Dass dem linearen Radio die Beine gebrochen werden, auf denen es steht, für die Jugend, die eh kein Radio hört, macht mich traurig & fassungslos. Denn sie wissen nicht, was sie tun!
Weil die Jugendlichen von heute die Erwachsenen von morgen sind und sich erlernte Mediennutzung fortsetzt. Wer heute kein Radio hört, hört es sehr wahrscheinlich in zehn Jahren auch nicht. Die Radiohörer sterben also weg. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Weiter großflächig auf lineares Radio zu setzen, würde bedeuten, langfristig mit ihnen zu sterben.
Und die Idee, ein öffentlich-rechtliches Spotify aufzubauen, ist zwar nett, aber hochgradig naiv. Mal davon abgesehen, dass ich mir vorstellen könnte, dass das rechtlich ein Problem sein dürfte, weil da bis auf ein paar Wortinhalte nichts Eigenproduziertes drin wäre (für die eigenproduzierten Inhalte hätten wir ansonsten ja bereits die ARD Audiothek, die aber so gar nicht mit Spotify konkurrieren kann) und Spotify und Co. den ÖRR daher mit Klagen überziehen würden, hat der ÖRR auch finanziell überhaupt nicht die Möglichkeit, technisch etwas vergleichbares auf die Beine zu stellen. Bestes Beispiel Mediathek. Die ist auch nach Jahren eine sichtbare Baustelle. Komplexe Empfehlungsalgorithmen wie bei Spotify oder Apple Music wären mit der vorhandenen Manpower und der technischen Basis aktuell überhaupt nicht denkbar. Der technische Vorsprung der Marktführer ist für den ÖRR mit seinen Mitteln praktisch nicht aufholbar. Selbst Apple hat es nach all den Jahren nicht geschafft, qualitativ mit seinen Empfehlungsalgorithmen zu Spotify aufzuschließen. Und da soll der ÖRR gegen anstinken? Keine Chance.
Und könnten wir bitte mit diesen ganzen „Man müsste …“-Nummern aufhören? Ja, man könnte sich hinstellen und der Jugend erzählen, was für tolle Hörspiele der ÖRR produziert und wie toll die Radiosendungen früher waren und was da alles gemacht wurde. Das würden die Jugendlichen sich anhören, „Ah, interessant“ sagen, sich ihre AirPods in die Ohren schieben und ihre Playlists und Podcasts hören.
Die Frage nach den Mikrofonhelden kann ich übrigens nicht beantworten, weil ich alter Sack in dem Game nicht drin bin. Und auch gar keine Lust dazu habe, weil mir dafür schlicht die Zeit fehlt, mich näher damit zu befassen. Ich habe aber diverse junge Kolleginnen und Kollegen, die mit irgendwelchen Namen von Creators von den besagten Plattformen um sich werfen, von denen ich noch nie gehört habe und die in deren Bubble ungefähr so angesagt sind wie bei uns früher Ray Cokes, den von denen übrigens niemand mehr kennt. Was übrigens für fast alle großen Namen gilt. Selbst ein Thomas Gottschalk ist für die Meisten von denen nur ein alter Sack, der früher mal irgendsoeine Fernsehsendung im Alte-Leute-Programm ZDF hatte, von dem sie aber noch nie etwas gesehen haben. Aber das hat jetzt eher wenig mit dem Thema dieses Threads zu tun.