• Diese Kategorie ist für Diskussionen rund um die Programminhalte der Sender gedacht. Über Frequenzen und Empfang kann sich unter "DX / Radioempfang" ausgetauscht werden.

Mitwirkungsmöglichkeiten über die Rundfunkräte

Moderationshinweis: Ausgegliedert aus https://www.radioforen.de/threads/hr1-werner-reinke.26701/ wegen Eigenständigkeit des Themas.

Hannsfan schrieb:
So, und jetzt stellen wir uns mal vor, WR macht genau das: Er bildet Personalities aus. Am Ende der Ausbildung hat er den idealen Moderator herangebildet. Der spricht perfekt Deutsch und kann es auch perfekt aussprechen (auf der Schauspielschule gelernt). Er ist in der Lage, auch längere Texte problemlos verständlich vorzutragen. Er spricht manierlich Englisch, kann also Songinhalte verstehen und ausländische Künstler interviewen. Er hat Repertoirekenntnis und liebt die Popmusik der letzten sieben Jahrzehnte. Er kann also auf jede überraschende Meldung reagieren und die musikalischen Inhalte entsprechend angleichen, z.B. "What A Wonderful World" nach einem aktuellen Bericht aus Gaza streichen und ersetzen. Er kennt das aktuelle Zeitgeschehen, und er hat ein gutes Humorverständnis. Er kann im Abstand von wenigen Augenblicken die Hörer zum Lachen und zum Weinen bringen, und er kann bei Veranstaltungen ein Publikum in seinen Bann ziehen. Er weiß, daß der Ort Langenselbold nicht auf der zweiten Silbe betont wird. Er beherrscht die Sexagesimalrechnung, kann also im Kopf 7 Minuten 48 Sekunden von 56 Minuten 13 Sekunden abziehen. Backtiming stellt dementsprechend für ihn kein Problem dar, bei ihm wird kein Lied mitten im Gesang wegen des folgenden Werbeblocks abgewürgt. Er ist auch bereit, für ein Honorar zu arbeiten, das bei weitem nicht seinem Talent Rechnung trägt. Kurzum: Eine neue Personality ist geboren!

Und dieses neue Genie schickt Reinke zu seiner Heimatwelle. Und dann?

Dort wird der potentielle neue Stern am Radiohimmel ruckartig ausgebremst. "Leute mit eigenen Einfällen können wir hier nicht brauchen, die stören nur den Flo/den Flow! Außerdem haben wir die strikte Vorschrift, daß die geplante Titelfolge nicht verändert werden darf! Eigene Vorstellungen von Musik sind also völlig fehl am Platze!"

Und nach langer Reinke-Ausbildung bewirbt sich der Kandidat mangels Perspektiven lieber beim Fahrstuhlbauer. Der braucht auch Musik und Ansagen....

Au weia... das ist so wahr, dass es mir richtig weh tut... 🤕 Und das Schlimme ist: uns Hörern ist das in der Regel gar nicht bewusst - zumindest ging es mir früher so, bevor ich mich aus Gründen eingehender mit dem Thema befasst habe. Denn Moderatoren sind ja gezwungen, sich als die Profis, die sie nun mal sind, in der Sendung keinerlei negative Emotionen anmerken zu lassen, somit also auch nicht die mitunter riesengroße Frustration, die man zwangsläufig empfinden muss, wenn man eigentlich für das Medium Radio brennt, voller guter Ideen steckt, aber fast nix mehr davon in die Tat umsetzen darf. Für uns vor den Lautsprechern hört es sich deshalb die meiste Zeit so an, als sei für den Menschen am Mikrofon die Welt völlig in Ordnung. Früher dachte ich tatsächlich, andere Moderatoren KÖNNTEN das einfach nicht so gut wie Reinke, aber dann stellte ich mit Verblüffung fest, dass sie es tatsächlich gar nicht DÜRFEN!

Wir auf der Hörerseite haben ja naturgemäß meist nur ein sehr verschwommenes Bild davon, wie es hinter den Kulissen des Hörfunks zugeht. Dass Moderatoren - von einigen Ausnahmen mit Kult-Status abgesehen - heutzutage so gut wie nichts selber entscheiden dürfen und dass es mitunter sogar bei Strafe verboten ist, die vorgegebene Playlist zu ändern, ist deshalb den wenigsten von uns klar. Mir selbst wurde das erst bewusst, nachdem ich in Folge der Absetzung meiner Lieblingssendung dermaßen enttäuscht und sauer war, dass ich angefangen habe, nachzuforschen und zu recherchieren, was um Himmels Willen mit den Leuten nicht stimmt, die so was entscheiden. Ich las Artikel über die ARD-Reform und den Mann im Hoodie, sah mir Statistiken und Pressemeldungen an, korrespondierte mit Mitgliedern des Rundfunkrats (nachdem ich herausgefunden hatte, was der Rundfunkrat überhaupt ist), nahm als Zuschauerin an dessen öffentlichen Sitzungen teil, tauschte mich mit anderen Radiofans aus, traf die Vorsitzende des Programmausschusses Hörfunk, überreichte in einem einstündigen Meeting gemeinsam mit dem Initiator eine Petition gegen die Absetzung meiner Lieblingssendung an den damaligen Rundfunkrat-Vorsitzenden (leider erfolglos), unterhielt mich mit Leuten, die beim hr arbeiten und begann, in diesem Forum zu lesen. Erst durch all diese Aktivitäten bekam ich allmählich ein schärferes Bild davon, was da eigentlich läuft, wer die unterschiedlichen Stakeholder sind und was deren Sicht auf die Dinge ist. Und ich begriff, dass gerade systematisch genau das zerstört wird, was ich an diesem Medium immer besonders geliebt habe. Aber das Tragische ist, dass wohl nicht viele Menschen diese Extrameile gehen, um zu verstehen, was da eigentlich passiert und warum das Programm sich immer beliebiger und langweiliger anfühlt. Hinzu kommt die irgendwie paradoxe Situation, dass die Hörerschaft ja eigentlich in dem ganzen Spiel keinerlei Lobby hat und deshalb gefühlt nicht die geringste Möglichkeit der Einflussnahme. Die Entscheider betrachten die Konsumenten ihrer Angebote wohl eher als eine Art Schafherde, die man nach wenigen Kriterien in über- und unterversorgte Zielgruppen unterteilen kann, so jedenfalls mein Eindruck aus diversen Folienpräsentationen, die hin und wieder in den Sitzungen des Rundfunkrats gezeigt werden. Und diejenigen unter den Radiomachern, die sich insgeheim Unterstützung und Solidarität vom Publikum wünschen und sie wohl auch - zumindest in einem gewissen Umfang - bekämen, dürfen sich das nicht anmerken lassen, weil sie damit ihren Job und ihre Existenz gefährden würden. Also leiden sie weiterhin im Stillen, während das Gros der Hörer in Unwissenheit verharrt.

Das ist ein echtes Dilemma, für das ich persönlich auch noch keine Lösung gefunden habe. Ich versuche trotzdem weiterhin, im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten ein bisschen Lobby-Arbeit über die netten Kontakte zum Rundfunkrat zu betreiben, auch wenn mir natürlich klar ist, dass dort nicht die Entscheidungsgewalt sitzt. Aber "Steter Tropfen höhlt den Stein" war halt schon immer ein Motto, das mir gut gefällt. 😎Und so klein und machtlos man sich dabei auch oft fühlt: Sich für etwas zu engagieren, das man liebt, fühlt sich für mich trotzdem nie nach Zeitverschwendung an. Amen. 😉
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
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Ich las Artikel über die ARD-Reform und den Mann im Hoodie, sah mir Statistiken und Pressemeldungen an, korrespondierte mit Mitgliedern des Rundfunkrats (nachdem ich herausgefunden hatte, was der Rundfunkrat überhaupt ist), nahm als Zuschauerin an dessen öffentlichen Sitzungen teil, tauschte mich mit anderen Radiofans aus, traf die Vorsitzende des Programmausschusses Hörfunk, überreichte in einem einstündigen Meeting gemeinsam mit dem Initiator eine Petition gegen die Absetzung meiner Lieblingssendung an den damaligen Rundfunkrat-Vorsitzenden (leider erfolglos), unterhielt mich mit Leuten, die beim hr arbeiten und begann, in diesem Forum zu lesen. Erst durch all diese Aktivitäten bekam ich allmählich ein schärferes Bild davon, was da eigentlich läuft, wer die unterschiedlichen Stakeholder sind und was deren Sicht auf die Dinge ist.

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Die Entscheider betrachten die Konsumenten ihrer Angebote wohl eher als eine Art Schafherde, die man nach wenigen Kriterien in über- und unterversorgte Zielgruppen unterteilen kann, so jedenfalls mein Eindruck aus diversen Folienpräsentationen, die hin und wieder in den Sitzungen des Rundfunkrats gezeigt werden.

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OK, dann habe ich wohl ein falsches Bild. Aber, warum kann die Aufsicht, Rundfunkrat, da scheinbar nichts machen? Die Entscheider sind dann Intendant, Programmdirektorin und Wellenleitung? Ich würde meinen, sie kennen die eigenen Hörerzahlen. Es erschließt sich mir nicht warum man dann nicht etwas probiert. Ein hr1 hat da Luft nach oben, ein hr3 auch. hr3 hatte, was ich noch irgendwie im Ohr habe, im Jahr 1987 700.000 (!) Hörer in der Durchschnittsstunde. Natürlich gab es damals kein FFH und keine Internetradios. Es gab aber Nachbarn wie SWF3 die insbesondere in Rhein-Main sehr viele Zuhörer hatte.
Den Spieß einmal umdrehen: Die Dame(n) und Herren sollten sich immer wieder erklären können warum man ein Programm auf Billigst, scheinbar Durchhörbar, betreibt, ein Schatten seiner selbst ist, aber einen öffentlich-rechtlichen Auftrag hat und niemals zu alten Glanzzeiten bezüglich Zuhörerzahlen auch nur im Ansatz aufschließen wird.
 
Nun gut, jetzt wissen wir es also: Es sind die Schurken in den Landesrundfunkanstalten, die verhindern, dass wirkliche Radiopersönlichkeiten überhaupt noch in Erscheinung treten (können). So what?

Das Radioprogramm des Jahres 2025 ist, was die Massenprogramme angeht - also z.B. SWR1 oder SWR3 - nur noch ein einziges, großes Unterhaltungsangebot. Es unterhält den Hörer mit massentauglicher Musik, denn es will ja nicht abschrecken. Durchhörbar muss es sei. Viel Gerede stört nur, Diskussionen über die maßlos aufgeplusterten Playlists braucht kein Mensch. Es läuft, was - hoffentlich - vielen gefällt. Unterbrochen nur noch von Kurznachrichten, Verkehrsfunk und drögen Pop-Histörchen.

Mehr will Radio gar nicht sein - von wenigen Ausnahmen abgesehen. Man sehe sich die Werbung für SWR1 oder SWR3 z.B. an de Bushäuschen an. Peinlich. Ey, wir sind immer alle so gut drauf - so geht Radio heute! Radio als ewige Party. Es wird gedudelt, bis der Strom ausfällt.

Allzu viel Reinke passt da nicht mehr rein. Nachfolger unerwünscht.

Ich frage mich eher: Müssen da überhaupt noch Journalisten sitzen? Kann die paar Ansagen zwischendurch nicht der Hausmeister, quasi im Vorbeigehen machen, nachdem man ihn zu einem Wochenendseminar geschickt hat?

Drei Sätze über Bryan Adams schafft der auch noch. Oder man lässt gleich die KI ran.

Und mehr bieten SWR1 oder HR1 die meiste Zeit kaum noch - etwas überspitzt ausgedrückt. Und nein, das ist keine Kritik an den Moderatoren - denn die sind im Grunde auch nur "Opfer".
 
Zuletzt bearbeitet:
Ein bisschen Gedudel, ein bisschen Geschwätz, Wetter, Verkehr, für mehr schalten Sie bitte um auf DLF. Reicht doch, wichtig ist aber 1. Live und 2. richtige Menschen. KI werden die Leute nicht mögen, denn den Menschen vor dem Radio kommt es sehr wohl darauf an, dass da richtige (lebendige) Menschen im Radio sprechen.
 
Früher dachte ich tatsächlich, andere Moderatorinnen und Moderatoren KÖNNTEN das einfach nicht so gut wie Reinke, aber dann stellte ich mit Verblüffung fest, dass sie es tatsächlich gar nicht DÜRFEN!
Danke. Danke, danke, danke.

Es erschließt sich mir nicht warum man dann nicht etwas probiert. Ein hr1 hat da Luft nach oben, ein hr3 auch.
Weil das Radio absolut keinerlei Bedeutung mehr für die "Entscheider" hat. Es darf noch eine Weile dudeln, dabei aber nichts kosten.
 
Danke. Danke, danke, danke.
Keine Ursache, gern geschehen! 😅 Es illustriert einfach gut meine Beobachtungen als Hörerin, die es geschafft hat, sich zumindest ein wenig über die Hörerperspektive hinaus zu bewegen. Und es illustriert darüber hinaus auch das Problem, dass man immer hat, wenn es um latente Bedürfnisse geht: Wenn ich als Hörerin gar nicht weiß, was theoretisch alles möglich wäre, artikuliere ich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht den Wunsch danach. Das heißt aber noch lange nicht, dass das Bedürfnis nach einem abwechslungsreichen und lebendigen Programm, das von einem motivierten Moderator / einer motivierten Moderatorin präsentiert wird, nicht latent vorhanden wäre.
 
Liebes Zweinutzungshuhn!

Ich hoffe sehr, daß es Dir gelingt, Dich in einen Rundfunkrat entsenden zu lassen, und Du dann dort Dein Feuer für gutes Radio unter die Hintern der anderen Mitglieder halten kannst.

Da Du Dich, wie Du selbst schreibst, noch nicht so lange mit dem Thema befaßt hast, lege ich Dir zwei ältere Diskussionsfäden ans Herz, die Du Dir in ruhigen Stunden mal ansehen könntest. Zum Einstieg wähle ich jeweils ein prägnantes Zitat, aber lies ruhig alles davor und danach. Da bekommst Du einen guten Eindruck, wie es engagierten Moderatoren geht, die den Flo stören.

Zur Vermutung von Onkel Otto, daß es „bei der Entwicklung eines neuen Programms oder auch nur bei einem Relaunch eine konstruktive Diskussion mit allen Mods/Reds geben“ müßte:
Ja selbstverständlich gab und gibt es die! Zum letzten Mal im Jahr 2004. Jede Menge kräfte- und zeitraubende Workshops mit massenhaft Beteiligung. Und am Ende wurde es so gemacht, wie es von Anfang an geplant war. Wie sagte doch mal ein Teamleiter off the record? „Wir spielen halt ein bisschen Demokratie“.

Und zur Aussage von Ablauscher „Ich will bloß gutes Radio hören.“
Siehst du, das ist der Unterschied: Ich will es machen.
 
Nutze bitte dennoch weiter Deine Kontakte oder - noch besser - lasse Dich von Deinem Beschäftigungs-Institut dorthin entsenden. ;-)
Interessanter Gedanke. 😅 Ich wäre nicht die erste Wissenschaftliche Bibliothekarin im hessischen Rundfunkrat, die Vertreterin der jüdischen Gemeinden in Hessen ist auch eine. Und auch die Hessischen Hochschulen haben dort eine Vertreterin, d.h. rein theoretisch könnten die auch mich als Mitarbeiterin einer hessischen Uni-Bibliothek dort hin schicken. Aber wenn man sich mal die Lebensläufe der RuRa-Mitglieder anschaut, kommt man zu dem Schluss, dass man dafür wohl einiges an Leitungsaufgaben und Ehrenämtern vorweisen können muss, womit ich leider nicht dienen kann. 🙂 Wahrscheinlich steckt dahinter ursprünglich das Bestreben, ein Gremium aus lauter hoch seriösen, gebildeten und engagierten Leuten als Kontrollorgan zu installieren, dem ja immerhin auch die Aufgabe obliegt, den Intendanten / die Intendantin zu wählen. Allerdings frage ich mich, wieviel Zeit man überhaupt für die Mitarbeit im Rundfunkrat erübrigen kann, wenn man gleichzeitig Kanzlerin einer Hochschule, Mitglied im Kuratorium der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und im Kuratorium des Leibniz-Instituts für Analytische Wissenschaften ist, und obendrauf noch Schatzmeisterin des Kinderschutzbundes Hochtaunus e.V. Bei so vielen Aufgaben kann man sich ja vermutlich nicht allzu tief im die Materie einarbeiten, was widerum das Gefühl erklären könnte, dass es dort an Engagement mangelt ... ? 🤔🤷🏼‍♀️

Ich hoffe sehr, daß es Dir gelingt, Dich in einen Rundfunkrat entsenden zu lassen, und Du dann dort Dein Feuer für gutes Radio unter die Hintern der anderen Mitglieder halten kannst.
Danke für die netten Worte, auch wenn das aus oben genannten Gründen wohl eher nichts wird ( es sei denn, ich werde vorher noch schnell Leiterin des hessischen Bibliotheksverbundes oder so was in der Art ... 😉).
Da Du Dich, wie Du selbst schreibst, noch nicht so lange mit dem Thema befaßt hast, lege ich Dir zwei ältere Diskussionsfäden ans Herz, die Du Dir in ruhigen Stunden mal ansehen könntest. Zum Einstieg wähle ich jeweils ein prägnantes Zitat, aber lies ruhig alles davor und danach. Da bekommst Du einen guten Eindruck, wie es engagierten Moderatoren geht, die den Flo stören.
Auch dafür vielen Dank! Ich informiere mich gerne eingehend, bin ja nicht umsonst Bibliothekarin geworden. 😉
 
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Ups, habe ich offenbar übersehen. Schade eigentlich, warum hätte man nicht sachlich diskutieren können?
Fahrradkette.

Gehören immer alle Parteien dazu.
 
Hallo, und erstmal vielen Dank an die Admins für die Auslagerung dieser Thematik in einen eigenen Thread! Ich würde das auch am liebsten gleich intensiv weiter diskutieren, aber ab heute Abend tauche ich erstmal für eine Woche in die Caricatura Sommerakademie ab, d.h. ich werde eine Woche lang von morgens bis abends zusammen mit anderen Cartoonisten unter professioneller Anleitung satirische Ideen entwickeln und zeichnen, bis der Arzt kommt (wenn ich Zeit und eine passende Idee finde, nehme ich mir vielleicht auch endlich mal den Mann im Hoodie vor, Stoff für Satirisches gäbe es da ja genug ... 😉).

Will sagen: Ich werde mich die nächsten Tage wohl höchstens mal sporadisch beteiligen, aber mir gefällt die Idee sehr gut, gemeinsam mit anderen Interessierten über Möglichkeiten zu diskutieren, wie man vielleicht von Hörer-Seite ein wenig Einfluss durch und zusammen mit den Rundfunkräten auf die weitere Entwicklungen des Hörfunks nehmen kann. Ich habe in den vergangenen zwei Jahren den Eindruck gewonnen, dass das ein bisher viel zu wenig beschrittener Weg ist. So wurde mir zum Beispiel gesagt, es sei praktisch noch nie vorgekommen, dass jemand mal wegen einer abgesetzten Sendung so weit gegangen wäre, wie wir es wegen der Song Connection getan haben. Das hat mich ein wenig überrascht, obwohl ich ja zugegebenermaßen selbst nichts von der Existenz des Rundfunkrats wusste, bis ich nach einer Instanz gesucht habe, an die ich mich mit der Bitte um Unterstützung wenden kann. Eine weitere Erkenntnis war, dass man sich dort nach konstruktiver Kritik von grundsätzlichen Befürwortern des ÖRR anscheinend geradezu sehnt, weil quasi 95% der dort eingehenden Beschwerden von Gruppierungen kommen, die ihn im Grunde am liebsten abschaffen würden. Sprich man empfindet kritische Anmerkungen von engagierten Hörern mitunter eher als Wohltat und "Rückenwind" für die eigene Arbeit, denn als lästige Beschwerde. Das ist vermutlich nicht pauschal so, aber es entspricht meinen persönlichen Erfahrungen. Als Beleg hier mal ein Zitat aus meinem Schriftverkehr mit einem (inzwischen ehemaligen) Rundfunkrats-Mitglied:

Dabei kann ich [...] nur noch einmal sagen, wie wichtig mir ihr Input ist. Ihre Eindrücke sind sicher nicht repräsentativ, aber eben doch von dem im Kern geprägt, was Radiohören ausmacht, was Bindung zu Menschen in Hessen erzeugt und wie eine gelingende Kommunikation zwischen hr und Hörer:innen aussehen könnte.

Soviel erst mal von mir für heute, bin gespannt, ob dazu hier noch eine weiterführende Diskussion in Gang kommen wird. 🙂
 
Tja... das mit der weiterführenden Diskussion hat dann ja leider nicht geklappt, aber an so was bin ich irgendwie auch schon gewöhnt. 😅 Nächsten Freitag ist ja wieder eine öffentliche RuRa-Sitzung, und da soll es unter anderem um das Fazit der öffentlichen Pop-Up-Redaktion der Hessenschau in Friedberg gehen:


Ich fand es total schade, dass ich keine Zeit hatte, an dem Tag dort hin zu fahren, als "Flo" vor Ort war - hätte ja zu gerne mal ein paar Fragen rund um das immer flacher werdende Programm bei hr1 gestellt. War zufällig jemand, der hier mit liest, vor Ort und kann ein wenig berichten, wie es so war?
 
Ich stelle mir sowieso schon die Frage, warum man Programme wie SWR1 oder HR1 nicht längst in irgendwelchen Billiglohnländern von Externen produziert lässt. Wahrscheinlich ist es technisch kein Problem, selbst Verkehr- oder Wettermeldungen oder die aus drei Sätzen bestehenden Regionalnachrichten von dort zu senden.

Der Privatsender RPR1 macht es doch glaube ich schon so: Da kommen die Regionalnachrichten z.B. für Trier aus der Sendezentrale in Ludwigshafen.
 
Ich stelle mir sowieso schon die Frage, warum man Programme wie SWR1 oder HR1 nicht längst in irgendwelchen Billiglohnländern von Externen produziert lässt.

Ich glaube nicht, dass es darauf hinaus läuft. Eher wird es eine Art "Aus drei mach' zwei" sein. Wenn man hr1 so flach wie möglich klopft, wird dann auch niemand mehr meckern, wenn es irgendwann ganz verschwindet, und falls man doch noch irgendwelche Sendungen weiterführen will, kann man die ja einfach auf hr3 und hr4 verteilen. Mich persönlich stimmt das mehr als traurig, aber wofür mir tatsächlich das Gefühl fehlt, ist, wie vielen Hörern es genauso geht wie mir, wie vielen es einfach egal ist und wie viele vielleicht sogar applaudieren, weil sie den ÖRR sowieso gerne abgeschafft sehen möchten. Von daher interessiert mich das Bild schon, dass sich bei solchen "Wir kommen zu den Menschen"-Events ergibt.
 
Ich vermute mal wie überall: Die Boomer waren schon ob ihrer reinen Anzahl viel zu lange an viel zu vielen Stellen am Drücker und haben über lange Jahre nur völlig Unvermeidbares reformiert und die Errungenschaften der Vergangenheit satt verwaltet, ohne sich um die Lebenswirklichkeit der jüngeren Generationen zu kümmern. Jetzt gehen sie in den Ruhestand. Beispiel hr1: Die letzte große Änderung ist gut 20 Jahre her (Umstellung auf "Tagesbegleitradio"). Seitdem wurde dezent die Musikauswahl modernisiert und an kleineren Stellschrauben gedreht.

Jetzt übernehmen Mittvierziger das Ruder, die ihre eigene Lebensrealität allen aufzwingen wollen - auch den 60% an Leuten, die älter sind als sie. Das führt zu Verwerfungen, freiwilligen vorzeitigen Abdankungen, einer Flut von Vorruheständlern, und im Ergebnis zu Dienstleistungen, die für genau diese zahlenmäßig schwache Generation der Mittvierziger gemacht sind. Die Gen Z ist für die Sender schon lang verloren, dafür haben die Boomer in langen Jahren gesorgt. Somit machen jetzt Mittvierziger Programm für Leute von 35-55, und alle anderen schauen in die Röhre.

Trifft meine Vermutung zu, dann wird hr4 begraben, YouFM ebenso, hr2 und hr info werden im Rahmen von Kooperationen zu Gemeinschaftsprogrammen, und es bleiben hr1 und hr3, aber keineswegs in der Form von heute, sondern so wie ein Mittvierziger sie haben will. Ende der Vermutungen.
 
Mich persönlich stimmt das mehr als traurig, aber wofür mir tatsächlich das Gefühl fehlt, ist, wie vielen Hörern es genauso geht wie mir
Mir zumindest, aber ich bin vorbelastet.
Nach den allgemein eintretenden Reformen der „Ersten“ und anderer, noch ziemlich authentischer Wellen stellt sich mittlerweile eine inhaltliche Langeweile ein.
Früher war gewiss nicht alles besser, um die Musik geht es mir auch nicht, aber inhaltlich war auf hr1, SWF/SDR/SWR 1, WDR 2 etc. mal deutlich mehr los, das fehlt.
Im Nordosten hat man noch radioeins, im Süden noch Bayern 2, im Westen noch WDR 5, eher lokal im Nordwesten noch Bremen 2. Ansonsten schaltet man lustig zwischen den Dlfs und der örtlichen AC- oder Oldieschleuder hin und her, aus einem Guss gibt‘s das nicht mehr. Schade.
 
Die Boomer waren schon ob ihrer reinen Anzahl viel zu lange an viel zu vielen Stellen am Drücker
Falsches Feindbild. Es waren und sind die smarten jungen Manager- und Beratertypen (Betriebswirte, Juristen, Medienirgendwasisten), die in die Branche fluten und den eingeschnarchten Boomern ebenso wie den von Dir zitierten "Mitvierzigern" mal zeigen, wie man ein Radioprogramm effizent, rentabel und MA-tauglich macht.
 
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