Mensch, die Zufälle. Ich habe vorhin den Nachschlag zu eurer Sendung fertig angeschaut. Der Nachschlag ist vermutlich für alle, die diesen Thread verfolgen, interessant, nein, hochinteressant. Sorry - sogar interessanter als die Sendung.
Also erstmal: das spielte gestern schon auf meinem Laptop nicht aus der Youtube-Webseite heraus, so dass ich es runterladen musste, um es im VLC zu spielen. Es spielt auch heute / jetzt nicht via Youtube-Webseite, während andere Videos spielen.
Nochmal probieren... ahh, ich muss auf 360p runterschalten, dann spielt es.
Ich vermute, es hat
damit zu tun, aber das ist ein anderes Thema.
Philipp, das, was Du über Petra Schwarz erzählt hast, könntest Du recht ähnlich, wenn auch mit anderer Begründung, von meinem Nachbarn (genau in der Wohnung unter mir) hören. Ich wohne - auch so ein Zufall - in Berlin genau über einem DT64-Redakteur (?), der inzwischen Mitte 80 ist. Für ihn ist DT64 mit der Wendezeit zuende, also mit dem Beginn der Wendezeit. Er selbst war soweit ich mich erinnere bereits etwas eher ausgestiegen, nach den genauen Gründen müsste ich fragen.
Das, was dann mit der Wende kam, hat für ihn nichts mehr mit "seinem" DT64 zu tun, in dem es auch Stundensendungen mit Fachleuten aus Naturwissenschaft oder Gesellschaftswissenschaft oder Medizin gab, in dem man teils tagelang rausgefahren ist ins Land, um z.B. eine DDR-weite Mokick-Rallye zu organisieren, zu der die Jugendlichen ewig weit angereist sind (mitm Mopped, wer würde sich dieses Risiko als Einladender heute antun?), oder zu Jugendtanzmusik-Workshops nach Suhl (man sagt übrigens, SUHL wäre auch nur eine Abkürzung für "
sozialistisch-
unterentwickeltes
Hinter
land"). Oder mit nem Koffer voll Gage zu einem DT64-Konzert nach Dresden (wo versteckt man einen solchen Koffer im Hotelzimmer, vor allem, wenns Valuta ist?) für den polnischen Superstar, dessen Name mir schon wieder entfallen ist? Ach, Czesław Niemen hieß er.
Hinzu kam, dass mein Nachbar dann um die Wendezeit etwa 50 war und sich ein Jugendradio halt auch immer mal wieder verjüngte. Selbst ich, der 1990 gerade mal 16 war, reagierte auf die erste "Dancehall" mit Marusha verstört: hat die Platte, die da seit gefühlt 45 Minuten läuft, nen Sprung oder soll das so? Wird das ganze Programm jetzt etwa so? Was soll das?
Befindlichkeiten konnte man auch in der Wendezeit in der Zeitung lesen. In irgendeinem Artikel über DT64 im Jahr 1991 (von Christoph Dieckmann?) stand z.B. als Situationsbeschreibung etwas über den mittäglichen Schichtwechsel: Rainer Kruggel packt seine Utensilien zusammen, der Dancefloor-Typ kommt zur Mittagssendung (vermutlich Marcos Lopez mit "Step On") und die Befindlichkeiten liegen offen auf dem Tisch. "Nicht sein Fall. Kruggel ist Country-Fan." stand glaube ich im Artikel (den ich halt vor ca. 33 Jahren las und der irgendwo in einer Umzugskiste liegen müsste).
Aber versuche nicht, meinen Nachbarn zu interviewen. Er will darüber nicht sprechen. Er wird dann schnell sauer, wenn er Deutungshoheit wittert. Er spricht schlichtweg allen, die DT64 erst ab ca. 1990 kennen, ab, DT64 zu kennen. Und das ist sein gutes Recht, denn es ist ein anderes DT64 gewesen davor.
Frag 10 Leute, was DT64 für sie ist. Für die einen ist es der Start in eine neue Subkultur, die in den frühen 90ern zum brutalen Massen-Hype wurde und paar Jahre später millionenfach den Tiergarten vollurinierte. Für andere sind es Tapes von Punkbands aus der DDR, die Lutz Schramm spielte oder die spannende Musik, die Holger Luckas oder Ronald Galenza mitbrachten. Andere haben mit der "Tendenz" die prägende Kultur ihres Lebens gefunden und für wieder andere sind es die Sendungen über Computertechnik oder die Sendungen mit Maaz (was auch immer man heute von ihm halten muss) oder Sendungen mit Professoren von der Akademie für Gesellschaftswissenschaften. Wieder andere denken traurig an die (für sie!) schöne Zeit des FDJ-Verbandslebens zurück, das von DT64 natürlich auch begleitet wurde. An Sondersendungen aus dem Messegelände Leipzig zur MMM, wo die Technik vom Leipziger Funkhaus für DT64 die Studiotechnik stellen musste. Andere haben heute noch Kassetten, auf denen ganze LP-Seiten drauf sind, bei "Duett" mitgeschnitten. Oder den Depeche-Mode-Titel der Woche. Oder Mobil-Popradio. Und The Ich grüßt Ich-Man und Ichert, Thomas der Große grüßt das Schlechte Gewissen. Oder so.
Einen ganz speziellen Aspekt der späten DT64-Aktivitäten 1991-1993 lernte ich über einen damals in einem DT64-Freundeskreis Aktiven ab 2001 kennen: Einsamkeitsbewältigung für ungeoutete Schwule. Ja, auch das. Da war dann ab 2000/2001 jemand, der mir Informationen über DT64 zuarbeitete, den Kontakt von sich aus gesucht hatte. Er schilderte dann seine Geschichte von 1991/92. Da waren auch manche bei den "Hörertreffen" in der Hoffnung, Menschen kennenzulernen, mit denen sie diesbezüglich ähnliche Wellenlänge haben. Dann wurde mir auch klar, warum jemand 1994 bei einem DT64-Netzwerktreffen, bei dem ich letztlich zum "Stören" hingegangen war (mich machte es massiv ungehalten, dass manche in diesem Umfeld noch 1994 von einem tollen Programm fabulierten, das es letztlich seit 1992, spätstens aber seit 5.11.1993 nicht mehr gab), so superlieb und anhänglich war und gerne Kontaktdaten getauscht hätte (woran ich kein Interesse hatte).
Thema "schräg und wild": ein Blick in die Hitparade "Hit-Globus" zeigt, dass bis Ende 1991 teils grausigster Kommerzpop auf DT64 lief, nix da wilde, durchgehend dekadente Nachwende-Zeit bei DT64. Da liefen Right Said Fred, die Army of Lovers und die Prinzen. Wie unschräg ist das denn? Wobei, die Prinzen waren im Pop-Business auf andere Weise auch schon wieder "schräg".
Anders herum: was die einstige Redaktion bzw. heutige Nachfolge der Redaktion von Klaus Wellershaus aktuell noch am Abend auf
NDR Blue treiben darf, ist mit dem, was dort musikjournalistisch und teils auch gesellschaftspolitisch / kulturpolitisch passiert, den 1991er Abendsendungen von DT64 nicht ganz unähnlich. Mal sehen, wann man das alles einstellen wird, weil knappe Kassen und der der ARD seit langem innewohnende Hang zum
Formatfaschismus (das ist nicht von mir, das geniale Wort hat Wischmeyer erfunden) dabei eine furchtbare und fruchtbare Ehe eingehen können.
Auch zum Video, Thema "Leute auf Abstellgleisen": Sackgassen und frühes Ende hat man nicht nur beim Radio. Man kann z.B. auch als promovierter Physiker im Alter unter 40 Jahren dauerhaft entsorgt werden.
Dank Deines Videos aus der Pizzaria weiß ich nun auch von der Promo-Tour zum Buch nebst Schalte zum
Zündfunk (nebenbei: dem BR-Hörfunk soll gerade durch rundfunkbeitragsfinanzierte Entscheider das
Haus mit der Radioseele unterm Hintern weggezogen und perspektivisch vernichtet werden,
jetzt grätscht offenbar und hoffentlich der Denkmalschutz rein, wie mir gerade gemailt wurde, hoffentlich hilfts noch was und ist nicht so ein Scheinsieg wie der vom 12.12.1991, zu dem ich gleich noch komme).
Der Blick bei 0:13 Richtung Block A mit Turm streift links den langen Technikergang von Block E, durch den das technische Personal der Post, Studiotechnik Rundfunk, von hinten in K5 und K6 gelangte. K6 war der Sendekomplex von DT64.
Als Jörg dann für den Zündfunk die Reportage aus Dresden einspielte, musste ich abbrechen. Sorry, ich habe so fertig mit Ostdeutschland, ich ertrage die Provinz-Regionaldialekte, egal ob den Dresdner oder den aus meiner Heimat oder welchen auch immer, inzwischen nicht mehr. Das triggert nach den Erfahrungen der vergangenen 10 Jahre nur noch Übelkeit bei mir, auch wenn das total unfair gegenüber den anständigen Menschen dort ist ("offen anständig sein" ist dort nicht selbstverständlich, sondern riskant, also gebührt ihnen sogar höchster Respekt dafür). Da ist sehr viel Porzellan kaputtgegangen und wenn ein westdeutscher Radiofreund von mir, der in ganz Deutschland als Servicetechniker für einen Kommunikationsdienstleister unterwegs ist, sagt, dass er froh ist, wenn er nach einem Einsatz in Ostdeutschland wieder "über die Grenze" kommt (er war glaube ich 4, als die Mauer fiel, er kennt die deutsche Teilung in Form einer offiziellen Grenze also nicht bewusst), habe ich aus tiefstem Herzen Verständnis dafür.
Im Übrigen kenne ich einstige DT64-Hörer, die heute bei Hass und Hetze mit dabei sind. Damals DT64 gehört zu haben, war keine Immunisierung gegen sowas. Leider. Ich bin deshalb in den vergangenen Jahren auch mehr und mehr von der DT64-Glorifizierung weg gekommen.
Du musst unbedingt mal zu mir ins Studio kommen und wenn es einfach zur zum gemeinsamen Musikhören ist, die Einladung steht!
Danke, mal schauen, ob und wann das (noch) wird. Ich bin, was Sprechen angeht, inzwischen kaum noch zu sortierter, wohlbedachter Aussage in der Lage. Schreiben geht noch, sinnvoll Sprechen nicht mehr. Musikhören könnte gehen. Gerade noch so.
Swing-Sendung, wie von Jörg angregt, könnten wir machen, aber die Platten müsste ich vorab umzeichnen. Vaters Schellacks schleppe ich nicht durch die Gegend rum, schon gar nicht via RB und ICE in andere Bundesländer. Das wäre dann aber gleich doppelt nicht "Time for Vinyl".
Für war besonders schön etwas ausgebuddelt zu haben, wo er mitgesungen hatte und er sich absolut nicht mehr daran erinnen konnte.
Also ganz ehrlich, daran hätte ich mich auch nicht erinnern wollen...
Singen kann man übrigens auch die Nachrichten. Wobei das am 20.12.1991 nicht das DT64-Team erledigte, sondern Thomas Putensen. Höre Anhang. Der Schlussakkord würde heute einen Shitstorm auslösen, zu Recht. Im tagesbezogenen Opener am Ende ist dann auch Jörg kurz zu hören.
Stichtag heute:
Heute ist Donnerstag, der 12. Dezember. Heute vor 33 Jahren (!) begrüßte Lutz Schramm um 20:03 Uhr die
Parocktikum-Gemeinde soweit ich mich erinnere mit den Worten "Herzlichen willkommen alljenen, die auch Sinn für außergewöhnliche Lösungen haben" (oder so ähnlich). Um 22:03 folgte Marion Brasch mit der
Spätvorstellung, in der sie irgendwann sagte, "ja, es stimmt, ich habe ein wenig getrunken. Aber nur ein kleinwenig" (ebenfalls soweit ich mich erinnere). Ich war damals 17 und habe nichts getrunken, da ich keinen Alkohol trinke. Aber wir klebten im Internat am Radio an diesem Abend in einem Zustand zwischen Wunder und Zweifel und später, gegen Mitternacht, lag tatsächlich einer aus dem Jahrgang unter uns betrunken pennend auf dem Flur.
Rückblickend muss ich aber Lutz Bertram Recht geben:
Anhang anzeigen DT64 - Hitglobus 21_12_1991 - Last Words.mp3
(21.12.1991, er sollte Recht behalten)
Hoffentlich geht es bei der rundfunkrelevanten Entwicklung vom 12.12.2024 in München nicht ähnlich grausig aus.
Die Zündfunk-Sendung habe ich vorhin gezogen, ich hatte das letzte Woche freilich nicht mitbekommen. Liegt als Sat-Original (160 LC-AAC) vor. Wer will, PN an mich.