Jetzt geht wieder die Selbstbeweihräucherung los...
Antenne Münster ist zum wiederholten Mal meistgehörter Radiosender in der Stadt. Das zeigt die heute in Köln veröffentlichte Elektronische Medienanalyse NRW. Ihr zufolge schalten täglich 31,9 Prozent aller Radiohörerinnen und -hörer in Münster Antenne Münster ein (E.M.A.2026 I). Damit gewinnt der Sender in der Hörergunst im Vergleich zur Befragung im Sommer 2025 gut sieben Prozentpunkte dazu
Juchu, die E.M.A. ist da! Nur von was ist Antenne Münster der meistgehörte Sender? Münster, soso... Klingt interessant, ist es aber (eigentlich) nicht.
Leider veröffentlich man nicht die gesamten Daten, sondern wieder nur die Zahlen, bei denen der einzelne Lokalsender gut aussieht. Eine objektive Bewertung, auch seitens der Werbewirtschaft ist damit nicht möglich. Eigentlich wettbewerbsrechtlich abmahnfähig und -würdig.
Aber was ist denn die E.M.A.? Zitat:
"Die E.M.A. NRW (Elektronische Medien Analyse) wird im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft "Lokale Reichweitenuntersuchung in NRW" durchgeführt. Dieser Zusammenschluss besteht aus dem Verband der Betriebsgesellschaften in NRW und der radio NRW GmbH. Die Durchführung der Untersuchung erfolgt durch das MS Medienbüro Köln" (Quelle: PM Lokalfunk)".
Was viele nicht wissen: Der Lokalfunk beauftragt eine Marktforschung (für andere ist es nur eine Reichweitenmessung

) die von einem MS Medienbüro durchgeführt wird. Diese hat ihren Sitz - welch Zufall - im Verlagshaus der Mediengruppe DuMont in Köln. Alleinige Gesellschafterin ist - Überraschung - die radio NRW GmbH. "Operativer" Leiter ist der Leiter der Markt- und Medienforschung von radio NRW, der bis zur Übernahme von MS Medienbüro vor ein paar Jahren eigentlich diesem Büro auf die Finger schauen sollte. Geschäftsführer ist Morocutti in Doppelfunktion zur radio NRW Geschäftsführung und Mitglied des auftraggebenden Gremiums. Wie praktisch! Über diese, sagen wir einmal, etwas "intransparente" Darstellung, mit der sich Akteure des Lokalfunks einen seriösen Anstrich verpassen wollten, beschäftigte sich schon einmal vor ca. 2 Jahren das Medienmagazin Töne, Texte, Bilder von WDR5. Leider ist der Beitrag nicht mehr auffindbar in der Mediathek.
Grundsätzlich ist gegen die E.M.A. nichts einzuwenden. Wenn man sie aber veröffentlicht, dann sollte man sich mit den Eckdaten, analog zur MA auch ganz veröffentlichen, damit Vergleiche möglich sind. So ist es irreführend und man kann Werbetreibende nur vor der E.M.A. nur warnen, da sie keine Wertung ermöglicht.
Gleichzeitig müsste man transparent machen, dass es sich bei dem durchführenden Institut um eine 100% Tochtergesellschaft der radio NRW handelt. Ganz einfach formuliert beauftragt der Lokalfunk sich selbst, um von sich selbst eine Reichweitenanalyse durchführen zu lassen, die ihm selbst ein Zeugnis ausstellt und verkauft dies dann anschließend als vermeintlich objektiv ermittelte Reichweite, veröffentlich aber nur lokal Zahlen, die für den jeweiligen Lokalsender von Vorteil ist.
Klar, ich kann verstehen, dass man Marktforschung betreibt und auch Zahlen für die interne Erlösverteilung braucht. Geht man aber in den öffentlichen Raum, sollte man es seriös machen. Das ist alles andere als seriös.