Afghanistan


rockon

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Ja, wir sollten unseren ganzen Anteil, unsere Schuld an all diesen Geschehnissen jetzt mal schnell vergessen.
An was sollen die Deutschen mal wieder schuld sein? Dass sie mit Milliarden Euros den Aufbau ziviler Projekte unterstützt haben, kann man Berlin nicht zum Vorwurf machen.
Hinzu kommt der Vorwurf des Versagens der Bundesregierung,
Ich würde es das völlige Versagen der afghanischen Armee nennen.
 

Skywise

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An was sollen die Deutschen mal wieder schuld sein? Dass sie mit Milliarden Euros den Aufbau ziviler Projekte unterstützt haben, kann man Berlin nicht zum Vorwurf machen.
Stimmt, im Gegenteil.
"Schuld" sehe ich bei Deutschland, daß dem Satz "Deutschland wird am Hindukusch verteidigt", so lächerlich der auch war - sorry, Herr Struck -, zu wenige Aktionen gefolgt sind, die das Gefühl vermittelten, daß da tatsächlich eine Verteidigungsmaßnahme im Gange war. Zwischenzeitlich kam es mir sogar so vor, als wäre Afghanistan eigentlich nur noch ein lästiges Thema, dem man ausweichen wollte. Und im letzteren Sinne werden die Soldaten ohne irgendeinen Hauch von Wertschätzung oder offiziellem Dankeschön zurückgeholt, und man schaut quasi von Anfang an dem Wiedererstarken und schlußendlich dem Vorrücken der Taliban zu. Das Wiedererstarken ist kein Geheimnis - konnte man jahrelang sogar auf Wikipedia nachlesen -, und das Vorrücken nach dem Abzug der Streitkräfte ... sagen wir mal: als Zeitungsleser habe ich erstmals vor einem knappen Monat mitgekriegt, daß die Taliban wieder auf dem Vormarsch sind und sich einzelne Regionen im Handumdrehen einverleiben, auch wenn ich beim besten Willen nicht die Dimensionen einschätzen konnte. Aber Deutschland oder wenigstens die Bundeswehr hatte doch noch die Kontakte, also höchstwahrscheinlich auch genaueres Know-How, was dort wirklich abging. Und Deutschland hat nicht gehandelt. Wenn heute einer der Helfer in Afghanistan ruft "Deutschland hat uns im Stich gelassen" oder sogar "verraten", dann - ja, würd' ich so unterschreiben.

Ich würde es das völlige Versagen der afghanischen Armee nennen.
Ist es, aber das Versagen der Armee zeichnete sich ja höchstwahrscheinlich schon seit Wochen ab. Und da kommt man erst jetzt in den USA und in Deutschland darauf, daß man vielleicht ein paar Ausgänge schaffen sollte für Unterstützer, Botschafts-Inhalte & Co.? Und dann muß man noch so verdammt deutsch sein, daß man die Bürokratie so lange aufrecht erhält, bis sie nicht mehr in ihrer strengen Form aufrechtzuerhalten ist? Aus der Situation vor gut fünf Jahren haben wir nichts gelernt. Als Fazit zumidest in Teilen so deprimierend wie ein Blick auf die Geldsumme und die Leben, die umsonst in Afghanistan geblieben sind.

Gruß
Skywise
 
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chapri

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Wegen seiner Unbegreiflichkeit war AFG immer ein unbeliebtes Thema bei den PolitikerInnen. Wenn AKK jetzt etwas von Überflugrechten faselt, kann ich nur entgegnen, dass sie - mindestens - ein Vierteljahr Zeit hatte das zu klären...
 

Tonband

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Die Wölfe im Schafspelz. Wie man bei dieser Terrorbande von gesittet sprechen kann, spottet jeder Beschreibung.
Ach, als es darum ging die Sowjets zu vertreiben trugen diese Wölfe noch keinen Schafspelz? Ach ja, sie gehörten noch zu den "Guten". Die CIA hat bekanntlich ab 1979 die bösesten Buben des Landes aufgerüstet (siehe "Operation Cyclone"), die dann leider etwas ausser US-Kontrolle gerieten und so zu den "Bösen" mutierten. Nach 9/11 wurde dann mit der Behauptung "Osama wars!" die Rechfertigung geschaffen das Land in Grund und Boden zu bomben und dann nach westlich-"werteorientierten" Besatzerregeln zu beherrschen:

Human Rights Watch 2019: "Von CIA unterstützte Einheiten verüben Gräueltaten"

SHZ vorgestern: "Afghanistan-Prophezeiungen Peter Scholl-Latours haben sich erfüllt"
... die Politik hat daraus nicht die nötigen Konsequenzen gezogen.
Für seine Analysen und Warnungen hat er viel Häme einstecken müssen: „Warum will er uns immer weismachen, dass die Amis zu dumm wären, ein Fladenbrot von einem Hamburger zu unterscheiden? Will er uns gar erklären, dass die Taliban die eigentliche Supermacht und unbezwingbar wären?“
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Bestimmt werden Sie auch sehr "gesittet" tausende Afghanen hinrichten.
Das ist erstmal nur Spekulation. Abzuwarten bleibt wie die neuen Talibanführer ihre Kämpfer im Griff haben. Es sind 20 Jahre vergangen und sie streben offensichtlich die internationale Anerkennung ihres islamischen Staates an.
 

chapri

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Um Unsinn zu verbreiten, bedarf es schon mal exotischer Quellen, gell? Lithiumabbau ist interessant in Chile (8 Mio. Tonnen), Australien (2,7 Mio.), Argentinien (2 Mio.), China (1 Mio.), Simbabwe, Portugal, Brasilien und USA. Gold, Eisen, Kupfer und Zink zählen zudem nicht zu den seltenen Erden. Last but not least dürfte der Abbau in Afghanistan aufgrund geologischer Schwierigkeiten uninteressant weil zu aufwändig sein.
 
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Tonband

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Da hat der Jan wohl abgeschrieben...
... wie auch alle Mainstreammedien. Unglaublich!
www.sueddeutsche.de/wirtschaft/afghanistan-afghanische-wirtschaft-entwicklungshilfe-rohstoffe-1.5385125
www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/afghanistan-rohstoffe-bodenschaetze-china-101.html
War die "Reuters Factbox" evtl. eine Urquelle?:
"An internal U.S Department of Defense memo in 2010 reportedly described Afghanistan as "the Saudi Arabia of lithium," "

Wie auch immer. Der Reichtum an Bodenschätzen wird wohl ein Besetzungsgrund gewesen sein, wie Ex-BP Horst Köhler 2010 verlauten ließ. Damit hat er offenbar ein Tabu gebrochen und trat "völlig überraschend" zurück.
 

chapri

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Financial Post schrieb:
Die Chancen, dass das Land den reichen Reichtum an Kohle, Erdgas, Kupfer, Lithium, Gold, Seltenen Erden und mehr monetarisiert, bleiben gering. (...) Schätzungen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, und die Wahrscheinlichkeit einer Monetarisierung der Ressourcen bleibt angesichts der Flut struktureller Herausforderungen, mit denen das Land konfrontiert ist, gering. (...) Die Entwicklung von afghanischen Mineralien in den zerklüfteten und abgelegenen Gebieten wird aufgrund der Sicherheitslage, des Mangels an Infrastruktur, die für den Transport von Mineralien zu den Weltmärkten erforderlich ist, und der grassierenden Korruption schwierig sein. Afghanistan verfüge über „reichliche Bodenschätze, aber für eine erfolgreiche Erschließung sind moderne technische Daten und Informationen notwendig“, so die USGS in ihrem Bericht von 2011.
Quelle: https://financialpost.com/commodities/energy/afghanistan-resources-graveyard

Interessant, dass Du jetzt auch noch Verschwörungsphantasien gegen Horst Köhler entwickelst. Auf solch ein Gequirle werde ich nicht weiter eingehen!
 
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Tweety

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Es ist doch klar, dass es den USA und den Verbündeten niemals um Bodenschätze in Afghanistan gegangen ist. Soviel wie der ganze Einsatz bisher gekostet hat, müsste man dort wohl hunderte Jahre Abbau betreiben um die Kosten überhaupt erstmal wieder reinzuholen. Natürlich sind Russland und China interessiert, aber ich glaube nicht, dass die sich dort auch die Finger verbrennen wollen. Selbst wenn sie es versuchen würden, stehen Kosten und Nutzen in keinem vernünftigen Verhältnis, dass sich das wirtschaftlich auch nur ansatzweise rechnen würde. Die Sicherheitslage und die fehlende Infrastruktur machen es derzeit de facto unmöglich.
 
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chapri

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China hat sich bereits die Finger verbrannt, wie aus dem von mir verlinkten Artikel hervorgeht. Die Gründe hast Du gut erkannt, tweety!
 

Skywise

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Wie auch immer. Der Reichtum an Bodenschätzen wird wohl ein Besetzungsgrund gewesen sein, wie Ex-BP Horst Köhler 2010 verlauten ließ. Damit hat er offenbar ein Tabu gebrochen und trat "völlig überraschend" zurück.
Ein UN-Mandat war der Grund dafür. Oder noch weiter zurück: Bushs mehr oder weniger unüberlegtes Reinpflügen in nicht vorhandene afghanische Strukturen (kann man gerne noch weiter zurück datieren, erst zur Flucht von Osama bin Laden, und dann noch weiter, denn Osama bin Laden hatte ja auch seine Ursprünge, ...). Die Taliban sind zum Tor rausgeprügelt worden, und das Land stand im Grunde genommen völlig ohne Infrastruktur da, geschweige denn ohne jemanden, der groß Bock darauf hatte, ein Land aufzubauen und dabei Gefahr zu laufen, seinen Kopf an die zurückkehrenden Taliban zu verlieren.
Ich glaube, den USA wäre es wurscht gewesen, ob die Taliban irgendwelche Köpfe abschneiden, aber in diesem Fall der UN nicht, und die wollte gerne Wahlen, die wollte eine gesicherte Regierungsarbeit und eine Unterstützung der Aufbauarbeit. Chaos und gegebenenfalls sogar noch eine Ausweitung von Bürgerkriegen sollte verhindert werden.

Horst Köhler stolperte über einige Aussagen, die tatsächlich ebenso skandalös wie völlig gerechtfertigt waren. Er sprach von außenpolitischen Zielen, darunter auch Handelsstrukturen, freien Handelswegen, dem Verhindern von regionalen Instabilitäten etc., und das wurde ihm negativ angekreidet, obwohl genau diese Themen bereits Jahre zuvor an anderen Stellen beispielsweise in den Bundeswehrstatuten ("Weißbuch der Bundeswehr") oder EU-Beschlüssen ("Europäische Sicherheitsstrategie") festgeklopft wurden. Die Bodenschätze an sich waren kein Thema von Herrn Köhlers Ansage, das Thema hatte die EU bereits im Vorfeld erledigt. Und ein paar andere Leute auch, denen aber kein Strick draus gedreht wurde ... scheint immer eine Frage zu sein, wer genau was sagt.

Gruß
Skywise
 

Tweety

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Nein, es ging eigentlich nur um Bekämpfung des Terrors. Grundsätzlich hat man aber vergessen zu definieren, was eigentlich das "Ziel" in Afghanistan sein sollte. Das wäre am Ende auch das Problem. Um die Menschrechte oder westlichen Werte ging es den USA und den Verbündeten nie. Das war mehr oder weniger eher ein "Abfallprodukt". Klar, ist aber auch, dass es vielen in Afghanistan in den letzten 20 Jahren besser ging als vor der Kontrolle von einigen Landesteilen durch Allierten Von daher kann nicht so ganz verstehen, warum das jetzt so leichtfertig abgetan wird. Von jetzt an wird in Afghanistan wieder nur das Recht des Stärkeren gelten und natürlich NUR das der Männer.
 

chapri

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Der Ex-Botschafter der USA Kornblum hat es heute im DLF anschaulich erklärt: Ein gegen Terror gerichteter Einsatz UND ein humanitäres Bemühen starteten nahezu gleichzeitig, ohne die (bereits von mir erwähnten) völlig fremdartigen Besonderheiten Afghanistans überhaupt EINSCHÄTZEN zu können.
 
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Tonband

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Laut einem BBC-Report haben US-Soldaten nach dem Autobombenanschlag vom 26. August zahlreiche Afghanen in Panik erschossen:
Augenzeugen hätten gesagt, dass ein beträchtlicher Teil der Toten von den US-Soldaten in der Panik nach der Explosion getötet worden seien.

Zusätzlich sollen bei dem US-Vergeltungsschlag, dem Drohnenangriff vom Sonntag, 10 Zivilisten incl. Frauen und Kindern getötet worden sein.
 
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rockon

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" Ein Großteil der zivilen Opfer wurde von Anschlägen der Taliban und der Miliz Gulbuddin Hekmatyārs verursacht. Seit 2003 führten die Taliban Krieg gegen die Islamische Republik Afghanistan sowie die internationalen Truppen der ISAF in Afghanistan. Dabei richten sie sich in Anschlägen gezielt gegen die afghanische Zivilbevölkerung." (WIKIPEDIA)
Einseitige Parteinahme hilft nicht weiter. Die fast täglichen Bombenanschläge kann man durchaus unter Kriegsverbrechen einordnen.
 
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Mannis Fan

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Auf diese Recherchekünste bin ich gewiss nicht angewiesen, habe ich auch nicht angefordert. Ich hätte eher so etwas wie eine ethisch-moralische Haltung erwartet. Aber wenn man keine hat, kann man auch nicht liefern.
 

Wombel

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ohne die (bereits von mir erwähnten) völlig fremdartigen Besonderheiten Afghanistans überhaupt EINSCHÄTZEN zu können.
Hi,
die Durrandlinie als Waffenstillstandslinie von der bei Maiwand geschlagenen britischen Armee wurde von den Bergvölkern und Nomaden niemals so richtig als Grenze zum im Jahre 1947 neu von Indien abgespaltenen Staat Pakistan anerkannt. Selbst dort gibt es autonome Stammesgebiete, die zwar verwaltungsmäßig Pakistan zugehörig sind, ansonsten ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten folgen. [Kaschmir ist der Extremfall, weil die Moguln heute die damalige Ursprungssituation herbeiführen wollen.]
Ein Gebiet mit wenigen städtischen Zentren, in denen die Ökokatastrophe zum Beispiel bei Wasserversorung/entsorgung zunimmt, die dem westlichen Lebensstandard nacheifern, aber im überwiegend aus Wüste und unzugänglichem Gebirgstopografie mit enormen Versorgungsproblemen für die an Steinzeitmenschen erinnernde Dorfbevölkerung zu beherrschen, zu regieren, wird von Afghanen mit den beiden Begriffen Toukoumat=Staat und Houkoumat bezeichnet. Staatlich kontrollierbare Zentren um die Provinzhauptstädte herum = "Toukoumat", und das übrige, weite, weitestgehend unfruchtbare Land mit "Houkoumat". Hier findet eine Zentralregierung, die ihre Beamten und Gouverneure in die Provinzen schickt, wie geschehen, keine dauerhafte Akzeptanz.
In der Provinz Nangarhar füllten nur etwa 10 % der Landbesitzer ihre Steuererklärung aus, wurde einmal berichtet. Dass unter solchen Bedingungen die Einführung von Demokratie und Sozialstaat nach westlichem Vorbild mit Vorbelastungen versehen ist, wird einfach nicht genug gewürdigt. Dabei mangelt es nicht an Literatur. Zum Teil auch in den Landessprachen. Nach Abzug der Sowjets erschien beispielsweise ein Buch über die Situation der Künstler in Afghanistan, das mir per Zufall in die Hände fiel. Leider bringt der Google Übersetzer nur Kauderwelsch. Man kann aber den Grafiken entnehmen, wie die Sicherheitssituation nach Abzug der Sowjets im Lande war.
Die Zukunft wird zeigen, wie sich die Situation zum Besseren wendet. Vielleicht gönnt man den Afghanen erst einmal eine Verschnaufpause.
 

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Wombel

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Hier noch eine stark vereinfachte, sinngemäße Übersetzung von Seite 50 des obigen Buches.
Quelle: (2004) Malle Centre fine Styne Brae

"...Meine Untersuchungen des Jonathan T. seien nur politische und wirtschaftliche Oberfläche? Wo ist der Witz?
N. ist nur Terroranschlags-Ermittler, eine soziale Mutante, die sowas eigentlich nicht beurteilen kann.
Dagegen: R. blanker Realismus der Universitäten bot Grundmaterialien, wo auch meine Untersuchungen vermittelt wurden. Erwähnt seien die Zustände der afghanischen Straßen, wo ich auf meinen Reisen von Sh. begleitet wurde. Ergebnisse einer angeblichen "Volkszählung" wurden beschönigt, um die Entscheidung, wo Techniker am dringendsten gebraucht würden, zu beeinflussen.
Meine Untersuchung afghanischer Angelegenheiten wurde vom American Instate Investigation/ Ressource Afghanistan mit Dankbarkeit aufgenommen. Lösungsdiskussionen. Respekt zeigen..."
 

rockon

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Während man bei uns um mehr Sternchen und -Innen streitet, machen die Taliban Nägel mit Köpfen. Die Geschlechtertrennung wird wieder eingeführt. Zurück in die Steinzeit.
 
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