Gerhard Steinke verstorben

lg74

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Wohin mit dieser Meldung? Ich packe sie mal in den Studiotechnik-Bereich, denn in dem war Gerhard Steinke jahrzehntelang aktiv.

Vor wenigen Tagen hat mich die Raumakustikerin, die für den Block B (und nicht nur den Block B) im Funkhaus Berlin-Oberschöneweide verantwortlich war, angerufen. Die nun 99-jährige Dame musste mir mitteilen, dass ihr Kollege und Co-Autor des gemeinsamen Buches "Der Raum ist das Kleid der Musik", Gerhard Steinke, im Alter von 97 Jahren verstorben ist.

2 Tage später erhielt ich die gleiche Nachricht von meinem 92-jährigen Patenonkel, der einst in Steinkes Abteilung im RFZ gearbeitet hat.

Ich wollte damit nicht öffentlich gehen, bevor es etwas offizielles von Steinkes Familie gibt. Nun ist aber bereits ein Nachruf auf Elisabeth Hellers Webseite erschienen, geschrieben von Elisabeth Heller und Matthias Thalheim, der im Bereich "künstlerisches Wort" (so will ich es mal nennen) im Rundfunk der DDR auch in der Nalepastraße aktiv war, später dann das Kulturprogramm von Sachsenradio mit aufbaute und viele Jahre in leitender Position bei MDR Kultur / MDR Figaro war:


Also: _der_ Gerhard Steinke, der legendäre, bis ins hohe Alter überaus brillante und mitreißende Ingenieur, Erfinder, Multiplikator, "Grenzprobleme" angehende Tonmensch, lebt nicht mehr.

Hier ein Video eines in rasantem Tempo abgehaltenen Vortrags aus dem Jahre 2023 - da war er 95 Jahre alt.


Hier ein Portrait aus dem Jahre 2018:


ein Interview von 2017, als Gerhard Steinke in großer Runde im Funkhaus seinen 90. Geburtstag feierte:


und eine kurze Biographie:

 
Tja, so geht die Zeit.

Heute (!) wäre Gerhard Steinke 98 Jahre alt geworden - und mein Vater 91, aber das gehört hier nicht hin, auch wenn mein Vater ebenfalls "Bastler" war, in seinen jungen Jahren auch mit Ton- und Rundfunktechnik, es aber nicht so weit brachte wie Gerhard Steinke, dafür mir durch frühe berufliche Kontakte mit Klaus Bechstein einen Patenonkel "verschaffte", der später erst nach Mittweida zum Studium und danach nach Berlin zum Rundfunk ging, für Steinkes Laboratorium arbeitete und am Subharchord entwickelte, mit dem Subharchord produzierte und Künstlern beim Komponieren / Spielen daran als Toningenieur assistierte.

Das sind so hochbetagte Menschen da in Berlin, die Raumakustikerin des RFZ, Gisela Herzog, ist 99 und 1/4 Jahr alt (ich bin gestern gegen 23 Uhr bei ihr zur Wohnungstür raus, drinnen ist wie immer fast jede horizontale Fläche dick mit Papier belegt, im Wohnzimmer liegen Aktenordner und lose abgelegte technische Ausarbeitungen der 1950er bis 1980er Jahre in kleinen Päckchen auf dem Boden), auch andere sind über 90, so auch Klaus Bechstein (bei dem ich gestern gegen 12:30 Uhr zur Wohnungstür raus bin, als der Pflegedienst rein ist) und weitere noch lebende Veteranen der Rundfunktechnik.

Kürzlich hatte ich die Chance, den Film von Ina Pillat über das Subharchord erstmals in voller Länge zu sehen (nein, ich kann ihn nicht weitergeben, ich konnte ihn nur mal sehen). Darin auch der damals ca. 90-jährige Gerhard Steinke mit einer Geithain-5.1-Abhöre im Wohnzimmer mit offener Küche, sogar "Ehefrau-tauglich" im Design, ich vermute, das waren Sonderlackierungen, MEG-Chef Joachim Kiesler gehört ja auch zum "inneren Kern" der ostdeutschen Studiotechniklegenden.

Die Preview ist ja bekannt:


Wenn man bestimmte Szenen aus dem kompletten Film sieht, merkt man, wie die Einschläge näher kommen. Gerhard Steinke verstorben, Heinz Kaiser (DEFA-Trickfilmstudio Dresden) verstorben, Georg Geike (hauchte in der jüngeren Vergangenheit mehreren Subharchords wieder Leben ein) verstorben, Wolfgang Lau verstorben, Frederik Rzewski (US-amerikanischer Komponist, produzierte unterstützt durch Klaus Bechstein in Adlershof mit dem Subharchord das Stück "Zoologischer Garten") verstorben.

Bandkarton-Etikett Rzewski - Zoologischer Garten.jpg

Und der wichtige Drehort für diesen Film, Hörspiel H2 im Block B Nalepastraße, schon vor Jahren vernichtet (= besenrein ausgeräumt) ...


Zufallsfund gerade eben: eine Wiederholung einer Sendung über das Subharchord von 2017, also dem Jahr des 90. Geburtstages Gerhard Steinkes.


(das Audio kann man als 128 kBit/s LC-AAC "hintenrum" rausziehen, immerhin - dazu den Link in die Medienwiedergabeliste Strg-N des VLC kopieren, "Konvertieren" verwenden, das Profil "Video - H.264 + MP3 (MP4)" auswählen und als MP4-Datei abspeichern)
 
Ja, der Film ist wie ein Phantom. X-mal angekündigt, dann doch wieder nicht fertiggestellt. Am 11.11.2022 ist er in Berlin im Planetarium gezeigt worden, da war ich nicht in der Stadt. In der NRK ist er auch gelaufen, leider ist mein NRK-Kontakt nicht mehr greifbar. Hier sind noch weitere Termine und Orte - allerdings alle in der Vergangenheit.


Es ist schade, dass der Film nach all den Jahren an Forschung und Dreharbeiten so wenig Öffentlichkeit erfährt. Man muss nach Terminen suchen und wird einfach nicht fündig. Das müsste mal auf arte gezeigt werden.

Mir gelang es nun nach Jahren, den Film im Umfeld der darin Vorkommenden sehen zu dürfen.
 
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