Hach ja, das FRS. Das war der erste Sender, auf dem ich regelmäßig zu hören war. Ich war damals etwa zehn Jahre alt und nahm einmal im Monat am "Museumsradio U14" teil, einem Projekt des Haus der Geschichte Baden-Württemberg. Es gab immer ein Thema, das mit einer Ausstellung im Museum zu tun hatte. Wir machten Sendungen zur Pressefreiheit, zum Tag der Deutschen Einheit, über Kinderrechte, über den Schwarzwald und so weiter. Dafür trafen wir uns zunächst im Museum und bereiteten die Themen auf, und einige Zeit später - ich glaube, wir waren einmal im Monat Mittwochs zu hören, vor einer Rumänischen Sendung - gab es dann ein Liveprogramm. Dort wurden dann unsere Beiträge gesendet, ergänzt um Moderationen und selbst ausgewählte Musik. Ob uns irgendwer gehört hat, der nicht mindestens einen der Mitwirkenden kannte? Keine Ahnung. Ob das, was wir produzierten, objektiv hörenswert war? Kann ich ebenso wenig beurteilen. Was ich aber sagen kann: Ich war damals stolz wie Bolle und war immer Tage lang damit beschäftigt, allen möglichen Leuten aus meinem Umfeld die gelaufene Sendung zu präsentieren. Denn wir erhielten stets Mitschnitte der Sendungen auf CD. Davon müsste ich sogar noch einige haben.
Erinnern möchte ich aber gern noch an eine Personalie: Bernd Füllgrabe. Ein damals offenbar schon älterer, dem Dialekt nach aus dem Berliner Raum stammender Herr, der mich ziemlich schnell unter seine Fittiche nahm. Er war der Erste, den ich im Funkhaus in Cannstatt kannte und muss wohl (fast) von Anfang an mit dabei gewesen sein. Er erzählte uns jede Menge Annekdoten zur Geschichte des Senders, etwa die, dass sie Anfang der 2000er Jahre von der 97,2 auf die 99,2 wechselten und dass sich der Wechsel erheblich verzögerte, weil damals am Schornstein in Stuttgart-Münster, an dem die Antenne installiert werden sollte, ein Turmfalke nistete. Ausgesprochen gut erinnere ich mich an unsere erste Sendung, die Technik streikte, wir konnten unsere Beiträge und Musik nicht wie geplant spielen, also sprang er, der eigentlich vor allen Dingen für die Technik da war, mit ein und sprach in dieser Stunde fast ununterbrochen mit uns, fragte uns nach unserem Wissen zu unserem angedachten Sendungsthema (Mauerfall), ließ uns unsere Eindrücke von der Sonderausstellung schildern und brachte uns auf diese Weise so gut wie nur irgendwie möglich durch diese einstündige Havarie. So eine Situation zu retten, ist ja ohnehin eine Kunst für sich. Wenn man aber mit lauter Kindern im Studio sitzt, die ganz panisch und verzweifelt sind, weil sie sich so unverschämt auf diese erste echte Radiosendung gefreut haben und nun nichts funktioniert, dann gehört da nochmal mehr dazu.
Eines Tages kam Herr Füllgrabe nach einer Sendung zu mir und meinte: "Komm mal mit, ich hab da was für Dich". Und was hatte er: Ein historisches Reporter-Aufnahmegerät, ein tragbarer Kassettenrecorder von Philips, inklusive Tragetasche und Mikrofon. Das Kunstleder der Tasche war mehr als nur ein bisschen abgegriffen, das Mikrofon war mit Tesa-Film nur knapp am finalen Auseinanderfallen gehindert worden, aber trotzdem war ich stolz wie Bolle auf das schwere Teil, das ich selbstverständlich nie im mobilen Außeneinsatz nutzte, dafür aber immer dann, wenn es galt, einen Studiogast mit aufzunehmen. Denn als einziger Rekorder in meinem Besitz hatte dieses Gerät zwei Mikrofonanschlüsse.
Vor einigen Jahren wollte ich mal schauen, was Herr Füllgrabe wohl so macht und wo man ihn hören oder erreichen kann. Dabei stieß ich dann ziemlich direkt auf diese traurige Meldung:
www.freies-radio.de
Darüber war ich damals sehr betrübt. Er hätte mir bestimmt noch viel erzählen können.