SWF / SDR: Sendeleistungen

Timo Saar

Benutzer
Hallo Freunde. Mich wundert, dass der SWF in seiner Senderkette keine 100 KW Sender hatte. Der SDR allerdings 3 Grundnetzsender, die mit 100 KW gesendet hatten und es auch heute noch tun. Kann jemand etwas über die Gründe berichten?
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Die Frequenzen von SWF 1-3 am Standort Raichberg wurden in Genf 1984 mit jeweils 100kW koordiniert, aber AFAIR nie mit der vollen Leistung betrieben.
Bei den meisten anderen GNS des SWF spielte der enorme Overspill in die Nachbarländer F, CH, BEL und LUX eine Rolle für die niedriger koordinierten Sendeleistungen.
In Stuttgart, Waldenburg und Heidelberg gabs das Problem mit der Grenznähe nicht, da konnte der SDR "op volle kracht" senden.
 
Diese Frage habe ich mir tatsächlich auch schon gestellt.

Die von dir, @Funker, genannten Gründe bzgl. des Overspills sind aus meiner Sicht nicht ganz überzeugend.
Denn bspw. die Hornisgrinde (mit 80 kW der stärkste SWF-Sender) hat ja gegen Frankreich deutliche Einzüge. Mit Richtdiagrammen kann man dieses Problem also ganz gut begrenzen. Auch der Witthoh hat gegen CH Einzüge.

Für mich spricht eher die topografische Situation des ehemaligen SWF-Sendegebiets, welches fast vollständig von Mittelgebirgen geprägt ist, für die begrenzten Sendeleistungen.

So vermeidet man zum einen Signal-Verzerrungen in den Tälern, außerdem benötigt man ohnehin eine Vielzahl von Füllsendern, so dass man die Großsender nicht mit höchster Leistung laufen lassen muss.
Zumal diese aufgrund ihrer Höhenlage trotzdem weit reichen.
Bestes Beispiel dafür ist für mich der Feldberg, der trotz nur 5 kW sehr weit strahlt, aber zugleich auch einigen Füllsendern „zuliefert“.

Aber ich bin gespannt, ob hier vielleicht auch jemand Insiderwissen mitteilen kann. Würde mich wirklich interessieren.
 
Denn bspw. die Hornisgrinde (mit 80 kW der stärkste SWF-Sender) hat ja gegen Frankreich deutliche Einzüge. Mit Richtdiagrammen kann man dieses Problem also ganz gut begrenzen.
Nicht wirklich. Die Hornisgrinde überstrahlt quasi das gesamte Elsass, der Feldberg geht bis Zürich, der Haardtkopf überstrahlt fast ganz Luxemburg usw.
Die meisten GNS des SWF waren und sind viel zu exponiert, vor Allem auch viel exponierter als die des SDR.

Die ITU musste auf der Genfer Wellenkonferenz 84 immer eine Abwägung treffen zwischen dem Versorgungsauftrag im Inland und den Schutzansprüchen im benachbarten Ausland.
Im Ergebnis haben die besonders hoch gelegenen Standorte in Grenznähe Leistungsbeschränkungen erhalten.
In BW betraf das die GNS des SWF (außer Raichberg), die niedriger gelegenen GNS des SDR im Inland hingegen nicht.
Für mich spricht eher die topografische Situation des ehemaligen SWF-Sendegebiets, welches fast vollständig von Mittelgebirgen geprägt ist, für die begrenzten Sendeleistungen.

So vermeidet man zum einen Signal-Verzerrungen in den Tälern, außerdem benötigt man ohnehin eine Vielzahl von Füllsendern, so dass man die Großsender nicht mit höchster Leistung laufen lassen muss.
Im Nahbereich der GNS spielt es keine Rolle, ob mit 80kW oder 100kW gesendet wird.
Und besonders viele Füllsender hat der SWF nicht aufgestellt, da war der SDR in seinem Gebiet wesentlich aktiver.
 
@Funker:
Ich glaube, unsere Meinungen widersprechen sich gar nicht. 🍻

Die Hornisgrinde darf in Richtung Frankreich nach meiner Kenntnis nur mit einem Zehntel der sonstigen Leistung, also etwa 8 kW, strahlen. Aber sie strahlt natürlich aufgrund der Höhenlage trotzdem immer noch weit nach Frankreich hinein.

Der Raichberg könnte deshalb aus meiner Sicht in die anderen Richtungen, außer in Richtung Schweiz, insofern durchaus mit 100 kW powern. Man müsste dann eben ein Richtdiagramm einrichten, so wie es für die 103,4 besteht. Macht man aber nicht, weil für das eigentliche Zielgebiet vermutlich die jetzige Sendeleistung genügt.

Im Nahbereich eines GNS kann es aufgrund sehr hoher Sendeleistungen in bergigen Gebieten sehr wohl zu Störungen kommen. Im Parallelforum wurde schon darüber berichtet, und zwar bzgl. des Senders Hornisgrinde.
 
Zuletzt bearbeitet:
Auch der Witthoh hat gegen CH Einzüge.
Wenn ich das richtig in Erringung habe - an fmscan kommt man ja nicht mehr so einfach rann - gilt das für die 100.6 und 102.5 von dort nicht. Die strahlen rund.

Aber sie strahlt natürlich aufgrund der Höhenlage trotzdem immer noch weit nach Frankreich hinein.
Die 94.0 von der Hornisgrinde wurde vor einiger Zeit mit 5 kW abgestrahlt, aber schaffte es trotzdem bis nach Mannheim.

Interessant finde ich ja auch die Leistung des Senders Blauen. 8,4 kW sind ja doch eher ungewöhnlich Lediglich die 105.1 kommt mit 10 kW etwas stärker daher
 
Zuletzt bearbeitet:
Stimmt. Nur die SWR- (und ehemals SWF-) Programme haben am Witthoh ein Richtdiagramm.

Die 94,0 hatte, meine ich, nur 1 kW und sendet mittlerweile aber mit nur noch 630 W und nur noch hauptsächlich in Richtung Süden von einer separaten Antenne ziemlich weit unten am Turm. Da gab es wohl Richtung Norden eine Frequenzkollision. Diese Frequenz gab es aber zu SWF-Zeiten noch nicht.
 
Ich weiß nicht genau wann die 94.0 auf der Hornisgrinde an den Start ging, aber das war definitiv vor der Fusion von SDR und SWF. Im April '98 hatte ich sie erstmals während eines Aufenthaltes in Mannheim dort empfangen.
Im SDR-Magazin war sie mit 5 kW vermerkt, allerdings habe ich 1 kW auch mal irgendwo gelesen.
 
Da gab es wohl Richtung Norden eine Frequenzkollision. Diese Frequenz gab es aber zu SWF-Zeiten noch nicht.
Die Kollision hat sich meines Wissens der SWR selbst gebaut, weil er in Worms auf 94,0 SWR4 abstrahlen wollte, um dort das richtige Regionalprogramm aus Mainz hörbar zu machen. Und um hier Interferenzen zu minimieren, wurde eben die 94,0 von der Hornisgrinde kastriert.
 
Der Raichberg mit 100 KW hätte mit Sicherheit zu viel im Feindgebiet gewildert und das ermöglicht, was dem SWF nie vergönnt war: Guten Empfang auf der A81 von Stuttgart nach Heilbronn.
 
Die 94,0 von der Hornisgrinde ist eigentlich ein eigenes Thema wert.
Ich weiß nicht genau wann die 94.0 auf der Hornisgrinde an den Start ging, aber das war definitiv vor der Fusion von SDR und SWF.
Die 94,0 ging im Oktober 1997 für S4 Radio Ortenau on air, nach der Fusion SWR4 OG. Sendeleistung war 5kW.
Zuvor wurde die 94,0 in Lahr von Radio Ohr genutzt, dieses wechselte auf die 107,4.
Die Kollision hat sich meines Wissens der SWR selbst gebaut, weil er in Worms auf 94,0 SWR4 abstrahlen wollte, um dort das richtige Regionalprogramm aus Mainz hörbar zu machen. Und um hier Interferenzen zu minimieren, wurde eben die 94,0 von der Hornisgrinde kastriert.
Die 94,0 wurde "kastriert" (= auf 0,63 kW reduziert), nachdem das SWR4 Regionalprogramm für die Ortenau eingestellt und das dortige Studio geschlossen wurde. Die Region wird seither von SWR4 FR mitversorgt.
In Worms hatte sich eine Unterversorgung von SWR4 MZ ergeben, nachdem die starke Frequenz 107,9 von der Hohen Wurzel an den Privatfunk abgegeben wurde.
Aufgrund der Leistungsreduzierung an der Hornisgrinde und den weiterhin für diesen GNS geltenden Schutzabständen konnte der SWR dann in Worms einen Füllsender auf 94,0 für SWR4 MZ in Betrieb nehmen.
 
Zuvor wurde die 94,0 in Lahr von Radio Ohr genutzt,
War da nicht CFN drauf?

Die 94,0 wurde "kastriert" (= auf 0,63 kW reduziert), nachdem das SWR4 Regionalprogramm für die Ortenau eingestellt und das dortige Studio geschlossen wurde.
Die Leistungsreduzierung von 5 auf 0,63 kW müsste doch bestimmt für eine deutliche Verschlechterung des Empfangs von SWR4 gesorgt haben, ganz gleich welches Regionalstudio das Sendegebiet versorgt. Zudem fehlt SWR4 der Blauen, und die 107.3 vom Raichberg hat auch "nur" 25 kW.
 
Die Leistungsreduzierung von 5 auf 0,63 kW müsste doch bestimmt für eine deutliche Verschlechterung des Empfangs von SWR4 gesorgt haben, ganz gleich welches Regionalstudio das Sendegebiet versorgt. Zudem fehlt SWR4 der Blauen, und die 107.3 vom Raichberg hat auch "nur" 25 kW.
Durch den exponierten Standort auf über 1100 m Seehöhe dürfte das jetzt definierte Zielgebiet nach wie vor ausreichend versorgt sein.
 
SDR1 habe ich als leicht verrauschten Mittelwellensender in Erinnerung.
Auf UKW ging da mit einem durchschnittlichen Empfänger nichts.
Bei Dunkelheit wurde der Empfang durch den "Berliner Rundfunk" erheblich gestört.
 
Zuletzt bearbeitet:
Die Alliierten hatten für jede Besatzungszone noch eigene "innerdeutsche" Rundfunksender mit geringerer Leistung auf Kurzwelle eingerichtet, so auch für die amerikanische Zone, später Baden-Württemberg. Die Frequenz 6030 kHz war dafür reserviert worden und konnte in ganz Deutschland gehört werden. Ein kurzer Mitschnitt am 30. April 1989, Empfangsort Köln. Die für SDR1 reservierte Mittelwelle konnte in den Sommermonaten dort nicht so gut empfangen werden. Allerdings bereitete der zu knapp bemessene Kanalabstand von nur 5 kHz gelegentlich Nachbarsenderstörungen. Hier noch nicht so stark. (Beim SWF3 auf 7265 kHz schon wesentlich extremer.)
 

Anhänge

Zuletzt bearbeitet:
Tolle Mischnitte! :thumbsup:

Auch ich habe SDR 1 gerne mal auf Kurzwelle gehört (obwohl es sogar auch grenzwertig auf UKW und natürlich auf MW empfangbar war), der Empfang war oft genauso gut wie auf Mittelwelle 576 kHz.

Durch den Horizontaldipol in Mühlacker war die Hauptabstrahlrichtung nach Norden und Süden, also tagsüber durchaus bis Skandinavien und Nordafrika.
An Nachbarkanalstörungen erinnere ich mich nicht.

Die 7265 kHz von SWF3 ging hier aufgrund der Nähe zum Bodenseesender nie so gut. Die dortige Antenne war ein Rundstrahler.
 
Die 7265 kHz von SWF3 ging hier aufgrund der Nähe zum Bodenseesender nie so gut. Die dortige Antenne war ein Rundstrahler.
Die "Kurzwelle" 7265 kHz sollte als Informationsradio für Urlauber zum "SWF3-Urlaubsradio" angetestet werden. Soweit ich mich erinnere, begannen diese Spezialprogramme um das Jahr 1983 herum. Zum Eigentest und zu Demonstrationszwecken wurden einmal Amateurfunker, die auch im Urlaub ihrem Hobby nachgingen, von Baden- Baden aus angefunkt. Einen "SWF3-Kurzwellenradioclub" gab es dann auch irgendwan einmal. Hier ein Beitrag dazu mit Ausstrahlung im regularen "Pop-Shop".

Aber auch Radio Bremen, das sich die Kurzwelle 6190 kHz mit dem Berliner SFB teilte, hatte mit der im Beitrag erwähnten "immensen Überlagerung" zu kämpfen. Es wurde zwar noch versucht, die Stelle mit der Negativbewertung aus dem Band herauszuschneiden oder nachträglich zu löschen, das ist leider nicht ganz so wie geplant gelungen. Man konnte - zwar mit Kracher - hernach im WAV-Editor noch etwas herauskitzeln.

Der zu geringe Kanalabstand von 5 kHz führte dann - gerade bei Empfängereinstellung "Bandbreite schmal" - zu dem gefürchteten Krachern. Es ist nichts Neues und leuchtet ein, wenn mit 5 kHz Audiobandbreite gesendet wird, dann liegt das eine Seitenband - vom Nachbarsender herrührend - in Kehrlage. Zusätzlich sind gerade bei Sprache dann die Spitzen extrem. Damit das nicht in Vergessenheit gerät: AM und auch Kurzwelle hatten so ihre Tücken. Bei den Digitalverfahren DRM vertragen sich AM und DRM-Stationen erst bei 10 kHz Abstand recht gut. Die Koordination der HFCC setzt heute gezielt darauf, dass zum Beispiel auf KW ausschließlich im 10 kHz Abstand gesendet wird.
 

Anhänge

Nach meiner Erinnerung ging SWF3 1982 über Kurzwelle auf Sendung (zuvor war SWF1 übertragen worden).

Das wurde damals im laufenden Programm u.a. so beworben:
„… auch in Flensburg und Hallig Hooge“ oder auch:
„Mit 20 kW in die Welt. SWF3 auf Kurzwelle“.

Es gab auch eine englischsprachige Ansage (ich meine so etwa, ganz genau weiß ich es leider doch nicht mehr):
„Brodcasting on FM and shortwave. This is SWF3-Radio from Baden-Baden in West Germany. 7265 kHz in the 41-Meter-Band. Station identification every hour after the news“ und dann kam der SWF3-Trailer.

Der Kurzwellenradioclub wurde später zu „Mack Weltweit“ am Samstagnachmittag. Ich habe diese Sendung immer sehr gerne gehört.

Schön war’s!
Ich habe die Abschaltung der Kurzwelle 2004 sehr bedauert und habe deshalb damals auch an SWR3 geschrieben. Und ich wurde daraufhin sogar persönlich von Norbert Diener angerufen, der die Weltweit-Sendungen auch oft moderiert hat.
Norbert Diener war ein erstklassiger und sympathischer Moderator und Urgestein von SWF3/SWR3, der leider auch viel zu früh verstorben ist.
 
Zuletzt bearbeitet:
Zurück
Oben