Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) setzt nach der Stabilisierung seiner Finanzen die umfassendste inhaltliche und strukturelle Erneuerung des Senders seit seiner Gründung um.
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Die rbb-Berichterstattung zur Besetzung neuer Führungspositionen verdient noch eine ergänzende Betrachtung (das
Neue radioeins Medienmagazin ließ das Thema gestern völlig überraschend unbeachtet).
Die offizielle PM unterscheidet sich in einigen Punkten von dem Text, der auf rbb24 (in der Rubrik Panorama (!)) eingestellt wurde.
Ins Auge sticht der Passus:
"Noch eine Besonderheit: Fünf von sieben Positionen werden von Kolleginnen und Kollegen mit ostdeutscher Biografie übernommen."
Ich habe die PM mehrmals gelesen, vorher aber nichts gefunden, was als weitere "Besonderheit" erkennbar wäre. Dass man mal wieder zig neue Planstellen schafft, soll es vermutlich nicht sein?
Aber zum inhaltlichen: Man hält es also im Jahr 2026 für nachzählenswert, wer eine "ostdeutsche Biografie" hat. Erwartbar wird vergessen zu definieren, was darunter verstanden wird.
Nur im rbb24-Text wird ausdrücklich erwähnt, dass Jana Cebulla eine "gebürtige Ost-Berlinerin" sei. In der PM fehlt das. Zur Wiedervereinigung war sie 13 Jahre alt, das genügt dicke, sie mit einer "ostdeutsche Biografie" zu framen. Also haben vier Mitarbeiter das Glück, nicht öffentlich an den Ost-Pranger gestellt zu werden, intern ist die Botschaft aber ganz sicher angekommen.
Den Lesern von rbb24 wird stattdessen das zweite Zitat der Intendantin nur gekürzt geboten. Die Langfassung:
"Unser wichtigster Auftrag ist journalistische Qualität und relevantes Programm, dem müssen alle Strukturen dienen. Ob und wie das geht, wissen unsere Kolleginnen und Kollegen im Haus am besten. Ihr Beitrag wird entscheidend für die weiteren Schritte sein. Ein rbb-weites Projekt dazu ist bereits aufgesetzt, gelingen kann uns der umfassende Umbau nur gemeinsam."
Puhh, bei Holder und Guse neulich im Podcast reagierte Frau Demmer ziemlich eingeschnappt, als Su Holder ihre journalistische Tätigkeit beim SPIEGEL nicht ausreichend hochlobte.
Nun lässt sie sich mit einer solchen Aussage offiziell zitieren. Der "wichtigste Auftrag" sei also "journalistische Qualität und relevantes Programm". Also nicht
sind und nicht
wichtigste Aufträge! Da facepalmen schon mal sicher die Deutschlehrer der Intendantin sowie der rbb-Presse-Mitarbeiter. Was der rbb praktisch unter "journalistischer Qualität" versteht, kann man bspw. gerade daran ablesen, wie über die anstehenden Landratswahlen im Barnim und die Panketal-Bürgermeisterwahl berichtet wurde. Aber es wird ja noch besser: Sie relativiert das gleich wieder mit "ob das geht". Dafür kann sie selbst keine Hand ins Feuer legen, denn "am besten" wüssten das ihre "Kolleginnen und Kollegen im Haus". Und: ein Umbau würde "nur gemeinsam" gelingen. Also:
nur. Nun, wenn man die "Gemeinsamkeit" der letzten Jahre im rbb zu Grunde legt, bedeutet der Satz wohl durch die Blume gesprochen, dass man eine Umsetzung nicht erwarten sollte.