Stromverbrauch bei DAB+


kieselsteini

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Hallo liebe Radio-Freunde,

ich habe zum Stromverbrauch bei DAB+ ein paar Fragen. Ich bin tatsächlich erst vor Kurzem testweise auf DAB+ umgestiegen und habe mir dazu ein einfaches Radio für ~50€ gekauft um den Empfang und die Qualität der Radioprogramme selbst zu erfahren, bevor ich tiefer in die Tasche greife. Dabei habe ich festgestellt, dass mein kleines Radio sowohl für UKW als auch für DAB+ ziemlich genau gleich viel Strom "frisst" (2,1W). Also kann ich zumindest auf Empfängerseite das Märchen von stromfressenden DAB+ Radios wohl abhaken.

Aber wie sieht es denn auf der Senderseite aus? Ich habe mir mal exemplarisch den Sender Dillberg des Bayerischen Rundfunks angesehen (von dort kommt wohl auch mein Radio-Programm). Da verbläst der Sender ~25KW pro Radio Station (also Bayern 1, 2, 3 etc.). Wobei DAB+ ein ganzer Block (mit mehr Radio-Programmen des BR) nur mit 10KW sendet. Also eigentlich eine schöne Sache. Eigentlich ... denn dann habe ich festgestellt, dass der BR seine Programme auf verschiedenen Blöcken offenbar gleichzeitig sendet. Wieso wird das Radio-Programm auf verschiedenen Blöcken gesendet? Reichen die 10KW da dann doch nicht aus?

Wieso braucht DAB+ überhaupt weniger Sendeleistung? Sind dann mehr Sendetürme aufgestellt?
Vielleicht kann mich hier der eine oder andere etwas aufklären und einen alten Radio-Hörer etwas von der modernen Technik erklären.

Vielen herzlichen Dank,
Sebastian
 

s.matze

Gesperrter Benutzer
Dillberg 6C hat angeblich 25.000 Watt = ~ 24 dbW

helmuthzeitler.com/radio/bayern/details.php?id=4176

Damit entspricht die Sendeleistung im VHF-III Band im DAB+-Modus exakt der im VHF-II Band in FM-Modus.
 
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lg74

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Ich habe mir mal exemplarisch den Sender Dillberg des Bayerischen Rundfunks angesehen (von dort kommt wohl auch mein Radio-Programm). Da verbläst der Sender ~25KW pro Radio Station (also Bayern 1, 2, 3 etc.).
Das sind Angaben der "äquivalenten isotropen Strahlungsleistung" bezogen auf einen sogenannten "isotropen Strahler" oder Angaben der "äquivalenten Strahlungsleistung" bezogen auf einen simplen Dipolstrahler. Ich glaube, es ist letzteres, bin mir spontan aber nicht ganz sicher.

Das geht bei einem Kugelstrahler z.B. grob gesagt so: denke Dir eine Sendeantenne, die allseitig in den Raum abstrahlt, also nach vorne, hinten, oben, unten, schräg vorne links unten, schräg hinten links oben, ... also letztlich gleichverteilt überall hin. Füttere nun dort eine bestimmte Hochfrequenzleistung je ausgestrahltes Programm hinein. Es kommt eine Abstrahlung zustande und du kannst z.B. in 10 km Abstand Deine Empfangsantenne und Deinen Messempfänger positionieren und bekommst eine bestimmte Signalstärke angezeigt.

Nun ist es sinnlos, nach oben abzustrahlen - da ist niemand außer Flugzeugen und Ballonfahrern. Das ist sinnvlos verbratene Energie. Also kann man den oberen Halbraum komplett unversorgt lassen. Denke Dir also den Kugelstrahler in der oberen Hälfte demontiert. Damit muss man auch nur noch die halbe Sendeleistung reinstecken in diese Antenne, um im unteren Halbraum die gleiche Abstrahlungsleistung wie vorher zu erreichen.

Also kann man den Sender um 3 dB runterdrehen (halbe Sendeleistung) und am Messempfänger merkt man gar nichts. Man würde nur in einem Ballon oberhalb der Höhe der Sendeantenne merken, dass da was weg ist.

Das ganze geht weiter: es ist auch sinnlos, so massiv direkt nach unten zu braten. Genau am Mastfuß, mit z.B. am Dillberg nur 167 m Abstand zu den Antennen, ist es ja so nah, da reicht eine minimalste Leistung aus zur vollen Versorgung. Etwas weiter weg, wenige km vom Sender, ist der Abstand zwar größer, aber dennoch braucht es auch dort nicht die volle Leistung so steil nach unten. Weit weg, unter einem Winkel von zunehmend gegen 90° zum Mast gehend, ist der Abstand groß, da braucht es die höchste Strahlungsleistung, damit dort noch genug ankommt.

Also kann man den halben Kugelstrahler nochmals umbauen, in einen Strahler, der fast nur wie ein Leuchtturm seinen Lichtkegel übers Meer wirft, entsprechend die Sendeleistung ausgibt. Das meiste leicht schräg nach unten gerichtet, je mehr Steilheit umso weniger anteilige Sendeleistung in diesen Raumwinkelbereich.

Das spart nochmals. Man kann den Sender in seiner Leistung also noch weiter runter drehen, ohne dass am Messempfänger in einiger Entfernung ein Einbruch zu bemerken ist.

Große Senderstandorte wie der Dillberg arbeiten mit Antennenspalten, also mehreren Einzelantennen untereinander. Das schärft die Abstrahlung "nach vorne" und blendet zunehmend die Abstrahlung nach unten oder nach oben aus. Durch geschickte Anordnung der Antennen und exakt bemessene Anschlussleitungen zu den einzelnen Antennen kann man dem Signal einen definierten Downtilt geben. Dazu muss das Signal bei der Aussendung an der untersten Antenne einer Spalte gegenüber dem Signal, das von der obersten Antenne ausgestrahlt wird, etwas verzögert werden (= gering längere Leitung zur untersten Antenne). Die Antennen dazwischen bekommen entsprechend abgestufte Leitungslängen.

Hier sieht man die UKW-Systeme am Dillberg:



Das ist eine riesige Anlage mit Rundstrahlung für alle Programme außer Bayern 2 Süd und offenbar Bayern 1 Niederbayern/Oberpfalz. Die große Zahl der übereinander montierten UKW-Antennen macht die Abstrahlung engwinklig in der vertikalen Richtung. Ich schätze, dass deshalb nur ca. 1/10 der genannten Abstrahlungsleistung reingeschoben werden muss.

Nimm also mal grob statt 25 kW eher 2,5 kW Senderausgangsleistung (wobei die UKW-Weiche dahinter auch nochmal was schluckt, die Kabel ebenso).

Aktuelle UKW-Sender (natürlich voll transistorisiert mit den modernsten erhältlichen Bauteilen) haben über-alles-Wirkungsgrade von ca. 70-80%, egal ob klein oder groß:




Man kommt also im günstigsten Fall je UKW-Frequenz am Dillberg mit geschätzt 3,3 kW zzgl. "Arbeitsumgebung" (Encoder, Stereocoder / RDS-Coder, falls separat benötigt, Gebäudeklimatisierung etc.) aus.

An kleinen Senderstandorten, irgendwelche Funzeln für eine Kleinstadt, hat man häufig nur ein oder zwei Yagi-Antennen in einer Ebene. Da ist nix mit Antennenspalten. Entsprechnd mies ist der Antennengewinn. Da muss man durchaus unten in Senderausgangsleistung soviel reinpumpen, wie man oben in ERP aus der Antenne rausbekommt. Es gibt Standorte, die unten 300 W aus dem Sender geben und oben ca. 300 W ERP rausbekommen. Deshalb sind wenige Großstandorte deutlich effizienter als viele Kleinstandorte. Das Deutschlandradio kann davon mehr als nur ein Lied singen...

Bei DAB+ ist das mit den Antennen genauso. Für 10 kW ERP reichen dann z.B. ab Sender bei Großstandorten 3 kW Leistung. An kleineren Standorten braucht man aber auch schonmal 6 kW vom Sender für 10 kW ERP an den Antennen.

Dazu kommt, dass DAB-Sender wegen ihrer extremen Anforderungen hinsichtlich Linearität bislang nicht den Wirkungsgrad erreichen, den moderne UKW-Sender erreichen. Auch mit dem cleveren Doherty-Verstärker sind es dann z.B. nur maximal 46%:


Dafür teilen sich halt bei DAB+ (meist zu) viele Programme einen Mux.

Nun kann man Szenarien durchspielen.

Eigentlich ... denn dann habe ich festgestellt, dass der BR seine Programme auf verschiedenen Blöcken offenbar gleichzeitig sendet. Wieso wird das Radio-Programm auf verschiedenen Blöcken gesendet? Reichen die 10KW da dann doch nicht aus?

Der BR regioanlisiert Bayern 1 und Bayern 2. Es gibt also z.B. Zeiten, zu denen auf Bayern 1 insgesamt in 5 Regionen jeweils anderes Programm auf UKW läuft. Dazu nimmt man die UKW-Sender her, die Bayern 1 übertragen und versorgt immer die Senderstandorte der jeweiligen Region mit dem speziellen Regionalprogramm. Man hat also einfach gesagt 5 Leitungen zu 5 Sendergruppen. Die meiste Zeit des Tages kommt auf allen 5 Leitungen das gleiche Programm, nur zur Regionalisierung ist es separat.

Das geht auf DAB so nicht. Dort überträgt man ein Programmpaket idealerweise von allen Senderstandorten im gleichen Kanal (Gleichwellennetz). Die Ausstrahlung wird so getimed (GPS), dass die Bereiche mit schlechtem Empfang durch Auslöschung aufgrund Mehrwegeempfang nach Möglichkeit in eher dünn besiedeltem Gebiet und nicht entlang von Autobahnen liegen. Bedingung für diese Gleichwellennetze ist aber, dass alle Sender exakt die gleichen Daten raushauen. Man kann also nicht einfach dem bayernweiten Kanal 11D am Ochsenkopf ein anderes Bayern 1 aufschalten als am Wendelstein. Es wäre dann nicht mehr des gleiche Datenstrom, es gäbe ein anderes Muster in der abgestrahlten Hochfrequenz und damit bräche das Gleichwellennetz zusammen.

Also ist Bayern 1 in die Regionalmuxe ausgelagert, zusammen mit den lokalen Privatradios. Die senden dann immer nur in einer Region auf diesem Mux. Eine Regio (Nby/Opf) hat man im bayernweiten Mux gelassen. Bei Bayern 2 sendet Süd bayernweit und Nord in den betroffenen Regionalmuxen. Eine sehr clevere Lösung, weit besser als z.B. MDR Thüringen, die wegen weniger Minuten am Tag manels Regionalmux 4 mal das ansonsten identische Programm im MDR-Thüringen-Mux laufen haben. Dementsprechend mies sind die Datenraten aller Programme, der MDR klingt auf DAB lausig.

Wieso braucht DAB+ überhaupt weniger Sendeleistung? Sind dann mehr Sendetürme aufgestellt?

Prinzipiell ist dem tatsächlich so. Man verringert den overspill (die Abstrahlung aus dem eigentlichen Sendegebiet heraus) und stellt innerhalb des Sendegebietes lieber einige kleinere Sender zusätzlich auf. Die werden dann zeitlich so eingebunden, dass sie möglichst optimal mit den anderen Sendern in diesem Netz gemeinsam performen - auf dem gleichen Kanal. Es gibt Berechnungen, dass das erstens wohl energieökonomischer ist und zweitens kann man einen nach außen recht eng begrenzten Kanal leichter in gewissem Abstand wiederverwenden für ein völlig anderes DAB-Paket.
 
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kieselsteini

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Themeneröffner
Vielen herzlichen Dank für diese sehr ausführliche und professionelle Antwort. Da hat wohl jemand wirklich Ahnung von Rundfunktechnik. Ich muss all diese Informationen erst noch einmal in Ruhe verarbeiten. Da habe ich jetzt einiges zu Lesen und zu Verstehen heute Abend. Danke nochmals!
 

lg74

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Da habe ich jetzt einiges zu Lesen
...und zum Schauen:


Ein schönes Video vom Medienjournalisten Jörg Wagner, der u.a. das Medienmagazin von RBB Radio Eins gestaltet:


Wir sehen Eindrücke vom Sender Scholzplatz des RBB. Der Scholzplatz war einst ein wichtiger Sender für die Versorgung der DDR mit "Westradio" - in diesem Falle mit dem SFB. Heute strahlen von dort RBB 88acht, RBB Kulturradio, RBB Inforadio, COSMO sowie einige kleine Privatsender auf UKW aus, dazu DAB+ und DVB-T2.

Bei 1:25 kommt der Mast rechts langsam ins Bild. Dahinter die Havel, ganz hinten dann irgendwo der Bismarck-Turm und die Lieper Bucht, ich kanns optisch nicht auflösen.

3:39
Blick in den Senderraum. Links die damals nagelneuen UKW-Sender von Worldcast / Ecreso ("Dosensuppensender" nennt man sie andernorts, warum wohl...). 5 Sender stehen da nebeneinander, 4 davon übertragen RBB-Programme (88acht, Kulturradio, Inforadio, COSMO), der fünfte Sender ist Reserve und kann für einen der anderen Sender einspringen. Man nennt das 4+1-Redundanz. Die Ecreso-Sender sind luftgekühlt, was für eine herrliche Geräuschkulisse sorgt - die vorherigen Sender dürften wassergekühlt gewesen sein.

Einer der beiden großen UKW-Senderbetreiber, der in das einst von der Telekom später Media Broadcast betriebene Sendergeschäft eingestiegen ist, nutzt ausschließlich Ecreso: UPLINK Network arbeiten mit diesen Sendern und so stehen die heute bundesweit für DLF und DLF Kultur sowie an den brandenburgischen Standorten und auf dem ostberliner Fernsehturm (Senderbetrieb historisch bedingt im Osten durch die Post, damit seit 1990 durch die Bundespost und später durch Telekom, dann MB und nun neue unternehmen) auch für den RBB, darüber hinaus für einige ostdeutsche Privatradios und auch der NDR MeckPomm geift auf UPLINK Network als Dienstleister zurück.

So war es nur zu verständlich, dass der RBB an seinem traditionell selbst betriebenen Standort in Westberlin auch die Sendeanlagen verbaut, die er vom Dienstleister seiner Programme in Ostberlin und Brandenburg hingestellt bekommen hat.

Die silbernen Schläuche oben sind Zuluft- und Abluftschläuche.

Diese Sender sind hochmodular. Die Hochfrequenzleistung wird in Einschüben erzeugt, das sind die "Schubladen" mit den handgriffen vorne dran. Der Sender bleibt on air, wenn man einen oder zwei Einschübe rauszieht, nur die Leistung geht etwas runter. Das erspart off-time im Service-Fall.

Im Vordergrund links das niedrigere Rack dürfte die Sendersteuerung und die Redundanzumschaltung beinhalten.

Rechts im Bild sehen wir vone die DAB-Sender. Später mehr.

3:43
Das Kontrollfeld mit Abhörmöglichkeit der ankommenden und gesendeten Programme. Auf 2 Kartons liegen solche Verstärkereinschübe für die Ecreso-Sender.

4:02
Die 5 neuen UKW-Sender des RBB von vorn. Rechts dnaeben im hohen Telefunken-Rack der Sender der 106,8, das ist Jazz Radio, die nur 2 kW ERP raushauen (derei der die RBB-Sender laufen mit 80 KW ERP, einer mit 25 kW) - dieser riesige Schrank beherbergt also nur einen Sender und der ist auch vergleichsweise leistungsschwach unterwegs.

4:09
Ein UKW-Rückempfänger der Firma Profline, ein deutlich älteres Modell. Darunter wird offenbar der Rückempfang mit dem zu sendenden Signal verglichen und bei Abweichungen eine Signalisierung ausgelöst.

4:35
Täuscht das, oder kann Worldcast Displays nicht rechtwinklig einlöten?
Da siehst Du den Sender vom RBB Kulturradio. Ausgangsleistung 10 kW, abgestrahlt werden 80 kW mit Rundstrahlung.

Also Faktor 8 - und damit ein über-alles-Gewinn (durch die Antennenweiche durch und die Kabelverluste einbezogen) von 10 * log 8 = 9 dB.

Herrlich sind die Luftfilter, das kenne ich von den Endstufen einer Saalbeschallungsanlage in einem Seminarzentrum, da musste ich auch immer den Filz mit dem Staubsauger raussaugen.


5:23
Hinter Herrn Rossberg links die DVB-T2-Sender. Rechts am Bildrand ein DAB+-Sender.


6:20
Neue Antennenanlage für DAB+: die "bessere Qualität" der Abstrahlung bezieht sich auf bessere Abstrahlungsleistung / Abstrahlungscharakterisitik, also bessere Reichweite. Das bezieht sich nicht auf die Audioqualität, die wird bei DAB+ von der Bitrate bestimmt und vom Betriebsmodus des AAC-Codec.


6:23
Die 3 DAB-Sender für 5C (Bundesmux), 7D (RBB Berlin), 10B (RBB Brandenburg).


7:25
Das neue Antennenschaltfeld.


8:25
Die neue DAB-Antennenanlage. Zu erkennen an den vertikal installierten Dipolen - das sind die T-förmigen Teile, die vorne rausschauen. Dahinter das Reflektorgitter.


9:04
Der Plisch-Sender gibt 1,6 kW raus zum Filter und zur Antennenweiche. Abgestrahlt werden auf K10B aber offenbar bis zu 25 kW ERP. Was zum Zeitpunkt des Fimdrehs lief, weiß ich nicht. Der Antennengewinn ist mir deshalb nicht bekannt.


9:55
60-Ohm-Kabel waren da noch im Einsatz, an 50-Ohm-Systemen. Da hatten sie gewiss mit einigen Einschränkungen zu leben gehabt.

Das Zeugs in Abwasserrohr-Dicke (CD-Durchmesser) sind Speisekabel.


10:16
Hier sieht man offenbar die Verteilung der Hochfrequenzleistung zur Speisung der einzelnen Elemente der Antennenanlage. Draußen sieht man, wo wir sind: weit oben. Da sind die Antennenelemente zu sehen.


10:33
Einspeisung in ein Antennenelement.


Ortswechsel nach Ostberlin:


Das Video ist aber 6 Jahre alt. Die Besitzverhältnisse der Sendetechnik sind heute andere als damals. Und es ist auch nicht mehr diese Technik installiert, die wir hier sehen.

2:27
DVB-Empfänger (Satellit) von 2wcom als Backup-Empfänger von RBB Antenne Brandenburg und RBB Radio Eins (die oberen beiden) - die hängen am normalen Astra-Empfang über 19,2 °Ost, der uns "Normalmenschen" derzeit auch noch zu Hause zur Verfügung steht, ganz unten der DLF via Astra 23,5 ° Ost, das ist bis heute eine spezielle Senderzuführung für das Programm, die nicht für Endkunden vorgesehen ist, aber mit geeigneten Satreceivern auch empfangen werden kann. Läuft dort mit 384 kBit/s MPEG 1 Layer II statt mit den 256 kBit/s, die auf Astra 19,2 °Ost für "Normalmenschen" bereitgestellt werden. Über den 3 Empfängern mit dem grünen LC-Display ist noch ein Gerät für den TMC, also die Verkehrsdaten für Navis, die ins UKW-RDS eingekoppelt werden. Interessant ist, dass das auch via Astra kommt.


4.15
Blick in den Aufsatzmast. Da der aus Stahl ist, kann man durchsteigen, ohne die UKW-Sender abschalten zu müssen. Das ist innen feldfrei abgeschirmt. Die UKW-Anlage am Alexanderplatz ist eine Spezialkonstruktion unter Einbeziehung des Stahlmastes. Bei normalen Gittermasten oder Masten, an denen man außen hoch muss zu Arbeiten, muss freilich abgeschaltet werden. Falls ganz oben gearbeitet wird, kann es passieren, dass die darunter liegenden Antennenfelder nur kurzzeitig zum Durchstieg abgeschaltet werden und danach wieder zugeschaltet werden. Dann hat man für den Abstieg der Arbeiter wieder eine Abschaltung. Heißt dann gerne "im Zeitraum von ... bis ... mehrfach kurze Unterbrechung wegen Wartungsarbeiten".
 
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lg74

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Ich muss es in "meinem" Seminarzentrum wohl auch nicht mehr. Dropped. Corona-Leugner. Aber vielleicht sind die Endstufen dort mit dem ganzen Siff im Filter ja wenigstens Corona-frei, weil alles davor hängenbleibt. ;)

Luftfilter_Endstufen.jpg

(Man beachte, wie auch die Aussparungen für die Bedientasten in die Luftversorgung einbezogen sind.)
 
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Radiocat

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@lg74: D'accord. Dafür ist der Bau der Antennenfelder komplexer. Das lohnt sich nur bei Sendern höherer Leistung und wenn mehrere Programme abgestrahlt werden. Aber auch bei kleineren Füllsender kann eine Stockung der Dipolfelder oder der "Steckerlyagis" schon eine verikale Bündelung bewirken, wurde auch schon gemacht.
 

lg74

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Das „Inforadio“ wurde ja auch nicht in „rbbInfo“ umbenannt.
Ich könnte mir vorstellen, dass man es irgendwann rbb24 nennen wird. Es geht ja generell in Richtung Trimedialität und Radio/TV-Bereiche werden thematisch zusammengelegt. MDR Info heißt ja auch schon MDR Aktuell, MDR Figaro wurde in die Kultur-Dachmarke mit sperrigem Zusatz ("MDR Kultur - Das Radio") umbenannt, ebenso die Landesprogramme (zumindest so konsequent bei "MDR Thüringen - Das Radio"). SWR Aktuell hieß ja auch mal anders. Sollte mich nicht wundern, wenn wir bald rbb24 und BR24 in den RDS-Dispalys stehen haben. Auch wenn dabei gut eingeführte Marken vernichtet würden.
 

Wombel

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Dabei habe ich festgestellt, dass mein kleines Radio sowohl für UKW als auch für DAB+ ziemlich genau gleich viel Strom "frisst" (2,1W).
Klaro,
weil Dein DAB+ Radio für DAB+ und FM einen Prozessor verwendet. Der schluckt von Hause aus mehr Batteriestrom als ein herkömmlicher Superhet mit Kaskode in Basisschaltung und 2 ZF-Stufen auf 10,7 MHz
mit anschließendem Ratiodetektor.
Genauso als ob Du Äpfel mit Birnen vergleichen würdest.
Komme deswegen drauf, weil DLF in seinem aktuellen Trailer einmal wieder das Märchen von der Energieseinsparung bei Verwendung von DAB+ verbreitet. Senderseitig ja. Aber empfängerseitig nein.
Summieren wir jetzt den höheren Stromverbrauch auf der Hörerseite, dann sieht die Bilanz ganz anders aus.
Von wieviel Hörern gehen wir einmal aus 1 Million? Dann haben wir einen prozentualen Höherverbrauch multipliziert mit einer Million. Wer da das Einsparpotenzial für sich beansprucht, liegt nachgewiesenermaßen auf der Hand: Der Sender.
Und dann die dreiste Behauptung, es könnten mehrere Sender simultan übertragen werden. Rein numerisch ja. Aber qualitativ? Njein.
Das impliziert die Annahme beim Hörer, dass alle Programme im Multiplex mit derselben Qualität übertragen würden.
Wer so etwas suggeriert, der behauptet nicht die volle Wahrheit. Kann mal leicht verifizieren.
Auf Info Taste drücken und schauen, mit wieviel Bit gerade übertragen wird.
Die wenigsten mit 104
Zitat Wikipedia:
"...DAB+ Signale werden mit dem HE-AACv2-Verfahren kodiert und mit Datenraten zwischen 24 und 144 Kbit/s gesendet. Der NDR strahlt derzeit seine Radioprogramme mit einer Datenrate von 96 kbit/s bzw. 104 kbit/s pro Programm aus..."
Ende Zitat
 
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Tatanael

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Komme deswegen drauf, weil DLF in seinem aktuellen Trailer einmal wieder das Märchen von der Energieseinsparung bei Verwendung von DAB+ verbreitet. Senderseitig ja. Aber empfängerseitig nein.
In Großbritanien scheint es anders zu sein, die kommen in einer Untersuchung der BBC bei UKW auf 13 Wattstunden/Gerätestunde) und DAB+ mit 9 Wattstunden pro Gerätestunde:

 

Wombel

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Und weiter unten:
"...Darüber hinaus stellte die BBC-Studie fest, dass die Empfangsgeräte der Verbraucherinnen und Verbraucher für rund 73% des benötigten Stroms verantwortlich sind. Die Ausstrahlung schlägt mit nur rund 27% zu Buche. .."
qed...
Bei meinem DAB+ Koffergerät muss ich alle 2 Tage die Batterien wechseln. Beim vergleichbaren Gerät mit UKW/FM nur alle halbe Jahre mit vergleichbarem Batteriesatz.
Dann läuft zur Batterieeinsparung das DAB+ Gerät auf Netzbetrieb und um nach Belieben sofort spielbereit zu sein ohne "Bootphase" und um die Speicherplatzeinstellungen nicht zu verlieren, läuft dies auf Standby.
Wo ist da - bitteschön - summa summarum der Energiespareffekt?
Eindeutig auf Seiten der Sender.
Abgesehen davon gibt es in UK eine ganze Reihe von Digitalsendern mit hier nicht üblicher niedriger Bitrate, so dass in die Bouquets wesentlich mehr hineingequetscht wird, als hierzulande üblich. So kann man die Gewichte nicht richtig legen.
 
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dea

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Energiespareffekt?
Eindeutig auf Seiten der Sender.
Auch nur theoretisch.
Was hier außer Acht gelassen wurde, ist der Footprint eines DAB+-Senders.
Wohl jeder kennt den Effekt: Man fährt bestimmte Strecken im Auto und hat sich über Jahre oder gar Jahrzehnte an die Empfangssituationen auf UKW gewöhnt. Mit DAB+ haut das alles plötzlich nicht mehr hin. Aussetzer, Funklöcher... man ärgert sich, ständig herumsuchen zu müssen. Warum ist das so?

Während ein einzelner UKW-Sender seine ganze Sendeleistung auf weniger als 200 kHz Kanalbreite "verteilen" kann, muss ein DAB+-Sender seine Trägerleistung auf einer ca. zehnfachen Bandbreite regelrecht desintegrieren. Das sorgt unterm Strich für dünne Feldstärken und entsprechen schmale Footprints.
Um die gleichen Reichweiten zu erzielen, ist also das zigfache an HF-Energie nötig. Das bekommt man aber aus einem einzigen Transmitter nicht so leicht heraus und müsste somit wie in Handynetzen unzählige Funzeln aufstellen. Zehn Kilowatt hier, zehn Kilowatt da... Das sieht nicht nach nennenswerter Einsparung aus.

Was man ebenfalls gegenrechnen muss:
Man kann immer nur ein Programm hören. Um einen Informationskanal von 40 Hz bis 15 kHz digital zu übertragen, bräuchte man theoretisch tatsächlich wesentlich weniger Leistung als für einen UKW-Sender bei angenommener gleicher Reichweite.
Überschlägt man aber mal, wieviel Leistung über einen DAB+-Transmitter verbraten wird, nur um ein Programm hörbar zu machen, geht die Rechnung vom Energiesparen auf Senderseite gleich gar nicht mehr auf.

DAB+-Propaganda kann man mathematisch genauso schönrechnen wie jede andere Statistik, wenn man nur die richtigen Betrachtungen gezielt außen vor lässt.
 

Wombel

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Habe versucht mit dem Software Defined Radio ein Spektrogramm von 178,352 MHz zu machen und sehe rein garnichts. Das wäre nämlich der 5C für den Wohnort hier. DAB+ hat zu geringe Sendeleistung, um in jeden Winkel der Republik zu gelangen. Und dann noch in Souterrainwohnungen? Bezahlen die dann auch Money for Nothing? Auch eine Erhöhung der Sendeleistung brächte nur Mehrwegeempfang und Verzerrungen. Das hat man ja beim Bonn-Venusberg-Sender ja gesehen bei Einführung von Digitalfernsehen. Da wurden Antennen auf das reflektierte Signal ausgerichtet, genau in Gegenrichtung zum Sender. Ziemlich paradox das Ganze.
 
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Wombel

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Habe versucht mit dem Software Defined Radio ein Spektrogramm von 178,352 MHz zu machen und sehe rein garnichts. Das wäre nämlich der 5C für den Wohnort hier.
OK, etwas andere Antenne und zum Vergleich noch UKW/FM bei "mono" und Sprache und Musik in Stereo.
Man sieht auch noch den RDS-Kanal ganz rechts.
 

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dea

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Stichwort:
etwas andere Antenne

Was bei DAB+-Empfangsexperimenten mit bedacht werden muss, ist der Umstand, dass der interessante Frequenzbereich nur die (Pi mal Daumen) halbe Wellenlänge von UKW besitzt. Das hat zwei ganz wesentliche Dinge zur Folge:

Zum einen sind UKW-Antennen einfach zu lang. Eine 200-Mhz-Welle hat in Luft rund 1,5 m Wellenlänge. Da die meisten Empfänger Eingangsimpedanzen < 100 Ohm haben, empfehlen sich entweder Halbwellendipole oder Viertelwellenstrahler (mit entsprechendem Gegengewicht). Eine Teleskopantenne sollte also (Lambda/4*VK-Faktor) rund 34 cm lang sein. Das gilt freilich auch für die Dachantenne auf dem Auto, sofern sie über einen einfachen gestreckten Strahler verfügt.
Wer wie ich ein noch ein älteres Auto mit einer klassischen, unendlich aufgewickelten MW-/UKW-Antenne besitzt, wird in Sachen DAB+ antennenbedingt kaum glücklich.

Zum zweiten breiten sich Funkwellen mit steigender Frequenz zunehmend lichtähnlicher aus. Dieser Effekt bedeutet nicht nur höhere Dämpfung durch Mauerwerk oder gar Stahlbeton, sondern auch eine höhere Inhomogenität der Feldstärke bei der Bewegung mit dem Empfänger durchs elektromagnetische Feld. Hinzu kommt ein weiterer Effekt der kurzen Wellenlängen: Die höhere Neigung zu Reflexionen und stehenden Wellen sowie eine höhere Richtungs- und Polarisationssensitivität.
Achtung Nostalgie: Wer sich noch an die Mühen erinnert, mit einem portablen Fernsehempfänger irgendwo im Auto, Garten oder gar in geschlossenen Räumen auf dem Band III ein rausch- und geisterbildarmes Bild nebst Ton zurechtzuzaubern... war schwierig, oder?
Die Glotze stand dann oft dort, wo das Ehefrauchen sie eindeutig nicht haben wollte, oder man(n) verschandelte den Livingroom mit Zusatzantennen, deren Optik den Haussegen auch nicht unbedingt befriedete. All dem begegnen wir auch bei DAB+ wieder.
 
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dea

Benutzer
dieses grüne DAB+ Logo
gehört wohl zur Marke dab+-store, deren Eigentümer eine gewisse teleropa GmbH ist (siehe Impressum der Seite).

Faszinierend ist aber wieder einmal mehr, mit welchen Versprechen hinsichtlich Vielfalt und Reichweite der Händler leichtgläubige Käufer zur Geldausgabe bewegen möchte. Das Argument angeblicher Energiesparsamkeit hätte dem noch die Krone aufgesetzt.
 

Zwerg#8

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Das grüne Logo gibt es seit einigen Jahren (2018) und ist das offizielle DAB+ Logo der WorldDAB-Vereinigung.


Und selbstverständlich ist der Stromverbrauch eines DAB/UKW-Radios höher, als der Stromverbrauch eines vollanalogen Transistor-UKW-Radios.
 
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Matty

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Warum eigentlich nur bis zu 300?
Kanal 5 bis 12 macht schon mal 8
Diese 8 dann nochmals unterteilt in A bis D
Haben wir schon mal 32


Diese 32 mit jeweils 16 Programmen belegen und wir sind bei 512....


Wenn man dann noch dem Militär Kanal 13 wegnimmt kommen nochmals 64 Programme hinzu.
Macht dann 576 Programme.

Ja ich weiß...
Geht nicht, dann hätten wir nur Bundesmuxe.
Ach nee, geht auch nicht wegen koordinieren mit angrenzenden Ländern.

Naja, hätte man halt EU-Muxe draus machen können.
Aber nein, geht ja auch wieder nicht weil Rundfunk Ländersache ist...

Ach Mensch, hätte man aber so machen können.
576 Programme EU weit zu empfangen.

Jedes Mitgliedsland hätte dann 21.33333 Sender zur Verfügung.
Abwechslung pur!

Aber das will dann bestimmt auch wieder keiner 🤪
 
Also so ein Europa Mux wäre eigentlich schon was feines. Europaweit auf allen Grundnetzsendern der jeweiligen ÖR Anstalt aufschalten und mit Programmen wie France Culture, BBC Radio 1, Polskie Radio Trojka oder Sveriges Radio P3... füllen.
Man wird ja wohl mal träumen dürfen.
 
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dea

Benutzer
Europaweit auf allen Grundnetzsendern der jeweiligen ÖR Anstalt aufschalten
ist eine prima Idee hinsichtlich Vielfalt und Energieeffizienz.
Deutscher Staatsfunk, dessen Transmitter mehrheitlich die Qualität von Störsendern haben, wollen unsere Nachbarn ganz sicher nicht haben. Dann werden sie wohl einmarschieren und historisch gesehen wären sie ja mal dran.

Anders herum sieht es nicht besser aus: Das Tschechen und Polen ihr OIRT-Band verlassen haben, ist für Europa allgemein, vor allem aber die grenznahen Regionen kein Gewinn!

Welchen Sinn soll es haben, hunderte Programme in Sprachen, die außer Einzelpersonen keiner versteht, für jedermann zu propagieren? Das macht man aus kostengründen und wegen schrumpfender Reichweiten nicht mal mehr auf Kurzwelle.
 

dea

Benutzer
Da ich gerade mit dem Specci zugange war, entsann ich mich meiner Ausschweifungen zur Empfangsproblematik in #17:
Inhomogenität der Feldstärke bei der Bewegung mit dem Empfänger durchs elektromagnetische Feld.... Neigung zu Reflexionen und stehenden Wellen sowie eine höhere Richtungs- und Polarisationssensitivität
HF-Fremden mag das unzählige Fragezeichen auf die Stirn meißeln, aber messtechnisch kann man die Situation ja auch grafisch darstellen lassen. Daraus sollte sich ein besseres Verständnis dafür ergeben, was ein DAB+-Empfänger an seinem Eingang ggf. geboten bekommt.

Zum Einsatz kam hier ein kleines Antennchen im Innenraum, welches jeweils um gerade mal rund 30 cm in seiner Position versetzt wurde. Die Grafik zeigt die drei sich ergebenden Empfangssituationen (je eine pro Farbe). Es handelt sich um die Kanäle 5C und 5D vom Standort DD in etwa 9 km Entfernung.

spec5c5d.png

Von "problemlos" bis "crash" reicht die Spanne ebenso leicht wie "einer geht" und "einer geht nicht". Und da liegen die beiden nebeneinander! Betrachtungen 30...40 MHz weiter oben dürften noch dramatischer ausfallen.
 
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