Nachdem ich mir in den letzten Tagen auch ein paar Gedanken zur Eingangsfrage dieses Threads gemacht habe, möchte ich sie ganz eindeutig beantworten: Nein.
Radio in Deutschland hat fertig und hat sich selber abgeschafft, indem man qualitativ hochwertiges Radio immer mehr in die „Seniorenecke“ geschoben hat. Magazinsendungen, die eigentlich das Kernelement des Radios sind, werden als nicht mehr zeitgemäß erachtet, weil die jungen Leute ja ohnehin nur noch im Internet unterwegs seien.
Dieser Analogie folgend passt folgendes aber gar nicht:
„
WDR 2 ist und bleibt der meist gestreamte Radiosender Deutschlands mit fast 15. Mio Streams. Der Deutschlandfunk konnte sich erstmals den Platz 2 holen mit 13,7 Mio. Sessions.“
Quelle:
https://www.radioszene.de/200720/ma-2025-ip-audio-1.html
Gut, WDR 2 ist für nachrichteninteressierte allenfalls noch um xx:00 und xx:30 erträglich, letzteres auch nur wegen der kleinteiligen, lokalen Auseinanderschaltung; wird vermutlich oft noch gesucht, weil man es „schon immer hörte“ und es durchaus mal eine wirkliche Qualitätsmarke war, die den Spagat zwischen Information und Unterhaltung sehr gut hinbekam.
Aber: der DLF auf Platz 2. Du glaubst gar nicht, welche Zielgruppen gerne Wort hören, sei es terrestrisch, im Stream oder on-demand.
Was fehlt, ist ein Generalistenprogramm, wie es früher WDR 2 war, wie es heute rbb radioeins, für seine Zielgruppe in seinem regionalen Rahmen noch ist (und der beschränkt sich bei weitem nicht nur auf Berlin, auch im ländlichen Brandenburg wohnen Menschen, die weder was mit „der schönsten Musik“ noch einem fiktiven Verkehrsshowheini was anfangen können, der noch fiktiver on-air gegen den Türrahmen rennt).
Die Lücke zwischen anspruchsvollem Wort und viel Musik (jeder definiert „Dudel“ wohl anders), ist einfach sehr groß geworden und kann vom Privatfunk finanziell nicht mehr geschlossen werden, da ist schlicht kein Geld mehr für die dafür nötige, redaktionelle Arbeit. In diese Richtung müssten sich die öffentlich-rechtlichen bewegen.
Und wenn das Wort ausreichend trägt (und um dies zu tun muss Geld in die Hand genommen werden), braucht es weder eine fette Verpackung, krasse Musikbetten noch eine besonders innovative Musikauswahl (weil auch darunter jede Hörerin und jeder Hörer etwas anderes versteht). Damit wird man nicht Quotenmarktführer, sondern Daseinsberechtigungsmarktführer. Manchmal klappt aber auch beides, siehe rbb…