"Brave Mädchen" fliegt ARD und ZDF um die Ohren

Basti aus Aaachen

Gesperrter Benutzer
Gerade hat die ARD mit ihrem "Laber-und Läster Podcast" namens "Brave Mädchen" einen Skandal ausgelöst. Engagiert hatte sie eine Influencerin und ein Reality-TV-Star, die sich in alle Richtungen ausgekotzt haben: Eine sagte, ich würde einen Mann nur daten, wenn er monatlich 35.000 € netto verdient. Eine Youtuberin wurden von einer der beiden jungen Frauen als "Schrott der Woche" bezeichnet. Nach der ersten Folge gab es einen Shitstorm, nach der vierten eine Aussetzung der nächsten Folge und nach der zehnten folgte die Absetzung des podcasts. Zwischenzeitlich drohten die Influencerin und der Reality-TV-Star, über ihre Zusammenarbeit mit der ARD öffentlich auszupacken.
 
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@modrow
Der Spiegel beantwortet Deine Frage in dem Artikel wie folgt:
Zurück bleiben ein Scherbenhaufen – und viele Fragen. Wie konnte ein öffentlich-rechtlicher Podcast mit prominenten jungen Frauen in so kurzer Zeit an die Wand gefahren werden?...Und vor allem: Warum sollte ein »Lästerpodcast« überhaupt von ARD und ZDF (funk) finanziert werden?
 
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Warum sollte ein »Lästerpodcast« überhaupt von ARD und ZDF (funk) finanziert werden?

Das frage ich mich auch schon die ganze Zeit, seit ich von dieser zum Fremdschämen peinlichen Geschichte gehört habe. Sollte man Beitragsgelder tatsächlich für Trash-Formate einsetzen, bloß weil anscheinend ein Großteil der Menschheit nun mal auf Trash steht, von dem es aus eben diesem Grund auf privaten TV-Sendern und auf Plattformen wie YouTube doch nun wirklich schon mehr als genug gibt...? Ist das wirklich der letzte, verzweifelte Ausweg, den Programmverantwortliche noch sehen, um die vielbeschworenen "bisher unterversorgten Zielgruppen" zu erreichen?

Der ZDF-Intendant Norbert Himmler rechtfertigte das in seinem Schreiben vom 13.10.2025, welches eine Antwort auf die wohl überbordende Programmkritik zum Podcast „Brave Mädchen“ darstellt, folgendermaßen:

Mit „Brave Mädchen“ soll über
die dargestellte Gesprächssituation – nicht über eine journalistische Aufbereitung – eine Lebensrealität junger Frauen sichtbar gemacht werden [...] Wie mir die Redaktion berichtet, soll hier ein Raum geschaffen werden, in dem Themen, die junge Frauen in der Selbstfindungsphase beschäftigen, konstruktiv verhandelt werden können. [...] Der Podcast soll ein Ort sein, an dem Spannungsfelder – wie Freiheit und Unsicherheit, Selbstbewusstsein und Selbstzweifel, Spaß und Verantwortung –beleuchtet werden.


Ich habe selbst versucht, mir den Podcast mal unvoreingenommen anzuhören, aber ich kam nicht weit, ich hab's schlicht und ergreifend nicht länger als ein paar Minuten ertragen. Summa summarum hat der schöne Theorie-Plan gelinde gesagt wohl nicht funktioniert. Ich persönlich teile die Meinung einer anderen YouTube-Nutzerin, die das Ganze im Thread unter der ersten Folge ziemlich gut auf den Punkt bringt:

"was funk sich vorgestellt hat: spritziges, aufklärendes format für junge menschen
was funk bekommen hat: dr. sommer vom frankfurter hbf."


Ich glaube niemand, noch nicht mal die regelmäßigen Konsumenten von Trash-Formaten, finden ernsthaft, dass die Beitragsgelder für so was gedacht sind. Traurig, traurig, traurig...
 
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"Also, is was Tolles, was ich dazu zu sagen hab. We will see. Wenn andere so viel Sch... labern, dann können wir das auf jeden Fall auch *gickelgickel*" "Wenn Ihr von zwei Gestörten 'ne Antwort haben wollt, hier sind wir *gickelgickel*" " Wir haben uns für den Titel 'Brave Mädchen' entschieden, das soll einfach nur Ironie sein, weil wir das Gegenteil von braven Mädchen sind."

Originalzitate aus der ersten Folge. Gegen das in Pubertätsgegickel untergehende "Gespräch" sind die Models bei Heidi Klum jeden Donnerstag wahre Einsteins. Kein Wunder, dass da jemand die Notbremse gezogen hat. (Onkel stellt Hörgerät wieder ab.)
 
Das Erhellendste und Erkenntnisreichste in diesem Jahr über unser ÖRR-System ist für mich die "Abrechnung" von Alexander Prinz (zu sehen auf YT). Was er da in seinen Jahren bei Funk erlebt hat, spricht Bände, #behördenwahnsinn. Nun ist man ihn wieder los und alles kann weiterlaufen wie gehabt. Und dass sich der Irrsinn immer noch steigern lässt, beweist nach den "Braven Mädchen" nun der "Neo Social Club".

Originalzitate aus der ersten Folge. Gegen das in Pubertätsgegickel untergehende "Gespräch" sind die Models bei Heidi Klum jeden Donnerstag wahre Einsteins. Kein Wunder, dass da jemand die Notbremse gezogen hat. (Onkel stellt Hörgerät wieder ab.)
Onkel, das sind natürlich einfache Opfer. Aber wenn du wirklich hart bist, höre doch mal, was der große DLF meinte, uns Premiumhörern Freitag abend nach den 20 Uhr Nachrichten aufzutischen.


PS: Neulich berichtete eine ehemalige heute show-Mitarbeiterin, sie müsste beim DLF-Hören öfters vor Wut laut schreien. Ich nehme das professioneller, aber immer häufiger ist es dann doch zu viel "des guten".
 
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Onkel, das sind natürlich einfache Opfer. Aber wenn du wirklich hart bist, höre doch mal, was der große DLF meinte, uns Premiumhörern Freitag abend nach den 20 Uhr Nachrichten aufzutischen.

Hmmmm... Komplett gehört und - was mir selten passiert - immer mehr reingezogen worden ins Lauschen und in die Probleme der Familie. Vielleicht war es die Voyeurismusbefriedigung oder auch, weil ich genau diese Situation aus meinen eigenen poststudentischen Lebensumständen nur zu gut kannte. Außerdem fand ich das Ding in seiner collagenhaften Anmutung recht gelungen.
 
Hmmmm... Komplett gehört und - was mir selten passiert - immer mehr reingezogen worden ins Lauschen und in die Probleme der Familie. Vielleicht war es die Voyeurismusbefriedigung oder auch, weil ich genau diese Situation aus meinen eigenen poststudentischen Lebensumständen nur zu gut kannte. Außerdem fand ich das Ding in seiner collagenhaften Anmutung recht gelungen.
Na, dann. Damit ist wenigstens der Beweis erbracht, dass das jemand hört;-)
 
Hmmmm... Komplett gehört und - was mir selten passiert - immer mehr reingezogen worden ins Lauschen
jetzt sag aber nicht, dass dich auch das hier interessiert;-)


Das lief vor drei Wochen auf dem Primetime-Feature-Platz.
 
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Sollte man Beitragsgelder tatsächlich für Trash-Formate einsetzen, bloß weil anscheinend ein Großteil der Menschheit nun mal auf Trash steht
Das ist schon seit Jahren ein Argument all derer, die den intellektuellen Sinkflug des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit dem schulterzuckenden "die Hörer wollen es halt so" beschönigen, bzw. behaupten, der "Erfolg" (MA Quote) gebe den Verantwortlichen schließlich recht. Wenn man hier einbringt, der ÖR habe von seinem Gründungsgedanken her eigentlich eine andere Aufgabe, wird man als seniler Ewiggestriger beschimpft, der irgendwo in den 1980ern stehengeblieben sei.
Und dann wird
schnell auch als unsensibler alter weißer Mann an die Wand gestellt.
 
Bei "Brave Mädchen" könnte ich mit der Bezeichnung "Trash Content" mitgehen (ohne jetzt den genauen Inhalt zu kennen). Was haben aber die von @Adolar verlinkten (von der Machart her völlig andersartigen) Inhalte mit Trash zu tun?
 
Als was würdest du Berichte ûber das Kribbeln im Unterleib, wenn der Mann die tiefgefrorene Plazenta zuschneidet, denn einordnen?
 
Als was würdest du Berichte ûber das Kribbeln im Unterleib, wenn der Mann die tiefgefrorene Plazenta zuschneidet, denn einordnen?
Da das Thema grundsätzlich in der Gesellschaft präsent ist, finde ich es interessant, etwas über den Umgang der Menschen damit zu hören. Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass gesundheitliche Aspekte in dem Feature auch besprochen wurden.
 
Ja, sicherlich. Diese werden in der "Sprechstunde" auch prominent und ausführlich behandelt. Ich finde, abseits davon darf es auch abseitigere Themen geben. Wie dem auch sei - ich kann auch verstehen, dass man nichts damit anfangen kann.
 
Die Burdeckis und Katzenbergers sind ja sehr manierlich gegen diese rotzfrechen Gören, mit denen Himmler den um sich greifenden Reichweitenschwund und kostenbedingten Qualitätsverfall im Unterhaltungsbereich kaschieren wollte.
 
Irgendwie geht so etwas komplett an mir vorüber. Bin heute für einen Sonntag viel zu früh aufgewacht und habe mir mit Kopfhörern eine Folge "Zwischen Hamburg und Haiti" angehört. Ich weiß, es ist eine Radiosendung mit großer Geschichte. Ich kenne sie ausschließlich als Podcast.

Es war wieder mal ein Genuss. Narvik, eine Stadt in Nord-Norwegen wurde vorgestellt. Gut recherchiert und exzellent produziert. Vor allem begeistert mich bei diesem Podcast immer wieder, wie die Geschichten auch über die aufgenommenen Geräusche erzählt werden.

Ist es ein Feature? Ist es ein Podcast? Egal. Es ist einfach gut. Ob Plazenta-Podcasts über Gebühren finanziert werden müssen...
 
Was haben aber die von @Adolar verlinkten (von der Machart her völlig andersartigen) Inhalte mit Trash zu tun?
Du hast Recht, wir sollten die Debatte ernsthaft führen. Der DLF produziert sicher keinen "Trash", bei funk-Inhalten würde ich das nicht ausschließen, ohne alles von dort zu kennen.

Worauf ich hinweisen wollte mit dem Plazenta-Beispiel, ist der wohl kaum übersehbare Trend, auf emotionalisierte Ich- und Betroffenheits-Formate zu setzen. Nur noch ein DLF-Beispiel, man könnte leicht weitere aufführen:


Hier nimmt man so einiges mit: Lolita-Anspielungen, Crime, Schulerinnerungen, Gewalt, böse Männer - ausgewalzt auf 5 einstündige Folgen! Selbst wenn man dort ein journalistisch relevantes Thema ausmachen würde, die Art und Weise der Bewerbung und Umsetzung zeigt exemplarisch, mit welchen Formatideen man als "Audio-Creater" im ÖRR noch Geld verdienen kann. Ich kann von außen nicht einschätzen, ob es eine relevante Zahl an Hörern gibt, die tatsächlich einen solchen Podcast komplett hören, vermutlich ist das für die Entscheider, die das in Auftrag geben und mit Gebührengeldern bezahlen, nicht relevant, man kann sich gut fühlen, man steht ja immer auf der richtigen Seite, und muss für nichts Verantwortung übernehmen.
 
Das aufschlussreiche Interview mit Alexander Prinz ist nun frei lesbar:


Zum Mädels-Unfall sagt er:

"Also ich kann es mir aus allem, was ich bei Funk erlebt habe, nicht erklären, wie es so etwas geben kann. In meinem Umfeld war Qualitätssicherung ein Riesending. Man fühlt sich da auch persönlich verarscht, ehrlicherweise: Ich musste eine Quelle dafür angeben, dass Marie Antoinette auf der Guillotine gestorben ist, und dann darf es so einen Podcast geben?"
 
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