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Quo vadis, Deutschlandradio?

  • Ersteller Ersteller CosmicKaizer
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Das gesamte Jahr 2025 werde genutzt, um gemeinsam neue Programmstrecken beim Deutschlandfunk zu erarbeiten, hieß es weiter. Somit gebe es noch keinen Termin, ab wann die Reform im Programm hörbar sein werde.
Die Deutschlandradio-Programmdirektion, die von Jona Teichmann geleitet wird, hat für den weiteren Reformprozess beim Deutschlandfunk Leitlinien formuliert. Das seien „die Grundsätze, denen das künftige Programmschema folgen wird“, so der Sprecher weiter. Eine der Leitlinien besage, „den Hörerinnen und Hörern Orientierung“ zu geben, „durch journalistische und künstlerische Qualität, inhaltliche Tiefe, Einordnung und Dialog“. Eine weitere Leitlinie laute: „Fachjournalismus trägt weiterhin wesentlich zum Erfolg des Deutschlandfunks bei.“

Das scheint weiterhin die aktuellste Quelle zum Reformprozess zu sein. Die Formulierung "Programmstrecken" deutet aber auf Größeres hin als nur hie und da eine geänderte halbe Stunde.
 
Danke! Den Text kannte ich nicht. Erstaunlich finde ich, dass dazu seit mehr als einem Jahr nichts nach außen gedrungen ist.

Ich finde, man könnte in einen solchen Reformprozess auch die Hörer einbeziehen. Ich glaube, der DLF hat ein sehr mündiges Publikum, das durchaus in der Lage wäre, konstruktiv Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten. Früher gab es ja in der Länderzeit einmal im Jahr die Möglichkeit, sich zum Programm zu äußern. Da wurden viele sinnvolle Vorschläge gemacht, die aber vom damaligen Hörfunkdirektor Müchler häufig sehr brüsk abgeblockt wurden.
 
Eine der Leitlinien besage, „den Hörerinnen und Hörern Orientierung“ zu geben, „durch journalistische und künstlerische Qualität, inhaltliche Tiefe, Einordnung und Dialog“. Eine weitere Leitlinie laute: „Fachjournalismus trägt weiterhin wesentlich zum Erfolg des Deutschlandfunks bei

Die nun eingeleitete Programmreform beim Deutschlandfunk ist...eine Herausforderung, das journalistische Profil nicht zu verwässern.

Es gehe etwa darum, „vertiefte Information und Hintergrund“ weiter auszubauen sowie „Radio und digitale Produkte zusammen zu denken“

Das gesamte Jahr 2025 werde genutzt, um gemeinsam neue Programmstrecken beim Deutschlandfunk zu erarbeiten

Gründe für die Reform seien „veränderte finanzielle und personelle Rahmenbedingungen, die die Medienpolitik dem Deutschlandfunk vorgibt“

Hinzu kommt nach Senderangaben noch, dass...beim Radio die lineare Nutzung sinke. Und dies gerade bei jüngeren Zielgruppen...Man sehe den Beginn eines Trends einer rückläufigen Radionutzung. Darauf wolle der Deutschlandfunk mit seiner Programmreform ebenfalls reagieren.

Klar sei, so der Sprecher weiter, dass es im Programmetat Umschichtungen geben werde: „Digitale Angebote, Distribution und vertiefte Recherchen benötigen mehr Kapazitäten. Dafür möchten wir den Mitarbeitenden mit den neuen Programmstrecken Luft verschaffen.“ Künftig solle es mehr Podcasts im linearen Programm geben.


Hier steht doch ganz klar, wo die Reise hingeht: Digital und podcasts first. Das Geld wird weniger und gleichzeitig wird mehr davon im Netz versenkt werden. Also wird das lineare Programm ausgeblutet. Dieselbe Leier wie bei den sogenannten ARD-Hörfunk-Reformen. Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte.
 
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Das sehen wir ja auch beim DLF Kultur am Sonntag. Das gesamte Tagesprogramm ist da inzwischen vorproduziert und besteht mit “Plus Eins” sogar komplett aus einem Podcast.
 
Heute ist niemandem mehr zu vermitteln, er solle um 20.15 Uhr vorm Fernseher sitzen, weil dies und das läuft. Ähnlich gibt es immer weniger Leute, die um 21 Uhr das Radio einschalten, weil eine Sendung läuft. Vor allem jüngere Menschen sind es heute gewohnt, solche Sendungen zeitsouverän zu hören. Wenn noch was im Hintergrund dudelt, dann ist es die eigene Spotify-Playlist. Die wird dann unterbrochen, wenn man mal Nachrichten oder Sportberichte hören will oder eben einen anderen Audiobeitrag. Das Smartphone ist das neue Radio.
 
Gerade in der zeitsouveränen Bereitstellung seiner Audioinhalte spielt der DLF doch in der obersten Liga - und das verglichen mit den meisten ARD-Programmen schon relativ lange. Nur: Was sagt dies über die Planung des klassischen Programmtages aus? Um 20:15 im TV oder um 21:05 im Radio muss ja trotzdem irgendwas gesendet werden.

Es ist über konkrete Änderungen im Sendeschema wohl noch nichts nach außen gedrungen, womöglich noch nicht mal etwas beschlossen. Insoweit werde ich mich hüten, den qualitativen Untergang des DLF zu prophezeien. Ganz grundsätzlich aber impliziert die zunehmende Wichtigkeit nonlinearer Angebote doch keine Notwendigkeit, das lineare Programm auszubluten.
 
Ganz grundsätzlich aber impliziert die zunehmende Wichtigkeit nonlinearer Angebote doch keine Notwendigkeit, das lineare Programm auszubluten.
Eigentlich nicht. Trotzdem wird das gerne als Argument hergenommen, genau das zu tun. Vielleicht liegt dem auch die irrige Annahme zugrunde, dass reine Podcasts eine irgendwie andere Anmutung benötigen als klassische Produktionen fürs lineare Programm und man solche Produktionen deshalb zusätzlich stemmen muss. Dabei hat - wie @Festnetzfreak richtig schreibt - der DLF schon früh gezeigt, dass man wunderbar die linear ausgestrahlten Dinge fürs zeitsouveräne Hören verwenden kann und damit auch Hörer erreicht, die sonst eher nicht zur DLF-Kundschaft gehören.
 
Heute ist niemandem mehr zu vermitteln, er solle um 20.15 Uhr vorm Fernseher sitzen, weil dies und das läuft. Ähnlich gibt es immer weniger Leute, die um 21 Uhr das Radio einschalten
Was Du machst, ist im Grunde für die völlige Abschaffung des Radios (im Grunde auch des TVs) zu plädieren. Stattdessen machst Du - gewollt oder ungewollt - für irgendwelche Angebote Werbung, die frei oder gegen Abo-Gebühren bei Bedarf und (wichtig für Dich!) zu gewünschter Zeit abgerufen werden können.

Im Klartext: Wir brauchen keinen Rundfunk mehr, sondern nur noch eine Adresse, wo wir finden, was wir wollen, wenn wir Lust darauf haben. Keine Gebühren für alle mehr, sondern höchstens noch Abo-Gebühren für Interessenten. Und, ein Resultat: Weg mit dem ÖR. Hat ja keiner mehr Zeit, zuzuhören.

Natürlich brauchen wir dann erst recht keine Dudelwellen mehr, aber das ist eine andere Geschichte. Nichts ist wahrscheinlich einfacher, als irgendeinen Musikkanal/Stream einzuschalten oder zu abonnieren, auf dem nur noch 80er laufen.

Das ist allerdings eine sehr fragwürdige Ansicht. Es gibt immer noch jede Menge Leute, die morgens das Radio einschalten. Um z.B. Nachrichten zu hören. Die keinen Bock haben, ständig das Telefon vor der Nase zu haben. Die während irgendeiner Tätigkeit zuhören. Die zu bestimmten Zeiten durchaus gezielt einschalten. Wenn sich das eben lohnt - und nicht gerade wieder irgendeine Oldie-Show läuft. Ich z.B. schalte gezielt mittags ein, wenn auf Bayern 2 diskutiert wird. Oder Abends, wenn wirklich aussergewöhnliche Musik auf einem irischen Sender namens Lyric FM läuft. Und nein, ich habe NULL Bock, mir stattdessen einen Podcast hereinzuziehen.

Wer das idealisiert, sollte sich mal Rundfunk oder TV in den USA zumuten. Ein Desaster, aber genau das Modell, für das Du im Grunde wirbst. Hat ja keiner mehr Zeit, und wer doch, soll dafür bezahlen - aber eben nicht die Gemeinschaft.
 
Es ist aber nicht zu bestreiten, dass die Radionutzung unter jungen Menschen von On-Demand-Angeboten zurückgedrängt wird. Das heißt nicht, dass das klassische Radio verdrängt wird, aber es verliert eben an Stellenwert.
 
Die ganze Diskussion hier über die Zukunft des Radios ist etwas sonderbar. Daß Sendestrukturen anzupassen sind in dem Sinne, daß man weniger oder gar kein Einschaltradio mehr macht - geschenkt. Darunter würde ich beispielsweise verstehen, daß man 24h das Programm für Ereignisse, die wichtig sind und gerade stattgefunden haben, für eine Kurzmeldung unterbricht und zudem möglichst zeitnah den ersten einordnenden und analytischen Bericht bringt. Gerade auch auf den derzeiten ARD-Dudelwellen. Radiogemäßer und moderner kann Radio gar nicht agieren. Das hier angesprochene Konzept ist up to date und zeigt was Radio kann, ohne Zeitlimit, Zeitkorsett oder feste Sendungen. Der Hörer ist dabei völlig zeitsouverän, kann ein- und abschalten, wann er will. Da ist das Internet nicht schneller, bietet in vergleichbarer Qualität und für lau Vergleichbares erst gar nicht an. Und wichtig: Laberpodcasts können in diesem Zusammenhang eh nicht mithalten.

Die Dudelwellen, von der ARD oder von kommerziellen Anbietern, sind reine Sparprodukte. Und sie folgen sklavisch den amerikanischen Vorbildern, die ja schon seit Jahrzehnten automatisiert sind. Es ist mir bis heute schleierhaft, wieso sich die ARD ausgerechnet in der Tradition des US-Formatradios sieht. Die ARD-Verantwortlichen brauchen dringend einen kräftigen Tritt ins Gesäß bei gleichzeitigem Verweis auf ihren Auftrag. Gerade auch die vielen Menschen, die gerne Popmusik hören, haben einen Anspruch darauf, seriös und ausführlich informiert zu werden.
 
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Das heißt nicht, dass das klassische Radio verdrängt wird, aber es verliert eben an Stellenwert
Das ist gar nicht die Frage. Es ist im Gegenteil ein Argument dafür, dass sich Radio auf das konzentriert, was es auszeichnet. Und das ist eben etwas anderes, als belangloses Rundumgededudel, gleich ob als 80er Show, Hitparade oder Musikclub getarnt.

Radio hatte mal einen wirklichen Vorteil: Seine Schnelligkeit. Es konnte sofort, unmittelbar auf aktuelle Ereignisse reagieren, war DIE Informationsquelle für Leute, die eben nicht die Tageszeitung, die eh nur morgens erschien, zurückgreifen wollten. Und die im TV erst zeitlich später bedient wurden.

Natürlich haben die Online-Dienste das geändert. Dennoch ist für viele Menschen Radio ein wichtiges Informationsmedium geblieben. Wo nicht nur aktuell berichtet, sondern auch schon mal diskutiert wird, Interviews stattfinden, Hörer einbezogen werden usw.. Wo man Themen erfährt, auf die man sonst nirgends von selbst stößt.

Es ist etwas völlig anderes, wenn im Morgenmagazin - unerwartet - ein Bericht über neue Erkenntnisse der Krebsforschung ausgestrahlt wird, oder ob ich gezielt, sozusagen als Gesundheitsfreak, mir aus irgendeinem Angebot ein Gesundheitsmagazin als Podcast heraussuche. Das ich ansonsten, wäre ich an der Materie nicht interessiert, niemals eingeschaltet hätte.

Radio kann, wie kaum ein anderes Medium, schnell und umfassend informieren, über ale möglichen Beriche, die menschliches Leben berühren.. Das ist was anderes, als wenn ich mir gezielt zu einer bestimmten Zeit einen speziellen Podcast gönne. Bestes Beispiel: Die Informationen am Morgen im DLF. Völlig unvorstellbar, die durch eine Podcast zu ersetzen...was Aktualität und Themenbreite angeht, schon gar nicht.

Aber das bedeutet eben auch, dass der ganze Dudelfunk überflüssig ist und weg kann. Und meiner Meinung nach sowieso nicht überleben wird. Was, so hoffe ich, in der Konsequenz nicht ganz grundsätzlich den ganzen ÖR in Mitleidenschaft ziehen wrid.

Nochmals: Wie unsere Radiozukunft viellicht mal aussehen wird, kann man heute schon in Ländern wie den USA, Neuseeland oder Kanada beobachten. Der ÖR bringt fast nur Information und gehobene Unterhaltung. Gedudel gibt es auf zusätzlichen Streams, an denen sich jeder nach persönlichem Geschmack erfreuen kann. Oder eben bei den Privaten. Dort, wo es nach Wunsch und unverbindlich zugeht, sind Abo-Angebote oder Streams o.k. Wo es um Information für ALLE geht, ist Live-Radio unverzichtbar Ganz besonders der ÖR.
 
@Ralle_Köln Du wirst es nicht glauben, selbst jemand, der beim großen Deutschlandfunk das dortige Medienmagazin
"mediasres" moderieren darf, jubelt Holger Friedrich "das Boulevardblatt BZ" unter (ab 00:20 min) und keiner in der Redaktion oder im Sender merkt das. Laut der DLF-Programmübersicht hat an dem Tag Sascha Wandhöfer moderiert, laut Google sonst auch bei WDR5 unterwegs. Er hat da also nicht nur etwas verwechselt wie du, sondern schlicht nix Ahnung und so großen Unsinn erzählt (oder abgelesen?) in der Dimension, Hubert Burda würde den SPIEGEL herausbringen.

PS: Wer denn die Leute sind, die doch so "mit Skepsis" auf Friedrichs Projekt schauen, verrät uns das Gespräch mit Claudia van Laak aber leider gar nicht. Astreines Geschwurble für mich.

 
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@Ralle_Köln Du wirst es nicht glauben, selbst jemand, der beim großen Deutschlandfunk das dortige Medienmagazin
"mediasres" moderieren darf, jubelt Holger Friedrich "das Boulevardblatt BZ" unter (ab 00:20 min) und keiner in der Redaktion oder im Sender merkt das.
Ich war‘s diesmal nicht ;)
Aber wie kann es eigentlich sein, dass man einen Holger Friedrich mit einem „Boulevardblatt“ in Verbindung bringen kann?
 
„Vor allem migrantische Stimmen, ostdeutsche Sichtweisen und Vertreter der Generation Z sollten künftig häufiger vorkommen. Außerdem dominieren nach Einschätzung der Wissenschaftler noch immer Gesprächspartner aus der Berliner Politikszene. Für ein bundesweites Informationsprogramm sei das zu einseitig.“
(
Quelle: https://www.radioszene.de/212103/deutschlandradio-soll-mehr-stimmen-ins-programm-holen.html; Hervorhebung von mir).

… weil die Politikszene in Bielefeld, Ibbenbüren, Finsterwalde, Bad Sülze, Elend (bei Sorge) oder Obergünzburg so viel relevanter für ein deutschlandweites Programm ist?
 
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