Ich denke auch, dass sich im Wesentlichen nichts verändern wird. Gerade auch im Fernsehbereich. Radio ist immer etwas anderes als Fernsehen. Und ja, er mag einen großen Anteil daran haben, was den Erfolg von radio eins anbetrifft. Aber die Zeiten gehen auch weiter. Ausruhen auf Lorbeeren bringt am Ende auch gar nichts. Irgendwann sind die nächsten Generationen dran und die haben logischerweise andere Herangehensweisen. Was irgendwie auch richtig ist. Nur bis es soweit ist, können sich viel gar nicht entfalten. Und das engt letztlich ein.
Was mir noch auffällt: Bei so ziemlich jeder Personalie, die im RBB ansteht, gibt es medial am Anfang einen Aufschrei. Ob neue Intendantin oder andere Posten. Immer gibt es zunächst und auch in den Gremien Debatten darüber, wer welche Verfehlungen hat. Das bedeutet für mich, in dem Laden gibt es zu jeder Zeit ein Misstrauen untereinander, das ist ja nicht mehr normal. Aufgerufen ist dann aber jeder ein Teamplayer zu sein. Wie soll das bitteschön gehen?
Wenn also von Sekunde eins an schon so viel Energie in Verhinderung gesteckt wird, dann bleibt am Ende gar nicht viel übrig für Kreativität. Und offenbar gab es schon so viele Ereignisse negativer Art, dass das Personal so eingeschüchtert oder verängstigt ist, dass hier ein normaler Umgang gar nicht möglich scheint.
Ich weiß nicht, was Herr Skuppin konkret vorzuwerfen ist beim Thema Mitarbeiterführung. Ich kann mir vieles denken, wenn ich an das Verhalten meiner Vorgesetzten denke (und hier klaffen auch Welten zwischen Anspruch und Wirklichkeit und Vorbildfunktion usw.). Aber irgendwas scheint hier von der Grundstimmung her nicht in Ordnung zu sein. Und das sollte man zu allererst beheben. Sowas ist Chefsache.
Dann wird betont, man will mehr in den Dialog treten. Das klingt immer ganz toll. Nutzt sich letztlich aber auch ziemlich schnell ab und man verfällt in den alten Trott. Das scheint mir mehr eine wohlklingende Worthülle zu sein als ein Konzept.
Kommunikation ist zweifelsohne wichtig, nur sollte man diese zu jeder Zeit wichtig nehmen und nicht nur, wenn es von einer Seite mal kurz als wichtig eingestuft wird.
Außerdem: Der RBB ist klamm. Kommunikationsveranstaltungen und das andere, was genannt wurde, kostet alles Geld. Hier beißt sich n. m. A. die Katze in den Schwanz. Ankündigen kann man viel, aber letztlich entscheidet immer die Kassenlage, was gemacht wird und was nicht. Also auch hier würde ich keine allzu großen Erwartungen haben.
Fernsehen ist eine teuere Angelegenheit. Wenn man sich die Senderlandschaft anschaut, dann bestehen die Dritten ohnehin nur aus Wiederholungen. Ein, zwei Perlen gibt es, aber der Großteil ist Konserve. Hier sollte man vielleicht als RBB mal besser strukturieren. Es gibt bestimmt tolles Archivmaterial, das man auch mithilfe von KI sicherlich toll aufbereiten könnte. (Ah, stimmt: kostet wieder Geld - wird vermutlich nichts.)
Was aus Radio3 werden soll, ist mir auch noch nicht so klar. Und Wenn der neue Programmdirektor nun für das gesamte Programmangebot verantwortlich ist und nicht mehr nur für einen gewissen Programmbereich wie bisher, dann kann er gar nicht alles gleichzeitig reformieren. Das packt er nicht.
Er ist über 60, das scheint mir auch ein Alter zu sein, wo noch jemand bis zur Rente unschöne Sachen durchdrücken kann, ohne natürlich junge Generationen mitzunehmen. Hab ich persönlich noch nie erlebt, dass alt eingesessene Führungskräfte in diesem Alter sich für junge Mitarbeiter interessieren, außer: wenn Sie mal wieder einspringen sollen zu Zeiten und an Tagen, wo andere Gleichaltrige aus familiären Gründen oder so nicht können oder wollen oder krank sind. Ich habe einen Kollegen, er ist 61. Er wäscht sich nach dem Besuch der Toilette nie die Hände, grapscht dann aber wieder Gerätschaften in der Firma an, die andere auch benutzen.
Dezente und freundliche Hinweise auch von anderen Kollegen, dies vielleicht mal abzustellen, ignoriert er. Es wäre superleicht und sogleich umsetzbar, wenn man denn will. Aber er will nicht. Und das zeigt mir, dass manche ab einem bestimmten Alter sich auch gar nichts mehr sagen lassen wollen. Ich will nicht alles über einen Kamm scheren, aber aufgrund meiner Erfahrungen bislang, kenne ich ganz wenige Menschen 55+, mit denen man sozusagen auf Augenhöhe reden und auch sowas ansprechen kann. Die sind schon dermaßen in ihrer eigenen Bahn, dass denen auch vieles egal ist. Außer das eigene Ansehen natürlich, wie toll sie sind und was sie alles machen (aber das ist nur ein großes Ego, nichts dahinter.). Ich frag mich immer, was andere so toll an solchen miesen Charakterzügen finden, dass diese in Führungspositionen kommen. Ne Idee hätte ich: die, die befördern ticken genau so.
Kurzum: ich denke nicht, dass er in der Lage sein wird, das Ruder rumzureißen. Er wird dies und das probieren bis er im sicheren Hafen der Rente angelangt ist und danach kann dann der nächste sich daran versuchen, junge Zielgruppen zu erschließen und Digitalisierung hochzuhalten. Dinge, die eigentlich Standard sein sollten und nicht nur hohle Phrasen. Viel Erfolg wünsch ich trotzdem.