Tatsächlich waren die Radio Ton Jingles seit dem Rebranding 2023 nie mit einer formellen Anrede produziert. Beim genauen Hinhören kann ich nachvollziehen, dass der akustische Eindruck eines "...vor Ihrer Haustür" entsteht. Faktisch war es aber immer "...vor eurer Haustür".
Zur Musikauswahl möchte ich gerne auch ein Wörtchen loswerden:
Das 80er-Rebranding war ein gewagter Schritt und nicht nur hier viel diskutiert. Ich habe auch das Gefühl, dass viele Forenschreiber über den "Rückschritt" zu einem klassischen Mix-Format nicht unglücklich sind. Dennoch halte ich (und das mag für viele auch eine gewagte These sein) diesen Rückschritt für nicht gelungen.
Die Markteinführung des Konzepts "Lang leben die 80er." war meiner Meinung nach nicht das Wundermittel, dass die plötzliche Heilung des angeschlagenen Senders mit sich bringen sollte. Ich denke, dass das auch den beteiligten von Radio Ton klar war. Nur: Weitermachen wie bisher geht auch nicht. Das hat man ja an den Hörerzahlen gesehen.
Und klar: Lokalradio ist mehr als nur Musik. Aber wer schon mit einem austauschbaren Musikprogramm keine nachhaltigen und Mehrwert liefernden News hinbekommt, der kriegt das auch von jetzt auf gleich nicht hin. Anzustinken gegen den SWR im Radio und der lokalen Tageszeitung im Netz konnte man sich gleich abschminken. Eine lokale 80er-Marke zu schaffen, die im baden-württembergischen Hörfunkmarkt einzigartig ist: Why not? Die Konkurrenz aus dem hohen Norden, bzw. Hessen mal außen vor, auch das völlige Überangebot von 80er-Hype in Deutschland. ABER: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und das haben die Ton-Menschen getan. Was gewagt.
Leider haben sie nicht gewonnen, die Hörerzahlen rauschten noch weiter ab. Der Programmchef musste gehen, die die Musik wurde modernisiert. Und das nach nicht mal einem Jahr! Und das finde ich bemerkenswert, aber nicht im positiven Sinn. Jeder Marketing-Mensch könnte sagen, dass ein neues Marketing- und Inhaltskonzept nach nicht mal einem Jahr nicht marktdurchdringend ist. Und ich persönlich finde, allen Unkenrufen zum Trotz, dass das 80er-Konzept hätte gut und besser werden können. Klar, es war noch nicht optimal, noch längst nicht final ausgereift, junge Moderatoren in einem 80er-Konzept, schwierig. Aber da war definitiv Luft nach oben, es gab eine Richtung, einen Rahmen.
Habt ihr die Top 1.000 verfolgt? Mein Eindruck im vergangenen Jahr war: 80er. Schwierig. Aber es klang, es klang gut und die Hörer, die on air zu hören waren, schienen nicht wenig begeistert. Aber dieses Jahr, ich wiederhole mich, schwierig. Auf einmal war diese Hitparade da, eingequetscht zwischen anderen Programmaktionen. Kein angemessenes Teasing, die Musik hochgradig austauschbar. Ab Tag 3 klang es wie das normale Programm, keine Überraschungen.
Und jetzt? Quo vadis Radio Ton? Musikalisch: Kein Charakter. Früher (vor dem 80er-Ding) hätte ich gesagt: Radio Ton erkennt man ungefähr. Jetzt ist die Mischung noch abenteuerlicher, noch unklarer. Inhaltlich: Ich habe das Gefühl, die Moderatoren versuchen das beste draus zu machen. Ich schreibe ihnen viel guten Willen zu. Aber das Programm mit Volos, Praktis und jungen Moderatoren am Laufen zu halten, scheint mir nicht der richtige Weg. Und Nachrichten? Die Regiocast liefert brav zu, aber einen echten Mehrwert nehme ich als Bewohner des Sendegebiets nicht wahr. Und das ist schade.
Deswegen: Wir können alle gespannt sein, was die Zahlen im Juli bringen. Die beinhalten ja dann den gesamten Zeitraum seit dem Cut von "Lang leben die 80er". Ob ein wundersamer Sprung über 40- oder sogar 50.000 Hörer in der Stunde erfolgt? Wahrscheinlich nicht. Was das zur Folge hat, lässt sich nur spekulieren. Ich erwarte nix.