Die Idee, sogar Quasi-UKW-Qualität auf Lang- und Mittelwellenfrequenzen zu realisieren, indem ein robustes Digitalverfahren (DRM) verwendet wird, scheiterte nach einigen Versuchen auch aus dem Grunde, dass, und das gilt ebenso für herkömmliche Amplitudenmodulation, die Ausbreitungsbedingungen nicht über die ganzen 24 Stunden des Tages in den besagten Wellenbereichen stabil sind.
Was einerseits eine enorme Reichweitenerhöhung bietet, führt bei der Mehrfachbelegung dann nach Wegfall der D-Schicht-Dämpfung durch Reflexionen an den F-Schichten der Ionosphäre am Abend zu Überlagerungen verschiedenster Stationen.
Das war unter anderem einer der Hauptgründe, von DRM-Ausstrahlungen über Mittelwelle abzusehen. Wer stellt seinen Empfänger schon auf einen Sender ein, der nur zu begrenzten Zeiten einwandfrei zu empfangen ist? Bei UKW hingegen kann man die 24 Stunden des Tages ohne Umschalterei auf andere Frequenzen "durchhören".
Bei Mittelwelle führte dieses Dilemma der Kanalknappheit bedingten Mehrfachbelegung zur berühmt-berüchtigten Wattomanie. Die Stationen erhöhten ihre Sendeleistung bis in den Megawattbereich. Und trotzdem war der laut Wellenkonferenz vereinbarte Schutzabstand von leise im Hintergrund noch hinzunehmenden, durchschlagenden Stationen von 35 dB kaum aufrecht zu erhalten.
Da vor allem die Stationen des Nahen Ostens keineswegs Antenneneinzüge und -spezialkonstruktionen favorisierten, konnte man sie nicht hinreichend davon überzeugen, auf ihren "Raumwellenanteil" zu verzichten.
Zufälliges Beispiel: Radio Amman Jordanien 801 kHz, BR München Ismaning 801 kHz. Tagsüber kein Problem. Nachts schlug stets Radio Amman durch. Ismaning machte ab 18:00 Uhr regelmäßig Antennenumschaltung, um den Raumwellenanteil "flach" zu halten.
Fazit:
Ein großer Mittelwellensender würde eine "freie", nur für ihn reservierte Frequenz erforderlich machen. Und das ist in der ITU Region 1 momentan nicht regularienkonform durchzusetzen.
Abgesehen davon hätten wir ein Standortproblem auch im Hinblick auf die zu erwartende EMV-Problematik im Nahbereich.