Nach der Ankündigung hier mein Bericht zum Einbau bzw. zur Integration des DHD-Pults mit ein bisschen Hintergrundgeschichte für alle, die Ähnliches planen. In diesen Bericht fließt meine persönliche Meinung ein, ich bin kein professioneller Radio-Techniker. Feedback und Erfahrungen sind gerne willkommen
Hintergrund
Ich betreibe seit gut drei Jahren als Schüler ein Webradio, um Erfahrungen in Moderation, News und allgemeinen Workflows zu sammeln. Am einfachsten und schnellsten funktioniert das von zu Hause aus. Für private Studiobauer ist die Einstiegshürde, vor allem preislich, sehr hoch. Deshalb setzen sich Systeme wie der „Rodecaster“ durch. In meinem Fall wurde es das „GoXLR“, das, ähnlich wie die Lösung von Rode, für Live-Streaming gedacht ist. Mit einem „Elgato Stream Deck“ funktionierte auch die Einbindung in meine Automation mAirList via Hotkeys recht gut.
Dennoch: Eine Hobbylösung die eigentlich fürs Live-Streaming gedacht ist war mir, wie vielen anderen Radio-Fanatikern, nicht genug, denn mit einem professionellen Pult ist sie in vielen Aspekten und Möglichkeiten nicht zu vergleichen. Man muss sich im Klaren sein, dass die Konfiguration sämtlicher professioneller Pulte dieser Art auf Techniker zugeschnitten ist und nicht, wie bei "Streaming-Lösungen" auf den Nutzer.
Ich möchte diesen Bericht in zwei Teilen schildern: die Wahl des richtigen Pults und die Konfiguration und Einrichtung meines DHD-Pults.
Wahl des Systems
Die größte Herausforderung besteht meiner Meinung nach darin, eben das richtige System zu finden. Ich habe mir verschiedene Anbieter angesehen, damit man sich darunter etwas vorstellen kann bzw. einen Wiedererkennungswert hat, jeweils mit Beispielbildern beschmückt:
– D&R (günstigere Pulte auch für den Hobbybereich, Mischpult (Core) und Bedienoberfläche sind eine Einheit)

– Axia von Telos (vergleichsweise günstig, einfache Konfiguration, eingeschränkter Funktionsumfang, meiner Meinung nach schlechte Verarbeitung)
– Axeltech (natives Dante, alternative Bedienoberfläche, Mischpult (Core) und Bedienoberfläche sind eine Einheit)

– AEQ (im DACH-Raum weniger verbreitet, wenig für mich zugängliche Dokumentation, oftmals aber faire Angebote)
– LAWO (sehr viele Konfigurationsmöglichkeiten, hochpreisig, komplexe Software)

– DHD (meiner Einschätzung nach vor allem bei öffentlich-rechtlichen Sendern, gerade in Österreich, am weitesten verbreitet, weitere Details folgen)
Verschiedene Kriterien schließen sich hier gegenseitig aus, und der ohnehin schon begrenzte Markt für „leistbare“ Pulte schrumpft weiter. Bevor man ein Pult kauft, sollte man sich Folgendes überlegen:
– Audioschnittstelle: Die meisten Anbieter bieten verschiedene Lösungen an, analog sowie unterschiedliche digitale Protokolle. Aus Platzgründen und wegen der Zuverlässigkeit wollte ich unbedingt etwas Digitales; diesen Aufpreis kann ich jedem empfehlen, auch im Hinblick auf mögliche zukünftige Erweiterungen. Die gängigsten Protokolle (mit Ausnahme von „Livewire“ von Axia) sind AES und Dante. AES läuft über dreipolige Kabel (oft XLR an einem Ende und ein Serien-Multicore-Stecker am anderen), Dante über Netzwerk. Dante wirkt weniger komplex und günstiger, viele gebrauchte Pulte unterstützen es jedoch noch nicht nativ und benötigen eine teure Zusatzkarte. In meinem Fall hätte diese bei DHD knapp 2000 € gekostet, daher fiel die Wahl auf AES (auch dazu später mehr).
– Konfigurationsoberfläche: Verschiedene Hersteller nutzen unterschiedliche Software-Oberflächen zur Erstellung von Konfigurationsdateien, die anschließend auf das Pult geladen werden. Sie unterscheiden sich sowohl im Funktionsumfang als auch in ihrer Philosophie. DHD hat meiner Meinung nach einen guten Kompromiss zwischen Funktionen, Intuitivität und Komplexität gefunden. Die Oberflächen anderer Hersteller kenne ich entweder nicht im Detail oder nur aus Erzählungen von Freunden und Kollegen aus der Technik. Kurz zusammengefasst: D&R ist gut machbar, Axeltech ebenfalls, Axia auch, zu AEQ kann ich nichts Belastbares sagen. DHD ist meiner Meinung nach ebenfalls schaffbar, lediglich der On-Air-Designer der LAWO-Pulte ist sehr komplex und als Privatperson kaum zu bewältigen. (Mit „Privatperson“ meine ich hier jemanden, der technisch versiert ist und ein grundlegendes Verständnis für Audio- und Logikschnittstellen hat.)
– Oberfläche und Konfigurationsmöglichkeiten: Für mich war wichtig, dass Bedienoberfläche und Workflows meines Pults jenen großer Sender ähneln. Daher ist D&R bei diesem Punkt für mich ausgeschieden (ansonsten soll der Hersteller ein fairer Kompromiss sein). Die übrigen Hersteller bieten auf Privatstudio-Niveau viele Möglichkeiten, wobei Axia und Axeltech vergleichsweise eingeschränkt sind. Gerade hier hat für mich DHD gewonnen: Die Möglichkeiten sind umfangreich und die Oberfläche wirkt sehr hochwertig.
– Integration: Ein sehr fallabhängiger Punkt, da es unzählige Kombinationen aus Pult und Automation gibt. mAirList funktioniert mit vielen Herstellern problemlos, und die Plug-and-Play-Integration von DHD hat mich wirklich überrascht.
– Angebote: DHD und LAWO beginnen neu im niedrigen fünfstelligen Bereich, diese beiden Hersteller waren für mich also nur gebraucht leistbar. Beim Gebrauchtkauf sollte man darauf achten, dass alle Hard- und Softwareversionen (Firmware) zusammenpassen – idealerweise waren sie bereits gemeinsam im Einsatz. Außerdem verheimlichen Händler (Erfahrungen von Freunden) manchmal Defekte (besonders auf OLED-Displays und Motorfader schauen, die gehen am ehesten kaputt). Kauft man neu, lassen sich diese Probleme so vermeiden, dafür erhält man Garantie und Support (teils sehr eingeschränkt). Trotz allem habe ich mich für ein gebrauchtes Pult entschieden und offenbar großes Glück gehabt.
Konfiguration des DHD-Pults
Nach langem Hin und Her habe ich bei einem Angebot aus den Niederlanden für ein gebrauchtes DHD 52MX zugeschlagen. Der Transport verlief ohne Schaden. Eine lange, schlaflose Woche später stand das DHD-System bei mir zu Hause. Nachdem die Racks unter dem Tisch montiert waren, habe ich die Bauteile dort eingebaut und das Pult zunächst auf den Tisch gestellt, das macht den Aufbau einfacher und vermeidet im "Ernstfall" noch größere Schäden.
Das Netzteil wird per Schuko an den Strom angeschlossen und dieses wiederum mit dem XC-Core (also dem eigentlichen Mischpult, nicht der Oberfläche) verbunden. Alle Komponenten (Input-/Output-Module, TFT und Bedienoberfläche) werden über Netzwerkkabel mit dem APC (Audio, Power, Control) Peotokoll von DHD verbunden. Der Core wird zur Konfiguration und Kommunikation mit dem Ausspielrechner per Netzwerkprotokoll verbunden.
In meinem Fall (AES-Schnittstelle über ein RME HDSPe) musste ich für die Audio-Verbindung ein eigenes Kabel löten – für mich der zweitschwierigste Schritt, vor allem, weil ich einen Logikfehler gemacht habe und alles noch einmal neu beginnen musste... Die Investition in ein fertiges Kabel, ist ihr Geld definitiv wert. Eine grundlegende Erkenntnis, die viele hier für selbstverständlich halten

, hat mich kurz verwirrt: AES-Stecker können zwar wie klassische XLR-Stecker aussehen, transportieren aber zwei Kanäle, also ein Stereo-Signal, auf einem Stecker. (Nur so nebenbei)


Die Konfiguration in der Toolbox (so nennt DHD ihre Konfigurationsoberfläche) ist umfangreich, aber intuitiver als gedacht, und hat bei mir nach dem Trial-and-Error-Prinzip funktioniert. Ich kann mich der Empfehlung eines netten Nutzers im Forum nur anschließen, eine saubere Versionshistorie zu pflegen und nach gescheitertem Versuch wieder zurückzugehen (ich bin mittlerweile bei Version 122). Generell empfiehlt es sich, alle Dateien und Dokumente sorgfältig aufzubewahren und ein Backup zu haben. Für die Grundkonfiguration habe ich ein langes Wochenende gebraucht und danach laufend nachjustiert.
DHD betreibt eine öffentlich zugängliche Dokumentation zu allen neueren Toolbox-Versionen. Dort wird ein einfaches Vorgehen beschrieben, das ich hier mit eigenen Erfahrungen kommentiere:
–
„Set up the general options for the project“: Hier werden Dateipfade, Schriftarten und Farben für alle virtuellen Oberflächen festgelegt. Diesen Punkt habe ich kaum genutzt.
–
„Insert a device“: In meinem Fall war das MX bereits hinzugefügt. Laut Erzählungen wird man durch dieses Menü sehr einfach geführt.
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„Select the hardware I/O modules“: Auch diese lassen sich recht unkompliziert hinzufügen; die APC-Anschlüsse hat sich das System bei mir selbst zugewiesen.
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„Create your console layout“: Sind die Elemente hinzugefügt, können hier zentrale Funktionen für Tasten und Fader angepasst werden. Manche Funktionen gelten global, andere sind faderbezogen, etwa Bus-Funktionen wie PFL. Alles, was in kein anderes Menü passt, hat DHD hier sinnvoll gebündelt.
(– An dieser Stelle würde ich empfehlen, bereits die Verbindung zur Automation herzustellen. Kennt man die IP-Adresse des Cores, kann diese in mAirList (Achtung: Advanced-Plus-Version erforderlich) eingebunden werden. Benötigt wird der Export der Konfiguration (Project → Export → Export AudioIDs LogicIDs, Dateityp „Extended“). Ab diesem Punkt ist die Integration überraschend einfaches Plug-and-Play.)
– „Set up the logic system“: DHD arbeitet mit Logik-Funktionen, die ein- oder ausgeschaltet sein können. Verschiedene Logic-Sources können diese steuern. Der Zustand lässt sich an unterschiedlichen Stellen abgreifen, z.B. über das Netzwerkprotokoll in mAirList oder über GPIOs (General Purpose Inputs/Outputs, das sind elektronische Schaltungen, die analoge Steuersignale ausgeben können. Früher, lange vor meiner Zeit, konnte man damit z.B. CD-Player steuern, sagen manche Legenden

. In meinem Studio nutze ich ein analoges GPO, um das rote Tally-Licht am Mikrofonarm zu schalten. Ein Beispiel für eine Logiksteuerung: Ein allgemeiner Knopf „Verkehr“ auf dem Pult ist mit einer Logik-Funktion verbunden. Ist diese aktiv, spielt mAirList über einen Befehl (getriggert über eine LogicID) einen Hinzton von der Cartwall ab. (Bitte keine Diskussionen über die Sinnhaftigkeit dieser in Webradios, ist zu Übungszwecken

.)
– „
Connect the audio signals and logic functions with output functions“: Jeder Fader-Kanal und jede Output-Function (also ein Mix mehrerer Kanäle) kann beliebigen Outputs zugewiesen und z.B. über ein Potentiometer (Headphones) gepegelt werden.
Ich hoffe, ich konnte damit bei einer schwierigen Entscheidung helfen und das „DHD-Mysterium“ (für mich scheint es zumindest so) etwas entschlüsseln. Vielen Dank auch für die Unterstützung, die mir viele Forenmitglieder gegeben haben.