• Diese Kategorie ist für Diskussionen rund um die Programminhalte der Sender gedacht. Über Frequenzen und Empfang kann sich unter "DX / Radioempfang" ausgetauscht werden.

Die Nachrichten mutieren zur Sesamstraße

"Die Nachrichten!" sind ein wichtiger Teil im Radio: Stündlich, halb-stündlich, viertel-stündlich? - Oder doch ganz ohne, auch ganz ohne Moderation, also 1:1 eine Spotify-Musik-Dauerschleife-Geräuschtapete???
Radioszene berichtet dazu:

Kernaussage der Studie: "Klare und verständliche Struktur wird gewünscht!"

Meine Einschätzung dazu:
DLF hat einen guten Weg gefunden den Bedarf zu decken. Dazu gehört auch Freitag-Abends: "Nachrichten in einfacher Sprache!" - Dank dafür!
NDR-Hörfunk hat dagegen auf NDR2 und N-Joy ein Problem mit seinen verjingelten 3-Minuten-Kurznachrichten ...
NDR 1 Welle NDS 'bemüht' sich um regionale Bericherstattung. Ja, 'bemüht' sich!
Ein Blick rüber zum Fernsehen: Rohrkrepierer wie "Tagesschau in einfacher Spache": Was im Radio bei DLF funktioniert ist bei NDR-Tagesschau einfach nur peinlich.

PS
Der Deeplink zu dem Bericht der "Media Perspektiven" fehlt mir. Kann den jemand posten? - Sonst muss ich hier in meiner örtlichen Bücherei nachlesen.
 
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(...) mit (...) verjingelten 3-Minuten-Kurznachrichten ...
Wir übersehen dabei noch eine andere Entwicklung bzw. Ausprägung: "Nachrichten in 100 Sekunden".

Findet sich bei tagesschau24 regelmäßig, aber auch die hessenschau (Wording: "Du") bietet das im Morgenticker an. Ich nehme an, andere Foristen kennen vergleichbare Angebote.

Sowas lässt sich prima auch in
eine Spotify-Musik-Dauerschleife-Geräuschtapete
einbinden, würde in der Tapete sicher nicht stören.
 
So sehr ich drüber nachdenke, wie man Radionachrichten optimieren könnte - ich lande immer wieder beim Deutschlandfunk. Komisch, oder? Alles andere wirkt auf mich mutwillig, aufgepumpt, wie Reader's Digest und letztlich wie ein Kotau vor dem Format.
"Sagen, was ist". Mehr muss doch nicht. Und was bitte heißt "Haltung"? Mit HF-Nachrichten will ich doch keine Haltung übermitteln.
Reine Information, nach jahrzehntelang bewährten Auswahl- und Reihungskriterien. Fertig.
 
Sehr richtig!

Genau darum muss es gehen. Sachliche und neutrale Information, die von Meinung/Kommentar/Haltung klar und erkennbar getrennt ist.

Leider scheint dies heute offenkundig gar nicht so einfach zu sein. Ja, gute journalistische Sprache muss beherrscht werden.
 
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Also wenn ich überlege, was für mich gute Radionachrichten ausmacht: Angemessene Themenauswahl mit Schwerpunkten auf der Region und Ereignissen von großer Bedeutung, klar und verständlich formuliert, ohne übertreibungen, gendern, floskeln etc., Einspieler nur wenn diese wirklich einen Mehrwert bieten. Wenn Nachrichten einmal stündlich laufen eine Länge von 5 Minuten und nicht zu kurz. Da sollten die öffentlich-Rechtlichen Anstalten sich klar besser positionieren als die Privatsender. Auf Sport kann ich verzichten, das gehört in Spezialsendungen für Leute, die es interessiert.
 
Man kann darüber diskutieren, ob neben den klassischen Nachrichten ein (oder mehrere) Kurz-Info-Formate Sinn machen, etwa eine Schlagzeilen-Präsentation, ein "Was heute wichtig ist"-Überblick, oder dergleichen, wie es ja bei etlichen Sendern schon praktiziert wird. Man sollte aber nicht der Versuchung erliegen, diese Formate dann anstelle von Nachrichten anzubieten, denn sie können die seriösen und handwerklich professionell gemachten Nachrichten (selbst wenn sie nicht länger als drei Minuten sein dürfen, was nebenbei bemerkt auch eine idiotische Selbstbeschränkung ist) nicht ersetzen. Ein Radioprogramm ohne echte Nachrichten ist schlicht kein Radioprogramm mehr.
 
Genau darum muss es gehen. Sachliche und neutrale Information, die von Meinung/Kommentar/Haltung klar und erkennbar getrennt ist.

Leider scheint dies heute offenkundig gar nicht so einfach zu sein. Ja, gute journalistische Sprache muss beherrscht werden.
Eigentlich sind es ja zwei verschiedene Ebenen. Das eine ist die verständliche Sprache, das andere ist die ungefärbte Information und neutral gewichtete Relevanz.
Da mag man dazu neigen, das mit der verständlichen Sprache zu machen und so zu tun als beinhalte es auch den zweiten Punkt.

Bei der "verständlichen Sprache" ist die Frage, was das genau sein soll. Denkt man da an Hörer die sonst intellektuell überfordert wären oder nicht gut Deutsch verstehen? Einfachere Begriffe und kürzere Sätze zu verwenden alleine macht noch keine verständlicheren Nachrichten. Denn was mit Vorliebe gemacht wird, ist Ereignisse die längst jeder bis zur Ermüdung mitbekommen hat nochmal und nochmal und nochmal zu erzählen - während man auf der anderen Seite schwer einzuordnende Information bekommt. Zum Beispiel werden für die meisten wenig bekannte Zusammenhänge nicht erklärt oder es werden Zahlen genannt aber keine Referenz zur Einordnung dazu.
 
@Komischer Name

Die Nachricht zu Deinem Post (in verständlicher Sprache)

Nachrichten im Radio müssen leicht verständlich sein und sollten sich nicht ewig wiederholen. Diese Forderung erhebt der Benutzer Komischer Name bei den Radioforen. Das ist ein Online-Portal, auf dem sich Experten und Laien über die Gegenwart und Zukunft des Radios austauschen. Komischer Name betonte vor allem, dass Informationen, Zahlen und Daten in Radionachrichten für die Hörer in ihrer Bedeutung und Relevanz eingeordnet werden müssten. Das gehe nur in verständlicher Sprache, die keinen Hörer intellektuell überfordere.
 
Ich glaube kaum, dass verschachtelte Sätze und Konjunktiv II und vor allem I als „leicht verständliche Sprache“ durchgehen.
 
Ich glaube kaum, dass verschachtelte Sätze und Konjunktiv II und vor allem I als „leicht verständliche Sprache“ durchgehen.
Stimmt. Wohl besser so:
"Nachrichten im Radio müssen leicht verständlich sein. Das hat der Benutzer Komischer Name bei den Radioforen gefordert. Außerdem sollten sich Nachrichten nicht ewig wiederholen, schrieb er heute in einem Thread. Die Radioforen sind ein Online-Portal. Dort können sich Experten und Laien über Radiothemen austauschen. Informationen müssten in Radionachrichten für die Hörer eingeordnet werden, schrieb Komischer Name weiter. Das geht seiner Ansicht nach nur in verständlicher Sprache, die niemanden überfordert."
Das ist schon mal weniger Konjungtiv, aber trotzdem noch als Meinung erkennbar.
 
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Wieso du nicht von deinem hohen Ross runter kannst zum Beispiel. Ansonsten scheint mir das Verständnisproblem gerade am anderen Ende der Leitung zu sitzen.
 
Vermutlich ist der Konjunktiv gar nicht das Problem. Wir gebrauchen ihn ja auch in der Umgangssprache tagtäglich.

Die wahren Hürden in der Nachrichtensprache, die mit etablierten Kodizes arbeitet und arbeiten muss, sind fehlformulierte Leadsätze, fehlende Thema-Rhema-Anbindungen und auch der oft genutzte Quellennachklapp ("...sagte er gegenüber der FAZ."), der ein Hinterher-Denken des Gehörten erfordert. Da könnte man manchmal heftig nachsteuern.
Ansonsten hat sich die Nachrichtensprache zum Glück doch sehr vereinfacht. Die beliebten "bilateralen Treffen" sind zu "zweiseitigen" Gesprächen geworden. Die Außenminister "kommen" nicht mehr "zusammen", sondern "treffen sich". Und der Nominalstil würde nur noch stauben.

Auch die Hypotaxe nach dem Motto
"Vor dem Hintergrund länderübergreifender Übereinstimmungen, die zu einer Entspannung der - so wörtlich -prekären Lage, die sich bei Nichtbeachtung der im Konsens erzielten Regeln hätte abzeichnen können, führte, wurde die erreichte Einigung nach Angaben von Arbeitsminister Dudelhupf auf einer Tagung im schwäbischen Backnang auch im Namen der Bundesregierung begrüßt"
ist seltener geworden.

Und übrig bleibt nach der Abspeckkur der letzten zwei Jahrzehnte im Idealfall ein bauhaus-klares Satzgerüst, dem man m.E. gut folgen kann, wenn man die Bereitschaft hat, sich ein bisschen zu konzentrieren. Noch mehr von diesem Gerüst abzurücken, würde allerdings, so denke ich, am Fundament der Glaubwürdigkeit rütteln.
 
@Mannis Fan, @Ukulele: Könnten wir eventuell statt über Rosshöhen darüber sprechen, wo Eurer jeweiligen Meinung nach das Problem liegt? Ich verstehe @Mannis Fan so, dass er behauptet, der Konjunktiv sei zwingend notwendig, um eine Aussage eines Dritten in den Nachrichten als eine solche kenntlich zu machen. Dem widerspricht @Ukulele und führt als Gegenbeweis eine Formulierung von @Mannis Fan an, in welcher er eine Aussage nicht im Konjunktiv, sondern als reinen Aussagesatz wiedergegeben hat. So weit richtig? Wenn ja: Was ist jetzt genau der Punkt, an dem Du, @Mannis Fan, annimmst, @Ukulele müsse irgendetwas nicht verstanden haben?
 
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@TORZ.
Ich habe vor allem widersprochen, dass der Konjunktiv ein Beleg für "unverständliche Sprache" sei. Und dasss man ihn braucht und im Nachrichtendeutsch anwendet, ist seit Jahrzehnten unbestritten.

Ich empfehle dazu : Melenk, Hartrmut: Der Konjunktiv in journalistischen Texten, in Praxis Deutsch, Ausgabe 12, 1985.
Auszug aus dem Klappentext: "Denk- und Wuenschbares wird eroertert, eine wichtige Rolle spielt dabei der Konjunktiv II. Demgegenueber werden fremde Meinungen - falls nicht zitiert - in Presseberichten meist durch den Konjunktiv I gekennzeichnet. "

Das schließt einen klaren Aussagesatz jedoch nicht aus, wenn er, wie im obigen Beispiel sofort eingeordnet wird mit einer Formulierung wie: "Diese Forderung ..." Damit ist nämlich klar, dass es sich um eine Forderung und nicht um eine bereits realisierte Praxis handelt. Und das glaube ich, hat der User @Ukulele nicht verstanden, sonst hätte er den Satz ja nicht zur Beweisführung herangezogen.

Und zur Klarstellung: Die "Rosshöhen" habe nicht ich in die Diskussion eingeführt. Wie man in die radioforen hineinschreit, so kommt es eben zurück...
Schönen Abend noch.
 
Ich habe vor allem widersprochen, dass der Konjunktiv ein Beleg für "unverständliche Sprache" sei.
Moment. So, wie ich das lese, hast Du vor allen Dingen geschrieben:
Konjunktiv ist jedoch zwingend, wenn ich aus einer Aussage, die den Charakter von Meinung oder Behauptung hat, eine Nachricht mache. Korrektes Deutsch gehört eben auch zu einer professionellen Nachricht.
Das heißt, Du hast nicht entgegnet (oder jedenfalls Deine Entgegnung nicht so formuliert, dass man es so hätte verstehen müssen), dass der Konjunktiv nicht pauschal ein Beleg für unverständliche Sprache sei - eine Aussage, bei der ich ohne weiteres mitgehen würde - sondern, dass er zwingend notwendig sei und ferner implizit, dass Aussagesätze ohne ihn kein korrektes Deutsch seien. Das ist, jedenfalls nach meinem Dafürhalten, ein kleiner Unterschied. Bei dieser Aussage gehe ich deutlich weniger mit und mit mir wohl auch der User @Ukulele, der sich anschickte, unter Beweis zu stellen, dass man Aussagen durchaus auch als solche kennzeichnen kann, wenn man keinen Konjunktiv verwendet, wie Du zuvor selbst demonstriert hattest. Deiner Aussage jetzt, Konjunktive seien nicht unbedingt ein Zeichen unverständlicher Sprache, würde das ja auch gar nicht widersprechen, der davor, dass sie zwingend nötig seien, dagegen schon.
Und zur Klarstellung: Die "Rosshöhen" habe nicht ich in die Diskussion eingeführt.
Dann stelle ich klar: Das hab ich auch nicht behauptet. Nicht ohne Grund habe ich Euch alle beide angesprochen.
 
Ich habe vor allem widersprochen, dass der Konjunktiv ein Beleg für "unverständliche Sprache" sei.
Also hat damit begonnen, dass Mannis Fan den Benutzer Komischer Name in #187 belehren wollte, wie eine in einfacher Sprache formulierte Nachricht aussieht. Dabei ist er krachend gescheitert, denn nach den ersten beiden Sätzen verstößt er munter gegen alle Richtlinien. Diese besagen unter anderem:
Kein Konjunktiv oder Genitiv:
Diese grammatikalischen Konstruktionen sollten vermieden oder durch einfachere Formulierungen ersetzt werden
Texte in einfacher Sprache richten sich zum Beispiel an Nicht-Muttersprachler oder Menschen mit erheblichen kognitiven Einschränkungen. Die korrekte Bildung und Verwendung des Konjunktivs ist etwas für fortgeschrittene Sprecher. Da es bei einfacher Sprache nicht um Ästhetik geht, sondern um barrierefreie Zugänglichkeit und Inklusion, gelten hier andere Maßstäbe als:
dasss man ihn [Anm.: den Konjunktiv] braucht und im Nachrichtendeutsch anwendet, ist seit Jahrzehnten unbestritten.

Ich empfehle dazu : […]
Ich empfehle dazu die DIN ISO 24495-1

Das schließt einen klaren Aussagesatz jedoch nicht aus, wenn er, wie im obigen Beispiel sofort eingeordnet wird mit einer Formulierung wie: "Diese Forderung ..."
Also geht es doch auch ohne Konjuktiv, obwohl der Benutzer Mannis Fan zwei Sätze vorher noch das Gegenteil behauptet hat. Erstaunlich.

Und das glaube ich, hat der User @Ukulele nicht verstanden, sonst hätte er den Satz ja nicht zur Beweisführung herangezogen.
Diese Überheblichkeit bei gleichzeitiger völliger Ahnungslosigkeit spricht Bände.
 
Texte in einfacher Sprache richten sich zum Beispiel an Nicht-Muttersprachler oder Menschen mit erheblichen kognitiven Einschränkungen. Die korrekte Bildung und Verwendung des Konjunktivs ist etwas für fortgeschrittene Sprecher. Da es bei einfacher Sprache nicht um Ästhetik geht, sondern um barrierefreie Zugänglichkeit und Inklusion, gelten hier andere Maßstäbe
Ähm, moment. Jetzt reden wir aber glaube ich von zwei unterschiedlichen Sachen. Das Eine ist sogenannte einfache oder auch leichte Sprache. Nachrichten nach diesem Muster gibt es hier:
Das Andere sind Nachrichten in leicht verständlicher Sprache. Da geht es aber weniger um Inklusion oder Integration, sondern eher um sowas wie das berühmte "Schreiben fürs Sprechen".
Ein Beispiel: In "einfacher Sprache" müsste die Meldung wohl nochmal anders aussehen, vielleicht so:
"Nachrichten im Radio muss man leicht verstehen können. Sie sollten sich auch nicht immer wiederholen. Das schreibt Komischer Name. Komischer Name ist ein Benutzer auf der Internetseite Radioforen.de. Auf Radioforen.de kann man sich über das Radio unterhalten. Der Benutzer Komischer Name hat bei Radioforen.de vor allen Dingen geschrieben, dass man den Hörern von den Radionachrichten erklären muss, was die Nachrichten für sie bedeuten. Komischer Name schreibt, dass man das nur in einer Sprache machen kann, die alle Hörer verstehen können."
 
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