• Diese Kategorie ist für Diskussionen rund um die Programminhalte der Sender gedacht. Über Frequenzen und Empfang kann sich unter "DX / Radioempfang" ausgetauscht werden.

Ist Radio für das Wiederaufleben eines großen Hörerinteresses gewappnet?

Zu meiner Lehrzeit Anfang der 90er lief auch mal die damals noch neue Antenne Niedersachsen. Mein erstes Kabel habe ich seinerzeit zum Klang von „I‘d want you to want me“ von Lobo eingegipst…
Das war seinerzeit tatsächlich häufig so auf Baustellen, in Großküchen oder Imbißstuben. Damals hat "Antenne. Das Radio" auch eine Herzlichkeit und Sympathie für die normalen Leute ausgestrahlt (besonders im Vergleich zum eher "coolen" ffn), die ich heute am ehesten noch bei hr4 heraushöre. Vermutlich liegt es an mir, dass ich "dieses Warme" aktuell bei den meisten Programmen nicht mehr so empfinde. Ansonsten würde ich einen solchen Zusatzeffekt auch als unabdingbar für das Wiederaufleben eines großen Hörerinteresses annehmen.
 
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@hr1-hoerer
Das kannst Du nicht ernstmeinen: Das Niveau der Schule wird (weiter) an Bildungsferne angepasst. Das passiert ja heute bereits, mit dem Ergebnis, dass jeder Idiot Abitur machen kann. Die Klatsche kommt dann im Beruf. Der Arbeitgeber kann das Niveau seiner Produkte nämlich nicht einfach nach unten anpassen.
Genau das ist das Problem! Man könnte es auch „Bildungsinflation“ nennen - jede Dorfschule vergibt Abiturzeugnisse, alle Schüler bestehen schon aus Gründen der Chancengleichheit mit „Eins komma Null“ und mit 30 haben die ihr drittes Startup in den Konkurs gewirtschaftet. Gesellschaftstechnisch ein Riesenproblem, radiotechnisch der ideale Nährboden für Chartdudler, Tassenverlosungen und Klatschstories darüber, welches mathematische Symbol Ed Sheeran für sein nächsten Album nehmen soll…
 
Nachdem ich mir in den letzten Tagen auch ein paar Gedanken zur Eingangsfrage dieses Threads gemacht habe, möchte ich sie ganz eindeutig beantworten: Nein.

Radio in Deutschland hat fertig und hat sich selber abgeschafft, indem man qualitativ hochwertiges Radio immer mehr in die „Seniorenecke“ geschoben hat. Magazinsendungen, die eigentlich das Kernelement des Radios sind, werden als nicht mehr zeitgemäß erachtet, weil die jungen Leute ja ohnehin nur noch im Internet unterwegs seien. Entsprechend sind die Leute auch nur noch den derzeitigen Dudel- und Flachfunk gewöhnt und können mit Inhalten im Radio, „Gelaber“, wenig anfangen. Die jüngst in diesem Thread angesprochen Probleme (Stichpunkt Bildungsniveau) tun ihr übriges.

Man muss nur mal die jüngst von @retromeng auf YouTube hochgeladenen Mitschnitte mit dem Programm von heute vergleichen. Radio hat damals den Tag kulturell bereichert und mit beispielsweise SWR4 Aktuell und Regional um halb eins bzw. Regional um vier einen auch noch umfassend informiert. Heute ist davon nichts mehr übrig, da die jüngeren Hörer sowas angeblich nicht mehr hören möchten. Insofern glaube ich auch nicht, dass da noch viel zu retten ist.
 
Nachdem ich mir in den letzten Tagen auch ein paar Gedanken zur Eingangsfrage dieses Threads gemacht habe, möchte ich sie ganz eindeutig beantworten: Nein.

Radio in Deutschland hat fertig und hat sich selber abgeschafft, indem man qualitativ hochwertiges Radio immer mehr in die „Seniorenecke“ geschoben hat. Magazinsendungen, die eigentlich das Kernelement des Radios sind, werden als nicht mehr zeitgemäß erachtet, weil die jungen Leute ja ohnehin nur noch im Internet unterwegs seien.
Dieser Analogie folgend passt folgendes aber gar nicht:
WDR 2 ist und bleibt der meist gestreamte Radiosender Deutschlands mit fast 15. Mio Streams. Der Deutschlandfunk konnte sich erstmals den Platz 2 holen mit 13,7 Mio. Sessions.“
Quelle: https://www.radioszene.de/200720/ma-2025-ip-audio-1.html

Gut, WDR 2 ist für nachrichteninteressierte allenfalls noch um xx:00 und xx:30 erträglich, letzteres auch nur wegen der kleinteiligen, lokalen Auseinanderschaltung; wird vermutlich oft noch gesucht, weil man es „schon immer hörte“ und es durchaus mal eine wirkliche Qualitätsmarke war, die den Spagat zwischen Information und Unterhaltung sehr gut hinbekam.
Aber: der DLF auf Platz 2. Du glaubst gar nicht, welche Zielgruppen gerne Wort hören, sei es terrestrisch, im Stream oder on-demand.
Was fehlt, ist ein Generalistenprogramm, wie es früher WDR 2 war, wie es heute rbb radioeins, für seine Zielgruppe in seinem regionalen Rahmen noch ist (und der beschränkt sich bei weitem nicht nur auf Berlin, auch im ländlichen Brandenburg wohnen Menschen, die weder was mit „der schönsten Musik“ noch einem fiktiven Verkehrsshowheini was anfangen können, der noch fiktiver on-air gegen den Türrahmen rennt).

Die Lücke zwischen anspruchsvollem Wort und viel Musik (jeder definiert „Dudel“ wohl anders), ist einfach sehr groß geworden und kann vom Privatfunk finanziell nicht mehr geschlossen werden, da ist schlicht kein Geld mehr für die dafür nötige, redaktionelle Arbeit. In diese Richtung müssten sich die öffentlich-rechtlichen bewegen.
Und wenn das Wort ausreichend trägt (und um dies zu tun muss Geld in die Hand genommen werden), braucht es weder eine fette Verpackung, krasse Musikbetten noch eine besonders innovative Musikauswahl (weil auch darunter jede Hörerin und jeder Hörer etwas anderes versteht). Damit wird man nicht Quotenmarktführer, sondern Daseinsberechtigungsmarktführer. Manchmal klappt aber auch beides, siehe rbb…
 
Dank an @Aachen-Karlsruher für #78
Nachdem ich mir in den letzten Tagen auch ein paar Gedanken zur Eingangsfrage dieses Threads gemacht habe, möchte ich sie ganz eindeutig beantworten: Nein.
"Radio in Deutschland hat fertig?" - "Alarm!" HIER in Hannover schafft sich ÖRR-Hörfunk ab, wenn ich so per UKW durch die NDR-Hörfunkwellen scrolle.
@Ralle_Köln in #78 stimmt im Prinzip ähnlich zu.
Die Lücke zwischen anspruchsvollem Wort und viel Musik (jeder definiert „Dudel“ wohl anders), ist einfach sehr groß geworden und kann vom Privatfunk finanziell nicht mehr geschlossen werden, da ist schlicht kein Geld mehr für die dafür nötige, redaktionelle Arbeit. In diese Richtung müssten sich die öffentlich-rechtlichen bewegen.
Und wenn das Wort ausreichend trägt (und um dies zu tun muss Geld in die Hand genommen werden), braucht es weder eine fette Verpackung, krasse Musikbetten noch eine besonders innovative Musikauswahl
 
Das Niveau im Wortbereich ist so tief im Keller, das mag tatsächlich zu personellen Engpässen führen, sollten Senderchefs tatsächlich irgendwann einmal umsteuern. Am Wochenende rief die Moderatorin von SWR 3 nachts die Hörer dazu auf, Ausreden zu finden. Sie, die Moderatorin, wolle ihre Mutter nicht besuchen und bat die Hörer um erfundene Erklärungen, die sie verwenden könne, um ihrer Mutter absagen zu können. Das ist so hirnrissig, dass man die SWR 3-Verantwortlichen teeren und federn möchte. Je mehr so ein Blödsinn umsichgreift, desto mehr verlernen die Mitarbeiter des Senders, journalistischen Content zu produzieren.

Der hier erwähnten Ansicht, Musik sei nicht Teil des Problems, möchte ich widersprechen. Seit die Musikindustrie immer weniger Teil der Musikproduktion ist, also seitdem Spotify und Co. das gesamte Musikrepertoire der westlichen Welt für monatlich 10 € verramschen, fehlen die neuen Künstler vom Kaliber eines Elton John, Bruce Springsteen oder Michael Jacksons, die wie ihre Kollegen, etwa in den 80ern, für viele Musikgenre und unzählige qualitativ hochwertige Titelproduktionen sorgen. Seitdem spielen zudem Instrumente wie Klavier, Saxophon oder E-Gitarre kaum noch eine Rolle. Man geht stattdessen viel zu oft den billigen elektronischen Weg. Insbesondere "junge" Programme leiden unter dieser Armut an neuen, spielbaren Titeln.

Die Krise des Radio ist also in Teilen hausgemacht, was Inhalte (Wort) angeht, aber auch durch ein allgemeines Dilemma, einem Mangel an herausragender neuer Musik, verursacht.
 
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Ausgangsfrage: "Ist Radio für das Wiederaufleben eines großen Hörerinteresses gewappnet"?

Braucht es nicht mehr, weil es das große Interesse längst gibt und dies auch schon vielfältig befriedigt wird. Denn nie gab es solch tollen, vielfältigen und großartigen Audio-Content wie heute. Nennt sich Podcast und ist einfach modern, da Zeit-souverän hörbar. Einem heute Unter-30-jährigen kannst du nicht mehr beibringen, dass er sich an einem Montag um 22 Uhr vor ein Gerät zwängen muss, um eine Radiosendung zu hören. Das ist Vergangenheit, Geschichte, tot. Klassisches lineares Radio stirbt aktuell und mit ihm zunehmend die ältere Hörerschaft. Es ist belanglos geworden. Belang und großartigen Inhalt zeigen alleine Podcasts.

Das einzige, was man tun kann, ist diese Podcast-Welt noch in ein lineares Programm zu bringen. Machen inzwischen alle Nachrichtenradios der ARD, aber auch Sender wie DLF Nova oder byte.fm. Das ist aber dann so: Podcast first, lineares Radio second. Für diejenigen, die sich einfach berieseln lassen möchten. Im Bewegtbild heißt das "FAST Channel". Das ist aber nur noch eine Minderheit.

Seien wir doch froh, dass Podcasts das Audio retten, während das klassische Radio zunehmend stirbt und sich selbst abschafft: Moderation nur noch in Prime Times, KI-Musik nachts usw. usf.
 
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@Der Radiotor
Das sehe ich ganz anders. In den zurückliegenden Monaten habe ich viele verschiedene Podcasts, auch unter Beteiligung von Journalisten gehört. Ich bin davon zutiefst enttäuscht. Man redet ewig am vorgegebenen Thema vorbei, man ergeht sich stattdessen minutenlang in belanglosem Schwatz. Länge wird oft durch inhaltliche Tiefe ersetzt.

Das Radio wiederum kann als Live-Medium Entwicklungen, während sie sich entfalten, beschreiben und analysieren. Die Beteiligung des Hörers (live) verleiht ihm und den anderen Hörern ein besonderes Gemeinschaftsgefühl. Ich muss die Stärken des Radios nur nutzen.
 
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Denn nie gab es solch tollen, vielfältigen und großartigen Audio-Content wie heute. Nennt sich Podcast und ist einfach modern, da Zeit-souverän hörbar. Einem heute Unter-30-jährigen kannst du nicht mehr beibringen, dass er sich an einem Montag um 22 Uhr vor ein Gerät zwängen muss, um eine Radiosendung zu hören. Das ist Vergangenheit, Geschichte, tot. Klassisches lineares Radio stirbt aktuell und mit ihm zunehmend die ältere Hörerschaft. Es ist belanglos geworden. Belang und großartigen Inhalt zeigen alleine Podcasts.
Wurde dein Account gekapert?
 
Die meisten kommerziellen Radiosender haben meiner Meinung nach ab 2025/2026 inhaltlich nochmals einen neuen Tiefpunkt erreicht. Keine innovativen Programmideen mehr, Moderation nochmals ein Stück flacher, Musik noch krasser auf 100% Besttester getrimmt (es gibt gar keine Ausreisser bzw. Wow Momente mehr), Nachrichten kürzer... Im Grunde alles noch strenger formatiert und langweiliger. Das kann man aktuell bei vielen Stationen gut beobachten. Ich bin eigentlich kein Pessimist, aber meine nüchterne Meinung: Das Medium so wie wir es kennen, bewegt sich eher in Richtung Ende zu. Schauen wir mal wie es in 5-10 Jahren aussieht.
 
Ein Podcast von Radiosendern (siehe Infowellen) ist doch technisch nichts anderes als eine Vorproduktion, nur, dass man die vorhandene, fertige Datei vor der Ausspielung schon zum Hören / Download anbietet.

Vorproduktionen gibt es fast schon so lange, wie es Radio gibt, nur dass man Tonbänder nicht so einfach zum direkten Abruf bereitstellen konnte.

Der eigentliche Unterschied, als der Hype um
Podcasts losging, lag doch im „wie“, in der Ansprechhaltung.
Mittlerweile muss sich alles „Podcast“ nennen…
 
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Der hier erwähnten Ansicht, Musik sei nicht Teil des Problems, möchte ich widersprechen. Seit die Musikindustrie immer weniger Teil der Musikproduktion ist, also seitdem Spotify und Co. das gesamte Musikrepertoire der westlichen Welt für monatlich 10 € verramschen, fehlen die neuen Künstler vom Kaliber eines Elton John, Bruce Springsteen oder Michael Jacksons, die wie ihre Kollegen, etwa in den 80ern, für viele Musikgenre und unzählige qualitativ hochwertige Titelproduktionen sorgen. Seitdem spielen zudem Instrumente wie Klavier, Saxophon oder E-Gitarre kaum noch eine Rolle. Man geht stattdessen viel zu oft den billigen elektronischen Weg. Insbesondere "junge" Programme leiden unter dieser Armut an neuen, spielbaren Titeln.

Eben: Ich sage dich dass KI-Musik mittlerweile um Welten besser klingt als der Pop-Mainstream, der nur noch einfachste Mittel der Klangerzeugung nutzt (KI beherrscht aber das volle Repertoire). Also, liebe Berater: Immer feste auf den Schlager draufhauen ist mehr als unfein, kehrt vor der eigenen Tür!

Aktuelle Country-Musik oder Latin klingen ja z.B. auch noch sehr anständig, jedenfalls bedeutend besser als die Popmusik unserer Tage, welche bekanntlich vor allem für Teenager und knapp über 20-Jährige produziert wird. Zielgruppen, die den Radiomachern auch hierzulande vorschweben, aber fast nicht mehr erreichbar sind (weil sie auch nicht immer den selben Mist hören wollen, und die immer gleichen Oldies sind für sie keine Alternative).
 
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Ich habe in diesem Thread aufmerksam mitgelesen. Das Radio der Zukunft soll also Hörerinteresse generieren, indem KI-Musik gespielt und möglichst auch von einer KI moderiert wird. Serviceblöcke (Nachrichten, Wetter, Verkehrshinweise) kommen ebenfalls von einer KI. Ich glaube nicht, dass das Radio dann überhaupt noch eine Zukunft hat. Das ist dann wie ein vegetarisches Schnitzel.
 
Das sagt doch niemand, wo hast du das her? Echte Moderatoren sollen hochwertige Musik aus unterschiedlichen Genres spielen, die auch neueren Datums ist und keine Dauer-Hitparadenberieselung mit jungem Mainstream-Pop, auf der "Erwachsenen-Schiene" wiederum nicht überall den selben Oldie-Brei.

Wer hat denn die vielen KI-Sprachroboter installiert? Doch wohl die Betreiber der deutschen Radiosender, und zwar nicht in der Zukunft sondern in der Gegenwart. Wie es scheint ist das Ende der Fahnenstange für die Ultrakurzwelle schon fast erreicht.
 
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Ich will gar nicht sagen, wann mein erstes Radiopraktikum war, das macht mich so alt. Ich kann nur sagen, dass ich in der Medienbranche generell permanent schwierige Zeiten erlebt habe- zu Zeiten, als alles noch verhältnismäßig super war im Vergleich zu heute. Aber immer war so der Grundtenor "is gerade schwierig", und "wer weiß, wo das hinführt". So deutlich wie in den letzten drei Jahren war das Gefühl aber noch nie. Ach, was sag ich, Gefühl - es ist längst Realität. Es wird dermaßen runtergespart, eingedampft, we-ge-exed, verflacht, banalisiert. Ironischerweise höre ich ja selbst zuhause kein Radio mehr, kann aber noch nicht ganz loslassen, interessiere mich für die Entwicklung der Dinge, daher wird im Auto noch mal 10-20 Minuten alle 14 Tage reingehört. Und aus diesem Grundinteresse schau ich hier auch noch regelmäßig rein. Aber eigentlich ist das ganze nur noch ein "Riding a dead horse". Ich kann in dieser momentanen Stimmung nichts konstruktives zum Thread beitragen. Ich sehe bzw höre hier und da hoch motivierten Nachwuchs beim Extrem-Senderhopping. Also es gibt noch Leute, die Bock haben. Aber dann merke ich halt auch, dass dieser Nachwuchs Radio für mich sicher nicht retten kann, weil ich dann als Zielgruppe auch schlicht zu alt bin. Wenn mir ein Twen meine musikalische Jugend mit irgend nem Phrasengedresche a la "jetzt drei Hits am Stück, und wir starten rein mit xy" anteased, mach ich lieber gleich aus und lege ne CD ein. Das hat für mich einfach keinen Mehrwert.
 
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hast Du Zahlen? Wie viel Aufrufe welcher Angebote? Was bedeutet das im Vergleich zu den MA Zahlen der linearen Angebote?
Damit ich glauben kann, dass "Podcast das Audio rettet", wie du behauptest.

Ich finde, Du stellst genau die richtigen Fragen. Mich würden die tatsächlichen Nutzungszahlen der ÖRR Podcast Produktionen auch mal brennend interessieren, und zwar möchte ich nicht nur wissen, wie oft sie angeklickt werden, sondern auch, wie es mit der durchschnittlichen Verweildauer aussieht. Ich komme ja aus dem Bibliothekswesen, und mir ist bewusst, dass ein Klick auf ein EBook bei weitem nicht das Äquivalent zu einer physichen Entleihung darstellt. Eigentlich entspricht der Klick erstmal nur dem Aufschlagen eines Printbuchs am Regal, bei dem man zunächst sondiert, ob sich eine Entleihung tatsächlich lohnt, und da würde man ja auch nicht behaupten, dass das bereits eine Nutzung war. Die entsteht ja erst, wenn ich dann längere Zeit in dem Buch lese. Wenn ich so etwas aber nicht mit berücksichtige, vergleiche ich doch automatisch Äpfel mit Birnen, oder?

Ich hatte damals ja einigen Schriftverkehr mit dem hr wegen der Absetzung meiner Lieblingssendung, und ich habe mehr als einmal danach gefragt, wo man die Nutzungszahlen der digitalen ARD-Angebote einsehen kann und was genau da eigentlich gezählt / gemessen wird - nur die Anzahl der Klicks oder auch die Nutzungsdauer? Diese Fragen wurden jedoch immer geflissentlich ignoriert, und statt eine Anwort zu geben, wurde nur gebetsmühlenartig wiederholt, dass die Einsparungen nötig seien, um mit neuen Angeboten die bisher unterversorgten Zielgruppen zu erreichen. Das Schweigen hinsichtlich der Statistik wundert mich aber auch nicht wirklich, denn wie ich von einer vertrauenswürdigen Person aus dem Rundfunkrat weiß, blieben die Zahlen im Audiobereich wohl weit hinter den Erwartungen zurück. Fazit: Podcasts mögen beliebt sein (auch wenn ich persönlich diesen Formaten meist nichts abgewinnen kann), aber ob der ÖRR mit seinen Eigenproduktionen wirklich mehr Publikum erreicht als mit dem Radio, und somit die krassen Einsparungen auf der einen Seite zugunsten der anderen überhaupt gerechtfertigt sind, wäre ja erstmal zu beweisen.
 
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Vor lauter Angst, eventuell einen Trend zu verpassen, macht man eben überall hektisch (und planlos) mit.

Kenne ich leider genau so aus dem Bibliothekswesen - aus lauter Angst, durch die Digitalisierung die eigene Daseinsberechtigung zu verlieren, wird alles aufgegriffen, was verspricht, gegenüber den Unterhaltsträgern und der Kundschaft hip und sexy zu klingen, während man in das Kerngeschäft der Literaturversorgung am liebsten gar keine Ressourcen mehr stecken würde, was aber so natürlich nicht funktioniert. Das führt dann leider häufig dazu, dass man sich total verzettelt und am Ende wird mit etwas Halbgarem geworben, das eigentlich niemand so richtig haben will, weil der erkennbare Mehrwert und die nötige Expertise fehlen. Ist offensichtlich ein typisch menschliches Verhalten, aber um so bedauerlicher, dass es immer wieder passiert. Ich glaube, das liegt daran, dass in den Leitungsebenen zu viele Bullshit-Bingo-Phrasen gedroschen werden, die nicht eine einzige klare Handlungsanweisung enthalten, aber "Top-down" einen riesigen Erfolgsdruck aufbauen, der dann wiederum das kopflose Handeln verursacht und im Falle des Rundfunks für die gefühlte Abhängigkeit von Beratern und Coaches sorgt, die dieselbe Bullshit-Sprache sprechen. 🤷🏼‍♀️
 
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Aufgrund der intensiven Bewerbung in den Medien abonnieren viele Nutzer Podcasts von prominenten oder semiprominenten Plaudertaschen, die inhaltlich oft völlig irrelevant sind und nur die Hardcore-Fans begeistern. Geworben wird aber immer mit den Abo-Zahlen, selbst wenn nur ein kleiner Bruchteil der Abonennten die aktuellen Folgen wirklich herunterlädt. Die breite Mase besteht aus "Karteileichen", was man tunlichst verschweigt.

Lanz und Precht funktionieren noch am besten, weil Lanz ein fernsehbekannter Polittalker ist und Precht von seiner meist weiblichen Anhängerschaft verehrt wird wie ein Halbgott.
 
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Ich finde, Du stellst genau die richtigen Fragen. Mich würden die tatsächlichen Nutzungszahlen der ÖRR Podcast Produktionen auch mal brennend interessieren,
Da passt etwas erschütternd Desillusionierendes aus der ÖRR-Behörde, das ich neulich schon posten wollte:

Cathrin Jacob, die labergewandte Leiterin der "Podcast-Unit" der ARD, schwärmt von ihrer Arbeit mit "Talents" und verrät, dass es Podcasts der ARD (aka "Das ganz große Wimmelbild") gibt, die "in den letzten zwei Jahren 12 Abrufe generiert" haben. Insgesamt wären es in der ARD Audiothek 1600 bis 1800 Podcasts!

 
Eigentlich entspricht der Klick erstmal nur dem Aufschlagen eines Printbuchs am Regal, bei dem man zunächst sondiert, ob sich eine Entleihung tatsächlich lohnt, und da würde man ja auch nicht behaupten, dass das bereits eine Nutzung war. Die entsteht ja erst, wenn ich dann längere Zeit in dem Buch lese. Wenn ich so etwas aber nicht mit berücksichtige, vergleiche ich doch automatisch Äpfel mit Birnen, oder?
Nein, denn auch bei einem ausgeliehenen Buch ist hinterher nicht belegt, dass der Nutzer das Buch auch tatsächlich gelesen hat. Wie hoch ist die Chance, dass er das Buch nach wenigen Seiten beiseite legt, weil es ihm letztlich doch nicht zusagt? Als gelesen, weil einmal ausgeliehen gilt das Buch aber dennoch. Und bei den Podcasts verhält es sich halt ähnlich. Zu den bundesweit erfolgreichsten Podcasts gehören aktuell die Laberrunden von Olli Schulz und Jan Böhmermann, welche vorher bei Radio Eins unter anderem Namen auch erfolgreich linear ausgestrahlt wurden. Der Laber-Podcast vom Gespann Oliver Welke und Oliver Kalkofe läuft dagegen noch immer erfolgreich parallel auf Radio Eins im linearen Programm. So ganz unerfolgreich scheinen die Podcasts daher nicht zu sein. Und davon völlig unabhängig stört mich schon länger, dass alles was nicht linear zum Abrufen bereitgestellt wird zum Podcast degradiert wird. Features, Audio-Dokus oder auch hörspielähnliche Produktionen gibt es nach wie vor. Trotzdem wird alles pauschal als Podcast bezeichnet. Da sollte man langsam mal ernsthaft über eine differenzierte Betitelung nachdenken, denn nur dann läßt sich auch der Erfolg oder Mißerfolg von Podcasts genauer unter die Lupe nehmen.
 
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Podcasts! - Es gibt so'ne, solche, ... und andere. ... vergleiche @ricochet #95 ff.
Im Bereich "Lineares Radio" sind Podcasts eine Innovation:
Als Vorproduktion können sie das Programm füllen; oft nur verkürzt mit Auszügen und dann dazu der Hinwis auf den vollständigen Podcast.
 
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