Die Mehrheit scheint demnach mit allem zufrieden zu sein,
Es ist wie beim Fast-Food: Es ist teuer, es ist ungesund, es macht dick aber trotzdem essen es alle.
Auf die Frage, ob das Radio zukünftig für ein größeres Interesse gewappnet ist: Es muss hierfür garnicht gewappnet sein, weil
1. Die Zahl der Hörer wieder abnehmen wird. In zehn Jahren fangen die Boomer an zu sterben. Und dann werden wir wieder rasant weniger. Die Boomer sind noch mit dem Radio als Leitmedium groß geworden. Das kann man von den nachkommenden Generationen irgendwann nicht mehr sagen. Früher hatte man eine Richtantenne und einen teuren UKW-Receiver mit Pegelstärkeanzeiger und war froh, wenn man in Norddeutschland den hr oder einen Dänen auf UKW „drin“ hatte. Heute kann ich jeden x-beliebigen Sender leicht über Internet hören. Und dann gibt es noch die Streamingdienste. Für die nachkommenden Generationen ist Radio kein Erlebnis mehr. Und auf ihren Lieblingssong müssen die nicht mehr mit dem Finger an der Pause-Taste warten.
2. Es viel zu viele Radiosender gibt. Die Auswahl erschlägt einen. Früher gab es nur den ÖR, dann kamen die Privaten, dann noch der Lokalfunk und DAB+ Unterschiede gibt es nur hinsichtlich der Musik. Nachrichten sind fast nur noch zugekaufter Content und selten noch selbst recherchiert, produziert und präsentiert. Und die „Wortbeiträge“ sind auch immer nur das gleiche: Anekdötchen zum gespielten Song (Wusstet Ihr schon, dass „Nothing Compares 2 U“ von keinem Geringeren als Prince geschrieben wurde? - Klar wusste ich das, weil es auf der Hülle der CD steht, die ich mir 1990 gekauft habe), Tipps für‘s billige Tanken und die neuesten Insta-Trends. Wer‘s mag….
3. Es fraglich ist, ob das klassische, lineare Radio im Zeitalter der Digitalisierung überhaupt noch eine Zukunft hat. Auch im Radio wird nach und nach die künstliche Intelligenz Einzug erhalten und das Zepter übernehmen. Die Zukunft gehört On-Demand-Diensten, wo jeder entscheiden kann, wann er was hören. Aus Hörern werden Nutzer. Bis zur vollen Stunde auf die Nachrichten warten war gestern. Den Moderator im Studio kann man so ersetzen und dessen Gehalt einsparen und dem Nutzer vorgaukeln, dass da Jemand zu ihm spricht. KI kann Musik komponieren, Texte vorlesen, personalisierte Werbung einstreuen und interaktive Playlisten erstellen, die exakt den Vorlieben des Nutzers entsprechen. Besser als jeder „Berater“ es könnte.
4. anspruchsvolles Radio eigenständiges Denken erfordert. Das können viele einfach heutzutage nicht mehr, weil man ihnen alles vorsetzt und auf dem Silbertablett serviert.
Nach meinem Empfinden reden fast alle am Thema vorbei.
Habt ihr Niemanden im Sinn, der in dem Szenario eine bedeutende Rolle einnehmen würde? (Keine Ruheständler)
Es gibt bestimmt noch den oder die ein oder andere, die das könnten. Die Frage ist, ob das gewollt ist, beim Hörer/Nutzer ankommt und ob man sich damit gegen die schier unüberschaubare Masse an medialem Angebot durchsetzen kann. Warum gab es denn früher die „Radiolegenden“? Weil sie gut waren, klar. Aber auch, weil es nichts anderes gab. Anfang der 80er lief bei uns im Norden im Radio z.B. Carlo von Tiedemann auf NDR 2. Wem das nicht passte, der hatte damals als Alternative nur NDR 1 oder NDR 3. Deshalb zieht heute auch Reinke auf hr1 nicht mehr. Den kennen die „Alten“ noch von hr3, meine Generation kennt ihn noch als Sprecher der Super-Nintendo Werbung und die Jüngeren kennen ihn garnicht mehr. Tempi passati….