• Diese Kategorie ist für Diskussionen rund um die Programminhalte der Sender gedacht. Über Frequenzen und Empfang kann sich unter "DX / Radioempfang" ausgetauscht werden.

Reformen und Einsparungen beim ARD-Hörfunk: das "Henne-Ei-Problem"

Statt stoisch eine Zahl von "Programmen" vorzugeben, sollten sich die Landtage mit dem nicht vorhandenen Inhalt beschäftigen. Die "Programme" sind, insoweit sie auf Mehrheiten abzielen, zu leeren Hüllen verkommen.
So isses, man kann die Anstalten ja auch mit einer Reduktion der Programmanzahl zu zwingen versuchen, mehr Qualität in die einzelnen Sendungen zu bringen.
 
Das klingt wieder sehr nach: Tja. Wir können leider nichts ändern. Uns sind die Hände gebunden. Das Gegenargument ist: Will man den Sumpf trockenlegen, sollte man nicht die Frösche fragen. Siehe Frau Schlesinger. Ohne einen deutlichen Personalabbau wird es sowieso nicht gehen, wenn man die Beiträge senken will. Ich sage aber, dass es dadurch nicht zu einem Qualitätsverlust im Programm kommen muss, wenn man sinnvoll strafft und die richtigen Stellen abbaut.
 
Das Problem ist, dass die, die Verzicht propagieren und durchsetzen als letzte bereit sein werden, selbst zu verzichten.
Kommt etwas von außerhalb des Systems, ist das Geschrei groß, dass die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks beschädigt wird.
 
Man könnte es nach britischem Vorbild machen: Die BBC unterhält in jeder Region (analog hier Bundesland) einen regionalen Radiosender mit einem regionalem Radioprogramm. Mehr nicht. Sendet dafür landesweit (analog bundesweit hier in Deutschland) sieben Radioprogramme: Pop, Klassik, Politik, Sport, Jugend usw., jeweils ein bundesweites Radioprogramm. Das würde massive aktuelle Doppelungen beenden und erheblich Kosten einsparen. Aber – und das ist das Hauptproblem: Rundfunk in Deutschland ist, wie bei Bildung, Justiz, Polizei usw., Ländersache. Viele Regionalfürsten spucken da in die Suppe.
 
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Sendet dafür landesweit (analog bundesweit hier in Deutschland) sieben Radioprogramme
Analog? Stimmt das? So viel ich weiss sollen einige Digitalkanäle eingestellt werden, oder wurden bereits eingestellt. Terrestrisch wurden in der Vergangenheit nur BBC Eins bis Fünf ausgestrahlt, und natürlich die Regionalsender.

Von letzteren könnte die ARD so einiges lernen. Wenn ich sehe, dass auf einem relativ kleinen Provinzsender mehr regionale Information läuft, als bei uns z.B. beim SWR oder HR, verstehe ich die Stimmen in der deutschen Politik die fordern, solche Programme einzustellen, da sie ja im Grunde nur noch vor sich hindudeln.
 
Die Bundestagswahl 1929 wird zur Schicksalswahl
Da könntest Du recht haben. Was den ÖR angeht, würde der wohl unter einer AfD-Regierung hemmungslos zusammengestrichen - weg mit dem ganzen Gedudel....aber auch mit unbequemer Information
Stattdessen bliebe wohl ein Informations-Bildungs-Propaganda-Kanal, zur "ordentlichen "Aufklärung" und "Erbauung" "richtiger" Deutscher.

Besides the point, vielleicht. Aber der ÖR macht es seinen Gegnern nun mal ungeheuer leicht, ich meine nicht die zum großen Teil haltlosen Vorwürfe von wegen Einseitigkeit.

Aber was hat Radio abeseits vom DLF, von zuweilen lustlos gemachten Kulturprogrammen und langweiligen Infowellen denn noch zu bieten?
"Einfach nur gute Musik, die größen Hits, Musikclubs, Hitparaden, Oldie-Shows usw usw usw. Programme, die bei Musikfans gut ankommen, die aber im Grunde kein Mensch braucht.
Und wenn im Rundfunkauftrag das Wörtchen "Unterhaltung" steht, ist damit garantiert nicht gemeint, zu 80 oder 90% nur noch Musik zu spielen.

Und diese famose "Reform", die gar nicht den Begriff verdient, sondern eigentlich "Sparmaßnahme" heissen müsste, macht es nur noch schlimmer. Denn sie bringt ja keine Substanz zurück, sondern bedeutet fortan nur weniger Wellen, auf denen zeitgleich "tolle Musik" läuft.
 
Eine Bundesregierung gleich welcher Couleur könnte gar nichts zusammenstreichen, da Rundfunk Ländersache ist.

Aber ich meine auch, dass der ÖRR endlich mal ins Handeln kommen muss, um seine zunehmende Legitimitätskrise zu überwinden. Und da gibt es schon einige Baustellen.
 
Eine Bundesregierung gleich welcher Couleur könnte gar nichts zusammenstreichen, da Rundfunk Ländersache ist.

Das ist richtig, macht es aber nicht besser. Demnächst werden wir vielleicht die ersten Landesregierungen mit Beteiligung besagter Partei im Osten sehen. Und dann werden wir vielleicht erleben, wie Rundunk nach AfD-Überzeugung aussehen sollte.

Davon abgesehen gibt es natürlich andere Möglichkeiten, deutschlandweit Einfluss auf die Rundflunklandschaft zu nehmen. Wenn einzelne Bundesländer die Gebührenregelung infrage stellen.

Aber es stimmt: Eine Bundesregierung, die das Verhältnis Bund-Länder und damit auch das Rundfunkrecht ändern wollte, müsste erst eine Verfassungsänderung durchsetzen.
Die erscheint momentan angesichts der politischen Kräfteverhältnisse ausgeschlossen. Ob das so bleibt, ist eine andere Frage.
 
Wenn die derzeitige Regierung überhaupt so lange durchhält...
Die vorliegende Reform wäre die Gelegenheit gewesen, quid pro quo von den Anstalten diverse Dinge einzufordern, und im Gegenzug ihre Verbreitung, ihre Neutralität, ihre politische Unabhängigkeit und damit ihren Nutzen für die Bevölkerung zu mehren. Das darf auch etwas kosten, solange man den Mitteleinsatz einem zielorientierten Controlling von außen unterwirft, z. B. durch ein Gremium, das ebenso verfassungshütend eingestellt wie politikfern und unbestechlich ist. Von all dem geschah - nichts.

Das ist Mist, denn die Vorgänger der derzeitigen Regierung in ganz Europa haben
  • Lang- und Mittelwelle abgeschaltet,
  • inkompatible terrestrische DAB-Systeme eingeführt,
  • den IP-Empfang im Sinne der Lobbyisten als beste Lösung propagiert,
  • Einsparungen bei den Verbreitungswegen aufoktroyiert,
  • den US-Tech-Giganten beim Diebstahl journalistischer Inhalte zugesehen,
  • und die ÖR-Anstalten nicht zu echten Reformen, sondern aus politischer Selbstsucht immer nur zur kleinstmöglichen Änderung bei maximaler Gewogenheit gezwungen.
So haben es potentielle Machtergreifer bei uns in Zukunft einfacher: Es reichen wenige IP-Sperren, und die Hälfte der Bevölkerung hört und sieht nur noch, was sie hören und sehen soll. Für die paar verbleibenden DXer und Satellitenempfangenden reicht dann ein Gesetz wie das hier. Musst nur zusätzlich die Nutzung von Parabolantennen und VPNs mit Zuchthaus belegen, der Rest funktioniert auch 86 Jahre später noch 1:1. Gruselig.
 
Mit neuen Sendestrecken soll das MausRadio im Netz Grundschulkinder noch besser in ihrem Alltag begleiten – in bewährter Maus-Qualität. Geplant ist, das Audioangebot ab Anfang 2027 in der MausApp und auf die-maus.de zu verbreiten.
Da junge Eltern und Kinder Radio vermehrt über Web-Streams nutzen, ist geplant, dass die Verbreitung des MausRadio über DAB+ mit Ablauf des Jahres 2026 endet. Damit entspricht der WDR auch der politischen Vorgabe aus dem Reformstaatsvertrag, ein Angebot weniger terrestrisch zu verbreiten. Ab 2027 sollen Grundschulkinder und Familien das neue passgenaue Audioangebot der Maus online nutzen können.
 
Nun ja, erst mal hat der WDR gerade für eine GF aus der Privatradiowirtschaft eine neue Stelle geschaffen.


Ich meine: sinnvoll, denn in diesem Laden gibt es nun mal mit 100%iger Sicherheit niemanden, der über "umfassende Expertise im digitalen Marketing und in der Entwicklung von Kommunikationsstrategien" verfügt. Man hatte also keine andere Wahl als mal wieder umfassende Extrakosten für Jahre bis Jahrzehnte (?) zu generieren.
 
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Beruht diese Annahme tatsächlich auf belastbaren Erhebungen?

Natürlich nicht. Aber irgendwie muss der WDR ja aufzeigen, wie schwachsinnig dieser Reformstaatsvertrag ist. Denn letztlich wird es statt weniger dann mehr ARD-Audio-Angebote geben. Nur DAB+ bleibt auf der Strecke.

Hätte der WDR bei nur einem Programm mit einer anderen ARD-Anstalt zusammengearbeitet (etwa Eins Live diggi und Bremen Next), hätte das Mausradio übrigens auf DAB+ bleiben können. Cosmo ist ja schon Kooperationswelle, und zwei solcher Wellen in Kooperation gelten als halbes Programm. Eines reicht nicht aus.
 
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Mehr Liveprogramm finde ich praktisch immer gut. Und die Förderung von Medienkompetenz bei Kindern und Eltern ist ein wichtiges und richtiges Anliegen.

Nur: Weg von DAB+ - und schon ist wieder alles erlaubt? Und außerdem: Wenn man den "Radiostandard der Zukunft" mit seiner vielgelobten "unglaublichen Programmvielfalt" von genau diesem Bonus quasi vorsorglich wieder befreit, dürfte das die Motivation der UKW-Hörer zum Umstieg nicht gerade steigern.

Jedenfalls scheint jetzt völlig offen, welche linearen Radiowellen sonst noch so als Webstream unverändert überleben können. Selbst der SWR, der die ihm gemachten Auflagen ja durch Kooperationen mit hr und SR erfüllen wird, hat so einen Passus im Staatsvertrag, wonach zwei zusätzliche Radioprogramme veranstaltet werden dürfen, solange ihre Verbreitung nur über das Internet geschieht. Wer weiß ... am Ende ist vielleicht BR Verkehr die einzige Welle, die wirklich ersatzlos eingestellt wird? Das haben sich die Erfinder der Sparvorgaben sicher anders vorgestellt...
 
Nur: Weg von DAB+ - und schon ist wieder alles erlaubt? Und außerdem: Wenn man den "Radiostandard der Zukunft" mit seiner vielgelobten "unglaublichen Programmvielfalt" von genau diesem Bonus quasi vorsorglich wieder befreit, dürfte das die Motivation der UKW-Hörer zum Umstieg nicht gerade steigern.

Unglaublich, was da vor sich geht. Es ging darum Kosten einzusparen. Und nun werden Programme wie BR Schlager, MDR Tweens, NDR Blue, eventuell 1Live Diggi und andere aber weiterhin produziert. Und die jeweiligen DAB+ Muxe werden auch weiterhin betrieben. Es wird effektiv kein Geld gespart.

Alle Beteiligten, sowohl die Politik als auch die ARD-Anstalten, werden mit einem breiten Grinsen erklären, dass sie alles im Sinne eines sparsameren Rundfunksystems wie geplant umgesetzt haben. Und niemand der etwas ausrichten kann, wird es öffentlich hinterfragen.
 
Es wird effektiv kein Geld gespart.
Das ist ja der Witz an der „Reform“. Und auch die Produktion der eingestellten Programme, die ohnehin low-budget waren, dürfte auf das große Ganze bezogen auch so gut wie nichts kosten. Man reduziert einfach das Angebot ohne dabei nennenswerte Beträge einzusparen. Der Kritik an tendenziöser Berichterstattung und ausufernder Verwaltungskosten wird damit auch nichts entgegengesetzt. Aber was versteh ich schon.
 
Wenn am Abend nur noch ein Pop-Dudelprogramm läuft statt vier oder fünf parallel, bzw. andere Wellen gar keine Programme mehr ausstrahlen, ist eigentlich eine gewisse Ersparnis zu erwarten.
...die worin besteht? Programm ohne Moderation (die halt kostete) verursacht keine Kosten. Sie wird dem zuständigen Redakteur aufgebürdet. Ein Knopfdruck und die Strecke ist geplant. Ersetzt sie ein anderes Festplatten-Dudelprogramm, das zuvor schon nichts gekostet hat, ist nichts gespart.
 
Ersetzt sie ein anderes Festplatten-Dudelprogramm, das zuvor schon nichts gekostet hat, ist nichts gespart.
Das ist richtig. Aber bei SWR1 RP z.B. gab es bis zuletzt schon noch in den Abendstunden Moderation. Die war zwar üblich nichtssagend, beschränkte sich auf die üblichen Kamellen aus der Popwelt, oder irgendwelche Albernheiten wie "Musikduelle",- aber ich vermute schon, dass da noch ein Mensch hinter dem Mikrofon saß, und das nicht unentgeltlich.

Und bei HR 1 usw war das doch vor den Muskclubs auch der Fall, oder irre ich?
 
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