Die Freileitung ist inzwischen weg. Soweit reicht der Einfluss des Funkhausbesitzers - soweit mir bekannt, war ihm die Leitung optisch im Wege. Das muss man erstmal hinbekommen.
Der Saal zu Beginn (0:04) ist "nur" der interne Kultursaal, der war nicht für Aufnahmen oder zum Senden gedacht.
Bei 0:18 sieht man vor dem langgezogenen hohen Ziegelbau einen zweietagigen Vorbau und Verbindungen (man sieht deren Dächer) zum langgezogenen Ziegelbau. Diese Dächer gehen schräg und hinterlassen kleine Innenhöfe. Unter den Dächern befinden sich Räume der einzelnen - heute und auf westlicher Seite würde man sagen "Sendekomplexe". Man sieht dort direkt an den Dächern die Grundrisse der Kontrollräume. Im zweigeschossigen Vorbau verläuft der "Technikergang", das technische Personal ist von hinten rein in die Kontrollräume.
0:21 - Saal 2, der zweitgrößte Saal in Block B.
0:25 - "erbaut im Jahr 1951" ist falsch. Da begann man mit dem Bau auf diesem Gelände, beginnend mit dem Um- und Ausbau des langgezogenen Gebäudes, das einst eine Furnierfabrik war. War alles top secret, bis der Straßenbahnschaffner am Blockdammweg ausrief "und hier aussteigen zum Funkhaus". Man brauchte, nachdem man in der Masurenallee ausgehungert worden war, dringend Sendestudios und Redaktionsflächen.
Saal 1 und Saal 2 waren da noch gar nicht erkennbar. Block B mit dem großen "Klotz" (Saal 1 und 2) und dem gebogenen Gang nebst Sälen 3 und 4 und dem "Klotz" an der Spreeseite (Hörspielstudios) wurde erst später begonnen. Und Saal 1 / 2 brannten 1955 wenige Wochen vor Inbetriebnahme vollständig aus und wurden innerhalb eines Jahres vom nackten Beton aus wieder aufgebaut, derweil Säle 3 und 4 und die beiden Hörspielstudios auch im gleichen Jahr fertiggestellt werden mussten. Das alles lief unter massivem Zeitdruck.
0:25 - Saal 4
0:46 -
Elisabeth Heller im "Hörnchengang", der Verbindung zwischen Saal 1/2, den Sälen 3 und 4 sowie den Hörspielkomplexen 1 und 2.
1:08 - das ist Elisabeth Heller im Sprecherraum 1 im K6 in Block E-T. K6 ist deshalb eindeutig, weil auf dem Tisch zwichen ihren Zetteln und dem Tastenfeld für die Kommando-Anlage dieser verranzte Blechdeckel ist. Darunter befinden sich 4 Stereo-Flachbahnsteller, gleiche Sorte wie draußen in der Regie auf dem Pult. Unten außerhalb des Bildes gibt es noch eine schmale Version davon mit einem Stereo-Flachbahnsteller, der auf 2 getrennte Kanäle konfiguriert war (einfach zwei Einzel-Griffkappen statt einer "Stereo-Brückenkappe"). Sieht man hier schön auf dem Foto von Lutz Schramm (Bildautor Boris Claudi):
Diese "Moderatorenregie", also eine Art technikerassistierter Selbstfahrbetrieb, existierte ausschließlich im Sprecherraum 1 im K6 und geht soweit mir bekannt auf eine Idee von
Matthias Hopke zurück.
Nun war Elisabeth Heller Musikredakteurin bei Radio DDR 1 und nicht Moderatorin bei DT64. Aber man kannte sich halt und es gab private Verflechtungen, wie so oft innerhalb einer "Firma". Wer sie da am Moderationsplatz ablichtete, verrate ich jetzt nicht.
1:20 - völliger Blödsinn. Westmusik zu hören war überhaupt nicht verboten, der genannte Bruce Springsteen ist ja sogar in Ostberlin aufgetreten und schon zum "Sonderstudio Deutschlandtreffen" hatte man die Beatles aufgetrieben (als Tonträger freilich).
2:15 - "und den größten Akustikern jener Zeit"
Die Grundrisse, Volumina etc. der 4 Säle und der Hörspielstudios wurden April 1951 auf einer Klausurtagung in Hollerbusch festgelegt, da war Lothar Keibs dabei, der das Handwerk im Breslauer Funkhaus gelernt hatte, da war auch der Projektant von Papen dabei.
1952 stieß die Raumakustikerin Gisela Herzog zum Team und fand die Rohbauten vor. Lothar Keibs hatte dabei ganze Arbeit geleistet: die Volumnia der Säle passten zu den Aufgabenstellungen, die Grundrisse waren perfekt. Von da aus konnte Gisela Herzog mit der Innenauskleidung weiterarbeiten.

(Gisela Herzog im Messwagen des RFZ, Messung von Nachhallzeiten in einzelnen Frequenzbändern)
2:17 - wieder Saal 2
2:24 - Blick in einen der Hörspielkomplexe, ich bin mir immer nicht sicher in welchen, könnte H2 sein.
2:26 - das wiederum ist der zentrale Raum im großen Hörspielkomplex 1.
2:27 - das ist Saal 3, der kleinste Saal.
4:13 - "und das verkraftet keiner so richtig." Wie wahr, Frau Heller. 1991 war auch mein "bestes Jahr" - und ich war damals Schüler, 17 Jahre alt. 1992, mit der Vernichtung vin DT64, erkrankte ich psychisch und saß danach 11 Jahre meines Lebens "im Loch", also in psychischer Dunkelheit. Ich sehe eine deutliche Beteiligung des Geschehens um den Rundfunk (der ja Spiegel der Gesellschaft war und ist) an diesem Zustand. Und bin seit 1992 Fremder im eigenen Land und wurde es über die Jahre immer mehr.
4:43 - Blick auf Block E. Vorn der Flachbau E-T mit den um 1965 fertiggestellten 8 Sendekomplexen ("Kontrollräume") und dem Schaltraum, dahinter der
Redaktionsbau E-R.
4:46 - Saal 1, der legendäre große Saal. Hier bereits seines akustisch relevanten Gestühls beraubt, aber noch ohne die neu eingezogenen Beleuchtungstraversen.
4:50 - "...doch der Musiker Niels Frahm haucht ihnen neues Leben ein." Jaja... einfach mal paar Seiten zurückblättern hier und schauen, wieviel Leben - sogar mit Produktionen für ARD und DRadio bis ca. 2016 dort abging. P3 und P4 waren fest gemietet, Jean-Boris Szymczak, Philipp Dusse und andere arbeiteten dort und machten letztlich das, was immer dort gemacht wurde und wofür diese Räume einst geschaffen wurden. Im Hörspiel 2 arbeiteten Peter Kainz und Andreas Meinetsberger ebenfalls für ARD und DRadio. Das ist alles beseitigt worden, damit dort jetzt gehipstert werden kann. Darüber müsste man mal eine Doku machen.
4:56 - "im von ihm renovierten Studio 3..." Oh ja. Ich hab letztens die Waschbetonplatte meines Balkons in Berlin geschrubbt, weils eh grad drauf geregnet hat. Darf ich jetzt auch behaupten, "das von mir renovierte Berlin"?
5:03 - für öffentliche Aufführungen war das Haus nie konzipiert und daran wird es auch zugrunde gehen. Inzwischen kommt aber wohl kaum noch jemand, zumindest erzählen das die "Alten", die dort auch nicht mehr hingehen, weil sie die fortschreitende Zerstörung, den Abriss akustisch relevanter Einbauten etc. nicht mehr mit ansehen wollen. Aber der Film stammt ja auch schon von 2019.
Wenn ich mal am gegenüberliegenden Spreeufer vorbeigehe, höre ich hin und wieder stumpfe Beats wie aus einem der verranzten Clubs und sehe Leute, die dort offenbar feiernd abhängen. Ein trauriges Ende für diesen Studiokomplex, der für mich zur "kulturellen Substanz" der DDR gehört - und die durfte ja angeblich laut
Art. 35 Abs. 2 Einigungsvertrag "keinen Schaden nehmen". Gesetze gelten halt nur für die, die kein Geld und keine Macht haben. Und u.a. dafür verachte ich dieses verkommene Land zutiefst.
Keine Ahnung, warum man das nicht von Anfang an in etwas geordnetere Bahnen gelenkt hat, über eine Stiftung zum Beispiel.
Für mich ganz klar: weil es die neuen politischen Machthaber, die neuen Landesfürsten - und auch die neuen ARD-Anstalten im Osten los werden wollten. Weil man sich mit einer Beseitigung letztlich auch denen, die heute daran sind, "vollende die Wende" zu machen, anbiedern wollte. Es sind nämlich - so sie noch leben - die gleichen.