delta radio - Das Ende?

Richtig ist, dass Anfang der 90er-Jahre sehr viel Geld in den Aufbau von delta radio gesteckt wurde, nämlich 8 Millionen DM. Die Ausrichtung auf Rock und eine junge Zielgruppe gab es aber von Anfang an.
Anfangs war delta ein Class-Rock-Sender, sicherlich nicht für eine junge Zielgruppe. Die Fokussierung auf Jüngere begann 1996/1997.
 
Die "City-Frequenz" sendet zwar vom Hamburger Funkturm, hat aber eine starke Keule nach Westen. Damit sollen Empfangslöcher im südwestlichen Schleswig-Holstein gestopft werden. Sicherlich, auf dem Weg ins eigentliche Sendegebiet nimmt die Frequenz locker einige Hamburger Stadtteile mit. In den ausgeblendeten Richtungen kommt aber fast nichts an.

Die Kisdorfer Frequenz hat zwar wegen der 107,3 aus Schwerin Einzüge Richtung Osten, aber ansonsten ist der Empfang in Hamburg und Umgebung nicht schlechter als der des R.SH-Pendants. An der Frequenzkette liegt es jedenfalls nicht, dass Delta über die vielen Jahre keinen durchschlagenden Erfolg gehabt hat.
Deine Behauptung, die Kisdorfer 107,4 MHz sei "nicht schlechter als das R.SH-Pendant" zu empfangen, zeugt von einer bemerkenswerten Ignoranz gegenüber den physikalischen Gegebenheiten. Während R.SH vom selben Standort Kisdorf mit seinen 20 Kilowatt omnidirektional die norddeutsche Tiefebene in majestätischer Vollendung ausleuchtet, muss sich Delta Radio mit maximal vier Kilowatt begnügen - und selbst diese bescheidene Leistung wird durch ausgeprägte Richtcharakteristika derart malträtiert, dass von einer gleichwertigen Versorgung keine Rede sein kann.

Die Einzüge der 107,4 MHz beschränken sich keineswegs nur auf die östliche Richtung wegen der Schweriner 107,3 MHz, wie du in deiner vereinfachten Weltsicht annimmst, sondern erstrecken sich ebenso dramatisch nach Süden, wo die elektromagnetischen Wellen bereits in ihrer geschwächten Form auf den übermächtigen Konkurrenten aus Schwerin treffen. Dieser Nebenkanalstörer auf 107,3 MHz entfaltet seine destruktive Wirkung mit einer Präzision, die jeden Funktechniker in Ehrfurcht erstarren lässt - ab den Harburger Bergen übernimmt er das Kommando und macht der schwächlichen 107,4 MHz derart gründlich den Garaus, dass selbst das RDS-System in seiner digitalen Verzweiflung kapituliert.

Besonders delikat wird die Situation, wenn dann auch noch die 107,9 MHz aus Berkenthin bei Lübeck ins Spiel kommt und für ein kurzes, aber entscheidendes Stück das Zepter übernimmt - ein wahres Kaleidoskop der Frequenzwechsel, das jeden technisch versierten Hörer zur Verzweiflung treiben muss. Diese Kakophonie der Interferenzen steht in so krassem Gegensatz zu der soliden, unerschütterlichen Präsenz von R.SH auf 102,9 MHz oder der mittlerweile abgeschalteten, aber seinerzeit durchaus respektablen 101,1 MHz von Radio NORA/Radio BOB, dass deine Gleichsetzung der Empfangsqualitäten geradezu grotesk anmutet.
 
Während R.SH vom selben Standort Kisdorf mit seinen 20 Kilowatt omnidirektional die norddeutsche Tiefebene in majestätischer Vollendung ausleuchtet, muss sich Delta Radio mit maximal vier Kilowatt begnügen ...
Wie kommst Du auf vier Kilowatt? Der "UKW/TV-Arbeitskreis" listet die Kisdorfer Frequenz von Delta mit 16 kW:

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Und dass die 102,9 von R.SH die norddeutsche Tiefebene in "majestätischer Vollendung ausleuchtet" kann ich aus der Praxis nicht bestätigen. Alles, was aus Kisdorf kommt, bricht südlich von Hamburg ein. Die 101,1 wird von der 101,2 aus Bremen angekratzt.

Übrigens wohne ich in Hamburg. Ich schreibe also aus Erfahrung ...;)
 
Wie kommst Du auf vier Kilowatt? Der "UKW/TV-Arbeitskreis" listet die Kisdorfer Frequenz von Delta mit 16 kW:
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In Richtung Hamburg gehen nur 4 kW raus, in andere sogar nur 3,2 kW.
Die vollen 16 kW gehen nur in Richtung 270° bis 50° raus.
Auf die alleinige Angabe der Kilowattzahl bei ukwtv.de kannst Du Dich daher nicht verlassen, Du musst Dir immer auch auch das Antennendiagramm angucken.

Zum Vergleich die 102.9 MHz:
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Und die 101.1 MHz:
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Lieber @Spezi, deine Hartnäckigkeit du da an den Tag legst ist bemerkenswert - als würde dein Hamburger Wohnsitz dir automatisch eine Art technische Hellsichtigkeit verleihen, die über die profanen Gesetze der Wellenausbreitung erhaben ist. Dass du "aus Erfahrung" schreibst, sei dir unbenommen, doch Erfahrung ohne das entsprechende theoretische Fundament führt leider allzu oft zu Fehlschlüssen, die sich dann mit der Beharrlichkeit von Naturgesetzen in den Köpfen festsetzen.

Du beklagst dich über den Einbruch aller Kisdorfer Frequenzen südlich von Hamburg - ein Phänomen, das keineswegs überraschend ist, bedenkt man die topographischen Gegebenheiten und die Tatsache, dass selbst die mächtige 102,9 MHz von R.SH in südlicher Richtung ihre Grenzen findet. Doch der entscheidende Unterschied liegt in den Leistungsparametern und Antennendiagrammen, die @iro so trefflich erkannt hat: Während R.SH wenigstens mit respektablen und annähernd omnidirektionalen 20 Kilowatt operiert, muss sich Delta Radio mit lächerlichen vier Kilowatt in Richtung Hamburg begnügen - in andere Richtungen sogar nur mit 3,2 Kilowatt.

Deine Erwähnung der 101,1 MHz, die von der Bremer 101,2 MHz "angekratzt" wird, offenbart dabei eine weitere Unkenntnis der komplexeren Interferenzverhältnisse. Diese Kisdorfer Frequenz hat in einem nicht unerheblichen Teil des Bremen-Vier-Landes den dortigen Hörern das Leben doch bedeutend erschwert - ein schönes Beispiel dafür, wie großzügig ausgelegt manche Versorgungsansprüche waren, ohne Rücksicht auf die lokalen Empfangsverhältnisse.

Und nun zu dir, @Sieber, du weiser Mann, der du meinst, mit deinem lapidaren Hinweis "Das Operationsgebiet von Delta ist Schleswig-Holstein" die Diskussion beenden zu können. Delta Radio gibt sich in seiner gesamten Aufmachung und Ansprache als ur-hamburgisches Programm - Schleswig-Holstein fungiert in deren Selbstwahrnehmung bestenfalls als schmückendes Beiboot, als nördlicher Appendix zur eigentlichen Hamburger Identität. Die programmatische Ausrichtung, die Moderatorensprache, die gesamte kulturelle Kodierung des Senders zielt auf die Hansestadt ab, nicht auf die schleswig-holsteinische Provinz. Dass die Lizenz formal für Schleswig-Holstein erteilt wurde, ist ein bürokratischer Formalismus, der mit der tatsächlichen Zielgruppenansprache herzlich wenig zu tun hat.
 
Die zusätzlich wichtigen topographischen Gegebenheiten wurden ja bereits erwähnt.
Daneben spielt natürlich die Höhe der Antenne eine Rolle und die hängt bei Delta Radio 12 Meter höher als bei den anderen beiden Sendern.
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Ich finds ja schon irgendwie merkwürdig, dass die 107.4 in Richtung Hamburg derart ausgeblendet ist. Ist das tatsächlich wegen der 107.3 aus Schwerin? Die 107.4 gibt es doch länger als die Schweriner Frequenz. Und warum musste die 101.1 dagegen nicht ausgeblendet werden, obwohl der Sender Walle mitunter relativ gut in Hamburg durchkommt?
 
Lieber @Lord Helmchen, welch erfrischende Neugierde du da an den Tag legst - endlich einmal jemand, der nach den tatsächlichen Hintergründen dieser merkwürdigen Ausblendungen fragt, anstatt einfach hinzunehmen, was die Frequenzpläner in ihrer unendlichen Weisheit erdacht haben.

Du hast völlig recht mit deiner Verwunderung über die 107,4 MHz - diese Frequenz existierte tatsächlich bereits lange vor der Schweriner 107,3 MHz, und dennoch musste sie sich den restriktiven Richtcharakteristika unterwerfen. Der Grund dafür liegt in den komplexen Koordinierungsverfahren der internationalen Frequenzplanung, die weit über simple chronologische Prioritäten hinausgehen. Die Kisdorfer Frequenzen wurden seinerzeit in GENF84 sogar für Elmshorn koordiniert - was, wie du richtig erkennst, noch ein kleines Stückchen weiter in Richtung Bremen liegt und die ganze Absurdität der heutigen Ausblendungen noch deutlicher macht.

Was die Schutzabstände angeht, so wurden diese ab 100 MHz seit Menschengedenken geringer bemessen als im unteren UKW-Bereich - ein funktechnischer Formalismus, der allerdings in der Praxis zu jenen Interferenzen führt, die wir heute beklagen müssen. Die 107,3 MHz aus Schwerin war meines Wissens zu DDR-Zeiten nicht aktiv - ein interessantes Detail, das die ganze Problematik noch verschärft, denn hätte sie bereits damals existiert, wären die Koordinierungen vermutlich anders verlaufen.

Die 101,1 MHz hingegen blieb von solchen drastischen Einschränkungen verschont, obwohl der Bremer Sender Walle durchaus gelegentlich in Hamburg durchschlug - ein schönes Beispiel für die Willkürlichkeit mancher Planungsentscheidungen. Besonders pikant wird die Geschichte dieser Frequenz durch ihr kurzes Intermezzo als NDR 1 Welle Nord-Frequenz in Armstedt bei Neumünster, bevor man dort auf die 106,4 MHz wechselte und die 101,1 MHz bis zum vergangenen April vom altbekannten Kisdorfer Standort aus weiterhin interferierte - ja, das Wort gibt es, auch wenn es in den Ohren mancher Puristen etwas technokratisch klingen mag.

Diese ganze Frequenzchoreographie zeigt exemplarisch, wie technische Möglichkeiten den marktwirtschaftlichen Realitäten untergeordnet werden - ein Lehrstück in angewandter Rundfunkpolitik, das seinesgleichen sucht.
 
Man hat halt zur Genfer Wellenkonferenz 1984 versucht, nahezu überall 6 flächendeckende Frequenzketten koordiniert zu bekommen, mancherorts noch etwas mehr. An Bundeslandgrenzen kommt da manchmal auch etwas mehr zusammen, was Kompromisse erfordert.

Die Alternative zu einer starken Frequenz mit Richtdiagramm wäre dann eine Vielzahl mehrerer kleiner Sender mit wenigen 100W (siehe ehemals Deutschlandradio Kultur).
Das hätte Delta Radio auch nichts gebracht.

Freilich hätte man sagen können, für NDR 1 Welle Nord in Neumünster wäre die 107,4 gut genug gewesen, zumal dieser in Moorfleet mit der 89,5 eine zweite starke Frequenz hat, dann hätte man die 106,4 für Delta Radio in Kisdorf einsetzen können.

Hätte wäre wenn: der NDR hat da zur rechten Zeit zugeschlagen.

Für Delta gibt es außerdem noch die 96,5 Ahrensburg mit gerichteten 2kW, die die Situation zumindest nördlich von Hamburg nochmal etwas entschärft.
 
@Habakukk du führst uns hier in die labyrinthischen Tiefen der Genfer Wellenkonferenz von 1984 - jener byzantinischen Veranstaltung, wo man mit geradezu napoleonischem Ehrgeiz versuchte, nahezu überall sechs flächendeckende Frequenzketten zu koordinieren, mancherorts sogar noch etwas mehr. An Bundeslandgrenzen entstand dabei naturgemäß ein Sammelsurium von Ansprüchen, das Kompromisse erforderte, deren technische Eleganz oft im umgekehrten Verhältnis zu ihrer praktischen Brauchbarkeit stand.

Deine Überlegung, dass die Alternative zu einer starken Frequenz mit Richtdiagramm eine Vielzahl kleiner Sender mit wenigen hundert Watt gewesen wäre - siehe das ehemalige Deutschlandradio Kultur - ist durchaus zutreffend, wenngleich dies für Delta Radio ebenfalls keine Lösung dargestellt hätte. Interessant ist dein Hinweis auf die verpasste Gelegenheit: Für NDR 1 Welle Nord in Neumünster wäre die 107,4 MHz durchaus ausreichend gewesen, zumal dieser Sender in Moorfleet mit der 89,5 MHz eine zweite starke Frequenz besitzt. Dann hätte man die 106,4 MHz für Delta Radio in Kisdorf einsetzen können - doch der NDR schlug zur rechten Zeit zu, wie das bei etablierten Sendeanstalten so üblich ist.

Die von dir erwähnte 96,5 MHz aus Ahrensburg mit gerichteten zwei Kilowatt entschärft die Situation tatsächlich zumindest nördlich von Hamburg, doch auch hier zeigt sich das bekannte Dilemma: Gute Reichweite innerhalb der Hauptstrahlrichtung, aber starke Interferenzen von NDR 2 aus Danneberg auf der benachbarten 96,4 MHz. Besonders delikat ist dabei, dass der Großteil der Antennenkeule auf Hamburger Staatsgebiet gerichtet ist, obwohl das operative Sendegebiet offiziell Schleswig-Holstein lautet - eine weitere jener programmatischen Ungereimtheiten, die das gesamte Delta-Konstrukt so trefflich charakterisieren.

Die Schlachtung ehemaliger Großsender durch Flugfunk-Restriktionen ist ein Kapitel für sich: Während der DLF in Bremen fröhlich mit 100 Kilowatt auf 107,1 MHz die komplette norddeutsche Tiefebene ausleuchtet, wurde die 106,8 MHz in Hamburg regelrecht kastriert. Ursprünglich für 80 Kilowatt aus voller Höhe von Moorfleet koordiniert, hängt sie nun mit kläglichen, gerichteten maximal 32 Kilowatt und Antennen auf halber Höhe am Höltigbaum - ein wahres Trauerspiel der Frequenzplanung.

Das Kreuzberger 107,9 MHz-Desaster mit seinen drastischen Einzügen wegen des Flughafens Frankfurt oder die nie realisierte Salzburger Frequenz, die heute als mickriger Kleinstsender auf 107,5 MHz für die Radiofabrik ein Schattendasein fristet, sind weitere Beispiele dieser technischen Willkür. Während manche Standorte unbehelligt ihre volle Leistung entfalten dürfen, werden andere durch Flugfunk-Auflagen zu Zwergen degradiert - eine Ungerechtigkeit, die jeder Logik spottet.
 
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