• Diese Kategorie ist für Diskussionen rund um die Programminhalte der Sender gedacht. Über Frequenzen und Empfang kann sich unter "DX / Radioempfang" ausgetauscht werden.

Reformen und Einsparungen beim ARD-Hörfunk: das "Henne-Ei-Problem"

Die Frage muss erlaubt sein, ob das vergleichsweise kleine Hessen (6,5 Mio. Ew) überhaupt eine eigene Rundfunkanstalt mit einst 8, derzeit 6 (künftig dann 4,5) Hörfunkprogrammen braucht. Das Land liegt ziemlich zentral und wird von allein Seiten sehr gut mit den Programmen der anderen Anstalten mit versorgt. Im Norden durch den NDR, im Westen vom WDR (der sogar auf zwei Kanälen von hessischem Grund aus sendet), im Süden von SWR und BR und im Osten vom MDR.

Das sollte man bei Kooperationen berücksichtigen, beim Deutschlandradio bzw. DLF-Kultur gelten ja auch die Frequenzen von Brocken und Inselsberg aus den Nachbarbundesländern. In Baden-Württemberg leben fast doppelt soviel Menschen und die müssen sich ihre Anstalt mit Rheinland-Pfalz teilen. In Niedersachsen leben mit 8 Mio. Einwohner etwas mehr als Hessen, und da gibt es sogar nur ein einziges Landesprogramm aus HAnnover sowie derzeit noch die digitale Schlagerwelle, die ja wegfallen soll. Der Rest kommt aus Hamburg für drei weitere Bundesländer.

Statt der Schlagerwellen mit ihrer Handvoll Mitarbeiter könnte man auch genauso gut die Nachrichtenendlosschleifen SWR Aktuell/HR-Info, BR24, MDR Aktuell, NDR Info in Frage stellen die in immer wiederkehrenden halbstündlichen Depeschen verlautbaren lassen, was ein Wichtigtuer Drumpf in Gockelmanier wieder mal für dünnen Dampf abgelassen hat. Diese Dauernachrichtensender lassen aufgrund ihrer eng getakteten Stundenuhr schon nicht viel Freiraum für Hintergründe und sind daher eher eine Art "Bunte" der Bundes- und Weltpolitik geworden.

Mit dem Deutschlandfunk gibt es ein ein bundesweites Leitmedium, das als Informationsquelle und Nachrichtendienst anerkannt ist ("sagte im DLF..." war einmal ein Markenzeichen des Senders und wurde auch als Sub Claim verwendet) und für Podcasts braucht es keine UKW-Frequenzen.
Die dazugehörigen Internetportale wie hessenschau.de würden ja bestehen bleiben, könnte man bündeln.

An DLF Kultur und DLF Nova traut sich auch niemand ran, Nova ist noch recht jung und gehörte nicht zum ursprünglichen Portfolio. DLF Kultur besteht nur als Berliner Verlegenheitslösung und Nachwenderelikt relativ hörerlos fort, so kommt es einem vor. Spätabends läuft zuweilen auf beiden DLF-Programmen, DLF und Kultur, gleichzeitig klassische Konzerte.

Bei Streichungen und Zusammenlegungen sollte zwingend auch berücksichtigt werden: Was ist bereits da, was bieten andere in gleicher Qualität an.
 
Ich stimme dir zu. Die benannten Nachrichtenwellen kann man durchaus in Frage stellen.

Wenn man endlich wieder, so wie früher, in den Hauptprogrammen stündliche Nachrichten mit wirklichem Gehalt (und nicht nur als 2,5-Minuten-Häppchen) bringen würde plus kompetente wenigstens einstündige Aktuell-Sendungen mittags und abends, so wie sich das aus meiner Sicht eigentlich für jedes ÖRR-Programm gehört, wären diese Programme in der Tat überflüssig.
 
Die Frage muss erlaubt sein, ob das vergleichsweise kleine Hessen (6,5 Mio. Ew) überhaupt eine eigene Rundfunkanstalt mit einst 8, derzeit 6 (künftig dann 4,5) Hörfunkprogrammen braucht.
Selbstverständlich ist die erlaubt. Aber da dreht man sich ähnlich im Kreis, wie bei der Diskussion um den SR oder Radio Bremen. Rundfunk ist nach wie vor Ländersache. Und damit kann sich der hr nur mit einem entsprechenden Beschluss des Landesparlamentes selbst abschaffen. Und das wird nicht passieren. Davon ab müßte mir mal jemand eine seriöse empirische Studie vorlegen die belegt, dass die Hessen ihren hr nicht mehr haben wollen. Da wird man keine finden. Genauso wenig wird man eine finden die belegt, dass die Bremer ihr Radio Bremen nicht mehr wollen oder die Saarländer ihren SR. Es ist schon bemerkenswert wie immer die am lautesten nach Auflösung von Anstalt XYZ rufen, die mit diesen Anstalten überhaupt nichts zu tun haben.
Ich persönlich finde den einst aus historischen Gründen eingeführten Förderalismus in Bezug auf die Medienwelt auch für überholt. Aber er hat nunmal noch seine Gültigkeit. Geändert werden könnte das nur durch einen einstimmigen Beschluss aller Landesparlamente und dem Bundestag. Der wird aber niemals kommen, weil das Abtreten von Kompetenzen von der Landes- auf die Bundesebene mindestens einem "Hochverrat" gleichkommen würde, zumindest wäre das in der Denkweise bestimmter Politiker so, insbesondere in den Bundesländern der größten und reichsten ÖR-Anstalten.
 
nach der logik wären supermärkte entbehrlich, solange es besser ausgebaute kioske gibt.

Reine Nachrichtenwellen im Hörfunk über Terrestrik waren jahrzehntelang entbehrlich bis etwa 1991 bis 1995. Deren Nicht-Existenz zuvor wurde auch nie in Frage gestellt weil die Landes- und Servicewellen diesen Bedarf an Information abdecken konnten mit Zeitfunkformaten, ausführlichen Nachrichtenmagazinen (Kuriere, Echos, Morgenmagazin, Mittagsmagazin, ZRUW, Berichte von heute, Thema, Der Tag). Dieses hat man aber alles schon weggespart im Lauf der letzten Jahre oder ausgelagert in die Kulturwellen.

In den 90ern, also in einer Zeit ohne Internet, waren diese Nachrichtensender sicherlich sinnvoll, keine Frage. Aber heute, wo doch am Ende jeder Kurzmeldung ohnehin auf tagesschauvierundzwanzig.de verwiesen wird? Vielleicht lieber wieder etwas mehr Wort und Inhalt auf SWR1, WDR 2, Bayern 1, hr1 usw.

Ursprünglich boten diese auch noch Platz für Themen aus Gesellschaft oder Live-Sportübertragungen. Diese sollen ja nun auch entfallen (BR24live, NDR Info Spezial, WDR Event) - obwohl die Rechte dafür weiterhin eingekauft werden (für Online-Livestream).
 
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Rundfunk ist Ländersache und das hat gute Gründe. Und die Leute wollen ihre Rundfunkanstalten, was auch richtig und verständlich ist. Niemand will Zentralrundfunk für alle, höchstens als Ergänzung, siehe DLF. Dass man aber sparen kann und muss und zwar richtig und nicht nur in homöopathischen Dosen ist ebenso wahr. Wir haben in Deutschland überall so viel Finanzbedarf, Gesundheit, Verteidigung, Infrastruktur, Schwimmbäder, Klimavorsorge etc., dass man den völlig überzogen ausgestatteten Öffi-Rundfunk sehr gut als Pilotprojekt für drastisches Sparpotenzial entwickeln kann. Da spreche ich von Grössenordnungen von 50 Prozent und mehr. Und das Schöne: Eigentlich wird niemand richtig etwas vermissen. Ausser natürlich die Betreiber.
 
Niemand will Zentralrundfunk für alle
Es geht da weniger um "Zentralrundfunk" für alle. Es geht vielmehr um neun parallele (Verwaltungs-)Strukturen, die man deutlich reduzieren könnte, womit man dann tatsächlich eine deutliche Einsparung erzielen würde. In anderen Ländern geht das ja auch.
Der eigentliche Punkt ist dabei glaube ich ein ganz anderer. Eine solche Abgabe der Medienverantwortung auf die Bundesebene hätte nämlich auch Auswirkungen auf den Privatfunk, denn damit würden die 14 Landesmedienanstalten ja ebenfalls überflüßig. Bei genauer Betrachtung würde man aber auch damit sparen, denn letztlich werden die ja auch in Teilen aus den Rundfunkgebühren bzw. Steuermitteln finanziert.
 
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Ich glaube, die größere Angst der betreffenden Landespolitiker ist die Angst um das eigene Bundesland. Wenn RB dem NDR beitritt, wäre doch die nächste Frage direkt: "Warum ist Bremen nicht Teil von Niedersachsen?"
Wenn man endlich wieder, so wie früher, in den Hauptprogrammen stündliche Nachrichten mit wirklichem Gehalt (und nicht nur als 2,5-Minuten-Häppchen) bringen würde plus kompetente wenigstens einstündige Aktuell-Sendungen mittags und abends, so wie sich das aus meiner Sicht eigentlich für jedes ÖRR-Programm gehört, wären diese Programme in der Tat überflüssig.
Ich hatte das schonmal andiskutiert: Warum genau muss mittags eine Aktuellsendung sein? Ist das nicht vom Hörerverhalten verschenkte Zeit? Es sitzt ja kaum jemand noch am Mittagstisch und hört Radio. Wäre nicht eine Info-Morgensendung und eine Info-Drivetime sinnvoller? Das muss ja nicht total steif sein. Man kann es ja mal im Stil wie Apokalypse und Filterkaffee mit Musik zwischendrin versuchen.
 
Solange ARD-Anstalten üppige Überschüsse einfahren, müßte doch gar nicht gespart werden. Oder?

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk macht Überschuss: "Die bekommen zu viel Geld!"

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk macht Miese: "Die können nicht mit Geld umgehen!"

Die Frage muss erlaubt sein, ob das vergleichsweise kleine Hessen (6,5 Mio. Ew) überhaupt eine eigene Rundfunkanstalt mit einst 8, derzeit 6 (künftig dann 4,5) Hörfunkprogrammen braucht. Das Land liegt ziemlich zentral und wird von allein Seiten sehr gut mit den Programmen der anderen Anstalten mit versorgt. Im Norden durch den NDR, im Westen vom WDR (der sogar auf zwei Kanälen von hessischem Grund aus sendet), im Süden von SWR und BR und im Osten vom MDR.
Das ist grundsätzlich richtig. Allerdings entscheiden dass die Anstalten nicht selbst, sondern die Gesetzgeber. Und seit 2003 war kein Bundesland mehr bereit, die eigene Anstalt aufzugeben: Sparen ja, aber nicht bei mir.
 
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Und seit 2003 war kein Bundesland mehr bereit, die eigene Anstalt aufzugeben: Sparen ja, aber nicht bei mir.
Das ist richtig, die Rundfunkhoheit haben die Länder und damit befindet man sich auch in einer Konkurrenzsituation. Man kann hier sinnvolle Vorschläge machen ohne Ende, letztendlich kommen dann höchstens irgendwelche halbherzigen Pseudospareingeständnisse heraus, die man sich genausogut sparen kann. Einfach mal zeigen, wie bei den Exzessen beim rbb und Schlesinger, dass man ja eigentlich guten Willens ist und dann drauf hoffen dass die Leute nach ein paar Monaten sowieso wieder alles vergessen haben. Mir wäre es ja auch wurscht, wenn ich mich nicht ständig über diese Zwangsgebühren ärgern würde und mir dann anhören oder -gucken muss, was damit für ein Mumpitz veranstaltet wird.
 
An DLF Kultur und DLF Nova traut sich auch niemand ran, Nova ist noch recht jung und gehörte nicht zum ursprünglichen Portfolio. DLF Kultur besteht nur als Berliner Verlegenheitslösung und Nachwenderelikt relativ hörerlos fort, so kommt es einem vor. Spätabends läuft zuweilen auf beiden DLF-Programmen, DLF und Kultur, gleichzeitig klassische Konzerte.
Das sehe ich nicht so. DLF Kultur ist kein Massenprogramm, dafür ist es zu anspruchsvoll. Auch hapert es noch immer beim terrestrischen Empfang. Wir erlauben uns in Deutschland so viel - pardon - Mist im Radio, da gehört DLF Kultur zu den wenigen positiven Ausnahmen. Ähnliches gilt übrigens für Nova.

Das Problem ist allerdings die überhaupt nicht existierende Kooperation zwischen DLF und ARD. DLF Kultur mit regionalen Fenstern, oder, falls das technisch zu aufwendig ist: Der DLF liefert den Mantel, regionale Kultur wird von den Landesrundfunkanstalten besorgt. Ein so großes Land wie DE darf ruhig eine Kulturwelle haben, und auch über Kultur in den Ländern berichten.

Die gegenwärtige Situation ist allerdings nix Halbes und nix Ganzes. Das Programm von DLF Kultur ist am Abend und am Wochenende richtig öde. Andererseits bestehen die Landeskulturwellen bis auf wenige Ausnahmen (Bayern 2 und MDR Kultur) überwiegend aus Klassikgedudel.

Besser wäre eben eine deutschlandweite, anspruchsvolle Kulturwelle, gerne mit regionalen Fenstern, und daneben eine bundesweite Klassikwelle, als Teil des musikalischen Zusatzangebots der ARD (so wie Pop, Schlager/Volksmusik...) Auf dieser anspruchsvollen Kulturwelle sollte Platz für diverse Musikstile sein - der luxemburgische Sender 100,7 macht(e) es vor: An einem Abend Jazz, an einem Welt, an einem Klassik, an einem Rock und Pop - also wirklich Spezialsendungen, nicht die Pseudso, die bei SWR1 laufen...
 
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Ich persönlich finde den einst aus historischen Gründen eingeführten Förderalismus in Bezug auf die Medienwelt auch für überholt.
Wenn man einige Nutzer hier so tönen hört, wie abschätzig sie über Nachrichten sprechen, die sich vermutlich nicht mit dem Fokus von beispielsweise NIUS decken, denke ich nicht, dass es überholt ist. Es ist nötiger denn je!
 
Es ist nötiger denn je!
Exakt so sehe ich das auch. Das Grundgesetz und die darin verankerten Werte sind so gefährdet wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Und die Gefahr ist inhomogen verteilt, wie ein Blick auf die politische Landkarte zeigt (oder "im Kleinen" z.B. auch der Blick den Dammweg in Berlin lang, wenn Wahlplakate hängen - dort, wo im Gehweg die längliche schmale Bronzeplakette eingelassen ist, die auf etwas von 1961-1989 verweist, ändern sich die Farben der Wahlplakate eindrucksvoll von Rot/Grün auf Blau/Blau).

Dementsprechend ist Föderalismus auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk dringlicher denn je - inkl. auch den als Gespenst an die Wand gemalten Doppel-Rezensionen von Büchern oder ähnlichem in Kulturprogrammen. Es wird zunehmend gut möglich, dass auch innerhalb der ARD Gegengewicht hergestellt werden muss hier und da.
 
Also so leid es mir tut, aber das Förderalismus in Bezug auf unser Mediensystem auch für Vielfalt steht, insbesondere beim ÖR, kann man nun wirklich nicht (mehr) behaupten. Diese Vielfalt ist vor allem beim Rundfunk in anderen Ländern deutlich höher und da gibt es diese Strukturen nicht. Davon abgesehen karikiert sich dieser Förderalismus vor allem in den Rundfunkprogrammen der ÖR zunehmend selbst, weil jene Meinungsvielfalt und Informationskompetenz durch Streichkonzerte und Zusammenlegungen eben immer weniger stattfindet.
Diese förderalen Verwaltungsstrukturen sind das was sie sind - Verwaltungsstrukturen, die mit den Inhalten der Programme bei genauer Betrachtung erstmal ziemlich wenig zu tun haben. Wenn man die Meinungs- und Informationsvielfalt in den Programmen sowohl im Bereich Wort als auch im Bereich Musik behalten will, muss man das zuerst einmal wollen! Und das ist genau das, was ich immer weniger sehe bzw. höre. Daher wird es leider zunehmend egaler, ob ein Programm von einer bundesweiten Zentrale oder einer Landeszentrale aus gesteuert bzw. finanziert werden würde. Das gehört aus meiner Sicht leider zur Wahrheit dazu.
 
Ich hatte das schonmal andiskutiert: Warum genau muss mittags eine Aktuellsendung sein? Ist das nicht vom Hörerverhalten verschenkte Zeit? Es sitzt ja kaum jemand noch am Mittagstisch und hört Radio. Wäre nicht eine Info-Morgensendung und eine Info-Drivetime sinnvoller? Das muss ja nicht total steif sein. Man kann es ja mal im Stil wie Apokalypse und Filterkaffee mit Musik zwischendrin versuchen.
Ich glaube schon, dass eine Aktuell-Sendung mittags immer noch gut passt.

Und ja, am Morgen gehören Infos für mich auf jeden Fall ins Programm.
Ich meine, dass sie in vielen „Morning Shows“ (vielleicht in unterschiedlicher Dosierung) mit drin sind (so in der Tradition der „SWF3 Litfaßwelle“). Oder täusche ich mich da?

Nachmittags/abends bin ich ebenfalls für eine Aktuell-Sendung, es sei denn, dass in der Feierabendsendung umfangreiche Infos mit eingebaut werden.
 
Also so leid es mir tut, aber das Förderalismus in Bezug auf unser Mediensystem auch für Vielfalt steht, insbesondere beim ÖR, kann man nun wirklich nicht (mehr) behaupten.
Richtig, hört sich alles irgendwie gleich bis ähnlich an. Oft euphemistisch als Binnenpluralismus innerhalb der Funkhäuser verkauft, wo allerdings Meinungen und Infos von extremeren Rändern definitiv auch nicht stattfinden. Viele mögen das begrüßen, die ganze gesellschaftliche Bandbreite ist das aber jedenfalls nicht. Der Föderalismus beim Rundfunk hatte ja ursprünglich das Ziel, eine Gleichschaltung der Medien wie bei Goebbels zu verhindern bzw. zu erschweren. Das ist heute, auch technisch bedingt, teilweise überholt. Man bedenke jedoch, wie in totalitären Staaten immer noch das Internet eingeschränkt werden kann. Irgendwelchen Kooperationen und Zusammenlegungen, um Kosten zu sparen, Synergien zu nutzen oder Redundanz zu vermeiden, stünde trotzdem eigentlich nichts mehr im Wege. Doch eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr als dass ein MP oder Intendant eines Funkhauses von seiner Anstalt etwas preisgibt. Und deshalb wird es noch sehr lange dauern, bis es diesbzgl. mal irgendwelche nennenswerten Fortschritte gibt.
 
Dementsprechend ist Föderalismus auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk dringlicher denn je -
Zweifellos. Das Problem ist nur, dass Meinungsvielfalt nicht dadurch entsteht, dass in jedem Sendegebiet eine separate 80er-Show läuft. Oder eben nur die "beste Musik", die "größten Hits" usw.

Mehrfachkopien von Leerlauf bedrohen den Föderalismus nur, denn man fragt sich, ob DAS, was die einzelnen Sendeanstalten da nebeneinander veranstalten, nämlich sehr wenig Inhalt mit viel Musik und ein wenig Entertainment, wirklich notwendig ist.

Förderalismus im Radio ist dann sinnvoll, ja notwendig, wenn wieder wirkliche Inhalte vorkommen - wenn aus und über das Land berichtet wird. Wenn die rheinland-pfälzische, saarländische, hessische usw Sicht der Dinge deutlich wird.
Nicht dadurch, dass hier die große Hitpararde, dort die große Olde-Show, woanders irgendein Musikclub oder eine Song-Connection laufen Dafür brauchen wir wirklich keine ARD.
 
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Reine Nachrichtenwellen im Hörfunk über Terrestrik waren jahrzehntelang entbehrlich bis etwa 1991 bis 1995

Woraus schließt du, dass sie seinerzeit 'entbehrlich' waren? Allein aus der Nichtexistenz auf Entbehrlichkeit zu schließen, würde bedeuten, dass Radio an sich die längste Zeit der Menschheitsgeschichte völlig entbehrlich war. Was ist die daraus folgende Aussage? Davon abgesehen: Der Start des ersten Nachrichtenkanals in Deutschland ist fast 35 Jahre her; die Medienwelt hat sich in der Zeit komplett geändert; ich halte es an der Stelle für noch fragwürdiger als an anderer Stelle, für die Zukunft ohne weitere Berücksichtigung der geänderten Umgebungsbedingungen mit einem "Früher ging es auch!" zu argumentieren.

Deren Nicht-Existenz zuvor wurde auch nie in Frage gestellt weil die Landes- und Servicewellen diesen Bedarf an Information abdecken konnten mit Zeitfunkformaten, ausführlichen Nachrichtenmagazinen (Kuriere, Echos, Morgenmagazin, Mittagsmagazin, ZRUW, Berichte von heute, Thema, Der Tag).
France Info startete 1987 und dürfte mit seinem Erfolg auch in Deutschland nicht bis zum Start von B5 vier Jahre später unbemerkt geblieben sein.

In den 90ern, also in einer Zeit ohne Internet, waren diese Nachrichtensender sicherlich sinnvoll, keine Frage. Aber heute, wo doch am Ende jeder Kurzmeldung ohnehin auf tagesschauvierundzwanzig.de verwiesen wird? Vielleicht lieber wieder etwas mehr Wort und Inhalt auf SWR1, WDR 2, Bayern 1, hr1 usw.

Welche Rolle hat Radio dabei? Wenn ich schnelle, aktuelle Informationen will, gehe ich nach deiner Vorstellung direkt ins Internet. Das heißt dann aber doch, dass im linearen Radio gar nicht gezielt nach solchen Inhalten gesucht werden würde, sondern eher zufälliges Publikum dabei ist?
 
Aus einigen Bundesländern regt sich jetzt doch Kritik an dem Reformstaatsvertrag. Niedersachsen etwa findet es gar nicht toll, dass der NDR sein in Hannover produziertes Schlagerprogramm einstellt/einstellen muss. Auch andere haben noch Klärungs- und Verbesserungsbedarf und würden zum jetzigen Zeitpunkt nicht zustimmen (das hat aber nicht unbedingt etwas mit dem Hörfunk zu tun)

Das Ganze war immer nur Symbolpolitik. Es klingt in Richtung der öRR-Gegner ja auch toll, dieses "seht her, wir tun was, wir streichen der ARD Hörfunkwellen". Wie schon oft dargelegt, ergibt sich dadurch praktisch null Einsparpotenzial. Absurder wird es dann noch, wenn Wellen wie Die Maus, MDR Klassik oder MDR Tweens weiter im Netz verbreitet werden. Die zusätzlichen Streamer (Antenne fällt ja weg) muss die ARD extra bezahlen, während der DAB+-Mux unverändert auf Sendung bleibt. Es ist hier völlig egal, ob eine ARD-Anstalt diesen mit 5 oder 15 Programmen bestückt, an den Kosten ändert sich - nüsch. Also: Mehr Kosten statt weniger.

Letztlich ist die Maßnahme, wird sie so umgesetzt, nur eine gegen die DAB+-Hörer und sonst niemanden. Unnötig wie ein Kropf, zumal die ARD längst in Reformprozessen drin ist, die tatsächlich etwas einsparen, etwa die Gründung von Kompetenzzentren, gemeinsame Schienen am Abend, in der Nacht und am Wochenende, Sendungsaustausch usw.

Was die Streichung von Hörfunkwellen angeht, gehört dieser Reformstaatsvertrag in die Mülltonne und hoffentlich wird er dort auch landen! Es muss nur ein einziges Bundesland ausscheren, dann wäre das Ziel erreicht. Einige Vorhaben wie die Zusammenlegung der Jugend- und News-Wellen im Südwesten würden wohl dennoch kommen, weil sie einfach sinnvoll sind.
 
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France Info startete 1987 und dürfte mit seinem Erfolg auch in Deutschland nicht bis zum Start von B5 vier Jahre später unbemerkt geblieben sein.
France Info war das direkte Vorbild von B5 Aktuell. Dem BR-Hörfunkdirektor Udo_Reiter fiel France Info im Urlaub auf, und das wollte er deswegen auch daheim haben. Als er wenig später MDR-Intendant wurde, bekam natürlich auch der MDR seine Infowelle. Als Erfinder des Formats gilt aber kubanische Radio Reloj, das schon seit 1947 sendet. Populär wurde das Format in den USA in den späten 1960ern.

In Deutschland gab es bin in die 90er bei den meisten Anstalten eine Gemischtwaren-Welle, die auch ausführliche Informationssendungen beinhalteten. Diese Informationskompetenz ist dann vielerorts abgebaut worden, teilweise mit verbliebenen Refugien in den Kulturprogrammen, und dann durch die Rolling-News-Kanäle mit hoher Wiederholungsrate ersetzt worden.
 
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Dass die ARD und insbesondere der MDR bei politischen Sparappellen ausgerechnet inhaltlich den Rotstift ansetzt, ist ja leider nichts Neues. Hauptsache, die Führungsetagen bleiben gut gepolstert. Doch ausgerechnet der Mitteldeutsche Rundfunk, der in einer strukturschwachen Region wie Ostdeutschland eine besondere Verantwortung trägt, scheint sich leisten zu wollen, Zombie-Projekte wie MDR SPUTNIK weiter durchzufüttern.

SPUTNIK wirkt inzwischen wie eine leere Hüllse: Hörerinteraktion? Fehlanzeige. Inhaltliche Relevanz? Quasi nicht existent. Abgesehen von ein paar belanglosen Moderationsschnipseln am Morgen und Nachmittag dudelt ein belangloses Musikband, das sich in weiten Teilen mit MDR JUMP deckt. Die einstige Innovationsfreude und Zielgruppenorientierung? Geschichte.

Und dann gibt es noch MDR TWEENS – das wohl am schlechtesten kommunizierte Digitalangebot des MDR. Bereits zur Einführung 2018 war die Frage legitim: Wieso eigentlich? Bis heute sendet es weitgehend unter dem Radar.

In diesem Kontext ist auch der Erhalt des Standorts Halle in der Gerberstraße 2 zu hinterfragen. Das Gebäude wurde 1999 mit großer Geste eingeweiht – siehe hier – und beherbergt heute laut Eingangsschild u.a.:

MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Programmdirektion Halle
Hauptredaktion Kultur und Jugend
Hauptredaktion MDR JUMP
Hauptredaktion Gesellschaft
Hauptabteilung Herstellungs- und Verwaltungsmanagement
Landesfunkhaus Sachsen-Anhalt - Regionalstudio Halle
Landesfunkhaus Thüringen - Abteilung Information, Dokumentation, Archive
Betriebsdirektion

Letzterer Punkt wirft Fragen auf: Was hat MDR THÜRINGEN eigentlich in einem Haus in Halle verloren? Ein weiteres Indiz für die zunehmende Zentralisierung (oder Orientierungslosigkeit?) innerhalb des MDR?

Insgesamt bleibt ein schaler Beigeschmack: Auf der einen Seite Sparvorgaben und der Verlust programmlicher Substanz – auf der anderen Seite Strukturen, deren Sinnhaftigkeit zunehmend fraglich erscheint.

MDR-Seite zum Standort Halle
 
Wie drüben schon geschrieben:

Wenn überhaupt schon dieser Schwachsinn mit der Programmbeschränkung, dann hätte man es so machen sollen pro ARD-Anstalt:

4 Basisprogramme (alle Verbreitungswege inkl. UKW)
plus 2 Digitalprogramme (alle digitalen Verbreitungswege)
plus jeweils ein weiteres Digitalprogramm pro 6 Millionen Einwohner
plus optional reine Webstreams (mit oder ohne Begrenzung der Anzahl)

Dass Kooperationsprogramme jeweils als halbe Welle zählen, hätte man ja beibehalten können.

Damit hätte man die ARD auch gezwungen, sich teils von UKW-Wellen zu trennen, was summa sumarum noch viel mehr eingespart hätte.
 
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