Wer schaut noch Tatort?


#1
Spätestens am Freitag bieten SWR3 und SWR1 regelmäßig per Kollegengespräch oder Schauspielerinterview eine Tatort-Vorschau für den Sonntagstatort. Ich vermute mal, dass es andere ARD-Wellen ähnlich halten - Teasing am Freitag oder Samstag. Meist gibt's dann am Sonntag noch die übliche Programmvorschau für den Abend, und am Montagmorgen in der jeweiligen "Morning Show" auch schon den "wie war`s" Rückblick. Bei SWR3 heute Morgen getarnt als "Tatort Praxis-Check". Mehr oder weniger jedoch, und darauf will ich hinaus, rühren die ARD-Wellen von Freitag bis Montag ihre Trommeln für diesen Krimi, den ich selbst für völlig überbewertet, künstlich behypet und oft schlampig gemacht wahrnehme. Dass es ein normaler Krimi schon lange nicht mehr ist, sondern jeweils krampfhaft irgendwelche gesellschaftskritischen Sonderhandlungsstränge eine Welt zeichnen, wie es sie lediglich in den Köpfen der Drehbuchschreiber gibt, ist ein weiteres Ärgernis. Und dabei wird stets so getan, als sitze die gesamte Nation gebannt vor dem Bildschirm und könne es nicht erwarten, endlich wieder vom Sonntagabendtatort beglückt zu werden. Gibt es hier im Forum Fans? Leute, die sich das jeden Sonntag antun? Oder stimmt meine (gefühlte) Vermutung, dass diese Sendung eigentlich zunehmend auf den Sack geht?
 
#2
Und dabei wird stets so getan, als sitze die gesamte Nation gebannt vor dem Bildschirm und könne es nicht erwarten, endlich wieder vom Sonntagabendtatort beglückt zu werden...
Oder stimmt meine (gefühlte) Vermutung, dass diese Sendung eigentlich zunehmend auf den Sack geht?
Immerhin gaben sich aktuell knapp 10 Millionen den Schinken zum Abendbrot.
https://meedia.de/2019/04/01/tatort...greta-thunberg-die-beste-quote-seit-november/
Kannste mal sehn, wieviele "Säcke" es in dem Land gibt.
 
#4
Ich hab in meinem ganzen Leben noch keinen Tatort gesehen (andere Krimis hingegen schon), höchstens mal die ersten Minuten mitbekommen wenn ich mit meinen Eltern die ihn meistens schauen im selben Raum war. Zum Weiterschauen hat mich dabei kein einziger animiert.
 
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#5
Wir haben schon vor Jahren aufgehört, Tatort zu schauen. Das System ist immer das Gleiche - und eine Zeitlang habe ich gefragt "Ist schon 21:23 Uhr, wenn es wieder heisst 'Warum haben Sie das nicht gleich gesagt' ? "
Bis vor Kurzem habe ich bei Münster noch eine Ausnahme gemacht - aber ich schwanke bereits :-;
 
#6
Der Tatort ist quasi eine der letzten Fernsehsendungen, bei denen man sich montags noch austauschen kann ("Hast Du ihn gesehen?"). Insofern genießt die Reihe diesen Status und die ARD nutzt ihn konsequent aus. Sie sollte nur darauf achten, es nicht zu übertreiben (gerade weil sie auf den besten Weg dorthin ist). Nicht, dass es der Reihe ähnlich ergeht wie diversen Samstagabend-Shows (Wetten, dass usw.). ;)
 
Zuletzt bearbeitet:
#7
Hm, also ich bemühe mich eigentlich jeden Sonntag, der neuen Folge eine Chance zu geben. Lohnt sich nicht jedes mal.
In dem Zusammenhang bin ich sogar sehr glücklich dass ARD ONE direkt um 21:45 den Tatort aus dem Ersten wiederholt, weil ich regelmässig ein "Spätheimkehrer" bin wenn ich Dienst am Wochenende habe.

In letzter Zeit begeistern mich die vorwiegend skandinavischen Krimis und -serien im ZDF/zdf_neo deutlich mehr.
 
#8
Natürlich schaut die Familie am Sonntag Tatort. Auch wenn hinterher manchmal
der Kommentar "Satz mit X" lautet, fühle ich mich meistens gut unterhalten.
"Tatort ist die langlebigste und – mit teils über 10 Millionen Zuschauern bei der Erstausstrahlung – beliebteste Krimireihe im deutschsprachigen Raum. Etliche Filme aus der Reihe erhielten Nominierungen und Prämierungen für bekannte Film- und Fernsehpreise, darunter den Grimme-Preis, den Deutschen Fernsehpreis, die Goldene Kamera und die Romy". (Wikipedia)
Das spricht eigentlich nicht gegen den Tatort. Und ich vermute mal, dass es in
der Glotze Sendungen gibt, die sich besser zum Verriss eignen als der Tatort.
 
#9
Ich habe wirklich noch nie in meinem Leben einen Tatort gesehen. Mir reicht wirklich schon die Vorschau bzw. die "Vorab-Kritik" bei den Radiosendern, wo man ja auch meist "Dialog-Ausschnitte" mitbekommt. Diese Dialoge sind oft so unterirdisch, das muss ich mir nicht geben.
 
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#10
Grundsätzlich gucke ich sehr wenig fern (oftmals bleibt die Glotze bei mir wochenlang aus!), auch wenn es durchaus viele gute Sendungen gibt.
Leider laufen diese für gewöhnlich zu Zeiten, wo keine normaler Mensch fernseh guckt :wall:
Prinzipiell interessiert mich nur Aktenzeichen XY ungelöst, und ab und zu einmal eine interessante Report.
Das ist natürlich rein subjektiv.

Tatort habe ich mal eine Zeitlang enthusiastisch geguckt, das ist aber lange her.
Das liegt unter anderem auch daran, dass zwischenzeitlich jeder Depp meint, dass er einen Kommissar spielen muss :thumbsdown:

Was mir sehr gut gefällt, das sind die alten und älteren Tatort oder Polizeiruf 110 Folgen.
Sehr gerne auch aus der Zeit ohne Internet :thumbsup::cool::)
 
#11
Na klar, Polizeiruf 110 darf nicht ungenannt bleiben. Der ist für mich mit dem Tatort gleichwertig, und gerade die Folgen der Rostocker Ermittler gefallen mir wirklich gut.
 
Gefällt mir: iro
#14
Gibt es hier im Forum Fans?
Ja, mich – allerdings mit Einschränkungen, weil ich mir nicht jede Folge (begeistert) anschaue. Ich habe aber ein „Tatort“-T-Shirt, ein „Tatort“-Buch und die Doppel-LP und damit den Original-Vorspann aus der Sendung auf Schallplatte – yes, yes, yes!

Oder stimmt meine (gefühlte) Vermutung, dass diese Sendung eigentlich zunehmend auf den Sack geht?
Mir ist kalt – zieh dir mal eine Jacke an.

Das System ist immer das Gleiche [...]
Genau wie bei allen anderen Krimis, Quizsendungen, Talkshows, Sportübertragungen …

Mir reicht wirklich schon die Vorschau bzw. die "Vorab-Kritik" bei den Radiosendern, wo man ja auch meist "Dialog-Ausschnitte" mitbekommt.
Darfst Du zu Hause auch keine eigene Meinung haben?

Bis vor Kurzem habe ich bei Münster noch eine Ausnahme gemacht [...]
Und dann willst Du hier mitdiskutieren?

Grundsätzlich gucke ich sehr wenig fern (oftmals bleibt die Glotze bei mir wochenlang aus!), auch wenn es durchaus viele gute Sendungen gibt [...]
Ich verleihe Dir den Forums-Verdienstorden. Und jetzt zum Thema bitte.

Gestern Abend lief die Wiederholung eines Polizeiruf 110 mit Matthias Brandt, "Sumpfgebiete".
Gefiel mir, auch wenn das Ende unerwartet war.
Was hat das mit „Tatort“ zu tun? Und ist es Dir etwa lieber, wenn Du ahnen kannst, wie ein Film endet?

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Ja, ich finde die „Tatort“-Reihe toll – aber nicht bedingungslos. Es gibt viele Folgen, die ich zweimal sah: das erste und das letzte Mal. Ein Beispiel ist „Die ewige Welle“ vom BR, die am vorigen Sonntag zu sehen war. Ich mag die Figuren Ivo Batic und Franz Leitmayr, aber mit einem „guten“ Krimi hat diese Folge nichts zu tun. Es fehlt der Tiefgang, die soziale Kritik. Wenn ich da an „Im toten Winkel“ denke: Inga Lürsen und Nils Stedefreund (RB) befassen sich mit dem Thema Häusliche Pflege … Wow!

Die Reihe zeichnet sich durch einige wunderbare Merkmale aus: Oft deuten die Macher ein bevorstehendes Gewaltverbrechen nur an – das sieht beispielsweise so aus: Die Kamera zeigt einen auf einem Tisch liegenden Hammer in Großaufnahme. Eine Hand kommt ins Bild, zieht den Hammer aus dem Bild – Schnitt! Eine Schattenperson bewegt sich langsam von hinten auf eine im Licht sitzende Person und hebt langsam die Hand mit dem Hammer – das Bild verschwimmt und wird schwarz, Schnitt! Die folgende Szene spielt ganz woanders. Bei RTL und Konsorten würde das Opfer jetzt schreien und das Kunstblut spritzen.

Häufig ist es auch die (eigens für eine Folge komponierte) Musik. Oft sind es einzelne Bilder. Der „Tatort“ ist nicht nur ein Krimi, er ist dank mancher Folgen und mancher Szenen ein Kunstwerk. Der „Tatort“ ist experimentierfreudig: Ich finde es wunderbar, dass es der SWR mit Improvisation und Amateurschauspielern versuchte („Babbeldasch“, „Fargo“). Und denkt an „Die Musik stirbt zuletzt“ – die erste Folge ohne Schnitt, die die Schweizer beisteuerten. Ja, gut, solche Experimente lenken etwas von der eigentlichen Geschichte ab. Aber einerseits gibt es kritische Stimmen, die nach Veränderungen rufen, andererseits melden sich Stimmen, wenn es dann wirklich Veränderungen gibt.

Wenn ich mir die Kommentare bei Facebook durchlese, die dort vor und nach dem Ausstrahlen einer Folge erscheinen, wird mir bang um den „Tatort“. Ich habe den Eindruck, als würden die Menschen immer dümmer. Ich kann dieses „Ich bin eingeschlafen“ und „Münster ist der Beste“ nicht mehr lesen. Ich habe den Eindruck, die meisten der Kommentierenden seien mit dem „Tatort“ überfordert, wüssten nicht, was diese Reihe auszeichnet. So meine ich, gehe es denjenigen, die Frank Thiel und Karl-Friedrich Boerne aus Münster (WDR) für „die Besten“ halten, nur darum, dass sich die beiden anzicken. Ich stelle mir vor, dass ihr Gedankenfluss bei der Frage nach dem Tiefgang der Geschichte sofort stocken würde.

Für mich ist der „Tatort“ eine Krimireihe mit Anspruch. Leider scheint dieser Anspruch mehr und mehr verloren zu gehen – meiner Meinung nach, weil viele Zuschauer damit nichts anfangen können und gleich einschlafen, wenn sie nachdenken sollen und nicht wie bei „Cobra 11“ sich ständig Autos überschlagen und etwas explodiert. In dieser Entwicklung vermute ich auch einen Grund, weswegen sich die Besetzung mancher Teams in den vorigen Jahren (überraschend schnell) änderte – zwei Beispiele: Nach nur 15 Folgen verlässt Meret Becker, die die Nina Rubin für den RBB spielt, die Reihe. Joachim Król (Frank Steier) und Nina Kunzendorf (Conny Mey) vom HR quittierten sogar nach nur sieben beziehungsweise fünf Folgen den Dienst.

Meine Lieblingsfolge ist übrigens „Machtlos“ (RBB) mit Boris Aljinovic (Felix Stark), Dominic Raacke (Till Ritter) und dem brillant spielenden Edgar Selge als Täter Uwe Braun. Es ist ein herrlich ruhiger und ungemein spannender Krimi – garantiert nichts für schnell einschlafende Münster-Jünger.
 

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