Eignung und Charakteristika diverser Studiomikrofone

ADR

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Blöderweise hat sich jetzt auch noch ein M 1030 dazugesellt.
Na da bitte ich doch um eine Hörprobe :)

Dass das 1030 "fertig" klingt und sofort passt, hab ich schon oft gehört. Gefell sagt das ja auch. Sie wollten ein Mikro machen, das eigentlich für den amerikanischen Markt sein sollte, da sich die Amis mit der Größe des 930 nicht anfreunden konnten. Obwohl es als Basis ein 930 in großem Gehäuse ist, hat man die Kapsel dennoch etwas geändert und auf die physikalischen Verhältnisse, die sich durch den größeren Korb ergaben angepasst. Allein deshalb muss es schon anders klingen. Zudem wollten sie auch nicht nochmal ein Mikro machen, dass genau wie ein 930 klingt, das gabs jaschon.
 

Pianist_Berlin

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Ja, so sehe ich das auch. Tolles Mikrofon, an dessen Signal man nicht groß herumschrauben muss. Ich klinge da auch etwas weniger "hauchig" als beim M 930.
 

Pianist_Berlin

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Wir reden hier von Sendekomplexen und Schallaufnahmen, wo das SM 69 in allen Sprecherräumen Standard war, siehe hier exemplarisch das Nachrichtenstudio. Anbei die Original-„Dienstanweisung“ zu dessen Bedienung. Ich weiß im Moment leider nicht, ob standardmäßig in XY- oder MS-Technik gefahren wurde, kann mir aber (aus Gründen) vorstellen, daß es XY war. In der Regel stand das Mikrofon sowieso auf Einzelsprecherbetrieb.

Also, für alle Leute mit SM oder USM 69, die schon immer mal wissen wollten, wie es funkioniert:
Wenn es wirklich so war, dass ein einzelner Nachrichtensprecher in MS-Stereo übertragen wurde, dann dürfte es in etwa so geklungen haben:

Anhang anzeigen Nachrichten_MS-Stereo_roh.mp3

Das war jetzt eine (bis auf die MS-Matrizierung) vollkommen unbearbeitete Aufnahme. Ich habe ja eine eher leise Stimme. Bei Sprechern mit kräftigerer Stimme wäre der Signalrauschabstand natürlich besser gewesen, aber ich hätte beim USM 69 im MS-Betrieb schon das Verlangen nach Entrauschung. Etwas EQ würde ich der Aufnahme auch noch geben, und die S-Laute ein wenig entschärfen.

So klingt das dann:

Anhang anzeigen Nachrichten_MS-Stereo_bearb.mp3

Da stellt sich natürlich eine gewisse Räumlichkeit ein, die bei einem größeren Raum sicher noch besser wäre. Vor allem per Kopfhörer klingt das schon irgendwie lebendiger als in Mono. Aber kennt Ihr aktuelle Beispiele, wo sowas in seriösen Audio-Produktionen tatsächlich gemacht wird?

Matthias
 

Südfunk 3

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Aha, sehr interessant. Meinst Du, daß Du auch nochmal eine Vergleichsaufnahme im XY-Betrieb einstellen kannst? (Anleitung hast Du ja. 😁)
 

Pianist_Berlin

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Mache ich gleich, muss mal kurz einkaufen gehen. Aber hier kommt noch die Mono-Version zum Vergleich, falls es hier Leute gibt, die nicht mal eben die Möglichkeit haben, auf mono umzuschalten:

Anhang anzeigen Nachrichten_MS-Stereo_bearb_mono.mp3

Hättest Du für die XY-Aufnahme gerne einen Öffnungswinkel von 90 Grad und ich spreche genau dazwischen? Und möchtest Du beide Systeme auf Niere oder Hyperniere?
 

Südfunk 3

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Hättest Du für die XY-Aufnahme gerne einen Öffnungswinkel von 90 Grad und ich spreche genau dazwischen? Und möchtest Du beide Systeme auf Niere oder Hyperniere?
Nach Punkt 2a der Anleitung: Niere/Niere um ±45° verdreht (also 90° gegeneinander) und die Einsprache mittig. Zum Vergleich wäre noch beide Nieren auf 0° und parallel aufgenommen interessant.

Da fällt mir ein: Früher gab es in den Nachrichten auch hin und wieder sog. „Erläuterungen der Redaktion“, d. h., der Redakteur saß dem Sprecher gegenüber, ohne daß vorher am Mikrofon herumgedreht wurde. Zumindest dort war also standardmäßig nach 2b (Niere/Niere 180° XY) oder 1b (Acht/Acht 270° MS) eingestellt. Und wenn ich noch weiter denke, dann kamen die beiden Sprecher natürlich nicht links/rechts getrennt aus den Lautsprechern, sondern schön aus der Mitte (was in der Anleitung als „Nachteil“ bezeichnet wird), also eher 1b.
 

Südfunk 3

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So, und da wäre noch folgender (gekürzter) Ausschnitt eines Gespräches – die Sprecher saßen sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gegenüber, und ebenso sicher hing ein SM 69 in deren Mitte. Interessant hier ist die Panoramaveränderung, wenn der linke Sprecher sich bewegt. Worauf mag das hindeuten (ich habe an dieser Stelle noch nicht weitergedacht)?

Anhang anzeigen Test MS XY.mp3
 

Pianist_Berlin

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@U87: Also …! Mit kleinem i natürlich. (Echtmaljetzt!)
U 87 war ja schon an Dich vergeben, also musste er sich was anderes ausdenken.

Hier nun die gewünschte XY-Aufnahme in 90 Grad mit zweimal Niere:

Anhang anzeigen Nachrichten_XY-Stereo_90_Grad.mp3

Und zur Prüfung der Monokompatibilität:

Anhang anzeigen Nachrichten_XY-Stereo_90_grad_mono.mp3

Hier wie ebenfalls gewünscht beide Systeme ohne Winkelversatz:

Anhang anzeigen Nachrichten_XY-Stereo_null_grad.mp3

Und in mono:

Anhang anzeigen Nachrichten_XY-Stereo_null_grad_mono.mp3

Zu der historischen Aufnahme: Warum bist Du Dir so sicher, dass die sich gegenüber saßen? Kann es sein, dass die nebeneinander saßen und in XY aufgenommen wurden? Der Moderator saß offenbar so, dass er ganz vom Rand kam. Sein Gesprächspartner wird so gesessen haben, dass seine Haltungsänderung offenbar zu dieser Veränderung im Panorama geführt hat.

Wenn die sich gegenüber saßen, und beide Systeme auf Acht gestellt waren, wäre es ja nicht erklärbar, dass der Moderator so dermaßen vom Rand kommt.

Ist überliefert, wer der Gesprächspartner war? Ich kenne mich beim hr nicht aus, hätte erst mal auf den damaligen Intendanten getippt. Wenn wir davon ausgehen, dass die Aufnahme aus der Zeit des neu aufkommenden Privatfunks war, also zweite Hälfte der 80er Jahre, dann wird das Werner Hess gewesen sein, von dem es ein Interview zu seinem Amtsantritt Anfang der 60er Jahre gibt. Die Stimme kann natürlich zwischenzeitlich stark gealtert sein, aber ich vermute, dass es sich um zwei verschiedene Personen handelt. Aber mit wem sonst würde der hr in den 80ern über sich selbst sprechen?

Matthias
 

Südfunk 3

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Es war der Ex-Programmdirektor Henning Wicht. Und wenn Verres nicht zappelt, kommt er ebenso vom (anderen) Rand.

Ja, warum komme ich auf gegenüber? In erster Linie wegen der baulichen Gegebenheiten der Sprecherräume der Schallaufnahmen (mit rechteckigen Tischen); andererseits, da es sich um ein entspanntes Gespräch von einer dreiviertel Stunde Dauer handelt und ich mir nicht recht vorstellen kann, daß die beiden nebeneinander saßen. Aber Deine Argumente sind natürlich auch nicht zu vernachlässigen. Deshalb frage ich ja.
 
Zuletzt bearbeitet:

Pianist_Berlin

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Was mich auch wundert, ist die Rauschfreiheit der alten Aufnahme. Hat man das vielleicht nachträglich digital entrauscht? So sauber kann das kaum geklungen haben, oder?

Zu meinen Aufnahmen: Ich höre da gewisse Unterschiede, die sind aber äußerst minimal. Funktioniert alles, gibt keine Auslöschungen, und unter dem Strich finde ich fast, dass die doppelte Aufnahme mit null Grad am kräftigsten klingt. Aber ich habe nun mal keine Nachrichtenstimme.

Matthias
 

Südfunk 3

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Was mich auch wundert, ist die Rauschfreiheit der alten Aufnahme.
Aufnahme von 1992 ohne Telcom auf PER 528. Nicht nachbearbeitet.

dass die doppelte Aufnahme mit null Grad am kräftigsten klingt
Ich finde, die XY/90°-Aufnahme hat mehr Gehalt (ich habe hie gerade aber keine amtliche Abhöre). Allerdings wurden zumindest Nachrichten vermutlich (ich bin jetzt vorsichtiger) nie so gesendet, da nie irgendwelche Wanderungen im Panorama feststellbar waren. Und da war da noch der Redakteur …
 
Zuletzt bearbeitet:

Pianist_Berlin

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Wie kriegt man denn so eine rauschfreie Aufnahme hin? Ich meine: Ich habe hier zwei ADT TM 101, die arbeiten extrem sauber und werden den damals verwendeten Rundfunk-Kassetten (ob nun Telefunken V 672 oder Neumann V 476) in nichts nachstehen. Und eine Acht rauscht nun mal etwas mehr.

Das SM bzw. USM 69 ist wirklich ein Wunderwerk der Technik. Ich glaube, sowas gibt es kein zweites Mal. Und es wird seit Jahrzehnten genau so gebaut. Lässt sich auch total gut klanglich bearbeiten. Ich will endlich eine EA 30a -mt haben, diese Rycote-Halterung tut in den Augen weh.

Matthias
 

Pianist_Berlin

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Gerade habe ich von jemandem, der dort gesprochen hat, erfahren, dass das untere System (eigentlich das obere, aber beim Hörfunk hängt ja alles) bei Bedarf um 180 Grad gedreht werden musste. Das bedeutet für mich: gar kein Stereo. Bei 90 Grad wäre es anders gewesen.

Aber was ist nun mit der Aussage, dass das SM 69 dort immer auf einen Stereo-Regler ging? Konnte man den Regler separieren und dann eine Mono-Taste drücken?

Matthias
 

Südfunk 3

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Im Falle der Nachrichten: korrekt. Aber hier wurde nie etwas gedreht, das wäre immer jeweils vergessen worden, und Sprecher hätten auch ihre Flossen vom Mikrophon weglassen müssen. Das Nachrichtenstudio war zwei Gehminuten von der Senderegie entfernt, da ist niemals einer rübergelaufen.

Im Falle der Schallaufnahme habe ich selbst erlebt, wie die Technikerin L. vor der Aufnahme von etwa fünf Personen rund um den (eckigen) Tisch an den Kapseln herumkurbelte.
 

Pianist_Berlin

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Dann wird sie die auf Blumlein gestellt haben. Und einer der beiden Kanäle muss dann über einen 90-Grad-Filter laufen, oder? Und dann hat man eine Richtcharakteristik, die sich tellerförmig um das Mikrofon herumbewegt, oder? Man nimmt damit alle Leute gut auf, hat aber etwas weniger Raum als wenn man einfach eines oder beide Systeme auf Kugel stellen würde, weil dann ja auch noch die Reflexionen vom Tisch mehr hineinspielen würden.

Matthias
 

Pianist_Berlin

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Wie war das damals eigentlich mit dem Speisegerät? Für das SM 69 gab es ja eins, wo der rote und der gelbe Drehschalter drin war, so wie die heute im USM 69 direkt eingebaut sind. Wo wurde dieses Tischgerät denn hingestellt? Das dürfte ja nirgendwo so richtig ins System gepasst haben, so wie heute das Fernsteuer-Speisegerät für 2x TLM 170 R.

Matthias
 
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