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Matthias Holtmann (SWR) ist tot

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Matthias war mehr Rock 'n' Roll als irgend jemand sonst. Unfassbar schnell und lässig. Ich bin dankbar, dass ich ihn bei SDR3 im wilden Süden hören konnte, er prägte für uns mit Thomas Schmidt und all den anderen ein Lebensgefühl, dass ich irgendwo immer noch in mir trage. Danke Matthias, es war teilweise wirklich ein irrer Ritt. Ganz großes Kino.
 
Mein Beileid. Eine der Radiopersönlichkeiten, die dazu beitrugen, dass SDR3 mehr war, als irgendein stinknormales Pop-Radio. Hörer wie mich aus RP, die doch von SWF3 damals einigermaßen verwöhnt wurden, dennoch verführte, ab und zu SDR3 einzuschalten. Dabei war er keineswegs der große Virtuose, der besonders gelungene Wortschöpfungen kreierte. Er redete, wie ihm halt "der Schnabel gewachsen war". Es machte einfach Spaß, ihm zuzuhören. Mehr kann ein Moderator gar nicht erreichen.
 
Eine der Meldungen, bei der mir kurz das Herz stehenblieb. Nicht nur, weil es _der_ Holtmann ist, sondern weil ich mich unbewusst durch den erst- und eigentlich auch einmaligen (Hör-)kontakt mit ihm damals so sehr verbunden fühlte, dass ich ihn für einen Altersgenossen hielt, was er freilich nicht war, was ich rational auch wusste (uns trennen 24 Jahre), was aber aufgrund seiner unfassbar schnellen und frischen Moderation in Vergessenheit geriet. Ja, @Formatschocker, das war ein irrer Ritt, habe ich damals auch feststellen müssen.

"Damals" war das hier:

Anhang anzeigen Top 2000 D - Start - 17_08_1990.mp3

Es war Sommer, es waren Ferien, ich war 16, es war Mitternacht, ich saß am Radio in der noch-DDR und es begannen die wohl schlafärmsten 208 Stunden meines Lebens. Ich habe noch handschriftliche Aufzeichnungen zur Titel-Abfolge in einer Umzugskiste auf dem Dachboden meines Elternhauses.

Ob Matthias Holtmann jetzt mit Thomas Schmidt die nächste Aktion plant, für alle die, die auch schon dort sind, wo die beiden weilen?

Machs gut, Matthias! Danke für die rasante Fahrt!

 
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Oh je - da ist ein ganz großer Radiomann gegangen!
Ich möchte eine kleine Geschichte beitragen, die ganz gut zeigt, dass der manchmal vielleicht etwas elitär auftretende Matze ganz viel Herz und Leidenschaft zu seinen Hörern hatte.

Zur 18 Uhr-Sendung "Bei Anruf Pop" wünschte ich mir zu meinem Geburtstag selbst einen Song. Man sollte das Ganze ja bei auf den Anrufbeantworter von SDR3 quatschen und versuchte sich von der "Aussage" her immer etwas von derm "Masse" abzuheben und damit seine Erfüllungschancen erhöhen.

Ich quatschte also etwas von wegen, ich müsse mir ja selbst einen Wunsch erfüllen, weil sonst ja eh niemand an mich denkt und überhaupt - Gebuirtstag, immer eher eine traurige Veranstaltung bei mir. Das war einerseits "dramaturgisch überhöht", aber auch nicht ganz von der Hand zu weisen. MIt Geburtstagen habe ich es bis heute nicht.

Nun ja - der Wunsch wurde erfüllt, der Text auch vorgespielt und ich hatte mir offensichtlich schon meinen Tag selbst vesüßt.

Als ich am nächsten Morgen wieder in mein Geschäft (von wo aus ich angerufen hatte) zurück kam, da blinkte der Anrufbeantworter. Ich traute meinen Ohren kaum, als ich den Anruf abhört. Matze Holtmann hatte nach der Sendung noch "ganz privat" angerufen, bedankte sich für den gewählten Wunsch und hinterließ mir viele gute Wünsche für´s neue Lebensjahr. Keineswegs vorgefertigte Flosskeln, sondern mega-emphatisch und trotzdem holtmännisch frech.

Ich fand das sehr bemerkenswert, weil mehr als eine Wunscherfüllung konnte man ja nicht erwarten. Matze aber nahm sich offensichtlich auch nach der Sendung noch Zeit für seine Hörer.


Unvergessen ist auch der "Running-Gag" den er uns Hörern über Monate bescherte, mit dem jungen Hörer, der Trompete oder Saxophon lernte. Seinen Lernfortschritt konnten wir alle live verfolgen, musste er doch jeweils live in der Sendung zum Rafferty-Song "Baker Street" kräftig ins Instrument blasen. Meist reichlich schräg.....
Ich hab es heute noch auf Band!

Das sind die kleinen Geschichten einer großen Radiokarriere. Seine großen Pflöcke hat er natürlich im Treff, in den Hitparaden und mit seiner wilden, unkonventionellen Moderationen, Hörerkontakte (Ja-Nein-Spielchen!) und der Art, die Sendung zu fahren eingeschlagen. "Was sollen wir den noch spielen? Die Stones oder doch die neue von Helge Schneider? Ach was solls....." und zog beide Regler hoch und spielte die Songs halt gleichzeitig.....


Danke für unzählige fesselnde Radiostunden!

Bernd
 
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Mein erstes Posting seit vielen vielen Jahren gilt dir, Matthias!
Was für ein Schock. Dabei bin ich heute sowieso schon schlecht drauf, und jetzt auch noch das.

Alter, ich danke dir für alles! Für dein "Extraspät", bei dem ich als 17jähriger mal durchgekommen bin (und bei "Salt 'n Pepa" gegen dich verloren habe), für dein großes Maul und für deinen Ratschlag, studieren zu gehen. Das war damals auf dem Gang im HF-Gebäude des SWR in Baden-Baden im Keller hinter dem Musikarchiv, wo damals die Musikredaktion untergebracht war. Du warst Musikchef, und wir haben uns am Kaffeetautomaten getroffen und sind ins Gespräch gekommen. Damals hatte ich dir gestanden, dass du für mich einer der ganz Großen warst, eines meiner absoluten Moderations-Vorbilder und einer der Gründe, weshalb ich zum Radio gegangen bin. Und du sagtest zu mir: "Junge, du musst studieren! Du brauchst doch 'n Mind, du brauchst 'ne Vision!" Und Jahre später hast du mich zu Hause angerufen, weil du von meiner Bewerbung bei SWR1 erfahren hattest. Du wolltest dort für mich was klarmachen, und wir wollten uns treffen. Das hat leider nie geklappt. Beides nicht.
Inzwischen bin ich nicht mehr beim Radio, aber das heute ist auch nicht mehr das, was es war, als du noch da warst. Du bist einer von denen, die Radio für mich als Jugendlicher und junger Erwachsener ausgemacht haben.
Einer, der niemals durch eine Drecks-KI ersetzt werden könnte.
Einer, der Radio gelebt und Spuren hinterlassen hat. Ich habe verdammt viel von dir gelernt, allein durchs Zuhören. Mehr als in dreieinhalb Jahren Uni.

Matze, ich danke dir für alles und bereue es, dir das alles nicht schon viel früher gesagt oder geschrieben zu haben. Ein Jammer, dass wir uns nach 2001 nicht mehr persönlich treffen konnten. Was hätte ich dafür gegeben!

Du wirst dem Radio fehlen. Und mir ganz besonders.
 
Oh je - da ist ein ganz großer Radiomann gegangen!
Ich möchte eine kleine Geschichte beitragen, die ganz gut zeigt, dass der manchmal vielleicht etwas elitär auftretende Matze ganz viel Herz und Leidenschaft zu seinen Hörern hatte.
Schöne Geschichte. Und ja, Holtmann kam mir in deinen Moderationen manchmal ein wenig zu arrogant und selbstverliebt rüber. Nichtsdestotrotz wird auch er seinen Anteil daran haben, dass es mich irgendwann zum Radio verschlug, man kam damals ja nicht an ihm vorbei im wilden Süden. Neben Siller, Schmidt, Frau Tücking und etwas früher noch den ersten Radiomoderator überhaupt, dessen Namen ich kannte: Michael Branik. Letzterer hat vor einigen Jahren offenbar einen Schlaganfall gehabt, diesen aber überlebt. Auch Matthias Holtmanns Geschichte seiner Parkinson-Erkrankung habe ich verfolgt und vor drei Jahren sein Buch gelesen. Es ist schon krass, wie lange das alles her ist. Und dass es nun jetzt unweigerlich so ist, dass diese Legenden in absehbarer Zeit sterben, oder das schon passiert ist. Thomas Schmidt ist ja 2019 schon gestorben, mit gerade mal 62, Steffi Tückings sehr früher Tod war auch so ein WTF-Moment.
 
Radiodeutschland trauert.

Und wer nicht trauert: SWR3. Keine Erwähnung auf der Website. Keine Erwähnung in sozialen Medien. Keine Erwähnung in den Nachrichten on air. Holtmann war - als einer der wenigen ehemaligen SDR-3-Moderatoren - bis 2005 bei SWR3 on air.

ja finde ich auch unter aller Kanone von SWR3….er hat ja nicht nur bei SWR3 im Radio moderiert (und das nicht gerade selten), sondern auch im SWR Fernsehen für das SWR3 TV Format „SWR3 Ring frei“, was dann einige Jahre später Pierre M. Krause übernommen hat und er war noch jahrelang SWR3 Musikchef…

SWR3 wird immer schlimmer und unsympatischer….😥 mit Uwe Groke haben sie es übrigens genau so gemacht und Norbert Diener wurde auch kaum im Programm erwähnt….
 
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Sehr traurig.


Ich konnte Holtmann ja leider erst so richtig bei SWR1 BW "kennen lernen", als mir damals endlich der gesamte "ARD-Transponder" via Satellit zur Verfügung stand, ok, heute selbstverständlich, aber damals wars für mich was Besonderes.

Ich mochte immer Holtmanns "schnoddrige" Art der Moderation, der scherte sich auch nicht um irgendwelche "Regeln", sondern hat sein Ding durchgezogen. Der "brach" auch schon mal öfters mit dem "Verkehrsservice" um halb, beim "ÖR" eigentlifch eine "heilige Kuh", aber bei ihm kamen die Verkehrsmeldungen auch durchaus mal 10 Minuten später, scherte ihn nicht. Und sowas fehlt heute beim Radio, nämlich Leute, die nicht streng nach "Format" ticken, sondern ihr eigenes Ding durchziehen.

Bemerkenswert fand ich auch sein Interview, dass er vor knapp einem Jahr gab:

Er war zwar immer auch mitverantworllich für das damalige SDR3, hat aber "privat" fast immer SWF3 gehört, wie er im "Podcast" zugegeben hat.
 
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Er ruhe in Frieden. - Ich entdeckte ihn als Bayer mit schlechtem SDR3-UKW-Empfang erst sehr spät auf SWR1. Erinnern kann ich mich, dass ein Hörer in der Sendung "Guten Abend Baden-Württemberg" on air die damals schon eingeengte Musikauswahl ansprach, worauf Matthias Holtmann typisch rotzig das als "beständige Qualität" umdeutete ... auch wenn er privat womöglich anders darüber dachte.
 
Radiodeutschland trauert.

Und wer nicht trauert: SWR3. Keine Erwähnung auf der Website. Keine Erwähnung in sozialen Medien. Keine Erwähnung in den Nachrichten on air. Holtmann war - als einer der wenigen ehemaligen SDR-3-Moderatoren - bis 2005 bei SWR3 on air.
SWR3 Doch um 9:30 mit O-Ton.

Korrektur war SWR 4 KA
 
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Wieder hat einer meiner Radiohelden die Bühne verlassen. Wie gerne erinnere ich mich an die vielen Telefonate, die er mit Hörern geführt hat. Immer frech, immer witzig und immer unterhaltsam. Ungefähr so:

Holtmann zur schwangeren Hörerin: "weißt Du schon, was es wird?"
Hörerin: "Ja, aber ich sag's nicht".
Holtmann: "Dann sag doch, was es nicht wird".

Ob Matthias Holtmann jetzt mit Thomas Schmidt die nächste Aktion plant, für alle die, die auch schon dort sind, wo die beiden weilen?
Ganz bestimmt, denn dort oben gibt es noch kreatives und spontanes Radio.
 
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Matthias war ja der Kopf hinter SDR3 und es muss die Kollegen in Baden-Baden schon gewurmt haben, daß er dann SWR3 Musikchef wurde, Wahrscheinlich hat man ihn da nach oben befördert um ihn irgendwann zu SWR1 zu lotsen.
Viele gute Ideen aus SDR3 wurden nicht übernommen, z.B. SDR3 Leute wanderte zu SDR1.
Ein paar Sendungen liefern dann teilweise noch lokal auf der 92,2 bis man irgendwann alles auf SWR3 Niveau getrimmt hatte.

Auf swr3.de ist auch nichts zu finden. Nachdem sogar der SWR sich zu einer Seite aufgerafft hat, unterstelle ich SWR3 hier schon eine gewisse Absicht.

Matthias war direkt, unbequem und das haben ihm einige wohl doch nicht verziehen. Wie schäbig ist das denn?

Schreibt das ruhig an SWR3, mal schauen ob da eine Reaktion kommt.
 
Habe mit Matthias schon zu SDR3-Zeiten zu tun gehabt und ihn immer als großartigen Radiomann und feinen Menschen zu schätzen gelernt. Eine große Radio-Legende ist gegangen. Das schmerzt sehr. Mein Beileid seiner Angehörigen und Wegbegleitern. Matthias, Du wirst da oben als Schlagzeuger ganz sicher den richtigen Rhythmus angeben.
 
In den 90ern war mein damaliger Wohnort Stuttgart Radiodiaspora für mich. Ich war Qualität von Fritz und radioeins gewohnt. Radio aus BaWü konnte mich nie recht begeistern. Bei Matthias Holtmann bin ich allerdings drangeblieben.

Seine Art mochte ich. Habe ihn auch mal live bei einem Open Air auf dem Stuttgarter Schloßplatz erlebt. Ein guter Typ mit dem Herz am rechten Fleck. Und auch ein guter Musiker.

Kann jemand die Sendung heute Abend auf SWR1 aufzeichnen?
 
Man kann simple Veranstaltungshinweise ganz dröge runterrattern - wie es zahlreiche Kollegen von ihm gemacht haben - oder man kann die Hörer prächtig unterhalten. So wie hier - im Zusammenspiel mit dem wunderbaren Instrumental "This time tomorrow" welches Matthias da sogar mal explizit erwähnt - am 12. Januar 1989 im Treff.

Danke für viele unterhaltsame Radiostunden.
 

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Oh Mann, da kommen mir echt die Tränen, wenn ich das höre. In den 1990ern war bei mir die 99,9 schon fast im Autoradio eingebrannt. Den "Treff nach zwei" oder auch "Dr. Music" waren schon "Pflichtprogramm" bei mir.
Ruhe in Frieden, Matthias Holtmann. Aber ebenso Ruhe in Frieden SDR3, das Radio für den wilden Süden, für mich heute noch das beste Radioprogramm, was je in Deutschland existierte. Auch und vor allem wegen Matthias Holtmann (und nicht zu vergessen, Thomas Schmitt).
 
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