Bevor sich dieser 23. April 2026 in der Vergangenheit verabschiedet, mache ich den entsprechenden Thread dann doch noch auf.
Gisela Herzog, die Frau, der wir die Raumakustik in den Sälen und Hörspielstudios im Funkhaus Berlin Nalepastraße verdanken (entstanden ca. 1953 - 1956), die auch 1952 als ihr "Frühwerk" die einfacheren Studioräume im Block A Nalepastraße raumakustisch geplant hat (u.a. genutzt von den Tricone-Studios, natürlich heute für Musikproduktion, einst waren das profane Sprecherräume), die sich um viele Räume in den Regionalstudios und Funkhäusern der DDR-Bezirksstädte gekümmert hat, die für die Raumakustik in der Stadthalle Chemnitz, im Haus der Kultur Gera, in den Uckermärkischen Bühnen Schwedt und weiteren Sälen verantwortlich war, ist heute 100 Jahre alt geworden.
Ihre Arbeit für den Rundfunk begann sie im Frühjahr 1948, nachdem ihr Vater eine Annonce in der Zeitung fand, wonach der Landessender Potsdam eine musikbegabte Toningenieurin für die Musikproduktion suchte. Gisela Herzog hatte ihre Ausbildung eigentlich ab April 1942 bei Siemens in Siemensstadt gehabt (Wernerwerk) und war nach Abschluß der Ausbildung 1944 bis zum 21.4.1945 im Labor für ferromagnetische Werkstoffe bei Siemens eingesetzt. Ab August 1945 arbeitete sie wieder dort, aber die täglichen Arbeitswege von/nach Potsdam waren durch Sektorengrenzen und gesprengte Brücken etc. auf 2 mal 3-4 Stunden täglich angewachsen, zudem galten ihre Potsdamer Lebensmittelmarken natürlich nicht bei Siemens in der britischen Besatzungszone.
Im Landessender Potsdam arbeitete sie als Sendefahrerin und in der Musikproduktion mit dem Hausorchester und externen Orchestern / Ensembles.
Der Vater ermöglichte ihr über diese Annonce einen wesentlich kürzeren Arbeitsweg innerhalb Potsdams - aber nur für 3 1/2 Jahre. Danach verließ sie den Landessender Potsdam nach Einstellung der dortigen Musikproduktion und einer Intrige gegen den Intendanten und den Chefredakteur und ging wieder weit weg - nach Adlershof ins neue Zentrallaboratorium für Rundfunk und Fernsehen, das später dann zum RFZ innerhalb der Deutschen Post wurde. Eigentlich war dort für sie das Magnettonlabor geplant, aber Lothar Keibs, der ein Funkhaus (Nalepastraße) zu bauen hatte, holte sie zu sich in die Abteilung für Bau- und Raumakustik. Dort war sie völlig fachfremd, aber die junge Frau hatte halt auch sehr schnelle Auffassungsgabe, war extrem gründlich und geradezu selbstausbeuterisch tätig.
Mehr als 4-5 Stunden Schlaf pro Nacht hatte sie wohl kaum irgendwann in ihrem Leben, das nun schon 100 Jahre währt.
Gestern hat sie der rbb schon mal würdigend portraitiert:
www.rbb-online.de
Herzlichen Glückwunsch, Frau Herzog - und hoffentlich noch lange ein Leben bei geistiger Klarheit und Selbständigkeit!
Gisela Herzog, die Frau, der wir die Raumakustik in den Sälen und Hörspielstudios im Funkhaus Berlin Nalepastraße verdanken (entstanden ca. 1953 - 1956), die auch 1952 als ihr "Frühwerk" die einfacheren Studioräume im Block A Nalepastraße raumakustisch geplant hat (u.a. genutzt von den Tricone-Studios, natürlich heute für Musikproduktion, einst waren das profane Sprecherräume), die sich um viele Räume in den Regionalstudios und Funkhäusern der DDR-Bezirksstädte gekümmert hat, die für die Raumakustik in der Stadthalle Chemnitz, im Haus der Kultur Gera, in den Uckermärkischen Bühnen Schwedt und weiteren Sälen verantwortlich war, ist heute 100 Jahre alt geworden.
Ihre Arbeit für den Rundfunk begann sie im Frühjahr 1948, nachdem ihr Vater eine Annonce in der Zeitung fand, wonach der Landessender Potsdam eine musikbegabte Toningenieurin für die Musikproduktion suchte. Gisela Herzog hatte ihre Ausbildung eigentlich ab April 1942 bei Siemens in Siemensstadt gehabt (Wernerwerk) und war nach Abschluß der Ausbildung 1944 bis zum 21.4.1945 im Labor für ferromagnetische Werkstoffe bei Siemens eingesetzt. Ab August 1945 arbeitete sie wieder dort, aber die täglichen Arbeitswege von/nach Potsdam waren durch Sektorengrenzen und gesprengte Brücken etc. auf 2 mal 3-4 Stunden täglich angewachsen, zudem galten ihre Potsdamer Lebensmittelmarken natürlich nicht bei Siemens in der britischen Besatzungszone.
Im Landessender Potsdam arbeitete sie als Sendefahrerin und in der Musikproduktion mit dem Hausorchester und externen Orchestern / Ensembles.
Der Vater ermöglichte ihr über diese Annonce einen wesentlich kürzeren Arbeitsweg innerhalb Potsdams - aber nur für 3 1/2 Jahre. Danach verließ sie den Landessender Potsdam nach Einstellung der dortigen Musikproduktion und einer Intrige gegen den Intendanten und den Chefredakteur und ging wieder weit weg - nach Adlershof ins neue Zentrallaboratorium für Rundfunk und Fernsehen, das später dann zum RFZ innerhalb der Deutschen Post wurde. Eigentlich war dort für sie das Magnettonlabor geplant, aber Lothar Keibs, der ein Funkhaus (Nalepastraße) zu bauen hatte, holte sie zu sich in die Abteilung für Bau- und Raumakustik. Dort war sie völlig fachfremd, aber die junge Frau hatte halt auch sehr schnelle Auffassungsgabe, war extrem gründlich und geradezu selbstausbeuterisch tätig.
Mehr als 4-5 Stunden Schlaf pro Nacht hatte sie wohl kaum irgendwann in ihrem Leben, das nun schon 100 Jahre währt.
Gestern hat sie der rbb schon mal würdigend portraitiert:
100 Jahre Akustik-Pionierin Herzog
Kaum jemand kennt ihren Namen – doch ihren Klang kennen viele. In der Berliner Nalepastraße entstanden legendäre Aufnahmen, möglich gemacht durch die Akustik von Gisela Herzog. Zum 100. Geburtstag rückt eine vergessene Pionierin in den Fokus.
www.rbb-online.de
Herzlichen Glückwunsch, Frau Herzog - und hoffentlich noch lange ein Leben bei geistiger Klarheit und Selbständigkeit!