• Diese Kategorie ist für die Diskussion über die Programminhalte der Sender gedacht. Über Senderstandorte und Empfang kann sich unter "DX / Radioempfang" ausgetauscht werden. Wir bitten um Beachtung!

hr plant massive Kürzungen bei seinen Radiosendern

Man muss die Musik doch nicht herunterladbar machen. Dann würden natürlich zurecht Beträge fällig. Es gibt doch auch heute schon Sendungen, die entweder per Einzelaufruf oder in einem Loop gestreamt über die Webseite nachhörbar sind. Da hat man sich doch offenbar auch irgendwie rechtlich geeinigt.

Ansonsten wäre es mal höchste Zeit für die ARD, eine Arbeitsgruppe zu bilden, die die Sache mit der Musik ein für allemal mit der GEMA aushandelt. Es kann doch nicht sein, dass sich die BBC schon vor Jahrzehnten mit den zuständigen Stellen geeinigt hat und alle Musiksendungen 30 Tage zum Nachhören bereitstellt und die deutschen Sender eine ähnliche Regelung nicht auf die Beine stellen können.
 
Ich finde manche Argumente paradox. Da wird von der "guten alten Zeit" geschrieben. Als ein SWF3 Trendsetter war sowohl musikalisch als auch inhaltlich. Wie viele Programme hat denn der Südwestfunk beispielsweise in den frühen Achtzigern ausgestrahlt? Wenn ich richtig informiert bin, waren es drei.

Die Qualität eines öffentlich-rechtlichen Radioangebots also an der Anzahl der linearen Wellen festzumachen, bringt doch nichts. Lieber wenige vernünftig gemachte Programme als ein aufgeblähtes Angebot, das mit lebendigem Radio nicht mehr viel zu tun hat.
 
Musik ist doch nur austauschbares Füllmaterial, das zwischen den originären Inhalten läuft!
Nicht zwingend.

Halb off-topic, aber dennoch nicht: ich weilte von Januar bis März 2003 in Halle/Saale, aber nicht in der dortigen öffentlich-rechtlichen Anstalt. Wir waren eine Truppe von anfangs 15 Menschen jeglichen Erwachsenenalters und eine der wichtigsten Aufgaben war, die kommenden 9 Wochen zusammen auszuhalten. Tagsüber war voll mit Programm, abends hatten wir die Aufgabe, selbst Programm zu gestalten. "Rausgehen" und sich fremdbespaßen zu lassen war nicht. Also alles dort, wo wir waren.

Es kamen sehr schöne Abende dabei raus. Mehrere wurden Literatur/Musik-Abende: es gab eine kleine Bibliothek, manche kannten was von dem, was dort stand und suchten kürzere Texte oder auch längere Prosa raus, die dann gelesen wurden. Dazwischen wurde Musik vorgesehen, ebenfalls aus der kleinen vorhandenen Sammlung.

Das hatte ich mal an mich gerissen und einen Abend zur Prosa die Musikredaktion gemacht. Es kam hinterher eine Rückmeldung der Art, wie beinahe gespenstisch passend die Musik zu den Texten gewesen wäre.

Sowas geht, wenn man Musik nicht als "Füllmaterial" betrachtet. Dazu muss man aber ein Gefühl für die Stimmung von Musiktiteln haben, man muss gewisse Repertoirekenntnis haben (ich hatte sie damals bei Popmusik im weitesten Sinne), man muss auch natürlich den Inhalt der originären Inhalte kennen.

Es gibt Situationen, in denen man mit Repertoirekenntnis dafür zu sorgen hat, dass die Musik keinen Bezug zu den Wort-Inhalten hat, z.B. bei "Trennmusiken" zwischen aktuell-politischen Beiträgen. Scheitert das, können brüllkomische Situationen entstehen. So soll nach der Meldung vom Tode eines DDR-Ministers (?) auf Radio DDR versehentlich "Das war ein Meisterschuss" von Hauff + Henkler gespielt worden sein. Wäre gut gewesen, Musikredaktion und Wortredaktion hätten sich zuvor abgestimmt.

Aber eine Sendung, in der Musikauswahl und Wort ein Gesamtkonzept ergeben und sich gegenseitig in ihrer Wirkung verstärken, ist sehr wohl möglich und könnte für mich glattweg als Konzept einer guten Abendsendung auf einer Popwelle durchgehen.
 
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@Spezi: Die Mechanismen sind damals wie heute die gleichen, man muss sie nur etwas anpassen und nicht gleich, wie auch beim Hinzukommen des Privat-TV, gleich alle Waffen strecken und nur ein Minimum anbieten.
Natürlich wird man nicht mehr die gleichen Marktanteile wie damals generieren können, weil eben die Angebote mehr geworden sind. Aber sonst schwadronieren die Verantwortlichen im Sender doch auch immer davon, dass man alle erreichen müsse. Sie tun nur herzlich wenig dafür.
Langfristig wird man natürlich auch die Zahl der Sender senken müssen. Wie wir hier schon vor langer Zeit festgestellt haben, kann der hr z.B. mindestens einen Sender, wenn nicht sogar zwei sofort einsparen, wenn man you, 3, 1 und 4 vernünftig gegen einander abgrenzt.
Der Anfang vom Ende (und der Aufgabe der Verantwortlichen) ist doch schon vor ein paar Wochen passiert. Warum müssen auf gleich 3 Wellen die gleichen Regionalnachrichten und das gleiche Wetter laufen? Da man sonst auch keine weiteren Inhalte mehr hat, kann einer der Sender komplett abgeschaltet werden.
 
Was ich nicht verstehe: Wenn die Jüngeren kein lineares Radio mehr hören, sondern Musik auf Abruf haben wollen, dann spräche das doch dafür, die Jugendwelle einzustellen, aber stattdessen einen öffentlich-rechtlichen Streamingdienst anzubieten. Ohne datenschutzrechtliche Misere, ohne problematische Algorithmen, für jede/n. Warum wird das nicht gemacht? Am Rundfunkbegriff kann es nicht liegen, denn der hat sich weiter entwickelt und ist in jeder Hinsicht offen auszulegen.
 
@schneeschmelze: Du willst also eine ganze Generation nach dem KIKA (vom gut versteckten Kinderhörspiel ganz zu schweigen) ohne ein öffentlich-rechtliches Angebot lassen? Wie willst du die Leute, wenn sie mal 30 sind,, davon überzeugen, für ein Dudelradio Beiträge zu bezahlen und sie wieder an den notwendigen(!) öffentlich-rechtlichen Rundfunk binden?
 
Wir hatten das Thema "Radio" wegen der DLF-Abschaltung in Jena. Sie war empört, sie hört in der Wohnung über UKW und ist sauer, dass ihr Radio nun entwertet ist (DLF ist das einige Programm, das die ca. 46-jährige Frau hört). Der Junge kann mit Radio nichts anfangen, das ist nach seiner Aussage was für die Elterngeneration und noch ältere. Er hat das ganz klar so gesagt: das Konzept des Radios, das linear etwas bringt, das man linear hören muss, ist für ihn nicht praktikabel. Podcasts und Musik auf Abruf hingegen ist ok - daher kennt er auch die Musik, die er hört.

Das ist ja das, was ich oben schon schrob. Audio ist in Gesamtheit sogar so interessant wie schon lange nicht mehr, vielleicht sogar wie noch nie. Wann hatten wir dank des Genres Podcast, das wirklich irgendwo weder Feature noch Hörspiel noch Interview noch Beitrag ist, sondern etwas völlig eigenständiges, scho0n mal solch hervorragende Audio-Angebote? Gleichzeitig wird lineares Radio aber eben immer dünner.

OT-Spoiler zum Thema UKW-Abschaltung des DLF in Jena: Zu Vor-Wendezeiten gab es den Standort Jena noch gar nicht. Für UKW-Radio reichte in der Stadt je nach Lage Leipzig-Wiederau oder Chemnitz-Geyer aus. Von beiden wird der DLF mit je 100 kW verbreitet (Leipzig 96,6, Chemnitz 97,0). Aus Bayern landet auch der Ochsenkopf noch in Jena (100,3 MHz). Sicher, das mag alles nicht mehr perfekt in Stereo funktionieren, aber für ein Weitgehend-Wortprogramm reicht Mono doch aus - wenn man schon nicht auf DAB+ oder Internet umrüsten will, was nun wirkluch nicht die Welt kostet.
 
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@schneeschmelze: Du willst also eine ganze Generation nach dem KIKA (vom gut versteckten Kinderhörspiel ganz zu schweigen) ohne ein öffentlich-rechtliches Angebot lassen? Wie willst du die Leute, wenn sie mal 30 sind,, davon überzeugen, für ein Dudelradio Beiträge zu bezahlen und sie wieder an den notwendigen(!) öffentlich-rechtlichen Rundfunk binden?
Sie würden dann Beiträge für ein öffentlich-rechtliches Spotify zahlen, das um Welten attraktiver wäre als das kommerzielle Spotify. Ich frag ja nur. Meine These wäre: Weil die Lösung so auf der Hand liegt, ist das Nichtverfolgen dieses Wegs ein Zeichen dafür, dass man sich am Ende eben doch nicht traut, den wirklich großen Playern Konkurrenz zu bieten.
 
Was ich nicht verstehe: Wenn die Jüngeren kein lineares Radio mehr hören, sondern Musik auf Abruf haben wollen, dann spräche das doch dafür, die Jugendwelle einzustellen, aber stattdessen einen öffentlich-rechtlichen Streamingdienst anzubieten.
Stell dir mal die Jüngeren vor, die tatsächlich Jugendradio hören. Was würden sie tun, wenn ihr YouFM oder ihr 1Live (Platz 3 der letzten MA in NRW) eingestellt wird und nicht für Streamingdienste zahlen möchten? Findest du dann Kinderprogramme wie Radio Teddy oder WDR Maus auch überflüssig, wenn auch Kinder immer weniger mit "Radio" anfangen können?
 
Und hinzu kommt eben auch, dass Radio eigentlich viel mehr ist, als nur Musik zu dudeln.
Viel entscheidender ist, dass Radio Inhalte bieten könnte/sollte, die es eben bei Spotify nicht gibt, angefangen bei den Nachrichten, aber auch viel tiefgründiger. Tage und Wochen vorher produzierte Postcasts sind da keine Alternative.
 
Das Betrübliche ist, dass es sowohl sogar Radiomacher, als dann auch in gesellschaftlicher Entwicklung Konsumenten gibt, die Musik lediglich als "Füllmaterial" ansehen. Selbst hier bei radioaffinen Nutzern.
 
Es gibt so viele Jugend relevante Themen, die im Radio mit ihnen besprochen werden könnten. Klar in den 90ern waren Hit Radios, die nur Charts gespielt haben cool. Heute sind diese Radios für Jugendliche meistens überflüssig geworden, deshalb sollte man aber trotzdem ein altersgerechtes Angebot für sie haben. Man muss sich ein bisschen neu erfinden und auf gar keinen Fall von Anfang an resigniert abwinken. Ich denke, Radio kann da einen Beitrag leisten, wenn man es richtig anstellt. Vielleicht sollte man mal einen neuen Thread zu diesem Thema öffnen.
 
Ich hätte niemals meine Liebe fürs Radio entdeckt, wenn es in meiner Jugend Spotify, YouTube, TikTok, Twitch und Podcasts gegeben hätte. Mein Musikgeschmack wäre durch Spotify, TikTok und YouTube kultiviert worden und meine Mikrofonhelden hätte ich bei Twitch, YouTube und in Podcasts gefunden und wahrscheinlich hätte ich mich selber daran versucht.
Wäre interessiert an einigen Namen dieser heutigen "Mikrofonhelden" aus Twitch, YT & Co.

Ansonsten kann ich von den (zugegeben) wenigen Jugendlichen, die ich kenne nur sagen, dass dort der Musikfan, für den die ausführliche Beschäftigung mit Alben, Musikern und einer Szene extrem wichtig und statusbestimmend ist, praktisch ausgestorben ist. Und wenn ich mir die jungen Kopfhörerträger im ÖPNV ansehe, sind die in der großen Mehrzahl weiblich. Bei den Herren ist Gaming mit riesigem Abstand vorne. Klar, dudelt da so manche Playlist (oft im Hintergrund aus miesen Speakern) vom Smartphone, weil es eben kurzfristig ein konkretes Bedürfnis erfüllt, aber das wird wohl niemand ernsthaft mit den Dekaden der 2. Hälfte des 20. Jh. auf eine Ebene stellen wollen.

PS: Habe das Wort "Nerd" ersetzt, da es ggf. negativ gelesen wird. So war es nicht gemeint.
 
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Da hat jemand wohl noch nie Musik in seinem Leben gehört. Schade.
Ich glaube, dass Sven99 mit "Füllmaterial" das heutige Tagesbegeleitprogramm meint. Ich sehe es auch als solches, und würde mir zumindest wünschen, dass die Sender auch mal etwas anderes im Fokus hätten als immer nur möglichst viel Musik pro Stunde und Musik-News. Mir wäre ein Fokus auf besondere Musik auch lieber, da ich eben Musikliebhaber bin, aber das wird noch weniger passieren.
 
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Interessant, dass es schon zum jetzigen Zeitpunkt um Stellen geht, um Jobs. Und dass sich ein Verband darum kümmert. Da kann ich nur neidisch drauf schauen. Als man politisch gewollt meine "Zukunftsbranche" (Photovoltaik) 2012 in Deutschland abgewickelt hat und über 100.000 Menschen in die Arbeitslosigkeit geschickt hat, hat sich dafür schlicht niemand interessiert. Im Gegenteil: ich erinnere mich an ein erleichtertes Aufatmen in Teilen der Gesellschaft, dass wir endlich weg waren.

Ich kann da dem DJV nur ein glückliches Händchen wünschen. Selbst wenn es "nur" um Jobs ginge, wäre es ein Gewinn für die öffentlich-rechtliche Substanz - zumindest solange, wie es um Jobs in relevanten, öffentlich-rechtlichen Kriterien entsprechenden Bereichen geht. Stichpunkt Kulturwelle, Infowelle und mit viel Glück auch echte Inhalte in Unterhaltungswellen.

Befremdlich wirkt auf mich die Sicht von Herrn Zilian auf die Programmleistungen. Nein, in den 6 Programmen ist nicht mehr Inhalt drin als in den 3 Programmen aus den 1980er Jahren. Es ging viel Inhalt verloren, dafür doppelt sich massiv nicht-relevanter "Füllstoff".
 
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Ich lese hier sehr viele Gedanken aus der jeweils eigenen Perspektive. Und das ist in der Regel eine ziemlich alte Perspektive
Hier kommt meine Perspektive als alter Sack: In meiner Jugend haben wir uns fürs Radio interessiert. Nicht umgekehrt. Nichts anderes passiert heute bei Spotify. Die einzigen, die der Jugend penetrant hinterherrennen, nennen sich ARD. Dafür brauchen sie Kompetenzcenter, weil sie selber nichts auf die Reihe kriegen & Jahrzehnte gepennt haben. Ich habe von der Jugend in Berlin von Gymnasiasten erfahren, dass sie ausschließlich ihre Playlisten hören. Das gesprochene Wort, wenn sie auf Wunsch eines einzelnen Mitschüler Radio hören, egal, welches, ist ein sofortiger Abschaltgrund. Dass dem linearen Radio die Beine gebrochen werden, auf denen es steht, für die Jugend, die eh kein Radio hört, macht mich traurig & fassungslos. Denn sie wissen nicht, was sie tun! 😎
 
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