aber eine gute Alternative von Schaal-Audio verfügbar: ein Verbindungskabel, in das der Spannungswandler bereits intergriert ist. Es wird bei ebay angeboten. Ein Herumoperieren am Mikrofon oder Wandler erübrigt sich damit. Ich habe auch noch den Vorgänger im Einsatz, eine kleine schwarze Box mit integriertem Anschlusskabel zum Mikrofon und XLR-Ausgang. Ein Foto habe ich gerade nicht zur Hand; das Teil befindet sich auswärts im Lager.

Bei Siegfried Thiersch habe ich bisher nur Kapselrevisionen machen lassen.
 
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#12
Das Adapterkabel ist ja mal ein Tip! Danke! :)

Wie ist das bei Thiersch eigentlich mit roten und blauen Membranen? Hört man da einen Unterschied?
 
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