Du (und fast alle hier im Forum) wünschst dir ein hr1 (fast) wie früher.
Na ja - wenn ich aktuell das Radio hätte, das ich mir wünsche, hätte ich ja auch gar nicht erst angefangen, hier im Forum aktiv zu werden, und damit bin ich vermutlich nicht alleine.

Ich finde es gut und hilfreich, sich hier auszutauschen und auch mal andere Argumente als die eigenen zu hören.
Wenn es die Hörer gewollt hätten, wäre es noch.
Frage: Wenn man beim hr so genau weiß, was die Hörer wollen (was ich ein wenig bezweifle) warum ist man dann trotzdem nicht Marktführer? Denn Du schriebst ja außerdem:
Ohne jetzt nachzulesen: Grob gesagt, hat FFH nach ca. 1-2 Jahren die Marktführerschaft übernommen.
Wenn FFH schon so lange der Marktführer ist, hat sich die Strategie, dieser Welle nachzueifern, doch augenscheinlich nicht bewährt...? Das mag naiv klingen, aber statt in Panik zu geraten, weil plötzlich weitere Akteure auf den Markt kamen und man dadurch zunächst Hörer verlor - Menschen lieben es halt, mal was Neues auszuprobieren - hätte man ja auch versuchen können, kreativ zu werden, sich selbst neu zu erfinden und innovative Alleinstellungsmerkmale zu entwickeln. Klar, das hätte womöglich extra Geld gekostet. Aber aus meiner Sicht wäre es besser angelegt gewesen, als wenn man es einer kommerziellen externen Beraterfirma gibt, damit sie das Programm möglichst FFH-ähnlich gestaltet. Am Ende ist es doch so: Wenn ich aus Hessen komme und FFH mag, dann höre ich mit hoher Wahrscheinlichkeit FFH, denn warum sollte ich mich der Kopie zuwenden, wenn ich auch das Original haben kann? Wenn man dem Marktführer den Rang ablaufen will, dann doch nicht dadurch, dass man möglichst alles genauso macht, sondern anders und besser! Im Übrigen würde ich mir auch mal Gedanken darüber machen, wie interessiert eine kommerzielle Beraterfirma überhaupt daran sein kann, einen zum Marktführer zu machen, da man als ewiger Zweiter eine viel bessere Milchkuh abgibt.
Es geht auch bei hr1 um Resonanz, bzw. Einschaltquote.
Auch in meinem Arbeitsumfeld spielen Kennzahlen eine nicht unwichtige Rolle, und wenn einem sinnvolle Statistiken vorliegen, bin ich die letzte, die sagt, dass man sie nicht nutzen sollte für die weitere strategische Planung. Aber sie sind halt nicht das einzige, was man betrachten sollte, und manche Dinge lassen sich auf die Art einfach nicht hinreichend erfassen. Beispiel: Am Eingang unserer Bibliothek befindet sich in dem Gate, durch das alle durchgehen müssen, ein Personenzähler. Damit messen wir die Zahl der Besuche pro Tag, was natürlich irgendwo auch als ein Maß für die Aufenthaltsqualität und die Bedeutung als Lernort betrachtet wird. Ich sage immer, dass es für unsere diesbezügliche Statistik im Grunde von Vorteil ist, dass uns damals bei der Umbauplanung das ursprünglich angestrebte Café im Inneren der Bibliothek vom hessischen Baumanagement nicht genehmigt wurde. Denn die Studierenden, die bei uns den ganzen Tag lernen und arbeiten, müssen die Bibliothek jedesmal verlassen und dann wieder rein kommen, wenn sie sich zwischendurch einen Kaffee oder was zu Essen holen wollen. Da wir ja bei der Zählung nicht feststellen können, ob jemand mehr als einmal täglich rein und raus geht, steigt also dadurch die Zahl der Besuche automatisch an, und schon sieht unsere Statistik etwas besser aus. Aber wenn man die Studierenden dazu befragen würde, dann würden sie die Aufenthaltsqualität mit einem Bibliotheks-Café sicher höher bewerten, obwohl die Zahl der Besuche damit statistisch gesehen vielleicht sogar zurück ginge. Vielleicht aber auch nicht, denn möglicherweise kämen dadurch auch diejenigen Studierenden zu uns, die aktuell lieber in den Cafeterien auf dem Campus lernen (also die berühmten bisher nicht erreichten Zielgruppen). Ergo ist die reine Nutzungsmessung nicht immer der Weisheit letzter Schluss, wenn es um die Analyse der Kundenzufriedenheit geht, das ist halt bloß viel einfacher und billiger, als regelmäßig qualitative Befragungen zu machen, deren Ergebnisse einem am Ende womöglich noch nicht mal in den Kram passen würden. Aber um meinen Vergleich mal zum Ende zu bringen: Möglicherweise wären neue attraktive Angebote, die man für hr1 hätte entwickeln können, analog zu dem leider nicht genehmigten Café in der Bibliothek ja ein viel größerer Publikumsmagnet gewesen, als ein flach geklopftes Programm wie bei den Privatsendern. Oder willst Du behaupten, es hätte für's Radio keine Möglichkeiten gegeben, neue innovative Wege einzuschlagen? Denn wissenschaftliche Bibliotheken haben tatsächlich sehr viele Neuerungen eingeführt, seit sie durch die zunehmende Digitalisierung immer mehr ihre Monopolstellung als Fachinformationslieferanten verloren haben. Fest steht: Eine Bibliothek kann so viel mehr sein, als ein stiller Ort mit vielen Büchern, und Radio so viel mehr, als 1.000 Lieder und ein paar flotte aber inhaltsleere Sprüche. Darüber schon mal nachgedacht?
Das mag jetzt schwarz/weiß wie die einstige Sendung des 1. Programmes aus der Bertramstr. klingen, ist aber so gemeint.
Ja, offensichtlich.
wenn ein ÖR nur jahrelang ewiger Zweiter ist, ist das ein Problem. Auch für den Rundfunkrat.
Das sehe ich eigentlich auch so. Da das bisherige Flachklopfen des Programms anscheinend nicht zur Marktführerschaft geführt hat, ist es Aufgabe des Rundfunkrats, die Frage nach dem Warum zu stellen. Und ich hoffe natürlich, dass das analog auch für die digitalen Angebote in der Audiothek gilt. Da ich offenbar zu der bislang überversorgten Konsumentengruppe zähle, der man die Programm-Qualität im Radio gerade erst unterm Hintern weggekürzt hat, würde mich natürlich brennend interessieren, ob das gesparte Geld jetzt tatsächlich gewinnbringender angelegt und die neuen Zielgruppen im geplanten Umfang erreicht werden. Auch hier würde ich mich freuen, wenn jemand mir einen Tipp geben könnte, wo man entsprechende Zahlen finden kann. Denn erhoben und mit den Zahlen anderer Anbieter verglichen werden sie doch sicherlich, oder scheut man diesen Vergleich etwa?
ich hätte wahnsinnig gern mal einen Überblick, wie sich die Hörerzahlen von hr1 und hr3 in den letzten 10 bis 15 Jahren verglichen mit Wellen wie FFH oder Radio BOB! entwickelt haben, und das ganze dann nach Möglichkeit auch noch in Beziehung gesetzt zur allgemeinen Entwicklung der Radionutzung. Gibt es so was schon irgendwo? Und wenn nicht, an wen könnte ich mich mit diesem Anliegen wenden?
Nach wie vor würde ich mich über sachdienliche Hinweise dazu freuen. Ansonsten werde ich mal versuchen, jemanden an einer der einschlägigen deutschen Hochschulen zu fragen, der oder die zum Thema Radio forscht. Wissenschaftler sind oft sehr hilfsbereit, wenn man sich mit solchen Fragen an sie wendet.
