Du findest aber auch niemanden mehr (vor allem junge Menschen), die sich ernsthaft für Radio interessieren.
Zumindest nicht mehr für das Radio, wie es noch vor 20 oder 30 Jahren war und dessen „Rückkehr“ gerade hier im Forum an anderen Stellen gerade zu vehement gefordert wird.
Ich kenne viele junge Menschen, die sich nach wie vor für das Medium Radio als ein lebendiges, informatives und relevantes Medium interessieren. Allerdings haben die nicht die Ansicht, dass sich Radio durch linearen Ansagefunk und Einschaltprogramme behaupten müsse. Auch die Methode Deutschlandfunk, wo interessante Debatten einfach mal abgewürgt werden, weil gleich die Nachrichten kommen, kommt bei den jungen Leuten nicht so gut an. Heisst aber nicht, dass junge Menschen keine Nachrichten mehr hören. Aber nicht starr zur vollen Stunde. Vielleicht mal um viertal nach oder zwanzig vor. Oder auch einfach mal drei Stunden garnicht. Die wollen, dass man ihnen zuhört und sie ausreden lässt. Im Radio besteht im Gegensatz zu einer Playlist bei Spotify die Möglichkeit einer solchen Moderation. Und in dieser Hinsicht wünschen sich die jungen Menschen schon eine gewisse Persönlichkeit, die lebhaft zu ihnen spricht über Dinge, die in ihrem Leben Belang haben. Bestenfalls noch mit dem Instrument der Interaktion, wo man mitbestimmen kann, in welche Richtung es jetzt gehen soll. Aber nicht über Facebook, das ist bei der Jugend schon wieder „out“. Und hinter dem Mikro sollen keine Witzbolde sitzen, die sich nur über andere lustig machen (wir Alten nennen das „Comedy“), und bitte kein Voicetrack und schon gar keine KI. Und das ganze vielleicht auch mal nachts um halb drei. Welcher Sender bietet das heute? Keiner. Oder zumindest sehr wenige. Fast alle Stationen kleben an Programmschienen, Stundenuhren und geben vor, was wann zu laufen hat. Und nachts läuft eh nur Musik.
Ich habe lange Zeit an meiner ehemaligen Schule die Radio-AG betreut. Die Jungs und Mädels hatten gleichermaßen Interesse an Technik, Inhalten aber auch an Musik, in einer Bandbreite, die mich erstaunt hat. Da kam aber oft ein Programm raus, was sich ganz anders anhört als das, was wir heute auf fast allen Sendern (noch) hören.