Einflüsse durch Studio und Mikrofonierung

Pianist_Berlin

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Wie klingt denn der Raum? Anhand des Fotos würde ich mal sagen: kann nicht dolle sein. Auch wenn da offenbar die Breitband-Absorber aus Geithain verbaut sind. Und warum RE20? Womöglich genau deshalb?

Matthias
 
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Der Raum ist in Ordnung, viel besser als das Studio in Friedrichshain! Es sind auch keine ER20 sondern Beyerdyamic M99. Das Studio wird sonst fast ausschließlich für das Studentenradio Couch FM genutzt. Ich bin total froh, jetzt auch mal eine weitere Möglichkeit zum Ausweichen zu haben. Hier habe ich einen Ausschnitt zum Nachhören für Dich.
 

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Da man rein akustisch kaum etwas Kritisches hinein-hören kann, einmal etwas objektiver mit WAV-Editor visualisiert.
Es sind Klicks drin. Kommt wohl von der MP3 Aufnahme. Dort teilweise DC-Offset nach positiven Ausschlägen über 100%.
Und Atemgeräusch bei Markierung fast 50 %. Hmm. Vielleicht dann doch lieber etwas weiter weg besprechen.
Aber Akustik ist echt knochentrocken.
 

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Für die Puristen mache ich das beim nächsten Mal anders, ich merke es mir. Zu dem Rest sage ich hier nichts.
 
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Um nochmal auf den Mikrofontest zurückzukommen: Ich finde insgesamt jetzt die Aufnahmen - nicht nur die genannte hier - zu höhenlastig.
Liegt wohl daran, dass ich mehr einen "optimodisierten" Klang zugrunde lege. Also knackig, auch bei eventuell störenden Hintergrundgeräuschen (z.B. Pausenzeichen von Radio Moskau), aber nicht lästig. Gerade beim DLF heute morgen wieder "quietschende Stiefelabsätze". (Das die das selber nicht mitkriegen.)
Schickte ich solch ein Audiosignal nativ über einen MW-Modulator, produzierte mir das äußert unschönen Sideband-Splash. Und bei DAB+ gibt es zwar keinen Sidebandsplash, dafür an solchen Stellen auch äußerst unangenehme Audio-Artefakte. (Dabei auch ohne SBR. Sonst wäre das ja noch - technisch gesehen - nachvollziehbar.)
Fazit: Die Ohren sind eben doch individuell anders, als es die Kompressionsalgorithmen pauschal voraussetzen.
Ganz schrecklich finde ich die auf "Originalklang" getrimmten Aufnahmen älterer O-Töne.
Man merkt, dass die Tontechniker höchstwahrscheinlich noch nie "echte" Originalaufnahmen mit den alten Geräten gehört hatten. Es reicht nicht, nur irgendwelche Frequenzbereiche zu filtern, die schallreproduzierenden Gerätschaften hatten allesamt ihre individuellen Ausprägungen.
Apropos: Da gab es einmal eine Sendereihe im WDR, da hatte man tatsächlich Schelllackplatten mit Grammophon abgespielt, mit Mikrofon aufgenommen und "stereo" - per Raumakustik zugemischt - gesendet. Geteiltes Hörerecho. Kann man sich denken.
 
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Und den DC-Offset des Sprechers bemerkt in der Sendeendkontrolle niemand?
Es ist der DLF-Stream. Bzw. der Podcast. Es dürfte sich wohl um das qualitativ beste Signal handeln und um das, mit dem die Sender dann angesteuert werden. Dass bei DAB+ dann eventuell noch etwas an Processing stattfindet, kann man annehmen. Besser wird es aus dem UKW- oder DAB+-Radio nicht herausschallen.
 

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@Wombel, spezifiziere bitte etwas genauer, wo die Asymmetrie der gezeigten Waveform herkommt. War das im Studio eingesprochen, oder ein O-Ton (da die Ausschnitte links und rechts im Screenshot symmetrisch aussehen). Es wird eine alte Aufnahme wohl einfach nur „höhenlastiger“ gefiltert worden sein, ggf. wurde dabei noch Rauschen, das man mit aufgeholt hätte, entfernt.

Generell hat sich das in (West- ?) Europa gepflegte Klangbild Richtung „leicht höhenlastig“ entwickelt. Das mag einerseits daran liegen, dass hochwertige Mikrofone, meist in Kondensatortechnik, dies und die damit einhergehenden Transienten besser abbilden können, andererseits auch damit, dass sich eine leichte, individuelle Erhöhung des Bereichs irgendwo zwischen 3k und 6k positiv auf die Sprachverständlichkeit auswirkt, wenn denn das Mikrofon sauber angesprochen wird und keine „S-Fehler“ oder ähnliches vorliegen. Gerade vor Atmo oder Musikbett setzt sich die Sprache dann besser durch.

Höre mal zum Vergleich bei US-Amerikanischen Wortsendern rein, das könnte Dir eher gefallen. Wenn NPR aus Washington sendet, hörst Du allerdings auch U87, vielleicht etwas anders gefiltert, als in Europa.
Oder teste mal das rbb Inforadio, wenn keine Programmübernahme aus anderen Funkhäusern erfolgt - die besprechen SM7B und verzichten weithin, die Höhen aufzuholen, die dieses Mikrofon qua Wandler eh nicht hergibt.
Meins ist letzteres nicht, ich persönlich mag den schönen Klang fein aufgelöster Höhen guter Kondensatormikrofone. Beispielsweise würde ich behaupten, dass man bei einem Neumann TLM 170, außer ggf. einen Hochpass einzusetzen, nichts mehr machen muss - das könnte man, im guten Raum, mit korrektem Besprechungsabstand, ohne weitere Bearbeitung senden (hätten wir freie Wahl bei der zu übertragenden Dynamik und keine anderen, bereits dynamisch bearbeiteten Programmanteile).
 
Erst einmal vielen Dank für sachliche Reply. OK. Jetz bezogen auf meinen Screenshot, und speziell auf die markierte Fläche des WAV-Oszillogramms. Herkunft des Files: DLF-Seite zum Nachhören. Nehme an, dass das auch die Tonqualität ist, mit der die UKW-DAB+-Sender angesteuert werden. Also der Ton, wie er aus dem Studio herauskommt. "Best quality".
Habe mir die Mühe gemacht, den im Bild markierten Teil hier als Audio-File einzustellen.
Wie der overall DC-Offset da hineinkommt, kann ich mir nicht ohne weiteres erklären. Als Offset möchte ich hier die Summe von Aussschlägen in positiver wie negativer Richtung bezeichnen, die idealerweie Null betragen soll, aber bei Offset, davon abweicht. Hier sieht man doch ganz deutlich, dass die Summe in Richtung positive Ausschläge geht.
Habe einmal gelesen, dass man eine Stimme damit "markiger" machen kann, indem man künstlich einen sog. DC-Offset hinzufügt. Die Nulllinie ist selbstverständlich immer noch bei Null.
Wie die Aufnahme beim DLF entstanden ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber die von früheren Jahren her bekannte bewusst etwas halligere Akustik ist es nicht. Eher noch trockener als knochentrocken. Welches Mikrofon der DLF benutzte, kann ich auch nicht sagen.

Was ich auch oft gemacht hatte, hernach das Audiofile bearbeiten. Dabei die Atemgeräusche mindesten minus 3 dB. Die anlautenden Vokale auch regelmäßig bis zu 6 dB absenken. Klar, "Gate" soll das schon machen. Aber jede Art von Automatismen bringt oft zusätzlich unerwünschte Effekte mit sich. Wenn man wirklich eine "knackige" Sprache haben möchte, bleibt einem ein zeitraubendes, manuelles Nachbearbeiten leider nicht erspart..
Das merkt man dann auch sehr deutlich, gibt man das Audio auf eine Saalbeschallungsanlage mit erheblich höheren Lautstärken. Ist da zu viel an Dynamik drin, steigt der Verstärker schnell aus. Und ist es teilweise zu leise, beschwert sich der Hörer/Zuschauer in der letzten Reihe. Kommt also auch darauf an, auf welche "Abhörsituation" man abzielt. Das führte beim Rundfunk schon früher zur Diskussion Stichwort "Musik zu laut, Sprache zu leise" und "umgekehrt."
Viel Spaß weiterhin.
 

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Hmm, das kommt häufig bei Selbstfahrerstudios vor, dass der Pegel nicht korrekt läuft.

Mit fällt bei den Bildern auf, dass man auf sehr harten Tischplatten spricht.

Vor Jahren sagte man mir, dass man von harten Oberflächen bei den Sprechertischen weg ginge aufgrund der entstehenden "Grenzfläche", die von Einrichtungsgegenständen reflektiert und leicht zeitversetzt zurück kommt.

Im alten hr4-Studio Kassel arbeitete man lange mit einem Holztisch, den man gut mit alten Zeitungen füllte, bis die letzte Resonanzfrequenz eliminiert wurde.

Ein Freund spricht inzwischen über einem Lochblech am Sprecherplatz in seinem mit hinter Holzlamellen versteckten Matrazen, um Resonanzen in seinem schwedischen Holzhaus zu vermeiden und schickte sein TLM 103 in Rente.

(Er liebt übrigens abgöttisch sein altes Sennheiser MKH, welches seine Stimme beim Synchron und Hörbüchern schmeichelt)

R.
 
Wie der overall DC-Offset da hineinkommt, kann ich mir nicht ohne weiteres erklären.
Und den DC-Offset des Sprechers bemerkt in der Sendeendkontrolle niemand?
Lass doch mal spaßenshalber eine DC-Offset-Berechnung drüber laufen. Ich mache das jetzt nicht, ahne aber: die zeigt keinerlei DC-Offset an.

Das sind sehr wahrscheinlich Unsymmetrien in der Wellenform. Treten ganz natürlich auf - auch unabhängig von der Art der Elektronik, durch die das Audio irgendwo zwischen Membran des Mikrofons und Deinen Wave-Editor gelaufen ist. Es sollen solche Unsymmetrien (der Beleg fehlt mir hierfür, ich las das nur irgendwo vor zig Jahren) sogar per Mikrosokop in den Rillen alter rein "mechanisch" erstellter Schellack-Platten oder Lackfolien etc. feststellbar sein.

Diese Uns<mmetrie, die vor allem bei Männerstimmen aufzutreten scheint, limitiert natürlich die Aussteuerung. Deshalb sind findige "wir bekommen alles bis ans Limit laut"-Leute darauf gekommen, sowas mit einem Allpass zu verschmieren, damit es nicht mehr auftritt. Der Phasenrotator macht genau das:


Die entsprechende Funktion ist wohl in allen größeren Rundfunk-Audiobearbeitungs-Kampfmaschinen drin und hat freilich Nebenwirkungen. Also sei besser dankbar, dass man das beim DRadio nicht verwendet.

Richtig böse sieht übrigens natürliche Unsymmetrie in der Sprache in Tateinheit mit UKW-Begrenzung aus. Hier bei BR Klassik zu einer Zeit, als auf der 320er MP2-Sat-Spur noch das UKW.Processing drauf war, weil irgendwelche Füllsenderchen da dran hingen:


Möglicherweise ist die Wellenform der damaligen 448er AC-3-Spur auch nicht korrekt. Keine Ahnung, wie es der VLC macht, aber FFmpeg decodiert AC-3 von Haus aus ohne weitere Parameter an der Kommandozeile mit Dynamikkompression. Man muss Decoding mit voller Dynamik explizit erzwingen, warum auch immer. Das könnte durchaus also noch dynamischer gewesen sein.

Um 2020 hat man diese Zuführung geändert und danach BR Klassik auch auf der 320er MP2-Spur des Hörfunktransponders vom UKW-Processing befreit. Resultat: ich musste in der Kopfstelle meines Heimatnetzes BR Klassik in der UKW.Umsetzung etwas dimmen, weil es mir vor allem bei Sprecherinnen in S-Lauten in den Überhub gelaufen ist => Spuckeffekt.

Herkunft des Files: DLF-Seite zum Nachhören. Nehme an, dass das auch die Tonqualität ist, mit der die UKW-DAB+-Sender angesteuert werden. Also der Ton, wie er aus dem Studio herauskommt. "Best quality".
Vorsicht. Ich habe in Nachhörfiles beim Runterladen magere 128 kBit/s MP3 gefunden, im Player auf der DRadio-Webseite waren es aber 128 kBit/s LC-AAC und das ziwschelte dann nicht. UKW wird meist über 384 kBit/s MPEG 1 Layer II versorgt und kommt aus einem separaten Processing, das den UKW-Transientenlimiter mit Berücksichtigung der Preemphasis berücksichtigt, einen entsprechenden Tiefpass beinhaltet und mehr Kompression hat. Es gibt auch einen IP-Zuführungsweg, der sehr wahrscheinlich aus dem gleichen Processing kommt, aber soweit ich mich erinnere irgendwas mit E-aptX hat.

DAB+ wurde zumindest 2019 über einen Axia Livewire-Node separat abgegeben, ich vermute, dass das 24 Bit PCM 48 kHz war. Der Encoder steht vermutlich bei der MB. Ob das für DAB+ verwendete Audio aus anderem Processing stammt, kann ich spontan gar nicht sagen.

"Best Quality" beim DRadio ist schwierig zu entscheiden für mich, wenn es um offiziell zugängliche Wege handelt.

384 kBit/s MPEG 1 Layer II sind schon fein - aber halt für UKW aufbereitet mit verringerter Dynamik und Transientenlimiter sowie Tiefpass. Der Astra-Transponder ist dazu auch noch nur mit weigen dafür geeigneten Receivern / Empfangskarten zu knacken, Symbolrate 940 kymb/s sind für die meisten Consumergeräte nichtmal zugänglich.

256 kBit/s MPEG 1 Layer II beim ZDF auf Astra sind weniger Bitrate und damit mehr Artefakte, aber ohne das UKW-Processing. Kann man das gegeneinander aufwiegen?

Und dann wäre auch noch der 192er LC-AAC-Stream der D-Radios, der hat die besten Mono-Eigenschaften, da AAC bei Stereo mit Mid-Side-Encoding arbeitet und echtes mono auch bis auf winzigste Artefakte echtes mono bleibt. MPEG 1 Layer II encodiert munter mit Kanalunterschieden, die am Ende in der Kanaldifferenz ein Rascheln / Fauchen zeigen, das hat LC-AAC nicht. Die Streams haben auch nicht das UKW-Processing. Hier sind sie:





Zwischen diesen Streams und dem Sat-Signal beim ZDF müssen sich "Normalsterbliche" wie wir entscheiden. Alles andere dürfte schlechter sein.
 
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Ein Freund spricht inzwischen über einem Lochblech am Sprecherplatz in seinem mit hinter Holzlamellen versteckten Matrazen, um Resonanzen in seinem schwedischen Holzhaus zu vermeiden und schickte sein TLM 103 in Rente.

Ich habe meinen Sprechertisch damals von Easypac auch so bauen lassen, dass in der Mitte Lochblech ist, und darauf dann blauer Schaumstoff. Nahe Reflexionen müssen eben unbedingt vermieden werden.

Matthias

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