• Diese Kategorie ist für Diskussionen rund um die Programminhalte der Sender gedacht. Über Frequenzen und Empfang kann sich unter "DX / Radioempfang" ausgetauscht werden.

KI im redaktionellen Einsatz

Ich glaube nicht, daß beispielsweise bei tagesschau.de großartig KI im Einsatz ist. Ich sehe dort (seit längerer Zeit) vermehrt Rechtschreibfehler, die es früher einfach nicht so oft gab. Ich schiebe das auf fehlende Endkontrolle, bevor die Texte freigegeben werden.
Nicht nur dort, lieber Zwerg. Mir fällt das in vielen Online-Artikeln auf, wobei die Abschaffung des Schlussredakteurs zeitlich vermutlich noch früher zu verorten ist.
Ich führe das vielmehr auf die Zusammenführung journalistischer Tätigkeiten auf einen Redakteur zurück, der mehrere Kanäle zugleich - und vor allem: schnell! - bespielen muss. Da ist keine Zeit mehr für eine gründliche Zweitlese und Korrektur. Video, Audio, Online und SoMe: Husch-husch-Journalismus at it's best. Qualität scheint überflüssig geworden zu sein.
Schon in den 1990er-Jahren postulierte ein BWL-Student: "Qualität ist nicht das, was du bieten kannst, sondern das, was der Markt zu zahlen bereit ist."

Es kann natürlich sein, daß die KI angewiesen ist, aller 20000 Zeichen einen Buchstabendreher (oder andere Kleinigkeiten) einzubauen, um menschliche Aktivität bei tagesschau.de zu simulieren.
Das wäre die These der italienischen Speisekarte (Nationalität beliebig austauschbar):
Der perfekt deutsch sprechende Gastronom bastelt Fehler in seine Speisekarte ein, um somit als "echter" Italiener mit vermeintliche holprigem Deutsch vorgeblich authentischer zu wirken.
 
Nicht nur dort, lieber Zwerg. Mir fällt das in vielen Online-Artikeln auf, wobei die Abschaffung des Schlussredakteurs zeitlich vermutlich noch früher zu verorten ist.
Ich führe das vielmehr auf die Zusammenführung journalistischer Tätigkeiten auf einen Redakteur zurück, der mehrere Kanäle zugleich - und vor allem: schnell! - bespielen muss.
Quasi richtig und richtig.

Die Texte der öffentlich-rechtlichen werden zwar nach dem Vieraugenprinzip veröffentlicht, aber häufig unter Zeitdruck. Da passiert sowas halt.
Aber KI-geschrieben (oder kontrolliert) ist da nichts.
 
Ich möchte nur zu gern wissen was passiert wenn Verlagsdirektoren, Lektoren, Lobbyisten, Buchkritiker und nicht zuletzt die Konsumenten erfahren dass Gemini mittlerweile Bücher im Umfang von 1 Million Tokens, das sind rund 2000 Seiten, schreiben kann ohne den Überblick über die Handlung zu verlieren, ohne von den stilistischen Vorgaben abzuweichen oder inhaltlich inkonsistent zu werden.

Besonders beliebt bei Freunden höherwertiger Prosa und Poesie ist Claude 4, das ein Kontextfenster von 200.000 Tokens aufweist. Kaum einer gibt zu sich von Claude Abschnitte seines Buches oder Essays erstellen zu lassen, dennoch ist es jetzt möglich mit Claude zusammenhängende Werke von bis zu 500 Seiten schreiben zu lassen, die literarisch im gehobenen Segment angesiedelt sind. ChatGPT hing mit 128.000 Tokens noch etwas hinterher, GPT 4.1 kann seit April aber ebenfalls kohärente Bücher und Sendemanuskripte im Umfang von bis zu 2000 Seiten erstellen. Nur weiß das noch kaum jemand, weil die wenigsten die erweiterten technischen Benchmarks in praktische Projekte umrechnen können.

Aber bald weiß es auch der Mainstream. Lässt sich dann jeder seine eigenen Krimis und Lehrbücher schreiben? Steht dann jeder Autor automatisch unter Generalverdacht sein Werk nicht selbst verfasst zu haben, und wie will man am Ende die Beweisführung antreten wenn das Buch von Gemini geschrieben und von ChatGPT lektoriert wurde, das ohnehin fast jeder Autor zur Stilkontrolle heranzieht?

Neue Möglichkeiten ergeben sich auch für Hörspiele, Drehbücher und ausgedehnte Doku-Reihen oder Features, die man nun noch leichter "faken" kann. Ein Thema, das uns alle betrifft.
 
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Bevor hier jemand dem Chatbot aufträgt eine tausendseitige Mittelalter-Saga zu schreiben: Das große Kontextfenster ist bei ChatGPT auf die API beschränkt und derzeit noch kostenpflichtig. Bei Gemini ist das 1-Millionen-Token-Fenster derzeit nur Kunden von Google's Vertex-AI-Plattform vorbehalten, Claude bietet ebenfalls ein 1-Millionen-Token-Fenster für bestimmte Bedarfsfälle bei Kunden via API, Vertex AI oder Amazon Bedrock. Aber in absehbarer Zeit dürfte das Angebot auch für die breite Nutzerbasis ausgerollt werden, denn Google erweitert sein Spitzenmodell bald auf 2 Millionen Tokens.

Weil bei allen großen, allgemein zugänglichen Sprachmodellen heute 180.000 Tokens Standard sind kann man schon jetzt problemlos Bücher von 300-380 Seiten in Auftrag geben, die kontextuell voll stimmig sind. Der Prompt sollte 2-3 Seiten lang sein und klar zum Ausdruck bringen was man gerne haben möchte. Es empfiehlt sich auf jeden Fall ein kostenpflichtiger Account, weil die Ausgabe dann in möglichst wenigen Abschnitten erfolgt und recht zügig voranschreitet. Es kann also je nach Abo-Plan sein dass der Chatbot mehrmals pausiert. Dann muss man nur noch "Fahre fort" prompten bis das Buch fertig ist, Kontext und Stil bleiben immer voll erhalten.

Tpische Anwendungsfälle wären Groschenhefte, Krimis, Romane, Hörspiele oder Serienprodukte aller Art. Ein Verlag - wie etwa Bastei - könnte ein großes Sprachmodell (z.B. in Form des auf hochgeladene Vorlagen zurückgreifenden Gemini Advanced) mit tausenden Romanen aus dem Archiv trainieren und dann nur noch prompten: "Schreib mir einen weiteren Jerry-Cotton-Roman / Bergkristall-Heimatroman / Gespenster-Krimi im Standardumfang".

Bei Comedy-Reihen, Kinderprogrammen und anderem artverwandten Content könnte man ähnlich verfahren, aus einzelnen Beiträgen aus dem Schallarchiv könnte man zusammenhängende Bücher oder Sendungsmanuskripte machen, denn Gemini ist multimodal - es wertet auch Audiodateien oder Videos aus und macht daraus Text.
 
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KI hat Vor- und Nachteile. Zu ihren "Segnungen" gesellt sich nun auch noch das Problem der Robotik, das zu zunehmender Automatisierung und unvermeidlichen Arbeitsplatzverlusten führt, die wohl nur unvollständig kompensiert werden können.

Ein Plusminus-Beitrag bringt das auf den Punkt. Durch KI können aber auch Fernsehbeiträge schnell fürs Radio verfügbar gemacht werden, die beim bloßen Transkribieren wegen der vielen O-Töne immenser Nachbearbeitung bedürfen.

Da innerhalb der ARD das Hauptaugenmerk der Berichterstattung ja längst auf den Fernsehangeboten liegt, eröffnen sich durch die Textverarbeitung mithilfe künstlicher Intelligenz ganz neue Perspektiven der kosteneffizienten Programmaufwertung verbundeigener Radiosender.

Das ist der Originalbeitrag aus Plusminus:

https://www.ardmediathek.de/video/Y...EwOTgwOS0xMmViLTRjYTEtODVlYi1jZTJkYWMwMmE0MTA

Hier eine seriöse Version fürs Radio:

Roboter und KI – Wie Technologie den Arbeitsmarkt verändert

Roboter und Künstliche Intelligenz (KI) werden zunehmend zu einem integralen Bestandteil der Arbeitswelt. Während manche Befürchtungen vor Arbeitsplatzverlusten laut werden, sehen Expert*innen darin vor allem Chancen, insbesondere angesichts des wachsenden Fachkräftemangels. Prognosen zufolge werden in den kommenden fünf Jahren in Deutschland rund fünf Millionen Arbeitskräfte fehlen.

Technologisch hat die Robotik erhebliche Fortschritte gemacht: So präsentierte ein US-amerikanisches Startup zwei Roboter, die selbstständig einen Kühlschrank einräumen konnten – ohne spezifisches Training für die eingesetzten Objekte. Auch deutsche Unternehmen zeigen Entwicklungen: Die dritte Generation eines Haushaltsroboters ist inzwischen in der Lage, Knöpfe zu drücken und Hebel zu betätigen – Tätigkeiten, die ein hohes Maß an Feinmotorik erfordern.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für den Einsatz von Robotik findet sich bei BMW in Leipzig. Dort übernehmen vollautomatisierte Roboter die Oberflächeninspektion von Fahrzeugen und analysieren mittels Sensorik und KI-basierter Bildinterpretation die Karosserien aus 150 Blickwinkeln. Die Automatisierung ersetzt dort zeitraubende manuelle Prüfungen, die bislang durch menschliche Fachkräfte durchgeführt wurden.

Auch jenseits der industriellen Großproduktion zeigt sich ein Trend zur Automatisierung. In Logistikzentren stapeln Roboter autonom Behälter auf Paletten, Fahrzeuge bewegen sich selbstständig durch Montagehallen und reagieren auf ihre Umgebung mittels Lasersensorik. In Großküchen räumen spezialisierte Maschinen Tabletts ab und sortieren Geschirr – Tätigkeiten, die bisher schwer zu automatisieren waren.

Die demografische Entwicklung verstärkt den Bedarf nach technischen Lösungen. Laut Bertelsmann Stiftung sinkt die Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte in Deutschland bis 2050 um rund 27 Prozent. Dieser Rückgang steigert den Anreiz für Unternehmen, vermehrt in Automatisierung zu investieren – nicht nur im industriellen Maßstab, sondern auch in kleineren Betrieben.

Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung benutzerfreundlicher Robotersteuerungen. Eine Dresdner Firma ermöglicht mit ihrer Software die einfache Programmierung von Robotern ohne Programmierkenntnisse. Ziel ist es, auch handwerklichen Betrieben den Zugang zur Automatisierung zu eröffnen.

Humanoide Roboter sind vor allem aufgrund ihrer flexiblen Einsatzmöglichkeiten interessant. Sie lassen sich für unterschiedliche Aufgaben nachrüsten und durch direkte menschliche Anleitung trainieren – etwa durch sogenannte Teleoperatoren, die Bewegungsabläufe vormachen, damit Maschinen sie imitieren.

Abschließend stellt sich die Frage nach den gesellschaftlichen Auswirkungen dieser Entwicklung. Zwar könnten durch KI und Robotik bestimmte Tätigkeiten entfallen, doch entstehen gleichzeitig neue Berufsbilder und Anforderungen. Expert*innen gehen daher nicht von einer systematischen Verdrängung menschlicher Arbeitskraft aus. Vielmehr wird betont, wie wichtig die Qualifikation von Beschäftigten ist, damit sie produktiver arbeiten und höhere Einkommen erziele
n können.

Roboter und KI sind damit weder Allheilmittel noch Bedrohung – sondern Werkzeuge, deren verantwortungsvoller Einsatz eine entscheidende Rolle für die Zukunft des Arbeitsmarktes spielt.

Und hier die reißerischere Version:

Kollege Roboter – Die Zukunft der Arbeit hat begonnen

Atmo: Surrende Maschinen, rhythmisches Rattern, gedämpfte Stimmen in der Halle
Voice-over, energisch:
Sie schleichen nicht, sie quietschen nicht – und sie schlafen schon gar nicht. Roboter sind da, leise, präzise und ausdauernd. Aber: Sind sie Kollegen oder Konkurrenten?

Studioton, dynamisch:
Deutschland fehlt es an Fachkräften – fünf Millionen in den kommenden Jahren. Während Menschen rar werden, stehen Maschinen bereit: programmierbar, lernfähig, oft sogar lernwillig. KI macht sie smarter. Die Zukunft heißt: Zusammenarbeit.

Atmo: Kühlschranktür wird geöffnet, metallisches Klacken
Im US-Videobeitrag räumen zwei Roboter gemeinsam einen Kühlschrank ein – ganz ohne Training. Einfach so? Auch hierzulande hantiert ein Haushaltsroboter schon an der Waschmaschine. Knöpfe drücken, Hebel umlegen – die dritte Generation beherrscht menschliche Bewegungen erstaunlich gut.

Atmo: Auto fährt durch Halle, Sensor-Piepen, mechanische Arme bewegen sich
BMW Leipzig: Acht vollautomatisierte Roboter prüfen Autokarosserien aus 150 Blickwinkeln. Keine Müdigkeit, kein Meckern – nur Präzision. Wo früher Menschen mit Augen und Händen kontrollierten, schaut jetzt KI ganz genau hin.

Studioton, nachdenklich:
Autonome Fahrzeuge rollen durch die Hallen, gesteuert per Laser. Niemand muss mehr hunderte Male einsteigen und losfahren. Wer fehlt, wird ersetzt – oft durch Automatisierung. Ein Trend, den die Demografie antreibt: weniger Arbeitskräfte, mehr Maschinen.

Atmo: Klirren von Geschirr, Wasserrauschen
In Großküchen räumen Roboter Tabletts ab und beladen Spülmaschinen. Was früher mit Hand-Augen-Koordination kaum automatisierbar war, gelingt nun dank KI. Das Zauberwort: Effizienz.

Studioton, neugierig:
Und nicht nur bei Massenproduktion: Ein Roboter schleift Metallteile – sogar die von Musikinstrumenten. Ein Mensch dürfte das nicht stundenlang tun. Die Maschine? Arbeitet rund um die Uhr – sieben Tage pro Woche.

Atmo: Tastendrücken, sanfte Musik im Hintergrund
Ein Tischler programmiert Roboter – ganz ohne Code. Dank einer Dresdner Software lernen Maschinen schneller als je zuvor. Routinejobs werden automatisiert, kleine Betriebe ziehen nach.

Studioton, zukunftsgewandt:
Humanoide Roboter in Fabriken? Ja – weil sie flexibel sind und sich nachrüsten lassen. Ein Teleoperator trainiert sie durch Gesten in Echtzeit. Menschliches Know-how trifft maschinelle Lernkraft.

Studioton, reflektiert:
Doch was bedeutet das für unsere Sozialsysteme? Wenn weniger Menschen arbeiten, fehlt auch die Finanzierung. Wird Arbeit neu definiert? Experten sagen: KI ersetzt Jobs – aber sie schafft auch neue.

Studioton, hoffnungsvoll:
Der Schlüssel liegt in Qualifikation. Wer sich weiterbildet, arbeitet produktiver, verdient mehr. Roboter sind keine Bedrohung – sie sind Werkzeuge. Die Arbeit von morgen beginnt schon heute.
 
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Stilistisch ist Gemini schon sehr ausgereift. Wenn man ein paar Ideen vorlegt schreibt es Kapitel um Kapitel - ohne dass man eigene Vorschläge beisteuern müsste. Wie in dieser Kriminageschichte:

Das Hotel "The Peak" trug seinen Namen mit der stillen Arroganz eines Ortes, der
wusste, dass er über den Dingen schwebte – sowohl geografisch als auch
gesellschaftlich. In der Bar, einem Refugium aus dunklem Zirbenholz, knisterndem
Kaminfeuer und dem Geruch von altem Leder, war die Welt ein perfekt komponiertes
Gemälde. Draußen versank die Sonne hinter den schneebedeckten Gipfeln des Berner
Oberlandes und tauchte die Landschaft in ein kaltes, violettes Licht.

Helene Winter saß allein an einem kleinen Tisch in der Ecke, ein Glas Lagavulin vor
sich, dessen torfiger Duft sich mit der süßlichen Note von Parfüm und Geld
vermischte. Sie war eine Meisterin der Unsichtbarkeit, eine Fähigkeit, die sie über
Jahrzehnte kultiviert hatte. Während andere Gäste ihre Präsenz durch lautes Lachen
oder auffällige Gesten markierten, schien Helene die gedämpfte Atmosphäre der Bar
in sich aufzusaugen. Ihre Augen, von einem feinen Netz aus Lachfalten umgeben,
verrieten eine Wachsamkeit, die im Widerspruch zu ihrer entspannten Haltung stand.
Sie war nicht hier, um gesehen zu werden. Sie war hier, um zu sehen.

Ihr Blick fiel auf die Gruppe, die den besten Platz am Panoramafenster besetzt hielt.
Frank Bergmann, das Zentrum dieses kleinen Systems, lehnte sich in seinem Sessel
zurück. Ein Mann von jener Sorte, deren Selbstbewusstsein so maßgeschneidert war
wie sein Anzug. Er strahlte eine Macht aus, die nicht auf Charme, sondern auf
schierem Gewicht beruhte – dem Gewicht seines Vermögens.

Neben ihm saß seine Frau, Luisa. Sie war von einer zerbrechlichen Schönheit, wie
eine Porzellanfigur, die zu heiß gebrannt wurde und nun feine, unsichtbare Risse
aufwies. Ihr Lächeln erreichte ihre Augen nicht, die immer wieder flüchtig den Raum
absuchten, als suchten sie einen Fluchtweg...

Könnt ihr euch noch an die Fortsetzungsromane im Radio erinnern? Wortprogramme kennen noch vergleichbare Formate, wie Geschichten oder Buchlesungen. Je mehr ich in die Materie eindringe, desto mehr glaube ich dass die vielen tollen Romane, die die Verlage heute in Umlauf bringen, hauptsächlich dem Ghostwriter KI zu verdanken sind.

Und dann gibt es ja noch Heerscharen von Autoren bei diversen Fernsehkrimi-Schmieden, Telenovelas, Daily Soaps etc, ein Schelm, der auf böse Gedanken kommt.
 
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Ich finde die Diskussion hier sehr interessant. In Bezug auf Radio bin ich zwar nur auf der Konsumenten-Seite unterwegs, aber da ich als wissenschaftliche Bibliothekarin an einer hessischen Uni-Bibliothek tätig bin, kann ich sagen, dass KI und ihre Einsatzmöglichkeiten auch die Welt der Hochschulen bereits ziemlich aufgemischt hat. Zum Beispiel ist da die Frage, was schriftliche Prüfungsleistungen eigentlich noch wert sind, wenn einem plötzlich Arbeiten vorgelegt werden, in denen die Hälfte der im Literaturverzeichnis genannten Fundstellen in Wirklichkeit gar nicht existiert. Und wenn in einem Artikel in einer renommierten Fachzeitschrift, der die übliche fachliche Begutachtung (das sog. "Peer Review") durchlaufen hat, die Einleitung mit dem Satz beginnt "Certainly, here is a possible introduction for your topic", wobei die Verwendung von KI in natürlich in keinster Weise gekennzeichnet wurde, was aber offenbar niemandem im gesamten Publikationsprozess aufgefallen ist, gibt einem auch das sehr zu denken ( siehe dazu https://www.horizonte-magazin.ch/2024/06/06/ki-in-paper-erwischt/ ). Für uns als Bibliotheken stellt sich die Frage, wie wir in einem unserer ureigensten Aufgabengebiete - der Vermittlung von Informationskompetenz im Bereich der Literatur- und Datenrecherche - mit dem Thema umgehen, angesichts des Dschungels von verschiedenen, sich ständig wandelnden Tools, von (noch) kostenlos nutzbar bis teuer zu lizenzieren (wie z.B. der "AI Research Assistant", den Clarivate als Zusatzmodul für seine fachübergreifende Datenbank "Web of Science" anbietet), bei bisher noch recht dürftigen Richtlinien, was überhaupt erlaubt sein soll und was nicht, auch hinsichtlich des Datenschutzes, wohl wissend, dass alle Welt die ihr zugänglichen KI-Hilfsmittel ja sowieso schon an jeder Ecke nutzt, wahrscheinlich meistens ohne entsprechende Kennzeichnung. Ich denke, viele von uns sind damit aktuell mehr als überfordert.

Kürzlich war ich beim Bibliothekskongress in Bremen und hörte dort den interessanten Vortrag eines Kollegen von der UB Gießen mit dem Titel "KI-Kompetenzen praktisch vermitteln: Methoden und Tools für nachhaltige Schulungskonzepte" ( wen das im Detail interessiert, der findet hier ein Abstract und die Folienpräsentation: https://opus4.kobv.de/opus4-bib-inf...archtype/simple/query/Waldschmidt/docId/19712 ). Er stellte unter anderem dar, dass er in einem Modul zum Informations- und Datenmanagement die Kursteilnehmer eine englischsprachige Podcast-Folge über seine Veranstaltung anhören und diese dann kommentieren ließ. Hier einer der Kommentare:

"Tiefer Einblick in den Kurs durch zeitgemäßen Podcast in Dialogform. Extrem gute Umsetzung, Hut ab! Als Student der Fachjournalistik würde ich tatsächlich geme mal wissen, wie die Podcast-Episode produziert wurde."

Einigen Teilnehmenden kam relativ bald der Verdacht, dass es sich um einen mittels KI generierten Podcast handeln könnte, andere konnten sich das überhaupt nicht vorstellen. Aber es war tatsächlich so, den Podcast hatte der Dozent mit NotebookLM erzeugt um bei den Studierenden die kritische Reflexion anzuregen (aus den Shownotes dazu: "Der Podcast wurde vollständig mit dem zu Google gehörenden KI-Tool NotebookLM generiert. Zur Erstellung wurden lediglich die Vortragsfolien als PDF hochgeladen. Diese wurden nicht speziell aufbereitet, d.h. das Gespräch selbst ist nicht besonders für den Podcast geskriptet. Bitte beachten Sie, dass nicht alle Folieninhalte korrekt wiedergegeben wurden und manche Informationen zwar plausibel klingen, es aber nicht unbedingt sind."). Ich selbst bin immer wieder baff, wie realistisch sich solche DeepFake-Stimmen anhören und wie elegant die eingefütterten Inhalte auf einen relativ simplen Prompt hin dialogisch dargestellt werden können, bis hin zu kleinen Lachern und Scherzen am Rande. Wer so was noch nicht gehört hat, der findet die vermeintliche Podcast-Folge aus der genannten Veranstaltung auf dieser Seite: https://www.uni-giessen.de/ub/de/lern/tutku/infdm/infdm1/infdm1-zp

Das Beispiel zeigt aus meiner Sicht recht gut, wie wichtig die kritische Auseinandersetzung mit KI und ihren Anwendungsmöglichkeiten vor allem in Studium und Ausbildung ist, denn wenn wir von Studierenden reden, dann reden wir ja irgendwie auch von den Führungskräften, Lehrern, Journalisten, ... von Morgen, von denen ich eigentlich erwarte, dass sie mehr als nur gutes Prompten gelernt haben. Mal ganz zu schweigen von weiteren ethischen Aspekten einer ungebremsten KI Nutzung. Der enorme Energieverbrauch wird höchstens mal in einem Nachsatz thematisiert, die in der Regel miesen Arbeitsbedingungen der sog. "Datenarbeiter" in Billiglohn-Ländern wird selten bis gar nicht erwähnt (interessanter Beitrag hierzu siehe unter https://www.tu.berlin/news/interviews/ohne-uns-keine-ki ). Aber ich persönlich bin leider nicht sehr optimistisch, dass sich da in ausreichendem Maße etwas tun wird.

Ich hoffe, das war jetzt kein ganz uninteressanter Exkurs und nicht zu weit vom Thema dieses Threads entfernt, aber ein Blick über den eigenen Tellerrand hinaus schadet ja meistens nicht. 😉
 
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Sehr interessanter Beitrag. Ich verweise diesbezüglich auf den Nachbarthread über KI-Sprachsynthese, in dem ich mich ausgiebig mit der Podcast-Erzeugung via Gemini und NotebookLM beschäftigt und zahlreiche Beispiele gepostet habe, denn mittlerweile gibt es die Podcasts auch auf Deutsch. Hier ist der Link zu einem meiner Posts vom Frühjahr:


Der enorme Energieverbrauch wird höchstens mal in einem Nachsatz thematisiert, die in der Regel miesen Arbeitsbedingungen der sog. "Datenarbeiter" in Billiglohn-Ländern wird selten bis gar nicht erwähnt

Da haben Sie natürlich vollkommen recht. Dennoch gelang es den Tech-Konzernen, allen voran Google und Microsoft, den Stromverbrauch einer klassischen Chatbot-Anfrage binnen 2 Jahren durch moderne Server-Architektur um 90% zu reduzieren. Das Problem der Datenarbeiter wird sich durch zunehmende Systemautonomie von selbst lösen, dann droht den prekär Beschäftigten eben Arbeitslosigkeit.
 
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Sehr interessanter Beitrag.
Danke, freut mich, wenn es ein wenig interessant war - ich habe hier ja noch nicht oft Beiträge verfasst und bin deshalb manchmal noch sehr unsicher, was das betrifft. 😅

Ich verweise diesbezüglich auf den Nachbarthread über KI-Sprachsynthese, in dem ich mich ausgiebig mit der Podcast-Erzeugung via Gemini und NotebookLM beschäftigt und zahlreiche Beispiele gepostet habe, denn mittlerweile gibt es die Podcasts auch auf Deutsch. Hier ist der Link zu einem meiner Posts vom Frühjahr

Wow, Danke für den Hinweis auf den Nachbarthread mit Ihren Analysen zu den verschiedenen Tools! 👍🏻 Ich habe noch nicht alles gelesen bzw. angehört, aber das, was ich gehört habe, war schon sehr spannend und beeindruckend! 😃 Machen Sie das aus privatem Interesse oder sind sie damit beruflich befasst?

Dennoch gelang es den Tech-Konzernen, allen voran Google und Microsoft, den Stromverbrauch einer klassischen Chatbot-Anfrage binnen 2 Jahren durch moderne Server-Architektur um 90% zu reduzieren. Das Problem der Datenarbeiter wird sich durch zunehmende Systemautonomie von selbst lösen, dann droht den prekär Beschäftigten eben Arbeitslosigkeit.

Um die Sache mit der Systemautonomie zu beurteilen, bzw. ob und wie lange in diesem Zusammenhang noch menschliche Arbeitskräfte gebraucht werden, stecke ich definitiv nicht tief genug drin in der Materie. Was den Energieverbrauch betrifft, so fand ich diesen gut zwei Monate alten Artikel sehr informativ:


[ Mir war vorher tatsächlich nicht klar, dass Bitcoin-Transaktionen noch mehr Energie verbrauchen, als Chatbot-Anfragen - das macht Ersteres für mich noch unsympathischer, als es mir ohnehin schon war. ]

Ich denke, wie sich der Gesamtenergieverbrauch durch KI zukünftig entwickelt, hängt eben nicht nur von der Energieeffizienz der verwendeten Hardware-Systeme ab, sondern auch davon, wie stark sich gleichzeitig die Anzahl und der Energieverbrauch neuer Modelle erhöhen, sowie die Zahl ihrer Anwender. Aber das gilt natürlich genauso auch für andere Technologien.

Am Ende bleibt für mich noch die Frage, wie stark KI den Prozess beschleunigt, in dem der Kapitalismus sich selbst auffrisst. Denn daran, dass künstliche Intelligenz wohl viele menschliche Arbeitsplätze vernichten und ein weiteres Mal dafür sorgen wird, dass die Schere zwischen arm und reich weiter aufgeht, besteht doch kaum ein Zweifel, oder? Ich muss in diesem Zusammenhang immer wieder an einen Film denken, den wir in der Mittelstufe in Gemeinschaftskunde geschaut haben. Darin ging es damals um eine sehr optimistische Zukunftsvision, derzufolge wir dank zunehmender Automatisierung eines Tages eine Freizeitgesellschaft sein würden. Schön wär's ja, aber da die Früchte des technologischen Fortschritts in der Regel nicht allen gleichermaßen zugute kommen und der Wegfall von Arbeit in der echten Welt somit leider meistens mit dem Verlust von Einkommen einhergeht, ist das mit der Freizeitgestaltung so eine Sache, was sich wiederum nicht gut auf die gesamtgesellschftliche Stimmung auswirken dürfte. Vor dem Hintergrund fällt es mir manchmal eher schwer, das Ganze als segensreiche Entwicklung zu betrachten. Obwohl: vielleicht wird es dann ja in ein paar Jahren wieder leichter, einen Handwerker zu kriegen, wenn man einen braucht. 😉
 
Machen Sie das aus privatem Interesse oder sind sie damit beruflich befasst?
Ich bin jetzt nicht direkt der Verfasser, aber von Auftreten und Anpreisung erinnert es sehr stark an die Vertreter der großen Systemhäuser, an deren Produktpräsentationen ich öfter teilnehmen muss auserwählt bin, teilnehmen zu dürfen, die ja auch aufschlussreich sind, von sympathischen Menschen rübergebracht, man muss sich nur im Klaren sein, warum das Wissen über ein perfektes Produkt (;-) ) so altruistisch geteilt wird.
Bitte widerlegt mich, aber Vertriebler bleibt Vertriebler.
 
Lieber Ralle - ich vertrete nur mich selbst :)

Ich wagte ein kleines Experiment und bat auf einer relativ neuen, darauf spezialisierten Plattform ein Team von KI-Agenten mir ein kleines Buch mit sommerlichen Krimi-Kurzgeschichten zu erstellen; viele dürften das noch nicht versucht haben, denn die "Agents" berieten sich intensiv über die Vorgehensweise...

Unter KI-Agenten versteht man auf Algorithmen beruhende virtuelle Arbeitskräfte, die mittels Sprachmodellen mit ihren "Kunden" in natürlicher Sprache kommunizieren und aus einer Gruppe unterschiedlicher Instanzen bestehen. So gibt es Koordinateure, die das Geschehen überwachen, Programmierer, Rechercheure, Unterhändler oder was auch immer, wobei sie zwecks Erfüllung einer Aufgabe autonom von der KI ohne menschliches Zutun "rekrutiert" werden. Alle "Agenten" arbeiten als Team an der Umsetzung eines Projekts und existieren als Akteure nur innerhalb des jeweiligen KI-Netzwerks.

KI-Agenten sind in Unternehmen schon vielfältig im Einsatz, ohne dass die breite Masse viel davon mitbekommen hätte. Sie arbeiten als Buchhalter, Controller, Programmierer, Kanzleigehilfen, Steuerprüfer und teilweise sogar als Co-Manager. In den nächsten beiden Jahren sollen sie endgültig "marktreif" werden.

Dieses Buch ist 100% KI - vom Umschlag bis zum Inhalt:


Die Agenten wiesen mich darauf hin, dass es sich um eine vorläufige Version handelt. Man könne, wenn man wolle, den Text nochmals lektorieren lassen, was aber zusätzliche Credits kostet.

Immerhin: Der Titel ist von mir, aber nur der Titel...

Willkommen in der Zukunft.

P.S.: Ihr dürft das Buch gern weitergeben oder verwerten, es ist logischerweise lizenzfrei. Für die Qualität übernehme ich keine Verantwortung.
 
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Wann kommt die 'Zeitenwende'? - Aktuell wird über eine Altersgrenze für Nutzung von Social Media erst ab 16 diskutiert. ... Die Lage bleibt schwierig. "KI!" als Monstranz zu tragen kann nicht die Lösung sein. ...
 
@Ukulele #93:
Das eine hat nichts mit dem anderen und alles nur sehr wenig mit dem Thema zu tun.

Ich denke doch schon:
Das Medium Hörfunk wird hier diskutiert, gejammert wird, dass die berühmte 'Jugend' vom Medium Hörfunk entfremdet ist. Thema im Faden ist: "Ki im redaktionellen Einsatz."
Im Mainstream wird KI als Hoffnung zur Lösung aller Probleme auf's Schild gehoben. ... "Keine Zweifel?" ...
ICH sorge mich um die Zukunft des Mediums Hörfunks:
"KI im redaktionellen Einsatz!" ...
Im Prinzip eine neue hilfreiche Technologie. ABER: "Ein Mal falsch abgebogen!" - "Und dann?"
Unstrittig, dass KI neue Entwicklungen ermöglicht. Dem absoluten Heilsglauben darf man da aber nicht undifferenziert folgen.
 
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Google hat wieder mal nachgelegt und sorgt mit neuen Formaten auch für neue Inspirationen im journalistischen Alltag. Zwar kann man mit den neuen "Video Overviews" kein Radio machen, die Erklärstücke, die von der KI-Stimme zu jedem beliebigen Thema oder jeder erdenklichen Quelle kommentiert werden sind aber so originell und spritzig, dass man den Skript fast 1:1 in reichweitenstarken Radiowellen übernehmen kann.

Wie funktioniert die MA Radio eigentlich wirklich? Der pointierte Überblick auf Basis offizieller PDF-Dokumente der agma ist zwar nicht neutral oder kontrovers, aber darum geht es in dieser radiospezifischen Demo auch gar nicht. Sie eignen sich aufgrund ihrer Radio-Spezifik aber sehr gut als Beispiele für den erweiterten Diskurs. Probiert es einfach mal selbst aus. Ein wunderbares Mittel gegen jede Kreativflaute.


Auch die NotebookLM-Podcasts wurden in der deutschen Version stark erweitert und dauern jetzt bis zu einer halben Stunde. Dieses Format versteht es meisterhaft umfangreiche und schwer zu lesende Dokumente einfach, verständlich und in unterhaltsamer Form aufzubereiten. Jeder Journalist, der es zu Hilfe nimmt, hat schnell den Durchblick und kann auf ein fertiges Konzept zurückgreifen. Der Jargon ist so radiofreundlich, dass man schon eine gute Vorlage hat.

Die MA Radio 2025 - Der Methodensteckbrief der agma

Die MA-Radio - Messmethodik zwischen 2011 und 2025

Unglaublich wie mächtig und nützlich die Gemini-Modelle mittlerweile sind.

Links zu den Original-PDFs


 
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Dieses abgrundtief schlimme KI-Zeug, womit Jörg Wagner das Medienmagazin von der IFA bestückt hat, hat mir echt heftig körperliche Schmerzen zugefügt. Da hätte ich mir mal gewünscht, die nachträgliche Zensurschleife bei radioeins hätte das rausgeschnitten - von wegen: Markenschutz.

 
Die Songs haben sich ja nicht von selbst erstellt. Da gab es jemanden der sie gepromptet hat und jemanden der sie für gut und sendetauglich befand.

In Wahrheit spiegelt sich in den Titeln der Musikgeschmack der Redaktion. KI kann auch Jazz und Rhumba.
 
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Da gab es jemanden der sie gepromptet hat und jemanden der sie für gut und sendetauglich befand.

In Wahrheit spiegelt sich in den Titeln der Musikgeschmack der Redaktion.
Das war alles (hoffentlich) als Gag gemeint. Wenn Wagner zeigen wollte, wie man das richtig schlecht machen kann und dem KI-Hype (nicht nur) der IFA den Spiegel vorhalten wollte, ist ihm das vortrefflich gelungen. Es ist eben nur kaum erträglich in dieser billigsten Penetranz.
 
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