Aber du hast recht, die Hauptprogramme bedienten damals noch wesentlich breiter diverse Musikgeschmäcker.
...was letztlich daran lag, dass es wenig Frequenzen gab und die Breitenprogramme alles abdecken mussten. Und Marktforschung faktisch nicht existierte, da es auch keinen Wettbewerb gab. Und programmliche Fehler waren egal, denn wohin sollte der Hörer gehen? Internet gab es nicht, Fernsehen begann gegen 16 Uhr, die Zeitung war ausgelesen. Eventuell noch Schallplatten hören oder ein Buch lesen. Insofern konnte man den Leuten einfach was vorsetzen. Es wurde gehört. Oder auch nicht. Reichweitenerhebungen fanden nicht statt. Zuspruch wurde abgelesen an der Anzahl von Postkarten. Und da gab es eine Reihe von Karrieren, die es aus heutiger Sicht nie auf die Antenne hätten schaffen dürfen.
Mit Erscheinen der Privaten kam endlich Professionalisierung in die Radiosender. So brauchte es einer Reichweitenmessung, um Hörer zu kapitalisieren. Damit setzte auch Wettbewerb ein. R.SH rief NDR2 entgegen, dass er tapfer sein müsse. Und er war es, die Truppe um Bahn, Ansorge, Thormälen & Co. machten dem 3 später 4 Länderprogramm ordentlich Beine. Der WDR schlief da noch 10 Jahre länger vor sich hin, es fehlte Wettbewerb. Die Menschen mussten nehmen, was sie bekamen. Wie schlecht der WDR in den 70er und 80er war, kann man an den Erfolgen von SWF3 sehen, der schon immer privater als die Privaten war. Und ausgerechnet in drr Kölner Bucht sehr beliebt. Erst Pleitgen als Hörfunkdirektor (ja, das war er vor der Intendantenzeit) räumte rigoros auf. Das war der Beginn von 1LIVE.
Dazu kommt ein intermedialer Wettbewerb, besondrrs getrieben durch 24-Stunden Programme, einer steigenden Anzahl von TV-Kanälen. Mit dem Internet veränderte sich Medienkonsum nochmals. In dieser Zeit hat sich Radio professionalisiert. Marktforschung ist das wichtigste Tool. Und diese Entwicklung hat viele Radiomacher aus der Kurve getragen. Warum? Weil sie nicht mit der Zeit gegangen sind, die neuen Anforderungen nicht erkannten und auch nicht erfüllten. Wie gesagt, viele hatten Glück in der Wildwest- und Glücksritterzeit dabei sein zu können. Heute hätten sie aus unterschiedlichen Gründen keine Chance mehr. Und wie gesagt, bei vielen fragte ich mich damals als Kind und auch noch heute noch, warum die jemals ein Studio betreten durften. Beim WDR hätte man einen Großteil der Moderatoren eigentlich zum Logopäden schicken müssen.
Der Bedarf an Inhalten hat sich verändert. Sendungen wie Mittagskurier auf NDR2 oder Mittagsmagazin auf WDR2 in den 80ern und 90ern würden heute nicht nur nicht mehr funktionieren, es gibt schlicht keinen Bedarf bei der breiten Masse, da sie andere Quellen hat, die sie jederzeit situativ anzapfen können.
Und so dreht man sich hier immer im Kreis. Ein Großteil sehnt sich nach dem guten alten Dampfradio zurück. Aber war es wirklich gut? Oder ist es der verklärte Blick zurück? Und natürlich wird der Untergang des Radioabendlandes heraufbeschworen. Dabei ist die Nutzung relativ stabil. Sie verteilt sich halt nur auf mehr Programme.
Also lasst uns doch positiv sehen. Veränderungen bringen uns weiter. Und Radio passt sich an. Da stimme ich WolfgangF voll und ganz zu. Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.