• Diese Kategorie ist für Diskussionen rund um die Programminhalte der Sender gedacht. Über Frequenzen und Empfang kann sich unter "DX / Radioempfang" ausgetauscht werden.

ÖR-Sender in Europa unter Spardruck

Cha

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Nicht nur bei der ARD, auch bei den ÖR-Anstalten in anderen europäischen Ländern soll gespart werden, sodass diverse Programme demnächst gestrichen werden sollen. Ein kurzer Überblick:

Schweiz:
Hier soll es einen neuen Anlauf geben, die Sender Swiss Pop, Swiss Jazz und Swiss Classic zu verkaufen.

Niederlande:
NPO will die Spartensender NPO Campus Radio und NPO Soul & Jazz aufgeben. Das Campus Radio dient als Spielwiese für neue Moderatoren. Auch bei NPO Radio 2 wird gespart: Sämtliche Nachtmoderation entfällt ab Januar 2026.

Belgien:
Die wallonische Rundfunkanstalt RTBF will sich von seinem alternativen Musikprogramm Jam trennen:

Lettland:
Latvijas Radio stellt Ende 2025 das russischsprachige Programm LR4 - Doma laukums ein:

Slowakei:
Radio Slovakia International
(RSI) soll auch voraussichtlich zum Jahresende 2025 eingestampft werden.

Frankreich:
Radio France möchte bei seinem urbanen Jugendprogramm Mouv' ordentlich sparen.

Irland:
RTÉ möchte die Digitalprogramme RTÉ Radio 1 Extra, RTÉ 2XM, RTÉ Pulse und RTÉ Jr einstellen. Das sollte schon einmal passieren, als man sich entschied DAB(+) aufzugeben. Die Programme liefen dann jedoch online weiter.
 
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Die Idee, Swiss Jazz und Swiss Classic zu verkaufen, ist eine Schnapsidee. Gründe, die dagegen sprechen: Diese Programme sind Teil des klassischen Auftrages eines public bradcasters. In der aktuellen Form dürften beide Programme, aber ganz besonders Swiss Jazz, auch gar nicht kommerziell vermarktbar sein. Man müsste den Klassikbegriff deutlich aufweichen, wie es das Klassik Radio mit seiner Filmmusik tut. Aus Swiss Jazz könnte ein Pseudo-Jazzsender auf Smooth Jazz-Basis werden, um auch nur in die Nähe von Rentabilität zu kommen. Wir haben erlebt, wie schwer sich das Jazz Radio in Berlin getan hat, trotz UKW-Frequenz für die Metropolregion und der Anbiederung an den Pseudo-Jazz. Selbst in den USA befinden sich die Jazzsender fast ausschließlich unter dem Dach von public broadcastern wie dem NPR, auch in den Mega-Metropolen New York, Los Angeles und Chicago.

Für NPO Radio 2 gilt das, was ich auch der Sparwut der ARD im Hörfunkbereich entgegenhalten würde: Spart lieber an teuren Fernsehprogrammen. Die paar Cent, die die Aufgabe des Nachtprogramms einbringt, steht im krassen Widerspruch zu dem großen Nachteil, daß man ein äußerst erfolgreiches Nachprogramm ohne Sinn und Verstand einfach aufgibt.
 
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Diese Programme sind Teil des klassischen Auftrages eines public bradcasters
Ich kenne die Rundfunkgesetze der Schweiz nicht, aber ich würde das bezweifeln. Für bestimmte Musikrichtungen separate Programme einzurichten muss sicher als zusätzliches Angebot, nicht aber als Kernaufgabe des ÖR gewertet werden. Um möglichst alle Hörergruppen zu bedienen, scheint es vielleicht sinnvoll, die Musik dieser Spartensender auch im Kulturprogramm laufen zu lassen. Mehr kann man aber glaube ich gar nicht erwarten, auch wenn es wünschenswert ist.
Man kann aber noch weiter gehen und fragen, ob der Öffentliche Rundfunk überhaupt noch Musik in größerem Umfang spielen muss, oder ob er sich nicht viel allgemeiner auf Information, Kultur (wo auch Musik stattfindet) oder Bildung konzentriert. Die Situation in DE, wo in der ARD fast nur noch flache Musikkanäle existieren, ist sicher suboptimal und nicht nachhaltig. Da, wo aus Kostengründe gespart werden muss oder schon immer nur wenige ÖR-Programme existierten, spielt Musik im Programm eine sehr untergeordnete Rolle.

Ich fürchte, Ähnliches wird in DE passieren, falls sich die ARD-Anstalten nicht wieder auf ihre Kernaufgaben besinnen.
 
In Zukunft geht der Trend verstärkt zu Wortprogrammen, weil man auch im Radio standardmäßig Musik übers Internet hören kann und integrierte Verkehrs- und Wetterapps nutzen wird. Dann kommen allen Hitradios ohne höheren Spezialisierungsgrad sukzessive die Hörer abhanden.

Man sollte schon jetzt an zukunftsträchtigen Konzepten für Talk- und Serviceradios nebst Infoschleifen mit regionalem Schwerpunkt und Musik-Spartensendern arbeiten, denn die nächste technische Revolution im Free-toAir-Sektor wird anders als die Umbrüche der letzten 25 Jahre wirklich disruptiv.
 
@gasthörer
Swiss Jazz hat aus meiner Sicht keine geringere Berechtigung als BR Klassik. Aus Blues und Jazz sind in den USA all die meisten anderen Musikrichtungen entstanden, die wir ab den 50er Jahren genießen durften. Wenigstens eine landesweite Jazz- und Blueswelle auf DAB + - Basis und/oder über das Internet wäre wünschenswert und angebracht.
 
wiss Jazz hat aus meiner Sicht keine geringere Berechtigung als BR Klassik.
Am Ende ist es Interpretationssache, wie man den Rundfunkauftrag - die einzige wirkliche Grundlage für den ÖR - versteht.
Für mich ist BR-Klassik gleichfalls nicht mehr als ein Zusatzangebot, das mit dem ursprünglichen Auftrag des ÖR nichts zu tun hat. Das gleiche gilt nach deutschen Maßstäben auch für die betreffenden schweizer Sender, ich weiss nicht, wie die Aufgaben des Öffentlichen Rundfunks in der Schweiz definiert sind.

Natürlich ist es schön, dass es solche zusätzlichen Programme gibt. Aber ich denke nicht, dass deren Existenz durch irgendwelche Gesetze bzw. Ausführungsbestimmungen garantiert ist.

Spart man, streicht man immer das, was man leicht entbehren kann. Was meiner Meinung nach noch mal verdeutlicht, warum der ÖR in DE dabei ist, sich mit seinen zahlreichen "Gute-Laune-Programmen" selbst in Frage zu stellen.
 
Für mich ist BR-Klassik gleichfalls nicht mehr als ein Zusatzangebot, das mit dem ursprünglichen Auftrag des ÖR nichts zu tun hat.
Echt jetzt? Das weite Gebiet der klassischen Musik hat nichts mit dem ursprünglichen Auftrag des ÖR zu tun? Mit der gleichen Rechtfertigung könnte man jegliches andere kulturelle Gebiet komplett einstellen und jegliche Musik-Inhalte egal welcher Art auch.
 
Das Sein bestimmt das Bewusstsein. Erst verschwinden qualitativ hochwertige Programme insbesondere von den populäreren Wellen der ARD, und am Ende hält Otto Normalhörer die neue Einöde für das Non plus ultra. :wall:
 
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Der BR ist da doch schon fleißig am Arbeiten. Die Nachrichten in "leichter Sprache" auch auf den Kultur- / Klassikwellen, die radikale Ausdünnung von Bayern 2 im Frühjahr 2024 und wie ich inzwischen erzählt bekam (ich bin ja weitgehend "raus" aus dem Radiohören, vor allem bei der ARD) auch musikalisch bei BR Klassik.

Andere Frage, @Basti aus Aaachen : hörst Du Swiss Classic (oder auch SRF 2) via Satellit? Kannst Du da permanent (alle 5-10 Sekunden) Knackser feststellen?
 
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Ich zweifle ehrlich gesagt daran, ob man die hier in Verbindung gebrachten Dinge so einfach vergleichen kann. Die "Swiss"-Programme waren für mich immer reine Abspielstationen. Journalistisch passiert da doch nichts, oder? Das Kulturprogramm der Deutschschweiz ist SRF 2, eben so wie bei uns Ö1. In Bayern ist die Situation eben insofern speziell, als es eigentlich 2 Kulturwellen gibt, aber da habe ich es immer so gesehen, dass Br Klassik schon höheren Wortanteil hatte. Es läuft also nicht einfach nur eine Aufnahme nach der anderen, sondern stattdessen richtige Sendungen, die sich mit einzelnen Aspekten des Genres befassen.

Auch stört mich der Vergleich zwischen den verschiedenen europäischen Anstalten etwas. Korrigiert mich, aber ist nicht der deutsche ÖRR einer der teuersten weltweit? Insofern finde ich es etwas verwegen, da einfach so einen Vergleich mit - z.B. dem lettischen Sender herzustellen. Auch wenn das ARD-Verantwortkliche sicher gerne sehen würden: "Seht her, unter welch unfassbarem Druck wir alle stehen!". Wenn in Lettland ein Programm eingestampft wird, mit dem man - mutmaße ich mal - auch gegen russische Desinformationskampagnen arbeiten konnte - dann halte ich das für einen deutlich empfindlicheren Einschnitt, als wenn die ARD doch tatsächlich ein paar Dudelwellen zusammenlegen müsste. Ok, tatsächlich gesprart wird dann natürlich wieder bei der Kultur: Ich erinnere nur daran, dass eine der ersten Sparideen war, man könne ja 3sat dicht machen, also einen der wenigen Sender, die tatsächlich noch den Rundfunkauftrag halbwegs erfüllen.
 
In Bayern ist die Situation eben insofern speziell, als es eigentlich 2 Kulturwellen gibt, aber da habe ich es immer so gesehen, dass Br Klassik schon höheren Wortanteil hatte. Es läuft also nicht einfach nur eine Aufnahme nach der anderen, sondern stattdessen richtige Sendungen, die sich mit einzelnen Aspekten des Genres befassen.
So hatte ich BR Klassik auch in Erinnerung aus der Zeit, in der ich auch da ab und an reinhörte. Da gab es auch Features, z.B. über/mit Coco Schumann und seine Zeit im KZ Theresienstadt ("Was kann denn die Musik dafür?"). Da gab es Kindersendungen - und die gibt es wohl auch heute noch



Korrigiert mich, aber ist nicht der deutsche ÖRR einer der teuersten weltweit?
Eine nicht allzu alte Übersicht gibt es hier:


Es sind ja auch unterschiedliche Finanzierungskonzepte. Den Rundfunkbeitrag als solchen gibt es ja nicht überall, in manchen Ländern wird es direkt aus der Staatskasse bezahlt, was man ja bislang und aus meiner Sicht zu Recht in Deutschland aus bestimmten Gründen nicht haben wollte. Es zeigt sich aber nun auch bei uns ganz deutlich, dass der Einfluß der Politik auch ohne den direkten Zugang zum "Geldhahn" massiv wird: sie bestellen einfach ab bzw. beschneiden das Angebot. Natürlich ohne Aussagen zum abzustellenden Inhalt - darum kümmert sich die ARD schon selbst. Nachdem sie bei kulturellen Angeboten im Hörfunk nach den Streich-Orgien und seit den abendlichen Zusammenschaltungen schon nichts mehr wirklich streichen kann, geht es jetzt an die kleineren Unterhaltungswellen.
 
Das weite Gebiet der klassischen Musik hat nichts mit dem ursprünglichen Auftrag des ÖR zu tun
Wer sagt das? Ich sage: Eine separate Klassikwelle ist nicht unbedingt mit dem Auftrag des ÖR vereinbar. Dass Klassik, genau wie andere Musikstile, auch ins Radio gehört, ist unbestritten.
Auch stört mich der Vergleich zwischen den verschiedenen europäischen Anstalten etwas. Korrigiert mich, aber ist nicht der deutsche ÖRR einer der teuersten weltweit?
Man kann nur "ÖR-Auftrag" mit "Ausführung", also aktuellen Radioprogrammen BEI UNS, hier in DE vergleichen. Dieser Auftrag spricht - aus gutem Grund - von Dingen wie "Information, Bildung, Kultur und Unterhaltung". Er spricht nicht von einer separaten Klassik-, Jazz-, Pop-, Oldie- oder Schlagerwelle. Schön, wenn es letztere gibt, nur sollte man die eben nicht als selbstverständliche Bringschuld des ÖRs sehen.
 
@Basti: Minderheiten, also Menschen z.B. mit anderer Herkunft oder unterschiedlicher sexueller Orientierung oder was auch immer - was bedeutet das in musikalischer Hinsicht?

Dass Musik abseits dessen, was man "Mainstream" nennt, auch im ÖR vorkommen sollte, ist sicher richtig. Aber daraus zu schliessen, dass jede Musikrichtung eine eigene Welle verdient, das ist glaube ich etwas viel erwartet. Wobei, nochmals, das natürlich eine schöne Sache ist.

Aber in Zeiten, in denen der ÖR grundsätzlich und überall unter Druck steht, geht der Zug sicher in die andere Richtung. Diskussionen anderswo, in denen gefordert wird, Popmusik schön auf zwei, drei oder noch mehr Wellen aufzueilen (60er u. 70er hierhin, 80er und 90er dorthin usw) kommen mir zunehmend weltfremd vor. Sie sind aber sicher das Ergebnis einer Entwicklung, an dessen Ende ÖR-Radio überwiegend als eine Einrichtung verstanden wurde, die gefälligst eine umfangreiche und möglichst abwechslungsreiche Musik-Vollversorgung nach allen Seiten zu bieten hat.

Das aber sollte der ÖR nie sein, auch wenn er manchmal so daherkommt.
 
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So schwer ist das nicht. Populäre Musik darf sicher, um den Hörern entgegenzukommen, auf zwei von fünf regionalen ARD-Wellen den Tag dominieren, wobei es nicht nur die 1.000 Titel gibt, die SWR 1 spielt. Die Jahrzehnte bieten viel mehr bekannte Titel. In den Randbereichen der populären und der anderen Wellen können dann Klassik sowie Jazz und Blues als besondere Stationen in der Musikhistorie beleuchtet werden. Dazu monothematische Sendungen mit den Richtungen Rock, R&B, HipHop/Rap, Reggae, europäische Musik aus Frankreich und Italien sowie deutsche Musik von der Hochphase des Schlagers in den 70ern bis hin zu Neuen Deutschen Welle. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Aber in diese Richtung sollte sich der ARD-Hörfunk entwickeln.
 
Dazu monothematische Sendungen mit den Richtungen Rock, R&B, HipHop/Rap, Reggae, europäische Musik aus Frankreich und Italien sowie deutsche Musik von der Hochphase des Schlagers in den 70ern bis hin zu Neuen Deutschen Welle. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Aber in diese Richtung sollte sich der ARD-Hörfunk entwickeln.
Na ja, das dürfte viel zu spezifisch sein. Ich stimme zu: Mehr Musik abseits des Mainstreams, aber nicht irgendwo, sondern in den Hauptprogrammen. Glattgebügelte Musikteppiche, die niemanden stören dürfen, brauchen wir nicht. Die kann man den Privaten überlassen.

Aber ich schätze, dass das nicht das eigentliche Problem ist. Ich vermute, in nicht allzuferner Zeit wird der ÖR ganz anders aussehen. Dann gibt es fast nur noch Wortprogramme, und die Musik ist höchstens ein kleiner Programmbestandteil einer Kulturwelle - und zwar alle Stilrichtungen, bunt gemischt. Falls es eine solche Kulturwelle dann noch gibt.
Denn was in DE passiert, ist erst der Anfang, und der ÖR hat offensichtlich den Schuß noch nicht gehört. Den Luxus von separaten Oldie-, Pop-, Schlagerwellen als reguläre Programme werden wir uns nicht mehr leisten können/ wollen. Den gibt es dann nur noch als extra zu bezahlendes Zusatzangebot.
Der Rest wird privatisiert.
 
Irland:
RTÉ möchte die Digitalprogramme RTÉ Radio 1 Extra, RTÉ 2XM, RTÉ Pulse und RTÉ Jr einstellen. Das sollte schon einmal passieren, als man sich entschied DAB(+) aufzugeben. Die Programme liefen dann jedoch online weiter.
Die Abschaltung ist vergangene Nacht um Mitternacht irischer Ortszeit erfolgt. Auf den ehemaligen Kanälen läuft eine Dauerschleife, die auf die verbliebenen Programme als Alternartive verweist. Nur RTE Gold wird weiter betrieben und im Nachtprogramm von RTE Radio 1 übernommen.
 
@schneeschmelze: Ganz generell ein Dank für Deine Beiträge, in denen man wirklich das eine oder andere über die internationale Radiolandschaft erfährt.
Oft genug drehen sich die Kommentare hier nur um die Top-XX in irgendeinem holländischen Dudelsender.
 
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