Aktivitäten von Zahlensendern damals wie in der heutigen Zeit


Philclock

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Hallo Leute,
wir haben ja leider aktuell einen Krieg in Europa und da wollte ich hier mal ein Thema ansprechen, was mich eine Zeit lang sehr interessiert hat. Es geht um Zahlensender, also Radiostationen die eine militärische Verwendung haben. Sei es zur Synchronisation von militärischen Anlagen auf der Welt aber vor allem zur Übermittlung von Geheimbotschaften an Agenten im Ausland.

Etwas zur Geschichte von Zahlensendern, kann man hier nachlesen:

Ein unglaublich gutes Radiofeature vom Deutschlandfunk, kann man hier nachhören:
Achtung: Fünnef-zwo-null-null Trennung: Geheimdienste auf Sendung (Reportage über Zahlensender) 2003

Gerade zum Krieg in der Ukraine, kann man da wieder einige Aktivitäten beobachten, hier wurde zum Beispiel ein Zahlensender gestört.

So hört sich eine Übertragung eines Zahlensenders aus der Ukraine an:

Eine der bekanntesten Stationen ist der Buzzer, hier wird ein Signal zur Synchronisation ausgestrahlt. Manch einer spricht auch von einem Tote Hand System, ab und zu werden hier auch Zahlenfolgen raus gesendet. Den Buzzer (UVB 76) , kann man auch Live mithören:

Eine überaus interessante Internetseite ist Pryom.org, hier gibt es eine Übersicht über alle Zahlensender und auch wann diese aktiv waren oder auch ob diese wieder aktiv sind, sogar aktuelle Mitschnitte finden sich hier:

Sehr interessant war für mich die aller letzte Übertragung des Zahlensenders der DDR, hier hat man " Alle meine Entchen" gesungen. ( Eine Botschacht für man solle sich aus dem Staub machen. )

Mich würde total interessieren, wie das Thema bei den alten Hasen hier präsent ist, ob es Anekdoten dazu gibt, vielleicht hat ja Jemand von euch auch mal an so einer Station gearbeitet. Über etwas Austausch in diese Richtung würde ich mich sehr freuen.
 
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TORZ.

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Also, zu den
kann ich mich nun beileibe nicht zählen, aber vielleicht trotzdem eine nette Anekdote einer Freundin (Jahrgang 1982). Sie kurbelte schon als kleines Kind immer mal gern auf den Radiobändern herum und geriet irgendwann auch auf die Kurzwelle, wo sie einen englischsprachigen Zahlensender fand. Immer wieder gab der dieselben Zahlenreihen durch, gerade so, als solle man ihm nachsprechen. Und jene Freundin, die damals kurz vor der Einschulung stand, lief ganz aufgeregt zu ihrer Mutter und rief begeistert aus: "Mama, Mamma, die machen das gerade bestimmt, damit ich auf Englisch Zählen lernen kann". Inzwischen weiß sie, was sich hinter diesen Ausstrahlungen wirklich verbarg, unter anderem auch deshalb, weil sie Jochen Schäfer, der ja auch in dem von @Philclock verlinkten Feature zu Wort kommt, persönlich kennt.
 

kwegener

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Ich interessiere mich auch sehr für das Thema. Als Kind hatte ich damals im Kalten Krieg auch besagte Aussendungen gehört, und daraufhin einen Brief an die Deutsche Welle verfasst:

"Liebe Deutsche Welle, könnt Ihr mir sagen, was es mit diesen Aussendungen auf sich hat?"

Man hat mir sogar geantwortet, dass diese Aussendungen "verschlüsselte Botschaften von Geheimdiensten seien". Somit wusste ich schon damals, was es damit auf sich hatte - dank der lieben Deutschen Welle :)

Mittlerweile wohne ich in der Nähe von Frankfurt am Main und mir ist natürlich die "Egelsbach Transmitter Site" ein Begriff, von der früher "Cynthia E5" kam. Alle paar Jahre mache ich dort einen Spaziergang im Wald und bestaune, wie die Anlage in den letzten 20 Jahren gewachsen ist....

2018 war in Havanna, Kuba, weil ich "HM01" mal aus nächster Nähe hören wollte - ich ging der Annahme, das Signal wäre in Havanna bombenstark - allerdings war es eher schwach, vermutlich tote Zone. Der Sender liegt ja auch knapp 50 Kilometer von der Innenstadt entfernt und die Stadt schirmt vielleicht ab...

Ansonsten kenne ich natürlich besagte DLF Doku aus dem Jahr 2003, und habe dem Berliner Obersee und den dort benannten Straßenzügen auch schon einmal einen Besuch abgestattet, auf Grund des Interviews in besagter Doku :)

Priyom.org kenne ich auch und höre ab und zu mal auf die Bänder, ob ich etwas erwische... Der Buzzer war vor einigen Wochen stark gestört, da sendete etwas direkt daneben oder auf selber Frequenz - ist das immer noch so? Krieg auch im Äther?
 
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Wombel

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Zu dem Thema fällt mir eine Anekdote ein, die mir ein Bekannter erzählte, der in einer Firma beschäftigt war, die mit Nachrichtentechnik und so weiter zu tun hatte. Offensichtlich hatten seine Kollegen einen Code des "Hausfrauensenders" knacken können. Die "Gegenseite" hatte genau dies wohl zeitnah auch mitbekommen müssen. Der Kollege präsentierte dann den abgefangenen Funkspruch: "Wir wünschen allen Mitarbeitern der Firma soundso ein frohes Weihnachtsfest und ein glückliches Neues Jahr." Das Gejohle in der Firma muss wohl ohrenbetäubend gewesen sein.
 
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Philclock

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Themeneröffner
Also ich freue mich sehr, dass hier so interessante Geschichten mit dazu gekommen sind. Das hat sich alles sehr spannend gelesen.

@kwegener
Ja ich denke das war tatsächlich eine kriegerische Handlung auf Radioebene. Das macht ja Sinn, solche Sender zu stören um einen Fluss an Nachrichten zu unterbinden. Ich finde das auch sehr spannend, dass die Anlage ausgebaut wird, obwohl die E5 nicht mehr zu hören ist:
Bis 2003 war die Station noch aktiv:
Über die Sendeanlage auf amerikanischen Boden, kann man hier mehr lesen.
Hm01 ist auch sehr interessant, ich bin gespannt ob diese Station in Zukunft noch aktiv ist, das Embargo soll ja bald Geschichte sein.

@TORZ.
Eine sehr schöne Geschichte! Da erkennt man doch sehr schön, wie klein doch unsere Welt ist. :)

@Wombel
Das ist eine absolut irre Geschichte, ich frage mich, wie man dahinter gekommen ist, dass der eigene Code aufgeschlüsselt wurde. Hat man von dieser "Firma" dann eine Nachricht gesendet oder ist das bis heute nicht so richtig geklärt worden?
 
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kwegener

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Ich finde das auch sehr spannend, dass die Anlage ausgebaut wird, obwohl die E5 nicht mehr zu hören ist:
Bis 2003 war die Station noch aktiv:
Über die Sendeanlage auf amerikanischen Boden, kann man hier mehr lesen.

Angeblich gibt es von der Egelsbach Transmitter Site einen Mikrowellen-Link ins amerikanische Generalkonsulat in Frankfurt am Main am Hauptfriedhof, das wurde im Jahr 2017 in der Sendung "hr2 Der Tag - Spione in Frankfurt" erzählt, im Rahmen der Wikileaks Enthüllungen "Vault 7", als die Amerikaner geleakt worden sind und der Quellcode veröffentlicht wurde, mit dem vom Generalkonsulat aus Kameras und Mikrofone von Samsung Smart TVs in EMEA aktiviert werden können ohne das man es merkt - falls man verdächtig ist.

Im Generalkonsulat, das ja eine riesige Fläche einnimmt, befindet sich wohl das EMEA Headquarter von NSA und CIA mit 900 Mitarbeitern. Auf dem Frankfurter Fernmeldeturm (Europaturm Ginnheim) sollen wohl auch welche von denen sitzen, deshalb darf man da nicht mehr hoch, was sehr schade ist. Früher gab es ganz oben eine Discothek.

Bzgl. "Agentenfunk auf Kurzwelle" sei noch auf das russische Agenten-Ehepaar in Marburg verwiesen, die 2013 verhaftet wurden, hier wurde ja auch ein Kurzwellenradio gefunden, mit welchem die Frau Zahlensender abgehört hatte...
 

Wombel

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Hat man von dieser "Firma" dann eine Nachricht gesendet oder ist das bis heute nicht so richtig geklärt worden?
Leider kann ich das mangels Kontakt heute nicht mehr verifizieren. Es wird wohl eher so gewesen sein, dass ein Mitarbeiter des besagten Unternehmens der Nachrichtentechnik diese Information weitergegeben hat. Denn eine Zahlencode-Maschine und Kurzwellenaussendung wurde ja höchstwahrscheinlich nicht verwendet für "Rückantwort". Das muss per Brief oder sogar telefonisch erfolgt sein.
(Und als Adresse hätte man ja die Anschrift des Deutschen Soldatensenders in Berlin nehmen können, die war ja allen bekannt. "Werner Schütz etc. pp.")
Und es ist durchaus denkbar, dass das mit Wissen oder sogar ganz bewusst im Auftrag der "Firma" erfolgte, um zu demonstrieren, dass diese Art von Kommunikation nicht mehr zeitgemäß und auch nicht unentschlüsselbar und nicht sicher genug sei. Und um auszutesten, auf welche Technik dann von der "Gegenseite" ausgewichen worden wäre, nachdem ein Code geplatzt war, was dann wiederum hätte gemonitored werden können. Tatsächlich tauchten dann ja auch andere technische Verfahren der Telefonie-Verschlüsselung auf. Allerdings setzte das dann wieder einen höheren Aufwand auf der Empfängerseite voraus. Als Beispiel sei genannt "Frequenzhopping".
 
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