• Diese Kategorie ist für Diskussionen rund um die Programminhalte der Sender gedacht. Über Frequenzen und Empfang kann sich unter "DX / Radioempfang" ausgetauscht werden.

Ist Radio für das Wiederaufleben eines großen Hörerinteresses gewappnet?

Nach meinem Empfinden reden fast alle am Thema vorbei.

Gibt es noch genügend Menschen, die Radio können, die aktuelle Berichterstattung mit langen Wortstrecken schaffen, die fundiert Interviews und Diskussionsrunden leiten können?
Gibt es noch ausreichend Hörfunk-Korrespondenten, Programmstrategen, wortgewandte Persönlichkeiten?
Wer wären diese Leute? Welche Namen kommen euch in den Sinn?

Habt ihr Niemanden im Sinn, der in dem Szenario eine bedeutende Rolle einnehmen würde? (Keine Ruheständler)
 
Wollen muss es am Ende der Hörer, aber der bezahlt jeden Monat mehr oder weniger brav seine Rundfunkbeiträge, regt sich aber mit der geballten Faust in der Tasche über das schlechte Programm auf, schaltet es trotzdem jeden Tag ein.

Der Leidensdruck, der die Radiohörer noch vor 12 Jahren plagte wenn wieder mal ein Sender plattgemacht wurde, ist heute der absoluten Nutzersouveränität gewichen. Der Bürger hat die Qual der Wahl und kann aus dem Vollen schöpfen - hat er nach zehn Minuten Hitgedudel die Schnauze voll schaltet er um auf DAB, Streamingdienste, Web- oder USB-Ressourcen. Auch wenn die MA in branchenüblichem Getöse die Reichweiten beschwört spielt das klassische FM-Radio im Alltag der meisten Menschen keine essenzielle Rolle mehr, höchstens eine beiläufige.

Deshalb bleibt der Aufschrei aus. Der Hörer ist nämlich ständig auf dem Sprung, und selbst wenn er ab und zu den Sender mit dem "besten Verkehrsservice" einschaltet, bleibt er nicht lang bei der Stange. Handy raus, Podcast rein, Webstream an. Alle in der Branche wissen das, aber keiner redet gern drüber, weil man der digitalen Übermacht nicht gewachsen ist und selbst kein Geld für neue Killer-Applikationen aufbringt. Es langt ja noch nicht mal für Kooperationen mit starken Tech-Partnern.
 
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Nicht zu vergessen, dass das Radio den meisten Leuten einfach nicht so wichtig ist wie uns. Es läuft halt was im Hintergrund, beim Autofahren, beim Frühstück in der Küche oder beim Friseur. Hauptsache, es stört nicht und der Empfang ist okay. Optimode hat sowieso alles platt gemacht. Wer mehr sucht, findet es schon, keine Sorge. Sogar Dampfradio gibt es immer noch zu abonnieren. Während der DLF sein Magazin eingestellt hat.

Worin liegt das Problem? Es liegt an der Lustlosigkeit der Mitarbeiter* in den Sendern. Im Rahmen dessen, was geht, könnte man schon eine Menge machen. Aber da sitzen eben auch unkündbare Radio-Beamte bis zur Verrentung fest im Sattel. Und so hört sich dann eben auch deren Programm an. Klar gibt es strukturelle Entscheidungen, die Grenzen ziehen. Wenn der hr seinen einzigen Wissenschaftsredakteur im Hörfunk in Rente gehen lässt und die Stelle nicht wieder neu ausschreibt, heißt das eben, dass der hr seitdem keine Wissenschaftsredaktion mehr hat. Also gar keine. Wozu braucht der Rundfunk auch eine Wissenschaftsredaktion? Ist das so wichtig? Für ein gutes Programm. Eher ja. Wenn man ein gutes Programm machen will.

Und uns hier ist das wichtig. Aber den meisten Leuten da draußen wohl eher nicht.
 
De facto ist es aber doch so, der ÖR „überlebt“ doch im Grunde nur noch...
Das ist aus dem ÖR geworden. Weil man meinte, man müsse in den Massenprogrammen den Privaten immer ählicher werden, vor allen Dingen leicht und unterhaltsam - oder warum auch immer. Ob er damit überlebt, wird sich noch zeigen. Ich glaube eher nicht. Denn ich bin sicher, dass das jetzt nicht die letzte "Reform" war.

Man kann die Existenz eines Radioprogrammes nicht damit begründen, dass da doch Donnerstagsabends die 90er Show läuft. Oder einmal im Jahr irgendeine seltsame Hitparade.

Man könnte aber behaupten, Radio wäre ein wichtiges Informationsmedium oder würde einen wesentlichen kulturellen Beitrag liefern - wenn es so wäre.

Die Oldie- Pop- und sonstigen Tralala-Sender sind Lichtjahre davon entfernt.

Wird z.B. SWR1 oder HR1 abgeschaltet, was geht schon groß verloren? Die größten Hits? Who cares?

Aber wen der DLF aufhören würde zu senden, das wäre spürbar. Da würden Inhalte verschwinden.
 
Die Mehrheit scheint demnach mit allem zufrieden zu sein,
Es ist wie beim Fast-Food: Es ist teuer, es ist ungesund, es macht dick aber trotzdem essen es alle.

Auf die Frage, ob das Radio zukünftig für ein größeres Interesse gewappnet ist: Es muss hierfür garnicht gewappnet sein, weil

1. Die Zahl der Hörer wieder abnehmen wird. In zehn Jahren fangen die Boomer an zu sterben. Und dann werden wir wieder rasant weniger. Die Boomer sind noch mit dem Radio als Leitmedium groß geworden. Das kann man von den nachkommenden Generationen irgendwann nicht mehr sagen. Früher hatte man eine Richtantenne und einen teuren UKW-Receiver mit Pegelstärkeanzeiger und war froh, wenn man in Norddeutschland den hr oder einen Dänen auf UKW „drin“ hatte. Heute kann ich jeden x-beliebigen Sender leicht über Internet hören. Und dann gibt es noch die Streamingdienste. Für die nachkommenden Generationen ist Radio kein Erlebnis mehr. Und auf ihren Lieblingssong müssen die nicht mehr mit dem Finger an der Pause-Taste warten.

2. Es viel zu viele Radiosender gibt. Die Auswahl erschlägt einen. Früher gab es nur den ÖR, dann kamen die Privaten, dann noch der Lokalfunk und DAB+ Unterschiede gibt es nur hinsichtlich der Musik. Nachrichten sind fast nur noch zugekaufter Content und selten noch selbst recherchiert, produziert und präsentiert. Und die „Wortbeiträge“ sind auch immer nur das gleiche: Anekdötchen zum gespielten Song (Wusstet Ihr schon, dass „Nothing Compares 2 U“ von keinem Geringeren als Prince geschrieben wurde? - Klar wusste ich das, weil es auf der Hülle der CD steht, die ich mir 1990 gekauft habe), Tipps für‘s billige Tanken und die neuesten Insta-Trends. Wer‘s mag….

3. Es fraglich ist, ob das klassische, lineare Radio im Zeitalter der Digitalisierung überhaupt noch eine Zukunft hat. Auch im Radio wird nach und nach die künstliche Intelligenz Einzug erhalten und das Zepter übernehmen. Die Zukunft gehört On-Demand-Diensten, wo jeder entscheiden kann, wann er was hören. Aus Hörern werden Nutzer. Bis zur vollen Stunde auf die Nachrichten warten war gestern. Den Moderator im Studio kann man so ersetzen und dessen Gehalt einsparen und dem Nutzer vorgaukeln, dass da Jemand zu ihm spricht. KI kann Musik komponieren, Texte vorlesen, personalisierte Werbung einstreuen und interaktive Playlisten erstellen, die exakt den Vorlieben des Nutzers entsprechen. Besser als jeder „Berater“ es könnte.

4. anspruchsvolles Radio eigenständiges Denken erfordert. Das können viele einfach heutzutage nicht mehr, weil man ihnen alles vorsetzt und auf dem Silbertablett serviert.

Nach meinem Empfinden reden fast alle am Thema vorbei.



Habt ihr Niemanden im Sinn, der in dem Szenario eine bedeutende Rolle einnehmen würde? (Keine Ruheständler)
Es gibt bestimmt noch den oder die ein oder andere, die das könnten. Die Frage ist, ob das gewollt ist, beim Hörer/Nutzer ankommt und ob man sich damit gegen die schier unüberschaubare Masse an medialem Angebot durchsetzen kann. Warum gab es denn früher die „Radiolegenden“? Weil sie gut waren, klar. Aber auch, weil es nichts anderes gab. Anfang der 80er lief bei uns im Norden im Radio z.B. Carlo von Tiedemann auf NDR 2. Wem das nicht passte, der hatte damals als Alternative nur NDR 1 oder NDR 3. Deshalb zieht heute auch Reinke auf hr1 nicht mehr. Den kennen die „Alten“ noch von hr3, meine Generation kennt ihn noch als Sprecher der Super-Nintendo Werbung und die Jüngeren kennen ihn garnicht mehr. Tempi passati….
 
Das einzig mögliche Revival von Radio, dessen Szenario sich aber keiner wünschen dürfte, wäre, wenn Wirtschaft und Infrastruktur für Internet, Streaming und Co. am Boden ist, beispielsweise durch Krieg oder Naturkatastrophen.
 
der dimi will Namen - hier liefere ich ein paar:

DLF
Dr. Christiane Florin
Klemens Kindermann
Ursula Welter

WDR
Jörg Schönenborn
Jörg Thadeusz
Sebastian Wellendorf

P.S.: Obwohl er sich im wohlverdienten Ruhestand befindet, will ich hier einen meiner persönlichen Radio-Helden erwähnen - Friedbert Meurer
 
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Das kann man so nicht stehen lassen.

Wer Infomationen will, der findet diese im höchst lustlos gemachten Info-Radio, wo sich die immer gleiche Information in bestimmten Zeitabständen wiederholt. Das war es. Wer Hintergrund will, soll Podcasts hören

...

Radio war mal ein Medium, das vor allen Dingen durch seine Schnelligkeit überzeugte. Noch dazu brachte es mindestens stündlich Informationen, hatte mal ein Monopol.

Es ist das Konzept der Infowellen, das Beiträge in bestimmten Abständen wiederholt werden. 20, 30 Minuten einschalten, und man ist auf dem Laufenden. Durchhörbarkeit war nie das Ziel dieser Wellen. Themen wollen recherchiert werden, bevor sie auf Sendung genommen werden. Das ist aufwändig. Lustlosigkeit kann ich bei Wellen wie dem Rbb-Inforadio, BR Info, MDR aktuell, hr Info oder NDR Info in diesem Zusammenhang nicht erkennen.

Etwas anders sieht es bei Antenne Saar und SWR aktuell aus. Hier sind die Schwierigkeiten in den etwas speziellen Bedingungen für beide Programme zu sehen.

Bei den meisten Themen reicht mir ein gut recherchierter Überblick. Den Deep Dive können die Podcasts dann ruhig machen.
 
Infrastruktur für Internet, Streaming und Co. am Boden ist, beispielsweise durch Krieg oder Naturkatastrophen.
Ja, aber wenn das der Fall ist, funktioniert bei den Radiosendern selbst wahrscheinlich auch nichts mehr. Kaum vorstellbar, dass man a) für so einen Fall noch „rein analoge“ Technik bereit hält, die einen kompletten Ausfall der digitalen Infrastruktur vollständig kompensieren könnten und b) Leute hat, die sich mit sowas noch auskennen und das noch bedienen können.CDs (soweit vorhanden) noch selber einlegen, abmischen und die Titel so gut kennen, dass man weiss, wie sie anfangen, enden und wo man drüber sprechen kann. Nun denke ich, wird im Katastrophenfall nicht der Fokus darauf liegen, die besten Hits aller Zeiten zu spielen. Und selbst wenn es so kommt dann denke ich, dass man zunächst wieder zusehen wird, dass man das Internet wieder zum laufen bekommt, damit Nina, Katwarn und wie sie alle heißen wieder funktionieren, bevor man die Sendemasten für‘s Radio wieder aufbaut.
 
der dimi will Namen - hier liefere ich ein paar:

DLF
Dr. Christiane Florin
Klemens Kindermann
Ursula Welter

WDR
Jörg Schönenborn
Jörg Thadeusz
Sebastian Wellendorf
Problem dabei: es gibt durchaus noch (!) genügend Persönlichkeiten in allen Organisationsformen des Hörfunks…
Wenn jetzt alle hier ihre (polarisierende) Auswahl an Lieblingen posten, bekommen wir vielleicht eine Liste der Menschen, die noch mehr sagen wollen, oder können, als einen 45“ 3-Element-Break, aber mehr auch nicht.

Kann man hier auch mehr oder minder - aus unterschiedlichen Formaten - wahllos reinwerfen:

Volker Wieprecht (rbb)
Rebecca Link (WDR)
Andreas Müller (DLF / rbb)
Usw usf
 
Das einzig mögliche Revival von Radio, dessen Szenario sich aber keiner wünschen dürfte, wäre, wenn Wirtschaft und Infrastruktur für Internet, Streaming und Co. am Boden ist, beispielsweise durch Krieg oder Naturkatastrophen.
Wenn das seinerzeit atomschlag-resiliente Internet nicht mehr funktioniert, wird Radio, das immer mehr aus der "Cloud" bedient wird, also abhängig von der Internet-Infrastruktur ist, erst recht nicht mehr funktionieren.
 
es gibt durchaus noch (!) genügend Persönlichkeiten in allen Organisationsformen des Hörfunks…
Wenn jetzt alle hier ihre (polarisierende) Auswahl an Lieblingen posten, bekommen wir vielleicht eine Liste der Menschen, die noch mehr sagen wollen, oder können, als einen 45“ 3-Element-Break
Wir wollen aber lieber eine Liste, welche 80-er Hits mal wieder im Radio gespielt werden sollten.
 
Inzwischen arbeitet man sich im Formatradio doch schon an den 90ern ab. Hier könnte eine echte Chance für das Radio liegen, weil hier die Streaming-Dienste teilweise große Lücken in ihren Titelkatalogen aufweisen. Leider dudeln die Sender ausgerechnet dieselbe Grütze, die es auch bei den Streamingdiensten gibt.
 
Es ist das Konzept der Infowellen, das Beiträge in bestimmten Abständen wiederholt werden. 20, 30 Minuten einschalten, und man ist auf dem Laufenden. Durchhörbarkeit war nie das Ziel dieser Wellen. Themen wollen recherchiert werden, bevor sie auf Sendung genommen werden. Das ist aufwändig.
Es ist aber genau dieses Konzept, welches die Programme so öde macht. Nicht jeder Hörer möchte mal gerade im Vorbeigehen seine Information abholen. Vielleicht möchte er Hintergrundinformation, Meinungen, Kommentare usw. Die bekommt er im DLF, aber nicht im Inforadio.

Obwohl ich an der Qualität der einzelnen Beiträge nicht herummäkeln möchte - sie sind halt kurz, schnell, für den eiligen Zeitgenossen gemacht - kommt mir das alles wie "Fast-Food-Radio" vor. Die Dauerschleife macht es nicht besser, im Gegenteil. Wirkt irgendwie wie eine Ansammlung von Kurzbeiträgen, nicht wie ein durchmoderiertes Programm, das eben die laufende Aktualität im Auge hat. Und genau das ist es wahrscheinlich auch.

Live auf aktuelle Ereignisse reagieren? Habe ich z.b. bei SWR Aktuell noch nie bemerkt, vielleicht machen die anderen Wellen das ja besser.
 
Nicht jeder Hörer möchte mal gerade im Vorbeigehen seine Information abholen. Vielleicht möchte er Hintergrundinformation, Meinungen, Kommentare usw. Die bekommt er im DLF, aber nicht im Inforadio.
Und selbst im Dlf empfinde ich die halbstündlichen Nachrichten unter der Woche tagsüber schon manchmal als ermüdend. Aber dort findet man einen guten Kompromiss zwischen Rolling News und hintergründigem Zeitfunk.
 
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... im DLF ist aber ein höheres Niveau angesiedelt, da wird nicht geplappert oder gelabert, dort wird noch moderiert!

R.
Ja, aber diese starren, durch die halbstündlichen Nachrichten vorgegebenen Zeitstrukturen stören in gewisser Weise schon. Da wird oft in Gesprächsrunden oder Interviews ein interessantes Thema angesprochen und plötzlich grätscht der Moderator rein: „Jetzt müssen wir aber zum Ende kommen, weil wir gleich die Nachrichten haben“. Wenn schon im DLF die Leute nicht mehr ausreden können wo dann?
 
Ja, aber diese starren, durch die halbstündlichen Nachrichten vorgegebenen Zeitstrukturen stören in gewisser Weise schon.
Stimmt, aber das ist wohl der Kompromiß für jene, die mal eben informiert werden möchten. Die aber eigentlich bei den Infowellen mit ihrem Programm für Eilige besser bedient würden.

Es ist ja fast schon ermüdend, immer auf das Ausland zu verweisen um zu zeigen, dass es sogar im Jahre 2026 noch anders geht - für jene, die immer meinen, Radio müsse heute so sein, wie es in DE leider geworden ist.

In Frankreich z.B. gibt es in den regionalen ÖR-Programmen ("Ici", bis vor kurzem France Bleu) doch tatsächlich noch regionale Themen u. Berichterstattung, und nicht ununterbrochen irgendwelche Oldie-Shows.
Das beliebteste Programm in FRA ist France-Inter, das fast nur Wortprogramme sendet, und gelegentlich schon Ähnlichkeiten mit dem DLF hat. Und für die Aktualität gibt es France-Info, ein durchmoderiertes Live-Programm (!), ganz anders als die Info-Wellen mit ihrer Aneinanderreihung von Kurz-Beiträgen vom Band.
Aber bei uns muss ja jeder alleine für sich hinwurschteln. Jede Landesrundfunkanstalt hat eine eigene Info-Welle, obwohl dann am Ende fast überall die gleichen Beiträge über überregionale Ereignisse laufen - Trump ist in MeckPom kein anderer als im Bayrischen Wald.
 
Stimmt, aber das ist wohl der Kompromiß für jene, die mal eben informiert werden möchten. Die aber eigentlich bei den Infowellen mit ihrem Programm für Eilige besser bedient würden.
Genau so sehe ich das auch, das „kurzlebige“ Infogeschäft sehe ich auch eher bei den Infowellen. Der DLF dagegen ist ja eher dafür, auch mal etwas mehr in die Tiefe zu gehen und sich für einige Themen etwas mehr Zeit zu nehmen, als das bei den Infowellen möglich wäre. Die halbstündlichen Nachrichten rühren glaube ich noch aus der Zeit, als es beim DLF im Anschluss an die Nachrichten noch deutschlandweite Verkehrshinweise liefen. Der DLF soll ja früher mal eine „Autofahrerwelle“ gewesen sein und die brauchten ihr halbstündliches „Verkehrsupdate“ wie die Bandmaschinen an den Autobahnraststätten. Da war es zweckmäßig, auch um halb Nachrichten und Wetter voraus zu schicken.
 
Eigentlich kann man die Frage des Threads doch ganz einfach beantworten: zweimal Nein, denn dafür fehlt zum einen allerorten das Geld und zum anderen entsprechendes Personal, denn dieses kostet unter anderem Geld. Davon unabhängig stellt sich die Frage, wo eigentlich die Hörer herkommen sollen. Wenn man sich parallel dazu anschaut, dass im TV-Bereich ausgerechnet die Seifenopern, die man gemeinhin für abscheulich hält, diejenigen sind die mit geradezu erschreckend hohen Zahlen am häufigsten abgerufen werden, weiß man wo die mediale Reise hingeht. Die ARD macht, auch wenns weh tut, in Bezug auf die Aus- bzw. Umlagerung in den Streamingbereich manches offenbar doch richtig. Die Leute hören und sehen sich Sachen an, wenn sie die Zeit dafür haben und nicht wenn es eine starre Zeitschiene vorgibt. Linear werden auf kurz oder lang nur noch Ereignisse wie Sport oder Wahlen eine Relevanz haben. Alles andere fällt hinten runter, eben weil man es nicht dann konsumieren möchte wenn es eine Zeitschiene vorgibt, sondern wenn man es selbst möchte. Insofern ist es zumindest nachvollziehbar, dass Radio landauf, landab nur noch mehr oder weniger öde vor sich hin dudelt. "Infohappen" im Programm reichen da. Was man weiterhin insbesondere an den Öffis kritisieren kann und muss ist die musikalische Enge von 300 Titeln. Das könnte man völlig problemlos ausbauen, eben weil man sich vom Privatfunk unterscheiden soll und muss. Rausreißen könnte man das nur mit wirklicher Personality, sprich Leute bei denen die Hörer des Moderators wegen einschalten. Und davon gibts noch höchstens eine Handvoll, weil die meisten Sender weder Zeit noch Geld haben, solche Personen überhaupt aufzubauen.
 
Rausreißen könnte man das nur mit wirklicher Personality, sprich Leute bei denen die Hörer des Moderators wegen einschalten. Und davon gibts noch höchstens eine Handvoll, weil die meisten Sender weder Zeit noch Geld haben, solche Personen überhaupt aufzubauen.
Das heutzutage Leute Radio wegen eines Moderators oder einer Moderatorin einschalten, ist doch eher abwegig. Zumal die Leute dann ja recherchieren müssten, wann jemand auf Sendung ist. Natürlich gibt es Ausnahmen wie Fritz Egner oder früher Mattuschke. Allerdings ist so ein "Einschaltradio" nicht mehr zeitgemäß. Sowas macht auch nur Sinn, wenn die Leute dann auch freie Hand haben. Also nicht jedes Wort oder jeden Satz vorher selbst zensieren müssen und vor allem auch "ihre" Musik spielen dürfen. Gottschalk hatte es ja mal bei SWR 3 versucht, aber dann selbst eingesehen, dass das Korsett ihm zu eng war und es deshalb auch floppte.
 
Von @Radiokult in #46 zweimal Nein, von mir dazu ein hoffnungsvolles: "Ja, doch!"
Eigentlich kann man die Frage des Threads doch ganz einfach beantworten: zweimal Nein, ...
Das Problem bei den Wurzeln packen: "Lineares Radio als Grundversorgung, werbefrei und qualitativ hochwertig, voll durchfinanziert aus demRundfunkbeitrag!"
Für dieses "Radio!" besteht Grundbedarf. Wer: "Mehr!" will, z. B. TV und Streamingdienste soll einen freiwilligen Beitrag zahlen. Wer: "Noch mehr!" will kann weitere private Angebote nutzen.
Folge: Der Zwangs-Rundfunkbeitrag kann massiv gesenkt werden.
 
Das heutzutage Leute Radio wegen eines Moderators oder einer Moderatorin einschalten, ist doch eher abwegig.
Nicht wirklich. Reinke macht es ja zum Beispiel (immer noch) vor. Dem seine Sendungen sind musikalisch so vielfältig, dass zumindest der Verdacht nahe liegt, das da weniger der Musik wegen, sondern sehr wohl wegen des Moderators eingeschaltet wird, denn der bekommt eine bemerkenswerte Symbiose zwischen Information und Unterhaltung hin. Davon ab widersprichst du dir ein Stück weit selbst. Machen Egner und/oder Reinke nun Sendungen die hier und heute Quote bringen und damit sehr wohl zeitgemäß sind, oder tun sie das nicht? Das vor sich hin plätschernde Fahrstuhl-Radio, denn mehr ist mittlerweile manches ÖR-Programm nicht mehr, zwingt die Leute ja förmlich zu den Streamingangeboten, denn da kann ich als Konsument selbst festlegen, welche Musik läuft und welche nicht. Alle drei Stunden die immer gleichen größten Hits der 80er hat man halt irgendwann über. Und wenn dann auch noch der Info-Anteil lieblos vorgetragen und zusammengestrichen wird, erst recht. Arno in Berlin war bzw. ist der letzte große Radio-Hero, ob man ihn nun mag oder nicht. Oder kann mir jemand einen anderen Radiomacher aus den letzten 20 Jahren nennen, der einen halbwegs ähnlichen bundesweiten Bekanntheitsgrad hat als Radiomacher wie Arno Müller oder von mir aus auch Reinke oder Egner? Mir fällt da ehrlich gesagt keiner ein. Die großen Radionamen verschwanden mit dem beginnenden neuen Jahrtausend und der sich damit grundlegend verändernden Medienwelt. Radio insgesamt hat ähnlich wie die Plattenindustrie diese Veränderungen schlichtweg verpennt. Und das Rad läßt sich jetzt nicht mehr zurückdrehen, denn wenn diese letzten großen Namen aus reinen Altersgründen off air sind, gibts da keine Neuen, weil Radio weder Interesse, noch Zeit oder Geld hat solche aufzubauen. Bleibt nur die "Flucht" in die digitale Welt, wenn man in 10 oder 20 Jahren noch da sein möchte. Das ist insgesamt traurig, gar keine Frage. Aber man muss es halt endlich zur Kenntnis nehmen und irgendwie damit umgehen. Was anderes wird nicht übrig bleiben.

"Lineares Radio als Grundversorgung, werbefrei und qualitativ hochwertig, voll durchfinanziert aus demRundfunkbeitrag!"
Nimms nicht persönlich, aber es sind dann Leute wie du, die als erstes schreien: Das ist ein versnobtes Beamten- und Eliten-Radio, das sowieso keiner hört. Also abschaffen!

Ich für meinen Teil bleibe dabei: Die Länderhoheit für den Rundfunk abschaffen. Dann kann aus den neun Anstalten eine bundesweite Anstalt werden, die dann bundesweit von mir aus vier Programme ausstrahlen darf, welche bei Bedarf regional auseinander geschaltet werden können. Fertig. Das wäre der einzig richtige Weg, da allein wegen des technischen Fortschritts heute ohnehin ausnahmslos alle ÖR-Programme an jedem Punkt der Republik gehört werden können. Das funktioniert zum einen in allen unseren Nachbarländern ganz hervorragend. Und zum anderen würde das jede Menge Geld durch dann nicht mehr benötigte "Wasserköpfe" freisetzen. Und um Bedenkenträgern wegen der allgemeinen innerpolitischen Lage mal den Wind ein Stück weit aus den Segeln zu nehmen: Mit Blick auf Sachsen-Anhalt und in Kürze vielleicht auch auf Brandenburg, wär es vielleicht gar nicht so verkehrt, wenn es einen gut aufgestellten bundsweiten ÖR-Rundfunk gäbe, denn ich möchte mir lieber gar nicht vorstellen, was in den genannten Bundesländern mit den Anstalten passieren könnte, wenn diese in der Länderhoheit bleiben und dort bestimmte Kräfte per demokratisch legitimer Wahlen eine Mehrheit bekommen würden.
 
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Die meisten der derzeitigen Musikwellen der ARD würde tatsächlich niemand ernsthaft vermissen, im Falle ihrer Einsparung könnten die bisherigen Hörer, die ohnehin kaum eine emotionale Bindung zu diesen Wellen haben, ganz einfach zu den Privatsendern umswitchen, deren Niveau das der öffentlich-rechtlichen Dudelsender teilweise sogar noch übertrifft.

Der Radiokonsum der meisten Menschen ist ohnehin nur auf wenige Alltagssituationen beschränkt, und Baustelle oder Werkshalle sind kein ideales Umfeld um Werbebotschaften entgegenzunehmen, von denen das Radio nun mal lebt.

Das größte Problem ist dass überall im deutschen Radio überholte Gestaltungskonzepte dominieren, die schon lange nicht mehr auf der Höhe der Zeit sind und auf den großen Sendern de facto überall der selbe Stiefel läuft - SWR 4 oder WDR4 sind in diesem Zusammenhang nur besonders abschreckende Beispiele, weil dieser abgestandene Berater-Oldiemix den allermeisten schon beim ersten Kontakt wieder zu den Ohren raustropft.

Wie man Radio wieder populärer machen kann liegt auf der Hand. Die großen Betreiber müssten proaktiv DAB+ bewerben und eine konsequente Dachmarken-Strategie verfolgen, also verschiedene, klar unterscheidbare Musikangebote mit dem gleichen redaktionellen Grundgerüst unter einem Dach vereinen - ähnlicher Markenauftritt, nuanciert abgewandeltes Logo und adäquate Zielgruppenansprache.

Echtes "Formatradio" mit Auswahlmöglichkeit eben, kein auf einen Haufen geworfener Besttester-Müll. Denn die Ultrakurzwelle hat nur noch eine geringe Halbwertszeit mit schlechten Renditeaussichten, alle wisse das. Deswegen versuchen viele Akteure im Hintergrund jetzt noch schnell ihren Schnitt zu machen, vorausschauend handelt jedoch niemand.

Nebenher müsste man auch im Internet Flagge zeigen und ein Portal einrichten, das neben den linear ausgestrahlten Radiowellen und weiteren Spartenangebote auch radioähnliche, geschmacksbasierte individualisierbare Musikstreams nach dem Vorbild von IHeartRadio bereithält.

Hier böten sich Kooperation mit starken, erfahrenen Streamingpartnern zum gegenseitigen Vorteil an - die kommerziellen Radiosender liefern Inhalte, die Partner übernehmen im Gegenzug die Abklärung der Musikrechte und erarbeiten technische Lösungen.

Auf linearen Genresendern können sich Kultmoderatoren und sogar einschlägige Künstler als Gastmoderatoren austoben, die das ihre dazu beitragen würden, dass Radio wieder eine gewisse Sogwirkung entfaltet - nicht nur im Auto, wo man kaum eine Hand frei hat, sondern auch zuhause und unterwegs, terrestrisch und via App.
 
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