radioforen.de Abschied - Forum nicht mehr lesenswert

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Ich hatte neulich auf Arbeit das Forum offen, es ging ein Moderator an mir vorbei sah das Forum und war total erstaunt. "Ach das gibt es noch?" Das ist mir öftes schon passiert.

Manche sind hier viel zu sehr von oben herab unterwegs, ich finde das schade auch findet man kaum noch Leute aus der Welt des Radios hier. Es wird zuviel Frust hier abgeladen, provoziert, schlecht geredet. Ich kann das ja auch teilweise verstehen aber dafür kommt halt auf der anderen Seite nichts und ich finde so geht das nicht. So ein Forum muss doch auch mal positive Akzente setzen, die Mischung macht es doch aus.
 
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Social Media ist für lange Diskussionsfäden und Themen-Debatten denkbar ungeeignet, die einzige Alternative zu klassischen Internetforen ist Reddit, das heute wie ein Universalforum funktioniert.
 
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Es ist in der Tat schade, dass sich nur höchst selten Leute zu Wort melden, die aktiv in der Branche arbeiten und Wissen teilen, bzw. zur Diskussion stellen.
Ich habe die radioforen stets als ein kritisches Diskussionsforum verstanden, das kontroversen Austausch haben möchte und aushält, und auch wenn ich lediglich ein "Ehemaliger" bin, so hängt mein Herz nach wie vor am Medium Radio und ich sorge mich ernsthaft, dass es all seine Vorteile und Alleinstellungsmerkmale verspielt. Das ist meine Motivation, hier noch mitzudiskutieren und vielleicht Verbündete zu gewinnen, die noch aktiv Einfluss auf Entwicklungen nehmen können.
Wenn man Fan und zufriedener Hörer ist, findet man hier genug Fäden, in denen man Lieblingsmoderatoren und Lieblingsmusik feiern kann. Das ist nicht meine Welt, aber das stört ja auch keinen.
 
Ich glaube da müsstest du mit den Eigentümern und höchsten Chefetagen in Austausch treten, die normalen Mitarbeiter können gar nichts bewirken, schon gar nicht in Diskussionen außerhalb des Hauses. Es will ja auch niemand in Ungnade fallen.
 
Klar, lasst uns doch einfach mal ein paar positive Seiten des derzeitigen Radios erfinden und herbeischreiben, dann kann die Branche vielleicht beim nächsten Radiopreis noch einige weitere Phantasiekategorien bedienen und sich gegenseitig mit Preisen behängen.
Meine Güte, genau solchen Beiträge, sind der Grund, warum echte Radioleute keinen Bock mehr auf das Forum haben.

Ich habe die radioforen stets als ein kritisches Diskussionsforum verstanden, das kontroversen Austausch haben möchte und aushält, und auch wenn ich lediglich ein "Ehemaliger" bin, so hängt mein Herz nach wie vor am Medium Radio und ich sorge mich ernsthaft, dass es all seine Vorteile und Alleinstellungsmerkmale verspielt. Das ist meine Motivation, hier noch mitzudiskutieren und vielleicht Verbündete zu gewinnen, die noch aktiv Einfluss auf Entwicklungen nehmen können.
Die Probleme sind so vielschichtig, da hat man als kleines Zahnrad keinen Einfluss drauf. Es ist allerdings nicht alles schlecht. Ich habe mir ja jetzt für meine Gäste oft durch das Radio der 70er, 80er und 90er Jahre gehört. Das war auch oft im Tagesprogramm sehr schlecht gemacht, sperrig wie eine Schrankwand und furztrocken.

Das man heute wiederum Radiopersonalities unterbindet, das finde ich richtig schlimm.

Dennoch ein Forum, was nur noch in einer Negativität verhängt, das nimmt von den echten Radioleuten keiner ernst. Ihr grabt euch so selber das Wasser ab.
 
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Es ist in der Tat schade, dass sich nur höchst selten Leute zu Wort melden, die aktiv in der Branche arbeiten und Wissen teilen, bzw. zur Diskussion stellen.
Diese Leute, aus allen Bereichen des Hörfunks, waren hier anfangs durchaus sehr aktiv, haben sich aber aus nachvollziehbaren Gründen oftmals nicht als die zu erkennen gegeben, die sie eigentlich waren. Denen war es dann irgendwann aber einfach mal zu blöd, dass ihnen ständig irgendwelche Laien in der Manier eines „Programmdirektors“ über den Mund fahren, wie denn die Programme aus ihrer Sicht gefälligst zu sein haben und welche Musik laufen soll und welche nicht.

Dann kommt noch dazu, dass es die Sender nicht gerne sehen, wenn ihre (ehemaligen) Mitarbeiter Interna über das Internet ausplaudern. Viele lesen vielleicht noch hier mit, halten sich aber mit Beiträgen zurück.

Hinzu kommt, dass die Radioforen gerade in Fachkreisen leider einen nicht mehr sehr guten Ruf genießen. Ich kenne z.B. jemanden der bei einem durchaus erfolgreichem Lokalradio in verantwortlicher Position arbeitet. Der sagte mir mal, dass teilweise Bewerbungen auch mit Hinweis auf eine Mitgliedschaft in den Radioforen eingehen und diese sich im gleichen Zug auch bei anderen Sendern bewerben. Es soll ja in der Branche so sein, dass man senderübergreifend miteinander redet. Und man diese Bewerber dann zum Vorstellungsgespräch lädt und diese bereits in der Bewerbungsphase zum Besten geben, was am Programm alles falsch läuft, welche „Reformvorschläge“ sie haben und dass das Soundprocessing falsch eingestellt ist, dann weiss man als Personalverantwortlicher ja schon mal Bescheid. Und wer sich beim Radio bewirbt, der kann davon ausgehen, dass die Sender mal nachschauen, was derjenige im Internet so schreibt.

Und dann wollen solche Bewerber ja gleich die Frühsendung moderieren oder die Leitung der Musikredaktion übernehmen. Die sind dann immer ziemlich enttäuscht, wenn man ihnen sagt, dass der Weg hinters Mikrofon auch einem kleinen Lokalsender ein doch etwas weiterer ist und ihnen erstmal einen Platz in der Redaktion anbietet.

Und wenn man dann bei der finalen Auswahl eines Bewerbers zu dem Entschluss kommt, dass es mit dem „Radiotalent“ dann doch nicht so ganz ausreicht und diesen Leuten das mitteilt und ihnen absagt, dann kann man sicher sein, dass die entsprechenden Sender anschließend hier in den Radioforen regelrecht „zerrissen“ werden. Von daher, so hab ich mir sagen lassen, soll ein Bekenntnis zu einer Mitgliedschaft in den Radioforen eher schlecht für eine „Karriere“ im Radio sein als förderlich.

Und auch, wenn man die Themen zu den „aktuellen Entwicklungen“ der Sender liest. Da kommen dann immer irgendwelche Typen um die Ecke, die regelrecht davon „schwärmen“, wie diese Sender vor dreißig oder vierzig Jahren einmal waren und fordern, dass sie heute gefälligst wieder genau so zu sein hätten. Das finde ich auch ziemlich nervig und einseitig. Ich kenne auch den ein oder anderen „jungen“ Menschen beim Radio. Und die arbeiten jeden Tag mit viel Herzblut daran, ihr Publikum stets bestens und zeitgemäß zu unterhalten - aber eben auf ihre Art. Für meine Eltern war der Privatfunk in den 80ern auch das Tor zur Hölle. Da finde ich es teilweise sehr unfair, diesen Menschen pauschal zu unterstellen, sie machen nur „niveaulosen Dudelfunk“, weil das Programm nicht mehr so klingt wie der Ansagefunk aus der Wirtschaftswunderzeit.

Ich glaube, dass sind mit die Gründe, weshalb viele Radioprofis die Radioforen inzwischen meiden wie der Teufel das Weihwasser.

Wer Wissen und Diskussion mit Profis will, der muss direkt zu den Sendern gehen. Aber statt immer nur Beschwerdemails zu schicken, weil die Musikauswahl so schlecht ist oder Radio XYZ keine Schlager mehr spielt, könnte man ja mal formulieren, wie sehr man vom Thema Radio fasziniert ist und dass man sich das gerne mal anschauen möchte. Wenn die Anfrage authentisch genug ist, kommt sie vielleicht weiter, als dass sie nur beim Hörerservice landet. Und dann wird man sehen: Radioleute sind sehr nette Menschen, die sich immer freuen, wenn sich andere für ihren Beruf interessieren und von denen man sehr viel lernen kann.
 
Ich glaube, dass sind mit die Gründe, weshalb viele Radioprofis die Radioforen inzwischen meiden wie der Teufel das Weihwasser.

Was du schreibst, ist sicherlich nicht falsch und eigentlich bedauerlich, aber warum soll es beim Radio anders sein als in Social Media oder beim Flurfunk im Büro? Ich kenne eigentlich keinen gesellschaftlichen Bereich, in dem es immer richtig und vor allem gut läuft. Eher das Gegenteil ist auch leider meine Erfahrung. In Workshops, in der Schule, an der Uni, durch Medien usw. wird den Menschen erstmal allgemein immer ein gewisses Wertekonstrukt oder -gefühl vermittelt. Demnach soll man fair sein, offen, divers, tolerant, umsichtig, rücksichtsvoll, kommunikativ, nicht egoistisch und sozial kompetent.

Wer mit diesem Mindset dann den Blick auf die Realität richtet, dürfte feststellen, dass diese Werte tatsächlich kaum gelebt werden. In Wirklichkeit herrscht Ellenbogenmentalität, Meinungsführerschaft, der Stärkere nutzt den Schwachen aus usw., Vitamin B, Mobbing, Ausgrenzung, Intoleranz, gewisse eigene Ideologien, Machtstreben und Rücksichtslosigkeit.

Und das schlägt sich auch in der Kommunikation nieder. Wer sich im Nachrang sieht, hat nunmal keine gute Meinung. Und vielleicht liegt es insbesondere in Deutschland auch daran, dass wir ein schlechtes Unrechtsbewusstsein haben, eine schlechte Fehlerkultur und häufig in absoluten Kategorien denken. Einerseits wird gesagt, aus Fehlern lernt man. Passieren diese aber tatsächlich, kommt doch kein Chef und sagt, "ist schlecht gelaufen, machen wir beim nächsten Mal besser". Da gehts um Geld oder Verantwortung oder beides. Und so ist man wohl auf dem Papier formell ein Team, in Wahrheit wurstelt aber jeder vor sich hin, weil Angst herrscht, gekündigt zu werden oder davor, vor den Kollegen blamiert zu werden usw.. Es redet keiner ehrlich drüber. Und Chefs auch nicht. Da wird über andere geredet, aber nicht miteinander.

Ich behaupte, wenn man Kommunikation nicht immer erst führt, wenn diese gezwungenermaßen erforderlich wird (z. B. bei einer drohenden Insolvenz oder so etwas) und man dies immer macht, da bräuchte man die ganzen "Gründe" für das gegenteilige, schlechte Verhalten gar nicht. Wäre jeder ehrlich, bräuchte es kein Misstrauen, Überwachung, Machtkämpfe. Die Menschen reflektieren im Grunde die äußere Umstände und sagen sich, warum soll ich jetzt plötzlich fair usw. sein, wenn ich selbst am Ende der Trottel bin. Und so kommt eins zum anderen und es steigert sich hoch. Dass kein Unternehmen gerne Kritik liest, ist doch klar. Aber man müsste mal versuchen, obs nicht auch mit besseren Bedingungen zum Gegenteil reichte. Dies wird m. E. kaum versucht. Denn wenn Menschen gut behandelt werden, haben sie meist auch ein besseres Bild von sich aus, z. B. bei Kommentaren. Aber statt man solche unschönen Situationen mal in Angriff nimmt, ist es natürlich leichter, vermeintliche Meckerfritzen des Platzes zu verweisen.

Ich will keinesfalls abstreiten, dass es auch menschliche Abgründe gibt, nur warum ist dann immer der Maßstab das Schlimmste und Schlechteste? Man könnte ebenso Positivbeispiele heranziehen. Sieht man ja auch in der Politik. Flaches Beispiel: Anschlag = mehr Schutzmaßnahmen = mehr Polizei = zufriedener Bürger. Sehe ich gar nicht so. Die Ursachen bleiben dieselben, aber man tut so, als würde sich daran etwas ändern. Das liegt auch an der Bevölkerung, weil eine ehrliche Aufarbeitung eben manchmal bedeuten kann, dass manche Lage doch nicht so einfach und wenig komplex ist, wie es manchem erscheinen mag. Und das auszuhalten, darin sind viele Menschen nicht geübt.

Die eigene innere Position macht häufig die Qualität von Problemen aus, nicht ausschließlich die tatsächliche äußere Lage. Nur sind viele nicht geübt, a) Fehler zuzugeben, b) diese auch zu lösen, c) sich ggf. Hilfe zu suchen, sondern bei uns hat immer alles "perfekt" zu laufen. Und deshalb sind dann auch die von dir vorgebrachten Verhaltensweisen aus meiner Sicht naheliegend, weil die Leute in sich einen Standpunkt entwickeln, der subjektiv gesehen, jeweils unumstößlich ist. Kommt dann die Absage, empfinden das die Bewerber als Herabwürdigung und dann wird eben gehetzt im Netz. Eine besserer Umgang auch mit solchen Situationen würde letzteres im Grunde erübrigen. Aber daran müssten letztlich alle arbeiten. Eine ganze Gesellschaft und jeder Einzelne im Besonderen. Und jetzt motiviere mal jeden dazu? Vermutlich dauert es keine 2 Minuten, bis die ersten darauf schon keinen Bock mehr haben. Und meckern ist ja auch immer leichter als sich konstruktiv einzubringen. Aber die Gründe dafür zu erfassen, das wäre Schritt 1. Und im nächsten Schritt bedarf es der Ermittlung, weshalb Menschen das so sehen (die eigenen Erfahrungen/Erlebnisse) usw. Es ist kompliziert.

Was du schreibst, beschreibt vielleicht nicht nur die Radiobranche. Auch andernorts liegt viel im Argen. Einerseits soll Internet und Social Media usw. zu besserer Kommunikation führen, Leute vernetzen, helfen. Das geht in gewisser Weise. Aber die Nachteile, die du u. a. beschreibst, sind nicht von der Hand zu weisen und gefühlt werden es immer mehr. Und es liegt vielleicht auch daran, dass Menschen, die kritisieren, sich wohl leichter tun im Netz gegenüber einem Programmverantwortlichen, weil es schlicht mehr sind. Auf Fairness wird wohl nicht so geachtet. Und dass dann der eine, der es gut meint, irgendwann in die Knie geht, ist logisch. Dieser bräuchte dann Unterstützung und so arten dann Debatten in Meinungskämpfe aus und Ideale und sonstwas und jeder sieht sich im Recht, dabei ging es im Ursprung vielleicht nur um Dialog. Und dass am Ende keiner mehr Lust darauf hat, ergibt sich. Wie also soll man es machen? Mein Tipp, vielleicht eher immer eine Sachebene wählen, persönliche Beleidigungen, Beschimpfungen weglassen und bei Dingen, die einem nicht oder weniger gefallen, Vokabular überhalb der Gürtellinie benutzen. Wäre vielleicht ein Anfang.
 
Der Tonfall und Stil, in dem hier Programme, Sender, Moderatoren kritisiert oder hochgejubelt werden, ebenso die Art und Weise, wie mit anderen Meinungen umgegangen wird, ist das Eine. Da gebe ich den Vorrednern Recht, wir finden in diesen Punkten in den radioforen ein Spiegelbild unseres allgemeinen zunehmend verlotterten Kommunikationsverhaltens.

Leider geht darüber aber auch der Blick auf den Kern der Sache verloren: Wir erleben aktuell eine Radiolandschaft und ein Angebot, das nunmal leider überhaupt nicht mehr über Inhalte, gesellschaftliche Rolle oder Relevanz der Programme definiert wird, sondern lediglich über Quote und Renditekennzahlen, als handelte es sich um eine beliebige marktwirtschaftliche Dienstleistung. Im Falle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist das aber mitnichten so. Die Daseinsberechtigung des ÖR - und damit auch das Wesen seiner Finanzierung - liegt in bestimmten gesellschaftlichen Aufgaben und Erwartungen (der Gründerväter). Das nicht zu erfüllen oder gar dem kategorisch zuwiderzuhandeln, muss schon eine kritische Diskussion aushalten. Und da darf es auch nicht verboten sein, aufzuzählen, was Radio alles schon einmal besser geleistet hat als heute, was es zu leisten imstande wäre, welche Möglichkeiten es hätte, wie es zu alter Relevanz zurückfinden könnte. Mit Verlaub: Das Herunterbeten der tollsten Hits der 80er oder 90er, die mal wieder laufen sollten, oder das Aufzählen von Lieblingsmoderatoren und deren Einsatzzeiten im Programm bringen uns bei diesen Themen nicht wirklich weiter.
 
Von daher, so hab ich mir sagen lassen, soll ein Bekenntnis zu einer Mitgliedschaft in den Radioforen eher schlecht für eine „Karriere“ im Radio sein als förderlich.. Ich glaube, dass sind mit die Gründe, weshalb viele Radioprofis die Radioforen inzwischen meiden wie der Teufel das Weihwasser.

Wer wird schon gern mit objektiver Kritik überhäuft? Das Problem diverser Diskussionsplattformen zum Radio ist dass nicht nur loyale Mitarbeiter untertänig Lobgesänge auf die zur Rede stehenden Sender anstimmen. Das passt nicht zur Eigenwahrnehmung und zu den mit Superlativen gespickten Claims.

Beim klassischen UKW-Radio herrscht eben ein irrer Kostendruck, der Idealismus bleibt da weitgehend auf der Strecke. Wer unter solchen Bedingungen aufmuckt und den Managern inhaltlich widerspricht kann gleich seinen Hut nehmen. Wer aber für diese Art Radio brennt, kann durchaus mit Leidenschaft bei der Sache sein.
 
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ein Spiegelbild unseres allgemeinen zunehmend verlotterten Kommunikationsverhaltens.
Die Verlotterung zieht sich inzwischen durch sämtliche gesellschaftliche Schichten.
Eine halbstündige Fahrt mit den Öffis reicht für diese Feststellung.
Nur ein Beispiel: Lautstarkes gequassel im Linienbus mit dem Smartphone. (Meist in einer unverständlichen Sprache).
Und dann noch eines: Mittels Piktogrammen ist im Bus essen und trinken ausdrücklich verboten
- Trotzdem mampft der ca. 12jährige Pascha genüsslich einen Döner.
Die Liste ließe sich fast endlos fortführen.
 
Der Untergang des Abendlandes! Wer hätte gedacht, dass die Apokalypse mit einem 12-Jährigen und einer Portion Zaziki im Linienbus beginnt?

Wahnsinn, dass du diese lebensgefährliche 30-Minuten-Expedition überhaupt überlebt hast! Andere studieren jahrelang Soziologie, du entschlüsselst den ultimativen Kollaps der Zivilisation mal eben zwischen zwei Haltestellen. Jemand telefoniert in einer fremden Sprache? Ganz klar, der globale Umsturz! Und dann entweiht auch noch ein Döner das heilige Bus-Piktogramm!

Verbarrikadier dich lieber schnell wieder zu Hause und zieh die Gardinen zu, bevor da draußen noch jemand zu laut Kaugummi kaut.
 
Ich bin auch tolerant.
Essen an einem öffentlichen Ort, an dem das ausdrücklich verboten ist - so what, da sind wir tolerant.
Lautstarkes Handygespräch. das alle mithören müssen, die es nicht interessiert - so what.
Müll in Parkanlagen, am Straßenrand, direkt neben den Mülltonnen - so what!
Ghettoblaster-Gedrön aus geöffneten Autolautsprechern, im Park, am Baggersee - so what!
Kapuzenpulli-Gangs in Zweierrehein unter den Kaufhausarladen, so dass ich, die Frau mit Kinderwagen, der Opa, die junge Mutter, wir alle runter vom Gehweg auf die Straße müssen - so what!
Mal schnell ein Fahrrad "ausleihen" und vergessen, es zurückzubringen - so what.
Seid tolerant Leute! Denkt daran, die Herrschaften hatten eine schwere Kindheit, hütet euch vor Vorverurteilungen.
Und lasst euch halt einfach alles gefallen ...
 
Ich finde es spannend, in welche Richtung sich die Diskussion hier bewegt. Und ja, es ist wirklich unschön, dass die Menschen im Allgemeinen immer rücksichtsloser werden; aber vielleicht ist das ja ein Stück weit ein Preis der Freiheit? Denn früher, "als noch Zucht und Ordnung herrschten", hatte man zwar nicht das Problem, dass Leute im Bus ihr Essen gemampft oder nervig laut geredet haben, aber dafür wurde meinem Vater in der Schule noch mit dem Lineal auf die Finger gehauen, als die Lehrerin meinte, dass seine Nägel zu schmutzig seien.

Viele Menschen scheinen sich hauptsächlich nur dann gut zu benehmen, wenn ihnen ansonsten Strafe und Sanktionen drohen (bzw. ihnen in ihrer Erziehungsphase drohten). In China ist man sofort aktenkundig, wenn man bei Rot über die Ampel geht und dabei gefilmt wird. Das hilft sicherlich gegen das bei Rot über die Ampel laufen, aber möchte ich deshalb lieber in einem solchen Regime leben? Ich glaube nicht. Ob es nicht einen gesunden Mittelweg geben kann? Da bin ich mir nicht sicher... wir leben in einer größtenteils sinnentleerten Welt, in der Menschen mit Geld und Einfluss tun und lassen können, was sie wollen, und ich glaube, das verdirbt im Grunde alles, weil ein Großteil der Gesellschaft sich sagt, warum soll ich mich an Regeln halten, wenn die es auch nicht tun?

Was ansonsten die Organisations- und Unternehmenskultur betrifft: man lügt sich dort doch im Grunde ständig selber in die Tasche, in dem man mit Bullshit-Phrasen von Effizienzsteigerungen, Synergieeffekten und Nachhaltigkeitsstrategien um sich wirft. Das ist an der Uni nicht anders als beim ÖRR. Die Führungskräfte versuchen immerzu panisch, auf den nächsten Zug mit der Aufschrift "hip & cool" aufzuspringen um die eigene Daseinsberechtigung zu sichern, während das eigentliche Kerngeschäft als zu unsexy empfunden und sträflich vernachlässigt wird. Alles, was man macht, wird nach außen fürchterlich aufgebauscht, in der Realität gelingt es aber nur selten, das Rad neu zu erfinden, so dass regelmäßig viel Geld für wenig Erfolg verbrannt wird. Auch da bin ich eher pessimistisch, dass sich das ändern lässt. Höchstens vielleicht im Einzelfall, wenn mal eine starke Persönlichkeit mit Durchblick und gutem Willen, die wirklich etwas bewegen will, das Ruder in die Hand nimmt. Das dürfte aber ein seltenes Ereignis sein, und selbst dann hat diese Person meistens mit verkrusteten Strukturen zu kämpfen.
 
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wir leben in einer größtenteils sinnentleerten Welt,
Das gilt nur für jene, die glauben, Sinn müssten andere oder eine wie auch immer geartetet übergeordnete Instanz stiften.

Ein weil es davon wimmelt, gibt es genug Hohlphrasen-Gläubige, die dann auch hierbei mitbeten und nachplappern, obwohl sie nichts begriffen haben:
Unternehmenskultur ...: man lügt sich dort doch im Grunde ständig selber in die Tasche, in dem man mit Bullshit-Phrasen von Effizienzsteigerungen, Synergieeffekten und Nachhaltigkeitsstrategien um sich wirft.
 
@Mannis Fan Vielleicht ist sinnentleert auch der falsche Ausdruck für das, was ich meine. Möglicherweise trifft desillusionierend es besser? Ich selbst bin ein Kind der Siebziger und hatte in meiner Jugend noch das Gefühl, dass die Welt Schritt für Schritt besser, freier, aufgeklärter, gerechter und gleichberechtigter werden würde, und das die Menschheit es tatsächlich schaffen könnte, ihre zahlreichen Probleme in den Griff zu bekommen. Aber leider hat sich das nicht bewahrheitet, eher ist das Gegenteil der Fall. Dadurch wird es nicht gerade einfacher, an so etwas wie ein Wertesystem oder gar an eine höhere Macht zu glauben, die es gut mit uns meint. Was natürlich nicht heißt, dass wir individuell nicht Glück und Zufriedenheit in einem guten Miteinander mit unseren Artgenossen finden könnten, aber vielen ist das offensichtlich so nicht vergönnt.
 
Ich selbst bin ein Kind der Siebziger und hatte in meiner Jugend noch das Gefühl, dass die Welt Schritt für Schritt besser, freier, aufgeklärter, gerechter und gleichberechtigter werden würde, und das die Menschheit es tatsächlich schaffen könnte, ihre zahlreichen Probleme in den Griff zu bekommen. Aber leider hat sich das nicht bewahrheitet, eher ist das Gegenteil der Fall. Dadurch wird es nicht gerade einfacher, an so etwas wie ein Wertesystem oder gar an eine höhere Macht zu glauben, die es gut mit uns meint.

Zur Zeit prallen zu viele Probleme aufeinander. Zukunftsängste, Inflation und Hochpreisniveau, Mangel an Wohnraum und Mietpreisexplosion, überlastetes Gesundheitssystem, zudem eine Regierung, die gehetzt wirkt und nur noch Ad-Hoc-Entscheidungen trifft weil sie mit den vielen Herausforderungen und Kriegsschauplätzen (Iran, Ukraine) überfordert ist und mit den wirtschaftlichen Auswirkungen nicht zurande kommt.

Da sucht der einfach denkende, politisch ungebildete Mensch nach Antworten und findet sie im Internet, wo jeder das zu lesen und zu hören bekommt was ihm schmeichelt, auch wenn es noch so abwegig ist. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wird von vielen ja schon lang nicht mehr als unparteiisch wahrgenommen und so verbarrikadiert sich jeder in seiner Wagenburg, ARD und ZDF eingeschlossen.
 
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Die letzten paar Wortmeldungen in diesem Faden könnten ja beispielsweise ein Fingerzeig sein, wann und warum es sich lohnte, sowohl in diesem Forum aktiver User zu bleiben (und es lesenswert zu halten), als auch weiterhin um ein Radio voller Sinn und Inhalt zu streiten.
 
Die letzten paar Wortmeldungen in diesem Faden könnten ja beispielsweise ein Fingerzeig sein, wann und warum es sich lohnte, sowohl in diesem Forum aktiver User zu bleiben (und es lesenswert zu halten), als auch weiterhin um ein Radio voller Sinn und Inhalt zu streiten.
Ja, wir sollten uns auf das wesentliche beschränken. :thumbsup:
 
Interessanter Ansatz, Manni. Mal wieder inhaltlich diskutieren, philosophieren, um dadurch vielleicht zu guten Erkenntnissen über das Radio zu gelangen. Das haben wir hier im Forum noch in den frühen Zehnerjahren auf gutem Niveau gepflegt.

Dann geschah das, was man gemeinhin als "Broken-Window-Theorie" kennt. Die ersten Pöbler tauchten auf, "geschult" durch die Art und Weise, wie man in gewissen pubertären Chats miteinander umgeht. Andere folgten und betrachteten das Pöbelverhalten, das sie hier lasen, als Eintrittskarte und Legitimation, ebenfalls auf unterirdischem Niveau mitzutun. Der Ton war gesetzt, kaum gebremst durch die Administratoren.

Hier ging es früher immer um die Sache, nicht ums Persönliche. Das änderte sich nach und nach. Pöbelposts von Leuten, die ihre Sozialisation gewiss nicht in einem Haushalt mit Knigge erfahren hatten (siehe den prollhaften Schelling-Post) nahmen eine Zeitlang sogar überhand. Das hat so manche wackeren Mitdiskutanten final verschreckt. Sie kamen nicht wieder oder "lasen nur noch mit".

Vielleicht ist diese neue Art von Diskussionskultur auch nur ein Abbild dessen, was uns mittlerweile jeden Tag aus dem Radio und im Netz entgegen dröhnt. Und wir Alten haben einfach den Kulturwandel im Umgang miteinander verpennt.
 
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