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Funkhaus historisch: Nalepastraße

Ich kenne noch den schwerfälligen Ablauf aus dem K6 1991 - also nach der "Wende" - wo erst Gelblicht gegeben wurde aus dem Kontrollraum, selbiges per taste im Sprecherraum bestätigt werden musste und erst dann ließ sich das Mikrofon vom K-Raum aus öffnen ...
„Schwerfällig“ oder nicht, das war der übliche Ablauf nicht nur in der Nalepastraße, sondern auch in Adlershof. Verriegelt war da nichts. Den Mikroregler hat der Techniker oder Toningenieur von Hand geöffnet. Diese zweiseitige Lichtsignalisation diente der Sendesicherheit und beugte eventuellen Unaufmerksamkeiten beider Seiten vor, insbesondere dann, wenn es keine Sichtverbindung zwischen Technik und Sprecher gab. Aber den Beteiligten war das von Anfang an in Fleisch und Blut übergegangen. Zu meiner Zeit hatte man die Lichtsignalisation bereits auf Rot- und Weißlicht reduziert. Vor meiner Zeit gab es vier (!) Lichtsignalfarben und dafür auch die entsprechenden Signalgeräte. Ein solches Gerät, der Geber mit vier Kellogschaltern und und vier Fernmeldelämpchen, ist auf dem Foto aus H2 zu sehen. Direkt über der linken Hand der Toningenieurin oberhalb der Reglerwanne steht das Kästchen mit abgeschrägter Front und den vier Schaltern und Lämpchen. – Zu Deiner Frage: Die Mikrofonselbstaufschaltung war in diesem Sinne fast revolutionär. Soweit ich mich erinnere, musste die Einrichtung aber erst vom Techniker freigegeben werden. Dieter Meschkat, von dem weiter oben schon die Rede war, steckte auch in weiteren Innovationen. So kann ich mich auch an eine halbautomatische Sendesteuerung für RBI in K2 in Block A dunkel erinnern. Ob sie nur ein Entwurf war oder tatsächlich sendewirksam eingesetzt wurde, weiß ich allerdings nicht mehr.
 
Gibt mal wieder ein Video vom rbb, in dem das Funkhaus Nalepastraße vorkommt:

HEIMATJOURNALLebensgefühl zwischen Funkhaus und Spree - die Nalepastraße in Berlin


ab 6:12 geht es über die Spree - die Fähre war für viele Rundfunkleute der tägliche Berufsweg. S-Bahn Baumschulenweg, zu Fuß zur Spree, dann rüber zum Wilhelmstrand. Das ist bei mir fast um die Ecke.

bei 7:45 kommt im Hintergrund ein neueres Bürogebäude des Funkhauses mal kurz beinahe in den Fokus

ab 10:55 geht es zum Funkhaus

11:12 - das Umspannwerk, von dem auch das Funkhaus den Strom bekam. Spielte wohl bei der Großhavarie, bei der nichts mehr ging auf den landesweiten Programmen, eine Rolle.

11:17 - links das immer noch als Ruine herumstehende Redaktionsgebäude E-R, das auch im bekannten Video von Deichkind die Hauptrolle spielen muss (freiwillig hats die gewiss nicht gespielt). Dahinter sieht man Block B.

15:30 geht es los mit dem aktuellen Zustand des Funkhauses. Irre, wie man in einen nackten Raum (ich muss mich erkundigen, entweder ist das der Zwischenraum zwischen Saal 1/2 und dem umgebenden Haus ist, ist ja Haus-in-Haus, oder es handelt sich um einen Hallraum) ein "Studio" eingebaut hat.

19:35 - Saal 1 - das akustisch relevante Gestühl ist rausgerissen, dafür sind Beleuchtungstraversen eingezogen worden
 
Erst jetzt gesehen:
So kann ich mich auch an eine halbautomatische Sendesteuerung für RBI in K2 in Block A dunkel erinnern. Ob sie nur ein Entwurf war oder tatsächlich sendewirksam eingesetzt wurde, weiß ich allerdings nicht mehr.
In der zweiten Hälfte der 80er Jahre wurde eine weitgehend automatisierte Steuerung für das Ausspielen von RBI entwickelt und kam dann auch zum Einsatz. Dabei steuerten Computer weitgehend den Ablauf (bei dem ja letztlich Bänder zur richtigen Zeit auf der richtigen Maschine liegen mussten), dazu gab es soweit ich mich erinnere noch Kassettenspeicher für wiederkehrende Elemente (Nationalhymne etc.).

2 Menschen haben da den kompletten Ausspielbetrieb von RBI betreut. Das bekannte Video von Peter Reichelt über das Funkhaus zur Wendezeit zeigt auch diesen Ausspielkomplex wenige Tage, bevor diese Nationalhymne nicht mehr zum Einsatz kommen konnte (und die DW als Übernehmender von RBI alles hat stillegen lassen).

Literatur dazu:

Hoeg, W., Scholz, K.-P., Steinke, E., Tümpfel, L.
APA-RBI S2000: Ein mikrorechner- gesteuertes teilautomatisiertes Programmabwicklungssystem für Radio Berlin International.
Techn. Mitt. RFZ 30(1986)1, S. 1-11

"Scholz, K.-P." ist der Herr Scholz, der dann maßgeblich an Salzbrenner Stagetec beteiligt war. Muss mal schauen, ob ich das Heft finde.



17:30 - der Ausspielkomplex befand sich in Block A und war extra eingehaust im Korridor, Zugang mit Magnetkarte.

18:10 - man achte auf die Integration der Pegelanzeige in die Softwaresteuerung!

18:38 - es läuft offenbar ein französisches Programm

18:40 - der Doppel-Raum mit der Falttür dazwischen und den vielen Bandmaschinen

Bei der Deutschen Welle im Asbesthochhaus zu Köln sendete man noch bis 2003 aus Einzelstudios unter Betreuung durch je mindestens eine Person die Bänder (oder dann Files via Dalet) mit den Auslandsprogrammen. Sowas automatisches wie in der Nalepastraße kannten die dort nicht.
 
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Habe ich mir gerade angesehen, schöner Film. Etwas arg mutig fand ich den Copter-Flug am Anfang, der knapp über die Freileitungen verlief. Hätte ich persönlich nicht gemacht.

An dieser Stelle muss ich mal zugeben: ich hatte nie die Gelegenheit, auch nur einen einzigen Fuß in diesen Gebäudekomplex zu setzen. Interessant ist es natürlich trotzdem. Dort hat man eben einen extrem hohen Aufwand getrieben, alles für die beste Akustik. Natürlich politisch motiviert, aber immerhin steht das Ding heute noch und wird ja offenbar auch genutzt. Keine Ahnung, warum man das nicht von Anfang an in etwas geordnetere Bahnen gelenkt hat, über eine Stiftung zum Beispiel.

Matthias
 
Die Freileitung ist inzwischen weg. Soweit reicht der Einfluss des Funkhausbesitzers - soweit mir bekannt, war ihm die Leitung optisch im Wege. Das muss man erstmal hinbekommen.

Der Saal zu Beginn (0:04) ist "nur" der interne Kultursaal, der war nicht für Aufnahmen oder zum Senden gedacht.

Bei 0:18 sieht man vor dem langgezogenen hohen Ziegelbau einen zweietagigen Vorbau und Verbindungen (man sieht deren Dächer) zum langgezogenen Ziegelbau. Diese Dächer gehen schräg und hinterlassen kleine Innenhöfe. Unter den Dächern befinden sich Räume der einzelnen - heute und auf westlicher Seite würde man sagen "Sendekomplexe". Man sieht dort direkt an den Dächern die Grundrisse der Kontrollräume. Im zweigeschossigen Vorbau verläuft der "Technikergang", das technische Personal ist von hinten rein in die Kontrollräume.

0:21 - Saal 2, der zweitgrößte Saal in Block B.

0:25 - "erbaut im Jahr 1951" ist falsch. Da begann man mit dem Bau auf diesem Gelände, beginnend mit dem Um- und Ausbau des langgezogenen Gebäudes, das einst eine Furnierfabrik war. War alles top secret, bis der Straßenbahnschaffner am Blockdammweg ausrief "und hier aussteigen zum Funkhaus". Man brauchte, nachdem man in der Masurenallee ausgehungert worden war, dringend Sendestudios und Redaktionsflächen.

Saal 1 und Saal 2 waren da noch gar nicht erkennbar. Block B mit dem großen "Klotz" (Saal 1 und 2) und dem gebogenen Gang nebst Sälen 3 und 4 und dem "Klotz" an der Spreeseite (Hörspielstudios) wurde erst später begonnen. Und Saal 1 / 2 brannten 1955 wenige Wochen vor Inbetriebnahme vollständig aus und wurden innerhalb eines Jahres vom nackten Beton aus wieder aufgebaut, derweil Säle 3 und 4 und die beiden Hörspielstudios auch im gleichen Jahr fertiggestellt werden mussten. Das alles lief unter massivem Zeitdruck.

0:25 - Saal 4

0:46 - Elisabeth Heller im "Hörnchengang", der Verbindung zwischen Saal 1/2, den Sälen 3 und 4 sowie den Hörspielkomplexen 1 und 2.

1:08 - das ist Elisabeth Heller im Sprecherraum 1 im K6 in Block E-T. K6 ist deshalb eindeutig, weil auf dem Tisch zwichen ihren Zetteln und dem Tastenfeld für die Kommando-Anlage dieser verranzte Blechdeckel ist. Darunter befinden sich 4 Stereo-Flachbahnsteller, gleiche Sorte wie draußen in der Regie auf dem Pult. Unten außerhalb des Bildes gibt es noch eine schmale Version davon mit einem Stereo-Flachbahnsteller, der auf 2 getrennte Kanäle konfiguriert war (einfach zwei Einzel-Griffkappen statt einer "Stereo-Brückenkappe"). Sieht man hier schön auf dem Foto von Lutz Schramm (Bildautor Boris Claudi):

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Diese "Moderatorenregie", also eine Art technikerassistierter Selbstfahrbetrieb, existierte ausschließlich im Sprecherraum 1 im K6 und geht soweit mir bekannt auf eine Idee von Matthias Hopke zurück.

Nun war Elisabeth Heller Musikredakteurin bei Radio DDR 1 und nicht Moderatorin bei DT64. Aber man kannte sich halt und es gab private Verflechtungen, wie so oft innerhalb einer "Firma". Wer sie da am Moderationsplatz ablichtete, verrate ich jetzt nicht.

1:20 - völliger Blödsinn. Westmusik zu hören war überhaupt nicht verboten, der genannte Bruce Springsteen ist ja sogar in Ostberlin aufgetreten und schon zum "Sonderstudio Deutschlandtreffen" hatte man die Beatles aufgetrieben (als Tonträger freilich).

2:15 - "und den größten Akustikern jener Zeit"

Die Grundrisse, Volumina etc. der 4 Säle und der Hörspielstudios wurden April 1951 auf einer Klausurtagung in Hollerbusch festgelegt, da war Lothar Keibs dabei, der das Handwerk im Breslauer Funkhaus gelernt hatte, da war auch der Projektant von Papen dabei.

1952 stieß die Raumakustikerin Gisela Herzog zum Team und fand die Rohbauten vor. Lothar Keibs hatte dabei ganze Arbeit geleistet: die Volumnia der Säle passten zu den Aufgabenstellungen, die Grundrisse waren perfekt. Von da aus konnte Gisela Herzog mit der Innenauskleidung weiterarbeiten.

Gisela Herzog - im Messwagen.jpg
(Gisela Herzog im Messwagen des RFZ, Messung von Nachhallzeiten in einzelnen Frequenzbändern)

2:17 - wieder Saal 2

2:24 - Blick in einen der Hörspielkomplexe, ich bin mir immer nicht sicher in welchen, könnte H2 sein.

2:26 - das wiederum ist der zentrale Raum im großen Hörspielkomplex 1.

2:27 - das ist Saal 3, der kleinste Saal.

4:13 - "und das verkraftet keiner so richtig." Wie wahr, Frau Heller. 1991 war auch mein "bestes Jahr" - und ich war damals Schüler, 17 Jahre alt. 1992, mit der Vernichtung vin DT64, erkrankte ich psychisch und saß danach 11 Jahre meines Lebens "im Loch", also in psychischer Dunkelheit. Ich sehe eine deutliche Beteiligung des Geschehens um den Rundfunk (der ja Spiegel der Gesellschaft war und ist) an diesem Zustand. Und bin seit 1992 Fremder im eigenen Land und wurde es über die Jahre immer mehr.

4:43 - Blick auf Block E. Vorn der Flachbau E-T mit den um 1965 fertiggestellten 8 Sendekomplexen ("Kontrollräume") und dem Schaltraum, dahinter der Redaktionsbau E-R.

4:46 - Saal 1, der legendäre große Saal. Hier bereits seines akustisch relevanten Gestühls beraubt, aber noch ohne die neu eingezogenen Beleuchtungstraversen.

4:50 - "...doch der Musiker Niels Frahm haucht ihnen neues Leben ein." Jaja... einfach mal paar Seiten zurückblättern hier und schauen, wieviel Leben - sogar mit Produktionen für ARD und DRadio bis ca. 2016 dort abging. P3 und P4 waren fest gemietet, Jean-Boris Szymczak, Philipp Dusse und andere arbeiteten dort und machten letztlich das, was immer dort gemacht wurde und wofür diese Räume einst geschaffen wurden. Im Hörspiel 2 arbeiteten Peter Kainz und Andreas Meinetsberger ebenfalls für ARD und DRadio. Das ist alles beseitigt worden, damit dort jetzt gehipstert werden kann. Darüber müsste man mal eine Doku machen.

4:56 - "im von ihm renovierten Studio 3..." Oh ja. Ich hab letztens die Waschbetonplatte meines Balkons in Berlin geschrubbt, weils eh grad drauf geregnet hat. Darf ich jetzt auch behaupten, "das von mir renovierte Berlin"?

5:03 - für öffentliche Aufführungen war das Haus nie konzipiert und daran wird es auch zugrunde gehen. Inzwischen kommt aber wohl kaum noch jemand, zumindest erzählen das die "Alten", die dort auch nicht mehr hingehen, weil sie die fortschreitende Zerstörung, den Abriss akustisch relevanter Einbauten etc. nicht mehr mit ansehen wollen. Aber der Film stammt ja auch schon von 2019.

Wenn ich mal am gegenüberliegenden Spreeufer vorbeigehe, höre ich hin und wieder stumpfe Beats wie aus einem der verranzten Clubs und sehe Leute, die dort offenbar feiernd abhängen. Ein trauriges Ende für diesen Studiokomplex, der für mich zur "kulturellen Substanz" der DDR gehört - und die durfte ja angeblich laut Art. 35 Abs. 2 Einigungsvertrag "keinen Schaden nehmen". Gesetze gelten halt nur für die, die kein Geld und keine Macht haben. Und u.a. dafür verachte ich dieses verkommene Land zutiefst.

Keine Ahnung, warum man das nicht von Anfang an in etwas geordnetere Bahnen gelenkt hat, über eine Stiftung zum Beispiel.
Für mich ganz klar: weil es die neuen politischen Machthaber, die neuen Landesfürsten - und auch die neuen ARD-Anstalten im Osten los werden wollten. Weil man sich mit einer Beseitigung letztlich auch denen, die heute daran sind, "vollende die Wende" zu machen, anbiedern wollte. Es sind nämlich - so sie noch leben - die gleichen.
 
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Sieht so aus, als wäre bis Ende 2024 alles ausgebucht. Das ist somit heftiger, als nen Termin für eine Darmspiegelung zu bekommen (oder so).

Es gab Zeiten, da kam man auch außerhalb solcher Veranstaltungen rein, musste dann aber halt damit rechnen, dass zahlreiche Räume verschlossen waren. Ich weiß freilich auch nicht, was auf diesem weitläufigen Gelände zu den offiziellen Führungen überhaupt mit Sicherheit geöffnet ist.

Du kannst einen Eindruck von so einer Führung in dieser recht aktuellen rbb-"Homestory" aus der Nalepastraße bekommen:


15:28 geht es mit dem Funkhaus los. Man präsentiert da heute offenbar auch einst funktionslose Zwischenräume im "Autobahnbrückenpfeiler, innen"-Charme als Bestandteil des Funkhauses. Wenn sie meinen, ...

Für Dich wäre eigentlich eher eine individuelle Führung sinnvoll, mit Fokus auf Raumakustik und nicht auf "boah, ey!".
 
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Heute im Deutschlandfunk:
22:05 Uhr
Spielweisen

Vom Mythos Nalepastraße: 100 Jahre Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Am Mikrofon: Julia Kaiser
Was wäre ein Rundfunkklangkörper ohne Legenden und Mythen. Zu diesen gehört im Falle des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin (RSB) der besondere Standort Nalepastraße an der Spree. Eine ursprüngliche Sperrholzfabrik im Berliner Südosten war Anfang der 1950er-Jahre für den Rundfunk der DDR zu einem der damals modernsten Medienstandorte umgebaut worden. 1956 zog das RSB ein, residierte und probte fast 40 Jahre lang. Live gespielte Konzerte wurden von dort ausgestrahlt – darunter Uraufführungen „junger Wilder“ der DDR-Avantgarde oder politisch gewagtere Werke wie Schostakowitschs 13. Symphonie. Ein zum 100-jährigen Jubiläum angedachtes Sommer-Event in dieser ehemaligen Wirkungsstätte musste das Orchester kurzfristig absagen – doch Musikerinnen und Musiker erinnern sich: an Kollegen von einst, an besondere Produktionen, an die hervorragende Klangqualität des Gebäudes, die Archivaufnahmen belegen.
 
Ein zum 100-jährigen Jubiläum angedachtes Sommer-Event in dieser ehemaligen Wirkungsstätte musste das Orchester kurzfristig absagen
Und warum?

Im Rahmen der Veranstaltungen zum 100. Orchesterjubiläum hatte das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin an seinem ehemaligen Standort, dem in Oberschöneweide gelegenen Funkhaus, vom 14. bis 16. Juni 2024 ein Festival geplant.

Leider ist es bis heute nicht gelungen, mit dem Eigentümer des Gebäudes eine unterschriftsreife Vereinbarung über dessen Nutzung zu erzielen. Eine erfolgreiche Durchführung des Festivals ist daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht sicherstellt. Deshalb muss das Festival zu unserem größten Bedauern abgesagt werden.



Ich wüsste auch gar nicht, wie man mit dem rausgerissenen Gestühl in Saal 1...
 
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Ich habe gerade sehr interessiert diesem Gespräch zwischen Matthias Tahlheim und Barbara Plensat
gelauscht. Sie war von 1957 bis 2019 (?) für das Radio / Hörspiel tätig. Um das Funkhaus in der Nalepastraße und dem Funkhaus in Grünau geht es hier auch.
Mehr über Barbara Plensat kann man hier lesen:
 
Hallo zusammen,
ich lese hier bereits seit geraumer Zeit interessiert mit.
Ich beschäftige mich unter anderem mit älterer Tonbandstudiotechnik, besitze selber mehrere Thurow oder Tontechnik Berlin ( T2221, T2211, T222) , Mechlabor (STM210 und STM610) , Sander und Janzen (103a und 103b, T103 aus Leipzig) sowie diverse Maschinen aus dem ehemaligen NSW....
Aktiver bin ich bisher im Tonbandforum, denke aber daß meine folgende Frage hier besser adressiert ist.
Hat jemand Informationen zu den folgenden Regielautsprechern?
Die Bilder sind aus dem Film über die Auflösung des DDR2 Studios im Hygienemuseum Dresden entnommen.
Screenshot_20250126-113343.jpgScreenshot_20250126-113418.jpg
Über Informationen zu den großen Regieabhören würde ich mich freuen.

Gruß Jan
 
Hallo Jan,

diese Kisten waren bis zuletzt im Einsatz, auch in der Nalepastraße. Allerdings nicht mehr zu Zwecken, bei denen eine Qualitätsbeurteilung notwendig wäre. Sie standen als mono-Abhörlautsprecher in den Sprecherräumen (ja Abhören war da nur über die Kopfhörer ordentlich und in Stereo möglich), wie hier am 31.12.1991 Mitternacht im K6 bei DT64 (gleich zu Beginn, mit Bierflasche drauf):


Draußen in der Regie war hinten ein Heli K12 Studio mit Verstärker-Rucksack installiert, soweit ich mich erinnere für Kdo-Zwecke:


Film über die Auflösung des DDR2 Studios im Hygienemuseum Dresden
Welcher Film? Öffentlich? Ich besitze einen solchen Film, aus dem Fundus eines Rundfunkveteranen. Ich kann mich aber nicht mehr erinnern, dass der öffentlich zugänglich wäre. Habe ich den selbst mal irgendwo...? Das würde beweisen, dass ich alt werde.

Edit: ahh, von hier


Ja, das ist ein längerer Film, unterlegt mit Blasmusik (!), der auch technisches Personal von damals zeigt und den ich natürlich hier nicht vollständig reinstellen konnte.
 
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Hallo lg74,

erst einmal Danke für die zahlreichen Informationen.
Im Tonbandforum hat mich Rainer aufgeschlaut, daß die oben abgebildeten aktiven Studio-Abhöranlagen VS1-32 mit den Schulz KSP 215K bestückt waren.
Laut Internet wurden diese Lautsprecher auch in den sogenannten K20-Kugelboxen von Heli eingebaut.
Dort dürften sie aber nur begrenzt den unteren Schallbereich wiedergegeben haben.
Das KSP 215K scheint ein sehr gutes Chassis zu sein, für den tieferfrequenten Anteil wurde das Volumen in der VS1-32 vergrössert und offensichtlich mit Bassreflex gearbeitet.
 
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Ich habe von diesen Chassis und diesen Lautsprechern keinerlei Ahnung. Nur ein Paar K12 Studio (die passive Variante) befand sich im Wohnzimmer meiner Eltern. Aus der Ferne kann ich nichtmal sagen, ob da KSP 130 oder L2301 verbaut sind, ich vermute aus der optischen Erinnerung heraus, dass es letztere sind.

Ich hatte nach Ablösung der Eigenbau-Stereoanlage meines Vaters durch ein japanisches Industrieprodukt eigentlich beabsichtigt, die K12 zu belassen, war mir aber nicht bewusst, dass die Eigenbauanlage eine massive Loudness-Funktion hatte, die den elendig pappig-dünnen Charakter der K12 kompensierte - die Japan-Anlage hatte das aber nicht. Ich musste damm doch neue Lautsprecher für meine Eltern kaufen, das ging so gar nicht. Die K12 sind mitsamt der nicht mehr spielfähigen Eigenbauanlage aber geschützt eingelagert. Wegwerfen bringe ich nicht übers Herz, das müssen dann die machen, die mein Elternhaus einst mal ausräumen werden müssen.
 
Hallo Leute,
ab und zu macht Matthias Thalheim Führungen im Funkhaus der Nalepastraße. Bis 2020 war er der Chef für das künstlerische Wort beim MDR und hat mir viel von der Welt des DDR Hörspiels erzählt.
Wenn ihr ihn mal in der Nalepastraße sehr, dann kennt ihr seinen Hintergrund jetzt besser.
 
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Genial, danke!

Matthias Thalheim folgte bei den Führungen durch die Nalepastraße Wolfhard Besser nach, der bis weit ins Rentenalter hinein dort Gruppen über das Gelände geführt hat und auch mit Heimatforschung (u.a. zum Funkhaus Grünau) aktiv war. Wolfhard Besser kommt aus der Redaktion Aktuelle Politik von Radio DDR, Matthias Thalheim kommt halt vom Hörspiel. Hat übrigens seine Diplomarbeit über Kunstkopfstereophonie im Hörspiel geschrieben.

Gibt ein Buch dazu:


Keine Ahnung, wie weit das mit seiner Diplomarbeit deckungsgleich ist, das Buch steht bei meinem Patenonkel (Toningenieur im Hörspiel) zu Hause, ich habe bislang nicht die Zeit gefunden, reinzuschauen. Matthias Thalheim und mein Patenonkel kennen sich intensiv von der Arbeit.

Zwischen den inzwischen weitgehend vor die Tür gesetzten Funkhaus-Mietern (Studio P4 von Jean Szymczak, H2 von Peter Kainz und Andreas Meinetsberger) und Matthias Thalheim gab es auch Verbindungen - man produzierte teils ja weiterhin in Block B Nalepastraße auch für MDR Kultur (Hörspiel, Feature). Damit wurde Matthias Thalheim letztlich zum Auftraggeber bzw. zum Vertreter der Auftraggeber für Arbeiten, die noch in der Nalepastraße entstehen konnten. Leider ist das alles Geschichte.

Jetzt bei den Führungen im Funkhaus sind Elisabeth Heller und Matthias Thalheim Kollegen. Ich würde mal so sagen: damit bleibt die Deutungshoheit über dieses und jenes rund um diese "Einrichtung" erstmal weiterhin in guten, fachkundigen, authentischen Händen. Ein reiner Techniker fehlt noch in der Runde. Ich würde sogar jemanden kennen (aus dem Schaltraum), den ich da gerne dabei wüsste. Aber er hat auch mit der eigenen Familie zu tun, viele eigene neue Interessen und weitgehend abgeschlossen mit dieser Zeit.

Irgendwann wird es keine ZeitzeugInnen mehr geben, die dort führen können. Dann wirds finster.

Hier Matthias Thalheim mit Laterne im Saal 1, dazu ein Text, den er schrieb, nachdem er mit der Frau telefonierte, von der ich gerade mit dem Fahrrad nach Hause gekommen hin: Raumakustikerin Gisela Herzog:


@Philclock : Du wolltest mal mehr übers DDR-Hörspiel erfahren. Einen Zeitzeugen hast Du nun im Gespräch gehabt. Er hatte wiederum eine andere wichtige Zeitzeugin im Gespräch:

 
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[Als Amazon-Partner verdient radioforen.de an qualifizierten Verkäufen.]
Vor ein paar Wochen habe ich an einer Führung von Frau Heller teilgenommen. Darf ich davon ausgehen, dass Fotos aus den Räumlichkeiten hier hinreichend bekannt sind, oder soll ich mal welche zusammenstellen?

Matthias
 
@OnkelOtto: Bitteschön, direkt von der Webseite des Eigentümers (davon gehe ich zumindest aus, ich finde kein Impressum):


Das Gestühl ist aber wohl raus (was andere Raumcharakteristik durch Wegfall von Bedämpfung bringt, kennt man ja von zu Hause, wenn wegen Renovierung das Wohnzimmer ausgeräumt ist).

Hier mit nicht dorthin gehörenden, dem anderen Nutzungskonzept ("Bespaßungsbetrieb" statt Produktionsbetrieb) geschuldeten Lichttaversen:


So sehr ich die alten Sachen (bis "Violator") von Depeche Mode mochte und mag, das hir mochte ich gar nicht. Gehört sich nicht an diesem Ort. Das ist ein Aufnahmesaal, keine Partylocation:


Und hier vor nun auch schon wieder vielen Jahren, näher am Original, unter dem vorherigen Eigentümer als Panorama, drehbar in alle Richtungen:


Mehr vom Funkhaus bei den Panoramen:


Ansonsten, auch aus längst vergangenen Zeiten und hier bereits mehrfach verlinkt:



Die Orgel war eine tragische Geschichte. Ihr fehlte, soweit mir aus Berichten bekannt, von Anfang an Strahlkraft und Durchsetzungsfähigkeit, sie kam gegen ein Orchester nicht an. Ungelöste Probleme mit der Klimaanlage brachten laut Gisela Herzog Schrumpfungsrisse in den Luftkanälen der Klimaanlage und damit Luftverlust, was es nicht besser machte. Man hätte dann wohl ein zweites Gebläse rangehängt, mit bescheidenem Erfolg. Die orgel ist somit wohl schon seit den 1960er Jahren ein schweigendes Inventar.


@Pianist_Berlin: natürlich interessieren aktuelle Fotos sehr, auch wenn ich befürchte, dass sich mir wegen diesem und jenem der Magen umdrehen könnte.
 
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