Das erste nachrichtliche Großereignis, an das ich mich so richtig erinnern kann, war die German-Wings-Katastrophe 2015.
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Klar, vorher hatte es auch schon vieles gegeben, allem voran natürlich den Atomunfall von Fukushima 2011, aber mit sieben Jahren war mir weder das Ausmaß des Geschehens richtig bewusst, noch verfolgte ich die mediale Berichterstattung sonderlich interessiert. Damals, Ende März 2015, nahm ich jedenfalls jede Menge Berichte von hr, SWR und Deutschlandfunk auf eine C90-Kassette auf, die es sogar noch irgendwo geben dürfte. Keine ganzen Sendungen, immer nur Berichte, oft erst mittendrin aufgenommen, wenn ich reinschaltete. Damit lässt sich allerdings heute sehr schön dokumentieren, wie sich die Nachrichtenlage damals entwickelte. Von der Meldung über den Absturz über die Bärgung des Flugschreibers und die Erkenntnis, dass der Absturz wohl absichtlich herbeigeführt wurde, bis hin zu der Gewissheit, wer hier gehandelt hatte und warum. Anschließend folgte natürlich vieles, etwa die Anschläge von Paris im November desselben Jahres, bei denen ich es zum ersten mal erlebte, dass die Nachrichten nur noch ein einziges Thema kannten, oder auch den Putschversuch in der Türkei ein Jahr später. Aber diese Flugzeugkatastrophe wird mir glaube ich immer in besonderer Erinnerung bleiben.
Namen habe ich mir damals noch nicht so sehr gemerkt, aber dafür Stimmen um so besser. Meinen lieblings-Nachrichtensprecher vom hr durfte ich Jahre nach seiner Verrentung persönlich kennenlernen, Jürgen Kolb. Mit Christoph Wittelsbürger vom Deutschlandfunk verhielt es sich genauso, wobei ich da erst sehr spät einen Namen zur Stimme hatte, denn darauf, dass die Nachrichtensprecher diesen bei der Presseschau sagen, muss man ja auch erst einmal kommen. Nie einen Namen zuordnen konnte ich einem Sprecher des SWR, der zumindest Mitte der 2010er Jahre immer extrem heiser klang.
Bei den Korrespondenten sieht mein Gedächtnis schon etwas besser aus. An einen erinnere ich mich weniger wegen seiner Berichte, sondern eher wegen der typischen Absage: "Thorsten Teichmann, Tel Aviv". Ich hatte schon immer eine Schwäche für Alliterationen.

Von eben dort berichtet heute ein anderer Mann, der mir sehr gut in Erinnerung ist: Julio Segador. Der Mann mit dem Spanischen Namen und dem alpenländischen Akzent wird für mich wohl immer mit Berichten aus Südamerika in Verbindung bleiben.
Und sagte ich gerade "alpenländisch"? Auch ganz Markant war für mich immer Hans Jürgen Maurus aus Zürich. Seine ganz typische Intonation ist mir auch heute noch sofort im Ohr, wenn ich an Berichte aus der Schweiz denke.
Atmosphärisch hat mich einmal ein Beitrag sehr gepackt, von dem ich leider fast alles vergessen habe. Ich kenne den Namen des Korrespondenten nicht mehr, ich weiß nicht mehr, wo und was genau passiert war, aber es ging auf jeden Fall um eine Naturkatastrophe irgendwo sehr weit weg, vielleicht Vanuato. Der Reporter brachte an diesem Tag bei SWR2 keinen vorher aufgeschriebenen Bericht, sondern erzählte in eigenen, eindringlichen Worten von seinen Eindrücken im Katastrophengebiet. Die Tonqualität war hörbar schlechter als sonst, mit stark zischenden S-Lauten. Beides kannte ich sonst so nicht und mich zog diese Reportage wahrscheinlich gerade deshalb stark in ihren Bann. Ich denke heute noch manchmal daran, auch wenn ich kaum noch was davon weiß.