Ich habe da wohl eine sehr "antike" Vorstellung. Ich bin als Kind mit allen Genres im Radio groß geworden. Von Rias1&2, DT64, HR1-2-3-4, Bayern 1-4, NDR 1-3, DLF, BFBS, SFB, Antenne Bayern Radio Luxemburg, Radio Bremen Hansawelle und (Ost)Berliner RF, auch WDR1 und manchmal auch Antenne Südtirol. Ich war in der glücklichen Lage in Sachsen all diese Sender empfangen zu können, auf UKW, MW und KW. Ich hörte Pop, Schlager,Volksmusik, Operette, Beat, Klassik, Punk, Hörspiele, Bundestagsdebatten, Sport und politische Kommentare, durch die Familie geprägt.
So habe ich kein "Stammradio". Durch das Internet ist es möglich, alle Sender weltweit zu hören, von Schweizer Radio , Belgische Sender und Tschechische etc.
Was mir aber in DL und Österreich (zum Teil auch) auffällt, dass die Sender ihre Marke ohne Sinn und Verstand aufgeben. Alle möchten ein Publikum zwischen 16 und 49 bedienen. Die Mehrheit der Bevölkerung ist aber 50+. Warum werden diese Spartenprogramme und Sendungen ins Internet oder DAB ausgelagert? Ist es nicht möglich einen angenehmen Sender , wie "SRF DRS 1 Schweiz" oder "Belgiens VRT Radio Bene" zu produzieren, mit Musik und Information für alle , Spartenprogrammen am Abend und einem moderierten Nachtprogramm? Wo findet man Sendungen der Volkskultur Redaktionen( wie auf Radio Salzburg), Musik der 50er-70er, Big Band Musik, Operettenmusik-ausser in Spartenprogrammen, fremdsprachige Musiksendungen, allgemein Musik aus anderen Ländern als England /USA?
Sendungen, wie das Hamburger Hafenkonzert wurden zu Popmusik Sendungen, anspruchsvolle Musiksendungen aus den bekannten Wellen gestrichen, Sender wie SWR1, 4 , WDR4 , Bayern1 oder die NDR1 Wellen zu Popdudelwellen. Allein HR4 kommt hier noch halbwegs original, wie lange noch.
Für mich gibt es vier Alternativen:
-1000de alte Radiosendungen auf YouTube Kanälen
-Amazon -eigene Playlists
-Radiomitschnittprogramme (Phonostar) für die wenigen guten Sendungen zum archivieren.
-Museumsradio 1476, VRT Radio Bene, RTS Option Musique
Ich habe weitestgehend mit dem Radio linear abgeschlossen, was schade ist.
Meiner Meinung haben die jungdynamischen Wellenchefs mit Ihren "Durchhörbar-Reformen" dem Radio den Todesstoß versetzt.
Privatradio ist ein eigenes Thema, da ich das nicht nutze -keine Meinung dazu.
Das mit dem gemeinsam alt werden kann nur funktionieren, wenn Radiostrukturen auch bleiben. Ich bin in erster Linie mit DT64 und etwas Rias2 groß geworden (der Rias hat es auf UKW nur selten in den südlichen Bezirk Cottbus geschafft).
Dafür gibt es zum Glück im Netz Archive mit 1000den Sendungen all Deiner alten Radiostars... die ich als Kind auch gehört habe.Sind jetzt alle auf meiner Festplatte und ich höre wann ich will Barry Graves, Rottschalk, Lutz Bertram oder Kuttner.
Ich bin zum Beispiel mit NDR 2 aufgewachsen und hätte in jungen Jahren nie geglaubt, bei NDR1 Niedersachsen als Stammmsender zu landen.
Das NDR2 Konzept der 80er ist ja nun das von NDR1 Radio Niedersachsen. Also hast du die gleiche Jacke nur in einen anderen Schrank gehängt.
Jeder Mensch muss sich doch jeden Tag Veränderungen und Entwicklungen anpassen. Das fällt einem manchmal leichter und manchmal schwerer. Aber vermeiden lässt sich das doch praktisch nie.
Auch Personen über 60 arbeiten doch i.d.R. problemlos am PC, auch wenn sie noch Schreibmaschinen und Kohlepapier für Durchschläge kennen.
Und die gleichen Personen fahren ganz selbstverständlich einen modernen PKW, auch wenn sie mit dem VW Käfer angefangen haben.
Warum aber sollte man dann ausgerechnet beim Musikgeschmack irgendwann stehen bleiben?
Klar habe ich auch für mich zeitlose Lieblingssongs, die ich immer wieder gerne höre.
Aber deshalb höre ich trotzdem auch sehr gerne aktuelle Musik.
Und deshalb öden mich mittlerweile auch Programme wie SWR1 oder insbesondere auch SWR4 mit ihren (für mich! - also meine ganz persönliche Meinung, die ich niemandem überstülpen will) nur noch ranzigen Musikformaten zunehmend an, wobei dann noch die inhaltliche Entkernung hinzukommt durch die konsequente Streichung aller Infostrecken.
Und wie es ein User an anderer Stelle richtigerweise geschrieben hat:
In den 1980er Jahren lief doch auch nicht ständig 40 Jahre alte Musik im Radio…
Würden Sie mir Recht geben, dass es auch schon viele Jahrzehnte vor 1980 Musik gab? Und wo findet man die in deutschen Radiosendern?
Sollte ein Radiosender mit der Zielgruppe altern? Da gibt es meiner Meinung nach nur eine richtige Antwort:
Der Sender sollte gut mit seiner Zielgruppe altern.
Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, wie Moderation, Musikredaktion, gute Auswahl an Themen, dann kann ein Programm auch für mehrere Generationen passen. SWR3 schafft diesen Spagat an sich ganz gut. Die waren jetzt die letzten 25 Jahren nie mega jung, sind aber auch nicht so extrem gealtert. Von daher gut gehalten.
Luft nach oben sehe ich bei vielen Jugendradios. Die sind sehr mit ihren Hörern gealtert (bzw. träge geworden). Das frühere planet Radio war ein Fiebertraum an Drive (egal ob Moderation oder Musik). Das war der grellste Autoscooter. Jetzt sind die Lichter sehr gedimmt. Auch YOU FM sowie bigFM waren in den ersten Jahren noch richtig frisches Radio. Das ist vorbei. An dieser Stelle könnten stellvertretend auch andere Jugendsender stehen.
Meine These: Wären die jungen Wellen nicht sooo alt (und glatt), würden wir alle ein bisschen jünger aussehen. Zumindest die deutsche Radioszene.
Die Logik wäre also, dass der öff.rechtl. RF alle 10 Jahre ein neues "Jugend"Radio auf den Markt bringt. Wo sind aber die Sender 50+ , die in den letzten 30 Jahren <49 Radios geworden sind, wie HR1, SWR1?
Seltsame Frage. Natürlich sollte ein Sender nicht mit seinen Hörern altern. Sonst würde ja ein "Jugendender" zum "Popsender", dann zum "Oldiesender", dann zum Seniorensender - nimmt man die völlig verkorkste deutsche Radiolandschaft als Beispiel.
Selbstverständlich muss sich ein Sender an den entsprechenden Hörgewohnheiten orientieren, soll heissen: Der 16Jährige heute hört anders Radio als der vor 10 Jahren, und in der Zukunft wird das wieder anders sein. Radio muss sich permanent wandeln, sonst wird es statisch und langweilig - es ist doch nicht "geistiges Eigentum" einer gewissen Hörerschicht, dessen Wünschen usw. es sich anpassen muss und die sich vielleicht nie ändern.
Es ist andererseits doch logisch, dass der, der beim Jugendradio anfängt, irgendwann beim Seniorensender landet - theoretisch.
Andernfalls passiert genau das, was z.B. bei SWR1 gelegentlich zu hören ist - dann laufen heute noch Titel, die vor 30 Jahren schon im Programm waren. Und man redet über Pop-Stars, die 1980 mal höchst beliebt waren.
Langweilig, fade, öde, ziemlich tot.
SWR funktioniert so:
SWR1 spielt SWR3 vor 20 Jahren,
SWR4 spielt SWR1 vor 20 Jahren,
SWR3 spielt SWR Das Ding vor 20 Jahren,
Aber wer spielt SWR4 vor 20 Jahren?
Und wie ist das dann in 20 Jahren?
Ich wüsste auch noch ein unverändert spannendes Chartkonzept, aber das wurde auch sehr vom viel zu früh verstorbenen Moderator getragen...
Denn ein Programm, eine Sendung sollte mich ansprechen weil es/sie mir gefällt, ich die Musik und die (immer seltener werdende) Persönlichkeit am Mikro mag, völlig egal wie alt ich bin und wie alt der "Durchschnittshörer" oder die Kernzielgruppe ist.
Und wenn schon in den meisten Fällen nicht die Sender, so altern doch oft die Moderatoren die innerhalb eines Hauses wechseln (oder dies wie Brisch und Imhof von 1LIVE bisher nicht tun) mit dem Hörer der mitwechselt...
Norddeutsche Top Fofftein von Willem auf NDR1&2?