• Diese Kategorie ist für Diskussionen rund um die Programminhalte der Sender gedacht. Über Frequenzen und Empfang kann sich unter "DX / Radioempfang" ausgetauscht werden.

BR-Umzug

Pianist_Berlin

Benutzer
Schönen guten Tag!

Da ich gerade wegen zwei Strichen auf einem Test ein wenig eingeschränkt bin, streame ich den ganzen Tag lang Sender mit schönem Wortanteil, zum Beispiel Deutschlandfunk Kultur, was ich sonst im Auto höre. Aber heute Nachmittag bin ich mal wieder bei Bayern 2 gelandet, was wir in Berlin leider nicht mehr über DAB+ bekommen. Und da verabschieden sich die Moderatoren gerade zum Ende ihrer Sendung vom Münchner Funkhaus. Wenn ich das richtig mitbekommen habe, wird ab morgen um 14 Uhr aus Freimann gesendet. Ich kann das aber auch falsch verstanden haben, und diejenige bezog sich nur auf ihre Sendung und der Umzug passiert schon zum Beginn des Sendetages. Jetzt habe ich mal versucht, dazu Infos zu recherchieren, und finde – nichts.
Weiß jemand was dazu? Betrifft das von heute zu morgen nur Bayern 2 oder alle Hörfunkwellen? Und warum findet man auf den BR-Internetseiten dazu rein gar nichts?

Das Gesamtthema "Studiobau" ist mir ja geläufig, dazu gibt es auch eine Homepage, aber der Umzug des laufenden Sendebetriebes scheint weitgehend im Grundrauschen unterzugehen...

Matthias
 
Ja, der BR zieht (fast) komplett nach Freimann; in der Münchner Innenstadt soll nur eine symbolische Repräsentanz bleiben.

Also quasi so ähnlich, wie es der ORF einst beim Umzug auf den Küniglberg gemacht hat.
 
[Hier wurde offenbar gerade ein Betrag gelöscht, der eine interessante These vertrat, nämlich dass man diesen Umzug möglichst geräuschlos abwickeln möchte, weil die Inbetriebnahme teurer Neubauten nicht in die aktuelle politische Landschaft passt. Darauf bezieht sich mein nachfolgender Text:]

Ja, genau das war nämlich auch meine Vermutung. Einerseits kann man das ja auch nachvollziehen, aber andererseits steht natürlich jede Rundfunkanstalt früher oder später vor der Frage, wie sie mit ihren hochspezialisierten innerstädtischen Spezialbauten verfahren soll. Also wenn ich mal gedanklich so durch die ARD gehe, dann ist die Mehrzahl der Häuser davon irgendwie betroffen, war betroffen oder wird demnächst betroffen sein.

An sich bin ich ja ein großer Fan traditioneller Rundfunkgebäude, und freue mich, in der Stadt mit dem geilsten Hörfunkbauwerk zu leben, aber man muss eben leider auch den Realitäten ins Auge sehen und erkennen, dass solche Spezialimmobilien ganz schnell ein Fass ohne Boden werden können. Vor allem diese aufwändigen Haus-in-Haus-Konstruktionen bringen riesengroße Probleme mit sich, das erlebt der rbb gerade mit seinen innerstädtischen Fernsehstudios. Mal ist es der Schimmel, mal der Brandschutz.

Matthias
 
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Der BR zieht komplett um und man wollte das Hochaus verkaufen (der teure Fuhrpark für die Intendantin muss ja bezahlt werden *gg*).
Bayern3 war der erste Sender der umgezogen ist mit bis heute Nachwirkungen auf das Programm. Immer mal wieder gibt es Sendelöcher, nachts ist niemand da, der das KI Programm überwacht.

Gut Bayern2 hat noch weniger Hörer als Bayern3, vielleicht klappt da die Automation besser.

Es war schon kommuniziert, der Umzug ist also kein Geheimnis. Ein Teil des alten Gebäudes ist wohl unter Denkmalschutz, daher kann man das nicht so verkaufen wie geplant.
 
Ich zumindest finde es schade, dass mit fast jedem Neubau und jedem Umzug von Hörfunk- und Fernsehstudios die technische Qualität der Räume auf ein Mindestmaß verringert wird, da man kostentechnisch heute nicht mehr so bauen kann, wie es in den Bestandsbauten noch möglich war.
Dem gegenüber stehen die enormen Instandhaltungskosten und die (technischen) Begrenzungen der Bestandsbauten… da das HDR in Berlin erwähnt wurde - es ist dort quasi unmöglich, über die Jahre verrottete Bestandsverkabelung aufgrund der Baumaterialien, des Denkmalschutzes und des Akustikbaus - der nicht beeinträchtigt werden soll - zu ersetzen, um Studios zu ertüchtigen, die es nötig haben.

Verzichtbar wären meines Erchtens noch irgendwelche „großen Newsroomkonzepte“. Noch nie habe ich erlebt, dass der Großraum die Erfüllung der Kernaufgaben irgendwie erleichtert hätte. Direkte Absprachen, die dadurch forciert werden sollen, finden beispielsweise eher weniger statt - weil sie die ohnehin schon hohe Geräuschkulisse des Großraums zusätzlich erhöhen würden.
 
" zieht sich in der Innenstadt auf zirka 20 Prozent der heute genutzten Fläche zurück."
Auszug aus dem BR-Studiobau ...
"Die Archivbestände an Schallplatten (120.000) werden zunächst zwischengelagert, parallel dazu führt der BR Gespräche mit potenziellen Abnehmern wie Archiven und kulturellen Institutionen, um den Fortbestand dieser historischen Tonträger zu sichern."
 
Interessant, BR Klassik ist auch schon umgezogen, allerdings weiß ich nicht, ob komplett oder sogar ganz. Habe ich auf Instagram gesehen.
 
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[Hier wurde offenbar gerade ein Betrag gelöscht, der eine interessante These vertrat, nämlich dass man diesen Umzug möglichst geräuschlos abwickeln möchte, weil die Inbetriebnahme teurer Neubauten nicht in die aktuelle politische Landschaft passt. Darauf bezieht sich mein nachfolgender Text:]
Gut, dass er gelöscht wurde. Von der Realität wäre er nämlich nicht gedeckt. Der BR hat das alles andere als geräuschlos gemacht. In einem Post über mir wurde auch zitiert, dass man sogar mehr oder weniger öffentlich den Archivbestand zur Disposition stellt, weil man ihn nicht mit umziehen möchte. Der Umzug läuft einfach über Jahre - und man wird sicherlich nicht jeden Zwischenschritt per Zeitungs- oder Online-Artikel ankündigen und begleiten.
 
Bayern 1 sendet aktuell noch aus dem alten Studio am Rundfunkplatz 1 in München. So weit ich weiß sind sie damit die letzte BR-Welle, die noch nicht umgezogen ist.
Was ist denn mit BR24, BR Heimat und BR Schlager?

Habe mich gerade nochmals bemüht, die Radiosender auf Google Maps "umzuziehen" mal schauen, ob es die Tage korrekt übernommen wird. Laut Google wurde es akzeptiert, dauert aber immer etwas... Hab bei der Gelegenheit aber trotzdem auch BAYERN 1 von Germering :rolleyes: gleich nach Freimann verschoben.
 
BR24 kommt wohl aus dem neuen Aktualitätenzentrum in Freimann. Alle anderen BR-Programme sollen ihre Studiokomplexe im sogenannten "Wellenhaus" erhalten. Die meisten sind schon umgezogen, nur Bayern 1 sendet, wie ich im Veränderungen bei Bayern 1-Thread schon geschrieben habe, noch aus der Stadtmitte.
 
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Wie ist denn eigentlich so die generelle Tendenz bei Radioleuten? Freut man sich auf neue Räumlichkeiten, oder trauert man eher den alten Gebäuden hinterher? Oder ist das so ungefähr 50:50? Man muss ja auch noch mal unterscheiden, ob es sich um alte Gebäude handelt, die man zweifelsfrei als "Bruchbude" bezeichnen kann, was beim BR sicher nicht der Fall ist, oder ob es vernünftig unterhaltene Gebäude mit moderner Technik sind, die eben nur einfach schon alt sind.

Ich zum Beispiel finde traditionelle Akustikverkleidung aus gelochten oder geschlitzten Holzelementen immer noch sehr schön, und würde sowas auch in einem Neubau immer wieder verwenden. Meiner Meinung nach ist das auch wichtig für das Bewusstsein, in einer Rundfunkanstalt zu arbeiten, und dort seriöses Programm zu machen, und eben nicht in einem beliebigen Büroraum zu sitzen. Man muss ja heute kein dunkles Furnier mehr verwenden, so wie damals üblich, sondern kann ja helle Birke nehmen, so wie ich das bei mir gemacht habe. Dann hat man eine schöne Kombination aus Tradition und Moderne.

Matthias
 
Wie ist denn eigentlich so die generelle Tendenz bei Radioleuten? Freut man sich auf neue Räumlichkeiten, oder trauert man eher den alten Gebäuden hinterher?
BR Klassik ist auch schon umgezogen ... Habe ich auf Instagram gesehen.
Vielleicht bezog sich der Kommentar von @MartinMartl hierauf? Hier sind ein paar Einblicke und ein "persönlicher Kommentar" zu sehen.
 
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Erste Auffälligkeit: die Geithains sind raus. Sieht nach KH 130 aus.

Wenn das Prof. Müller-Römer wüsste...

Wie ist denn eigentlich so die generelle Tendenz bei Radioleuten? Freut man sich auf neue Räumlichkeiten, oder trauert man eher den alten Gebäuden hinterher?
So oder so. Hängt davon ab, wo es herkommt und wo es hingeht.

Als die Truppe von Radio Brocken Ende 1992 nach einem halben Jahr Provisorium in einem soweit ich mich erinnere vom MDR (!) angemieteten W50-Ü-Wagen ins erste eigene Funkhaus zog, dürften sich vermutlich alle gefreut haben.

Ich kannte jemanden, der war heilfoh, dass das Privatradio, bei dem er arbeitete (ein Marktführer in einem Bundesland) aus den engen, muffigen, abgeranzten Räumlichkeiten zur Untermiete im rückseitigen Gewerbe-Anbau eines Hotels (!) am Stadtrand raus in ein neues, eigenes, helles Funkhaus zog. Mit geräumigem Glaskastenstudio (besch... Akustik, aber egal, mumpft man den Duschkopp halt aus 2 cm Abstand an) und mit angenehmer Rückzugs- und Aufenthaltsecke.

Und ich kenne jemanden, der empfand den Geruch in anderen Funkhäusern als der Nalepastraße in Ostberlin als "feindlich". Ich erinnere mich dort an eine Melange aus stark riechendem DDR-Fußbodenreinigungsmittel und Urin, je näher man den Toiletten im Block E-R kam.

Vor etwa 12 Jahren führte uns ein Techniker, der schon in der Nalpastraße gearbeitet hatte, durch das rbb-Radiohaus in Babelsberg. Wir standen dann in der kleinen Regie einer Vorproduktion, an deren Tür ein Zettel mit Aufdruck "Sprechzelle" klebte, den ein Scherzkeks in "Brechzelle" abgeändert hatte (der Zettel hing soweit mir bekannt jahrelang dort). Ich so: "na immerhin hat man hier für sowas getrennte Räume und muss Aufsager nicht im Großraumbüro einsprechen." Er steht auf, zieht den Regler des Mikrofons in der Sprechzelle hinter der Glasscheibe hoch und tritt einmal fest auf den Boden. Die Pegelanzeige knallt hoch. Dann ganz trocken: "in der Nalepastraße wäre das nicht passiert."

Personal kann auch leiden, wenn ein liebgewonnenes Funkhaus mit vielen Möglichkeiten und großer Geschichte, das Heimat geworden ist, aufgegeben wird. Sowas kann auch Konsequenzen der härteren Art haben, bis hin zum freiwilligen Weggang.

Und was sollen die sagen, die keine anständigen Probenräume mehr haben? Keinen Saal zur Aufnahme des Orchesters? Keine Räume für "große" Sendungen (die es sowieso nicht mehr geben wird, was auch nicht allen, die Rundfunk noch aus der Zeit kannten, als das ein kreativer, auch mal "wilder" Ort war, gefallen wird)? Die aus den Redaktionen, die wissen, dass der Umzug genutzt wird, die Radioseele am alten Ort zurückzulassen und aseptisch aus der Konserve zu arbeiten?

Noch ist es online und leider wohl weder direkt verlinkbar noch herunterladbar (sachdienliche Hinweise nehme ich gerne entgegen, das sollte man bewahren):


Bitte nach dem Laden die Dame rechts wegklicken (das geht online wirklich ganz einfach) und dann unten das Thumbnail "Studio 1" anwählen. Dort mal ringsum umschauen. Dann das Thumbnail "Hörspielstudio" anwählen und dort umschauen. Letzteres ist Studio 9 und keinesfalls (nur) Hörspielstudio, sondern auch für große Live-Sendungen verwendet worden. Immerhin gibt es (rechtes Ausklappmenü) in Freimann wieder ein Hörspielstudio. Ob diesem wenns gut geht in 60 Jahren andere auch nachtrauern werden?

Hier noch bissl Studiobau, wie er auch war...

S 9:






(den Geruch nach warmem Staub - wie in Röhrenradios - und Pertinax habe ich noch heute in der Nase, fast 14 Jahre nach meinem Besuch dort)


S 12 (schon 2012 ausgeräumt):




oder allgemein: "offenes Funkhaus", einfach mal die Beitragszahlenden für Kultur und zum Feiern reinlassen (ja, ich weiß: Brandschutz, der Tod jedes alten Gebäudes...)


Die Videos zeigen etwas, das unwiederbringlich verloren ist.


Heute hat man die Jugend aufgegeben. Das Radio stirbt also voraussichtlich mit den Alten aus.
 
BR24 kommt wohl aus dem neuen Aktualitätenzentrum in Freimann. Alle anderen BR-Programme sollen ihre Studiokomplexe im sogenannten "Wellenhaus" erhalten.
So weit ich es nachforschen konnte, sind Aktualitätenzentrum und Wellenhaus Ein und Dasselbe neue Gebäude. Der Grundriss lässt vermuten, dass vom Haupteingang aus hier die beiden Seiten unterschiedlich benannt wurden. Finde es schade, dass es so wenig öffentliche Infos dazu gibt. Früher gab es öfter mal eine kleine 360° Online-Tour durch Sendezentren, sowas bindet doch auch das Publikum, wenn man sich vorstellen kann, wie es dort vor Ort aussieht und in welchem Bereich welcher Sender zu finden ist.

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Früher gab es öfter mal eine kleine 360° Online-Tour durch Sendezentren, sowas bindet doch auch das Publikum, wenn man sich vorstellen kann, wie es dort vor Ort aussieht und in welchem Bereich welcher Sender zu finden ist.
Für uns als harmlose Radiofans wäre das sicher schön – ich könnte mir aber vorstellen, dass sowas heutzutage unter "kritische Infrastruktur" fällt und nicht jeder wissen soll, wo da was genau ist.

Matthias
 
Für uns als harmlose Radiofans wäre das sicher schön – ich könnte mir aber vorstellen, dass sowas heutzutage unter "kritische Infrastruktur" fällt und nicht jeder wissen soll, wo da was genau ist.

Matthias
Das denke ich ebenfalls. Und das führt einem mal wieder vor Augen, in welch traurigen Zeiten wir leben und es eben so ist, dass unsere altbekannte Freiheit und Unbeschwertheit mehr und mehr schwindet. Ich denke über kurz oder lang macht dieser Umstand/ machen diese Ümstande auch etwas mit der ohnehin schon ziemlich abgekühlten Gesellschaft.

Wenn ich an die 80er/90er Jahre denke...es war alles viel freier, bunter und einfach eine ganz andere Atmosphäre, wenngleich ich natürlich nicht das altbekannte Klischee "früher war alles besser" bedienen möchte. Dennoch, es war eine unbeschwertere, nicht so überreglemenierte und sterile Zeit.

Um aber wieder auf das Thema zurückzukommen, mindestens genauso wehmütig macht mich die Aufgabe des alten Sendestandortes. Und teilweise reagiere ich da immer noch mit Unverständnis darauf, alte etablierte Technik bzw. Bauten einfach aufzugeben und durch einen Prestigekomplex, kühl, steril und ohne Geschichte zu ersetzen. Von den Kosten möchte ich da gar nicht sprechen.
Ich gehe so weit und sage, auch hier wurde wieder ein Stück deutsche Kultur vernichtet. Wirklich sehr traurig. Wenn ich mal nach München reinfahre, erkenne ich diese meine Stadt teilweise nicht mehr wieder. Glasbauten allerorten, ebenfalls kühl und steril. Fast möchte man sagen: "wie die heutige Gesellschaft".
 
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Was genau befindet sich denn nun noch am alten Standort? Ja, Bayern 1 soll noch da sein, wie hier schon gesagt wurde... Gibts da noch Büros für allgemeine Verwaltung oder vielleicht die Chef-Etage? Wird dort Rückgebaut, also z.B.Technik rausgerissen? Auf was wird der Komplex (oder reduzieren wir es mal auf die Ex-Radio-Räumlichkeiten) denn nun vorbereitet?
 
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