DHD 52/MX ohne Dokumentation

Anders machen das die prof. Studiomöbelbauer auch nicht. Aluprofile mit Holz verkleidet. Hubsäulen drunter und schon kostet der Tisch 8000,- €.
 
Mir hat man damals für diesen Tisch ein Angebot über in etwa das Doppelte gemacht... deshalb Marke Eigenbau. Die zugeschnittenen Profile+Winkel für diesen Tisch haben (inkl. Versand) knapp 200€ gekostet.
 
Wir haben jetzt für unser mobiles Studio diese Untertischdinger beim Reichelt gefunden, gibt's bis 4HE:

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2x 3-HE reicht für Core, Powersupply, Dante und ein bisserl Analog und Digital IO.
Nierentischplatte für 90€ bei Kleinanzeigen geschossen und a bisserl gesägt :)


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Darf ich kurz fragen, wo man diese Tastatur bekommt?
Das ist eine recht unspektakuläre Tastatur aus dem japanischen Gaming-Bereich 😁 (Nuphy Air75). Ist in dieser Ausführung eine der leisesten, daher diese untypische Wahl. Kabellos ist aber oft kritisch, vor allem wenn die Tastatur, wie mein Modell, nicht rechtzeitig bescheid gibt, dass sie bald leer ist... Die neueren Versionen der Tastatur sollen Akkumäßig besser sein, ob explizit dieses Problem gelöst wurde, weiß ich nicht.
 

Nach der Ankündigung hier mein Bericht zum Einbau bzw. zur Integration des DHD-Pults mit ein bisschen Hintergrundgeschichte für alle, die Ähnliches planen. In diesen Bericht fließt meine persönliche Meinung ein, ich bin kein professioneller Radio-Techniker. Feedback und Erfahrungen sind gerne willkommen :)

Hintergrund
Ich betreibe seit gut drei Jahren als Schüler ein Webradio, um Erfahrungen in Moderation, News und allgemeinen Workflows zu sammeln. Am einfachsten und schnellsten funktioniert das von zu Hause aus. Für private Studiobauer ist die Einstiegshürde, vor allem preislich, sehr hoch. Deshalb setzen sich Systeme wie der „Rodecaster“ durch. In meinem Fall wurde es das „GoXLR“, das, ähnlich wie die Lösung von Rode, für Live-Streaming gedacht ist. Mit einem „Elgato Stream Deck“ funktionierte auch die Einbindung in meine Automation mAirList via Hotkeys recht gut.

Dennoch: Eine Hobbylösung die eigentlich fürs Live-Streaming gedacht ist war mir, wie vielen anderen Radio-Fanatikern, nicht genug, denn mit einem professionellen Pult ist sie in vielen Aspekten und Möglichkeiten nicht zu vergleichen. Man muss sich im Klaren sein, dass die Konfiguration sämtlicher professioneller Pulte dieser Art auf Techniker zugeschnitten ist und nicht, wie bei "Streaming-Lösungen" auf den Nutzer.

Ich möchte diesen Bericht in zwei Teilen schildern: die Wahl des richtigen Pults und die Konfiguration und Einrichtung meines DHD-Pults.

Wahl des Systems
Die größte Herausforderung besteht meiner Meinung nach darin, eben das richtige System zu finden. Ich habe mir verschiedene Anbieter angesehen, damit man sich darunter etwas vorstellen kann bzw. einen Wiedererkennungswert hat, jeweils mit Beispielbildern beschmückt:

– D&R (günstigere Pulte auch für den Hobbybereich, Mischpult (Core) und Bedienoberfläche sind eine Einheit)
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– Axia von Telos (vergleichsweise günstig, einfache Konfiguration, eingeschränkter Funktionsumfang, meiner Meinung nach schlechte Verarbeitung)
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– Axeltech (natives Dante, alternative Bedienoberfläche, Mischpult (Core) und Bedienoberfläche sind eine Einheit)
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– AEQ (im DACH-Raum weniger verbreitet, wenig für mich zugängliche Dokumentation, oftmals aber faire Angebote)
AEQ-Beispiel.png

– LAWO (sehr viele Konfigurationsmöglichkeiten, hochpreisig, komplexe Software)
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– DHD (meiner Einschätzung nach vor allem bei öffentlich-rechtlichen Sendern, gerade in Österreich, am weitesten verbreitet, weitere Details folgen)
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Verschiedene Kriterien schließen sich hier gegenseitig aus, und der ohnehin schon begrenzte Markt für „leistbare“ Pulte schrumpft weiter. Bevor man ein Pult kauft, sollte man sich Folgendes überlegen:

– Audioschnittstelle: Die meisten Anbieter bieten verschiedene Lösungen an, analog sowie unterschiedliche digitale Protokolle. Aus Platzgründen und wegen der Zuverlässigkeit wollte ich unbedingt etwas Digitales; diesen Aufpreis kann ich jedem empfehlen, auch im Hinblick auf mögliche zukünftige Erweiterungen. Die gängigsten Protokolle (mit Ausnahme von „Livewire“ von Axia) sind AES und Dante. AES läuft über dreipolige Kabel (oft XLR an einem Ende und ein Serien-Multicore-Stecker am anderen), Dante über Netzwerk. Dante wirkt weniger komplex und günstiger, viele gebrauchte Pulte unterstützen es jedoch noch nicht nativ und benötigen eine teure Zusatzkarte. In meinem Fall hätte diese bei DHD knapp 2000 € gekostet, daher fiel die Wahl auf AES (auch dazu später mehr).

– Konfigurationsoberfläche: Verschiedene Hersteller nutzen unterschiedliche Software-Oberflächen zur Erstellung von Konfigurationsdateien, die anschließend auf das Pult geladen werden. Sie unterscheiden sich sowohl im Funktionsumfang als auch in ihrer Philosophie. DHD hat meiner Meinung nach einen guten Kompromiss zwischen Funktionen, Intuitivität und Komplexität gefunden. Die Oberflächen anderer Hersteller kenne ich entweder nicht im Detail oder nur aus Erzählungen von Freunden und Kollegen aus der Technik. Kurz zusammengefasst: D&R ist gut machbar, Axeltech ebenfalls, Axia auch, zu AEQ kann ich nichts Belastbares sagen. DHD ist meiner Meinung nach ebenfalls schaffbar, lediglich der On-Air-Designer der LAWO-Pulte ist sehr komplex und als Privatperson kaum zu bewältigen. (Mit „Privatperson“ meine ich hier jemanden, der technisch versiert ist und ein grundlegendes Verständnis für Audio- und Logikschnittstellen hat.)

– Oberfläche und Konfigurationsmöglichkeiten: Für mich war wichtig, dass Bedienoberfläche und Workflows meines Pults jenen großer Sender ähneln. Daher ist D&R bei diesem Punkt für mich ausgeschieden (ansonsten soll der Hersteller ein fairer Kompromiss sein). Die übrigen Hersteller bieten auf Privatstudio-Niveau viele Möglichkeiten, wobei Axia und Axeltech vergleichsweise eingeschränkt sind. Gerade hier hat für mich DHD gewonnen: Die Möglichkeiten sind umfangreich und die Oberfläche wirkt sehr hochwertig.

– Integration: Ein sehr fallabhängiger Punkt, da es unzählige Kombinationen aus Pult und Automation gibt. mAirList funktioniert mit vielen Herstellern problemlos, und die Plug-and-Play-Integration von DHD hat mich wirklich überrascht.

– Angebote: DHD und LAWO beginnen neu im niedrigen fünfstelligen Bereich, diese beiden Hersteller waren für mich also nur gebraucht leistbar. Beim Gebrauchtkauf sollte man darauf achten, dass alle Hard- und Softwareversionen (Firmware) zusammenpassen – idealerweise waren sie bereits gemeinsam im Einsatz. Außerdem verheimlichen Händler (Erfahrungen von Freunden) manchmal Defekte (besonders auf OLED-Displays und Motorfader schauen, die gehen am ehesten kaputt). Kauft man neu, lassen sich diese Probleme so vermeiden, dafür erhält man Garantie und Support (teils sehr eingeschränkt). Trotz allem habe ich mich für ein gebrauchtes Pult entschieden und offenbar großes Glück gehabt.

Konfiguration des DHD-Pults
Nach langem Hin und Her habe ich bei einem Angebot aus den Niederlanden für ein gebrauchtes DHD 52MX zugeschlagen. Der Transport verlief ohne Schaden. Eine lange, schlaflose Woche später stand das DHD-System bei mir zu Hause. Nachdem die Racks unter dem Tisch montiert waren, habe ich die Bauteile dort eingebaut und das Pult zunächst auf den Tisch gestellt, das macht den Aufbau einfacher und vermeidet im "Ernstfall" noch größere Schäden.

Das Netzteil wird per Schuko an den Strom angeschlossen und dieses wiederum mit dem XC-Core (also dem eigentlichen Mischpult, nicht der Oberfläche) verbunden. Alle Komponenten (Input-/Output-Module, TFT und Bedienoberfläche) werden über Netzwerkkabel mit dem APC (Audio, Power, Control) Peotokoll von DHD verbunden. Der Core wird zur Konfiguration und Kommunikation mit dem Ausspielrechner per Netzwerkprotokoll verbunden.

In meinem Fall (AES-Schnittstelle über ein RME HDSPe) musste ich für die Audio-Verbindung ein eigenes Kabel löten – für mich der zweitschwierigste Schritt, vor allem, weil ich einen Logikfehler gemacht habe und alles noch einmal neu beginnen musste... Die Investition in ein fertiges Kabel, ist ihr Geld definitiv wert. Eine grundlegende Erkenntnis, die viele hier für selbstverständlich halten ;), hat mich kurz verwirrt: AES-Stecker können zwar wie klassische XLR-Stecker aussehen, transportieren aber zwei Kanäle, also ein Stereo-Signal, auf einem Stecker. (Nur so nebenbei)
D-Sub Kabel.pngAES Soundkarte.jpg
Die Konfiguration in der Toolbox (so nennt DHD ihre Konfigurationsoberfläche) ist umfangreich, aber intuitiver als gedacht, und hat bei mir nach dem Trial-and-Error-Prinzip funktioniert. Ich kann mich der Empfehlung eines netten Nutzers im Forum nur anschließen, eine saubere Versionshistorie zu pflegen und nach gescheitertem Versuch wieder zurückzugehen (ich bin mittlerweile bei Version 122). Generell empfiehlt es sich, alle Dateien und Dokumente sorgfältig aufzubewahren und ein Backup zu haben. Für die Grundkonfiguration habe ich ein langes Wochenende gebraucht und danach laufend nachjustiert.

DHD betreibt eine öffentlich zugängliche Dokumentation zu allen neueren Toolbox-Versionen. Dort wird ein einfaches Vorgehen beschrieben, das ich hier mit eigenen Erfahrungen kommentiere:

„Set up the general options for the project“: Hier werden Dateipfade, Schriftarten und Farben für alle virtuellen Oberflächen festgelegt. Diesen Punkt habe ich kaum genutzt.

„Insert a device“: In meinem Fall war das MX bereits hinzugefügt. Laut Erzählungen wird man durch dieses Menü sehr einfach geführt.

„Select the hardware I/O modules“: Auch diese lassen sich recht unkompliziert hinzufügen; die APC-Anschlüsse hat sich das System bei mir selbst zugewiesen.

„Create your console layout“: Sind die Elemente hinzugefügt, können hier zentrale Funktionen für Tasten und Fader angepasst werden. Manche Funktionen gelten global, andere sind faderbezogen, etwa Bus-Funktionen wie PFL. Alles, was in kein anderes Menü passt, hat DHD hier sinnvoll gebündelt.

(– An dieser Stelle würde ich empfehlen, bereits die Verbindung zur Automation herzustellen. Kennt man die IP-Adresse des Cores, kann diese in mAirList (Achtung: Advanced-Plus-Version erforderlich) eingebunden werden. Benötigt wird der Export der Konfiguration (Project → Export → Export AudioIDs LogicIDs, Dateityp „Extended“). Ab diesem Punkt ist die Integration überraschend einfaches Plug-and-Play.)

– „Set up the logic system“: DHD arbeitet mit Logik-Funktionen, die ein- oder ausgeschaltet sein können. Verschiedene Logic-Sources können diese steuern. Der Zustand lässt sich an unterschiedlichen Stellen abgreifen, z.B. über das Netzwerkprotokoll in mAirList oder über GPIOs (General Purpose Inputs/Outputs, das sind elektronische Schaltungen, die analoge Steuersignale ausgeben können. Früher, lange vor meiner Zeit, konnte man damit z.B. CD-Player steuern, sagen manche Legenden ;). In meinem Studio nutze ich ein analoges GPO, um das rote Tally-Licht am Mikrofonarm zu schalten. Ein Beispiel für eine Logiksteuerung: Ein allgemeiner Knopf „Verkehr“ auf dem Pult ist mit einer Logik-Funktion verbunden. Ist diese aktiv, spielt mAirList über einen Befehl (getriggert über eine LogicID) einen Hinzton von der Cartwall ab. (Bitte keine Diskussionen über die Sinnhaftigkeit dieser in Webradios, ist zu Übungszwecken ;).)

– „Connect the audio signals and logic functions with output functions“: Jeder Fader-Kanal und jede Output-Function (also ein Mix mehrerer Kanäle) kann beliebigen Outputs zugewiesen und z.B. über ein Potentiometer (Headphones) gepegelt werden.

Ich hoffe, ich konnte damit bei einer schwierigen Entscheidung helfen und das „DHD-Mysterium“ (für mich scheint es zumindest so) etwas entschlüsseln. Vielen Dank auch für die Unterstützung, die mir viele Forenmitglieder gegeben haben.
 

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Toller Beitrag, Alexander. Ich selbst habe viel Erfahrung mit der AEQ Capitol IP. Die Konsole ist relativ einfach einzurichten, allerdings nur mit einer Windows-Anwendung. Mein Zwillingsbruder hat jetzt eine DHD 52SX, und ich kann ehrlich sagen, dass das einen riesigen Unterschied macht.

Ich hatte selbst ein 52SX, das sich aber leider als technisch defekt herausstellte. Der freundliche Verkäufer nahm es zurück und erstattete mir den Kaufpreis. Es war wohl einfach Pech – er hat schon Dutzende Geräte an namhafte Radiohersteller geliefert, und alle funktionieren einwandfrei.

Deshalb musste ich mir einen anderen DHD suchen. Ich habe Ihren niederländischen Verkäufer zu Hause besucht. Er bot mir ein 52SX mit 8 Fadern an. Leider stellte sich das Mischpult als teilweise defekt heraus, die Fader und Regler waren abgenutzt. Sehr schade.

Ich suche also schon wieder nach einem DHD. Die sind echt schwer zu finden. Aber die Erfahrung mit dem DHD bei meinem Zwillingsbruder war unglaublich positiv. Kein Rauschen, kein Knistern, einfach nur guter Klang. Es gibt unzählige DSPs, die man einstellen kann, auch wenn man dafür etwas Übung braucht. Man hört den Unterschied zwischen DHD und den von dir genannten Marken deutlich. Über D&R will ich nicht weiter reden. Das hat mir nur wegen des USB-Anschlusses und, meiner Meinung nach, wegen des schlechten Klangs Kopfschmerzen bereitet.
 
... mal eine bescheidene Frage;

aus welchem Grund soll es DHD sein, haben nicht andere Hersteller adäquate Produkte?

Mir gefällt einzig die graue Oberfläche, wie Studer sie benutzte und angenehm bei der Arbeit und künstlichem Licht ist, da silberne Oberflächen zu sehr reflektieren, was Grund war bei Neumann matt-schwarze Lackierung anzubieten.

Klanglich dürfte es keine Unterschiede geben, da ja "nur Datensätze" verarbeitet werden, was ist es sonst?

R.
 
Ohne Riccardos persönliche Gründe zu kennen: Neben den Konfigurationsunterschieden und -möglichkeiten sind die Oberflächen und deren Haptik doch immer anders und die finde ich persönlich bei DHD (52er Reihe) am angenehmsten. (Autohersteller bauen auch unterschiedliche Autos in unterschiedlichsten Preisklassen mit gleichem Fahrgestell.. Manche Fanatiker sind trotzdem auf ein spezifisches Modell verschossen.)

Gerade was die Software im Hintergrund angeht ist LAWO, DHD meiner Meinung nach (virutelle Prozesse, Home-Apps) meilenweit voraus. Dennoch finde ich DHD-Pulte (in Selbstfahreranwendungen) angenehmer und intuitiver.
 
Berechtigte Frage. Zunächst zum DHD:

Ich wurde anfangs vor der DHD Toolbox gewarnt. Sie wirkt sehr kompliziert, aber sobald man sich damit vertraut gemacht hat, ist sie gar nicht so schwer. Die Routing- und Einstellungsmöglichkeiten der DSPs sind schier unendlich. Externe (Sprach-)Bearbeitung ist eigentlich überflüssig. Mit den APCs kann man das System beliebig erweitern, bis die Kapazität erschöpft ist. Mit 64 MADI-Kanälen in Kombination mit einer eXbox gehen einem die digitalen Ein- und Ausgänge nie aus.

Sobald es läuft, ist es unglaublich stabil. Den Reglern lassen sich unzählige Funktionen zuweisen. Mit einem TFT-Monitor hat man quasi sein gesamtes Studio auf einem Bildschirm und kann von dort aus schnell Anpassungen vornehmen. Die Möglichkeit, mehrere Snapshots zu laden, ist ebenfalls sehr praktisch. Außerdem ist dies einer der wenigen Mixer, die ich kenne, bei denen man Potentiometer für so viele verschiedene Zwecke nutzen kann. Ich habe beispielsweise die Option entwickelt, dass Sidekick und DJ zwei unterschiedliche Signale empfangen, die sich dann mit einem Potentiometer regeln lassen.

Ich habe das DHD auch vollständig über ECP angeschlossen. Das ist das Programmierprotokoll des DHD. Ich mache alles damit: die ON AIR-Beleuchtung ein- und ausschalten, ein Signal an die Rechenzentrale senden, dass das Signal aus dem Studio jetzt hörbar sein soll, VoiceTracks aufnehmen…

Die Fader des DHD fühlen sich stabil und robust an. Man versteht, warum der Preis so hoch ist. Gibt es auch Nachteile? Die gibt es definitiv. Es hat LEDs, und die gehen irgendwann kaputt. Ich habe auch selbst erlebt, dass sich Fader und Regler abnutzen können. Ich habe schon mehrere DHDs mit diesem Problem gesehen. Mich persönlich ärgert das ziemlich, aber wenn man ein gut erhaltenes gebrauchtes DHD findet, ist es definitiv eine Überlegung wert.

Im Laufe der Jahre habe ich viele verschiedene Mischpulte benutzt. Ich werde meine Erfahrungen schildern, mich aber auf echte Broadcast-Mischpulte beschränken:

- Allen & Heath XB 14: Ein großartiges Mischpult, wenn man USB und analoge Signale kombinieren möchte. Es fühlt sich mit seinen vielen Potentiometern und der fehlenden Softwarekonfiguration etwas analog an. Ich habe es jahrelang gerne benutzt.

- Airlite: Probleme mit dem USB-Anschluss, fehlerhafte Lötstellen und Einstellungen, die nach einem Windows-Update komplett verschwunden waren. Ich habe das Gerät fünfmal zurückgeschickt und dann endgültig aufgegeben.

- Sonifex S0: Komplett analog. Super robust, mit Gummiknöpfen. Es funktioniert einfach immer. Leider hat es viele unsymmetrische Ein- und Ausgänge (Cinch), die man durch Rauschen und Brummen hört.

- Studer Micro: Ein echtes digitales Mischpult für den Rundfunkbereich. Viele DSPs, einfaches Routing, integriertes Dante, eine praktische Weboberfläche und einfache Konfiguration. Leider hat Evertz die Marke Studer übernommen und zeigt kaum Interesse an Broadcast-Mischpulten. Meine LEDs sind mehrmals ausgefallen und praktisch unmöglich zu ersetzen. Deshalb habe ich jahrelang zusätzliche Faderpanels gekauft, um sie auszutauschen. Ich habe sie dann an jemanden verkauft, der das Mischpult nicht rund um die Uhr nutzt, und er ist immer noch sehr zufrieden.

– AEQ Capitol IP: Diese Marke ist in spanischsprachigen Ländern weit verbreitet. Es ist mit Dante erweiterbar. Die Fader und Regler wirken robust. Die Konfiguration erfolgt über eine Windows-Anwendung. Leider gehen die Leuchten unter den Reglern relativ schnell kaputt. Man muss sie bei AEQ zu einem relativ hohen Preis kaufen. Ich hatte Probleme mit dem Support, was man bei einem Mischpult für über 6.000 € nicht erwarten sollte.

Und dann gibt es noch den Axel Tech: Ich habe ihn nur auf der IBC gesehen. Ich höre von Leuten, die einen Oxygen verwenden, dass der Mikrofonvorverstärker und die DSPs unter anderem nicht mit DHD mithalten können. Ich höre auch Geschichten über Software, die nicht richtig funktioniert und fehlende Updates. Ein Radiofreund aus Rumänien schwärmt jedoch davon. Er nennt den Oxygen 1000 „zuverlässig“ und möchte nie etwas anderes. In Rumänien entscheiden sich immer mehr Sender für Axel Tech. Das muss einen guten Grund haben.

Entschuldigt den langen Text. Ich wollte erklären, warum ich DHD für eine gute Marke halte und welche Erfahrungen ich mit ähnlichen Konsolen gemacht habe.
 
Vielen Dank für Deine Ausführungen - Beispiele und Vergleiche, welche man in Printmedien nicht findet!

Das Gummi-Tastaturen nicht lange halten und irgendwann im unpassenstem Moment Probleme machen, dachte ich mir schon und das jemand ein Studio besucht und mittels "Schmierphone" die gesamten Einstellungen vernichten kann, davor habe ich bereits gewarnt.

(Mutti schau mal; ich kann im Flugzeug per App die Landeklappen bedienen...!)


Aber DHD ist hochpreisig und ob jeder alle Möglichkeiten braucht, bezweifele ich, die Teile sollen einfach und zuverlässig die Daten verarbeiten, that's all.

Ein guter Freund (Ton-Ing. & Tonmeister) leistete sich vor 2 Jahren ein Presonus Digitalpult, was erst nach wiederholtem Download lief, aber alle bis dahin eingestellte Presets verwarf und die USA-Mischmethode konfigurierte - ohne das Herrchen zu fragen; 6 Wochen Vorarbeit im Eimer!

Festzustellen, ob das bei Sende oder Selbstfahrerpulten ähnlich laufen kann, möchte ich mir ersparen.

Daher verfolge ich gerne Artikel wie z.B. #36, die Zeit, Geld und Nerven schonen, Danke!

R.
 
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