Hörtipp: 60 Jahre Rundfunk in Hessen

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Erstmal Gratulation zu euren beiden Berichten, macht Spaß zu lesen und ist sehr informativ!

Ich kenne diese vielen Senderschemen nicht, aber warum schaute man beim HR jahrelang zu, dass in den 80ern und 90ern SWF3 DER Pop-Sender in Deutschland war, aber man selbst nicht annähernd ran kam? Beides sind nach wie vor ARD-Sender, also unter einem großen Dach. Woher kommen diese massiven qualitativen Unterschiede? Haben die jeweiligen Programmdirektoren das alleinige Sagen ohne Druck von oben (ARD)?
 
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Rundfunk ist Ländersache.... und wie weit SWF3 damals vorauspreschte oder der hr3 nicht darauf reagierte, da hat die ARD als "Obergeschoss" keinerlei Einfluss. Siehe die vielen Alleingänge der Bayern (Ausblenden aus TV-Programmen...).
Nein, die Entscheidung wird (wenn...) auf Intendanten- oder Programmleitungs-Ebene gefällt und dann weiter "nach unten durchgegeben". Hängt aber von der jeweiligen ARD-Anstalt ab, inwieweit dann die untere Ebene das auch richtig umsetzt.... ist kompliziert. Aber einen Beschluss auf ARD-Ebene, daß hr3 beispielsweise ab morgen sich auf SWR3 "einschiesst", wird es nie geben. Eher das Gegenteil....
 

Hannsfan

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Onkel und Victoria,

Glückwunsch zu Eurer erfrischend sachlichen Auseinandersetzung. So bringen mich die Radioforen weiter.

Onkel, die Zeiten, in denen ein golfspielender Hierarch (sowas hattemer schon, als Golf noch kein Volkssport war) allen Ernstes postulierte, Verkehrsmeldungen dürften wegen ihres Nachrichtencharakters nur und ausschließlich von Nachrichtensprechern verlesen werden, und in denen mindestens die Hälfte der Musik als klingende Löschliste über den Äther ging, habe ich auch noch in schwacher Erinnerung. Die Hupgeräusche des Liebenden Löffelvoll auch. (Es hat lange gedauert, bis jemand herausgefunden hat, daß die Hörsituation "Ich sitze im Auto und bin auf hr3 angewiesen" unter 20 Prozent der Radio-Hörzeit ausmacht.)

Und daß der HR zur Gänze dem SWF hinterherhechelte, besonders aber die beiden Dreier-Wellen, hat mich, den Hessen, auch immer geschmerzt. Aber ich war auch mit Verres der Meinung: SWF 3 haben wir schon, wir brauchen was Eigenes wie Frau Hoppenstedt.

Und hätte denn das sympathisierende (und berechtigte) Schlußwort vom nicht stromlinienförmigen und plattformatierten hr3 seine Ursache im tiefen Denken der Verantwortlichen, dann wäre ja noch Hoffnung.

Allerdings ist genau das Gegenteil der Fall: Die Ursache ist Hilflosigkeit.

Das von Victoria beklagte mangelhafte Bedienen der Musik-Format-Software liegt nicht etwa daran, daß sie der verantwortliche Musikchef nicht bedienen kann. Oh nein: Ihm wird immer wieder von oben reingepfuscht. Und zwar von Leuten, die (siehe mein vorheriges Posting) Pop- und Rockmusik als lästiges Übel und hr3 insgesamt eher als störend in ihrem Wellenbouquet empfinden. DAS führt letzendlich zum Rumeiern: Macht einer aus der Mitte der Hierarchie mal was richtig, steht garantiert kurz darauf einer auf der Matte, der "mehr davon versteht". Weil er eine Stufe höher residiert. Nur deswegen.

Nein, Victoria, Formatradio ist nicht per se etwas Schlechtes. Ich stimme Dir zu. Aber Formatradio kann nur funktionieren, wenn es permanent justiert wird von Leuten, die den Hörer lieben, sich in seine Bedürfnisse hineindenken können und schon mal vor Begeisterung über ein schönes Musikwerk mit dem Arsch gewackelt oder auch eine Träne vergossen haben.

Siehste, und genau das Gegenteil wird vom Format bei den Öfis begünstigt: Man kann sich so schön zurücklehnen und dem Computer die Schuld geben. Oder den Beratern. Oder dem Vorgesetzten. Man freut sich nicht mehr darüber, daß man Programm machen darf, man reißt nur noch seinen Tag runter. Bringt ja eh nix.

Ausnahmen bestätigen die Regel, sind aber nur noch bis zu ihrem Aussterben geduldet.:mad:
 

Dudelmoser

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Danke Viktoria und Otto für die bemerkenswerte Darstellung.

@Otto:

Als damaliger hr3 - Hörer hatte ich allerdings den Eindruck, dass die Programmreform 1981 ein großer Wurf war. Eine super Prime-time. Die Mittagsdisco, das jugendlichere Nachmittagsprogramm, die Abendschiene mit hr3 - on the rocks und die guten Abendsendungen inkl. Hitparade International.

Und dazwischen hatten die "Journalisten" ihre Spielwiese. Viele Sendungen wurden doch musikalisch vom moderator zusammengestellt und die Reinkes, Hechts und Koschwitzs haben selten B-Seiten, Instrumentals und anderes gespielt. Die 24-stündige durchhörbarkeit eines Programms war damals noch kein Thema. Hätte es sie damals schon gegeben, hätten sich die genannten Moderatoren auch nicht so austoben und Highlights liefern können. Mittelmaß wäre angesagt gewesen.

Wie gelungen die Reform war, zeigt m.E. auch die Konstanz des Sendeschemas. Kleinere Updates hier und da und dann lief das fast ein Jahrzehnt!!

Negativ bemerkenswert fand ich eher spätere Reformen (ich glaub ab ´88). Dann: Weggang Reinke, Reduzieren der Mittagsdisco, Verbannen der Musikmoderatoren auf die Abendschiene ab 17 Uhr. Bei der Maxisendung wurden die Intros von Maxis vollgequatscht und und und.

Mein Eindruck: von da an ging es m.E. bergab. Gleichgemacht, durchmagaziniert. Von der Themenauswahl ganz zu schweigen. Und das schleppt hr3 bis heute mit sich rum. Das Profil aus 1981 ist - bis auf kleine Ausnahmen - in den Jahren ab 1990 verlorengegangen.
 
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@ hannsfan : Zitat : Aber Formatradio kann nur funktionieren, wenn es permanent justiert wird von Leuten, die den Hörer lieben, sich in seine Bedürfnisse hineindenken können und schon mal vor Begeisterung über ein schönes Musikwerk mit dem Arsch gewackelt oder auch eine Träne vergossen haben.
Wir sind uns VÖLLIG EINIG. Ich habe nie etwas anderes behauptet, denn exakt dies ist meine Philosophie und mein Handwerk, wenn ich ein -wie auch immer geartetes- Format "einrichte". Oder nochmal einrichten sollte. Und gerade der hr hätte dabei einen Riesenstandortvorteil durch sein ungeheures Archiv...
Die Musikuhr muß definiert werden - auch nach Tagesstunde (variierende Anteile) und die dann gefunden Unterkategorien (recurrents, Oldies) müssen in regelmässigen Abständen ausgetauscht / nachgeladen werden - nicht 200 currents die nächsten drei Jahre auf und ab nudeln. Und ich, nehme ich mal für mich in Anspruch, ich LIEBE Musik und wippe schon mal mit und favorisiere den einen oder anderen Titel. Deeswegen habe ich in meiner Zeit auch immer gleichzeitig Programme gefahren, um den Draht zu "draussen" nicht zu verlieren. Und mir alles, was auf den Tisch kam, angehört und bewertet, um den Titel richtig zu kategorisieren.

Erstaunt hat mich Deine Aussage, daß da jemand den Musikredaktionsverantwortlichen "reinpfuscht" und hr3 gar als "lästiges Übel" empfunden wird. Ich kann mich an ein mehrere sehr interessante Gespräche im Hause der hr (schon eine Weile her) erinnern, als ich mit einem Programmverantwortlichen über Reformen und eine "Formatierung" sprach - das Resummeé war niederschlagend : Nicht durchsetzbar, die Widerstände und (angesessenen) Machtbefugnisse zu groß. (Namen wurden nicht genannt).
WAS KANN MAN AUS hr3 MACHEN ??? Wenn es wirklich jemand "weiter oben" gibt, der hr3 als lästiges Übel ansieht und treiben lässt, dann - stand up and fight for your rights ! Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß jemand FREIWILLIG und OFFENEN AUGES hr3 WILLENTLICH und WISSENTLICH der Konkurrenz opfert und zum Frass vorwirft - und im Sendegebiet von hr3 Stationen wie rpr1, swr3 und ffh fröhlich alles an Hörern wegnehmen und sich freuen.
GERADE DAS würde doch meinen Ehrgeiz herausfordern und mich dazu veranleiten, zwischen den "Konkurrenten" ein Profil (Format) herausarbeiten. Ich kann es nicht glauben, daß DAS wahr sein soll.
Dann sitzt zur Abwechslung mal einer, der die "Hörer hasst", mitten in einem öffi? Irre.
Da muß ich erst mal darüber wegkommen.

@dudelmoser : Deine Analyse stimmt in großen Teilen. Nur: Was hast Du 1981 gehört ? Welche Reform ? Damals bin ich beim hr3 Amok gelaufen, weil sie die New Wave-Welle vornehm ignoriert hatten. Fand bei denen einfach nicht statt.... Nur Geklampfe und Gezupfe und Songs von absterbenden Rockdino-Gruppen.... ?

und nochmal @hannsfan : "man kann so schön dem Musikcomputer die Schuld geben" .... DAS unterschwellige Gefühl habe ich auch...
Aber zum einen fehlen dem Ding ganz klar die richtigen Unterbewertungspunkte und Sperren (Tag/Stunde)...
Wie wäre es mit dieser Lösung ?: Werft das Ding aus dem Fenster, wenn er sowieso nicht richtig funktioniert und alle Schuld auf den Kasten geschoben wird!
 

Grenzwelle

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hr3 als lästiges Übel ergibt schon Sinn. Nach dem Relaunch von hr1 und xxl/you fm ist ja kaum noch Platz für einen Dritten. Man macht sich ja im Haus Konkurrenz, allein die musikalischen Schnittmengen in beide Richtungen sind beträchtlich.

Umso erbärmlicher ist es für eine öffentlich rechtliche Landesanstalt, diesen Zustand über Jahre hinaus bestehen zu lassen und offenbar keine Konzepte zu haben, seine Wellen auf Zielgruppen auszurichten.

Die Boulevardisierung von hr1 finde ich übrigens unerträglich. Der morgendlichen Dummschwatz im gutgelaunten Säuselton ist für mich noch grausamer als das flapsige Pendant des dritten Programms.

In der FAZ stand kürzlich ein schöner Artikel zum Thema Radio und Finanzkrise. Darin wurde konstatiert, dass das vorgebliche Informationsradio hr-Info mit seiner automatisierten Info-Clip-Rotation den Hörer zum aktuellen Tagesgeschehen in Unwissenheit lässt.
 
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@grenzwelle: Fein, daß die Diskussion so in sachlichen Bahnen läuft und man Gemeinsamkeiten findet :)
- Die Schnittmengen sind schon (teilweise) beträchtlich, auch wenn hr1 klarer als Oldiewelle konzipiert ist (aber eben auch currents mit einbezieht). Da muß man schärfen und sortieren, und da muß man eben -meine Meinung- endlich mal bei hr3 anfangen : Vieles ergäbe sich von selbst...
- Daß man eine -immerhin- quotenstarke Welle wie hr3 vor sich hin dümpeln lässt und weder Ziel noch "Format" hat, ist für mich ein Anachronismus.
Nur fühle ich AUCH: Wenn da was passieren sollte, muß der Impuls (mit etwas Machtbefugnis und Entscheidungsgewalt) von AUSSEN kommen. Der hr in sich wird wohl eher ein Haifischbecken sein, wo man alles abgebissen bekommt :D
Der verlinkte FAZ-Artikel war eine schallende Ohrfeige..... Ja. Stimmt leider.

Zu hr info: Brauchen noch mindestens zwei bessere Frequenzen (auch und gerade im Rhein-main-Gebiet) und müssen deutlich mehr auf Bayern5 aktuell gehen. Damit wären viele Kritikpunkte am jetzigen hr1 "entsorgt".
Zu hr1 :
Daß die jetzt mehr in "Boulevard" machen, ist verständlich und ok - man will MEHR Hörer erreichen.
Daß die jetzt mehr auf "oldies-oriented" gehen und SWR1/harmony angreifen, ist die absolut richtige Entscheidung.
Was ich aber NICHT gesagt habe, ist, daß dabei die Info:s auf der Strecke bleiben oder gar zu spät wichtige news on air kommen - ICH (ich persönlich) will immer noch gut informiert werden. Das geht aber auch in einem flotter präsentierten Programm mit news-Häppchen (formuliere es mal so). Plus ein-zwei ausführlicheren Magazinblöcken tagsüber - OHNE das neue "Format" zu zerstören (es braucht ja nicht so lang und so tiefgründig wie "Der Tag" zu sein).
Musikalisch ist hr1 noch lange nicht da angelangt, wo es sein sollte. Zwar kümmern sich zwei Musikmenschen um die Welle, aber ich höre immer noch die von hr3 vertrauten "immer-und-immer-wieder"-Titel heraus und die Vielfalt lässt auch noch zu wünschen übrig.
Die Frage bleibt, wie man es DOSIERT. hr1 will (und wird) durch die Musik mehr Hörer gewinnen, nur darf (auch meine Meinung) die Information (besonders die aus Hessen und der Region) nicht auf der Strecke bleiben. (Und das sagt jemand, der die Formate hochhält....:) )

Zitat : Umso erbärmlicher ist es für eine öffentlich rechtliche Landesanstalt, diesen Zustand über Jahre hinaus bestehen zu lassen und offenbar keine Konzepte zu haben, seine Wellen auf Zielgruppen auszurichten.

Und DAS unterschreibe ich sogar, wenn es denn SO stimmt. Was in G..... Namen ist beim hr bloß los?
 

OnkelOtto

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Als damaliger hr3 - Hörer hatte ich allerdings den Eindruck, dass die Programmreform 1981 ein großer Wurf war. Eine super Prime-time. Die Mittagsdisco, das jugendlichere Nachmittagsprogramm, die Abendschiene mit hr3 - on the rocks und die guten Abendsendungen inkl. Hitparade International.
Und dazwischen hatten die "Journalisten" ihre Spielwiese. Viele Sendungen wurden doch musikalisch vom moderator zusammengestellt und die Reinkes, Hechts und Koschwitzs haben selten B-Seiten, Instrumentals und anderes gespielt.
Wie gelungen die Reform war, zeigt m.E. auch die Konstanz des Sendeschemas. Kleinere Updates hier und da und dann lief das fast ein Jahrzehnt!!

Als "Mit"-Macher von damals freut mich natürlich Deine Wahrnehmung und relativiert meinen jahrzehntealten Frust über unsere eigene Schlafmützigkeit bei der "Reform" 1981 ein bisschen, Dudelmoser. Trotzdem: Große Würfe hätten sich auch damals schon anders angehört. Ich bleibe dabei: Der Mut fehlte.
Natürlich war "Pop und Weck" besser als "Grüne Welle hr3". Natürlich war "Apropop" gelungener als "Mit Musik in den Feierabend". Und ganz sicher hatte "Von 8 bis 12" mehr Esprit als "Melodie hat Vorfahrt" oder "Tante Emmas Musikladen". Das reichte aber alles nicht. Der geneigte SWF3-Hörer war mit diesen lauen, laschen Aufbesserungen nicht zu gewinnen. Der hielt unser Drittes für einen Schnarchsender. Und das Schlimme war doch im Auge des Betrachters von außen: Dieser "Schnarchsender" versucht nun, flott daherzukommen. Dem glauben wir doch diese plötzliche Verjüngung nicht. Und tatsächlich: Vieles wirkte so, als hätte Omi ihre dritten Zähne poliert, sich ein Tattoo stechen lassen, dazu aber Opas Pickelhaube aufgesetzt.
Und was die Journalisten "zwischendurch" betrifft: Während SWF3 souverän Auslandskorrespondenten zu politischen und kulturellen Themen auftreten ließ und man sich auf der Baden-Badener Welle jederzeit am Puls des Weltgeschehens fühlte (ja, damals war das noch so!), "konterte" hr3 in seiner ersten "journalistischen" Sendung "Von 8 bis 12" mit einem Telefoninterview des Moderators Wolfgang Spang mit einem Vertreter der Wasser- und Schiffahrtsdirektion Mainz über das Thema: "Wie entstehen eigentlich Wasserstandsmeldungen?"!!! Ich verbürge mich! Ich war dabei.
Zu gewinnende Blumentöpfe waren damit außer Reichweite.
Um es noch mal zu sagen: Das Potential war da - allein: Auf dem langen, vorbereitenden Weg weg vom Schlager-Muzak-Funk hin zu einer informativen und unterhaltenden Popwelle haben die Planer leider den Mumm irgendwo im Gebüsch stehen lassen.
Und Knut Buttnase rieb sich die Hände.
Da dies alles aber nun über ein viertel Jahrhundert her ist, hüllen wir den glättenden Schaum der Nachsicht über die Vergangenheit...
 
AW: Hörtipp: 60 Jahre Rundfunk in Hessen

Zitat Onkel Otto: "Das Potential war da...auf dem langen Weg...hin zu einer informativen und unterhaltenden Popwelle haben die Planer leider den Mumm irgendwo im Gebüsch stehen lassen."
Witzigerweise ist die Situation heute, ein Vierteljahrhundert später, immer noch die gleiche... Und das ist es, was mich so sehr verwundert. Und kritisieren lässt. Das momentane Experiment mit vielen currents ist zwar deutlich zu hören, die wiederkennbare Handschrift eines straighten Musikprogramms fehlt jedoch.

Und wenn -wer auch immer- in den Stockwerken des hr über eine "Formatierung" nachdenkt (siehe VR/WR, möglicherweise Absetzung) müsste meines Erachtens den Hebel eher UND ZUERST bei dem abendlichen "Madhouse" ansetzen.
Hier wird ja nun wirklich alles reingekippt, was im Tagesprogramm dann vielleicht "doch etwas zu sperrig wäre".
Siehe (wieder und wieder) Livemitschnitte von der sicherlich begabten Maria Mena - oder der momentane hype mit der neuen AC/DC-LP "Black Ice". Drei Titel am Stück abends (!) und zig Promos, Trailer und Titel im Tagesprogramm.
Was machen diejenigen, die AC/DC nicht mögen, besonders nicht in dieser KONZENTRATION? Abschalten, wohin schalten? Hat sich da jemand in den oberen Regionen des hr3 schon mal Gedanken gemacht?
Mir tut die Minou leid, die sowas präsentieren muß. Ihr vorhandenes Talent geht da vollkommen unter...
 

Armstrong

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Und: Ihr schimpft immer alle darüber, dass hr1 so flach geworden ist und keine Inhalte mehr bietet und unhörbar ist und und und. Aber: Wieso gewinnen sie dann mehr und mehr an Quote? Wenn es vorher ein Qualitätsprogramm war und jetzt keines mehr ist: Müsste es dann nicht umgekehrt sein? Hätte "Schwarz Weiss" dann nicht vorher eine enorme Quote haben müssen, während jetzt niemand mehr einschalten dürfte?
Eine kleine nachträgliche Ergänzung zum Thema Quote: Was die Tagesquoten betrifft, hat hr1 tatsächlich ordentlich zugelegt (meiner Meinung nach vor allem deswegen, weil ein nebenher akustisch weitgehend unbeobachtet dudelndes Radio keine Aufmerksamkeit erfordert und insofern ganztägig laufen kann, ohne aufzutragen, während man vorher den Sendungen des "alten" hr1 tatsächlich zuhören musste).

Was die Abendquoten betrifft, zeigt ein Blick in die Historie: "SchwarzWeiss" hatte im Schnitt 30.000 Hörer, was ich für die Zeit nach 20 Uhr (und der entsprechenden TV-Konkurrenz) bis heute für ziemlich außergewöhnlich halte. Die aktuellen Quoten für den Abend in hr1 weisen dagegen an keinem Tag mehr als 10.000 Hörer aus. Wobei wir natürlich wissen, dass bei einer Quote von 10.000 die Fallzahl sehr gering ist. Aus meiner Sicht kein Wunder, denn die "Lounge" ist zu einem Fahrstuhlmuzak-Klangteppich mutiert, der sogar zum Bügeln zu langweilig ist. Leider.
 

Grenzwelle

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Weil heute morgen die Sat-Box die neue Dexter-Folge auf Platte brutzeln musste, gab es seit langem mal wieder herkömmliches UKW-Radio zum Frühstück. Die Wahl fiel auf hr3.

Oh Mann, die machen ja immer noch diese schrecklich uninspirierten Zu-Hause-beim-Hörer-Anrufe ... Aufhänger war die wohl aktuelle Promo, mit der das Quotenvieh die Chance hat, per Touribomber nach Malaga verfrachtet zu werden. Grottenlangweilig und zudem peinlich, weil man die bemühte Lustigkeit förmlich greifen konnte.

Eine halbe Stunde später quälte sich Nils noch einen am Telefon ab. Man hatte den Eindruck, die Opfer in der Zoohandlung lachten auch gequält...

Irgendwie präsentiert hr3 Metallica im kommenden Mai, weswegen es, neben sehr viel Werbegedöns, die Live-Version von Nothig Else Matters gab. Nun denn, das ist Geschmackssache, ob man das morgens um 20 vor 7 hören mag. Damit ist mein hr3-Bedarf für die nächsten Monate erstmal wieder gedeckt.
 
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Zitat grenzwelle : Irgendwie präsentiert hr3 Metallica im kommenden Mai, weswegen es, neben sehr viel Werbegedöns, die Live-Version von Nothing Else Matters gab. Nun denn, das ist Geschmackssache, ob man das morgens um 20 vor 7 hören mag. Damit ist mein hr3-Bedarf für die nächsten Monate erstmal wieder gedeckt.


Man mag ja anderer Meinung sein (...), aber wie hr3 dauernd die prime-time durch Experimente wie live-Gruppen, live-Scheiben oder "nur deutsch" zerstört, ist mir ein Rätsel, neben der deutlich hörbaren Rocklastigkeit. Von AC/DC habe ich die nächsten Monate die Nase gestrichen voll...
Es geht auch anders: Weiß nicht, ob es ein Ausreißer war - letzte Woche morgens bis 7 Uhr (Tag vergessen) kam Pop&Weck flott daher. Zwar auch u.a. mit Scheiben, die ca 8h zuvor im späten Abendprogramm gelaufen waren (Summer son, Texas) - aber diese Sendung hatte mal Pep und eine Handschrift....
Es ist leider wirklich Geschmackssache. Mal sehen, ob irgendwann mal was passiert.
 

Grenzwelle

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aber wie hr3 dauernd die prime-time durch Experimente wie live-Gruppen, live-Scheiben oder "nur deutsch" zerstört, ist mir ein Rätsel, neben der deutlich hörbaren Rocklastigkeit

Na es gibt genug mitreißende Live-Aufnahmen, die exzellent in eine Frühsendung passen würden. hr3 hat auch Leute in der Musikredaktion, die diese Titel mit Sicherheit kennen. Aber wenn man eben gezwungen wird, Metallica zu promoten, dann kommt eben sowas bei raus. Apropos gezwungen - so hört sich das ganze Programm an.
 

mw_88

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Na es gibt genug mitreißende Live-Aufnahmen, die exzellent in eine Frühsendung passen würden. hr3 hat auch Leute in der Musikredaktion, die diese Titel mit Sicherheit kennen. Aber wenn man eben gezwungen wird, Metallica zu promoten, dann kommt eben sowas bei raus. Apropos gezwungen - so hört sich das ganze Programm an.

Mal ´ne offene Frage: Warum tut Ihr euch das überhaupt an? Ich bin heilfroh diesen Dreck seit über einem halben Jahr (habe den Arbeitsplatz gewechselt) nicht mehr hören zu müssen! ..und Ihr hört immer mal wieder rein, zu 'Testzwecken', sozusagen. Ich glaubs net. Dieser "Sender" wird NIE was werden. Wenn Ihr Musik hören wollt mixt euch selber welche oder hört Internetradio, wenn Ihr RADIO hören wollt, hört den DLF oder ähnliches. Aber lasst den (sorry) scheiss-UKW-Kasten aus.

ich habe fertig :D
 
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Werter Freund: Den DLF höre ich, wenn ich informiert werden möchte (oder B5 aktuell oder -ja!- auch hr1). Aber nicht wegen der Musik. Und nicht jeder hört Kurzwelle (:D).

Im Internet kenne ich eine Handvoll gutgemachter "Lounge"-Sender, ein (reiner Internet-)Popsender dort ist mir bis heute noch keiner untergekommen - außer ich gehe auf einen holländischen stream oder plus/pulse aus Frankreich.
Und ist ja auch mühsam, mal was im Internet zu finden. Da kann man nicht einfach mal kurz über die Skala fahren.

Man mag ja über den hr3, auf den sich hier alle eingeschossen haben (?), denken wie man will. Wenn man aber Kritik übt, muß man ihn auch HÖREN. Und - das gehört zur Gerechtigkeit dazu - auch (mal) loben. hr3 hat viele gute (Kult-)Sendungen gehabt und ist schon ein Markenzeichen (gewesen?). Und es tut einem in der Seele weh, daß das Ding so sehr um die eigene Ankerkette kreiselt und nicht vom Fleck kommt.
Musik? UKW? Auch wenn es da schon mal besser war - auf längere Strecken nur SWR1 (BW) und SWR3. Zur Zeit wenigstens. Vielleicht ändert sich das noch. :)
 

mw_88

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Man mag ja über den hr3, auf den sich hier alle eingeschossen haben (?), denken wie man will. Wenn man aber Kritik übt, muß man ihn auch HÖREN.

Du meinst, man sollte dem Feind ins Gesicht blicken (in den Mund hören?) ;)
Nee, was hr3 betrifft, ich kenne das Teil seit 1971. Damals noch als 1kw-Funzel auf 89,3 vom Feldberg. Ich habs schon lange aufgegeben. ..nicht nur den hr3...

Ich finde es nur höchst blamabel, wenn eine ÖRA den (wie ich meine) primitiven Kommerzfunk (z.B. FFH, ANTENNE BAYERN etc.) bis aufs Haar versucht zu kopieren.

Das ging doch schon mal anders, zum Beispiel: SWF3 vs. Radio Luxemburg..
 
AW: Hörtipp: 60 Jahre Rundfunk in Hessen

Zitat : Du meinst, man sollte dem Feind ins Gesicht blicken (in den Mund hören?)
Als meinen "Feind" betrachte ich hr3 sicherlich nicht. Ich habe (auch) schöne Erinnerungen an manche gute Sendungen. Ist aber (leider) immer nur stundenweise gewesen und (leider) auch schon recht lange her...
Weiß aber, wie Du das (Zitat eben) vermutlich gemeint hast.
TSD hat mit dem Programmstart übrigens Recht, hast Dich leicht verhauen. hr3 begann damals aber ausdrücklich nicht als Popwelle, sondern als "Autofahrerwelle"-und in den ersten Monaten mit jede Menge "Reklameschildern" entlang den Autobahnen.

Von einer Kopie eines formatierten Privatradios ist hr3 aber noch sehr weit entfernt. Das wäre dann ja wirklich blamabel, wenn sie genau das gleiche wie ffh senden würden. hr3 will (und muss) ja "anders" sein - also mit einer anderen musikalischen Präsenz im Äther vertreten sein.
Nur (meine Meinung eben) dieses Kraut&Rüben wie zur Zeit darf es einfach nicht mehr sein. Ich hoffe immer noch, daß etwas passiert und man hr3 nicht aufgegeben hat...
 

mw_88

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AW: Hörtipp: 60 Jahre Rundfunk in Hessen

Ich betrachte diesen 'Sender' nicht als meinen Feind, ich denke du hast mein Zitat verstanden. Um dir aber gleich zu widersprechen: das dritte Hörfunkprogramm des HR ,kurz hr3, ist mindestens seit Frühjahr 1971 auf Sendung. Damals noch nicht als formatierte (:D) Servicewelle sondern eher als Programm für Gastarbeiter.
Frag mal einen kompetenten HR-Mitarbeiter danach! (vielleicht gibt es einen in diesem Forum??) :wow:

Von einer Kopie eines formatierten Privatradios ist hr3 aber noch sehr weit entfernt.

Aber noch sehr viiiel weiter entfernt von einer Kopie des swf3..
Achja, swf3.: Das dritte Hörfunkprogramm des SWF, kurz swf3, gab es auch schon 1971.
Wenn ich richtig liegen sollte wurde in diesem Jahr auch der PopShop ins Leben gerufen..

Um meinen vorherigen Beitrag nochmals zu präzisieren: Der ehemalige swf3 war eine sehr gut gemachte Antwort auf die kommerzielle Konkurenz aus dem Ausland (rtl). Der heutige hr3 ist bestenfall als Realsatiere auf eine solche zu verstehn. Und glaube mir, ich weiss wovon ich schreibe. Ich hab mir diesen Schund wirklich lange genug anhören müssen.. :wall:
 

Tondose

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AW: Hörtipp: 60 Jahre Rundfunk in Hessen

...das dritte Hörfunkprogramm des HR ,kurz hr3, ist mindestens seit Frühjahr 1971 auf Sendung. Damals noch nicht als formatierte (:D) Servicewelle sondern eher als Programm für Gastarbeiter.
Frag mal einen kompetenten HR-Mitarbeiter danach! (vielleicht gibt es einen in diesem Forum??)

[...] Achja, swf3.: Das dritte Hörfunkprogramm des SWF, kurz swf3, gab es auch schon 1971.
Wenn ich richtig liegen sollte wurde in diesem Jahr auch der PopShop ins Leben gerufen..
Ja, vielleicht...

Du vermengst die Zeitläufte: Das "dritte Programm" gab es, jawohl, schon weit vor 1972; damaliger Programminhalt nichts außer "Sendungen für Gastarbeiter" (sic) und Sendepause. "hr3" seit 1972. Erste Schritte zur Popwelle 1981 und 1986. Formatiert (wie auch immer, rv1) erst in den neunzigern.

Das gleiche beim SWF: Popshop zunächst in SWF1, SWF3 als solches erst seit 1975 (!).


Gruß TSD
 
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