• Diese Kategorie ist für Diskussionen rund um die Programminhalte der Sender gedacht. Über Frequenzen und Empfang kann sich unter "DX / Radioempfang" ausgetauscht werden.

Ist Radio für das Wiederaufleben eines großen Hörerinteresses gewappnet?

SWR 4 oder WDR4 sind in diesem Zusammenhang nur besonders abschreckende Beispiele, weil dieser abgestandene Berater-Oldiemix den allermeisten schon beim ersten Kontakt wieder zu den Ohren raustropft.
Zumindest letzterer strahlt keine Werbung aus, natürlich auch nur, weil vertraglich nicht (mehr) erlaubt.
Wie man Radio wieder populärer machen kann liegt auf der Hand. Die großen Betreiber müssten proaktiv DAB+ bewerben und eine konsequente Dachmarken-Strategie verfolgen, also verschiedene, klar unterscheidbare Musikangebote mit dem gleichen redaktionellen Grundgerüst unter einem Dach vereinen
Dürfen die öffentlich-rechtlichen Sender vertraglich nicht. Und bei den privatwirtschaftlichen Sendern scheitert es finanziell am redaktionellen Grundgerüst, denn das ist der wahre „Geldfresser“. Für einen sauber recherchierten und produzierten BmE kann man verdammt viel GEMA-pflichtiges dudeln.

Nebenher müsste man auch im Internet Flagge zeigen und ein Portal einrichten, das neben den linear ausgestrahlten Radiowellen und weiteren Spartenangebote auch radioähnliche, geschmacksbasierte individualisierbare Musikstreams nach dem Vorbild von IHeartRadio bereithält.
Dorthin schichtet die ARD ja derzeit um, weil die regionalen und „Wellenzahl-“ Begrenzungen dort nicht greifen; nicht greifen können.
Allerdings auch nicht mit dem Budget, dass einen Aufbau einer solchen Struktur erfordert, weil man die vorhandenen Mittel in die regionale Struktur der linearen Wellen einerseits, des Onlineangebots andererseits, aufteilen muss, ohne, dass dabei etwas komplett hinten runterfällt.
Hier böten sich Kooperation mit starken, erfahrenen Streamingpartnern zum gegenseitigen Vorteil an - die kommerziellen Radiosender liefern Inhalte, die Partner übernehmen die Abklärung der Musikrechte und erarbeiten technische Lösungen.
Für die Öffentlich-Rechtlichen nicht völlig unmöglich, mit den derzeitigen Staatsverträgen aber nur schwerst(!)möglich.
 
Die Zukunft des Radios liegt bei den kommerziellen Anbietern, die ARD-Wellen werden niemals eine Führungsrolle in puncto Innovation einnehmen. Ihr Auftrag besteht darin, umfassend zu informieren und ein ansprechendes unterhaltendes Rahmenprogramm für substanzielle Inhalte zu gestalten. Dass sie derzeit so überrepräsentiert sind liegt an ihrer schieren Überzahl, nicht an ihrer Wertigkeit (Wasserkopf). Nur bestimmte ARD-Angebote erfüllen derzeit ihren Auftrag, oder übererfüllen ihn sogar. Der Rest kann entsorgt werden, die Mitarbeiter, die bei den Nonstop-Dudelstrecken Verwendung finden, können sinnvoller im redaktionellen Bereich eingesetzt werden.

Die Privatsender müssen die Wende einleiten und sie werden es gewiss tun - mit den derzeitigen oder neuen Gesellschaftern, aber sie werden es irgendwie hinbekommen (müssen).
 
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Die Zukunft des Radios liegt bei den kommerziellen Anbietern, die ARD-Wellen werden niemals eine Führungsrolle in puncto Innovation einnehmen.
Zieht man andere Länder, die ein vergleichbares öffentlich-rechtliches Rundfunksystem haben hinzu, so sind es meistens öffentlich-rechtliche Sender, die dort, mittels den dort geltenden Erhebubgsmethoden, die Marktführerschaft innehaben; häufig auch die musikorientierten „Dudelwellen“.
Der private Rundfunk hat einfach nicht mehr die finanziellen Mittel, da das Ruder herumzureißen… wie eine einst erfolgreiche Nagelfabrik zu einer Zeit, als nicht mehr Nägel, sondern Schrauben gefragt werden. Das Gussmaterial hat man, aber die Gewindeschneider sind viel teurer als eine Kampagne, die aggressiv Nägel bewirbt.
Mittelfristig mag das funktionieren, langfristig ist Radio ein qua Grubdversorgung zu subventionierendes Geschäft. Privatwirtschaftlich erstellter Content ist dann für Fans und wird nonlinear in entsprechende Bezahlangebote eingebettet werden.
Linear wird man sich langfristig (!) nur öffentlich-rechtlich, im Fahmen einer nötigen Grundversorgung, durchaus inklusive Unterhaltung gemäß Staatsvertrag, leisten können.
 
@Radiokult #49: Du verstehst mich falsch!
Nimms nicht persönlich, aber es sind dann Leute wie du, die als erstes schreien: Das ist ein versnobtes Beamten- und Eliten-Radio, das sowieso keiner hört. Also abschaffen!
Als bundesweite Basis-Grundversorgung freue ich mich über die 3 Wellen des Deutschlandradios DLF, Kultur und Nova. Ich unterstütze voll deine Forderung
Die Länderhoheit für den Rundfunk abschaffen.
 
Was halten die Fachleute hier von der Theorie (etwa laut Erik de Zwart), dass die Leute auch irgendwann - oder auch aktuell schon - vermehrt des Auswählens müde sind und daher ein Medium suchen, dass sie einfach anstellen können? Das wäre ja dann vielleicht die Zukunft des Radios. Ob die dann allerdings mit ausgewählter Personality verbunden ist, wie vom Ersteller dieses Themas vermutet?

Auf YouTube ist ein Video, in dem Christine Heise anlässlich ihrer letzten Show Jörg Wagner gegenüber von Radio-DJs schwärmt, bei denen zuzuhören sich jeweils eine eigene Welt eröffnete. Ich glaube, diese Zeit ist vorbei und selbst die genannten John Peel und Alan Bangs hätten heute keinen Kultstatus mehr (sowieso war auch damals schon nicht jede Sendung von denen super-toll).

Wegen des Winterwetters habe ich heute ab 5.00 Uhr nach sehr langer Zeit einmal wieder NDR-1-Niedersachsen eingestellt: Von der Ansprache und Moderation in Ordnung, aber die Musikauswahl derart ausgelaugt. Wer tut sich das jeden Morgen an? Da kann ich mir ein Wiederaufleben eines großen Hörerinteresses kaum vorstellen. Dann lieber die Info-Anteile der Sendung per App schnell aufs Handy.

Ich glaube, es wird kein Wiederaufleben eines großen Hörerinteresses geben und das Radio muss sich deshalb auch nicht mit ausgewählten Persönlichkeiten wappnen. Das war Radio Luxemburg in den siebziger Jahren.
 
dass die Leute auch irgendwann - oder auch aktuell schon - vermehrt des Auswählens müde sind und daher ein Medium suchen, dass sie einfach anstellen können?
Das ist keine Theorie, sondern das ist der Ist-Zustand. Die Kiste läuft halt, ziemlich egal, was da noch geboten wird, Hauptsache man kann die Musik irgendwie ertragen (und genau nach diesem Kriterium werden die Playlisten gebastelt).
 
@Mannis Fan: Das war einmal, warum sollten die Leute ihre Zeit mit etwas verplempern das ihre Bedürfnisse nicht befriedigt wenn sie etwas finden, das ihre Interessen und Vorlieben besser widerspiegelt?

@Ralle_Köln: Die Privatsender haben kein Geld weil die Zeitungshäuser finanziell gebeutelt und wirtschaftlich schlecht aufgestellt sind. Wenn aber neue Investoren die Arena betreten wird der Markt neu aufgemischt. Man weiß ja noch gar nicht welche Dynamik sich im Radiomarkt bedingt durch die jüngsten technologischen Entwicklungen und die Wettbewerbssituation im medialen Gesamtumfeld einstellen wird.

Meine Vorstellungen habe ich ja schon hier skizziert: Beitrag im Thema 'Ist Radio für das Wiederaufleben eines großen Hörerinteresses gewappnet?' https://www.radioforen.de/threads/i...hoererinteresses-gewappnet.50732/post-1082492
 
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Die meisten Menschen beschäftigen sich gar nicht mit Musik und haben deshalb nur rudimentäre Kenntnisse davon. Daher stimme ich @Mannis Fan zu: Man hört den Sender, der einen nicht aufregt. Mehr als Musik abzunudeln wird nicht erwartet, weil das seit langem geübte Praxis ist. Der Titelpool ist so unambitioniert, weil der ganze Musikresearch auf den Erfahrungen von weitestgehend unkundigen, unaufmerksamen "Hörern" aufbaut.

Das bedeutet aber nicht, dass sachkundige Musikredakteure, die unbekannte Musikstücke populär machen und pfiffige und authentische Moderatoren, die Originelles von sich geben, nicht akzeptiert und von vielen Menschen sogar gewünscht würden.
 
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Nicht wirklich. Reinke macht es ja zum Beispiel (immer noch) vor. Dem seine Sendungen sind musikalisch so vielfältig, dass zumindest der Verdacht nahe liegt, das da weniger der Musik wegen, sondern sehr wohl wegen des Moderators eingeschaltet wird
Würde ich so nicht sehen. Bei Egner schaltet man natürlich auch wegen der "anderen" Musik ein. Eine Sendung von Fritz Egner der mir drei Hits am Stück von Ed Sheeran & Co präsentiert, würde ich mit Sicherheit nicht gezielt einschalten.
Das sind doch auch alles Moderatoren die ihre Stammhörerschaft seit Jahrzehnten aufgebaut haben und vor allen Dingen damals, als das Radio noch eine wirkliche Relevanz hatte. Das wird aus Nostalgieeffekt eingeschaltet. Das Durchschnittsalter der Hörer dürfte auch bei 50+ liegen.
Heutzutage neue Radio Personalities aufzubauen, halte ich für schlichtweg unmöglich. Dazu ist das Radio viel zu beliebig geworden und hat gar nicht mehr diesen Stellenwert oder glaubt jemand ernsthaft, dass die Leute gezielt das Radio einschalten, weil gerade Kevin Baumeister moderiert?
Das einzige was ich mir vorstellen könnte, dass bei den jungen Wellen vielleicht vermehrt bekannte Youtuber für mehr Einschaltquoten bzw. ein Einschaltradio sorgen könnten. Dann aber wahrscheinlich nicht mit Musiksendungen, sondern eher mit Talk-Sendungen. Das könnte in begrenztem Rahmen funktionieren. Wobei ich mir da auch nicht sicher bin. Das Radio hat ja bei jungen Leuten praktisch keinerlei Relevanz mehr. Allerdings eine App runterladen um dann die Sendung im Netz zu hören, das würden sie vielleicht noch hinbekommen.
 
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warum sollten die Leute ihre Zeit mit etwas verplempern das ihre Bedürfnisse nicht befriedigt
Sie verplempern keine Zeit, denn es kostet sie keine Zeit, das Radio nebenher dudeln zu lassen. Und wenn da noch ein Mensch ab und zu etwas sagt - und sei es noch so banal oder infantil - dann sind die bescheidenen Bedürfnisse vollauf befriedigt.
 
Alles andere fällt hinten runter, eben weil man es nicht dann konsumieren möchte wenn es eine Zeitschiene vorgibt, sondern wenn man es selbst möchte.
Das glaube ich nicht. Nicht jeder ist ständig unterwegs und hat somit keine Zeit mehr, Radio einzuschalten. Nach der Logik bräuchte man auch kein Fernsehprogramm mehr. Es gibt sehr wohl Leute, die regelmässig und zu bestimmten Zeiten einschalten. Und dann nicht mit Flachprogrammen abgespeist werden wollen, nur weil angeblich keiner mehr Zeit hat, zuzuhören.

Im Prinzip folgst Du der Logik der ÖR-Programmmacher: Es hört ja keiner mehr gezielt zu, deswegen brauchen wir kein Programm mehr, sondern nur noch bestimmte Angebote: Öde Infowellen, auf denen die immer gleichen Beiträge ständig wiederholt werden, sowie Podcasts. Ansonsten Dauermusikdudelei. Damit die nicht zu öde wird, gibt es eine Hitparade oder einen Musikclub und am Mikro sitzt eine Radiolegende...

Dann bräuchten wir eigentlich gar kein Radio mehr, sondern nur noch Online-Angebote, die bei Bedarf genutzt werden. Oder irgendwelche Abo-Angebote für spezielle Zielgruppen.

Was man weiterhin insbesondere an den Öffis kritisieren kann und muss ist die musikalische Enge von 300 Titeln
Damit behauptest Du, Radio würde besser, wenn nur die Musik abwechslungsreicher wäre. Das ist - bei allem Respekt - überhaupt kein Argument, und nur für Musikfans von Belang.

Wer behauptet denn in der öffentlichen Diskussion, der ÖR müsse reformiert werden, weil die Musik nicht abwechslungsreich genug sei? Niemand. Das ist eine Fantasiediskussion, die nur geführt wird, wo Musikfans unter sich sind.

Um es ganz klar zu sagen: Ein ÖR, der sich nur noch auf Musik und Unterhaltung konzentriert, verliert seine Existenzberechtigung. Diskussionen um mehr musikalische Abwechselung gehen völlig am Thema vorbei. Inhalte müssen her, sonst ist es irgendwann vorbei mit dem ganzen, schönen ÖR.

Es hört sich vielleicht abgedroschen an, aber so ist es nun mal: Der ÖR hat einen Auftrag, und darin geht es nicht um abwechslungsreiche Musik, sondern um Unterhaltung ganz allgemein, als (lediglich) einem Programmpunkt unter mehreren. Der ÖR ist dafür, dass er Gebühren bekommt, in der Bringschuld. Und die erfüllt er nicht, wenn er ein paar nie gehörte B-Seiten abdudelt.

In manchen Ländern hat man eine völlig andere Meinung vom ÖR: Dort unterscheidet er sich klar vom Privaten. Es gibt nur Information, Kulturprogramme und höchstens mal am Rande ein wenig Musik.

Gut möglich, dass das auch bei uns eines Tages der Fall ist. Für die abwechslungsreiche Musik sind dann die Privaten zuständig...
Die meisten der derzeitigen Musikwellen der ARD würde tatsächlich niemand ernsthaft vermissen
Genau so ist es. Denn was würde schon fehlen? Ein 90er-Musikclub, z.B.? Der hat sicher einige Fans, aber insgesamt gesehen interessiert das nur sehr wenige.

Selbst abwechslungsreichere Musiksendungen verschwinden, ohne ein wirklich spürbares Echo zu erzeugen. Der SWR-Kopfhörer war nicht ganz so langweilig, und angeblich galt das auch für die HR-Song Connection. Wo blieben denn die Massendemonstrationen, als die Sendungen eingestellt wurden? Oder als Elmar Hörig und Frank Laufenberg gefeuert wurden? Ein paar Fans waren empört, aber nicht mal in den Nachrichten wurde darüber gesprochen.

Grob gesprochen müsste die ARD Substantielles (Information, Kultur, Sport und - ganz wichtig - Regionales aus dem jeweiligen Sendebereich) in ihren linearen Programmen ausstrahlen. Der ganze Rest - Musik von jung bis alt - gehört in digitale Zusatzangebote.
 
Das glaube ich nicht. Nicht jeder ist ständig unterwegs und hat somit keine Zeit mehr, Radio einzuschalten. Nach der Logik bräuchte man auch kein Fernsehprogramm mehr. Es gibt sehr wohl Leute, die regelmässig und zu bestimmten Zeiten einschalten. Und dann nicht mit Flachprogrammen abgespeist werden wollen, nur weil angeblich keiner mehr Zeit hat, zuzuhören.
Lies nochmal, denn das habe ich so nicht behauptet. Die Einschaltquoten der linearen Programme, sowohl TV als auch Radio, sinken seit Jahren. Und die Nutzung nonlinearer Inhalte steigt. Das läßt sich nicht schönreden. Es ist nunmal so, dass ich mir hochwertige Sachen in Ruhe anschaue oder anhöre, wenn ich die Zeit dafür habe und eben nicht wenn es mir irgendein Zeitplan vorschreibt. Und damit bin ich nicht allein. Natürlich könnte man die einmal hochwertig produzierten Formate sowohl linear als auch nonlinear anbieten. Aber man tut es halt nicht, weil sie linear die berühmt-berüchtigte Durchhörbarkeit stören.

Um es ganz klar zu sagen: Ein ÖR, der sich nur noch auf Musik und Unterhaltung konzentriert, verliert seine Existenzberechtigung. Diskussionen um mehr musikalische Abwechselung gehen völlig am Thema vorbei. Inhalte müssen her, sonst ist es irgendwann vorbei mit dem ganzen, schönen ÖR.
Diese Inhalte sind nach wie vor vorhanden, nur eben nicht (bzw. weniger) in den linearen Programmen. Wer die Betrachtung der ÖR (und im übrigen auch aller anderen Medienangebote der Republik) auf lineares Radio und TV beschränkt, lebt mit Verlaub im Vorgestern. Wenn ich deiner Logik folgen müßte, könnte ich ja auch genauso fragen, warum die neuesten Hits von Künstler XY nicht mehr auf Schellak-Platten gepresst werden.

Damit behauptest Du, Radio würde besser, wenn nur die Musik abwechslungsreicher wäre.
Nur? Das ist mit Verlaub schlichter Mumpitz. Es ist Aufgabe der ÖR die Vielfalt der Republik abzubilden. Dazu gehört auch kulturelle Vielfalt, regionale Musik von Klassik bis Pop etc. Ständig die augelutschtesten Hits der 80er zu spielen ist definitiv nicht dessen Aufgabe.

Ein ÖR, der sich nur noch auf Musik und Unterhaltung konzentriert, verliert seine Existenzberechtigung.
Da bin ich ganz bei dir. Ich habe das aber auch nirgendwo behauptet.

Diskussionen um mehr musikalische Abwechselung gehen völlig am Thema vorbei. Inhalte müssen her, sonst ist es irgendwann vorbei mit dem ganzen, schönen ÖR.
Mit Verlaub, auch Musik ist Inhalt, sogar der übergroße Teil fast jedes Radioprogramms.

Der ÖR hat einen Auftrag, und darin geht es nicht um abwechslungsreiche Musik,
doch, auch.

Grob gesprochen müsste die ARD Substantielles (Information, Kultur, Sport und - ganz wichtig - Regionales aus dem jeweiligen Sendebereich) in ihren linearen Programmen ausstrahlen.
Du scheinst eine schräge Auffassung davon zu haben was Kultur ist. Auch Musik ist Kultur, insbesondere Musik regionaler Bands und Künstler. Deine Hochkultur ist dagegen überall gleich. Ob Beethovens Neunte die Berliner Philharmoniker spielen oder ein Orchester aus Köln oder Bayern - da unterscheidet sich das Ergebnis höchstens in Nuancen.
 
Das läßt sich nicht schönreden. Es ist nunmal so, dass ich mir hochwertige Sachen in Ruhe anschaue oder anhöre, wenn ich die Zeit dafür habe und eben nicht wenn es mir irgendein Zeitplan vorschreibt
Sorry, aber Du nimmst in Anspruch, Deine Seh- oder Hörgewohnheiten als allgemeingültig zu bezeichnen.
könnte ich ja auch genauso fragen, warum die neuesten Hits von Künstler XY nicht mehr auf Schellak-Platten gepresst werden.
Voila, da haben wir es wieder. Du verengst die Frage nach der Existenzberechtigung des ÖR auf die Musikauswahl.

Es ist Aufgabe der ÖR die Vielfalt der Republik abzubilden. Dazu gehört auch kulturelle Vielfalt, regionale Musik von Klassik bis Pop etc
Dto. Nehmen wir den SWR: Drei Popwellen, ein Jugendradio, das im Grunde auch nur ein weiteres Dudelradio darstellt, aber nur ein Kulturprogramm mit 75% Klassik, und ein Inforadio, das kaum zu empfangen ist.

Auftrag eindeutig verfehlt. HR? Genauso. BR, NDR; MDR, RBB usw.? Mindestens ähnlich.

Was wir stattdessen brauchen: Ein wirkliches Landesradio, mit Information und Beiträgen aus allen relevanten Bereichen - Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport u. Regionales - des jeweiligen Sendegebiets. Daneben gerne auch, aber nicht hauptsächlich, Musik.

"Musik ist Inhalt, sogar der übergroße Teil fast jedes Radioprogramms."

Das ist ein schwergewichtiger Teil des Problems. Übrigens: Das Wörtchen "Musik" kommt bei der Beschreibung des Rundfunkauftrages nicht vor. Theoretisch könnte "Unterhaltung" auch Hörspiele, Quizsendungen, Reisereportagen oder was auch immer bedeuten, könnte also weitgehend ganz musikfrei sein. Was natürlich gleichfalls unsinnig wäre.

Du scheinst eine schräge Auffassung davon zu haben was Kultur ist. Auch Musik ist Kultur
Eine großzügige Interpretation des Kulturbegriffes findest Du z.B. bei DLF Kultur. Dort gibt es (noch) ein richtiges Programmschema, und die Musik findet zumindest tagsüber nur zwischendurch statt, ersetzt aber nicht das Programm.

Davon abgesehen muss es Aufgabe eine jeden ARD-Senders sein, über Kultur im Land zu berichten, in jeglicher Form - siehe oben.
 
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Was halten die Fachleute hier von der Theorie (etwa laut Erik de Zwart), dass die Leute auch irgendwann - oder auch aktuell schon - vermehrt des Auswählens müde sind und daher ein Medium suchen, dass sie einfach anstellen können?
Ich bin zwar kein Fachmann, aber für mich als interessierten Laien hat diese Theorie durchaus etwas überzeugendes. „Des Auswählens müde“ finde ich eine äußerst gelungene Umschreibung der gegenwärtigen Verfassung des zukünftigen deutschen Durchschnittshörers.
 
"Moment!" zu @ricochet #65

Das ist der typische Anwendungsfall Baustelle & Werkshalle.
Nach meiner Erfahrung sind die Zeiten wo die berühmten "Baustellenradios!" auf Baustellen oder in Werkshallen dröhnen vorbei. Bestenfalls in ruhigen Beamtenstuben sind heute noch säuselnde Radio-Geräusch-Tapeten zu hören: "Alarm!" - Mit Chef-Taste den Stream stummschalten ...

Zum Fadenthema:
Das "Radio!" ist in einer Sinnkrise! ... "Lineares Radio abschalten?" ... Von mir dazu ein klares "Nein!"
 
Mein typischer Anwendungsfall ist: Morgens radiowecker (SWR3), beim Frühstück Küchenradio (SWR1), beim Autofahren Autoradio (früher SWR4, seit es kaputtgemacht wurde wechselweise DLF oder ein bisschen zappen). Aber überall ist es ein Nebenbei-Dudler, ich bin nur zu faul, einen anderen Sender reinzudrehen.
 
Sorry, aber Du nimmst in Anspruch, Deine Seh- oder Hörgewohnheiten als allgemeingültig zu bezeichnen.
Würdest du bitte die Güte haben, die Postings nochmal im Ganzen zu lesen, denn das tue ich nicht. Das sind empirisch belegbare Fakten. Ich habe die nicht gemacht.

Du verengst die Frage nach der Existenzberechtigung des ÖR auf die Musikauswahl.
Auch das tue ich nicht. Es ging in unserem kleinen Disput aber nunmal um die gespielte Musik, weswegen ich mich auf diesen Teilbereich konzentriert habe. Was die sonstigen Inhalte angeht, gehen unsere Meinungen glaube ich gar nicht so weit auseinander, was man auch an vielen Stellen in diesem Forum nachlesen könnte. Es gibt aber halt die Dinge die man empirisch ermitteln kann und das ganz private Empfinden. Das sind zwei Paar Schuhe, bei denen das trennen manchmal schwer fällt.
Dto. Nehmen wir den SWR: Drei Popwellen, ein Jugendradio, das im Grunde auch nur ein weiteres Dudelradio darstellt, aber nur ein Kulturprogramm mit 75% Klassik, und ein Inforadio, das kaum zu empfangen ist.
Da bin ich ganz bei dir.

Auftrag eindeutig verfehlt. HR? Genauso. BR, NDR; MDR, RBB usw.? Mindestens ähnlich.
Den rbb würde ich da rausnehmen. Radio eins ist trotz mancher Abstriche in den letzten Jahren noch immer ein ÖR-Programm, wie man es besser kaum machen könnte und das trotz mancher Unkenrufe noch immer reichlich Hörer hat. Und das ist gut so! Radio eins widerlegt ein Stück weit sehr eindrucksvoll, dass der EInheitsbrei allerorten nicht der endgültige Weg sein kann.

Was wir stattdessen brauchen: Ein wirkliches Landesradio, mit Information und Beiträgen aus allen relevanten Bereichen - Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport u. Regionales - des jeweiligen Sendegebiets. Daneben gerne auch, aber nicht hauptsächlich, Musik.
Ja, wie erwähnt: Radio eins.

Theoretisch könnte "Unterhaltung" auch Hörspiele, Quizsendungen, Reisereportagen oder was auch immer bedeuten, könnte also weitgehend ganz musikfrei sein. Was natürlich gleichfalls unsinnig wäre.
Keinerlei Einwände.
 
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"Moment!" zu @ricochet #65


Nach meiner Erfahrung sind die Zeiten wo die berühmten "Baustellenradios!" auf Baustellen oder in Werkshallen dröhnen vorbei.
Da irrst du dich vorläufig noch. Bei uns im Norden dröhnen heutzutage die Makita-Baustellenradios (früher waren das alte Kofferradios, die mit Gips weiß eingestaubt waren und wo die Antenne abgebrochen und durch ein Stück Kupferdraht ersetzt wurde) immer noch auf den Baustellen. Bevorzugter Sender: NDR 1 Niedersachsen. Zu meiner Lehrzeit Anfang der 90er lief auch mal die damals noch neue Antenne Niedersachsen. Mein erstes Kabel habe ich seinerzeit zum Klang von „I‘d want you to want me“ von Lobo eingegipst…

Aber irgendwie ist und war das nie das, was meine persönliche Definition von „Radio hören“ erfüllt…
 
Okay, natürlich gibt es Baustellen, wo gearbeitet wird und irgendwo ein Radio rauscht. M. E. wird das aber sehr selten. Ähnlich, wie kaum noch Bierkästen während der Arbeitszeit rumgeschleppt werden.
 
Kann man sie aber je wieder zurück zu einem Qualitätsprogramm erziehen?
Nein! Die Verdummung der Menschheit macht vor dem Radio nicht halt! Das gesprochene Wort stört nur die Durchhörbarkeit! In diesem Sinne: Mehr Quiz braucht der Hörer! Und Fragen an die Maus. Jetzt auch für Erwachsene!:)Während ich diesen Beitrag schreibe,tönt der Lautsprecher im BVG-Bus:"Bitte halten sie sich fest!" Darauf wäre ich von alleine niemals gekommen! Beitrag kann Spuren von Ironie & Sarkasmus enthalten!:cool:
 
Das sind empirisch belegbare Fakten.
Die was belegen? Wurden auch jene miteinbezogen, die kein Radio mehr einschalten, eben weil da fast nur noch Musik läuft? Wurden deren "Ausschaltgründe" empirisch berücksichtigt? Natürlich nicht.
"Radio eins ist trotz mancher Abstriche in den letzten Jahren noch immer ein ÖR-Programm, wie man es besser kaum machen könnte"

Da stimme ich Dir zu, wenn auch mit einem gewissen "aber...". Zum Einen ist das Programm sehr auf Berlin zugeschnitten, was ja eigentlich in Ordnung ist (auch wenn das den Brandenburgern vielleicht nicht so gut gefällt). Zum Anderen gibt es zwar noch viel Wort und Beitrag, aber zu gewissen Zeiten dann doch wieder sehr viel Gedudel - wahrscheinlich kommt man dem "Zeitgeist" entgegen. In der Summe stimme ich aber zu - Radio Eins ist eine der wenigen positiven Ausnahmen. Allerdings ist es sicher nicht DAS Landesprogramm das über alle Facetten des Lebens in Berlin berichtet, sondern eher auf bestimmte Zielgruppen zugeschnitten.

Wir könnten natürlich ewig weiterdiskutieren. Letztlich hängt der jeweilige Standpunkt immer auch von der Erwartungshaltung ab.

Für viele hier, das sieht man an den Beiträgen, ist Radio eine Einrichtung, auf der Musik läuft. Full stop. Andere, mich eingeschlossen, vertreten eine andere Meinung: Ich gehe sogar soweit anzunehmen, dass ein gut gemachtes Radioprogramm fast ganz auf Musik verzichten kann.

Wie man es im Englischen so vortrefflich ausdrücken kann: Let's agree to disagree! Schönen Sonntag!
 
Radio Eins ist eine der wenigen positiven Ausnahmen. Allerdings ist es sicher nicht DAS Landesprogramm das über alle Facetten des Lebens in Berlin berichtet, sondern eher auf bestimmte Zielgruppen zugeschnitten.
Radio Eins vom rbb ist in der Tat sehr Berlin-lastig angelegt und sehr stark, um nicht zu sagen ausschließlich, auf ein taz-lesendes, intellektuelles Multikulti-Publikum in den linksalternativen Berliner „Szenevierteln“ ausgerichtet. Ich glaube auch nicht, dass die in den ländlichen Regionen Brandenburgs viele Hörer haben…

Von der Machart her mag das aber noch eines der „besseren“ Programme in der deutschen Radiolandschaft sein.

Aber ein Radio sollte immer Radio für alle sein und muss sich vielleicht auch immer mehr an ein allgemein rapide sinkendes Bildungsniveau in der Gesellschaft anpassen. Zum einen, weil eben nicht nur studierte Fachkräfte, sondern auch viele Menschen aus bildungsfernen Schichten zu uns einwandern, die unser marodes und defizitäres Schulsystem personell und strukturell kaum aufzufangen weiss. Zum anderen, weil auch an den Schulen kaum noch Unterricht stattfindet. Den jetzigen Abschlussjahrgängen fehlt coronabedingt faktisch ein komplettes Schuljahr, das niemals nachgeholt wurde und aktuell hocken bei uns in Niedersachsen die Kinder nach zwei Wochen Weihnachtsferien wieder bereits den dritten Tag zu Hause, weil man ihnen heutzutage den Gang zur Schule bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt nicht mehr zumuten möchte. Und egal ob Corona, Wind, Wetter oder Heizungsschaden - als erstes fällt in Deutschland immer die Schule aus.

Darauf „reagieren“ natürlich auch die meisten Radiosender, wobei ich Angebote in einfacher Sprache grundsätzlich nicht verkehrt finde, aber mit anspruchsvollen Inhalten brauchen die Sender heute den meisten einfach nicht mehr zu kommen. Die privaten tun dies sowieso nicht mehr und der ÖR scheinbar nur noch mit großem Widerwillen, weil sie de iure noch dazu verpflichtet sind. Und die Gebildeten unter ihren Verächtern mit großem Latinum und Graecum haben eben noch „ihre“ Programme wie die Kulturwellen oder den DLF, der aber auch schon große Teile seiner ehemals konservativen Stammhörerschaft verprellt hat, seitdem z.B. dort auch „gegendert“ wird.
 
@hr1-hoerer
Das kannst Du nicht ernstmeinen: Das Niveau der Schule wird (weiter) an Bildungsferne angepasst. Das passiert ja heute bereits, mit dem Ergebnis, dass jeder Idiot Abitur machen kann. Die Klatsche kommt dann im Beruf. Der Arbeitgeber kann das Niveau seiner Produkte nämlich nicht einfach nach unten anpassen.
 
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