Funkhaus historisch: Nalepastraße

Lindi

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Kann mir vielleicht jemand erklären, was man auf diesem Foto genau sieht.

An welcher Stelle wurde es aufgenommen?
Was sind das für Eingänge hinten und rechts?
Was befand sich im Rücken des Fotografen?
Gab es dort einen Taxi-Stand?
Wer sendete aus dem großen Gebäude rechts?
Auf welches Jahr schätzt ihr die Aufnahme?
Hallo Adolar,
rechts ist der Haupteingang mit Pförtnerloge, hinten ist die Feuerwehrzufahrt zu sehen. Normalerweise geschlossen. Im Rücken des Fotografen war ein Teil der Nalepastraße. Auf dem angehängten Bild steckt der Pin etwa an dieser Stelle. Meines Wissens nach gab es dort nie einen Taxistand. Aus dem großen Gebäude, das war der sogenannte Block A, sendeten zuletzt Radio Berlin International und das Deutschlandradio. Allerdings befanden sich die Technikräume hauptsächlich in einem Anbau auf der Rückseite des Gebäudes. Tja, welches Jahr, da kann man nur raten. Bezüglich der schlechten Qualität des Fotos würde ich auf 60er bis 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts tippen. Aber das kann bezüglich des Mercedes-Taxis natürlich nicht sein. Das Foto ist also nach 1990 zu datieren, weil es in der DDR keine Mercedes-Taxis gab.
 

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lg74

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Kann mir vielleicht jemand erklären, was man auf diesem Foto genau sieht.
Das ist der offizielle Haupteingang des Funkhauses Nalepastraße in Oberschöneweide, Nalepastraße / Poggendorffweg.

Das ist hier:


Das StreetView-Bild erklärt Dir vielleicht schon manches.

Was sind das für Eingänge hinten und rechts?
Rechts ist die normale Einfahrt mit Schlagbaum und der Personaleingang - durch die Pförtnerbude durch. Man ging also durch die im StreetView-Bild verschlossene braune Holztür rein, da war ein Gang (sieht man hinter der geöffneten grauen Tür) und ein Fenster. Dort saß der Pförtner. Durch die graue Tür kam der Pförtner offenbar raus, um Autos am Schlagbaum abzufertigen.

Im Hintergrund die Tore kenne ich nur geschlossen.

Was befand sich im Rücken des Fotografen?
Dreh Dich doch mal um:


Das war die Zufahrt, von der Rummelsburger Landstraße kommend. Gesäumt von Gebäuden, die ich einzeln nicht im Detail benennen kann. Minol war dort mit einem Lager (jetzt Reederei Riedel), das Rechenzentrum vom Funkhaus muss da auch gewesen sein.

Und: diese Ausfahrt auf die Rummelsburger Landstraße nutzte man in den späten 1970er Jahren als Drehort für ein fiktives Straßenende mit Abbiegung auf eine Straße (eben die Rummelsburger Landstraße) mit Industrieeisenbahn-Querung. "Der Bulle", die Industriebahn Schöneweide, blockierte hier den Volkspolizisten die Verfolgungsjagd nach den drei aus dem Spreepark entflohenen Figuren aus der Geisterbahn:


Ab 12:20 - völlig anderer Drehort - dann bei 13:46 biegt der Bus von Alt-Stralau aus in den Markgrafendamm (geradeaus sieht man Richtung Oberbaumbrücke, links wäre der Osthafen, den sieht man bei 13:50 mit den Kränen). Bei 15:00 ist ein Schnitt an einen völlig anderen Ort, nämlich an die Ausfahrt vom Funkhaus Nalepastraße links herum auf die Rummelsburger Landstraße. Ganz kurz huscht an der Kreuzung rechts die graue Fahrertür eines LKW W50 mit Posthorn durchs Bild - komischerweise grau und nicht blau (Studiotechnik Post war blau). Dann kreuzte kurz nach Auffahrt auf die Rummelsburger Landstraße eine Werksausfahrt der Industriebahn Schöneweide und die passte dramaturgisch prima in die Kinderserie.

Noch heute sieht man auf StreetView das Gleis in der Ausfahrt liegen. Hier kam das Polizeiauto raus


Hinten siehst Du eines der Gebäude nahe der Funkhaus-Einfahrt - und hier war die Bahnkreuzung


Schienen liegen noch.

Andersrum die Zufahrt zum Funkhaus hier als Anfang des Videos von 1991:

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Vom Ostkreuz kommend bis zum Funkhaus. Bei 1:52 das andreaskreuz der Bahnquerung, bei 2:00 biegt man ab, dann siehst Du Block A mit Turm. Bei 2:20 hat man den Pförtner "überwunden" und ist hinter der Schranke.

Wer sendete aus dem großen Gebäude rechts?
Aus Block A sendeten zuletzt (bezogen auf die DDR) Stimme der DDR und Radio Berlin International.

Am Ende des langen Ziegelbaus sieht (ahnt) man den Turm, dahinter steht ein weiterer Block - das ist Block B mit den Sälen 1 bis 4 und den beiden Hörspielstudios 1 und 2.

Zwischen Block A und Block B gibt es eine Gebäudebrücke:


Es ist eine ganz schlechte Idee, mit einem großen Skoda-Ü-Wagen mit hochgeklappter Klimaanlage da drunter durch fahren zu wollen...

Gab es dort einen Taxi-Stand?

Nicht dass ich wüsste. Aber manche Leute nahmen sich halt ein Taxi dorthin oder wurden von dort mit einem Taxi abgeholt. War auch nach der Wende, als Mercedes-Taxis diesen Teil der Stadt erreichten, noch genug Leute dort beschäftigt mit Abb- oder Aufbau.
 
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lg74

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Und ein Nachtrag:
Eine Reihe hinter Gerhard Steinke sitzt Heinz Kaiser, in Dresden bei der DEFA mit Ton und Subharchord beschäftigt.
Heinz Kaiser, der im DEFA-Trickfilmstudio in Dresden mit dem Subharchord gearbeitet hat, ist vor einigen Monaten auf tragische Weise verstorben.

Den kompletten Film von Ina Pillat zum Subharchord konnte ich gestern abend auf abenteuerlichem Wege sehen. Man merkt ihm an, dass es am Ende nach vielen Jahren Verzögerung wohl eine Art "Notproduktion" geworden ist, es musste dann einfach fertig werden. Ich bin mit manchem nicht glücklich (sprich: es sind paar Unexaktheiten drin), aber es ist ein sehr sehenswertes, wertvolles Zeitdokument, mit viel Aufwand hat Ina Pillat die damaligen Akteure gesucht und besucht - alles unwiederholbar. Im Film finden sich Aufnahmen aus Adlershof (RFZ), aus der Nalepastraße (Block B), aus Norwegen (NRK und ein Museum), aus Polen, und weitere - dazu kurze Abstecher zur BBC, zum WDR usw.
 
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Adolar

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@Lindi @lg74 Vielen Dank für die Erläuterungen. Noch eine Nachfrage: Auf dem Bild sieht man auch eine Person. Wie würdet ihr deren Bewegung deuten? Ist sie aus dem Haupteingang gekommen und geht nun weg? Kommt sie doch aus der Feuerwehreinfahrt? Das wäre für mich der natürliche Laufweg. Wäre sie mit dem Taxi gekommen, hätte man das Taxi doch direkt vor dem Pförtnereingang halten lassen, richtig?

Das Foto soll wohl die Zeit dokumentieren, als Rockradio B aus der Nalepastraße sendete, also 1992/Anfang 1993.
 
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