Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland

Haben ARD und ZDF eine Zukunft?


  • Anzahl der Umfrageteilnehmer
    29

#1
Hallo in die Runde,

ARD und ZDF wollen wieder mal anständig zulangen, wenn es ums Geld geht. Wie findet Ihr die Bedarfsanmeldung von ARD und ZDF? Was ist Eure Meinung auf die angestrebte Indexierung? Ist mehr Geld für ARD und ZDF gerechtfertigt oder etwa nicht?

Meine Meinung ist die folgende: Medienpolitisch wird so ziemlich alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann. ARD und ZDF sind meiner Meinung nach längst zu einem Staat im Staat verkommen. Entgegen dem Gebot der Staatsferne hängt überall die Politik mit drin. Z. B. die geliebte Frau Malu Dreyer. Sie ist nicht nur Ministerpräsidentin von RLP. Nein, sie leitet auf der einen Seite die Rundfunkkommission der Ministerpräsidenten der Länder und auf der anderen Seite fungiert sie als Vorsitzende im Verwaltungsrat des ZDF. Ich glaube, da braucht man nicht studiert zu haben, um zu erkennen, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten von unseren lieben Politikern trotz Gebot der Staatsferne unterwandert sind. Es gibt eine Unmenge an Beispielen, wo ARD und ZDF mit Politikern stark umworben sind.

Das ist das eine Problem (die Staatsferne, welche eigentlich eine Staatsverflechtung ist). Das andere Problem ist die Quotenabhängigkeit von ARD und ZDF. Viele Programme oder Inhalte wurden in den vergangenen Jahren quotengesteuert neu ausgerichtet, um den Privatsendern nicht nur näher zu stehen, sondern denen das Wasser abzugreifen. Sozusagen haben sich ARD und ZDF im Laufe der letzten Jahre immer weiter vom ohnehin schon schwammig formulierten Programmauftrag entfernt und sich in vielen Bereichen auf einen Konkurrenzkampf mit den Privatsendern herabgelassen. Die besten Beispiele hierfür sind viele Heimatsender der ARD, welche musikalisch die Heimat regelrecht boykottieren. Neue Digitalwellen, welche man aufgrund unzähliger Proteste und Beschwerden ins Leben rief, zeugen nicht gerade vom ernsthaften Sparwillen bei der ARD.

Meine Meinung zu dem ganzen medienpolitischen Desaster:

Zuerst muss das Fundament stehen. Dieses Fundament ist ein klar und unmissverständlich formulierter Grundversorgungsauftrag für unseren öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Wenn das Fundament steht, erst dann ist es sinnvoll darauf aufzubauen. Im nächsten Schritt müssen sich unsere öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten einer allumfassenden Reform unterziehen, so dass am Ende als Ergebnis ein auftragsorientierter öffentlich-rechtlicher Rundfunk und kein quotengesteuerter öffentlich-rechtlicher Rundfunk (wie wir ihn zur Zeit haben) steht. Und erst an letzter Stelle steht die Frage der Finanzierung.

Was sagt Ihr dazu? Wie ist Eure Meinung dazu?
 
#5
Sorry, man ist eben nicht perfekt. Der 2. Teil der Fragestellung ist unglücklich formuliert. Frage neu: Haben ARD und ZDF eine Zukunft? So ist es eindeutig formuliert. Danke nochmal für den Hinweis.
 
#6
Die Diskussion als solche ist vor dem Hintergrund einer neuen Finanzierungs-Diskussion schon berechtigt. Aber dabei geht doch nicht um ein entweder/oder, sondern ausschließlich um das "Wie". Und die Quoten-Diskussion hat sich mit Einführung der Haushalsabgabe auch erledigt. Weil jeder zahlen muss, hat auch (fast) jeder ein Recht auf Berücksichtigung im Programm. Da die meisten Zahler nun mal am liebsten Tatort, Sportschau und Rote Rosen gucken, wird es Unterhaltendes und Seichtes auch in Zukunft in Hülle und Fülle geben. Gleiches gilt für den Hörfunk.
 
#7
Danke, lieber Spezi, für Deine offene Meinung. So sehe ich das eben auch. Die Diskussion um die zukünftige Ausgestaltung unseres öffentlich-rechtlichen Rundfunks gehört in die Öffentlichkeit und nicht nur in die Hinterzimmer der Staatskanzleien. Wir Bürger bezahlen für ARD, ZDF & Co. Folglich müssen wir in den anstehenden Reformprozess auch mit einbezogen werden. Und da gehört auch die Quotenabhängigkeit öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten mit auf den Tisch. Es kann nicht sein, dass in Wahrheit die Quoten die Programme lenken und der Beitragszahler nur als sogenanntes „Melkvieh“ betrachtet wird.

Hier muss etwas Grundlegendes passieren.
 
#9
Was soll mit den Ergebnissen dieser "Umfrage" passieren? Ist die einfach nur interessehalber gestartet oder steckt politisches Kalkül dahinter... Ich kann da nicht abstimmen, da es keine ja/nein-Frage ist.
 
#10
Viel interessanter als die eigentliche Fragestellung ist doch folgendes:

Mehrfach abstimmen ist erlaubt.

Man sieht wenn man auf die jeweilige Antwort-Möglichkeit klickt, wer wie abgestimmt hat. ("Deine Stimme wird öffentlich sichtbar sein.")

Bei 10 Teilnehmern haben 8 für ja gestimmt und 4 für nein gestimmt.

2 Namen tauchen doppelt auf: Dj Darek und Ole93 haben für beides gestimmt.

Es gibt also User die sowohl für "ja" (dafür) als auch für "nein" (dagegen) stimmen.

Ich verstehe weder den Sinn einer Umfrage mit 2 Antwortmöglichkeiten, bei der man mehrfach abstimmen kann.

Und noch viel unlogischer ist es doch dass es bei so einer klaren Frage Leute gibt die für beides stimmen.
Entweder man ist dafür oder dagegen oder man enthält sich, dann stimmt man aber doch gar nicht ab und klickt nicht bei beidem!

Was soll das bringen?
 
Zuletzt bearbeitet:
#11
Was ist Eure Meinung auf die angestrebte Indexierung?

Eine Indexierung klingt erstmal nach einer guten salomonischen Lösung. Er hält regelmäßiges Parteingezänk und politische Willkür vom öffentlichen Rundfunk fern und die können in Ruhe arbeiten.

Ich möchte aber auf ein paar Nachteile aufmerksam machen, die vielleicht nicht sofort ins Auge springen.

- Die allgemeine Teuerungsrage muss nicht der Teuerungsrate im Medienbereich entsprechen
- Schnelles Handeln, oder reagieren wird unmöglich. Ab jetzt alle ö-r Serien auf Netflix Niveau? Nope. 4k innerhalb von 3 Jahren einführen? Nope. usw.
- Die schon weit fortgeschrittene Sklerose der Anstalten wird auf ewig garantiert und damit weiter zementiert, wenn nicht beschleunigt.
- Der Stellenwert der öffentlich-rechtlichen Medien wird festgeschreiben und damit höchstwahrscheinlich langfristig immer geringer.
Dazu ein kleines GedankenExperiment. Wäre der Rundfunkbeitrag 1975 indexiert worden, wäre das Angebot der Öffentlichen aus Kostengründen heute noch so wie 1975: 3 TV Programme, 3 Radioprogramme pro Bundesland. Kein online Angebot, keine Mediatheken, nicht einmal Videoktext gäbe es dann im Jahr 2019. Nur durch Ausweitung der eh noch vorhandenen Sendepausen, hätte bei einer Indexierung in diesen neuen Feldern hie und da etwas enststehen können. 1975 hatte der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine recht hohen Anteil der allgemeinen Aufmerksamkeit. Mit dem gleichen Angebot wäre dieser Stellewert heute sehr deutlich geringer.
Das Bundesverfassungsgericht hat (deshalb) auch schon einmal dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk eine "Entwicklungsgarantie" ausgesprochen.
=>: Eine Indexierung an der Inflationsrate schrumpft das heute vorhandene Angebot langfristig, da die Teuerungsrate im Medienbereich erfahrungsgemäß höher ist.
=> Eine Indexierung an der Teuerungsrate im Medienbereich würde den Ist-Zustand zementieren und könnte langfristig zu einem schleichenden Bedeutungsverlust führen. Siehe oben.
=> Eine Indexierung am Bruttosozielaprodukt (also Inflation + Wirtschaftswachstum) würde den Stellenwert des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland auch mittel- und langfristig ungefähr konstant halten.
Nachteil: da die Löhne seit rund 20 Jahren +- nur mehr einen Inflationsausgleich bekommen, würde der Rundfunkbeitrag für die meisten Menschen immer teurer. Hier sehe ich zwei Möglichkeiten: die Politik sorgt für Rahmenbedingen (z. B. über "Bündnisse für Arbeitnehmer") dafür, dass auch das Wirtschaftswachstum wieder, wie in den 50er, 60er, 70er Jahren bei +- Allen landet. Oder die Politik erhöht den Rundfunkbeitrag (nur) in den Bereichen der Volkswirtschaft, wo das Plus an Bruttosozialprodukt landet.

Ist mehr Geld für ARD und ZDF gerechtfertigt oder etwa nicht?

Das kommt halt darauf an, was gewünscht ist? Eine Grundversrogung? Eine Grundversorgung plus? Ein Gegengewicht (z. B. ein 50 %iges) zu Medien in privatem Besitz?

Ich bin für Grundversorgung + 20 %iges Gegengewicht, bzw. Ergänzung zum privaten Medienangebot.

In meinen persönlichen Umfragen, fänden die meisten Leute einen Rundfunkbeitrag von 10 € für richtig und angemessen. Das ist auch meine Meinung. Mit 12 € könnte ich auch leben. Wenn das nur für Grundversorgung + 10 %, oder 15 % reicht, dann ist das halt so.
Wichtig dabei, ein sinnvoller Umgang mit dem Geld der Beitragszahler. Wenn die Übertragung eines Fußballspieles so viel kostet wie z. B. 5000 fundierte medizinische Ratgeber, die jahrelang in Bild, Ton und Schrift abgerufen werden können, dann werden es die Ratgeber. Es entsteht auch kein Mangel, da die Privaten das Fußballspiel übertragen werden.


Aus diesen Gründen bin ich seit Jahren für diese Reform - ich zitiere mich per copy & paste:

Die ARD stellt nur mehr 20 bis 25 (anstatt 60 bis 70) RadioWellen her (und nur mehr 7 statt rund 20 TV Programme). Jede davon bekommt den doppelten Etat - Qualität kostet schließlich. Durch die deutliche Reduktion in der Herstellung und Verwaltung wird insgesamt trotzdem deutlich Geld eingespart. Ich sag mal 30% im Vergleich zu bisher (25/70*2). Die Einsparung finanziert:
1: Ein Verzicht auf RadioWerbung.
2. Den Ausbau eines deutschlandweiten DAB+ Netzes mit 25 Programmen.
3. Und für den Erfog ganz wichtig: Mit den Einsparung schenkt die ARD jedem Rundfunkteilnehmer ein Radio für mobilen Digitalempfang, damit er die 25 bundesweiten Programme auch hören kann. (Das leidige DAB Problem wird so auch gleich gelöst.)
Regionale und lokale Einsprengsel, Nachrichten und Sendungen sind natürlich ausreichend - sagen wir mal - in 10 Programmen enthalten. Auf UKW wird für eine Übergangszeit auf den vorhandenen meist 5 UKW Ketten ein best of Programm aus den 25 digitalProgrammen gesendet.


Am Beispiel Klassik: Es gibt 2 bundesweite Klassik Wellen - Konkurrenz belebt das Geschäft. Regionale Elemente beispielsweise in BR Klassik oder NDR Kultur sind eh kaum vorhanden, bzw. würden sie kaum vermisst, bzw. sind - falls bei Klassik tatsächlich erwünscht - als regionale Einsprengsel vorhanden. Es gibt 2 Nachrichtenkanäle, sagen wir mal a la DLF und ein Nachrichtenschleife a la RBB Info etc …
(Und ein Radiomuseum gibt es so auch, bundesweit in jedem Radio.)



Die Vorteile für den Hörer sind bestechend:

- Er bekommt 3 bis 5 mal mehr (ARD) Radio-Programme als bisher üblich!
(Overspill habe ich nicht berücksichtigt, da er zufällig und nicht vorgesehen ist.)
- Jede dieser Wellen ist besser als die Vorhandenen, denn sie hat in ihrem Genre Konkurrenz und kann aus dem Vollem schöpfen - dank mehr Geld.
- Die GEZ RadioGebühr sinkt, sobald die Anfangsinvestitionen bezahlbar sind.
- Ein kostenloses DigitalRadio gibts noch dazu. :)


Sogar die Privatsender können nichts gegen diese Reform haben, denn Radiowerbung läuft nicht mehr auf den öffentlich-rechtlichen Wellen.

Ach ja, um auch noch die Umfrage zu beantworten :)
Haben ARD und ZDF eine Zukunft?
Wenn Anstalten und Politik so weiter machen, dann sieht die Zukunft meiner Meinung nach so aus:

Erstmal bleibt alles so wie es ist. Der Rundfunkbeitrag wird leicht erhöht, aber nicht so wie die "Anmeldung" der Anstalten. Leichtes Stöhnen in den Anstaltskörpern. ÄnderungsEffekte: kaum meßbar.

Eine Generation, quasi alle unter 40, haben sich vom öffentlichen Fernsehen fast komplett abgewendet. Die Anstalten haben sie nahezu widerstandslos ziehen lassen und produzieren kein Angebot. Wenn sie das fortsetzen, und ich rechne damit, weil ich Fähigkeit zum Wandel nicht erkenne, dann ist mittelfristig auch die zweite Generation weg, bzw. ausgestorben. Wenn die öffentlichen dann nur mehr für 30 % der Bevölkerung da sind, dann wirds eng. Zuerst für Politiker, die die öffentlichen unterstützen, denn 70 % der Wähler wollen kein Geld bezahlen für etwas, das sie nicht nutzen. Daraufhin wird es grandiose Kürzungen für die Öffentliche geben.

Wenn auch diese Kürzung nicht zu einem grundlegend anderen Angebot für alle Generationen führt, dann ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk langfristig - eine weitere Generation weiter gedacht - weg vom Fenster.


Es ist nie zu spät, aber das gute, effektive Zeitfenster für eine Reform des öffentlichen Rundfunks schätze ich auf die Jahre 2000 bis 2025 - egal ob von innen, aus den Anstalten heraus, oder von außen, durch Politik angestoßen. Die richtige Zeit für eine Belüftung und grundlegende Strukturreform des öffentlichen Rundfunks ist jetzt!
 
#12
Ein Grundsatzthread zu ARD&ZDF, über Geld, Strukturen, Gremien, politischen Einfluss, Programme und Inhalte? Ich glaube, dieser Thread wird ziemlich schnell zerfasern.

Ansonsten verweise ich auf meinen Reformvorschlag zu ARD&ZDF aus dem Strukturreform-Thread vom März:

Für mich wären Ziele einer Strukturreform,
  • die Verflechtung zwischen den Anstalten abzubauen, so dass jede Anstalt eigenständiger und ohne Abstimmungsbedarf ihre Programme gestalten kann. Also das Gegenteil des häufig geprägten "sollen doch kooperieren", was nur Reibungsverluste erzeugt und Kreativität erstickt.
  • bei den Landesrundfunkanstalten einen inhaltlichen Schwerpunkt auf Information und Kultur (einschließlich Popkultur) vorzuschreiben. Hier ist eine Abbildung des regionalen Geschehens und eine publizistische Konkurrenz zwischen den Anstalten sinnvoll.
  • eine maßvolle Verkleinerung der Anzahl der Landesrundfunkanstalten, damit jede Anstalt über die notwendigen Ressourcen verfügt, ihren Programmauftrag tatsächlich zu erfüllen.
  • im Gegenzug Schaffung neuer spezialisierter Rundfunkanstalten auf nationaler Ebene in Bereichen, in denen bisher aufgrund des großen Abstimmungsbedarfs kaum eigenständige Planung möglich ist.
  • Außerhalb dieses Bereichs Kompetenzzentren bei jeweils einer Anstalt anzusiedeln, die diesen Bereich dann eigenständig, aber für alle, ausfüllt. Damit werden Doppelstrukturen in Bereichen, die nicht zum öffentlich-rechtlichen Kernbereich gehören, aufgelöst.
  • Eine externe Kontrolle der Erfüllung der Programmmaßstäbe einzuführen. Damit wird das Problem gelöst, dass Rundfunkräte bisher das Programm zu überwachen haben, das sie selbst beschlossen haben.
  • eine Service-public-Klausel (wie etwa in der Schweiz oder in Großbritannien) einzuführen, wonach jedes Programmvorhaben auf seinen Mehrwert für den Zuschauen hin geprüft wird. Damit kann der Quotenfixierung oder inhaltlichen Mehrwert entgegengewirkt werden.
  • den Rundfunkbeitrag auf einen Automatismus umzustellen, sowohl was die Höhe, also auch was seine Verteilung auf die einzelnen Anstalten betrifft. Dadurch fallen der Fehlanreize weg, durch zusätzliche Ausgaben heute zusätzliche Einnahmen von morgen zu rechtfertigen.
  • eine gemeinsame Technikgesellschaft der Rundfunkanstalten zu gründen, um bessere Kompatibilität und Einkaufsbedinungen zu erreichen.
  • eine gemeinsamen Pensionsfond aufzulegen, um die Anstalten finanziell für die Zukunft abzusichern und eine klarere Trennung von Programmausgaben und Altausgaben zu ermöglichen.
Dies könnte in der Praxis dann so aussehen:
  • Reduktion der Landesrundfunkanstalten von neun auf fünf. (NDR-RB, RBB-MDR, SWR-SR-HR. WDR und BR bleiben.)
  • Im Gegenzug werden arte Deutschland und Phoenix eigenständige Rundfunkanstalten.
  • Internationale Berichterstattung beim NDR gebündelt
  • Kinder- und Jugendprogramm beim RBB/MDR gebündelt, einschließlich Funk und Kika.
  • Fernsehspiel und Serie beim BR gebündelt, einschließlich Bavaria.
  • nonfiktionale Unterhaltung beim SWR gebündelt.
  • Dokumentationen und Hörfunksport beim WDR gebündelt.
  • Die ARD überlässt die Fernsehübertragungen von Spitzensport komplett dem ZDF und konzentriert sich auf regionales Sportgeschehen.
  • usw.
Das ZDF bleibt gewollte publizistische Konkurrenz zur ARD, macht dieser aber bei Sport- und Filmrechten keine Konkurrenz mehr. Das ZDF bekommt die alleine Zuständigkeit für 3sat, ist dafür aber bei Phoenix, arte, Kika und Funk draußen, und kann daher ebenfalls eigenständiger planen. Analog zur ARD wird der Programmauftrag geschärft, wobei allerdings im Gegensatz zur ARD ein größerer Unterhaltungsanteil zulässig ist.
 
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#13
Wieviele Male soll und will man diese Diskussion noch führen? Zum einen ist sie richtig, zum anderen aber in nicht unerheblichen Teilen auch schlicht falsch!

Eine Generation, quasi alle unter 40, haben sich vom öffentlichen Fernsehen fast komplett abgewendet.
Das ist so formuliert schlichter Unsinn. "Haben sich vom linearen Programm der ÖR fast komplett verabschiedet" wäre richtiger gewesen. Damit haben die privaten Anbieter aber ebenso zu kämpfen. Und das hat wiederum etwas mit dem veränderten Medienangebot der letzten 20 Jahre zu tun. Die Mediatheken der ÖR haben millionenfache Abrufe. Und das ist bestimmt nicht die Generation 50+. Hinzu kommt die Nutzung der zahlreichen Youtube-Angebote der einzelnen ÖR-Sendungen, wo man die Zugriffszahlen auch als Normalsterblicher sehen kann plus das ÖR-Jugendangebot "Funk", welches mit insgesamt 58 Mio. Views allein auf Youtube (Daten vom März dieses Jahres, Quelle AGF), doch ziemlich beachtliche Zahlen hinlegt.
Wenn man den ÖR reformieren will, und das ist an einigen Stellen tatsächlich dringend notwendig, muss man endlich aufhören in linearen TV-Kategorien zu denken und als erstes die alltäglichen Einschaltquotenzahlen, welche nach wie vor lediglich die linearen Sehgewohnheiten abbilden, vergessen! Nur dann kommt man zu einem realistischen Bild über die tatsächliche Nutzung von ÖR-Inhalten. Die ist weit höher als das manche behaupten. Belegbar!

ARD und ZDF sind meiner Meinung nach längst zu einem Staat im Staat verkommen. Entgegen dem Gebot der Staatsferne hängt überall die Politik mit drin. Z. B. die geliebte Frau Malu Dreyer. Sie ist nicht nur Ministerpräsidentin von RLP. Nein, sie leitet auf der einen Seite die Rundfunkkommission der Ministerpräsidenten der Länder und auf der anderen Seite fungiert sie als Vorsitzende im Verwaltungsrat des ZDF. Ich glaube, da braucht man nicht studiert zu haben, um zu erkennen, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten von unseren lieben Politikern trotz Gebot der Staatsferne unterwandert sind.
Man muss aber auch nicht studiert haben um zu erkennen, dass du offenbar wenig Ahnung von dem hast was du da schreibst. Es ist völlig egal ob eine Ministerpräsidentin dem ZDF-Verwaltungsrat vorsitzt oder die Putzfrau des Hauses. Einfluss auf die Programmgestaltung haben damit beide nicht. Ein Verwaltungsrat ist, wie der Name schon sagt, für die Verwaltung zuständig. Da gehts um Finanzen und Investitionen, den Haushaltsplan des Intendanten, Tarifverträge der Mitarbeiter etc. pp. Wie ein Programm oder verschiedene Programminhalte konkret auszusehen haben, entscheidet kein Verwaltungsrat.

Das andere Problem ist die Quotenabhängigkeit von ARD und ZDF.
Das ist in der Tat das eigentliche Problem. Und das zu lösen ist quasi wie die Frage danach was nun zuerst da war, die Henne oder das Ei...
Da ausnahmslos alle Rundfunkgebühren zahlen müssen, haben auch alle einen Anspruch darauf irgendwo im Programm stattzufinden, so die Argumentation. Umkehrschluss: Machen die ÖR nur noch mehr oder weniger Spartenprogramm für viele kleine Gruppen, die unterm Strich nur Wenige sind, schaut erst Recht keiner mehr zu, was wiederum die Frage zulassen würde, wozu man dann noch Gebühren zahlen soll.
Dieses Dilemma zu lösen, wird eine der wichtigsten Aufgaben der ÖR sein. Ansonsten werden alle anderen Mühen vergebens sein.
 
#15
Das ist so ein bisschen das Problem. Konkrete Aufschlüsselungen nach Sendungen gibt es bisher keine, zumindest keine öffentlich zugägnglichen. Lediglich allgemeine Studien weisen darauf hin.
Betrachtet man speziell die jüngste Altersgruppe, die 14- bis-29-Jährigen, zeigt sich die intensivere Nutzung aller Video-Angebotsklassen auch bei den meisten einzelnen Anbietern im Bereich Mediatheken und Streamingdienste. Nur geringfügig über dem Durchschnitt liegt die Nutzung von 14- bis-29-Jährigen lediglich bei den Mediatheken der Dritten Programme der ARD (33 % statt 30 % bei allen Befragten) sowie den Streaming-angeboten von Sky (11 % statt 9 %) und Maxdome (5 % statt 4 %). Unter den Mediatheken liegen in der jüngsten Altersgruppe bei der mindestens seltenen Nutzung ARD (41 %, +2 %-Punkte gegenüber 2017), ZDF (42 %, +5 %-Punkte) und ProSieben (36%, +3 % Punkte) auf Augenhöhe, gefolgt von den ARD Dritten (32 %, +6 %-Punkte). Demge-genüber schneiden die Angebote von RTL (25 –1 %-Punkt) und Sat.1 (22 %, ±0 %-Punkte) ver-gleichsweise schwach ab und stagnieren gegen-über dem Vorjahr
Quelle: http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/files/2018/0918_Kupferschmitt.pdf

aktuelle Zahlen online: http://www.ard.de/home/die-ard/fakten/ard-mediendaten/ARD_Reichweitendaten/409224/index.html
 
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#16
@Radiokult
Natürlich muss man lineare und nicht nicht lineare Nutzung immer zusammen betrachten. Richtig ist auch, die lineare Einschaltquote verliert an Bedeutung. Wir haben hier aber alle nicht das Datenmaterial. Die Fragen sind:
  • Verhältnis lineare - nicht lineare Nutzung - welche Charakteristiken gibt es? Welche Cluster?
  • Nicht lineare Nutzung im Zeitablauf, intensiv aber kurzfristig oder mit Depotwirkung?
  • Grundsätzlich werden jüngere ZGs in der nicht linearen Nutzung stärker sein
  • Nicht nur die Aufrufe sind wichtig, wichtiger ist wie oft wird geskippt oder abgebrochen, bzw. wie viel Prozent vollständig gesehen.
Da gibt es keine trivialen Antworten. Nicht umsonst sind solchen Analysen komplex. Einschaltquoten sind halt eine zusammenfassende Verkürzung.

Wie gesagt, die Öffis haben es eigentlich leicht, denn ihre Finanzierung ist über das Zwangs-Abo-Modell gesichert. Schwierig wird es für die Privaten, denn der Programm-Flow, die hohe Kunst, verliert an Bedeutung. Inhalte kosten Geld und erfordern qualifzierte Redaktionen/Macher. Nur, da tummeln sich viele bereits ziemlich erfolgreich bei Youtube. Die zeigen es geht ohne teilweise aberwitzige Senderhierachien und einem Management, dass eigentlich ein Witz ein.
 
#18
Wat'n putziges Interview... :D Tut mir wirklich leid, aber es fällt so langsam aber sicher schwer, die FDP noch Ernst zu nehmen.
Es geht darum, dass sich ARD und ZDF auf wesentliche Aufgaben konzentrieren, also Information und Kultur, und dabei die Kosten dämpfen: vor allem, indem sie weniger teuren Sport und weniger teure Unterhaltung zeigen.
Wer bringt der FDP schonend bei, das auch teure Unterhaltung eine Form von Kultur ist?
5G wird ohnehin flächendeckend ausgebaut
Wann? 2085? :D
DAB+ hat keinen Rückkanal für eine Interaktion zwischen Sendern und HörerInnen.
Braucht es den denn? Wenn ich mir anschaue, wie fast alle Sender durch die Bank weg beispielsweise mit Kritik auf ihren sozialen Kanälen umgehen, frage ich mich was man mit einem direkten Rückkanal soll? Zur Interaktion wird der jedenfalls nicht gebraucht, eher zur Kontrolle des Hörers.
Medien sind in einer Demokratie ein zentrales Politikfeld. In einer polarisierten gesellschaftlichen Debatte, in der auch der Journalismus angegriffen wird, müssen wir Position beziehen – nicht nur hinter den Kulissen in der Rundfunkkommission.
Ich seh schon Erich Böhme aus seiner Gruft klettern, um "Talk im Turm" zu reaktivieren und Ulrich Meyer den "heißen Stuhl" polieren... :rolleyes:
 
#19
Aha, den "freien Markt" lassen wir (die FDP) machen was er will, aber da wo wir könn(t)en, wollen wir natürlich mitpfuschenbestimmen.
Und natürlich liegt ihm die Zukunft des Ö-R Rundfunks am Herzen, und wo man sich schonmal drum kümmert, weil's die anderen ja grad nicht so tun, kann man ihn auch gleich mal zurechtstutzen...
Lustiver Vogel. Nicht.
 
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