Zweinutzungshuhn
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Moderationshinweis: Ausgegliedert aus https://www.radioforen.de/threads/hr1-werner-reinke.26701/ wegen Eigenständigkeit des Themas.
Au weia... das ist so wahr, dass es mir richtig weh tut...
Und das Schlimme ist: uns Hörern ist das in der Regel gar nicht bewusst - zumindest ging es mir früher so, bevor ich mich aus Gründen eingehender mit dem Thema befasst habe. Denn Moderatoren sind ja gezwungen, sich als die Profis, die sie nun mal sind, in der Sendung keinerlei negative Emotionen anmerken zu lassen, somit also auch nicht die mitunter riesengroße Frustration, die man zwangsläufig empfinden muss, wenn man eigentlich für das Medium Radio brennt, voller guter Ideen steckt, aber fast nix mehr davon in die Tat umsetzen darf. Für uns vor den Lautsprechern hört es sich deshalb die meiste Zeit so an, als sei für den Menschen am Mikrofon die Welt völlig in Ordnung. Früher dachte ich tatsächlich, andere Moderatoren KÖNNTEN das einfach nicht so gut wie Reinke, aber dann stellte ich mit Verblüffung fest, dass sie es tatsächlich gar nicht DÜRFEN!
Wir auf der Hörerseite haben ja naturgemäß meist nur ein sehr verschwommenes Bild davon, wie es hinter den Kulissen des Hörfunks zugeht. Dass Moderatoren - von einigen Ausnahmen mit Kult-Status abgesehen - heutzutage so gut wie nichts selber entscheiden dürfen und dass es mitunter sogar bei Strafe verboten ist, die vorgegebene Playlist zu ändern, ist deshalb den wenigsten von uns klar. Mir selbst wurde das erst bewusst, nachdem ich in Folge der Absetzung meiner Lieblingssendung dermaßen enttäuscht und sauer war, dass ich angefangen habe, nachzuforschen und zu recherchieren, was um Himmels Willen mit den Leuten nicht stimmt, die so was entscheiden. Ich las Artikel über die ARD-Reform und den Mann im Hoodie, sah mir Statistiken und Pressemeldungen an, korrespondierte mit Mitgliedern des Rundfunkrats (nachdem ich herausgefunden hatte, was der Rundfunkrat überhaupt ist), nahm als Zuschauerin an dessen öffentlichen Sitzungen teil, tauschte mich mit anderen Radiofans aus, traf die Vorsitzende des Programmausschusses Hörfunk, überreichte in einem einstündigen Meeting gemeinsam mit dem Initiator eine Petition gegen die Absetzung meiner Lieblingssendung an den damaligen Rundfunkrat-Vorsitzenden (leider erfolglos), unterhielt mich mit Leuten, die beim hr arbeiten und begann, in diesem Forum zu lesen. Erst durch all diese Aktivitäten bekam ich allmählich ein schärferes Bild davon, was da eigentlich läuft, wer die unterschiedlichen Stakeholder sind und was deren Sicht auf die Dinge ist. Und ich begriff, dass gerade systematisch genau das zerstört wird, was ich an diesem Medium immer besonders geliebt habe. Aber das Tragische ist, dass wohl nicht viele Menschen diese Extrameile gehen, um zu verstehen, was da eigentlich passiert und warum das Programm sich immer beliebiger und langweiliger anfühlt. Hinzu kommt die irgendwie paradoxe Situation, dass die Hörerschaft ja eigentlich in dem ganzen Spiel keinerlei Lobby hat und deshalb gefühlt nicht die geringste Möglichkeit der Einflussnahme. Die Entscheider betrachten die Konsumenten ihrer Angebote wohl eher als eine Art Schafherde, die man nach wenigen Kriterien in über- und unterversorgte Zielgruppen unterteilen kann, so jedenfalls mein Eindruck aus diversen Folienpräsentationen, die hin und wieder in den Sitzungen des Rundfunkrats gezeigt werden. Und diejenigen unter den Radiomachern, die sich insgeheim Unterstützung und Solidarität vom Publikum wünschen und sie wohl auch - zumindest in einem gewissen Umfang - bekämen, dürfen sich das nicht anmerken lassen, weil sie damit ihren Job und ihre Existenz gefährden würden. Also leiden sie weiterhin im Stillen, während das Gros der Hörer in Unwissenheit verharrt.
Das ist ein echtes Dilemma, für das ich persönlich auch noch keine Lösung gefunden habe. Ich versuche trotzdem weiterhin, im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten ein bisschen Lobby-Arbeit über die netten Kontakte zum Rundfunkrat zu betreiben, auch wenn mir natürlich klar ist, dass dort nicht die Entscheidungsgewalt sitzt. Aber "Steter Tropfen höhlt den Stein" war halt schon immer ein Motto, das mir gut gefällt.
Und so klein und machtlos man sich dabei auch oft fühlt: Sich für etwas zu engagieren, das man liebt, fühlt sich für mich trotzdem nie nach Zeitverschwendung an. Amen. 
Hannsfan schrieb:So, und jetzt stellen wir uns mal vor, WR macht genau das: Er bildet Personalities aus. Am Ende der Ausbildung hat er den idealen Moderator herangebildet. Der spricht perfekt Deutsch und kann es auch perfekt aussprechen (auf der Schauspielschule gelernt). Er ist in der Lage, auch längere Texte problemlos verständlich vorzutragen. Er spricht manierlich Englisch, kann also Songinhalte verstehen und ausländische Künstler interviewen. Er hat Repertoirekenntnis und liebt die Popmusik der letzten sieben Jahrzehnte. Er kann also auf jede überraschende Meldung reagieren und die musikalischen Inhalte entsprechend angleichen, z.B. "What A Wonderful World" nach einem aktuellen Bericht aus Gaza streichen und ersetzen. Er kennt das aktuelle Zeitgeschehen, und er hat ein gutes Humorverständnis. Er kann im Abstand von wenigen Augenblicken die Hörer zum Lachen und zum Weinen bringen, und er kann bei Veranstaltungen ein Publikum in seinen Bann ziehen. Er weiß, daß der Ort Langenselbold nicht auf der zweiten Silbe betont wird. Er beherrscht die Sexagesimalrechnung, kann also im Kopf 7 Minuten 48 Sekunden von 56 Minuten 13 Sekunden abziehen. Backtiming stellt dementsprechend für ihn kein Problem dar, bei ihm wird kein Lied mitten im Gesang wegen des folgenden Werbeblocks abgewürgt. Er ist auch bereit, für ein Honorar zu arbeiten, das bei weitem nicht seinem Talent Rechnung trägt. Kurzum: Eine neue Personality ist geboren!
Und dieses neue Genie schickt Reinke zu seiner Heimatwelle. Und dann?
Dort wird der potentielle neue Stern am Radiohimmel ruckartig ausgebremst. "Leute mit eigenen Einfällen können wir hier nicht brauchen, die stören nur den Flo/den Flow! Außerdem haben wir die strikte Vorschrift, daß die geplante Titelfolge nicht verändert werden darf! Eigene Vorstellungen von Musik sind also völlig fehl am Platze!"
Und nach langer Reinke-Ausbildung bewirbt sich der Kandidat mangels Perspektiven lieber beim Fahrstuhlbauer. Der braucht auch Musik und Ansagen....
Au weia... das ist so wahr, dass es mir richtig weh tut...
Wir auf der Hörerseite haben ja naturgemäß meist nur ein sehr verschwommenes Bild davon, wie es hinter den Kulissen des Hörfunks zugeht. Dass Moderatoren - von einigen Ausnahmen mit Kult-Status abgesehen - heutzutage so gut wie nichts selber entscheiden dürfen und dass es mitunter sogar bei Strafe verboten ist, die vorgegebene Playlist zu ändern, ist deshalb den wenigsten von uns klar. Mir selbst wurde das erst bewusst, nachdem ich in Folge der Absetzung meiner Lieblingssendung dermaßen enttäuscht und sauer war, dass ich angefangen habe, nachzuforschen und zu recherchieren, was um Himmels Willen mit den Leuten nicht stimmt, die so was entscheiden. Ich las Artikel über die ARD-Reform und den Mann im Hoodie, sah mir Statistiken und Pressemeldungen an, korrespondierte mit Mitgliedern des Rundfunkrats (nachdem ich herausgefunden hatte, was der Rundfunkrat überhaupt ist), nahm als Zuschauerin an dessen öffentlichen Sitzungen teil, tauschte mich mit anderen Radiofans aus, traf die Vorsitzende des Programmausschusses Hörfunk, überreichte in einem einstündigen Meeting gemeinsam mit dem Initiator eine Petition gegen die Absetzung meiner Lieblingssendung an den damaligen Rundfunkrat-Vorsitzenden (leider erfolglos), unterhielt mich mit Leuten, die beim hr arbeiten und begann, in diesem Forum zu lesen. Erst durch all diese Aktivitäten bekam ich allmählich ein schärferes Bild davon, was da eigentlich läuft, wer die unterschiedlichen Stakeholder sind und was deren Sicht auf die Dinge ist. Und ich begriff, dass gerade systematisch genau das zerstört wird, was ich an diesem Medium immer besonders geliebt habe. Aber das Tragische ist, dass wohl nicht viele Menschen diese Extrameile gehen, um zu verstehen, was da eigentlich passiert und warum das Programm sich immer beliebiger und langweiliger anfühlt. Hinzu kommt die irgendwie paradoxe Situation, dass die Hörerschaft ja eigentlich in dem ganzen Spiel keinerlei Lobby hat und deshalb gefühlt nicht die geringste Möglichkeit der Einflussnahme. Die Entscheider betrachten die Konsumenten ihrer Angebote wohl eher als eine Art Schafherde, die man nach wenigen Kriterien in über- und unterversorgte Zielgruppen unterteilen kann, so jedenfalls mein Eindruck aus diversen Folienpräsentationen, die hin und wieder in den Sitzungen des Rundfunkrats gezeigt werden. Und diejenigen unter den Radiomachern, die sich insgeheim Unterstützung und Solidarität vom Publikum wünschen und sie wohl auch - zumindest in einem gewissen Umfang - bekämen, dürfen sich das nicht anmerken lassen, weil sie damit ihren Job und ihre Existenz gefährden würden. Also leiden sie weiterhin im Stillen, während das Gros der Hörer in Unwissenheit verharrt.
Das ist ein echtes Dilemma, für das ich persönlich auch noch keine Lösung gefunden habe. Ich versuche trotzdem weiterhin, im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten ein bisschen Lobby-Arbeit über die netten Kontakte zum Rundfunkrat zu betreiben, auch wenn mir natürlich klar ist, dass dort nicht die Entscheidungsgewalt sitzt. Aber "Steter Tropfen höhlt den Stein" war halt schon immer ein Motto, das mir gut gefällt.
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