• Diese Kategorie ist für Diskussionen rund um die Programminhalte der Sender gedacht. Über Frequenzen und Empfang kann sich unter "DX / Radioempfang" ausgetauscht werden.

Pro und Contra: Soll Radio mit seinen Hörern altern?

Jeder Mensch muss sich doch jeden Tag Veränderungen und Entwicklungen anpassen. Das fällt einem manchmal leichter und manchmal schwerer. Aber vermeiden lässt sich das doch praktisch nie.

Auch Personen über 60 arbeiten doch i.d.R. problemlos am PC, auch wenn sie noch Schreibmaschinen und Kohlepapier für Durchschläge kennen.

Und die gleichen Personen fahren ganz selbstverständlich einen modernen PKW, auch wenn sie mit dem VW Käfer angefangen haben.

Warum aber sollte man dann ausgerechnet beim Musikgeschmack irgendwann stehen bleiben?



Und wie es ein User an anderer Stelle richtigerweise geschrieben hat:
In den 1980er Jahren lief doch auch nicht ständig 40 Jahre alte Musik im Radio…

Das trifft auf die Ü50-jährigen auch noch zu ;-) Von der Olympia-Schreibmaschine über C64 und Amiga zum PC. Vom Polo I mit Choke zum Passat der teilautonom fährt. Erst das nachgerüstete DIN-Schacht Autoradio mit Kassette, Boxen und Endstufen, später noch der CD-Wechsler im Kofferraum, heute das Serien-Navi-Multimedia-System mit dem aufpreispflichtigen Soundsystem und dazu noch DAB-Empfang für die vielen Spatensender und dank Streming kann ich BR3 in Kiel hören und radio ffn in Garmisch. Die Zeiten und das Kosumverhalten ändern sich. Für mich gehört zum Radio neben einer guten Musikauswahl (also keine sich ständig wiederholende Minimal-Rotation) auch eine unterhaltsame Moderation und da gab es in all den Jahren welchen, die immer wieder mal herausstechen.

Meine Kinder hören selbst z.B. gar kein Radio, nur wenn ich es laufen habe. Aber dann achten sie eigentlich nur auf die Musik, die aber 80er und 90er sein darf. Musik ist etwas, was sich aber auch nicht mehr fundamental weiterentwickelt hat - wenn man das so sagen kann. 80, 90, 2000er kann man alles spielen. Hören heute jung und alt. In den 80ern hätte ich keine 60er gehört! Aber in 2026 hören die Jugend und die Kinder auch 80er. Kommt ja auch vieles wieder - auch durch Netflix ;-) Und die House und Techno-Fraktion bekommt weiter Nachwuchs.
Und da wären wir bei Sendungen, die mir heute im Programm fehlen und die heute noch funktionieren könnten (bei der Partycrowd): HR3 Clubnight, Steve Mason Experiece (BFBS), WDR1-Disconight, EinsLive Partyservice,…
 
Ich wüsste auch noch ein unverändert spannendes Chartkonzept, aber das wurde auch sehr vom viel zu früh verstorbenen Moderator getragen...

Denn ein Programm, eine Sendung sollte mich ansprechen weil es/sie mir gefällt, ich die Musik und die (immer seltener werdende) Persönlichkeit am Mikro mag, völlig egal wie alt ich bin und wie alt der "Durchschnittshörer" oder die Kernzielgruppe ist.

Und wenn schon in den meisten Fällen nicht die Sender, so altern doch oft die Moderatoren die innerhalb eines Hauses wechseln (oder dies wie Brisch und Imhof von 1LIVE bisher nicht tun) mit dem Hörer der mitwechselt...
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich habe da wohl eine sehr "antike" Vorstellung. Ich bin als Kind mit allen Genres im Radio groß geworden. Von Rias1&2, DT64, HR1-2-3-4, Bayern 1-4, NDR 1-3, DLF, BFBS, SFB, Antenne Bayern Radio Luxemburg, Radio Bremen Hansawelle und (Ost)Berliner RF, auch WDR1 und manchmal auch Antenne Südtirol. Ich war in der glücklichen Lage in Sachsen all diese Sender empfangen zu können, auf UKW, MW und KW. Ich hörte Pop, Schlager,Volksmusik, Operette, Beat, Klassik, Punk, Hörspiele, Bundestagsdebatten, Sport und politische Kommentare, durch die Familie geprägt.
So habe ich kein "Stammradio". Durch das Internet ist es möglich, alle Sender weltweit zu hören, von Schweizer Radio , Belgische Sender und Tschechische etc.
Was mir aber in DL und Österreich (zum Teil auch) auffällt, dass die Sender ihre Marke ohne Sinn und Verstand aufgeben. Alle möchten ein Publikum zwischen 16 und 49 bedienen. Die Mehrheit der Bevölkerung ist aber 50+. Warum werden diese Spartenprogramme und Sendungen ins Internet oder DAB ausgelagert? Ist es nicht möglich einen angenehmen Sender , wie "SRF DRS 1 Schweiz" oder "Belgiens VRT Radio Bene" zu produzieren, mit Musik und Information für alle , Spartenprogrammen am Abend und einem moderierten Nachtprogramm? Wo findet man Sendungen der Volkskultur Redaktionen( wie auf Radio Salzburg), Musik der 50er-70er, Big Band Musik, Operettenmusik-ausser in Spartenprogrammen, fremdsprachige Musiksendungen, allgemein Musik aus anderen Ländern als England /USA?
Sendungen, wie das Hamburger Hafenkonzert wurden zu Popmusik Sendungen, anspruchsvolle Musiksendungen aus den bekannten Wellen gestrichen, Sender wie SWR1, 4 , WDR4 , Bayern1 oder die NDR1 Wellen zu Popdudelwellen. Allein HR4 kommt hier noch halbwegs original, wie lange noch.
Für mich gibt es vier Alternativen:
-1000de alte Radiosendungen auf YouTube Kanälen
-Amazon -eigene Playlists
-Radiomitschnittprogramme (Phonostar) für die wenigen guten Sendungen zum archivieren.
-Museumsradio 1476, VRT Radio Bene, RTS Option Musique
Ich habe weitestgehend mit dem Radio linear abgeschlossen, was schade ist.
Meiner Meinung haben die jungdynamischen Wellenchefs mit Ihren "Durchhörbar-Reformen" dem Radio den Todesstoß versetzt.
Privatradio ist ein eigenes Thema, da ich das nicht nutze -keine Meinung dazu.

Das mit dem gemeinsam alt werden kann nur funktionieren, wenn Radiostrukturen auch bleiben. Ich bin in erster Linie mit DT64 und etwas Rias2 groß geworden (der Rias hat es auf UKW nur selten in den südlichen Bezirk Cottbus geschafft).
Dafür gibt es zum Glück im Netz Archive mit 1000den Sendungen all Deiner alten Radiostars... die ich als Kind auch gehört habe.Sind jetzt alle auf meiner Festplatte und ich höre wann ich will Barry Graves, Rottschalk, Lutz Bertram oder Kuttner.

Ich bin zum Beispiel mit NDR 2 aufgewachsen und hätte in jungen Jahren nie geglaubt, bei NDR1 Niedersachsen als Stammmsender zu landen.
Das NDR2 Konzept der 80er ist ja nun das von NDR1 Radio Niedersachsen. Also hast du die gleiche Jacke nur in einen anderen Schrank gehängt.

Jeder Mensch muss sich doch jeden Tag Veränderungen und Entwicklungen anpassen. Das fällt einem manchmal leichter und manchmal schwerer. Aber vermeiden lässt sich das doch praktisch nie.

Auch Personen über 60 arbeiten doch i.d.R. problemlos am PC, auch wenn sie noch Schreibmaschinen und Kohlepapier für Durchschläge kennen.

Und die gleichen Personen fahren ganz selbstverständlich einen modernen PKW, auch wenn sie mit dem VW Käfer angefangen haben.

Warum aber sollte man dann ausgerechnet beim Musikgeschmack irgendwann stehen bleiben?

Klar habe ich auch für mich zeitlose Lieblingssongs, die ich immer wieder gerne höre.
Aber deshalb höre ich trotzdem auch sehr gerne aktuelle Musik.
Und deshalb öden mich mittlerweile auch Programme wie SWR1 oder insbesondere auch SWR4 mit ihren (für mich! - also meine ganz persönliche Meinung, die ich niemandem überstülpen will) nur noch ranzigen Musikformaten zunehmend an, wobei dann noch die inhaltliche Entkernung hinzukommt durch die konsequente Streichung aller Infostrecken.

Und wie es ein User an anderer Stelle richtigerweise geschrieben hat:
In den 1980er Jahren lief doch auch nicht ständig 40 Jahre alte Musik im Radio…
Würden Sie mir Recht geben, dass es auch schon viele Jahrzehnte vor 1980 Musik gab? Und wo findet man die in deutschen Radiosendern?

Sollte ein Radiosender mit der Zielgruppe altern? Da gibt es meiner Meinung nach nur eine richtige Antwort:
Der Sender sollte gut mit seiner Zielgruppe altern.

Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, wie Moderation, Musikredaktion, gute Auswahl an Themen, dann kann ein Programm auch für mehrere Generationen passen. SWR3 schafft diesen Spagat an sich ganz gut. Die waren jetzt die letzten 25 Jahren nie mega jung, sind aber auch nicht so extrem gealtert. Von daher gut gehalten.

Luft nach oben sehe ich bei vielen Jugendradios. Die sind sehr mit ihren Hörern gealtert (bzw. träge geworden). Das frühere planet Radio war ein Fiebertraum an Drive (egal ob Moderation oder Musik). Das war der grellste Autoscooter. Jetzt sind die Lichter sehr gedimmt. Auch YOU FM sowie bigFM waren in den ersten Jahren noch richtig frisches Radio. Das ist vorbei. An dieser Stelle könnten stellvertretend auch andere Jugendsender stehen.

Meine These: Wären die jungen Wellen nicht sooo alt (und glatt), würden wir alle ein bisschen jünger aussehen. Zumindest die deutsche Radioszene.
Die Logik wäre also, dass der öff.rechtl. RF alle 10 Jahre ein neues "Jugend"Radio auf den Markt bringt. Wo sind aber die Sender 50+ , die in den letzten 30 Jahren <49 Radios geworden sind, wie HR1, SWR1?

Seltsame Frage. Natürlich sollte ein Sender nicht mit seinen Hörern altern. Sonst würde ja ein "Jugendender" zum "Popsender", dann zum "Oldiesender", dann zum Seniorensender - nimmt man die völlig verkorkste deutsche Radiolandschaft als Beispiel.

Selbstverständlich muss sich ein Sender an den entsprechenden Hörgewohnheiten orientieren, soll heissen: Der 16Jährige heute hört anders Radio als der vor 10 Jahren, und in der Zukunft wird das wieder anders sein. Radio muss sich permanent wandeln, sonst wird es statisch und langweilig - es ist doch nicht "geistiges Eigentum" einer gewissen Hörerschicht, dessen Wünschen usw. es sich anpassen muss und die sich vielleicht nie ändern.

Es ist andererseits doch logisch, dass der, der beim Jugendradio anfängt, irgendwann beim Seniorensender landet - theoretisch.

Andernfalls passiert genau das, was z.B. bei SWR1 gelegentlich zu hören ist - dann laufen heute noch Titel, die vor 30 Jahren schon im Programm waren. Und man redet über Pop-Stars, die 1980 mal höchst beliebt waren.

Langweilig, fade, öde, ziemlich tot.
SWR funktioniert so:
SWR1 spielt SWR3 vor 20 Jahren,
SWR4 spielt SWR1 vor 20 Jahren,
SWR3 spielt SWR Das Ding vor 20 Jahren,
Aber wer spielt SWR4 vor 20 Jahren?
Und wie ist das dann in 20 Jahren?

Ich wüsste auch noch ein unverändert spannendes Chartkonzept, aber das wurde auch sehr vom viel zu früh verstorbenen Moderator getragen...

Denn ein Programm, eine Sendung sollte mich ansprechen weil es/sie mir gefällt, ich die Musik und die (immer seltener werdende) Persönlichkeit am Mikro mag, völlig egal wie alt ich bin und wie alt der "Durchschnittshörer" oder die Kernzielgruppe ist.

Und wenn schon in den meisten Fällen nicht die Sender, so altern doch oft die Moderatoren die innerhalb eines Hauses wechseln (oder dies wie Brisch und Imhof von 1LIVE bisher nicht tun) mit dem Hörer der mitwechselt...
Norddeutsche Top Fofftein von Willem auf NDR1&2?
 
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SWR funktioniert so:
SWR3 spielt SWR Das Ding vor 20 Jahren,
SWR1 spielt SWR3 vor 20 Jahren,
SWR4 spielt SWR1 vor 20 Jahren,
Zeilen leicht umgestellt. ;) Meine Philosophie ist, alle 30 Jahre das "älteste" Programm komplett einzustellen und gleichzeitig ein neues "junges" zu starten. So wird es allerdings nicht gehandhabt und auch in sich immer schneller wandelnden Zeiten nicht mehr werden.

Dennoch bin ich der Überzeugung, dass es möglich wäre, jedes Programm stetig und vorsichtig dosiert musikalisch nach unten zu öffnen und oben ältliche Musik und Inhalte abzuschneiden. Damit würden gleichzeitig a) die Überschneidungen nicht vergrößert, b) das Durchschnittsalter gehalten (dann stürbe auch oben niemand urplötzlich weg!), c) krampfhafte "Verjüngungskuren" unnötig gemacht werden und d) das Flottensystem stabilisiert werden.

Womit auch die Fragen
Aber wer spielt SWR4 vor 20 Jahren?
Und wie ist das dann in 20 Jahren?
beantwortet wären.
 
@Wanderdüne
Du hast viel über die "Professionalisierung des Radios" mit Aufkommen der Privaten und der Hörersteuerung (meine Worte) durch Umfrage-Messinstrumente geschrieben. Aus der Sicht der Wirtschaft hast Du sicher Recht. Endlich konnte man ab den 80ern mit dem Radio Geld verdienen, weil Markt-Mechanismen griffen.
Das hatten die ÖRs jahrzehntelang nicht nötig, weil sie durch Gebühren (fast) komplett finanziert wurden (und werden).
Insofern ist Deine Argumentation schlüssig.
Was mir allerdings in Deinem Text vollständig fehlt, ist das Eingehen auf Inhalte.
Mich würde interessieren, wie Du z.B. "Morningshow" vs. "Feature" bewertest, "Gewinnspiel" vs. "Hörspiel", "Playlist" vs. "sorgfältig kuratiertes Musikprogramm abseits der Charts", "Newsflash" vs. "klassische Nachrichten" usw.
Ich vermute, Du willst nicht Inhalte (eh nur für schwindendes, alterndes Publikum) gegen flutschendes, geschmeidiges Cashcow-Radio (für die jüngere Zielgruppe) setzen.
Deswegen noch mal die Frage: Wie sieht Deine Argumentation in Bezug auf die inhaltliche Seite aus?
 
Das würde ich bestreiten. Musik ist ein Haupt-Nicht-Ausschaltgrund. Aber kein Einschaltgrund. Wenn die Musik alles inallem ok ist, schaltet man nicht aus und nicht um. Deshalb sind die Formate so antiseptisch.
Wenn es überhaupt noch einen Einschaltgrund gibt, dann sind es die Inhalte. Leider immer weniger. Deshalb immer weniger Einschaltanreize. Wo nichts geboten ist, da muss ich auch nicht hin.
Was für Inhalte soll denn Radio bringen, die das Netz nicht besser, umfangreicher und zu jeder gewünschten Zeit bereitstellen kann? Für mich sind beispielsweise Videos und Podcasts reine Zeitverschwendung, ich bevorzuge das geschriebene Wort, auf das Wesentliche komprimiert, das in wenigen Sekunden denselben Inhalt transportiert, wie minutenlanges Gelaber.
 
Hot AC und CHR fehlt doch schon heute das Musik-Material, um eine ständige Erneuerung der Playlist sicherzustellen. Monatelang kleben sogenannte aktuelle Titel in den dazugehörigen aktuellen slots dieser Formate fest. Früher war viel mehr Bewegung in der Playlist. Schon aus diesem Grund würde ich mir als Radiomacher mehr Gedanken um Inhalte machen.

@exhörer
Ja, im Netz finden sich, ARD und ZDF jetzt mal ausgenommen, interessante und neue Inhalt, aber doch nur, wenn man sie auch bezahlt. Die Online-Auftritte der Qualitätspresse kosten allesamt, zurecht, Geld.
 
Was für Inhalte soll Radio bringen, die das Netz nicht besser, umfangreicher und zu jeder gewünschten Zeit bereitstellen kann?
Zum Beispiel Inhalte, die im Netz zu suchen ich niemals auf die Idee käme. Themen, die ich nicht aktiv suchen würde, weil ich gar nicht weiß, wie spannend sie sind oder dass es sie überhaupt gibt. Menschen zu Wort kommen lassen, die etwas zu sagen haben. - Die ich unter der Flut von Influencern und Podacastern niemals selbst entdecken würde. Inhalte für Menschen wie mich, die sich nicht in immer der gleichen Blase aufhalten wollen.
Und eben nicht "umfangreicher" - also jeden Müll in epischer Länge. Sondern redaktionell aufbereitet, auf den Punkt gebracht, sofort mit der Gegenmeinung konfrontiert, hinterfragt, eingeordnet.
Und zu jeder gewünschten Zeit? Wieso soll ich mir dafür eine Zeit wünschen? Ich habe das Radio an - da lasse ich mich gerne überraschen. Das ist ja das SAchöne am Radio.
Das Netz birgt wirklich viele Perlen, das stimmt, aber es ist insgesamt die große Shitflut, in der alles ertränkt wird.
Eine Radio-Redaktion, die mir diese Perlen herausangelt und serviert, hätte allemal noch ihre Daseinsberechtung. Nur leider glauben die Sender, mit Musik "den größten Hits und dem besten von heute" sei es getan. Und deshalb verlieren die Sender die "Alten", weil nichts mehr für sie geboten ist, und die "Jungen" kommen nicht nach, weil für sie erst recht nichts geboten wird.
 
Ein uraltes Beispiel, weil gerade kein besseres zur Hand.
Durch "Ehrensenf" bekam ich seinerzeit den Link zu einem wunderbaren Hörangebot, das ich alleine nie gefunden hätte. Auf einer Seite wurden amerikanische Kinderschallplatten gesammelt, auf denen zum Teil Hollywood-Größen der 1930er bis 1960er gesprochen haben:
kiddierecords.com

Und damit es nicht wieder Haue vom Chef gibt:
Das Problem mit dem Mitaltern gibt es ja auch bei den Machern. Torsten Schorn hat vor Jahrenden lautstark verkündet, dass er bei 1live die Rente erleben wollte. Das ist für einen Jugendsender natürlich verheerend und offensichtlich musste ihn dann mal jemand bei Seite nehmen und ihm sanft erklären, dass es auch irgendwann genug sein musste.
Dagegen gibt es dann vorbildliche Macher wie @OnkelOtto, der zu und für bestimmte Zeiten in seinem Radioleben bestimmte Dinge gemacht hat und sich dann bei Gelegenheit andere Herausforderungen gesucht und ganz neue Sachen gemacht hat, (vermutlich) weil er sich persönlich auch noch weiterentwickeln und nicht bis zur Rente im immer gleichen Trott verharren wollte.
 
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Die Logik wäre also, dass der öff.rechtl. RF alle 10 Jahre ein neues "Jugend"Radio auf den Markt bringt. Wo sind aber die Sender 50+ , die in den letzten 30 Jahren <49 Radios geworden sind, wie HR1, SWR1?
Nein, Jugendradio müsste meiner Meinung nach der kontinuierliche Jungbrunnen sein und sich immer neu erfinden. Konstellationen wie ein alt gewordenes YOU FM sind ja das eigentliche Problem. Die Jugendradios bräuchten kontinuierlich einen frischen Anstrich. Die Farbe darf nie trocken werden.
 
Hot AC und CHR fehlt doch schon heute das Musik-Material, um eine ständige Erneuerung der Playlist sicherzustellen. Monatelang kleben sogenannte aktuelle Titel in den dazugehörigen aktuellen slots dieser Formate fest. Früher war viel mehr Bewegung in der Playlist. Schon aus diesem Grund würde ich mir als Radiomacher mehr Gedanken um Inhalte machen.

Die Frage ist doch, fehlt das Musikmaterial - oder doch der Wille? Wir hatten damals beim Radio auch die Situation, dass alle in der Belegschaft den aufstrebenden Star Cro mit "Easy" off air gefeiert hatten, aber die Musikredaktion dem ganzen kein Airplay gab. Jugendradio muss Trends anfassen, bevor sie abgekühlt sind. Heute gibt es keine klassischen Charts mehr, aber auf Tiktok, Insta und Co genug Hypes, die man mitnehmen kann. Warum nicht die Stundenuhr Mal ein paar Wochen biegen und alles anders machen als die alten Dampfer?
 
...finden gerade Radiomacher viel zu häufig.
Vor wenigen Wochen war ich Ohrenzeuge eines Ansageversuchs bei SWR4 von einem Fräulein, das so offensichtlich keine Ahnung von Musik hatte und sich dann etwas zusammenstotterte, was zum folgenden Musiktitel passen sollte. Da hat sie dann die dümmsten Banalitäten aus dem Wikipedia-Artikel der Band zusammengeklaubt.
Wikipedia ist der Tod jeder angemessenen Moderation.
 
@Wanderdüne
Du hast viel über die "Professionalisierung des Radios" mit Aufkommen der Privaten und der Hörersteuerung (meine Worte) durch Umfrage-Messinstrumente geschrieben. Aus der Sicht der Wirtschaft hast Du sicher Recht. Endlich konnte man ab den 80ern mit dem Radio Geld verdienen, weil Markt-Mechanismen griffen.
Das hatten die ÖRs jahrzehntelang nicht nötig, weil sie durch Gebühren (fast) komplett finanziert wurden (und werden).
Insofern ist Deine Argumentation schlüssig.
Was mir allerdings in Deinem Text vollständig fehlt, ist das Eingehen auf Inhalte.
Mich würde interessieren, wie Du z.B. "Morningshow" vs. "Feature" bewertest, "Gewinnspiel" vs. "Hörspiel", "Playlist" vs. "sorgfältig kuratiertes Musikprogramm abseits der Charts", "Newsflash" vs. "klassische Nachrichten" usw.
Ich vermute, Du willst nicht Inhalte (eh nur für schwindendes, alterndes Publikum) gegen flutschendes, geschmeidiges Cashcow-Radio (für die jüngere Zielgruppe) setzen.
Deswegen noch mal die Frage: Wie sieht Deine Argumentation in Bezug auf die inhaltliche Seite aus?
Du verstehst offenbar die Funktionsweise von Marktforschung und die daraus resultierende Auswirkungen auf das Produkt und Handlungsoptionen für die Macher nicht. Und zwar offenbar komplett nicht. Marktforschung dient nicht einer "Marktöffnung für die Wirtschaft", sondern um ein Produkt zu designen, welches im Hörermarkt Relevanz entfaltet. Jeder Hersteller eines x-beliebigen Produktes macht das. Glaubst Du allen Ernstes, dass BMW die "Neue Klasse" auf den Markt geworfen hat, weil man nachts aufwachte und eine Idee hatte? Naiv! Gut, im Radio mangelt es oft an seriöser MaFo und oft auch an einer Umsetzung drr MaFo Ergebnisse. Antenne NRW oder NRW1, oder auch Schwarzwaldradio oder auch Oldieantenne hätten nie die Audiomanufaktur verlassen dürfen. Passiert, übrigens auch VW mit dem id.3 und der id-"Idee". Passiert übrigens, wenn letztlich CEOs über MaFo hinwegsetzen.

Marktforschung ist letztlich die Bedarfsanalyse des Hörermarktes. Übrigens machen die Öffis das genauso wie die Privaten.

Was hier (völlig) ignoriert wird, ist, dass sich die Bedarfe und Nutzungen verändert haben. Und letztlich findet sich das in der Ptogrammausprägung. Es gibt in bestimmten Bereichen schlicht keine Bedarfe mehr oder nur solche, die nur so wenig Potential bieten, dass eine Refinanzierung bei privaten Sendern nicht möglich ist und bei den Öffis eine Rechtfertigung auf Grund geringer Hörerresonanz nicht zu rechtfertigen wäre. Am Ende gibt MaFo Antworten auf das, was der HÖRERMARKT will.

Es geht überhaupt nicht darum, wie ich etwas bewerte. Persönlich höre ich auch viel DLF, NDR info, WDR 5. Keine reichweitenrelevanten Programme. Und sls Nutzer bin ich nicht relevant. Und die Nutzung lässt auch bei mir nach, da es andere, bessere Quellen für meinen Bedarf gibt. Wenn es Inhalte gibt, die Relevanz besitzen (auf Basis von MaFo), finden sie auch statt. Nur gibt es immer weniger Bereiche, wo Radio noch punkten kann. Daher nochmals, MaFo dient dazu, die Bedarfe des HÖRERMARKTES zu eruieren und in def Umsetzung ein Produkt optimal im Hörermarkt zu positionieren. Radio ist zum großen Teil faktenbasiertes Handwerk, nicht "ich glaube", "ich denke", "ich würde". Wer glaubt, Radio sei zu 90% nur Kreativität und "ich glaube das könnte" stirbt in allerfeinster Schönheit.
 
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Komplexe BMW-Autos mit einem simplen Hitdudler, der neben den Musiktiteln, die überall laufen, noch ein paar Marketingsprüche einstreut, zu vergleichen, finde ich sehr gewagt. Hinter den Autos stecken Ingenieure und diverse andere Fachleute. Fachleute diverser Ausprägung sind bei dem Hitdudler doch schon längst wegrationalisiert worden. Yvonne Mallak und ihre gesammelten Formatradio-Weisheiten spielen in einer ganz anderen, niederen Liga, als Auto-Fachleute.

Nehmen wir ganz konkret Antenne Bayern. Was hat Valerie Weber dort für bahnbrechende, neue Erkenntnisse aus der MaFo im Programm hörbar umgesetzt? Hauptsächlich kürzt sie Personal und Musiktitel weg. Tolle MaFo!
 
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Wanderdüne, das, was Du mir sehr luzide erläutert hast, durfte ich in den letzten Jahren meiner ÖR-Tätigkeit leider auch aus allen Konferenzräumen und Chefetagen dröhnen hören.
Ich muss als alter Radiomann nun einmal damit leben - und kann es für Privatfunk sogar nachvollziehen.
Du hast Dich so ein bisschen whataboutism-mäßig um die Beantwortung meiner Frage nach der Wertigkeit von Inhalten gedrückt. Mir scheint, dass die Marktforschungs-Apologeten auf diesem Ohr zumindest schwerhörig sind.
Ich will Dir eine Vorlage geben: Täuscht mich der Eindruck, dass - auch aufgrund von Erkenntnissen der Marktforschung - vor allem in den jüngeren Programmen eine qualitative (!) Entwortung, will fast sagen: eine Infantilisierung stattfindet? Antwort, Kritik, Widerspruch gerne auch als PN, weil es etwas vom Fadenkern wegführt. Scheinst ein interessanter Gesprächspartner zu sein.
 
Was hier (völlig) ignoriert wird, ist, dass sich die Bedarfe und Nutzungen verändert haben. Und letztlich findet sich das in der Ptogrammausprägung. Es gibt in bestimmten Bereichen schlicht keine Bedarfe mehr oder nur solche, die nur so wenig Potential bieten, dass eine Refinanzierung bei privaten Sendern nicht möglich ist und bei den Öffis eine Rechtfertigung auf Grund geringer Hörerresonanz nicht zu rechtfertigen wäre. Am Ende gibt MaFo Antworten auf das, was der HÖRERMARKT will.
Im Fall von SWR4 bestand vor der "Reform" durchaus sehr hohes Interesse seitens der Hörer an einem deutschsprachig-schlagerlastigen Programm. Das hätte man ohne Probleme noch zehn und mehr Jahre so weiterführen können, der Bedarf war da. Und wenn wirklich in 10 Jahren aus demographischen Gründen die Hörerzahl massiv abgenommen hätte, hätte man ja dann erst reformieren können.
 
@exhörer
Wäre die Hochphase des deutschen Schlagers in den 70er und frühen 80er Jahren nicht komplett aus den Popprogrammen getilgt worden, wären Sie heute beliebte Hits auch bei primär nicht schlageraffinen Hörern. Vieles von Udo Jürgens (Griechischer Wein, Ein ehrenwertes Haus, Ich war noch niemals in New York, Aber bitte mit Sahne), Roland Kaiser (Hello again), Juliane Werding (Am Tag als Conny Kramer starb), Marianne Rosenberg (Er gehört zu mir, Marleen) usw. sind kompositorisch wie vom Text her pfiffig bis peppig und werden interessanterweise immer wieder auf den niederländischen Popsendern in das Programm eingestreut. Warum es nicht möglich ist, wenigstens die Juwelen unter den deutschsprachigen Künstlern auf Radio NRW, ABY, FFH oder SWR 3 zu spielen, ist mir völlig schleierhaft. Ich bin auch primär kein Schlagerhörer, dennoch muss man das Genre nicht in Bausch und Bogen verdammen.
 
Ich will Dir eine Vorlage geben: Täuscht mich der Eindruck, dass - auch aufgrund von Erkenntnissen der Marktforschung - vor allem in den jüngeren Programmen eine qualitative (!) Entwortung, will fast sagen: eine Infantilisierung stattfindet?

Man macht eben aus finanziellen Gründen einen Kniefall vor dem systemübergreifenden Werbemanagement, das sich von dieser Banalisierung längere Verweilzeiten bei der Always-On-Generation erwartet, wenn sie sich gerade mal wieder zum Radio verirrt hat. Über kurz oder lang - das weiß jeder - wird diese Mission katastrophal scheitern, weil das mobile Internet solchen entkernten Dudel-Monokulturen die Existenzgrundlage entzieht. Aber momentan bleibt noch etwas Geld hängen.
 
Im Fall von SWR4 bestand vor der "Reform" durchaus sehr hohes Interesse seitens der Hörer an einem deutschsprachig-schlagerlastigen Programm. Das hätte man ohne Probleme noch zehn und mehr Jahre so weiterführen können, der Bedarf war da.
Dagegen wurde seitens SWR argumentiert, dass der "Hörermarkt" sich stetig abgewendet hat. Ich verweise da auf #4.224 im "SWR4-Reform"-Thread.
Und wenn wirklich in 10 Jahren aus demographischen Gründen die Hörerzahl massiv abgenommen hätte, hätte man ja dann erst reformieren können.
In keiner der letzten Dekaden hat die Hörerzahl aus demographischen Gründen urplötzlich massenhaft abgenommen. Das Szenario wird zwar immer wieder bemüht, ist aber falsch. KI sagt: "Es gibt keinen klaren Nachweis, dass die Sterberate insgesamt zuletzt durch den demographischen Wandel gestiegen ist. Die Zahlen zeigen eher Stabilität oder leichte Abnahmen, wenn man sie altersbereinigt betrachtet.

So verweise ich an die Stelle an #30, Absatz 2 in diesem Faden.

Roland Kaiser (Hello again)
[Klugscheißmodus on]
Das wollen wir mal Herrn Carpendale überlassen, aber "Santa Maria" wäre auch schön ;-)
[Kugscheißmodus off]
 
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