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Musikwünsche zur Vorsorge

der dimi

Benutzer
https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr3/wdr3-tonart/audio-musikwuensche-zur-vorsorge-100.html

In der Sendung WDR 3 Tonart lief ein interessanter Beitrag zum Thema Vorsorge in Hinblick auf Musik.
Will heißen: wenn ich selbst pflegebedürftig werde, was will ich dann hören? Und wie teile ich das mit, wenn ich nicht mehr kann?

Fragebogen:

Musikbiographische Verfügung:
 
Auf den ersten Blick ein ungewöhnliches Thema. Auf den zweiten Blick überhaupt nicht mehr, wenn man so etwas selbst schon erlebt hat und an dem Punkt stand, sogar die irre Hoffnung zu haben, dass Musik hoffentlich einen Menschen "zurückholen" könnte.

Mein Vater ist nach einer eigentlich recht "routiniert" zu behandelnden Krebserkrankung durch unterlassene ärztliche Pflichten in den Zustand von Metastasen in anderen Organen gekommen. Er sollte dann nur mal eben 3 Tage in die Klinik, um bestimmte Dinge zu untersuchen und hoffentlich zu einer Linderung zu bringen. In der Klinik ist er offenbar misshandelt worden (dafür gab es deutliche Indizien). Seine letzten Worte gegenüber meiner Mutter und mir waren "ich habe viel erlebt". Danach schwieg er und zog, wie ich dann später lernen musste, die selbstbestimmte Beendigung seines Lebens durch radikale Verweigerung von Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme durch. Aus heutiger Sicht finde ich das eine beeindruckende Leistung.

Kommunikation erfolgte seinerseits nicht mehr, weder zu meiner Mutter noch zu mir. Ich organisierte noch einiges, u.a. einen Besuch meines besten Freundes (Respekt!) in der Palliativstation. Mit ihm kommunizierte er noch einmal: er hat ihm zum Abschied zugewunken, er kannte ihn ja seit 29 Jahren.

Ich versuchte es dann noch mit Musik. Was meinen Vater musikalisch durchs Leben brachte, wusste ich ja so grob. "Seine" Zeit war in den 1950er Jahren bei den Big Bands auf AMIGA-Schellack. Ich habe dann etwas zusammengestellt und mit in die Palliativstation genommen. Er hat darauf reagiert, ein allerletztes mal. Sogar einige wenige Worte mit mir gesprochen. "Zurückholen" konnte ich ihn nicht mehr, aber die Musik war nachweislich zu ihm vorgedrungen.

Aus dem Umfeld am Heimatort meiner Mutter weiß ich von einem jungen Mann, der wochenlang im Koma lag. Das Klinikspersonal unterhielt sich abwertend an seinem Bett, weil "der ja eh nichts mitbekommt". Irrtum: er hat alles mitbekommen, er konnte nur nicht reagieren. Danach konnte er davon berichten. Auch in diesem Zustand ist also Musik-Wahrnehmung sehr wohl möglich.
 
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