Wie viel Potential hat das DAB+-Bouquet?


Ziemlich ernüchternd fällt ein Bericht der Landesanstalt für Kommunikation in Baden-Württemberg LFK vom 25.09.2015 aus. Es wurden insbesondere Messungen eines Strahlungsversuchs in Stuttart aus dem Frühjahr 2015 interpretiert. Man kann folgende Kernaussagen entnehmen: Ein 200W-Sender auf einem Antennenträger in 71m Höhe und 6dB Antennengewinn erlaubt nur eine Indoorversorgung im Radius von 3km. Für eine 90%ige Orts- und Zeitwahrscheinlichkeit muss die versorgende Feldstärke über 90dBµV/m liegen, vorzugsweise >=96dBµV/m. Der Gleichwellengewinn wird überschätzt, es muss an jedem Empfangsort immer ein Sender mit dominierender Feldstärke bestehen. Ein wechselndes Summensignal auch mit Pegeln von 60dBµV/m nützt nichts, es kommt zum Ausfall. Ausgehend von 15dB notwendigem Störabstand, 40dBµV/m Störfeldstärke, 30dB Gebäudedämpfung fehlen 10 bis 15dB Senderleistung. Wer technisches Verständnis mitbringt und die Details lesen möchte hat hier den Titel für die Suchmaschine:

Untersuchung des DAB+-Empfangs (indoor und outdoor) mit mobilen und portablen Receivern im Falle der lokalen Versorgung urban strukturierter Verbreitungsgebiete mit einem DAB+-Kleinleistungssender

Gute Nacht DAB+

Positive Aspekte:
Wenige, aber stationär mit Richtantenne ist durchaus "DX" möglich.
 
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WalterBar, das ist einer der großen Vorbehalte gegen DAB. UKW ist robuster und flexibler bei kleinzelliger Ausstrahlung. Alle Lösungsansätze auch in der jüngsten Studie der Medienanstalten sind nicht überzeugend. Ich denke, viele warten lieber noch ein paar Jahre, dann wird sich zeigen, ob Smartphones und Tablets die Audionutzung in den eigenen vier Wänden übernehmen. Ist dies der Fall, wäre LTE Broadcast die für den Privatfunk lukrativste Möglichkeit.

http://www.teltarif.de/dab-plus-smartphone-lte-alternative/news/61573.html
 
Über den Stuttgarter Versuch wurde ja schon mehrfach anderswo diskutiert: Bei den geografischen Gegebenheiten für DAB völlig ungeeignete Wahl von Standort und Leistung.
Von einem oder zwei umliegenden Bergen aus mit freier Sicht auf den Talkessel mit etwas mehr Leistung sähe die Ergebnisse vermutlich gaaanz anders aus.
Ein 50-100W-UKW-Sender in ähnlicher ungünstiger Lage rauscht nach 5-10 km auch unerträglich oder wird durch Interferenzstörungen platt gemacht.

Was die da gemacht haben, wäre etwa so, wie wenn man den IRT-DAB-Sender in M-Freimann mit UKW vom Olympiaturm oder Blutenburgstraße vergleichen würde...
 
Wie ich schon woanders schrieb: Zur Stadtversorgung ist ein mittelgroßer Einzelsender (ggf. mit einzelnen Gleichkanal-Repeatern im mW-Bereich) wahrscheinlich die deutlich bessere Lösung als ein lokales SFN aus Minizündern. Gerade in einer Stadt wie Stuttgart mit seiner komplexen Topographie.
 
Ja, WilliWinzig, völlig klar. Aber es sollte exemplarisch die Tauglichkeit von Kleinzellen für Privatveranstalter in Analogie zu den 100W-FM-Sender untersucht werden, parallel zu den grossen Gleichwellennetzen. In Anbetracht der schlechten Indoorversorgung kam man zu schlechten Ergebnissen. Bei den vielen Relativierungen der "Studie" sollte der Interessent sie komplett lesen. Fakt ist, dass beispielsweise in der Schweiz eine solche Kleinzelle inzwischen mit 1-4kW Senderausgangsleistung (nicht EIRP) daherkommt, während man hierzulange eine Senderausgangsleistung von 2kW (ca. 10kW EIRP) als Grossfunkstelle einer grünen Technologie feiert. Autos haben oft nur noch Scheibenantennen, dem Dach sind GPS und Mobilfunk vorbehalten. Da braucht es dringend höhere Strahlungsleistungen.
 
Ich finde die Studie ganz interessant, da die Kernaussagen ja richtig sind. Das mit dem Indoorempfang ist ein Riesenproblem und gerade diese Low-Budget-Loesungen wollen ja mit nicht allzuviel Leistung von nicht allzu exponierten Standorten senden.

Dennoch habe ich einen Kritikpunkt, den WilliWinzig ja schon angedeutet hat.

Der Vergleich zwischen UKW und DAB in der Studie wird eben nicht 100%ig fair durchgefuehrt. Wenn man genau schaut, wird an entscheidender Stelle (Seite 18) nicht zwischen 12A SWR-Funkhaus 200 Watt und z.B. 93,1 SWR-Funkhaus 200 Watt verglichen, sondern man bringt fuer den Vergleich die 99,2 vom Standort Stuttgart-Muenster mit 300W ins Spiel und erklaert sie als zur DAB-Abstrahlung gleichwertig, obwohl an anderer Stelle der Studie sogar zu lesen ist, dass der Standort Stuttgart-Muenster "hoeher und deutlich besser" sei.

Stuttgart-Muenster ist um gut 80m exponierter als der Sender SWR-Funkhaus, und trifft aus einer anderen Richtung ein, was bei der schwierigen Topographie in Stuttgart zu durchaus unterschiedlichen Ergebnissen fuehren kann. Blaettert man ein paar Seiten weiter, wird immerhin auch die UKW-Frequenz 99,6 SWR-Funkhaus mit 500W erwaehnt. Diese schneidet dann in der Bewertung auch deutlich schlechter ab als die spaeter zum DAB-Vergleich herangezogene Muenster-Frequenz (Seite 58). Und 500W sind auch noch nicht vergleichbar mit den 200W, die die DAB-Ausstrahlung hatte. 4dB Unterschied sind nun mal nicht so einfach vernachlaessigbar.
=> Man haette also fairerweise ueber die komplette Studie die 93,1 zum Vergleich verwenden sollen, die haette 1:1 identische Parameter (Standort/Leistung) wie die DAB-Testabstrahlung gehabt.

Warum man dies wohl nicht getan hat? Vielleicht weil SWR2 ein Kulturprogramm ist, das zur rechten Zeit relativ leise ist, weshalb zu befuerchten war, dass die subjektive Bewertung von UKW nochmal schlechter ausfaellt, weil das Rauschen staerker zu hoeren ist? Ich weiss es nicht.

Man muss sich nur einfach mal die Seite 58 genauer ansehen. Die subjektive Einschaetzung der Testpersonen:
- 99.2 Stuttgart-Muenster 300W vs. 12A Stuttgart-Funkhaus 200W
UKW besser empfangbar: 30,6%
DAB besser empfangbar: 10,8%

Wir naehern uns einem fairen Vergleich:
- 99.2 Stuttgart-Funkhaus 500W vs. 12A Stuttgart-Funkhaus 200W
UKW besser empfangbar: 23,4%
DAB besser empfangbar: 13,5%

Es kann sich jeder hochrechnen, was bei einer 93,1 Stuttgart-Funkhaus mit 200W (identische Parameter) rausgekommen waere. Womoeglich identische subjektive Bewertungen fuer UKW und DAB?

Auch bin ich mir bei der einen oder anderen Formulierung in der Studie nicht sicher, ob die Autoren 100%ig unvoreingenommen waren.

Resultat ist: eine 200W-Funzel an einem unguenstigen Standort im Loch in einer topographisch anspruchsvollen Stadt reicht bei DAB nicht, um diese Stadt ausreichend zu versorgen. Das ist bei UKW aber auch nicht recht viel anders.
 
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Sicher? Ich dachte, Bornberg sei erst mal verschoben. Hast Du eine Quelle?
Jedenfalls würde es unseren "Kreisel" freuen ;)
Ja, ich würde nach der Aufschaltung einen Freudentanz vollführen :)

Indoorempfang sollte mt 5 KW problemlos gehen. Der SWR kam auf 12A damals im August 2011 als einziger Mux rein. Da waren es glaube ich 0,5 KW. Die interessante Frage ist, ob der SWR in naher Zukunft auch wieder DAB vom Bornberg ausstrahlt. Dann eben mit einem +.
 
Oder im Weserbergland z.B. in Hameln. Da ist DAB+ fast gar nicht möglich. Der Bundesmux geht dort nur sehr schwach, der NDR gar nicht.
Da kann ich dir teils, teils Recht geben.
Ich habe im anderen Universum dazu schon etwas gesagt.
Mit einer Autodachantenne ist das hier kein Problem. Der 5C läuft wirklich okay im Weserbergland, aber Indoor ist kaum was zu machen. Erst wieder hinter dem Ith.
Helfen könnte da wohl ein weiterer Sender in Barsinghausen, Stadthagen oder am besten auf dem Klüth.
Bei dem NDR geht hier eigentlich gar nichts zufriedenstellend. Da sind die Wälder einfach im Weg. Auf dafür bräuchte man in Stadthagen oder auf dem Klüth Sender. Bei UKW kommt ja auch kaum etwas in Hameln rein.
 
Allgemein muß ein digitales Radiosystem folgende Parameter in der heutigen Zeit erfüllen:

1. Es muß rückkanalfähig sein (lebensnotwendig für kommende Geschäftsmodelle)
2. Es muß über Smartphones/Tablets oder alternativ andere Bluetooth-taugliche Gadgets zugänglich sein, da sich Streaming Produkte wie Soundbars, Bluetooth Speaker und anderes in den eigenen vier Wänden immer mehr durchsetzen und die klassischen Radios verdrängen werden.
3. Es muß im Rahmen einer vernetzten Technik im Automobil zugänglich sein.
4. Es darf reichweitenmäßig nicht weniger Menschen versorgen als im Moment UKW.

Für alle 4 Punkte sehe ich im Moment bei DAB noch schwarz, wobei es lösbar ist. Sollte es aber nicht lösbar sein, werden sich in den eigenen 4 Wänden alleine IP Technologien durchsetzen, weil sie Punkte 1, 2 und 4 schon heute erfüllen. Lediglich in Punkt 3 spielt DAB noch seine Stärken aus, wobei mit LTE Broadcast ja auch hier Abhilfe möglich ist. Einige Ex-Kollegen wollen in jedem Fall weitere mind. fünf Jahre warten. Sollte DAB bis dahin eine Marktdurchdringung haben die sich lohnt und sollte es auch finanzielle Anreize seitens der Politik geben steigen sie ein. Sollte es aber auch im LTE Bereich neue, positive Entwicklungen geben machen sie dort mit und klammern DAB aus. In jedem Fall sollte jeder inzwischen einsehen daß die Digitalisierung des Radios nicht auf DAB beschränkbar ist. DAB ist nur ein klitzekleiner Teil des Themas, das in seiner Gesamtheit viel komplexer ist. Wer das nicht versteht, lebt geistig noch in den 90er Jahren!
 
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1. Es muß rückkanalfähig sein (lebensnotwendig für kommende Geschäftsmodelle)
Rund-Funk (im technischen Sinne) ist qua definition nicht rückkanalfähig. Ein Rückkanal erfordert eine Individualkommunikation. Entweder kombiniert man einen klassischen Rundfunk-Verbreitungsweg (egal ob analog wie UKW oder digital wie DAB+) mit einem internetgestützen Rückkanal - dann ist für diesen Aspekt der eigentliche Verbreitungsweg aber egal. Oder man verbreitet in beiden Richtungen über netzgestützte Individualkommunikation - dort wird klassische lineale Verbreitung aber ein Nischendasein führen, weil die Nutzer individualisierte und/oder zeitsouveräne Angebote erwarten.

2. Es muß über Smartphones/Tablets oder alternativ andere Bluetooth-taugliche Gadgets zugänglich sein, da sich Streaming Produkte wie Soundbars, Bluetooth Speaker und anderes in den eigenen vier Wänden immer mehr durchsetzen und die klassischen Radios verdrängen werden.
Um XYZ-Verbreitungsweg im Smartphone verfügbar zu haben, muss man ihn einbauen. Keine Frage der Technik als solche. Punkt. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.

3. Es muß im Rahmen einer vernetzten Technik im Automobil zugänglich sein.
Allgemeiner: Es muss mobil in der Fläche (sowohl in der Provinz wie in dichter Bebeauung) verfügbar sein. Eine Frage des Ausbaustandes, wieder nicht der Technik.

4. Es darf reichweitenmäßig nicht weniger Menschen versorgen als im Moment UKW.
Ich würde es etwas schwächer formulieren: Es muss in der Breite einen relevanten Nutzerkreis erreichen. Den Status als den einen Verbreitungsweg, den UKW einmal hatte, wird keiner der neuen und zukünftigen Medienstandards je wieder erreichen.
 
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Ich würde es etwas schwächer formulieren: Es muss in der Breite einen relevanten Nutzerkreis erreichen. Den Status als den einen Verbreitungsweg, den UKW einmal hatte, wird keiner der neuen und zukünftigen Medienstandards je wieder erreichen.
Gut, formulieren wir das erneut um:

Ich würde es etwas schwächer formulieren: Es muss in der Breite einen relevanten Nutzerkreis erreichen. Den Status als den einen Verbreitungsweg, den Mittelwelle einmal hatte, wird keiner der neuen und zukünftigen Medienstandards je wieder erreichen.
 
Ein UKW Nachfolgestandard sollte die üblichen Nutzungsarten von UKW bieten und am besten erweitern:

1. Senderketten für mehrere Programme für in der Fläche größere Verbreitungsgebiete, so wie sie für öffentliche Radios in Europa typisch sind.
2. Für ein Programm eines Anbieters mit großem Verbreitungsgebiet
3. Regionale und Lokale Fenster in Programmen mit großem Verbreitungsgebiet
4. Der weltweit wohl häufigste Verwendungszweck: Ein Programm, eine Stadt, ein Sender (Sendemast) also eine Radiostation.
5. Kleinstädtische Lokalsender, Stadtteilfunk, Studentenradios, Radioinitativen, Piratensender

Für 3. bis 5. ist UKW gut geeignet. Für 1. bis 2. hat man für UKW Lösungen entwickelt. Richtiger Mangel herrscht auf UKW nur bei der Anzahl der (maximal möglichen) Programme.

DAB(+) ist nur für 1. gut geeignet. Beim Rest ist es sehr unflexibel, bzw. im engeren Sinne nicht sinnvoll einsetzbar. Trotz über 20 jähriger Entwicklungszeit versucht man jetzt 2016 bis 2017 nachträglich eine Regionalisierung in DAB hineinzubekommen. Was hat sich das IRT bei der Entwicklung nur gedacht? Kein Wunder, daß DAB sich so schwer tut als Nachfolger von UKW Erfolg zu haben.
 
Ganz ehrlich: Vielleicht brauchen wir uns bald auch gar keine Gedanken mehr über terrestrischen Rundfunk machen. Die Mobilfunkunternehmen haben derzeit einen schier unersättlichen Frequenzhunger, und viele Delegierte befürworten, dass im November auf der nächsten Funkkonferenz das gesamte UHF-Band dem Mobilfunk zugeschlagen wird. Somit wäre DVB-T2 schon mal gestorben, denn ohne Frequenzen keine Services. Wir sollten uns langsam mit dem Gedanken vertraut machen, dass es in 20 Jahren Radio und Fernsehen aus der Luft mit Medienregulierung durch die Medienanstalten usw. schlichtweg nicht mehr gibt. Alles wird IP-basiert laufen. Die Zukunft fängt erst an.

http://archive.constantcontact.com/fs105/1101914751652/archive/1122393369855.html#LETTER.BLOCK72
 
Ich glaube es nicht, denn IP funktioniert einfach über Mobilfunknetze einfach nicht. Mobiles TV hat sich bis heute nicht durchgesetzt. DVB-T2 ist gerade erst in den Startlöchern und wie sollte man eine unabhängige Versorgung der Bürger mit Rundfunk sicherstellen, wenn ein Unternehmen Kontrolle über die Daten hat. Und wie stellst Du Dir das vor? Ich schließe einen Mobilfunkvertrag ab, damit ich die Tagesschau sehen kann? Und diese kann ich dann nicht mehr gucken, weil entweder was Negatives über den Mobilfunkbetreiber läuft bzw. mein Datenvolumen aufgebraucht ist?!
 
Die Idee ist ja nicht, dass es funktionieren soll (also aus Hörersicht), sondern als Geschäftsmodell. Wenn die Terrestrik als Broadcast-Medium wegfällt, wird die Medienbranche noch abhängiger von den Telcos, und wo das hinführt, sieht man ja gerade an den heute abgekündigten Plänen der Telekom, Umsatzbeteiligungen von von Internet abhängigen Unternehmen einzufordern. Da werden sich die Radiosender aber freuen, wenn sie künftig extra dafür zur Kasse gebeten werden, um ihre Hörer (die ihrerseits wieder für ihre "Flatrates" bezahlen dürfen, zu erreichen.

Den Radiomanagern, die jetzt noch rein auf "das Internet ist die Zukunft, sonst nichts" setzen, ist wirklich nicht mehr zu helfen.
 
Ich glaube es nicht, denn IP funktioniert einfach über Mobilfunknetze einfach nicht.
Das dürften einige zig Millionen Smartphonenutzer hierzulande anders sehen. Und nur zur Erinnerung, vor 10 Jahren gab es faktisch noch überhaupt keine Datenübertragung über Mobilfunknetze.

Mobiles TV hat sich bis heute nicht durchgesetzt.
Lineares TV vielleicht nicht, YouTube ist hingegen auch mobil längst Standard.

DVB-T2 ist gerade erst in den Startlöchern und wie sollte man eine unabhängige Versorgung der Bürger mit Rundfunk sicherstellen, wenn ein Unternehmen Kontrolle über die Daten hat. Und wie stellst Du Dir das vor? Ich schließe einen Mobilfunkvertrag ab, damit ich die Tagesschau sehen kann? Und diese kann ich dann nicht mehr gucken, weil entweder was Negatives über den Mobilfunkbetreiber läuft bzw. mein Datenvolumen aufgebraucht ist?!
Wer sagt denn, daß das Rundfunk-Datenvolumen zu Lasten der Hörer gehen muß? Die Spotify-Inklusiv-Tarife zeigen doch schon, daß man die Kosten auf dem "Sender" aufs Auge drücken kann.

Und wenn die Radiosender eines Tages keine teueren Sendeanlagen mehr betreiben und/oder mieten müssen, können sie mit den dadurch eingesparten Kosten locker eine mobile Datenübertragung finanzieren, die für die Endnutzer kostenfrei bleibt.

Ich kann's nur immer wiederholen, vergleicht einfach mal den Stand der mobilen Datenübertragung anno 2005 mit dem von heute und extrapoliert dies auf die nächsten 10 Jahre.
 
Lineares TV vielleicht nicht, YouTube ist hingegen auch mobil längst Standard.
Schomal versucht in der Datendrossel ein Video auf Youtube zu schauen? Offensichtlich nicht. :rolleyes:

Wer sagt denn, daß das Rundfunk-Datenvolumen zu Lasten der Hörer gehen muß?
Die Mobilfunkanbieter? ;)

Dieses ganze Geschreibsel von Radio über Mobilfunk ist doch alles völlig an der Realität vorbei. In weiten Teilen von Deutschland liegt auf dem Land noch nicht mal 3 G flächendeckend vor. Da kann man froh sein, wenn es zum Telefonieren ohne Aussetzer reicht, aber Radio übers Mobilfunknetz kann man ausserhalb der Ballungsräume komplett vergessen und daran wird sich auch in den nächsten Jahren nichts ändern und jeder der was anderes behauptet ignoriert die Fakten oder sagt bewusst die Unwahrheit.
 
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Ich kann's nur immer wiederholen, vergleicht einfach mal den Stand der mobilen Datenübertragung anno 2005 mit dem von heute und extrapoliert dies auf die nächsten 10 Jahre.
Niemand, der sich ernsthaft mit der Materie auseinandergesetzt hat, geht davon aus, dass man die Entwicklung der verfügbaren Bandbreite einfach so weiter in die Zukunft extrapolieren kann.

Es hat ja zwei Gründe, warum die Telcos so darauf dringen, Rundfunkfrequenzen in Mobilfunkfrequenzen umzunutzen. Einerseits gerade deswegen, weil die Bandbreite der Mobilfunkfunkfrequenzen objektiv beschränkt ist, also der steigende Bedarf keineswegs durch verbesserte Technik aufgewogen werden kann, und man dies durch die Nutzung von physisch mehr Bandbreite kompensieren möchte. Andererseits weil Rundfunk (im technischen Sinne) schlichtweg Konkurrenz ist, und wenn die wegfällt, ist das durchaus im Interesse der Telcos. Die Telcos haben ja gar nicht ein Interesse daran, jeden mit bandbreitigem Internet zu versorgen. Die Telcos sind privatwirtschaftliche, börsennotierte Unternehmen, und haben ein Interesse daran, hohe Gewinne einzufahren. Und dafür ist es betriebswirtschaftlich sinnvoll, hohe Preise durchzusetzen, auch wenn das zur Folge hat, dass ein wesentlicher Teil der Gesellschaft dann dadurch von der Technik ausgeschlossen ist. Das habe ich im Nachbarforum übrigens schon vor über vier Jahren so ähnlich aufgeschrieben. Wer glaubt, in zehn Jahren sei LTE etwas selbstverständliches für jeden, der träumt. (Hey, eine überprüfbare, prinzipiell falsifizierbare Aussage! Wer möchte dagegen wetten?)

Rundfunk hat klare Vorteile gegenüber IP. Zuvorderst, dass Kosten und Zuverlässigkeit nutzungsunabhängig sind, sowohl für Sender wie für die Empfängerseite. Aus politischer Sicht (die kein Interesse haben kann, einen Teil der Gesellschaft vom Medienempfang auszuschließen) wie aus Sicht der Sender (die kein Interesse daran haben können, sich von den Telcos abhängig zu machen, gerade abgesichts der gerade weggefallenen Netzneutralität und der regelmäßigen Drosselungen durch die Telcos). Beim Thema Media Broadcast sehen wir gerade, wohin Abhängigkeit von einem oder wenigen Unternehmen führt.
 
Wer sagt denn, daß das Rundfunk-Datenvolumen zu Lasten der Hörer gehen muß?
Die Mobilfunkanbieter? ;)

Dieses ganze Geschreibsel von Radio über Mobilfunk ist doch alles völlig an der Realität vorbei. In weiten Teilen von Deutschland liegt auf dem Land noch nicht mal 3 G flächendeckend vor. Da kann man froh sein, wenn es zum Telefonieren ohne Aussetzer reicht
Davon abgesehen, dass Du gerade Äpfel (Telefonieren) mit Birnen (Radio over IP) vergleichst, scheinst Du den neuesten Einfall von der Telekom, bestätigt von Minister Oettinger, nicht mitbekommen zu haben. Das Zweispur-Internet, bei dem (ein Teil daraus) die Anbieter für den Content bezahlen. Das geistert derzeit unter dem Begriff der "Internetmaut" durch's Netz, da die Telekom stellvertretend für alle Durchleitungen kassieren möchte.

Und wer jetzt denkt "Ach das ist mir doch egal - betrifft mich sowieso nicht, ich höre kein Radio über Internet!" hat falsch gedacht. In Deutschland wird der meiste Traffic per Leitungen der Telekom geroutet. Soll der gleichbleibend geleitet werden, wird wohl künftig auch auf die Endverbraucher eine Preiserhöhung zukommen - sozusagen als "Premiumtarif" - für dieselbe Leistung wie bisher.
 
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Lest euch alle mal dieses Dokument aus der von euch immer so gelobten Schweiz durch und wundert euch wie sch***egal dem Bakom der terrestrische Rundfunk ist! http://www.bakom.admin.ch/themen/fr...pnO2Yuq2Z6gpJCDfX12hGym162epYbg2c_JjKbNoKSn6A

Die Relevanz der terrestrischen Verbreitung von TV-Programmen mittels DVB-T nimmt in der Schweiz tendenziell ab. Hingegen nimmt die Bedeutung der kabel- und satellitengebundenen Fernseh-Übertragung weiter zu; wie auch die Verbreitung von TV-Inhalten über Mobilfunknetze. Es ist davon auszugehen, dass sich diese Entwicklung weiter fortsetzen wird, was langfristig zur Abschaltung der terrestrischen TV-Sendernetze führen dürfte. Die Schweiz unterstützt die internationalen Harmonisierungsbestrebungen, die Frequenznutzungsrechte für den Mobilfunk mittelfristig in das Band 694 – 790 MHz und langfristig in das Band 470 – 694 MHz auszudehnen.
Da sieht man nämlich, wie der Hase läuft.
 
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Das kann man aber nicht verallgemeinern. In der Schweiz (wie etwa auch in Benelux) ist ein Kabelanschluss so selbstverständlich wie fließendes Wasser. Dort hat das Szenario, die terrestrische Fernsehverbreitung einzustellen, also eine ganz andere Bedeutung als etwa in Frankreich, Spanien, Italien oder Polen, wo der terrestrische Fernsehempfang bis heute alle anderen Verbreitungswege dominiert. Und vom Fernsehen kann man auch nicht so einfach aufs Radio schließen, denn beim Hören hat die mobile Nutzung nochmal einen ganz anderen Stellenwert als beim Sehen.
 
Nope. Denen ist egal, von wem sie das Geld bekommen, das kann also durchaus auch von den Content-Produzenten, in dem Fall von den Rundfunkanstalten, kommen.

Dieses ganze Geschreibsel von Radio über Mobilfunk ist doch alles völlig an der Realität vorbei. In weiten Teilen von Deutschland liegt auf dem Land noch nicht mal 3 G flächendeckend vor. Da kann man froh sein, wenn es zum Telefonieren ohne Aussetzer reicht, aber Radio übers Mobilfunknetz kann man ausserhalb der Ballungsräume komplett vergessen und daran wird sich auch in den nächsten Jahren nichts ändern und jeder der was anderes behauptet ignoriert die Fakten oder sagt bewusst die Unwahrheit.
Sei doch nicht so pessimstisch, vor 20 Jahren hatte so gut wie niemand ein Handy, vor 10 Jahren gab es noch so gut wie keine mobile Datenübertragung, warum also sollte der heutige Zustand bis in alle Ewigkeit so fortbestehen?

Wie gesagt, Radio via IP, bezahlt von den Radiostationen, die wiederum Kosten für UKW- und DAB-Sender einsparen könnten, wäre eine Win-Win-Situation für alle und keineswegs unrealistisch. Vielleicht nicht heute, vielleicht auch noch nicht in 5 Jahren, aber ewig lange wird es nicht mehr dauern.

Und hierbei ist noch gar nicht einberechnet worden, daß sich auch ganz neue Angebotsformate etablieren könnten, bei denen beispielsweise die Musik en bloc zum Empfänger transportiert wird (sofern er sie nicht ohnehin schon lokal gecached hat - ideal bei charts-orientierten Stationen oder Oldiesendern) und nur noch sehr kurze Live-Moderationen einen echten Datenstream erfordern.
So, wie schon heute das lineare Fernsehen langsam aber sicher ausläuft, wird das ungleich schneller auf mit dem Radio passieren.

Vielleicht sollten wir diesen Thread mal 5 Jahre ruhen lassen und dann sehen, ob der Optimist oder der Pessimist recht hatte :)
 
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